Krieg nicht mehr ausgeschlossen: THW stellt sich neu auf

  • Das Technische Hilfswerk richtet sich erstmals nach Ende des Kalten Krieges wieder auf Krieg in Europa ein. Das THW Hattingen ist vorbereitet.

    Die Gesellschaft ändert sich und damit stellt sich auch das Technische Hilfswerk Hattingen neu auf. „Die sicherheitspolitische Lage wird jetzt wieder so eingeschätzt, dass es auch Krieg auf europäischem Gebiet geben könnte. So richten wir uns jetzt wieder aus“, erklärt Ingo Brune, Leiter des THW Hattingen.

    https://www.waz.de/staedte/hat…-neu-auf-id227238625.html


    Auch Ingo Brune, der Leiter des THW Hattingen, bestätigt diese Veranlassung: „Die sicherheitspolitische Lage wird jetzt wieder so eingeschätzt, dass es auch Krieg auf europäischem Gebiet geben könnte. So richten wir uns jetzt wieder aus.“

    https://www.epochtimes.de/poli…geschlossen-a3029294.html



    Gruß Frank

  • Dieses Thema hatten wir bis heute früh um 0Uhr30 - leider sehen es die Frau und der Sohn genauso .X(

    Bin weiterhin am aufstocken länger haltbarer Vorräte .


    Später wird man dann sagen - hat doch in der Zeitung gestanden - warum habt ihr nicht ......:whistling:

  • Ist im Grunde nichts neues. Das Thema "Krieg" spielt im Zivilschutz seit einigen Jahren wieder eine zunehmende Rolle. Die dt. Bundesregierung hat schon 2016 die /DE/Publikationen/Sonstiges/Konzeption_Zivile_Verteidigung_KZV.pdf?__blob=publicationFile">"Konzeption zivile Verteidigung" (KZV)vorgestellt.


    Und das BBK nimmt da auch längst kein Blatt mehr vor den Mund, wie z.B. im Vorwort der /DE/Publikationen/Publ_magazin/bsmag_4_18.pdf?__blob=publicationFile">Broschüre "Bevölkerungsschutzpädagogik" aus 2018:

    "Liebe Leserinnen und Leser,

    es ist unbestritten, dass wir als Akteure im System des Bevölkerungsschutzes vor erheblichen Herausforderungen stehen angesichts z.B. der aktuellen Sicherheitslage sowie der an Intensität zunehmenden Naturereignisse. Selbst das Thema „Krieg“ in der Ausprägung hybrider Angriffsszenarien bedroht uns un-mittelbar und ist längst nicht mehr undenkbar."


    Geht letztlich alles auf die Krim-Annexion durch Russland 2014 zurück.


    Bemerkenswert ist, dass es nun offenbar auf der Arbeitsebene des THW ankommt und man darf gespannt sein, wie das Aufgabengebiet und die Fähigkeiten der umdefinierten dann konkret aussehen werden:


    "Unsere zweite Bergungstruppe wird jetzt in die neue Fachgruppe Notinstandsetzung und Notversorgung umgewandelt."


    Insbesondere das Thema "KRITIS" ist mittlerweile so komplex und einem so raschen Wandel unterzogen, dass die Beschaffungsämter doch gar nicht mehr hinterherkommen, z.B. Kommunikations- und IT-Infrastruktur im Zivilschutz über Ausschreibungen und Umrüstungen laufend nachzuziehen. Ich wette, dass in den ELW1 und ELW2 des Katastrophenschutzes immer noch Rechner mit Windows XP aus dem letzten Jahrhundert neben den UMTS-Mobilfunk-Systemen der ELW vor sich hin rotten. UMTS wird bei den meisten Providern ab 2020 nach und nach abgeschaltet. Dann können die THWler wieder Feldkabelbau üben, aber das wurde bei den meisten IuK-Zügen ja auch schon längst abgeschafft.


