Konzept für Wasserversorgung

  • Hallo Previval-Community,

    Ich bin ein absoluter Neuling und versuche mich gerade in diese Thematik einzuarbeiten (unabhängig von Coronavirus).

    Meine Aufgaben in den nächsten Wochen umfassen die Themen Wasseraufbereitung, Strom- und Wärmeerzeugung in einer häuslichen Umgebung.


    In diesem ersten Thread stelle ich mein Projekt zur Wasseraufbereitung mit der Bitte um Feedback und bei Bedarf auch Kritik vor.


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    Rahmenbedingung

    3 Personen-Haushalt , Strom steht nicht zur Verfügung (d.h. alles auf manuellen Betrieb ausgelegt) , Kurz- bis mittelfristige Versorgung , keine High-End-Lösung


    Konzept - Rudimentäre Wasserversorgung (siehe Dateianhang)

    Ich möchte das Regenwasser von meinem Hausdach verwenden. Da es keine Bäume oder dergleichen in der Umgebung gibt, ist nicht mit großen Fremdkörpern (Laub) zu rechnen. Lediglich auf dem Dach befindliche Verunreinigungen (Vogelkot, Pollen, …) oder Verunreinigungen im Regenwasser sind zu berücksichtigen.

    In den Fallrohren der Dachrinne befinden sich Regensammler, die das Regenwasser in ein Weithalsfass mit Deckel und einem Fassungsvermögen von 220l umleiten.

    Dieses Fass dient als Sammeltonne für Brauchwasser (Toilette, Duschen, etc.) und zum "Beruhigen" des Regenwassers, d.h. schwere Fremdkörper sollen sich absetzen / sedimentieren.

    Das "beruhigte" Brauchwasser in der Sammeltonne wird nun zu Trinkwasser (verbrauchsorientiert) weiterverarbeitet. Die Aufbereitung bzw. Entkeimung soll mittels Abkochen, Tabletten oder Filter erfolgen. Das erzeugte Trinkwasser wird in einem Getränkefass zum Verbrauch bereitgestellt und gelagert.


    Mein Gedanke an diesem Setup ist, daß das Getränkefass niemals direkt in Kontakt mit ungereinigtem Wasser kommt und somit möglichst lange verwendbar ist (bevor es gereinigt werden muss). Ich würde ein Getränkefass mit großem Deckel verwenden, damit das Fass einfach zu reinigen und wiederverwendbar ist.


    Fragen

    Macht das Konzept Sinn oder habe ich Denkfehler darin?

    Was verwendet Ihr für Regensammler?

    Ist das Fassungsvermögen der Sammeltonne (220l) ausreichend?

    Micro pur Tabletten / Pulver / Flüssigkeit: Gibt es ein MHD hierfür?

    Welchen Filter würdet ihr verwenden (Katadyn, Miniwell)? Bitte Größe beachten, ich brauche keine High-End-Lösung

    Filter von Katadyn Vario: Gibt es ein MHD hierfür?

    Was für ein Getränkefass würdet Ihr verwenden? (FDA)

    Welche Tests verwendet Ihr zum Überprüfen der Wasserqualität?


    Gruß

    Vyrus_0711

  • Da solltest du noch ein bisschen dran feilen, finde ich. 220 Liter sind für ein komplettes Hausdach sehr wenig. Die sind ruckzuck voll. Auch bei größeren Behältern brauchst du einen vernünftigen Überlauf. Abdererseits sind 220 Liter bei einer Trockenheit wie in den letzten Jahren viel zu wenig.


    Ich würde Wasser vom Dach grundsätzlich nicht als Trinkwasser nutzen. Da sind einfach zu viele Keime und auch chemische Schadstoffe drin, dass man die mit Hausmitteln nicht raus bekommt. Auch als Brauchwasser würde ich es nur eingeschränkt nutzen, wenn es längere Zeit bei hohen Temperaturen im Fass gestanden hat.


    Was machst du bei Frost?

  • Bei 3 Personen als Vollversorgung ist das mit einem Katadyn-Filter mühsam. Wie läuft der, als Schwerkraftfilter oder mit Handpumpe? Außerdem setzt er sich zu, wenn das Wasser Schwebstoffe enthält.


    Du könntest ein Vorfilter entwickeln, beispielsweise Sand-Kies-Aktivkohle. Das lässt sich auch einfacher und billiger tauschen als so eine Membran oder Keramikkerze.


