Go East -Deutschland ? (!) Haus oder Grundstück in Ostdeutschland....

  • Naja... Wenn Ostdeutschland jetzt als "Land" durchgeht, dann ist die Einsortierung doch eigentlich nicht so falsch...


    Ich überleg schon seit längerem nach einer Kombination aus Ferienziel und SO zu suchen....


    Wie wohnen ja auf der Höhe von Hannover, und ich fände es nicht so Abwägung einmal in einem Korridor von 150km nach Norden und Süden von Hannover einmal Ausschau nach so etwas zu schauen...


    Tendenziell wird das ganze da im Osten ja eher noch Günstiger denn Teurerer....


    Allerdings tue ich mich mit den Landstrichen dahingehend schwer, das ich zu wenig des Ostens kenne...

    Ich höre immer Müritz, Mecklenburgische Seenplatte, der Harz usw usw..


    Ich suche also erst einmal den passenden Landstrich mit hohem Naherholungsfaktor


    Und das ist NICHT der nächste Freizeitpark, sondern Wälder, Berge, Heide, Wasser, meinetwegen noch Sehenswürdigkeiten, und Abgeschiedenheit!


    Um das Grundstück das preppertechnisch relevant ist kümmere ich mich dann später...

    Da wird schon was passendes kommen!


    Bestimmte Besonderheiten des Ostens in Sachen Bevölkerung gilt es natürlich auch zu beachten!


    Jemand Erfahrungen die er hier mit mir teilen kann?

  • Hallo,


    wir sind öfter in McPomm, meine bessere Hälfte stammt aus Sachsen-Anhalt. Unser Eindruck: die Ecken mit hohem Naherholungsfaktor (Ostsee, Region Müritz/Seenplatte) ist preislich mittlerweile jenseits von gut & böse. Es sei denn, dir genügt ein heruntergekommenes Stadthäuschen ohne Grundstück, das findet man auch noch in Ostseestädten wie Barth für 5stellige Beträge.


    Interessant sind die vermeintlich abgehängten Regionen im ehemaligen "Zonenrandgebiet" also Mitten in Deutschland auf der Höhe von Wolfsburg - Lüneburg. Da sind Grundstücke und Immobilien sowohl in der sachsen-anhaltinischen Altmark als auch in der Lüneburger Heide erstaunlich günstig. Im Salzlandkreis in S.-A. gibt's auf dem Land Neubaugebiete mit Quadratmeterpreisen von 19 (neunzehn) Euro - voll erschlossen (z.B. in der Ortschaft Dähre). Im Westen, im Raum Amelinghausen (Lüneburger Heide) liegen die Quadratmeterpreise bei auch noch günstigen 40 Euro. Paradoxerweise beide Regionen in einer Entfernung von 45 Autominuten zu Wolfsburg, wo es (noch)hochbezahlte Jobs gibt Wenn ich das mit den Baulandpreisen in Süddeutschland vergleiche...


    Resthöfe in Ostdeutschland bekommt eigentlich in allen Regionen, die nicht vom Tourismus überrannt werden, recht günstig. 3.000qm Grundstück mit Resthof drauf für 40.000 Euro, sind nicht ungewöhnlich. Das Problem ist, dass solche Billig-Immobilien häufig komisches Volk anziehen, die sich sowas grade so leisten können und dann unter ziemlich prekären Verhältnissen dort wohnen (eher hausen), was dem Ruf einer Ortschaft und auch dem Zustand der Gebäude nicht zuträglich ist (Messies, Hanfzüchter, Neonazis, linke Lebenskünstler, Alkis).

    Da muss man bei einem Kauf schon genau hinsehen, welches Umfeld man da später hat oder bekommen könnte, wenn um einen rum noch mehr solche Immobilien sind. Dazu kommt der extreme Sanierungsstau, da wurde in 40 Jahren DDR mehr improvisiert und Geflickt und zur Wende dann meist der Sanitärbereich in Eigenregie mit Baumarkt-Produkten aufgehübscht und dann seither nur noch abgewohnt.

    Beim Kauf sollte man sich im klaren sein, dass man mehrere Tonnen Müll entsorgen muss und dass man dabei permanent vor Ort sein muss. Gerade Resthöfe, die schon ne Weile leerstehen, ziehen Müll aller Art offenbar magisch an. Manchmal ist beim Verkauf noch alles "besenrein" leer und kommt der neue Eigentümer 1-2 Wochen später zur "Inbesitznahme", dann quellen Garagen und Schuppen plötzlich von Säcken mit Glaswolle, zerbrochenen Asbestplatten und rostigen Kanistern mit unbekanntem Inhalt geradezu über.