    Asymmetrische bzw. hybride Kriege beginnen heute ja damit, nicht nur die militärische Lufthoheit über dem angegriffenen Gebiet zu erringen, sondern vor allem so schnell wie möglich die Kommunikations- und Stromnetze lahmzulegen. Im Krieg NATO vs. Serbien hat man Umspannwerke mit Graphitpulver-Bomben lahmgelegt, durch die so erreichten Kurzschlüsse schalteten sich die Stromnetze ab. Internetbasierte Kommunikation kann man mit Cyber-Attacken beeinträchtigen oder auch lahmlegen (z.B. DDoS-Attacken durch Botnetze) oder man nimmt sich mit gezielten Raketenangriffen Kommunikationsknotenpunkte wie den DE-CIX und Fernmelde-Zentralen vor, dann ist erst mal Ruhe im Busch.


    Grüsse

    Tom

  • Und das BBK nimmt da auch längst kein Blatt mehr vor den Mund, wie z.B. im Vorwort der /DE/Publikationen/Publ_magazin/bsmag_4_18.pdf?__blob=publicationFile">Broschüre "Bevölkerungsschutzpädagogik" aus 2018:

    "Liebe Leserinnen und Leser,

    es ist unbestritten, dass wir als Akteure im System des Bevölkerungsschutzes vor erheblichen Herausforderungen stehen angesichts z.B. der aktuellen Sicherheitslage sowie der an Intensität zunehmenden Naturereignisse. Selbst das Thema „Krieg“ in der Ausprägung hybrider Angriffsszenarien bedroht uns un-mittelbar und ist längst nicht mehr undenkbar."


    Geht letztlich alles auf die Krim-Annexion durch Russland 2014 zurück.

    Der Begriff hybride Kriegsführung stellt in letzter Zeit glaube ich verstärkt auf Cyberwar-Elemente ab (z.B. Cyberangriffe gegen militärische Ziele, Computer-Sabotage, Social-Media-Troll-Farmen und andere geheimdienstliche Elemente) . Naja, ich halt mich zurück. Sonst heißt es wieder, ich bin ein kleines Plappermaul. Das mag ich ganz besonders. ^^

    It's not just the number of cannons, that decides about the outcome of a sea-battle, but - more importantly - how well you're able to operate  the ship. (Frei zitiert nach Admiral Lord Horatio Nelson, 1758–1805).

  • Halt stopp, locker bleiben...


    Den Bericht hatte ich auch gesehen. Ich kann sagen, das da wohl etwas aufgebauscht wurde. Man weiß ja nicht ob der Autor das etwas ausgeschmückt hat.


    Verheimlicht wird aber nichts und ein einzelner Ortsbeauftragter kann, so wie oben schon erwähnt, wohl kaum selber das große ganze erklären.


    Ja, beim THW gibt es veränderungen in der Organisationsstruktur, Rahmenkonzept, Neuausrichtung,... Aber das ist nach 20 bzw. 25 jahren auch einfach mal so wieder an der Reihe. Neue Fahrzeugtypen, es wird an neuer Bekleidung gearbeitet, usw.


    Zum Thema: Ein THW Ortsverband hat mindestens einen Technischen Zug (Zugtrupp, sowas wie Einsatzleitung und zwei Bergungsgruppen mit Werkzeug), dazu kommen Fachgruppen. Die Ortsverbände sind in Regionalbereiche und Landesverbände unterteilt. manche Fachgruppen kommen nur z.B. einmal pro jeweilgem Bereich vor. Nun sollen die Bergungsgruppen 2 halt umgewandelt werden. Bergung wird es aber natürlich weiterhin geben!


    Die neue Fachgruppe Notversorgung/Notinstandsetzung wird aus den Bergungsgruppen 2 gebildet. Diese waren immer schon zur Unterstützung gedacht und hatten immer schon eine Netzersatzanlage auf einem Anhänger. Nun sollen in den nächsten Jahren neue Aufganben dazu kommen. Als Serviceeinheit für die anderen Gruppen. Jeder OV soll bestimmte Zeit Autark arbeiten. Dazu gibt es mehr Stromerzeuger, Zelte, Campingtoilette, mobile Tankstelle, Transportanhänger, Gabelstapler, Tauchpumpen, ...


