Posttraumisches Stress Syndrom /Belastungsstörung - Medikamente

  • Bei einem Stadtfest im Freudenberg (DE-Siegerland) ist kürzlich die Bratpfanne einer Bratkartoffelbude (Braterdäpfelbude) explodiert. Die große Ölstichflamme hat 17 umstehende Menschen regelrecht angezündet, die in ihrer Not brennend panisch umher gelaufen sind. Auch kleine Kinder mussten das anschauen.


    Von Auslandkriegeinsätzen ist bekannt, dass sogar gestandene Soldaten traumatisiert werden, die mit ansehen mussten, wie ihr Kamerad von einer Sprengfalle in Stücke zerfetzt wurde, obwohl sie selbst manchmal sogar gänzlich unverletzt geblieben sind.


    Bei der kämpfenden Truppe erzählt man sich unter der Hand, dass das beste wie man so ein Trauma vergessen kann Kiffen und Alkohol trinken sei. Aus medizinischer Sicht kann man einer in Depression befindlichen Person dazu jedoch auf keinem Fall raten. Viel zu groß ist die Gefahr, dass derjenige damit ganz abstürzt.


    Daher meiner Frage:

    Gibt es ein Medikament, dass Traumaerinnerungen ähnlich schonend aus dem Gehirn löscht wie Kiffen und Alkohol?


    Der Vollständigkeit halber möchte ich hinzufügen, dass sich das menschliche Gehirn nach der neuesten medizinischen Forschung sehr wohl wieder regenieren kann und Nervenzellen nachbildet. Eine sanfte Erinnerungslöschtherapie würde also keine bleibenden kognitiven Defizite hinterlassen.

    Prepper-Vorrat.

  • Kiffen und Alkohol "löscht" keine Traumaerinnerungen, sondern beeinflusst nur (für die Wirkungsdauer der Substanzen) die emotionalen Reaktionen auf den posttraumatischen Stress. Dasselbe würde auf andere Substanzen ("Medikamente") zutreffen. Ein auf anderem Wege herbeigeführter Schlaf bewirkt dasselbe, und das ohne die zerstörerischen Nebenwirkungen.


    Eine traumatische Abspeicherung lässt sich nicht aus der Erinnerung löschen, höchstens mittels Hypnose sperren. Auch das verlagert nur das Problem, denn fortan gäbe eine angstassoziierte "dunkle Stelle", die "geheimnisvoll" und nicht greifbar ist.


    Die beste Methode ist die Traumabearbeitung und anschließende Integration, z.B. Herstellen von tragfähigen und damit überbrückenden Bewältigungskompetenzen, die eine der "Zutaten" von Traumaentstehung aufheben - nämlich die (tonische) Ohnmacht. Wer handlungsfähig bleibt in traumatogenen Ereignissituationen, hat gute Chancen, keine PTBS-Symptome auszubilden. Medikamente oder andere psychotrope Substanzen bewirken genau das Gegenteil von Handlungsfähigkeit, sie sind immobilisierend. Damit traumaaktivierend.


    Nette Grüße

    Godehard Pötter

    http://www.praxis-poetter.de

  • Kiffen und Alkohol "löscht" keine Traumaerinnerungen, sondern beeinflusst nur (für die Wirkungsdauer der Substanzen) die emotionalen Reaktionen auf den posttraumatischen Stress.

    Das möchte ich bestreiten. Cannabis macht sehr wohl vergesslich und Cannabis-Dauerkonsum reduziert auch die kognitive Leistungsfähigkeit:


    https://www.drugcom.de/topthema/kiffen-macht-vergesslich/

    https://www.welt.de/print/welt…na-macht-vergesslich.html

    https://www.spektrum.de/news/m…ellen-vergesslich/1144046

    https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2002/daz-27-2002/uid-7948

    Prepper-Vorrat.

  • Demenz ist keine Lösung des Problems, ebensowenig wie ein hirnorganischer Schaden.


    Ich würde in einer solchen Sache einen Schamanen meines Vertrauens aufsuchen und die Erfahrung mit Unterstützung verarbeiten. Das hat mir in vergleichbaren Situationen auch gut geholfen.

  • Demenz ist keine Lösung des Problems, ebensowenig wie ein hirnorganischer Schaden.

    Cannabis verursacht - aufgrund der bereits oben zitierten Regenerationsfähigkeit der Gehirn-Nervenzellen - eben keine bleibenden Hirnschäden. Hier mal eine Liste erfolgreicher Persönlichkeiten, die früher gekifft haben, darunter darunter Bill Gates (Microsoft Gründer), Abraham Lincoln (US Präsident) und Michael Phelps (Olympia Spitzensportler).