    Haben bei einer Haushaltsauflösung auch schon sowas selbst erlebt: zwei offene Mulden für Sperrmüll anliefern lassen, über Nacht ein paar km entfernt übernachtet und am nächsten Morgen waren die Mulden schon zur Hälfte mit Sperrmüll anderer Leute gefüllt... Es gibt auch abschließbare Mulden, haben wir damals gelernt... Im Umfeld sehr preiswerter Immobilien ist das Sozialverhalten der Nachbarn meist noch ziemliche ausbaufähig...



    Neid & Missgunst sind auch so ein Thema, wenn zugezogene "mit viel Geld" und Arbeit was herrichten und die im Bestand vor sich hin wohnende Nachbarschaft dann noch verarmter und schäbiger wirkt, als sie eh schon ist. Insbesondere wenn man einen eher "offenen" Lebensstil pflegt und kontaktfreudig auf die Leute zugeht. Das stößt meist auf wenig Gegenliebe. Im Osten herrscht auf dem Land traditionell eine Art Wagenburgmentalität: bei 3-Seiten-Höfen ist das Hoftor zur Straße hin gerade mal so lange offen, um das Auto reinzufahren, danach wird zugemacht und alles verriegelt. Auf dem Innenhof fühlt man sich dann frei und sicher vor dem gefährlichen "Draußen" (wo es Einbrecher, Wessis, Wölfe, Rumänen etc. gibt - die es allesamt zur "guten" alten DDR-Zeit nicht gab...)


    Technisch hat man bei solchen Objekten meist keinen Abwasseranschluss und kein schnelles Internet (wenn überhaupt). Die Elektroinstallation ist häufig mit Alu-Leitungen ausgeführt (Standard in der DDR), bei Renovierungen ab der Wende wurde dann mit Kupfer weitergemacht. Problematisch sind die Übergänge in Verteilerdosen mit geschraubten Klemmsteinen, wo Cu auf Al geklemmt wird. Das gibt mit der Zeit Wackelkontakte und führt zu spontanen Ausfällen einzelner Stromkreise und Gebratzel in den Verteilerdosen unter Last (Brandgefahr).


    Beim Abwasser muss man dann entweder eine abgedichtete Grube haben (wird geprüft), die man von einem kommunalen Dienstleister gegen Gebühr 1-/2-monatlich auspumpen lassen muss oder man lässt sich eine Kleinkläranlage bauen, die aber die neuesten Anforderungen erfüllen muss, was sie mittlerweile teuer und aufwändig macht (3 Kammern, Umwälz- und Belüftungspumpen, elektronische Ablaufsteuerung der Wasserbehandlung etc. Das "Klarwasser" muss man dann noch zusätzlich in einem Schilfteich/-becken biologisch nachbehandeln lassen (im Winter muss das Becken das Wasser sammeln), bevor man es versickern darf. Dazu regelmäßige Beprobung und TÜV-Prüfungen der KKA.


    Was man beachten sollte: der Kauf der Immobilie ist meist sehr günstig, Handwerkerleistungen und Material kosten aber gleich viel wie im Westen, das übersehen viele Wessis und sind dann sehr überrascht, wenn das Eindecken einer 9.000-Euro-Immobilie dann 25.000 Euro kostet.


    Wenn man das alles berücksichtigt und abkann bzw. seinen Weg findet, mit den Menschen vor Ort umzugehen und Landleben im Seymourschen Sinne mit Gartenbau und Kleinviehhaltung mag, dann kann man im Osten sehr gut und selbstbestimmt leben.


    Was ich für schwierig halte, ist sich eine Ferienimmobilie dort aufzubauen, ohne selber vor Ort zu sein oder wenigstens einen sehr zuverlässigen Verwalter vor Ort zu haben. Und man unterschätzt auch die Distanz, zumindest von Süddeutschland aus. Von Freiburg bis Usedom sind es über 1.000km mit dem Auto, 12,5h(!) mit der Bahn oder 3h mit dem Flieger (ab Basel) bzw. 1,5h (ab Stuttgart).


    Grüsse

    Tom

  • Meine Eltern hatten einige Jahre eine Ferienwohnung in meckpom.

    War in der Nähe von Anklam. War ein ziemlich kleines Dorf.


    Dort gab es nix (nichtmal Handy Empfang)

    Der nächste Supermarkt ist ca 20km entfernt und es gibt nur Natur drum Rum.

    Wenn man auf sowas steht ist das erholsam. Und die Gegend ist extrem günstig. Allerdings "etwas" mehr als 150km von Hannover.