    Wenn dein Wasser verkeimt ist und du das auf die harte Tour merkst, weil du keine regelmäßigen Analysen machst, wie willst du dann deinen Trinkwasserbehälter reinigen? Wäre es nicht besser, da in regelmäßigen Intervallen mit Oxidationsmitteln (Chlor, Permanganat, Wasserstoffperoxid oder dergleichen) und Scheuermittel (um den Biofilm mechanisch zu entfernen) ranzugehen? Regenwasser, das diesen Weg übers Dach genommen hat, kann Salmonellen und Nitrate und organische Materialien (durch Vogelkot, Pollen, Schwebstoffe) enthalten, ganz so unschuldig, wie man glaubt, ist es nicht.

  • Hallo Asdrubal,

    vielen Dank für deine Antworten.


    Die Behälter werden sich im Haus befinden und sind somit frostgeschützt.

    Die Größe oder Anzahl der Fässer werden angepasst, ich werde auf 400l-500l Fassungsvermögen gehen.


    Warum ist das Wasser vom Dach nicht geeignet?

    Warum sind dort mehr Verunreinigungen und chemische Schadstoffe drin als in einem Flusswasser ? (habe keine Quelle hier in der Gegend)

    Dieses Regenwasser wird ja noch behandelt (Tabletten, Filter, ...) bevor es als Trinkwasser verwendet werden soll.

  • Du musst es aufbereiten, natürlich nimmt es die Verunreinigungen vom Dach und aus dem Leitungssystem mit. Unter Feldbedingungen ist das so, wenn Wasser im Hochbehälter gelagert wird, um den Wasserdruck zu haben, sollte der Behälter abgedeckt sein, weil das Wasser sonst bakteriell belastet ist. Wenn ich den Wasserdruck manuell machen muss, würde ich mir ein Kompostklo bauen (um die Mühe der Wasserspülung für das Klo zu vermeiden, auch das braucht Druck), und einen Hochbehälter mit Handpumpe für die Dusche. Das ist sonst ziemlich mühsam, ich hatte das im Sommer 2018 hier mit Wassersäcken zum Aufhängen gemacht, um wegen der Trockenheit im Garten duschen zu können, damit das Wasser den Pflanzen zugute kommt. Ich habe hier im Garten einen 1000 L Regenwassertank, und das reicht im Sommer keinesfalls.

  • Flusswasser würde ich auch nicht als Trinkwasser verwenden. Beim Regenwasser hast du alles drin, was sich irgendwie auf dem Dach abgelagert hat, also Luftschadstoffe, Vogelkot, Staub etc. Dessen chemischen Komponenten kriegst du nicht bzw. nur teilweise raus.


    Für Trinkwasser solltest du Regenwasser mit einer eigenen Konstruktion aus Blech oder Kunststoff auffangen und da auch erst mal ein paar Liter ablaufen lassen, damit der Dreck abgewaschen ist.


    Für mich ist Regenwasser als Trinkwasser insgesamt nur eine Notlösung. Besser rechtzeitig genügend Wasser aus der Leitung einlagern.

  • Aufbereites Wasser würde ich nur den Tagesbedarf lagern.

    Zum Filtern zu Hause würde ich sowas nehmen https://berkey-waterfilters.de…yal-berkey-12-litersystem

    Gib es in verschieden Grössen und auch von anderen Herstellern. Kann man auch reltiv einfach selber bauen, die Filterkerzen gib es von verschieden Herstellern.


    Die Tonne ist viel zu klein. Wenn irgendwie möglich, würde ich eine unterirdisch Zisterne mit ein paar Kubikmetern Grösse bauen.

  • Nur zum Verständnis:


    Mein Regenwasser vom Dach sieht sehr klar aus, d.h. keine großen Schwebstoffe.


    Die Sammeltonne wird sich im Keller befinden (dunkel, verschlossen, kühl gelagert) und über eine Rohrleitung mit der Dachrinne verbunden sein.

    Es wird zyklisch nur die benötigte Wassermenge aus der Sammeltonne entnommen, d.h. entweder durch

    - abschöpfen und abkochen oder

    - abschöpfen und Tabletten-Entkeimung (Micropur classic/forte) oder

    - mittels Handpumpe über einen Filter geführt (bspw. Katadyn Vario).


    Das gereinigte Wasser kann dann in dem Getränkefass gespeichert werden.


    Ich möchte keinen Wasserdruck erzeugen, wie in #5 angesprochen.