    Das kann man sicherlich auch öffentlich nachlesen was die Aufgaben des THW sind, Stichwort Katalog der Einsatzoptionen. Nur auf einen Artikel runterbrechen wie oben verlinkt sollte man das nicht. Die Aufgaben des THW sind ja eigentlich bekannt. Zerstörte Infrastruktur wieder mit aufbauen gehört auch immer schon dazu. Ob da jetzt Stromleitungen oder so durch Sturm, Hochwasser oder "Krieg" kaputt geht... (wenn man das mal so ausdrückt). Aber nichts neues. Bis Mitte der 90er gab es schon mal ähnliche Gruppen. Die Instandsetzungszüge. Danach bis heute die Fachgruppe Infrastruktur.


    Ist ja auch kein Geheimnis das Strom das wichtigste ist. Und das man als Privatperson wieder mehr lernen soll in Sachen Selbsthilfe , Bevorratung usw. ist erstmal nur eine Empfehlung. Früher war das normal.

  • Hallo consuli,


    bitte mach das Plappermaul ;)


    Um mir meine Meinung zu Themen zu bilden, höre ich gerne die unterschiedlichsten Ansichten.


    Wenn Du es hier nicht schreiben willst gerne auch per PN.


    Gruß

  • In unserem Ortsverband läuft auch diese Umstrukturierung, Fachgruppe Beleuchtung ist zu Elektroversorgung geworden, und im Verlauf der nächsten 1-2 Jahre werden wir auch die erforderliche Hardware und Qualifikationen haben.


    2. Bergung ist zu Fachgruppe N (Notinstandsetzung und Notversorgung) geworden, und sie sind auch dabei, die erforderliche Hardware und Qualifikationen zu bekommen.


    In dem ganzen Zusammenhang ist das Wort Krieg von niemandem hier in den Mund genommen worden.

  • Also meine Theorie des Kriegs der Zukunft ist, dass aus dem aktuellen hybriden asymmetrischen Krieg mit Spezialeinheiten und Geheimdienst langfristig der Geheimdienstast übrig bleiben wird.


    Mit der THW-Neuaufstellung hat das aber nur wenig zu tun. Wie - im Wesentlichen beim übrigen Katastrophenschutz auch - geht es wohl vielmehr darum, wieder auf das Schutzniveau von 1990 zu kommen, als bei diversen Politiker der Irrglaube aufkam, mit dem Untergang des Ostblocks seien sämtliche Kriegstendenzen aus der Welt, und sie in der Folge die BW und den Katastrophenschutz "kaputt" sparten (pc wohl eher "auf ein sehr niedriges Sciherheitsniveau runter fuhren").

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  • Wo wir ja gerade beim Thema THW-Neuaufstellung sind. Ich hatte es glaube ich schon mal irgendwo anders geschrieben. Wenn man große Hubschrauber hätte (oder andere Senkrecht-Startflugzeuge mit ausreichend Nutzlast), könnte man wahrscheinlich einen großen Teil des Katastrophenschutzequipments einsparen, sofern man es abflugbereit (z.B. in Kleincontainern) in Flugfeldnähe bereithalten würde. Bei einem Katastrophenfall würde man es dann zeitnah einfliegen. Bei Spezialequipment - wie zum Beispiel einem mobilen BC-Labor - lässt sich das ohnehin nicht anders machen. Denn ohne die Spezialisten funktioniert das Ding nicht.

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  • Zumal die Umstrukturierung/Neuausrichtung der THW-Fachgruppen auch auf Flächenlagen ausgelegt sein dürften (Flächenlage = "alle" sind gleich betroffen, z.B. Blackout). Da nützt punktuelle Hilfe, die man einfliegt nur begrenzt. Aber bei Spezialaufgaben hätten luftverlegbare Schnelleinsatzgruppen durchaus ihren Charme. In der Praxis löst man das eher pragmatisch: das THW (bzw. der Bund) chartert ne Antonov, wenn der Trinkwasser-Zug des THW in einem entfernten Katastrophengebiet gebraucht wird. Oder die Rettungshundestaffel fliegt zwei Stunden nach einem Erdbeben im Privatjet von Adolf Würth nach Algerien, gabs alles schon.

  • Ist bei Sturm halt doof und außerdem ungünstig, wenn die Leute vor Ort nicht mit der ausrüstung trainieren können.


