Covid-19: keine Schule und trotzdem Noten...?

  • Über folgenden Artikel bin ich gerade gestolpert:

    https://www.spiegel.de/panoram…f8-465f-b561-81606fcbc380


    Ich fand es einigermaßen erschütternd, wie unterschiedlich in den einzelnen Bundesländern mit dieser Situation umgegangen wird.

    Zugegeben, meine BEVA und ich haben aktuell das "Glück" nicht in der Verlegenheit zu sein, uns darüber Gedanken machen zu müssen (und wenn, dann würde sich die Frage auch erst in ein paar Jahren stellen).


    Meine BEVA und ich sind nicht gerade auf den Kopf gefallen und ich würde mich mal aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass unsere Kinder zumindest im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich in dieser Situation ziemlich glimpflich bei rauskämen, weil wir sie auf diesem Gebiet gut unterstützen können. Doch wenn ich an unsere Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich Kunst und Musik denke, da graust es mir. 8o


    Aus meinem Bekannten- und Familienkreis ist mir bekannt, dass die Kinder teils sehr viel an Aufgaben mit nach Hause bekommen haben. Und wenn ich an die Schimpftirade der einen Mutter denke, wie sie sich mir gegenüber ihr Leid geklagt hat, kann ich mir vorstellen, dass es da Kinder gibt, die unter solchen Umständen "unter die Räder" kommen.


    Was ich mich also frage: wie geht ihr damit um? Welche Konzepte habt ihr, um euren Nachwuchs in dieser Zeit zu fördern und zu unterstützen?

  • Ich hab irgendwo gelesen, daß es höchst fraglich ist, ob der im Wege von "home schooling" vermittelte "Stoff" überhaupt notenmäßig relevant abgefragt werden kann, da es ja voraussetzt, daß der betreffende Schüler zum einen einen Internet-Anschluß zu Hause zur Verfügung hat und ob er über die notwendige Hardware verfügt, zb Drucker .

    Die Kosten die Internet udn hardware sind meines Wissen im Grundsicherungs-Warenkorb nicht enthalten.

    Ich finde diese Ansicht zutreffend, da es zwar eine allgemeine Schulpflicht gibt, aber noch keine allgemeine Internetpflicht.
    Was anderes mag an Hochschulen gelten, bei denen man sich ja meist nur noch online immatrikulieren kann.


    Frieder

  • Die Kosten die Internet udn hardware sind meines Wissen im Grundsicherungs-Warenkorb nicht enthalten.

    Ich finde diese Ansicht zutreffend, da es zwar eine allgemeine Schulpflicht gibt, aber noch keine allgemeine Internetpflicht.
    Was anderes mag an Hochschulen gelten, bei denen man sich ja meist nur noch online immatrikulieren kann.


    Frieder

    Internet ist im Regelsatz tatsächlich mit inkludiert. Nennt sich "Nachrichtenübermittlung". Wenn ich mir aber vorstelle, dass die meisten in dem Alter bereits durchaus mit einem Smartphone und einem entsprechenden Tarif rumlaufen, bleibt da nicht mehr viel übrig. Auch nicht anteilig. Hardware für Computer und die geeignete Software ist allerdings tatsächlich nicht im Regelsatz explizit erfasst.

    Davon ab, haben wir in Deutschland eine Schulpflicht, keine Bildungspflicht. Ich glaube, in Österreich gibt es sowas, wenn ich mich recht entsinne. Dadurch wird Homeschooling in Deutschland per se ja zu einem juristischen Drahtseilakt, der legal auf saubere Weise praktisch nicht zu realisieren ist. Selbst die Kinder von Schaustellern müssen in die örtliche Schule gehen und sich das dokumentieren lassen. Zumindest war es früher so und ich glaube, da wird sich nicht sehr viel daran geändert haben.


    Was Studenten angeht: da ist Internet aus vielerlei Gründen praktisch schon Standard. Selbst zu meiner Zeit an der Uni. Die können sich zumindest mit Literaturrecherche beschäftigen, theoretische Hausarbeiten schreiben und via Skype und Co sich live mit Kommilitonen austauschen. Aber spätestens bei obligatorischen Laborpraktika hört es dann mit dem "Lernen von zu Hause aus" auf...

  • Jetzt lassen wir mal bitte die Kirche im Dorf. Ich kann hier als direkt betroffener mal berichten. Die letzten 3 Wochen durfte ich die Kinder (3+4 Klasse Zuhause unterrichten).