  • Unterwegs beim Zelten habe ich auch den Regenablauf vom Zelt oder Tarp genutzt, da hatte es aber schon einige Stunden geregnet und die Oberfläche war sauber. Wir haben es direkt küchentechnisch verwendet. Auf Dauer fände ich nicht gut, dass es sehr arm an Elektrolyten ist, die Mineralien musst du dir woanders holen.


    Das Wassersystem in der Lodge, in der ich in Ecuador gearbeitet habe, lief so: Das Wasser wurde aus dem Fluss in einen Hochbehälter gepumpt, dort setzten sich die Sedimente in gewissem Umfang ab (außer, wenn der Fluss Hochwasser führte, dann war mehr Sediment drin und die Leitungen setzten sich zu). Dieses wurde dann in die Leitungssysteme gepumpt und war Brauchwasser. Ein gewisser Anteil war als Trinkwasser vorgesehen, das durchlief eine Ozonierungsanlage und einen UV-Filter und wurde aus dem Sammler in Vorratsgefäße aus glasierter Keramik mit Zapfhähnen und Deckel abgefüllt, und daraus füllte jeder seine Trinkflaschen. Dieses Trinkwasser wurde auch zum Zähneputzen genommen. Die Küche war auch mit diesem Trinkwasser gespeist. Die Vorratsgefäße umfassten so 10-20 Liter und wurden täglich befüllt, das Wasser wurde also nicht konserviert.


    Wenn es eine Anlage ist, die ich unter Feldbedingungen betreibe, dann normalerweise mit Fluss- oder Seewasser, läuft das Wasser durch einen Sand/Kies/Kohle-Filter (gebaut aus einer 1,5 L PET-Flasche), damit es klar und schwebstoffarm ist, dann durch einen Membranfilter (Sawyer oder Katadyn) und wird dann in den Flaschen, in die ich es abfülle, mit UV-Licht (Steripen) behandelt. Giardien und Cryptosporiden sind UV-empfindlich. Nur UV ist für huminreiche Wässer, wie sie hier in Norddeutschland häufig sind, nicht ausreichend, weil die Huminsäuren in dem UV-Bereich absorbieren, in dem das abgestrahlte UV-Licht liegt, und dadurch ist die Desinfektionswirkung zu gering (gemessen an Moorwasser und Weserwasserproben, 2019).

  • In Australien ist Rainwater Harvesting ein großes Thema und wird auch vom Staat unterstützt. Lesenswert ist das kostenlose Australia Rainwater Tank Design and Installation Handbook, in dem auch die Nutzung des Dachwassers als Trinkwasser beschrieben wird.


    Wir haben das Glück, dass die Erbauer unseres alten Bauernhauses schon vor 100+ Jahren einen gemauerten Brunnenschacht mit 2m Durchmesser und 8m Tiefe errichtet haben, in dem sich oberflächennahes Grundwasser sammelt. Dadurch haben wir eine Zisterne vor dem Haus, von der sogar noch eine alte Saugleitung bis in unseren Keller führt. Der Brunnenschacht enthält meistens rund 15m³ Wasser.


    Bei der Nutzung von Regenwasser würde ich ebenfalls einen Erdtank/Zisterne als Ultima Ratio sehen. Schon allein wegen der kühlen Temperaturen im Boden und dem Schutz vor Sonnenlicht. Auch kommt es bei einem Erdtank auf den einen oder anderen Kubikmeter mehr Volumen auch nicht an.


    Hauptproblem bei Regenwasser ist der erste Schauer. Der wäscht zum einen die Staubfracht aus der Luft und spült den gesamten löslichen Dreck, Laub und tote Tiere vom Dach. Nach Möglichkeit würde ich deshalb auf die ersten 10-15min eines Regens verzichten und erst dann auf den Sammeltank schalten. Dann spart man sich bzw. seinen Filtern eine ganze Menge Belastung. Mit einem Regensensor könnte man eine gesteuerte Regenklappe realisieren, die z.B. erst nach 15min Regendauer das Fallrohr auf den Sammeltank umschaltet. Ein Tüftler könnte das auch rein mechanisch lösen mit einer federbelasteten Klappe, die über einen Hebel gesteuert wird, der wie eine Schöpfkelle mit einer Teilmenge des Regens im Fallrohr gefüllt wird und erst bei Erreichen eines bestimmten Gewichts umschaltet. Wenn man die "Schöpfkelle" mit einer kleinen Bohrung versieht, rinnt das Wasser langsam wieder raus und die Klappe stellt sich nach Ende des Regens wieder zurück.


