Krawalle in USA - welche Erkenntnis zieht ihr für euch daraus?

  • Nachdem ich nun seit Beginn der Geschehnisse in den USA mit den ganzen Krawallen, Plünderungen und der teils erschreckenden Intensität der Gewalt dort mit Freunden in Kontakt stehe:


    Zieht der eine oder andere für sich persönlich Lehren bezüglich seiner persönlichen Planungen?


    Welche Gedanken gehen euch da so durch den Kopf? Wie würdet ihr euch verhalten, wenn so etwas hier passieren würde?


    Gedanken, Meinungen dazu?


    Ich möchte hier keine politischen Diskussionen starten! Bitte sachlich bleiben.

  • Dann machen wir das einfach auch nicht. Ich schätze dieses Forum nebst den Beteiligten gerade wegen den sachlichen und konstruktiven Beiträgen sowie dem ordentlichen Umgang miteinander.


    Ich bin der Überzeugung, dass hier auch außerhalb der „Knallstockthematik“ diskutiert werden kann und wird. Siehe Forenregeln.

  • Da ich selbst einige Zeit im Südosten der USA gewohnt habe war mir das Problem schon bekannt. Man merkt dort immer eine "unterschwellige Anspannung" ,näher definieren kann ich das Gefühl nicht,ist aber so.


    Ist schon interessant das es in den USA schon zu Plünderungen kommt wenn der Staatsapparat wegsieht oder anderweitig beschäftigt ist.


    Eigentlich braucht man dort keinen Anlass zum Plündern,eine Gelegenheit ist ausreichend !!


    Zuletzt selbst erlebt während des Hurricane "Floyd" - Da haben viele Supermärkte schon nicht mehr aufs Bezahlen bestanden,man hat einfach um eine Eskalation zu vermeiden nicht mehr so genau hingesehen.


    Für mich ist es kein Grund meine persönlichen Planungen zu ändern,die Verhältnisse sind mMn nicht übertragbar.

  • die Verhältnisse sind mMn nicht übertragbar.

    Sehe ich auch so.

    Unsere sog. Staatsgewalt ist hierzulande etwas besser unter Aufsicht.

    In den USA hat ein Dorfsheriff weiterreichende Befugnisse wie hierzulande ein Innenminister.

    Und Trump hat die Bestrebungen von Obama das Quantanomo aufzulösen wieder rückgängig gemacht.

  • Unsere sog. Staatsgewalt ist hierzulande etwas besser unter Aufsicht.

    In den USA hat ein Dorfsheriff weiterreichende Befugnisse wie hierzulande ein Innenminister.

    Ganz genau, drüben ist die ganze Struktur der Polizei eine andere, wie z.B. der Dorfsheriff . Das sind Wahlbeamte,meist sogar ohne jede polizeitaktische Ausbildung. Da so ein Typ sich dann seine Deputy`s auch noch selbst auswählen kommt es dann oft zu Fehlbesetzungen der Posten. Dann hat man eine grundsätzlich mit starker Feuerkraft ausgerüstete Kleinarmee unter der Kontrolle eines Wahlbeamten welcher nur der Stadtverwaltung Rechenschaft schuldig ist.

    Pressewirksame Verhaftungen gehören da zur Taktik der Wiederwahl,nur wenn die so laufen wie bei dem armen Schwein das man da "totgekniet" hat is die Kacke so am dampfen das es zum echten Problem wird.


    Da habe ich in unsere gut ausgebildete Polizei die der Kontrolle der jeweiligen Länderinnenministerien unterliegt deutlich mehr Vertrauen.

  • Bewerberanfordungen Polizei Minneapolis


    Neugier siegte über "Geht mich doch nichts an".


    Ich finde es erschreckend, dass die Anforderungen für den Polizeidienst in den USA derart niedrig sind.

