Nur mal eben so und zum Spaß

  • Servus miteinander,


    ich habe eine nette Wanderung zu einem guten Freund hinter mir, die es wert ist, euch teilhaben zu lassen.
    Das Wetter war auf voll mies gemeldet und ich hatte die Tour sowieso schon länger vor. Seitdem ich eine leistungsfähige Mitläuferin an meiner Seite weiß, werden eine ganze Menge Touren plötzlich Realität, weil man sich gegenseitig motiviert. Feine Sache das.


    Angedachte Zeit: 2 Tage / 1 Übernachtung unter Tarp.
    Strecke: 38 Km


    Meine Packliste, von unten nach oben im Rucksack, mein alter ESSL 100:


    Bodenfach: Bodenplane; Schlafsack; Biwaksack; Isomatte
    Seitenfach, klein: 3 Energieriegel gegenüber noch ein HMS-Karabiner
    Hauptfach: 2*1,5L Nalgene Flasche - 1 voll Wasser, 1 voll süßem Tee; 1*Packsack, wasserdicht mit 1 Paar Socken (Wrightsocks stellt tolle Socken her), 1*U-hose, 2*T-shirt, 1*Hose, 1*Jacke, 1*Strickpullover, BW; 1*1L Nalgene-Flasche voll geschnibbeltem Gemüse, 500g Kastenbrot; 1 Salami, ganz;
    Seitenfach links: Tarp (3*3m DD) samt Heringen und Spannschnur, 1*Fertignahrung, ein paar Bandschlingen und ein brauchbares großes Messer.
    Seitenfach rechts: Kochset bestehend aus Gaskocher; 2 Gas-Kartuschen; 1 Tasse mit Klappgriffen, Tatonka; Wasserfilter Katadyn Hiker Pro, Poncho, 1*Fertignahrung, 1*0,5L PET voll Wasser
    Deckelfach: Kopflampe, Med-Set ink 2 Rettungsdecken, 2 TQ, Samsplint, Medis geg. Übelkeit, Durchfall & Schmerz, ein paar israelische Bandagen, Blasenpflaster, Splitterpinzette, Octenisept, norm. Pflaster, Rescue Cream (tolles Zeug - kann ich nur empfehlen), und noch n bissl mehr Zeug; Essbesteck, BW - ich steh auf Besteck, mit dem ich a) kochen und b) anständig essen kann; ca. 30 Meter Paracord, Schreibzeug, Personalausweis, Krankenkarte, Mobiltelefon, Hausschlüssel, Notgeld


    Jeder trug sein Setup, wobei nur ich Tarp + Zubehör, Kocher + Gas und extra 2 Liter Wasser mit dabei hatte. So kamen wir auf ein Rucksackgewicht ink. Verpflegung von 17 Kg bei ihr und 22 Kg bei mir.


    Sonst ausgestattet war ich mit meinen Hanwag Alaska, Wrightsocks, Helikon SFU (Netzschal, Folder von Böker, Karte, Taschenlampe, Handschuhe, Taschentücher drin verräumt), einem NoName-Longsleeve und meiner Basecap.


    Samstag, am späten Vormittag marschierten wir ausgeschlafen(!) los. Der Wettergott ließ uns im Stich und anstelle des erwarteten Regensturmes bekamen wir leichten Wind und Sonnenschein. Der Schweinehund "schlechtes Wetter" fiel somit erstmal aus.


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    Wir kamen auf den üblichen Flurwegen, die definitv für jedermann gut befahrbar sind, zügig voran. Teilweise verließen wir die offiziellen Wege, um effektiver voran zu kommen.


    Auf der Strecke liegen zwei Flüsse, und eine Autobahn die es zu kreuzen gilt, was wir auf vernünftige Art und Weise taten. Die Autobahn wurde via Brücke gekreuzt - die stehen fleißig und abseit aller Zivilisation so herum - zum Kreuzen des ersten Flusses nutzten wir eine Schleuse und über den zweiten führte die Bahnstrecke, der wir ungefähr 2 km folgten, da sich die Straßen und Feldwege nicht in unsere Richtung orientierten.
    Wenn man sich erstmal an das kurze Gehen von Schweller zu Schweller gewöhnt hat, kommt man flott auf den Gleisen voran. Allerdings ist es zweckmäßig, ein bissl voraus und auch ein bissl zurück zu schauen.