    Zumal die Umstrukturierung/Neuausrichtung der THW-Fachgruppen auch auf Flächenlagen ausgelegt sein dürften (Flächenlage = "alle" sind gleich betroffen, z.B. Blackout). Da nützt punktuelle Hilfe, die man einfliegt nur begrenzt. Aber bei Spezialaufgaben hätten luftverlegbare Schnelleinsatzgruppen durchaus ihren Charme. In der Praxis löst man das eher pragmatisch: das THW (bzw. der Bund) chartert ne Antonov, wenn der Trinkwasser-Zug des THW in einem entfernten Katastrophengebiet gebraucht wird. Oder die Rettungshundestaffel fliegt zwei Stunden nach einem Erdbeben im Privatjet von Adolf Würth nach Algerien, gabs alles schon.


    Ja, bei Sturm ab einer gewissen Stärke (Orkanstärke?) kann man nicht fliegen. Allerdings kommen lang anhaltende Orkan starke Stürme in Mitteleuropa fast nur an der Nordsee vor.


    Bei Flächenlagen kommt es halt drauf an, ob die Straßen noch befahrbar sind. Bei Erdbeben, Überschwemmung ,Erdrutsch, Einschneien, und Lawine sind sie das i.d.R. nicht. Außerdem sind die Hubschrauber schneller und können mit Hin- und Herfliegen in der gleichen Zeit mehr Material heranschaffen. Eine Deutschland weite Flächenlage hat es bisher auch noch nicht gegeben. Der größte länger dauernde Stromausfall war bisher der Emsland-Eisregen-Thomasstahl-Stromausfall.


    Möglicher Weise werden sich Senkrecht-Start-Flugzeuge wie z.B. das Airbus-Flugtaxi in naher Zukunft durchsetzen. Solche dürfen auch auf Kleinflugplätzen (Segelflugplätzen) starten und landen. Wenn man den Katastrophenschutz dann an die Kleinflugplätze heranrücken würde, wäre sowohl regional als auch hochmobil.

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  • Das Technische Hilfswerk richtet sich erstmals nach Ende des Kalten Krieges wieder auf Krieg in Europa ein. Das THW Hattingen ist vorbereitet.


    Geil. Also haben die Prepper jetzt Schützenhilfe gekriegt durch ne preppende Bundesorganisation. Da soll noch mal wer den Kopf über Prepper schütteln...

  • Auf eine schnelle Luftverlegung mit Bundesmitteln würde ich schon in "Nicht-Krisenzeiten" keinen Cent wetten. Und im Fall der Fälle schon gar nicht. Das scheitert an den einsatzfähigen Lufttransportkapazitäten.

    - Wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage -

    Bertold Brecht

  • Mehr als 90 % der THWler sind Freiwillige, die müssen sich erst loseisen von der Arbeit. Die SEEWA hat eine Alarmierungszeit von 6 Stunden, das schaffe ich beispielsweise nicht. Ich bin in der Trinkwasseranalytik also ein nachrangig alarmierter. Beim Moorbrand in Meppen dauerte es einige Tage, bis die Logistik stand. Bis dahin muss man halt sehen, dass man etwas Trinkwasser, ein paar Müsliriegel und ein Notklo organisiert.


    Es ist schon nicht ganz einfach, neuere Wohngebiete (mit ökologisch korrekter Straßenbreite) mit dem 16-Tonner (samt Anhänger) zu "erschließen". Bei Baumarbeiten entlang der Bahnlinien ist es mit der Erreichbarkeit auch ein Problem. Das wird mit Luftverlegung keinesfalls einfacher. Das Wissen der Helfer vor Ort, welche Wege "gehen" und welche nicht, ist sehr wertvoll. Und auch die Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen untereinander. Hier im Landkreis wird oft gemeinsam geübt.


    THW und freiwillige Feuerwehr leben vom Mitmachen, jede Hand und jeder Kompetente sind gern gesehen. Auch für Bürojobs, die Fahrzeughalle aufräumen, die Schläuche und Seile trocknen usw. Man muss nicht immer der Held sein. Ich bin auch klein und schwach, aber ich kann rechnen und feine handwerkliche Tätigkeiten. Daher bin ich in der Fachgruppe Elektroversorgung und im Auslandsdienst in der Trinkwasseranalytik (als Chemiker bietet sich das an).