    Kurz zusammengefasst:

    - Führerschein (wow, was für eine Hürde in einem Land, in dem Kiddies praktisch mit 16 Jahren schon den Führerschein in der Tasche haben, allein schon, weil er Führerschein als ID-Card benötigt wird und man nicht auf die Alternativen zurückgreifen will)

    - Mindestalter 21 (was mit der Anforderung zum Beispiel eines Assiciate's Degree bzw. einem Bachelorabschluss in der Regel ohnehin im Schnitt schon als erreicht anzusehen ist)

    - alternativ 5 Jahre Militärdienst (sehe ich aber als kritisch, denn wenn man militärisch gedrillt wird wie in den USA, dann legt man die alten Gewohnheiten nicht ab. Dadurch werden, meiner Meinung nach, Kriminelle schnell nicht als Menschen im Konflikt mit dem Gesetz gesehen, sondern als Feinde, die es zu eliminieren gilt, bevor diese es mit einem selbst tun)

    - 16 Wochen Ausbildung an der Polizeiakademie (Was lernt man in 16 Wochen? Fahrsicherheitstraining, Umgang mit der Dienstwaffe? Lesen und Schreiben sollten die angehenden Cops ja wohl können. Deeskalierende Gesprächsführung wird da sicherlich auch nicht gerade ein Ausbildungsschwerpunkt in den USA sein)


    Wer sich über die kurze Ausbildung an der Minneapolis Police Academy wundert: Die ist noch vergleichsweise lang. Gerade kleinere, um nicht zu sagen ärmere Countys können sich so eine "umfangreiche" Polizeiausbildung gar nicht leisten.


    Man kann über die deutsche Polizei denken was man will. Und in einigen Bevölkerungsgruppen gehört es zum guten Ton, sich über die Polizei zu echauffieren. Aber mir sind die gut ausgebildeten Polizisten in Deutschland tausendmal lieber als die Hilfssherriffs in den USA.


    Verglichen mit der Ausbildung und den Einstellungsvoraussetzungen ist die Besoldung zumindest in Minneapolis aber geradezu fürstlich (immerhin um und bei 60 k US$! zum Einstieg plus freier medizinischer Versorgung).


    Die Verhältnisse aus den USA sind somit traditionell nicht auf Deutschland im Besonderen und Europa im Allgemeinen übertragbar.

    Sensibilisieren sollte es aber schon in der Hinsicht, dass eine übermäßige gesellschaftliche Ungleichheit zu Spannungen führt, die in friedlichen Zeiten nur durch eine "stets wachsame" Polizei unter Kontrolle gehalten werden kann und sofort wie ein Schnellkochtopf explodiert, wenn irgendwo eine Dichtung kaputt ist.

    Alleine schon der Umstand, dass in Washington D.C. die Nationalgarde aktiviert wurde, sollte einem zu denken geben...

  • Die Krawalle in den USA sind klassische "Rassenunruhen", in USA gibt es die Weißen, die Schwarzen und die Illegalen (Mexikaner) - ok, es gibt noch die eigentlichen (indigenen) Amerikaner, aber die wurden von den übrigen Bevölkerungsgruppen marginalisiert. In wirtschaftlich florierenden und gesellschaftlich ruhigen Zeiten (Ära Obama) ist alles ruhig und friedlich und es scheint ein fröhliches Miteinander dieser Gruppierungen zu geben, bzw. macht jeder seins und lässt die anderen in Ruhe. In der Regel lebt jede dieser Bevölkerungsgruppen für sich, es gibt privat kaum Durchmischungen. Beruflich gibt es eine Abhängigkeitshierarchie: die Topjobs in Büros und leitenden Positionen haben meistens die Weißen, die Jobs mit körperlicher Arbeit oder "auf der Straße" die Schwarzen und die Hispanics ohne Aufenthaltsgenehmigung arbeiten in den Küchen, Hinterhöfen usw. und machen die dreckigen schlecht bezahlten Jobs (Erntehelfer, Putzkräfte).


    In unsicheren Zeiten (Finanzkrise, Pandemie) bricht der latent vorhandene Konflikt aber wieder auf, wirtschaftlich abgehängte Weiße werfen da den anderen Gruppierungen vor, ihnen die Jobs wegzunehmen etc. Und die Schwarzen, eh schon am Existenzminimum herumkrebsend sehen sich Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen ausgesetzt, da genügen ein paar wenige Übergriffe weisser Polizisten auf Schwarze und die Unruhen sind da. Aus meiner Sicht absolut verständlich und absehbar.