    Immer Freitags gab es die Aufgaben für die nächste Woche. Diese kamen per Email und es gab einen detaillierte Aufgabenliste für die nächste Woche. Es war nichts auszudrucken.

    Alle Aufgaben waren in den Schulbüchern die die Kinder mit nach Hause genommen hatten. Für Eltern ohne Internet hätte es die Möglichkeit gegeben die Aufgaben in der schule abzuholen (lagen ausgedruckt in einer Box am Eingang der Schule) wurde nach einer Woche aber eingestellt. Alle Eltern haben Internet. Einmal gab es einen Aufsatz zu schreiben. Dieser konnte eingescanned, abfotografiert zurückgeschickt werden. Alternativ hätte man ihn auch wieder an der Schule deponieren können.

    Ob alle Familien schnelles Internet haben kann ich nicht einschätzen aber selbst in Familien die Abseits wohnen oder wenig geld zur Verfügung haben gab/gibt es die Möglichkeit grundsätzlich E-Mails zu empfangen.

    Das klappt im großen und ganzen ganz gut.

    Aber ich stimme zu man muss da als Eltern schon am Ball bleiben und schauen das die Kids lernen. Das ist aber auch im normalen Schulalltag so. Kinder bei denen da kein Augenmerk drauf gelegt wird kommen leider unter die Räder. Das liegt dann aber nicht am fehlenden Geld oder fehlendem Equipment sondern am fehlenden Interesse der Eltern.

    -= NUNQUAM NON PARATUS =-

  • Ich kann da mal als Lehrer (7. bis 9. Klasse) UND als Vater (3. und 6. Klasse) aus der Schweiz etwas beitragen. Aber ob man das so 1:1 für D und A übernehmen kann, glaube ich nicht.


    Erst mal was die Notengebung betrifft, so wurde uns gesagt, dass man keine summative Beurteilungen (= die klassischen Prüfungen) durchführen soll.

    Ich könnte jedoch Beispielsweise ein Erklärvideo benoten, das ein Schüler zu einem einfachen Experiment erstellt hat. Oder ein Plakat zu den verschiedenen Vierecken und deren Eigenschaften.


    Aus Sicht des Lehrers ist es extrem schwierig, den Schülern die Aufträge so zu erteilen, damit diese auch tatsächlich von allen verstanden werden.

    Jedoch arbeitet unsere Schule mit Office365 und ich habe auch schon via Teams eine Videokonferenz mit der ganzen Klasse durchgeführt und so Dinge erklärt. Es ist jedoch bei Weitem nicht so einfach erledigt wie im Schulzimmer.

    Auch die Menge der Aufträge ist sehr schwer abzuschätzen. Vor allem bei heterogenen Klassen, in denen manche nach 30 Minuten und manche erst nach 60 Minuten fertig sind.

    Glaubt mir, für uns Lehrer ist Homeschooling alles andere als toll und viele sehnen sich den normalen Unterrichtsalltag zurück.

    Mein zeitlicher Aufwand ist viel höher als sonst.


    Aus Sicht des Vaters sehe ich das grosse Problem, dass sich die Kinder (zumindest zu Beginn) diese Form des Lernens nicht gewohnt sind. Obwohl der ältere eigentlich alle Aufträge gewissenhaft erledigen wollte, fand er immer wieder etwas, von dem er sich ablenken lassen konnte.

    Zitat von ihm : "In der Schule ist es viel einfacher zum Lernen, denn da lernen die anderen auch."

    Meine Frau wurde in dieser ersten Phase sehr beansprucht. Da ich ja selbst arbeiten musste, pendelte sie quasi zwischen den Kinderzimmern hin und her und hat Aufgaben erklärt und Motivatorin gespielt, wenn die Kinder einen Durchhänger hatten.


    Vor den Ferien war das bei uns sehr eingespielt, da sie mehrere Bewegungspausen auf dem Trampolin eingeplant hat und auch auf deren Einhaltung geachtet hat.


    Das wichtigste ist meiner Meinung nach, dass die Aufträge Abwechslungsreich gestaltet werden und nicht immer nur in Lesen und Schreiben enden.


    Das sind aber nur meine bescheidenen 2 Rappen.

    Heute ein guter Plan ist besser als morgen ein perfekter Plan.