    Nicht falsch verstehen. Ich möchte niemanden dazu ermutigen Cannabis zu rauchen. Auch schon wegen dem Lungenkrebsrisiko der ganzen Verbrennungsstoffe.


    Aber für traumtisierte Patienten wäre medizinisches orales Cannabis vielleicht eine gute Ergänzung zu den üblichen Antidepressiva. Man muss dabei bedenken, dass solche Patienten die Traumaerinnerungen ein ganzes Leben lang mit rumschleppen. Z.B. können viele britische Soldaten, die in Afghanistan gedient haben und aufgrund einer Nahexplosionserfahrung nun an PTSD leiden, ihr ganzes Leben lang keine Böllerei und keinen Geruch von gebratenem Fleisches mehr ertragen können, weil sie dadurch jedesmal an die Explosion erinnert werden. Da wäre es medizinisch doch durchaus vertretbar, wenn sie ein paar Monate auf THC "vor sich hin dölmern" würden, wenn sie danach wieder fit wären.


    Darüber hinaus vermute ich, dass bei konstanter Dosierung deutlich weniger Rausch und Suchtpotential entsteht, etwa ähnlich wie bei Opiatpflastern gegen starke Schmerzen (die ja früher aus Abhängigkeitsangst in Europa auch nicht verwendet wurden).

    Prepper-Vorrat.

    Einmal editiert, zuletzt von consuli ()

  • Posttraumatische Belastungsstörungen können verschiedene Ursachen haben. Natürlich helfen mir die Gespräche mit meiner netten Therapeutin auch, doch ohne meine Pillchen drehe ich schnell am Rad. Ich nehme nur die Hälfte der verordneten Menge und tuckere dadurch ruhig und friedlich wie ein alter Schiffsdiesel durchs Leben. Menschen vertrage ich allerdings nur in geringer Dosis und verkrümel mich meist wenn dieses Viehzeug mir auf den Pelz rückt. Ist verdammt schwierig damit zu leben, weil man dem allgemeinen Gewusel nicht ganz aus dem Weg gehen kann.

    War heute schön im Wald mit Hund. Vormittags drei und Nachmittags vier Stunden. Hab mir einen Waldsägebock und ein Bänkchen gebaut. Überall liegen dort trockene Buchenäste und Birken herum. Vier BW Rucksäcke voller ofenfertiger Knüppel habe ich gesägt und abtransportiert und der ÖPi durfte Stöckchen suchen. War sehr erholsam für mich mit einem frisch gekochten Kaffee die Ruhe und die Landschaft zu genießen, ohne das mir wer im Weg herumsteht oder mich gar zutextet.

    Die beste Therapie ist die Natur, die Ruhe und die Einsamkeit.

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    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom..........;-)

  • Ich habe mal gelesen, dass die israelische Armee Hanf genau zu diesem Zweck an Soldaten ausgibt, finde den (deutschsprachigen) Artikel dazu aber nicht mehr.


    Auf Wikipedia ist unten ein Link angegeben, der zu einer englischsprachigen Seite führt - ob und inwiefern dieser aber mit dem von mir gelesenen Artikel übereinstimmt, kann ich nicht sagen: https://www.middleeastmonitor.…-soldiers-smoke-cannabis/


    Mittlerweile lässt sich Cannabis auch in handlichen Geräten, von der Größe ähnlich einer E-Zigarette, verdampfen - eine Verbrennung findet dabei nicht statt.

  • Ich habe mal gelesen, dass die israelische Armee Hanf genau zu diesem Zweck an Soldaten ausgibt, finde den (deutschsprachigen) Artikel dazu aber nicht mehr.

    Ich habe dazu folgenden Onlineartikel gefunden:


    "Medical Marijuana Is Legal for PTSD in Israel, but Good Luck Getting It"


    Ich könnte mir auch vorstellen, dass einem die Nebenwirkungen, Vergesslichkeit und Verwirrtheit, - wenn es einem ohnehin schon nicht so toll geht - ziemlich schnell auf den Keks gehen.


    Aber immerhin kümmert sich das israelische Militär, um seine PTSD Veteranen und lässt sie nicht hängen. Viele andere Psychopharmaka haben ja auch blöde Nebenwirkungen ...

    Prepper-Vorrat.

  • Es gibt in der Fachwelt immer wieder die Idee, traumatisch erlebte Ohnmacht durch "von außen reingegebene" Handreichungen zu heilen, z.B. durch Medikamente. Das erhöht m.E. geradezu die Traumafolgen, weil auch das erlebte "Ohnmacht" ist - im Gegensatz z.B. zum Erwerb von Bewältigungskompetenzen. Zumeist sind die Medikamente obendrein auch nur "professionelle Verdrängung", denn echtes "Vergessen" ist das nicht. Es sei denn, man schädigt tatsächlich Gehirnstrukturen. Ansonsten spricht die Literatur davon, dass nichts wirklich "vergessen" wird, sondern nur die "Einsprungadresse" geht dem willentlichen Aufruf verloren. Dann ploppt das aber durch unkontrollierbare Trigger auf oder sucht sich in Konversionen sein Ventil.