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    Die erste Pause samt Warmverpflegung und anständiger Flüssigkeitsaufnahme gab es nach dem einzigen wirklichen Aufstieg, nach ca. 3,5 Stunden. Wir rasteten eine gute halbe Stunde um dann frisch gestärkt ins nächste Drittel aufzubrechen.


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    Ab hier folgten wir dem Grat des Höhenzuges, der uns bis zum Ziel führen sollte. So wurden unnötige Auf & Abstiege vermieden und wir kamen trotz unzähliger Wege, die nicht auf meiner Karte(! - noch voll oldschool) verzeichnet waren, gut voran. Es hat was, dass man weiß, wo Norden ist, es nicht bergab gehen sollte und landschaftliche Orientierungspunkte immer mal wieder durchs Laub blitzen. Außerdem liefen wir in den Sonnenuntergang, damit war keine weitere große Orientierung nötig.


    Unterwegs stießen wir auf eine Gruppe von ca. 20 Mountainbikern, die mit ihrem Transporter mitten im Wald standen. Weithin leuchtete das Weiß des Fahrzeuges und das Klimpern der Flaschen ließ auf eine illustre Truppe schließen. Der Transporter war ein "normales" Gefährt - und der Weg soweit gut befahrbar. Das hätte auch ein Wohnmobil ohne Probleme geschafft.


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    Wild gabs keines zu sehen, trotz des schön ausgefahrenen und entknisterten Weges. Man fragt sich warum. Die Herr/Frau&Kindschaften schossen ein paar hundert Meter an uns vorbei. Staubige Angelegenheit, das Ganze.


    Nach ein paar weitern Km (nicht ganz das 2. Drittel) machten wir die nächste, halbstündige Pause. Schön langsam brach die Nacht an und wir beschlossen trotz abgetapten Blasen an den Füßen meiner Begleitung, den Marschweg ohne Übernachtung zu beenden, da wir bis dato gut vorangekommen waren und nun den Biss entwickelt hatten, durchzuziehen. Also machten wir uns auf, den Rest der Strecke in die Knie zu zwingen.


    Zum endgültigen Einbruch der Nacht leuchteten - mitten im Wald ist es echt dunkel - die roten Strahler unserer Kopflampen völlig ausreichend den Weg aus. Interessant war, dass im roten Schein plötzlich die Höhenlienien auf meiner Karte verschwunden waren. Äußerst amüsant - zum Glück waren keine großartigen Kreuzsprünge mehr zu tätigen. Im Leuchteinsatz waren eine Petzl Actik und eine Petzl Tactikka. Beide Lampe haben sich bewährt und liefern im Rotlicht und Schwachweißlichtmodus ausreichend Licht für andauernden Einsatz. Zum erweiterten Beleuchten setzte ich meine Fenix LD 20 ein, die zugriffsbereit in einer der Beintaschen meiner Hose verstaut war.


    Nach geschätzten 25 Km fingen dieselben an, sich wie Kaugummi zu verhalten und die Muskulatur fragte an, ob ich noch ganz sauber sei. Ich verneinte und befahl den Füßen, weiter zu laufen. Bei Km 30 wurde noch einmal zu einer halbstündigen Pause gerufen. Wir nahmen anständig Nahrung auf, zogen eine weitere, wärmende Schicht Kleidung an und marschierten bei leichtem Nieselregen weiter auf das Ziel zu. Zu unserer Freude zeigte sich der Wettergott gnädig und beehrte uns auf den letzten zwei Kilometern unserer Tour mit anständigem Regen, der uns wie gewollt, ins Gesicht prasselte.


