Winterjacke Carinthia MIG 3.0 - Review

  • Langsam wird es Zeit, die Wintersachen einzumotten. Dabei fiel mir die Carinthia MIG 3.0 in die Hände. Über die Jacke ist schon viel gesagt worden, trotzdem möchte ich sie euch kurz im Detail vorstellen und empfehlen. Es sind vor allem die vielen durchdachten Details und die hohe Verarbeitunsgqualität, die mich auch nach zwei Jahren immer noch begeistern. Sie hat mich nun durch zwei Winter lang begleitet und weist immer noch kaum Abnutzungsspuren auf.


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    Was mich lange vom Kauf abgehalten hatte, war die fest vernähte und nicht abnehmbare Kapuze. An sich mag ich lieber Jacken, die flexibler eingesetzt werden können. Wie zum Beispiel mit einem herausnehmbaren Innenfutter oder eben einer abtrennbaren Kapuze. Das kann die MIG 3.0 nicht. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig sind die beiden Außentaschen: sie sind eher auf Brusthöhe angesetzt. Hintergrund: die Jacke wird auch beim Militär verwendet, wo eine Koppel stören würde, hätte man die Taschen tiefer platziert. Was ich perönlich auch nicht gebraucht hätte, sind zwei relativ große Klettflächen rechts und links im Oberarmbereich. Farblich zum Glück recht dezent gehalten.


    Die vielen positiven Details überwiegen jedoch: ein robuster Zweiwege-Reißverschluss, der wie alle anderen Reißverschlüsse an der Jacke getaped ist und so v.a. Nässe, aber auch Wind zuverlässig abhält. Große Textil-Zipper-Bändchen ermöglichen eine komfortable Bedienung auch mit dicken Handschuhen.


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    Material


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    Das Material besteht aus verschiedenen Kunststofffasern. Die Jacke ist mit einer wasser- und winddichten GoreTex-Membran ausgestattet. Mit dem entsprechenden Waschmittel auch bei 40° waschbar. Die Wärmeisolation besteht aus der von den Carinthia-Schlafsäcken bekannten G-LOFT-Füllung. Sie erzeugt eine gleichmäßige, angenehme Wärme, ohne zu überhitzen.

    Anfangs dachte ich, die Jacke sei zu kalt. Aber sie ist darauf abgestimmt, auch bei körperlicher Bewegung nicht zu warm zu werden. Ab etwa 0° Außentemperatur empfehle ich entweder einen Pullover darunter zu tragen oder Merinounterwäsche zu kombinieren. Oder eben in Bewegung zu bleiben.

    Für jemanden, der zum Beispiel über Stunden auf einem Weihnachtsmarkt still steht, wäre sie ohne zusätzliche Bekleidungsschichten vermutlich auf Dauer zu kühl. Auch beim Ansitz auf der Jagd müsste ein dicker Pulover mit.


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    Gegen zuviel Wärme helfen dagegen zwei Ventilationsöffnungen unter den Oberarmen. Diese können mit einem Reißverschluss stufenlos geöffnet und geschlossen werden. Sehr praktisch und angenehm. Das macht die Jacke fast auch für den Übergang im Frühjahr geeignet, solange es nicht wärmer als ca. 15° wird. Darüber ist sie dann doch zu warm.


    Taschen

    Die zwei Außentaschen sind innen mit einer Art Teddyfutter ausgekleidet und daher nicht nur warm, sondern auch sehr angenehm anzufassen. Im Inneren befinden sich zwei Kordelzüge. Mit diesen kann man die Kapuze enger zuziehen, ohne die Hände bei Schmuddelwetter aus den Taschen nehmen zu müssen! Die Taschen sind groß genug für ein Handy oder ein Portemonnaie etc.

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    Größere Gegenstände, wie zum Beispiel ein Karten-Etui oder eine Umgebungskarte passen in die beiden Netzinnentaschen, die sich rechts und links befinden. Sie werden zuverlässig mit einem Reißverschluss verschlossen, sodass darin befindliche Gegenstände vor dem Herausfallen gesichert sind.


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    An den Ärmeln befinden sich insgesamt drei kleinere, ausgesprochen praktische Außentaschen. Eine auf dem rechten Oberarm. Zwei (oben und unten) auf dem linken Oberarm. Diese werden mit einem Reißverschluss verschlossen. Im Inneren ist jeweils ein Sicherungsband angebracht, in das man mit einem kleinen Karabiner hilfreiche Gegenstände sichern kann.

    Als Teil meines EDC habe ich hier ein Minitool (Gerber Dime), eine Notfallpfeife und eine kleine Taschenlampe (Fenix E05) untergebracht und so immer zur Hand. Vom Platz passt in die Taschen vielleicht maximal eine Zigarettenschachtel: die Gegenstände sollten also eher kompakt sein.