  • Kommunikation ist meiner Meinung ein Fass ohne Boden, auf jeden Fall in einer Flächenlage. Dabei sehe ich sowohl in der zivilen Infrastruktur (DSL etc) wie auch beim Behördenfunk erhebliche Probleme. Auf den THW Bezug komme ich noch, aber erstmal Hintergrund.


    Ich fange mal beim klassischen Telefon an. Vereinfacht ausgedrückt wurde früher über die gewählte Rufnummer entschieden, ob es ein Ortsgespräch ist oder ein Ferngespräch. Ein reines Ortsgespräch musste diesen in den meisten Fällen nicht verlassen. Theoretisch konnten also Ortsverbindungen noch genutzt werden wenn die nächst höhere Netzebene schon nicht mehr erreichbar war. Strom natürlich vorausgesetzt. Dabei musste nur die Vermittlung Strom haben, analoge Telefone und ISDN Geräte mit Notspeisung konnten - teilweise eingeschränkt - auch bei lokalem Stromausfall genutzt werden. Letztlich war das Netz in mehreren Ebenen organisiert und Kommunikation innerhalb einer Ebene hat diese nicht verlassen. Jeder Anschluss hatte eine durchgehend geschaltete Kupfer Doppelader zur jeweiligen Vermittlungsstelle. In einem solchen Netz ist es relativ einfach Notstrom bereit zu halten. Perfekt war es freilich nie, viele Standorte hatten nur Batterien (zwar manchmal ganze Räume), einige Stunden waren aber sicher. Einspeisepunkte für Netzersatzanlagen gekennzeichnet und vorhanden.

    Im Zuge der Breitbandbereitstellung wurde Technik näher an den Kunden gebracht. Also viele Verteilerkästen mit aktiver Technik. Diese sind oft mit USV Anlagen für kurze Stromausfälle ausgestattet - mehrere Stunden sind utopisch. Manche haben gar keinen Schutz. Man könnte nun eine entsprechende Anzahl an Generatoren vorhalten, welche aber auch regelmäßig betankt werden müssen. Die Netzbetreiber halten diese Technik nicht vor und bei den Hilfsorganisationen kann diese Menge auch nicht bereitgestellt werden (grob über den Daumen gepeilt: pro 500 Einwohner 1 Generator). moderne Anschlüsse die Outdoor versorgt werden sind daher auch bei kleinen Szenarien schnell unbrauchbar. Entsprechende Behörden und Hilfsorganisationen gehen daher gerne den Weg, auf Geschwindigkeit zu verzichten und Anschlüsse zu nutzen die noch über die besser geschützten Hauptverteiler laufen. Damit kann aber nur ein sehr lokal begrenzter Stromausfall ausgeschlossen werden. Denn es gibt ein weiteres Problem:

    Die Netze werden zentralisiert und sind nicht "demokratisch" (den Begriff mag man kritisieren, mir fällt gerade kein besserer ein). Einfach erklärt: würde der Abschluss der DSL Leitung im Verteilerkasten auch die Vergabe der IP Adresse (samt Authentifizierung) und das Routing übernehmen, könnte ich mit meinen Nachbarn direkt kommunizieren, solange der Verteilerkasten Strom hat. Wenn die Vermittlungsstelle und die weiteren Verteiler versorgt sind, ortsweit kommunizieren usw. Dem ist aber nicht so. Die Einwahlverbindungen werden heute an sogenannten BNGs (Border Network Gateway) terminiert. Nun gibt es in Deutschland knapp 8000 Hauptverteiler aber nur rund 800 BNG. Die Zahlen schwanken, dürften aber in der Dimension hinreichend korrekt sein.

    Das bedeutet, dass für datenbasierte Anschlüsse (andere sind nur noch Restbestände) zwingend eine Erreichbarkeit dieses BNG notwendig ist, eher ist sogar mit der Erreichbarkeit von weiteren Komponenten zu rechnen, die auch weiter zentralisiert sein können. Ein Problem im nächsten Oberzentrum könnte also das Kommunikationsaus für eine ganze Region darstellen. Tatsächlich funktionierende redundante Verbindungen scheinen oft nur auf dem Papier zu bestehen.