    In den 60er Jahren (Ära Martin Luther King) gab es den Begriff der WASP - white anglo-saxon protestant. Diese weiße Bevölkerungsgruppe kontrolliert die USA seit der Gründung. Die übegriffigen Polizisten lassen sich in der Regel der WASP-Bevölkerungsgruppe zuordnen. Auch die ländlich-konservative weiße Bevölkerung (Bewohner des Rust Belt, Corn Belt und Bible Belt), die politisch den Republikanern nahe stehen, sind mehrheitlich WASP.


    Welche Erkenntnis zieht man daraus? Bei USA-Reisen sollte man wissen, was NoGo-Areas sind. Gehört man selber (z.B. aufgrund seines Aussehens) zur Nicht-WASP-Fraktion, gibt es in "sauberen weissen Bereichen" auch immer wieder NoGo-Situationen, bzw. wird einem der Zugang zu Gebäuden verweigert oder man muss ausführlich begründen, warum man da und da reinwill, während die weiße Businesslady unbehelligt durchgehen kann.


    Eine direkte Übertragbarkeit des Konflikts auf Mitteleuropa sehe ich erstmal nicht.


    Grüsse

    Tom

  • Hallo Zusammen,


    Das die Exekutive im DACH besser ausgebildet weniger Rechte und kontrollierter ist dem stimme ich zu. In der Schlussfolgerung komme ich dennoch zu einem andern Ergebnis. 

    Es gab in Hamburg den G20 Gipfel mit den Ausschreitungen die noch in Erinnerung sind. 


    Es gab in den letzten Monaten bei kleinen Amtshandlungen durch die Polizei Situationen wo sich diese zurückziehen musste um den Eigenschutz halbwegs zu gewährleisten. Die Amtshandlung wenn überhaupt Durchgeführt auf den nächsten Tag verlegt wurde. 

    Wir kennen das Thema der Großfamilien und ihren wunsch Stadtteile zu beherschen. 


    In den letzten Monaten wurden Millionen Menschen mobilisiert von einer schwedischen Schülerin auf die Straße zu gehen und zu protestieren. 

    Die Walburgisnacht zeigt für mich wie die Gewaltberreitschaft  in der Gesellschaft verankert ist. 

    CoBid19 zeigte uns wie schnell in Gesellschaften, Tage zuvor denkunmögliche Regeln akzeptiert werden, sogar verlangt werden. 

    Somit lautet meine Schlussfolgerung: wenn das ‚richtige‘ Ereignis eintritt kann die Situation hier genauso schnell eskalieren wie in den USA. 

    Gruß Kcco



    Gsund bleiben

    Keep clam and chive on

  • Ich schließe mich bzgl Vergleichbarkeit von USA uns uns den Vorrednern an. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Rassenunruhen in Deutschland ganz, ganz anders ablaufen werden.


    Krawalle wiederum... da gibts bei uns genügend, man denke nur an die Chaostage zurück. Dabei finde ich immer wieder faszinierend, wie unorganisiert und wenig Zielgerichtet diese Krawalle sind. Fast wie wenn kleine Kinder spielen, nur eben schlimmer. Bei Plünderungen werden Plasmabildschirme geklaut, die Arbeitsstiefel bleiben liegen. Süßigkeiten werden geklaut, Pumpernickel bleibt im Regal.


    Ich würde mal behaupten, dass so ein Krawallhaufen von einer kleinen gut organisierten Gruppe auch noch in deutlicher Unterzahl ohne eigene Verluste abgewehrt werden kann. Dabei fürchte ich eher nicht die Plünderer, sondern die Deutsche Staatsmacht, wenn sie anfängt zwischen Notwehr und Selbstjustiz vom bequemen Richtersessel aus zu urteilen. Das sind eher meine Sorgen, das was danach kommt. So einen Chaotenhaufen fürchte ich nicht wirklich.


    Wenn man etwas tiefer gräbt, und nicht nur die Bildzeitungsschlagzeilen konsumiert, ist mir dieses mal aufgefallen, dass die Amis wohl ein mindestens genau so großes Problem mit Krawalltouristen haben, wie wir. Das ist ein Aspekt von Krawallen, über dessen Auswirkungen ich noch nachdenken muss. Krawalltouristen müssen erst anreisen, sie sind nicht ortskundig, es ist schwer vorherzusehen, wie die Anzahl ist, ...