    Uns gegenseitig aufbauend erreichten wir nach insgesamt zehneinhalb Stunden und 38 Km Strecke tatsächlich gut gelaunt unser Ziel. (Das macht abzüglich der Pausenzeiten einen Schnitt von ~ 4km pro Stunde, damit kann ich leben) Dort wurden wir freudig empfangen und durften, bevor wir uns in den Schlafsäcken verkrochen, noch anständig berichten und eine leckre Hopfenkaltschale genießen.


    Very Fein und Thanks an alle Beteiligten.



    Körperliche Mängel hatte ich - bis auf Muskelkater in den Waden und ein leichtes Ziehen im Nachen übrigens nicht zu beklagen.


    Bis zum nächsten Mal,


    Schlack

    Dateien

    1984 is not an instruction manual!

  • Sehr schön zu lesen deine Tour, hoffe da kommen noch einige "Thumbs Up"
    Was ich mich aber frage ist, wenn du ja schon wusstest dass das Wetter mies wird warum seid ihr dann gestartet? Um die Allwettertauglichkeit der Ausrüstung und körperliche zu testen?
    Mein Tipp, wenn der Körper anfängt Zeichne zu geben dass er überlastet ist, dann sollte man Pausieren.
    Grüsse

  • Zitat von Fraiden;312368

    Was ich mich aber frage ist, wenn du ja schon wusstest dass das Wetter mies wird warum seid ihr dann gestartet?


    Vielleicht weil man sich im SHTF Fall das Wetter auch nicht aussuchen kann. :grosses Lachen: Außerdem... er hatte eine motivierte Mitläuferin und warum nicht?


    Schöner Bericht!


    Legend

  • Scheiß auf schlechtes Wetter!


    Zitat von Fraiden;312368

    Was ich mich aber frage ist, wenn du ja schon wusstest dass das Wetter mies wird warum seid ihr dann gestartet?


    Weil schlechtes Wetter die Grundausrede ist, irgendeine "Draußensache" nicht zu machen. Für mich war die Wetterlage der Versuch des Beweises an mich selber, dass es a) geht, b)mich nicht umbringt sonder mich c) an mir selbst voranbringt.
    Und wenn du bei Querregen noch immer grinsend durch die Nacht marschierst - dann ist alles gut.


    Zitat von Fraiden;312368

    Mein Tipp, wenn der Körper anfängt Zeichne zu geben dass er überlastet ist, dann sollte man Pausieren.


    Well, was ist ein Zeichen für Überlastung? Bewusstlosigkeit oder eher ein leichtes Ziehen in der Wade? Ich würde sagen, dass definiert sich über die eigene Schmerzgrenze. Die war bei mir definitiv noch nicht erreicht. Um die eigene Leistungsfähigkeit zu erhalten - deswegen macht man doch die Pausen, oder? Wenn der Körper durch ist, hilft die Pause auch nimmer viel.


    Ich hab mal gelernt, wenn ich noch Luft hab, zu jammern, dann hab ich noch genug Dampf zum weitermachen... ;-)


    @all: Danke fürs Lob.

    1984 is not an instruction manual!

  • Hallo Schlack :-)


    Hast Du das Fertigessen einfach so auf den Kocher gestellt? Machte die Aluschale das gut mit?


    Warum hast Du im Bodenfach nicht die schwerste Ausrüstung unter gebracht?


    Mit Dank und Gruß


    Andreas

  • Zitat von Samui;312808

    Warum hast Du im Bodenfach nicht die schwerste Ausrüstung unter gebracht?


    Ich dachte mal dass eben das schwere Gepäck in der Mitte am Rücken getragen werden soll, also da wo der Schwerpunkt des Rucksacks am günstigsten für den Rücken liegt.

  • Zitat von Samui;312808

    Hallo Schlack :-)


    Hast Du das Fertigessen einfach so auf den Kocher gestellt? Machte die Aluschale das gut mit?