    Das gilt insbesondere für Cannabioide. Die "Vergesslichkeitswirkung" ist nur die Schädigung des "Einsprungsadressenbereichs". Was also verloren geht, ist um so mehr die Kontrolle ganz generell über seine mentalen und kognitiven Fähigkeiten. Aber wirklich gelöscht wird da nix, es wird nur um so unkontrollierbarer, was das Aufploppen und die Triggerbarkeit von Intrusionen (Flashbacks) betrifft. Cannabiskonsum verstärkt also m.E. das Traumaerleben, weil es erneute Ohnmacht produziert, diesmal sogar im eigenen Innern.


    LG Gode

    2 Mal editiert, zuletzt von Gode_RE ()


  • Wenn man aber in der Medzindatenbank Pubmed nach neuen medizinischen Publikationen zum Thema PTSD schaut, dann tauchen die Substanzen Cannabinol und Cannabinoids öfter auf, obwohl ich gar nicht speziell danach gesucht habe (sondern nach "drug treatment post traumatic stress disorder PTSD")


    Ich kann aber nicht über eigene Erfahrungen berichten. Ohnehin ist bei mir ein Freund von früher betroffen, zu dem ich jetzt aber wieder viel Kontakt habe.

    Prepper-Vorrat.

  • Servus Leute!


    PTSD und auch jede andere psychische Störung braucht natürlich eine dringende, fachliche Betreuung. Die medikamentöse Therapie ist immer nur unterstützend, um die eigentliche Therapie überhaupt möglich zu machen.

    Wie bei einem gebrochenen Bein. Schmerzmittel lassen den Bruch vergessen, aber ohne Behandlung wird man auch nicht wieder laufen.


    Was Cannabis und cannabinoide Therapien betrifft: Es gibt durchaus Ansätze und Studien, die das gezielte "Entlernen", quasi das Umprogrammieren des Gehirns/Geistes, mit Unterstützung durch cannabinoide Medikamente untersuchen. Aber abschließend gibt's noch keine Theorien. Gerade die USA, die ja sowieso auf dem Weg einer weitestgehenden Legalisierung sind, sind da recht gut dabei.


    Gruß


    Avesjünger

  • PTSD und auch jede andere psychische Störung braucht natürlich eine dringende, fachliche Betreuung. Die medikamentöse Therapie ist immer nur unterstützend, um die eigentliche Therapie überhaupt möglich zu machen.

    Absout richtig. Bei medikamentöser Behandlung geht es im Wesentlichen darum, den Patienten "aus dem großen Loch rauszuholen", damit er selbst wieder positive und heilende Aktivitäten ausüben kann. Mit PTSD kenne ich mich so gut aus. Aber bei einer Depression - meine Ex-Freundin hatte mal eine - ist es ja so, dass man körperlich aktiv sein soll und auch Sonnenlicht soll positiv wirken. Bei einer starken Depression hat man aber überhaupt keine Lust auf sowas, sondern man verkriecht sich lieber in der eigenen Wohnung. Deshalb kommen viele bei einer starken Depression nur medikamentöser Hilfe aus dem Loch raus, um wieder "in die Gänge" zu kommen. Es gibt auch ganz unterschiedliche Stoffgruppen von Antidepressiva. Wenn man z.B. mit Serotoninwideraufnahmehemmern nicht klar kommt, kann man evtl. trotzdem von Selektive Noradrenalin-/Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (SNDRI) profitieren, die auf einem ganz anderen Hormonschiene wirken. Vermutlich kommt es immer auf den Einzelfall an, welche Beschwerden am gravierendsten sind und wie man sich mit den Nebenwirkungen der Stoffgruppe arrangieren kann. Posttraumatisches Streßsyndrom ist ja irgendwo auch eine Sammelschublade für alle möglichen psychischen Krankheiten, auch wenn sie mal die gleiche Ursache hatten. Auf jeden Fall gibt es keinen Grund sich für die Erkrankung zu schämen. Alles kann kaputt gehen, Haut, Knochen, innere Organe, also logischer Weise auch die Nerven!

    Prepper-Vorrat.