    Für mich bedeutet das, dass bei einer Flächenlage mit einem Komplettausfall von Internet, Telefonie und Fernsehen gerechnet werden muss. Radio je nach Anbindung der Anbieter mit eigenen Richtfunkstrecken. Daraus schließe ich:


    - benötigte Daten müssen lokal vorhanden sein

    - ein technisch vollkommen abgekoppelter Kommunikationsweg für wichtige Verbindungen muss vorhanden sein

    - für >98% der Bevölkerung gilt: elektronische Kommunikation (inklusive Telefon) ist ganz schnell weg


    jetzt zum BOS Funk:

    jetzt kann man natürlich sagen, es gibt doch noch den BOS Funk, Polizei und Hilfsorganisationen können immer noch ihre Arbeit machen. Ja, das möchte ich sehen.

    Aber erstmal zurück zum 4m BOS Funk. Analog, robust und weitgehend dezentral. Jedes Funkgerät kann mit jedem anderen sprechen, Kanal und Betriebsart müssen natürlich korrekt eingestellt werden. Für Reichweitensteigerung gibt es Relaisstationen, für größere Gebiete als Gleichwelle die mehrere Relaisstationen zusammenschaltet. Über dieses BOS Netz kann normalerweise keine große Entfernung überbrückt werden, war aber für die Aufgaben im großen und Ganzen ausreichend. Mit dem Wechsel auf ein digitales Netz malte man sich dann ein Wunder an Funktionen und Anwendungen aus - tatsächlich bleibt davon aber wenig übrig.


    + Sprachqualität oft besser

    + Reichweite je nach Gruppe deutlich besser, wenn alles läuft bis bundesweit

    + Abhörschutz

    - Registrierung neuer Geräte sehr zentral (kann Rosenheim neue Geräte einbuchen wenn München ausgefallen ist?)

    - Datendienst kaum genutzt, wegen Engpässen ab Einführung sind zum Beispiel Textnachrichten für ganze Organisationen nicht verfügbar

    - gleiches gilt für Sonderdienste wie Gateway ins Telefonnetz


    Im Falle einer größeren Krise, kann es meiner Meinung schnell zu einer Situation kommen, in der die lokalen Basisstationen zwar noch funktionieren, aber Aufgrund der Sicherheitsanforderungen des Systems die Nutzbarkeit schnell nachlassen kann. Dazu kurz ein Hintergrund:

    Deutsche digitale BOS Funkgeräte nutzen nicht nur die im TETRA System vorhandene Verschlüsselung sondern auch eine sogenannte BSI Karte, eine spezielle SIM Karte. Allerdings ist es anders als in Mobilfunknetzen keine Bindung an diese Karte alleine sondern auch an das Gerät. Man kann also ein funktionierendes Gerät nicht einfach mit einer anderen Verschlüsselungskarte ausrüsten, auch kann man ein defektes Gerät nicht einfach durch Einbau der BSI Karte in ein anderes Gerät tauschen. Es wird natürlich nur sehr spärlich kommuniziert, auf welcher Netzebene die entsprechende Registrierung erfolgen muss. Praktisch halte ich es für ausgeschlossen, dass in einer größeren Lage, wenn auch das Wort "Krieg" im Raum steht, die Netzpflege mit den Erfordernissen Schritt halten kann.


    -----------------------------------


    Was hat das Ganze jetzt mit dem THW zu tun?


    Bei Flächenereignissen kann es meiner Meinung schnell zu ebenso großräumigen Kommunikationsausfällen kommen. Wenn man alleine die Endpunkte von VoIP Verbindung (oben bei BNG) betrachtet, kann es sehr schnell dazu kommen, dass der nächste halbwegs funktionierende "Abholpunkt" für Telekommunikation mehrere zig Kilometer entfernt ist, eventuell mehr. Mit den laut THW Webseite 6 Weitverkehrszügen (und der Angabe, für eine Richtfunkverbindung seien zwei Züge notwendig) - bundesweit! - sehe ich aktuell die Handlungsfähigkeit nur in sehr sehr begrenzten Szenarien. Mal in den Raum gestellt: welche Ausrüstung würde man benötigen, um 50% der Landratsämter eines Flächenlandes über provisorische Verbindungen an den Regierungssitz anzubinden?