    Das Wasser lässt man im Tank am besten bodennah, über einen U-Bogen beruhigt, einlaufen. Dann setzen sich Schwebstoffe nach unten ab und das Wasser wird nach oben hin immer klarer. Die Wasserentnahme erfolgt dann mit Schlauch an einem Schwimmer etwas unter der Oberfläche.


    Nun sollte eine mehrstufige Filterstrecke folgen: grob-fein-ultrafein, jeweils separate Filterkartuschen. Man kann natürlich auch nur eine ultrafeine Filterstufe nehmen, die setzt sich dann halt wesentlich schneller zu, hat man genügend Ersatzfilter und plant nur einen kurzzeitigen Einsatz und keinen dauerhaften ganzjährigen Betrieb, reicht das auch hin.


    Nach dem Filtern sollte eine Entkeimung erfolgen, vorzugsweise mit UV-Licht oder mit Chlor. Teichbesitzer kennen die Wirksamkeit von UV, das allerdings nicht alle Zysten abtötet. Manche schalten deshalb die Ultrafein-Filterstufe nach die UV-Strecke und fischen damit auch die Zysten sowie die abgetöteten Organismen raus.

    Das gefilterte und entkeimte Wasser kann jetzt noch durch eine Aktivkohlepatrone geleitet werden und man hat quasi Trinkwasserqualität. Bei Aktivkohlefiltern muss man allerdings die Wechselintervalle beachten, die neigen nämlich zur Besiedelung durch Mikroorganismen.

    Die aufwändige Filterstrecke setzt allerdings eine leistungsstarke Druckpumpe voraus. 3 Bar Wasserdruck braucht man da schon, wenn das Wasser halbwegs fließen soll.


    Für den gelegentlichen (Not-)Betrieb zur Trinkwassergewinnung würde ich das gesammelte Regenwasser (ohne den "Vorlauf") durch einen Feinfilter laufen lassen und dann über einen Berkefeld-Tropffilter über Nacht per Schwerkraft aufbereiten. Dann Micropur rein oder kurz abkochen.


    Will man das klare Regenwasser nur als Grauwasser für WC-Spülung oder Waschmaschine verwenden, dann würde ich es nur mit etwas Schwimmbadchlor versetzen, damit Mikroorganismen abgetötet werden.


    Grüsse

    Tom

  • Jedes Micropur hat ein MHD.


    Du kannst das Classic NUR für Leitungswasser oder Trinkwasser generell nehmen, um es für ca. ein halbes Jahr haltbar zu machen.


    Das Forte ist für verkeimtes Wasser, das zuvor feingefiltert wurde. Um es geschmacklich wieder gerade zu biegen, ergänzt du das fertige Produkt mit Antichlor.


    Dein Regenwasservorhaben - Hier fehlen Grober Filter, Sandfilter, Aktivkohlefilter, erst dann kommt der Trinkwasserfilter.


    Mich vom Dach abhängig zu machen, kann ich mir schwer vorstellen.


    Alleine erst mal 300l echtes superlange haltbares Trinkwasser einzulagern ist bei einem Haus nicht aufwendig, da du den Platz hast. Mineralwasser mit Kohlensäure in Glasflaschen, je 5 Kisten aufeinander gestapelt.


    Wenn das da ist, würde ich ggf. einige 10l,oder 20l Hühnersdorff Kanister mit Leitungswasser und Micropur Classic beistellen.


    Dann hast du vielleicht noch einen Warm/Kaltwasserspeicher für dein Verbrauchswasser im Keller - da sind (z. B. bei mir) 400l drin - schaffe dir eine Möglichkeit, das im Notfall auch

    anzuzapfen....


    Jetzt haben wir schon zusammen fast 1.000l Trinkwasser ohne nennenswerten Aufwand, von der Erstschlepperei der Wasserkisten abgesehen, aber die rotierst du danach bequem durch und hast Ruhe..... Das Wasser in den Kanistern kostet dich um halben Jahr keine Stunde, erneuert zu werden. Dein Wasserspeicher ist eh da und immer voll, solange Leitungswasser fließt.


    Für Brauchwasser und notfalls auch Trinkwasser würde ich dann eher einen Brunnen ins Kalkül ziehen - der macht dich eher vom Regenwetter unabhängig.