    LG Bulli

  • Und ich denke, dass die Mainstreampresse da aus einer geringen Minderheit wieder ne riesen Story fabriziert. Siehe auch Prepper-Berichterstattung.


    LG. Nudnik

  • tomduly

    Danke für Deine immer wieder genau auf den Punkt gebrachten, und konstruktiv-eloquenten Beiträge!


    Wirklich eine Bereicherung!


    Muss Mal gesagt werden!


    Das erklärt mit wenigen Worten auch, warum es im Osten so aussieht, und keiner Bock hat dort hinzugehen, bzw. zu bleiben....


    Wer der Welt im allgemeinen so viel ablehnende Haltung zeigt...hat es vielleicht auch nicht anders gewollt/verdient....


    Sicher... Das ist etwas pauschal, aber bestätigt genau meine Vermutungen.


    Wenn ich erst einmal einen Wachschutz brauche, damit mir niemand die Bude Schrottet.... Naja...

  • Man muss bei dem Thema aufpassen, dass man sich nicht von der pauschalen Denke "genderbuntes Stadtleben" vs. "rückwärtsgewandtes völkisches Dorfleben" einfangen lässt. Dazwischen gibt es gottseidank noch jede Menge Abstufungen. Und in Städten gibt es mindestens soviele Leute mit kaputter politischer Einstellung wie auf dem Land. Und aus jedem, der "nicht-städtisch" lieber auf dem Land lebt, gleich einen extrem Rechten zu machen, führt dann doch zu weit. Genau so wenig wie die links-progressive Szene die Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert, tut es das andere Extrem am rechten Rand. Beiden Extremen wird durch eine künstliche Aufgeregtheit viel zu viel Aufmerksamkeit zuteil.


    Billige Hausruinen auf dem Land oder quasi rechtsfreie Nischen wie alte Industriegebiete in Ballungsgebieten haben schon immer auch zwielichtige Gestalten angezogen, das sollte man halt bei seiner Immobiliensuche berücksichtigen.


    Grüsse

    Tom

  • Ich hatte auch schon mal Gedanken in diese Richtung, allerdings bekommst du nur da günstige Immobilien wo eh nichts los ist bzw Arbeitslosigkeit usw hoch ist. Dann ein Haus zu renovieren, dem man von Außen ansieht das eine Menge Geld investiert wurde, lockt Leute an die man normalerweise nicht haben möchte.

    Als SO musst du immer im Hinterkopf behalten das du dort auf Lebzeit der Wessi bleiben wirst. Du bist der Zugezogene und wirst es auch immer bleiben. Das ist in den Dörfern hier nicht anders, selbst wenn du nur 10km entfernt aufgewachsen bist. Das ist eben die Dorfmentalität und die ist überall gleich, egal in welchem Bundesland oder Staat du dich befindest.

    Wenn du zudem nur hin und wieder am WE dort bist, ist das mit dem Kontaktknüpfen auch nicht so einfach. Gerade wenn es ein SO sein soll, sind gute Beziehungen Vorort extrem wichtig. Im Zweifelsfall bist dann du derjenige der geplündert wird oder der im SO ankommt und feststellt das nichts mehr vorhanden ist.

    Was mich auch davon abgehalten hat, wenn es billig sein soll bist du in aller Regel im Ar*** der Welt und nicht mehr nur "AM".


    Wobei ich auch hinzufügen muss das die "Ossis" die ich hier (BaWü / LB und HN) und dort kennengelernt hab unkomplizierter , sehr viel freundlicher und hilfsbereiter sind als die "Einheimischen" hier. Ich bin mit 90% auf Anhieb gut klar gekommen, was man bei den meisten hier nicht sagen kann. Ebenso lässt die Hilfsbereitschaft hier echt zu wünschen übrig.

    Klar gibt es dort auch Armleuchter, aber die Chance da welche zu treffen ist, mit dem was ich bisher so erlebt hab, weitaus geringer wie hier im Süden von D. Hier ist scheint der prozentuale Anteil der Geigen höher zu sein oder ich hatte bisher das Glück immer an welche zu geraten.

  • Ich habe jetzt wirklich keine Lust, auf jedes Klischee von tomduly einzugehen. Am besten ist es, wenn Leute mit derartigen Ansichten unseren "neuen" Bundesländern fernbleiben. Dann bleibt mehr für die Alteingesessenen übrig, vor allem Grundstücke. Auch wenn diese momentan wertlos erscheinen, sind sie Teil einer Resource, die sich nicht vermehren lässt.