    Nichts gegen alle Freiwillige im THW, ihr macht soweit ich das schon persönlich sehen konnte, einen richtig gute Arbeit. Aber strategisch - angesichts des Szenarios in welchem auch das THW entstanden ist - kommen mir manche Planungen weniger vor wie der Tropfen auf den heißen Stein. Lösung? Keine Ahnung, vielleicht - um am Weitverkehrszug zu bleiben: Geräteanzahl erhöhen, einen Guten für Mastaufbau etc, der halt Ahnung hat. Einladung an Kommunikationsfirmen (fachnah halt, Telekom, deren Dienstleister usw.) das System kennen zu lernen, ohne Verpflichtungen, nur auf einer Kontaktliste, wie Reservisten.


    Es geht mir selber so. habe beruflich mit Kommunikationsnetzwerken (Kupferbasis) zu tun. Bin aber schon in einer anderen HiOrg gut eingebunden. Da wo aber dieses Wissen notwendig ist, ist die Bergrettung oft nicht so gefragt. Könnte mir vorstellen, auf einer Abrufliste zu stehen, ohne jetzt direkt mit dem Alltagsgeschäft zu tun zu haben.


    Da ich das THW aber hauptsächlich von der Homepage kenne, korrigiert mich bitte wenn alles zu falsch war :-) Ansonsten Grüße an die THWler die 2015 beim G7 Gipfel waren.

  • huizhaecka : gute Zusammenfassung der Problematik. Ich würde mal behaupten, dass das THW strukturell gar nicht für Flächenlagen ausgelegt ist, weil das letzlich gar nicht machbar ist, wie von dir schön am Beispiel der nötigen Anzahl Generatoren oder Kommunikations-Spezialisten/Zügen dargestellt.


    ich bin seit 6 Jahren ehrenamtlich in der Kommunalpolitik unterwegs und war im Rahmen meiner Funktionen auch schon bei der Bewältigung lokaler Krisenlagen eingebunden, z.B. bei einem mehrtägigen Komplettausfall der Wasserversorgung einer Ortschaft nach Rohrbruch. Inklusive Krisenstab, kilometerlange Behelfswasserleitungen, die man bei -9°C verlegen und betreiben muss, fieberhafter Suche nach dem Rohrbruch in unwegsamem Gelände und Pressearbeit/Medienbetreuung.

    Das Thema Flächenlage "Blackout" wird auf Gemeindeebene mittlerweile geübt, zumindest unsere Feuerwehr macht das. Dabei ist dank Digitalfunk der Wegfall der Behördenkommunikationstechnik ein Thema. Man löst das so, dass die klassische Befehlshierarchie im Katastrophenfall (Innenministerium - Regierungspräsidium - Landratsämter - kommunale Verwaltungen) umgestellt wird, auf "Selbsthilfe" auf unterster Ebene, nämlich dem Rathaus. D.h. bei einer Flächenlage führt der jeweilige Bürgermeister/Ortsvorsteher formal den Katstrophenschutz-Einsatz. In der Praxis bildet die örtliche Feuerwehr in ihrem (notstromversorgten) Gerätehaus einen Krisenstab, der auch Anlaufstelle für die Bevölkerung bei Hilfeersuchen ist (statt 112 zu wählen muss man dann zum Feuerwehrmagazin rennen und Bescheid sagen). Einsatzstellen werden bei Ausfall oder Überlastung der Funktechnik durch Melder mit dem Krisenstab verbunden. Für Führungs-Besprechungen des Stabs wird ein festes Zeitraster vereinbart, z.B. alle zwei Stunden zur vollen geraden Stunde (8 Uhr, 10 Uhr, 12 Uhr, ...) kommen die Führungskräfte unaufgefordert von selbst zusammen. Einsatzkräfte werden initial alle verfügbaren alarmiert (notfalls fährt man mit dem MTW mit Sondersignal und Durchsagen die Wohngebiete ab). Deutet sich eine unbestimmte Dauer der Flächenlage an, ordnet man Bereitschaftsdienste an und teilt die verfügbaren Kräfte sinnvoll ein, damit sich nicht alle innerhalb er ersten 24h verschleißen.