    -George S. Patton-

  • Aber ich stimme zu man muss da als Eltern schon am Ball bleiben und schauen das die Kids lernen. Das ist aber auch im normalen Schulalltag so. Kinder bei denen da kein Augenmerk drauf gelegt wird kommen leider unter die Räder. Das liegt dann aber nicht am fehlenden Geld oder fehlendem Equipment sondern am fehlenden Interesse der Eltern.

    Das stimmt mich doch einigermaßen zuversichtlich, dass die Schulen pragmatische Lösungen finden.

    Beim Verfolgen der Presseberichte hat man ja fast schon den Eindruck einer "verlorenen Generation" gehabt. Gerade so, als würden da Heerscharen von Kindern wegen eines jahrelangen Weltkrieges ihrer Zukunft beraubt... :rolleyes:

  • Rein auf "home schooling" aufbauende Prüfungen sind rechtlich bedenklich und anfechtbar, daher sind sie m.E. unwahrscheinlich. Bevor dieser Stoff geprüft werden kann, müsste vorher zumindest noch eine "persönliche" Wiederholungswoche mit Fragemöglichkeiten o.ä. erfolgen.


    Ich vermute, dass stattdessen die Anzahl der schriftlichen Leistungserhebungen für dieses Schuljahr reduziert wird (also z.B. nur 3 Schulaufgaben/Klausuren statt 4). Eventuell werden den Schülern auch zusätzliche Möglichkeiten für mündliche Noten eingeräumt. Die Kultusministerien überlegen sich mit Sicherheit etwas, das nicht zum Nachteil der Schülerschaft sein wird.

  • Unser "Kleiner" geht in dei 5. Klasse Gymnasium. Sein Homeschooling der letzten drei Wochen sah so aus, dass es am Beginn der ersten Woche einen Stapel Aufgabenblätter und Unterrichtsmaterialien in Papierform gab (in BaWü wurden die Schulen aus diesem Grund erst ab Dienstag geschlossen, am Montag in der ersten Homeschool-Woche war nochmal Präsenzunterricht. Gleichzeitig wurde hektisch eine "Schulcloud" eingerichtet und den Kindern die Zugangsdaten mitgegeben.


    Die Cloud war natürlich dem Ansturm nicht gewachsen und die Schule bat die Eltern dann, sich möglichst zu exotischen Zeiten einzuloggen (nachts um Zwei), um nachzusehen, ob für das Kind Aufgaben bereitgestellt wurden oder, um gemachte Aufgaben (abfotografiert oder eingescannt) hochzuladen. Zusätzlich schickten die Lehrer den Eltern fast täglich Emails mit Aufgaben oder Zugangsdaten zu irgendwelchen Onlineplattformen.


    Der Mathelehrer machte zweimal die Woche Live-Unterricht übers Internet, bei dem Kinder den Lehrer hören, seine "Tafel" sehen und über eine Chatfunktion sich am Unterricht beteiligen können. Praktischerweise haben "zockende" Kinder heutzutage schon die nötige Infrastruktur zuhause: Tablet oder Laptop/PC und ein Headset. Eine stabile Internetverbindung ist in diesen Tagen aber Gold wert.


    Die übrigen Lehrer begnügen sich mit Aufgabenverteilung per Mail. Man muss aber sagen, dass die meisten sehr bemüht sind und z.B. gemachte Hausaufgaben kontrollieren und mit Korrekturen zurückschicken, was man sonst nicht hat.


    Bis auf Sport kommen aus allen Fächern (8 oder 9 müssten es bei uns sein) Aufgaben per Mail und Cloud. Da muss man schon schauen, dass man dranbleibt, da es ja auch neue Inhalte sind, die sich den Kindern ja nicht von selbst vermitteln. D.h. man ist als Eltern auch mit einigen Stunden Einsatz gefordert. Wir machen wochentags am Vormittag 90-120min und am frühen Nachmittag nochmal 60min "Unterricht".


    Der Papierverbrauch ist auch deutlich angestiegen. Da meine Frau und ich auch seit drei Wochen Homeoffice machen, haben wir zu dritt in der Zeit gut eine halbe 500er-Packung Papier durch den Drucker gejagt.


    Der Einzelunterricht im Musikverein findet auch virtuell statt: der Schlagzeuglehrer ist per Skype zugeschaltet, Tablet auf dem Notenständer machts möglich.