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    Details


    Den Verarbeitungsaufwand sieht man nicht nur an den vielen Taschen und Reißverschlüssen, sondern an kleinen Details. So sind die Reißverschlüsse alle mit kleinen "Garagen" ausgestattet. Dies soll ebenfalls Wasser und Wind abhalten. Die Ärmel sind am Handgelenk mit Innenbündchen versehen, die die Körperwärme in der Jacke halten und gegen Wind schützen.

    Die Schulterpartien (Rucksack!) und die Unterarmbereiche sind mit extra robustem Gewebe (Cordura?) besetzt. Jetzt musste ich im Alltag noch nicht über den Boden robben, aber wie heißt es so schön: haben ist besser als brauchen! ^^


    Das übrige Außengewebe ist mit RipStop versehen. Beim Wandern praktisch, wenn man mal wieder durchs Unterholz muss, um einen umgestürzten Baum zu umgehen. Dabei hält die Jacke Ästen und Dornen sehr gut Stand.


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    Die Jacke wird neben dem eher matten / schlammfarbenem Oliv, wie auf den Fotos, auch in Schwarz und Steingrau angeboten. Es gibt außerdem mit der HIG 4.0 eine noch wärmere Variante, die etwas anders geschnitten ist ("High Insulation Garment" / HIG).

    Die Preise bewegen sich aktuell zwischen 260-299 EUR. Es gibt mittlerweile einen Nachfolger, die MIG 4.0. Diese bewegt sich preislich bei 299 - 349 EUR.


    Insgesamt kann ich die Jacke empfehlen. Ihre Stärken sind:


    + winddicht / wasserdicht

    + robust durch unterschiedliche Materialien

    + schmutzabweisend

    + vielseitiges und praktisches Taschen-Layout

    + angenehme, gleichmäßige Wärme - nicht zu "heiß"

    + leicht

    + noch im Alltag als Winterjacke unauffällig zu tragen (kein reiner "Military-Look")

    + Made in Europe


    Nachteile:


    - bei Frost und geringer Bewegung nur mit zusätzlichen Bekleidungsschichten geeignet - ohne diese keine "Ansitzjacke" für Jäger

    - hoch angesetzte Außentaschen gewöhnungsbedürftig

    - keine abnehmbare Kapuze

  • Danke für die Vorstellung der Jacke.

    Die höher angebrachten Taschen finde ich sogar sehr gut. Denn wenn ich mit dem Rucksack unterwegs bin, dann sind diese wenigstens zugänglich.

    Manche "Outdoor-Hersteller" sind nicht so schlau.


    Da weiß ich schon, was ich mir im Herbst anschauen werde...

  • Richtig, egal ob Rucksack-Beckengurt, Klettergurt oder "Koppel". Man kommt so einfacher an die Taschen.


    Ich habe die MIG und die HIG. Die HIG kann man eigentlich nur 'statisch' einsetzen. In Bewegung bei unseren Temperaturen zu warm.

  • ich bevorzuge auch so eine Anordnung der Taschen, bei der aktuellen Bergwachtkollektion sind sie auch an der Jacke höher gesetzt wegen dem Klettergurt. Bei der Hose ist auch die Überlegung sichtbar, die Taschen haben keinen "steilen" seitlichen Eingriff sondern waagrecht etwas unter der Gürtellinie. Da das Ganze öffentlich per Google gefunden wird. http://www.bw-zsa.org/uploads/media/folder_rz_final.pdf, ist jetzt mindestens meine fritte Garnitur - und man muss sagen, die Entwicklung hat sich gelohnt, schlechter ist es nie geworden. Gut, im freien Markt sind die nicht zu bekommen - würde mich selber aber asn einigen der Ausstattungsmerkmale orientieren, die obig angesprochenen Modelle scheinen dem schon nahe zu kommen.

  • Wie macht sich die Wasserdichtigkeit in Verbindung mit einem gut gefüllten Rucksack ~ 25Kg? Ich habe eigentlich keine Jacke mit modernen Werkstoffen erlebt, die hielten, was sie versprachen.


    Ned gschimpfd is fei gloobt gnuuch!
    Der nächste fränkische Stammtisch findet statt, Infos bitte bei mir erfragen.

  • Zur Dichtigkeit in Verbindung mit so einem Gewicht kann ich nichts sagen. Mein Rucksack ist in der Regel deutlich unter 10 kg, da hatte ich eher das Problem, dass der Rucksackinhalt zuerst feucht wurde ... ^^


    Wobei ich eher einen Poncho überwerfen würde, wenn es länger und stark regnet. Dann bleiben Rucksack und Jacke weitgehend trocken.