    Die Angehörigen der (ehrenamtlichen) Einsatzkräfte wissen durch die Alarmierung alle mehr oder weniger automatisch Bescheid und stimmen sich schon jetzt bei Großeinsätzen ihrer "Männer" von selbst ab, was an Unterstützung noch benötigt wird (z.B. Verpflegung der Einsatzkräfte).


    Bei einer Blackout-Lage würde bei uns die Gemeindeverwaltung in Absprache mit der Feuerwehr und dem DRK-Ortsverband eine allgemeine Betreuungsstelle für die Bevölkerung einrichten, z.B. in einer Schule oder Turnhalle. Das hat vor allem psychosoziale Gründe (Information, Zusammenhalt, Solidarisierung) aber natürlich wird es auch Härtefälle geben, die Hilfe benötigen.


    Insgesamt sehe ich auf lokaler Basis relativ wenig Bedarf an technischer Kommunikation, solange die Verhältnisse es zulassen, z.B. Melder mit Fahrrädern

    einzusetzen. Bei radioaktivem Fallout oder einer Pandemie ist das natürlich wieder was anderes.


    Was ich persönlich bei einer anhaltenden Flächenlage machen würde:

    • die örtlich bekannten Funkamateure einzubinden (man solte zuvor die Rufzeichenliste der Bundesnetzagentur heruntergeladen haben, da stehen alle lizensierten Funkamateure mit Anschrift drin). Aufgabe der OMs sehe ich vor allem bei der Anbindung an übergeordnete Stellen und ganz wichtig der "Weitverkehrskommunikation" für Menschen, die das Schicksal von entfernt lebenden (oder gestrandeten) Angehörigen herausfinden wollen.
    • In den Ortsteilen der Gemeinde an zentraler Stelle (Kirchtrum, Rathausdach) mit 12V betriebene DECT-Telefonanlagen provisiorisch aufstellen. DECT-Telefone findet man in fast jedem Haushalt und es lassen sich meist mehrere (bis zu 9) Mobilgeräte an eine Basisstation anmelden und die können dann über interne Rufnummern untereinander kommunizieren. Die Reichweite beträgt bei freier Sicht mehrere hundert Meter, spezielle Long-Range-Telefone (Motorola O211 oder Detewe BeeTel) haben über 1.000m Reichweite. Damit kann man Einsatzkräften und Betreuern der örtlichen Anlaufstellen ein brauchbares Kommunikationsmittel an die Hand geben.
    • Sind Rathaus, Feuerwehrmagazin und Bürger-Betreuungsstelle räumlich nicht zu weit voneinander getrennt, würde ich diese per Feldtelefon untereinander verbinden.
    • Private Helfer würde ich versuchen, über CB-Funk zu vernetzen. Zumindest für meine Familie (Eltern, Geschwister) sind noch genügend funktionsfähige CB-Geräte vorhanden bzw. einsatzbereit eingelagert (jeweils ein Koffer mit CB-Funkgerät, 12V-Zigarettenzünder-Adapter, Anleitung) und eine DV27-Antenne mit Magnetfuß. Damit ist jedes Auto innerhalb von Minuten ein "Funkwagen".

    Grüsse

    Tom

    Einmal editiert, zuletzt von tomduly ()

  • Auch in Bayern. Hier ein sehr individueller Leitfaden der FF Laufach, wie sie in ihrem Gerätehaus eine sog. Abschnittsführungsstelle einrichtet und betreibt.


    Hier der FW Einsatzplan Stromausfall für Hessen.


    Und hier eine Broschüre Langanhaltender Stromausfall der Stadt Reutlingen in Baden-Württemberg.


    Die Notfallplanungen sind mittlerweile recht weit gediehen, wie man sieht. Ob der Blackout nun Folge einer kriegerischen Cyber-Attacke ist oder aus menschlichem Versagen oder durch ein Naturereignis ausgelöst wird, ist da nebensächlich.

    Einmal editiert, zuletzt von tomduly ()