    Grüsse

  • Jetzt bin ich unsicher geworden! Neben den eingelagerten Wasserflaschen und ist in meiner Planung eine 3000 Liter Zisterne vom Brunnen gefüllt als Brauchwasserspeicher. Diese Zisterne wird je nach Grundwasserstand des Brunnens gefüllt und normal für die Gartenbewasserung verwendet. Für den Notfall ist mein Idee dies aus Brauchwasser zu verwenden. als Trinkwasser Reserve frisch gezogenes Brunnenwasser durch einen Katalyn Family Filter 0,02my Filter laufen zulassen und vor dem trinken noch durch einen Aktivkohle Filter. Fehlt da jetzt doch noch UV Licht und Micropur? 🤔🤔

  • Ich würde nie einem offenen Brunnen trauen. Er kann zu schnell verschmutzt werden. Schon ein Eimer oder eine Pumpe kann dazu beitragen. Nicht umsonst werden heutige Brunnen nicht mehr offen, sondern nur mit Rohrgestänge gebaut. Schon eine Schwengelpumpe kann das Wasser kontaminieren, sofern kein Rückschlagventiel eingebaut ist. Auch müssen Hausbrunnen jedes Jahr vom Gesundheitsamt kontrolliert werden. Zudem wird das Wasser durch eine Chlorgabe in das Rohrsystem von Bakterien befreit, was man einmal im Jahr machen sollte. Normalerweise ist das Wasser dann trinkbar, ohne es noch anderweitig zu behandeln.

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  • Ich würde mindestens eine Wasseranalyse machen lassen. Brunnenwässer sind in Nordwestdeutschland und anderen Intensivlandwirtschaftgebieten oft nitratbelastet. Das bekommst du mit keinem Filter raus. Kurzfristig kannst du das - außer für Säuglinge - tolerieren, langfristig ist es gesundheitsschädlich in der Menge über dem Grenzwert (50 mg/L). Sonst kann es so funktionieren, wobei ich einen Vorfilter für wichtiger erachte als die Aktivkohle. Schwebstoffe ruinieren deinen Membranfilter, indem sie ihn zusetzen und verstopfen. Aktivkohle machst du bei chlorierem Wasser, es nimmt dir einiges an organischem Material weg und verbessert den Geschmack des Wassers, falls durch die Chlorung z.B. Chloramine entstanden sind. Das hast du, wenn dein Wasser organisch bzw. durch Düngemittel belastet ist, du siehst das am Ammoniakwert des Rohwassers. Ammoniumionen bekommst du mit deinem Filter auch nicht raus.

  • tomduly


    Vielen Dank für den Link zu den "Kiwis", es sind sehr interessante Informationen hier drin (habe das Dokument aber momentan nur angelesen).

    In deinem Post #10 beschreibst du im Wesentlichen die darin festgelegten Vorgaben zur Regenwassernutzung.


    Mein Fokus ist mittlerweile auf die Vorfilterung gerichtet, da diese wichtiger ist als ich ursprünglich angenommen habe und ergebnisrelevant ist (Entfernung Schwebekörper hat Einfluss auf das finale Filter- / Entkeimungsergebnis)!

    Zitat

    Nun sollte eine mehrstufige Filterstrecke folgen: grob-fein-ultrafein, jeweils separate Filterkartuschen.

    Bitte definiere die Größen in micron (µm)!

    Muss ich es zwangsläufig mit Filterkartuschen lösen oder reichen auch Siebe und Filtermatten?

    Ich möchte hier vorerst nur mit Schwerkraft arbeiten und nicht mit elektrischen Pumpen (außer es führt kein Weg daran vorbei).

    Theoretisch habe ich in meinem Regensammler ein Filter mit der Maschenweite von 100 µm.

  • Moin!


    Ist der 100my-Filter als Vorfilter für den Regensammler gedacht? Dann sollte das

    funktionieren. Muss man nur schauen, wie schnell der sich zusetzt.

    Bei Sieben oder Filtermatten würde ich eher zu Sieben tendieren, da diese besser

    zu reinigen sind.

    In der Brauerei habe ich früher 100my Filter als Grobfilter eingesetzt um Hopfen-

    rückstände und Eiweißbruch zu filtern. Ich persönlich würde keine Filtermatten

    benutzen, da diese schwer zu reinigen sind. Es gibt gute und feine Edelstahlsiebe.


    Im verlinkten Handbuch zur Regenwassergewinnung sind die Filtergrößen in

    micron benannt. Die letzte Filtergröße würde ich persönlich bei 0,2my ansetzen.

  • Hallo "Vyrus",


    also, die elementaren Dinge zum Thema Regenwasser wurden hier je schon sehr schön gesagt.

    Die Chance in Deutschland ohne Wasser zu sein halte ich für relativ gering.