    Ja hab ich. Die Schalen können das gut ab. Die Nudeln machen gar keine Probleme. Das Cevapcici (das im Bild noch geschlossen daneben liegt) brennt gerne an. Da hilft nur ein Löffel kalt hinunter würgen, den Rest auflockern und etwas Flüssigkeit zugeben. Nachwürzen ist ein muss - wenn man unbedingt Geschmack haben will und nicht nur was warmes im Bauch.


    Zitat von Samui;312808


    Warum hast Du im Bodenfach nicht die schwerste Ausrüstung unter gebracht?


    Weil ich
    a) gelernt habe, dass der Schwerpunkt nicht ganz unten sein soll (wenn das falsch ist möge man mich zügigst belehren) und weil
    b) meine Ausrüstung nach Zugriffsnotwendigkeit sortiert ist und ich so blind finde, was ich meine zu benötigen.


    Beste Grüße,


    Schlack

    1984 is not an instruction manual!

  • Danke für die Erläuterung :-) Die 2-3 Löffel auf den Deckel deponieren, sobald der Reis entklumpt ist, und sich alles rühren lässt, wieder dazu. Das würd ich so versuchen :-)

  • Wirklich ein schöner Tourenbericht.
    Wovon ich dir aber wirklich abraten würde, ist das gehen auf den Bahngleisen. Dadurch gab es schon so viele Todesopfer und die meisten von denen waren auch schlau und haben versucht aufzupassen, trotzdem passiert es immer wieder. Es ist einfach ein zu hohes Risiko nur um ein paar Kilometer Laufstrecke zu sparen.


    Was für eine Fertignahrung hast du verwendet? Hat das mit der Wassermenge gereicht oder musstet ihr irgendwo auffüllen?

  • Zitat von Wolfshund;312951

    Wovon ich dir aber wirklich abraten würde, ist das gehen auf den Bahngleisen. Dadurch gab es schon so viele Todesopfer und die meisten von denen waren auch schlau und haben versucht aufzupassen, trotzdem passiert es immer wieder. Es ist einfach ein zu hohes Risiko nur um ein paar Kilometer Laufstrecke zu sparen.


    Der Schlack hat ja wie beschrieben eine hohe Schmerzgrenze, die ist so hoch dass er sogar einen auffahrenden Zug überleben würde ;)

  • Nu, wenn patsch dann platsch....


    Wassermenge hat gereicht, ja. Kein Auffüllen notwendig.


    Das Fertigessen war aus der Norma. Fa. Pote, einmal Schweinegulaschtopf, einmal Cevapcici. Allerdings sind die Nährwerte grottig. Ohne die Riegel und ein bissl Hartwurst wärs arg mau gewesen.

    1984 is not an instruction manual!

  • Zitat von Wolfshund;312951

    Wirklich ein schöner Tourenbericht.
    Wovon ich dir aber wirklich abraten würde, ist das gehen auf den Bahngleisen. Dadurch gab es schon so viele Todesopfer und die meisten von denen waren auch schlau und haben versucht aufzupassen, trotzdem passiert es immer wieder. Es ist einfach ein zu hohes Risiko nur um ein paar Kilometer Laufstrecke zu sparen.



    Hallo,


    wir sind ein paar Mal auf der Erzbahnstrecke (Kiruna -> Narvik) gelaufen.
    War immer ein mulmiges Gefühl.
    Wenn wir meinten, dass ein Zug von hinten kommt sind wir immer schnell die Böschungen hinunter.
    Die Einen links die Andern rechts.
    Es war zu unserem Glück immer nur der Wind in den Oberleitungen
    (soviel zum Thema Nerven haben).
    Das gehen auf Bahnschwellen ist auch nicht immer so einfach. Für einen normalen Schritt zu nahe beisammen und für zwei Schwellen auf einmal ... zu weit auseinander.
    Vielleicht waren es auch statt 2 .. 3 Schwellen.
    Also Vorsicht.


    Wir kürzten Sumpfgebiete dadurch ab und überquerten Wasserläufe (ohne nasse Füsse zu bekommen).


    (Ausserdem hat das sammeln der Eisenpellet an und auf der Bahnlinie Spass gemacht.)