    Grüsse

    Tom

  • Meine Vorstellung hier erfolgte vor einigen Jahren, im Bedarfsfall hole ich sie nach.


    Ich kann als von zwei Seiten Betroffener was sagen:


    Mit zwei Kindern (2. und 8. Klasse Gymn.) :


    1. Woche: Viel zu viel. Mit Homeoffice in einem vernünftigem Zeitansatz nicht zu leisten.


    Nach Kontaktaufnahme mit den Lehrern jetzt besser geworden, setzt allerdings Struktur voraus.


    Als Schulsozialarbeiter:


    Die Kinder aus prekären Milieu werden defintiv wegbrechen. Das können die Eltern, warum auch immer, nicht leisten. Im Besonderem Förderschüler und teilweise Oberschule.


    VG

    OM

  • Als mehrfach betroffener kann ich auch sagen, dass das mit etwas gutem Willen auf allen Seiten ganz gut klappt, nach ein paar Anlaufproblemen.


    Lehrer sind keine Internet-Fachleute, und man sollte es von ihnen auch nicht erwarten.


    Das Hauptproblem ist wie in der ganz normalen Schule, zumindest soweit ich das mitbekommen habe, eher nicht die Schüler oder Lehrer, sondern einige wenige Eltern. Die sind dafür besonders schlimm.


    Bei uns kamen bei einem Kind plötzlich nur noch Schulaufgaben, die er in weniger als einer halben Stunde schaffte. Auf Nachfrage, ob das alles sei, kam die Antwort, dass sich ein paar Eltern ganz extrem über viel zu viel Hausaufgaben beschwert hätten, und dass man von Eltern ja wohl nicht erwarten dürfe, die Aufgaben des Lehrers übernehmen zu müssen. Und so weiter. Manche Eltern sollten wirklich keine Kinder kriegen. Die wären mit einem Hund besser bedient. (Obwohl,,.der arme Hund...)



    Nick

  • Mal ein kleines Update als doppelt Betroffener:


    Bei den Kindern hat sich die Aufgabendichte nach Rücksprache mit den Lehrern in die richtige Richtung entwickelt, so das für meinen Grundschulhobbit täglich etwa 4 Unterrichtsstunden und für meinen Quaranteenie 6 UE rumkommen. Da keine Ferien sind ist das in Ordnung. Noten in der Grundschule soll es wohl eher auf Fleißaufgaben geben(Plakate usw.).


    Von den Schülern meiner Schule bekomme ich unterschiedliches Feedback: teilweise war es wohl zu viel und zu spät zur Verfügung gestellt(Mittwoch Abend online, Donnerstag Abend Abgabe und so). Nach Ermutigung nahmen überwiegend die Schüler selbst Kontakt zu den Lehrern auf und thematisierten das. Ich habe den Eindruck, das sich die Kommunikation Schüler-Lehrer zum Positiven entwickelt hat. Teilweise wird benotet, ich habe auch die ein oder andere "Online"-Klausur mitbekommen. Hier wird, mein Eindruck als Vater und Sozi, eher zum Vorteil der Schüler benotet und auch mal über eine verspätete Abgabe hinweg gesehen.


    Tendenz: Schüler werden wohl was das Endzeugnis angeht eher profitieren. Ob das mit der Stoffvermittlung wirklich hin haut wird sich dann leider erst im Regelbetrieb zeigen.


    VG


    OM

  • Da muss man schon schauen, dass man dranbleibt, da es ja auch neue Inhalte sind, die sich den Kindern ja nicht von selbst vermitteln. D.h. man ist als Eltern auch mit einigen Stunden Einsatz gefordert.

    Neue Inhalte vermitteln sich nie von selber, ich habe aber in all den Diskussionen (nicht in diesem Fred, im offline-Leben) immer die Tatsache vermisst, dass ich ja wohl als Lehrer in der Lage bin, eine vernünftige Erklärung aufzuschreiben?! So habe ich es jedenfalls mit meinen Klassen gemacht und wer dann noch Fragen hatte, hat mir eine Mail geschrieben. Mit Schülern von 13 Jahren aufwärts hat das gut geklappt, zumindest hat sich niemand beschwert und die Textergebnisse sprechen für sich.