    An Deiner Stelle würde ich mich auf den Weg machen und genau untersuchen, wo Du ggf. an öffentlichen Wasserstellen / Quellen Trinkwasser bekommen kannst. Frag mal auf der Gemeinde. Wenn es hart auf hart kommt, wirst Du auch über THW / Feuerwehr mit Tankwagen eine elementare Versorgung bekommen.

    Dazu würde ich mir solche Weithals-Kanister besorgen (Hühnersdorf):


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    Die 22l Kanister sind gerade noch tragbar und die 10 L Kanister kannst Du im 2-er Pack (einen Links, einen Rechts) auch ein Stück tragen.

    Mit 2 intelligenten Lastenträgen an einem stabilen Fahrradgepäckträger oder einer stabilen Lastenkarre kannst Du auch von etwas weiter her Wasser holen.


    Diese Kanister haben unten einen Auslauf an dem man einen vernünftigen Wasserhahn anbringen kann (Zubehör). So einen 5 oder 10 L Kanister stellt man mit dem angeschraubten Wasserhahn auf ein Waschbecken oder Küchenspüle und hat damit (fast) schon fliessendes Wasser.


    Wenn Du eine normale Wasserversorgung hast, kannst Du diese Tanks mit "gutem" Wasser gefüllt und etwas Micropur einlagern und etwa alle 6 Monate spülen und neu befüllen (dunkel und kühl lagern).

    Damit hast Du einen ersten Vorrat, wenn es mal "eng" wird.


    Durch die große Füll-Offnung kannst Du den Kanister auch mit einer Bürste von innen reinigen.


    Den Inhalt von so einen Kanister (der kleineren Type) kannst DU auch mit kochendem Wasser (-> Gas-oder Petroleumkocher) teilfüllen und mit kaltem mischen und bekommst so angenehm warmes Wasser zum Duschen. Eine Campingdusche mit Tauchpumpe und eine kleine 12 V Batterie ermöglichen ein brauchbares Duschen in der heimischen Duschkabine oder im Garten.

    ....


    Ich habe (seit etwa 20 Jahren) eine Zisterne mit 7 m3 Regenwasser, das ich zur Toilettenspülung und Gartengießen verwende. In Hochsommer ist diese nach spätestens 4 Tage leer , wenn ich auch unseren (kleinen) Garten damit gieße.


    Am Boden dieser Zisterne setzt sich eine Menge Dreck ab, der regelmäßig gereinigt werden muss. Dazu gibt es ein Mannloch. Es gibt ein Grobfilter um am höher gelegten Ansaugstutzen ein feineres Sieb-Filter vor der Pumpe.


    Das Regenwasser in der Rheinebene würde ich nicht unbedingt trinken wollen, wir haben hier viel Industrie, sehr regen Luftverkehr und es gibt viele Flugzeuge die nahebei über dem Pfälzer Wald auch mal Treibstoff ablassen, bei technischen Defekten..... Saurer Regen, Radioaktive Emissionen (KKW nahe bei) und große Chemiewerke lassen ausserdem grüßen....

    Wolken halten bekanntlich nicht an Gartenzäunen.....


    Für den Fall der Fälle habe ich Katadyn Haushalts-Filter und eine 12 V Wohnmobil Druck - Pumpe Notfalls eine Handpumpe.. Würde das aber nur in der allergrößten Not einsetzten.


    Zur Einstimmung solltest Du Dir auch mal einen Tee oder mit Micropur konditioniertem Wasser kochen, damit Du weisst, wie das schmeckt.

    Ich würde für die "Kocherei" und Getränke einen langen Weg in Kauf nehmen, um gut schmeckendes, einwandfreies (fast) unbehandeltes Wasser zu bekommen.

    Die von Dir anvisierten 60 L reichen nur für sehr wenige Sachen.


    Beim Camping komme ich mit einem 200 L Tank etwa 3 bis 4 Tage aus (ohne Duschen, aber mit Toilettenspülung bei 2 Personen).

    Das könnte man aber natürlich rationieren.


    Hoffe das hilft Dir ein bisschen weiter und gibt Dir ein paar Anregungen in eine ganz andere Richtung.


    Ich denke nicht, dass es sich lohnt den Aufwand zu treiben, Regenwasser oder Oberflächennahes Brunnenwasser oberhalb der ersten Lehmschicht (-> meistens mit viel Nitrat und Pflanzenschutzmitteln belastet) so zu konditionieren, dass es einwandfreies Trinkwasser ergibt.


    Gruss, Udo