  • Na, da wäre ich aber vorsichtig mit solchen Thesen. Neurotransmittermodulatoren mit Begriffen aus der Endokrinologie in einem Atemzug zu nennen ist kühn. Und nein, das Posttraumatische Streßsyndrom wird eher nicht als "Sammelschublade" für "alle möglichen psychischen Krankheiten" verwendet, sondern ich erlebe das in meiner Praxis eher umgekehrt. Nenne doch mal ein Beispiel für Deine These, das fände ich jetzt ganz spannend. Auf jeden Fall würde es meinen Horizont erweitern.


    LG Gode

  • Radio BFBS, der Radiosender der britischen Armee, berichtet relativ regelmäßig über PTSD. Nach Jahren des Verschweigens will die britische Armee das Problem nun proaktiv angehen. Dort wird es so dargestellt, also ob es 3 Hauptsymptome

    • Angstträume und Angstzustände
    • Gefühlsschwankungen
    • Depression

    gäbe, die bei jedem Betroffenen ganz unterschiedlich oder auch gar nicht ausgeprägt sein können. Z.B. hat der eine "nur" Angstzustände, ein anderer Gefühlsschwankungen und Depression, ein Dritter "nur" Depression. Eine persönliche Beurteilung vermag ich mir nicht anzumaßen, da ich - wie oben bereits gesagt - nicht selbst betroffen bin, sondern ein Freund von mir.

    Prepper-Vorrat.

  • Angstträume und Angstzustände
    Gefühlsschwankungen
    Depression


    Kann ich durchaus aus eigener Erfahrung bestätigen.


    Heute früh musste ich notgedrungen in die Stadt zum Allgemeinmediziner. Menschengewimmel überall und volles Wartezimmer. Geht gar nicht! War froh da schnell wieder weg zu können. Da helfen dann auch keine Pillen mehr.


    Was wirklich hilft ist das. Raus aus dem Gewusel und ab in den Wald. Ruhesitz fertigbauen, einen Rucksack Holz sägen und ein Kumpel der einen so nimmt wie man eben ist. Nach ca. 3 Stunden absoluter Menschenabstinenz, Vogelgezwitscher, Nieselregen und frischer Luft gings dann wieder.

    Bin seid Tagen stundenlang mit dem ÖPi draußen im Busch. Habe mich lange nicht mehr so gut gefühlt wie jetzt. Der Geist wird frei und der Körper erholt sich zusehends. Abends 10 Uhr falle ich müde ins Bett und kann auch mit dem Atemgerät gut schlafen. Früh fünf Uhr werde ich munter und freue mich auf den ersten Kaffee mit Murmeltierchen und auf einen weiteren Tag in der Natur.


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    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom..........;-)

    Einmal editiert, zuletzt von Miesegrau ()

  • consuli : Das ist dann zwar eine weitere These, die durch einen Rundfunksender genährt ist, und weniger durch die Kriterien des ICD-10 oder DSM IV betreffend der Symptomatik PTSD. Und die genannten Begleiterscheinungen kommen tatsächlich (auch) vor, nur halt nicht im Vordergrund. Aber das beantwortet ja noch nicht die Frage, die ja noch hier im Raum steht, für welche "alle möglichen psychischen Krankheiten" die PTBS (oder PTSD) als "Sammelbecken" hergenommen wird.


    Miesegrau : Dein Lösungsansatz "Flucht" ist durchaus tauglich und für Dich der richtige Weg. Der Preis dafür ist der "soziale Rückzug". Das kann eine für Dich absolut lebensdienliche Strategie sein, die allerdings auf "Vermeidung" basiert. Solange Du damit gut zurecht kommst, machst Du alles richtig!


    LG Gode

  • Solange Du damit gut zurecht kommst, machst Du alles richtig!

    Funzt. Ich befinde mich in psychologischer Behandlung und war zur Untersuchung und Therapie in einer psychosomatischen Klinik. Allerdings auf Empfehlung des Psychologen nur als Tagesgast. Raus kam schlussendlich das es für mich und den Rest der Menschheit besser ist mich aus dem Arbeitsleben in die Rente zu entlassen.

    Damit ich nicht zu Hause versauere und eine Aufgabe habe wurde mir angeraten mich sinnvoll zu beschäftigen. Also habe ich mir den langersehnten Wunsch erfüllt und mir einen Hund angeschafft. Jetzt habe ich endlich einen Begleiter für meine liebsten Outdooraktivitäten wie Rad fahren, Angeln und in der Natur herumstreifen. Seit diesem Zeitpunkt bin ich wesentlich ruhiger, ausgeglichener und zufriedener. Es gibt für jeden eine gute und praktikable Lösung, dies ist halt die Meine.

    Frauchen ist gerade auf Arbeit gegangen, also Rucksack packen und los mit dem ÖPi in die Freiheit.

    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom..........;-)