    Von den Schülern meiner Schule bekomme ich unterschiedliches Feedback: teilweise war es wohl zu viel und zu spät zur Verfügung gestellt(Mittwoch Abend online, Donnerstag Abend Abgabe und so). Nach Ermutigung nahmen überwiegend die Schüler selbst Kontakt zu den Lehrern auf und thematisierten das. Ich habe den Eindruck, das sich die Kommunikation Schüler-Lehrer zum Positiven entwickelt hat.

    Das mit der Kommunikation sehe ich übrigens ganz genauso, auch wenn ich mehr als einmal sehr amüsiert war, was bei den Kids als "förmliche Email" gilt. Aber sie haben sich Mühe gegeben und viele haben sich auch mit kleinen Fragen direkt an mich gewandt, das fand ich gut. Dass sich das erst mal einspielen muss, ist klar, die Schulen (und auch einige Kollegen) sind auf so etwas nicht eingestellt und dank Datenschutzverordnungen waren da bisher so viele Blockaden im Weg, dass sich niemand die Mühe gemacht hat, die online-Struktur auszubauen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich das für eine sinnvolle Lösung in Quarantäne-Zeiten halte, dass aber der persönliche Kontakt im Unterricht meiner Meinung nach einfach unschlagbar ist.


    Ich denke insgesamt, dass sich da schon eine faire Lösung finden lässt - und wenn es nicht gerade ein Abschlussjahrgang ist, interessiert sich sowieso nie wieder irgendjemand für die einzelnen Noten:D Viel spannender als die Benotung ist letztlich ganz anderes: problematisch ist die Gruppenentwicklung der Klassen bzw. der Sozialkontakt. Kleinere Freundesgruppen halten mit Sicherheit dank der neuen Medien Kontakt, aber einige meiner Klassen sind neu zusammengemischt und haben sich noch nicht als Gruppe gefunden, da kann nach der Schulschließung mehr oder weniger bei Null angefangen werden. Von Kindern, die ohnehin am Rand stehen und jetzt noch mehr zu vereinsamen drohen mal ganz zu schweigen. Und das ist etwas, das nie benotet wird, das aber meiner Meinung nach eine der wesentlichsten Komponenten ist, die Kids in ihrem Schulleben lernen.

  • Was gilt bei den Kids denn als "förmliche Email"?

    Zwei Beispiele fallen mir jetzt aus'm Stand direkt ein, die auch schön die unterschiedlichen Extreme verdeutlichen:


    "Ich bin X aus Klasse X." Fertig. Im Anhang gabs die Aufgabe, die war in Ordnung, grinsen musst ich aber schon. Wobei, noch besser sind die mit Quatsch-Email-Adressen, die vergessen ihren Namen dazuzuschreiben.

    Oder "Sehr geehrte Frau X, ich hoffe Ihnen und Ihren Liebsten geht es gut. Im Anhang habe ich meine Aufgabe erledigt. Beste Grüße, X" Von einem Kid wo mich sonst im Unterricht nach jedem Quatsch fragt.

    Besonders schön war aber die Email, die eine Kollegin bekommen hat: "Hallo, ich habe da eine Frage zu den Aufgaben." Fertig. Vom Account der Eltern oder ähnlichem, die aber nicht denselben Nachnamen wie das Kind haben. Keine Unterschrift, keine Klasse und keine Frage. Erschwert als Lehrer das zielführende Antworten ein wenig ^^


    Ihr seht schon, es sind keine schlimmen Fehler dabei oder irgendwie böser Wille der Schüler, aber es sind lustige Mischungen aus total förmlich und whatsapp-speak bzw absoluter Email-Unkenntnis. Vielleicht ist es auch lustiger, wenn man die Schüler kennt und weiß, dass sie sonst so nicht reden, auch nicht mit mir. :S

  • Ulalessi: Das kommt mir doch alles sehr bekannt vor, was du in deinen letzten beiden Posts geschrieben hast. ^^


    Zu deinem Einwand bezüglich "vernünftige Aufträge formulieren...

    Geht es dir auch so, dass du für das Formulieren viel länger brauchst als sonst?

    Ich überlege mir bei fast jedem Satz "Verstehen die Kinder auch, was ich von ihnen verlange?".
    Im Schulzimmer ist es viel einfacher. Wenn sie etwas nicht verstehen, können sie rasch fragen. Geht halt schneller, als eine Mail zu schreiben. ;)


    Ich bin froh, haben wir Microsoft Teams als offiziellen Kommunikationskanal. Da kann ich den Schülern bei Problem rasch auch per Videochat helfen oder gar mit "Bildschirm teilen" etwas vorzeigen.