    Und während ich jetzt diese Zeilen schreibe, von meinem 25.000 -er DSL-Anschluss auf dem Dorf, läuft hier im Gartenhaus die Klimaanlage und in wenigen Minuten hüpfen wir in unseren Pool. :P


    Wer mit solchen Vorurteilen in den Osten will, wird genau diese ablehnende Art der Menschen hier gegenüber der Arroganz zu spüren bekommen. Und zwar mit Recht.

  • Immobilie mit Renovierungsstau, in Lage mit schlechter Infrastruktur und deshalb zu günstigen Preisen: Das ist längst kein alleiniges Thema der nicht mehr ganz so neuen Bundesländer. Da findet man in Westerwald, Hunsrück, Eifel und einigen anderen Ecken durchaus auch was. Es muss halt weiter weg von größeren Städten und von Verkehrsanschlüssen sein. Einfach mal ein bisschen bei Immoscout stöbern. Natürlich ergeben sich viele der beschriebenen Probleme wohl ähnlich wie im Osten.

  • PreppiPeppi : Solche Impressionen des Landlebens kenne ich auch aus dem "Westen",. Ja auch Niedersachsen.


    Welche Regionen endzeitsimmung nicht genannt hat obwohl auch kaum teurer als irgendwo im "Osten".


    (z.B. Solling, Weser Bergland, Ottensteiner Hochebene). Die haben auf Hannoveraner auch "gewartet"

  • Schade, dass es hier keine "dislike"-Button gibt. Trotzdem:thumbdown:

  • tomduly hat das schon aus technischer Sicht richtig geschildert. Aber wir Ossis konnten uns nicht aussuchen, wer zur Inbesitznahme kam, wenngleich Ossis im Allgemeinen keine 68'er Weicheier sind und vieles so anpacken, wie das normale Frauen und Männer tun.

    Bezüglich des angeblich rechten Gedankenguts: in Brandts SPD Kabinett waren immerhin 11 NSDAP Mitglieder.

  • Ruhig Brauner!


    Da ist viel "Wenn" in meinem Post, auch wenn sich LEIDER das was Tom da schreibt mit dem deckt, was ich auch von anderen gespiegelt bekommen habe....


    Das durchaus vernünftige Leute im Osten wohnen, davon möchte ich doch wohl ausgehen....im Zweifel für den Angeklagten!


    Nur bevor ich mir blauäugig in der "Ferne" meines Vaterlandes einen grossen Batzen Geld versenke, um dann gefrustet alle wieder hinzuschmeißen hole ich mir GENAU hier auch gerne VERSCHIEDENE Meinungen!


    Und bevor ich hier zum Ossihasser abgestempelt werde....


    Schreibt mir doch lieber EURE Sichtweise dazu!

  • Es ist im Prinzip alles gesagt.


    Wo Resthöfe u.ä günstig sind ist die wirtschaftliche Lage schlecht und auch sonst ist der A... der Welt schon zu sehen.

    Mit allen Konsequenzen für berufliche Tätigkeit und Infrastruktur.


    Als Zugereister kann, ich sage kann, das einleben in der örtliche Gemeinschaft schwierig sein. Oftmals Umständen geschuldet die selbst schlecht beeinflussbar sind.


    Das gilt für Ost/West/Nord/Süd.

  • oT In Köln ist man erst ab der dritten Generation kein Imi mehr. ;)

    - Der wichtigste Vorrat ist Wissen, den können selbst Plünderer nicht mitnehmen -

  • ich wohne im Kern des Rhein-Main-Gebietes, in einer mittelgroßen Stadt. Hier wird auch nach "Herkunft" unterschieden - und das fängt nach Stadtteil oder sogar bei "links oder rechts der Bahnschienen - altes Dorf / neues Dorf" an. Ich bin im Neubaugebiet bei den Alteingesessenen (und zwar links UND rechts der Bahnschiene) der mit dem geringsten "Stand". Menschen halt.


    Ich würde beispielsweise vorurteilsfreier an einen Marsmenschen rangehen als an einen Offenbacher.... Und 97% der Hessen gäben mir irrationalerweise Recht. Die restlichen 3% sind Offenbacher...


    Ich glaube, bei tomduly's Beitrag schwingt Ironie mit, die mancher persönlich nimmt...

  • Was man beachten sollte: der Kauf der Immobilie ist meist sehr günstig, Handwerkerleistungen und Material kosten aber gleich viel wie im Westen, das übersehen viele Wessis und sind dann sehr überrascht, wenn das Eindecken einer 9.000-Euro-Immobilie dann 25.000 Euro kostet.


    Noch als Ergänzung (habe im Oktober 200km von Hannover in Nordthüringen was gekauft):


    Die Handwerksbetriebe sind hier sehr gut ausgelastet und leiden an Nachwuchsmangel.