    Heute ein guter Plan ist besser als morgen ein perfekter Plan.

    -George S. Patton-

  • Oh mein Gott, ja, ich brauche ewig! Im normalen Unterrichtsgespräch ist es viel leichter, weil ich es merke ob ich die Schüler verliere oder nicht - wie du sagst, es ist viel direkter. Trotzdem- es geht ja. Nur schön ist eben anders.


    Wir haben leider überhaupt noch nichts mit Video eingeführt, diese Woche gibt es an meiner Schule erste Gehversuche. Da bin ich jetzt auch erst einmal gespannt... Stelle mir je nach Klasse das Moderieren eines solchen Videogespräches sehr unterschiedlich vor. Mal davon abgesehen, dass unsere Schulleitung mitgeteilt hat, die Teilnahme wäre für die Schüler freiwillig, und ich von Sinn und Unsinn eines Videogesprächs mit einem Viertel der Klasse noch nicht überzeugt bin :D

  • Ich möchte den Menschen, die vor der Benotung auf die Ferne Angst haben, etwas beruhigen.


    Ich musste/durfte mal eine Benotungsstrategie für moderne Unterrichtsformen im Rahmen einer Seminararbeit erarbeiten.


    Da arbeitete die ganze Klasse in wechselnden (!!!) Gruppen zusammen, und liefert dann Endergebnisse ab, die weder einem einzelnen Schüler zuordenbar sind, noch irgendwie von gleichbleibender Qualität sind. Und da ist auch etwas .. naja meine Meinung war nicht ausschlaggebend, aber laut Seminarleiter ist doch etwas sinnvolles herausgekommen. (Gruppenpuzzle hieß der Mist, falls das jemand was sagt)


    Verglichen damit ist die gerechte Benotung von Schülern in einer Situation, wie sie sich gerade eben darstellt, ein Kinderspiel.


    Man hat Leistungen, die man einem Schüler zuordnen kann. Sogar noch viel mehr schriftlich als sonst.


    Schummelnde Eltern, oder Schüler die den elektronischen Weg nutzen, um zu schummeln... glaubt mir, Lehrer sind nicht blöd, die können damit umgehen.

    Man braucht keine Angst haben, dass andere Kinder durch Schummeln bessere Noten kriegen, als ehrliche. (zumindest meistens :) )


    Nick

  • Äußerst bedenklich und auch unverständlich finde ich, dass es Stand jetzt in den Schulen, sobald der "Live-Unterricht" wieder anläuft, keine (Behelfs-)Maskenpflicht gibt. In einzelnen Städten und Bundesländern gibt es zwar eine Pflicht, aber bisher nur für den ÖPNV und beim Einkaufen.

    Das muss m.E. dringend noch folgen, denn selbst mit halber Klassenstärke und großen Räumen geht man ansonsten ein unkalkulierbares Risiko ein, das leicht zu reduzieren wäre.

    Das "Problem", dass Lehrer oder Schüler evtl. akustisch schwieriger zu verstehen wären, halte ich mit den heutigen medialen, methodischen und technischen Möglichkeiten für lösbar.

  • Hallo Mondwolf,


    ich müsste nochmal in die Weisung gucken ob das einfach komisch forumuliert, ist weil es auch hier an unterschiedlichen Schulen unterschiedlich gehandhabt wird: ich habe heute früh Masken an die eintreffenden Abiturienten verteilt(am Samstag bei der übergeordneten Behörde durch Schulleitung abgeholt) und auch die Lehrer trugen Masken. Ich weiss aber vom Kollegen an einer Oberschule, das dort durch die Schulleitung nicht auf Masken bestanden wird...

  • zum Bereich Mathe und Physik hab ich eine Seite gefunden, die sowohl Grundwissen wie auch Aufgaben anbietet, für den ein oder anderen sicherlich interessant. Muss sagen, den Lehrer hatte ich selbst und die Quote erfolgreicher Physikstudenten war recht hoch, der Anspruch aber auch. Vorteil: frei verteilbar nach CC, und alle Grundlagen mit Beispielen und Übungsaufgaben - nach dem Lehrplan Gymnasium Bayern. http://stbit.de/