    Nick

  • Krawalle wiederum... da gibts bei uns genügend, man denke nur an die Chaostage zurück. Dabei finde ich immer wieder faszinierend, wie unorganisiert und wenig Zielgerichtet diese Krawalle sind.

    Ich habe seinerzeit die Hochzeit der Chaostage während meiner Jugendzeit als Beobachter miterlebt. Es hat nicht gerade dazu beigetragen, dass ich für gewisse Bevölkerungsgruppen seither mehr Sympathien hege. Im Gegenteil. Die Antifa und ihre Spießgesellen sind für mich nichts anderes als Kriminelle, die unter dem Deckmantel des "Antifaschismus" alles bekämpfen, was nicht ihrer Ideologie entspricht. Dass sie dabei auch gegen den Staat kämpfen, der ihnen überhaupt erst ihre Freiheiten ermöglicht, die sie bedroht sehen, dass wollen sie auch nicht so richtig wahrhaben.

    Die Hufeisentheorie trifft hier meiner Meinung nach voll und ganz zu. Linksextremismus und Rechtsextremismus sind nur zwei Seiten der Medaille. Beiden ist jedoch gemein, dass sie staatsszersetzend wirken und nicht staatserhaltend.


    In Bezug auf die USA: Kürlzlich las ich, das Trump die "Antifa" als Terrororganisation einstufen will. Entweder ist die deutsche Antifa auch in den USA aktiv oder mir war einfach nur nicht bewusst, dass die Antifa keine allein deutsche Erscheinung ist.


    Krawalltouristen sind diesseits wie jenseits des Atlantiks sicherlich ein grundlegendes Problem, dass sich ohne eine "harte Hand" des Gesetzes aber wahrscheinlich nicht aus der Welt schaffen lassen wird. Gerade in Deutschland wird viel zu oft leider Gottes Krawall von linksextremen Chaoten als "Kavaliersdelikt" abgetan. Man sehe sich nur an, wie viele Verurteilungen wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung und (schwerem) Landfriedensbruch es nach den Krawallen anlässlich des Hamburger G20-Gipfels gab. Die Zahl dürfte einigermaßen überschaubar sein.

    In den USA wird es aktuell wahrscheinlich nicht sehr viel anders sein, auch wenn die (politischen) Motive andere sein mögen. Hier werden örtliche Polizeibehörden und Politiker wahrscheinlich eher mit dem Finger auf die Krawallbrüder zeigen und sich in ihrer Ansicht über den "niederen Pöbel" bestätigt sehen.


    Die gesellschaftliche Segregation ist in Deutschland längst noch nicht so weit fortgeschritten wie in den USA. Auch wenn ich gerade in größeren Städten auch hier in Deutschland diesbezüglich bereits einschlägige Tendenzen beobachte. Auch in deutschen Großstädten, aber auch schon in Kleinstädten, gibt es Ortsteile oder auch nur einzelne Straßenzüge, da würden ich nicht meinen Wohnsitz festlegen wollen. Ich bin dann doch ein Freund von einem gewissen friedlichen Miteinander und bin auch ein Freund von sauberen Straßen und Plätzen. Und wenn ich mir in manchen Vierteln die Straßen/Straßenzüge anschaue und mir dann vor Augen halte, welche Klientel dort lebt, dann möchte ich dort nicht tot über dem Zaun hängen... In den USA ist diese Segregation nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit sehr viel ausgeprägter. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Unwuchten aufgrund wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, Bildung und Beruf praktisch ungefiltert auch auf die Community durchschlagen. In den USA hängt die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Hand (Behörden, Polizei, Schulen etc.) noch viel stärker als in Deutschland auch von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ihrer Bürger ab.

    Diese wirtschaftliche Segregation fällt den Amerikanern regelmäßig auf die Füße und entfacht sich in diesen Krawallen. Man möchte meinen, die Amis hätten aus den verschiedenen Rassenunruhen gelernt. Ist ja nicht so, als wäre der aktuelle Gewaltausbruch der erste. Aber die Lernkurve der US-amerikanischen Gesellschaft und der US-amerikanischen Politik scheint mir in diesen Punkt sehr flach zu sein, wenn sie denn überhaupt vorhanden ist.

  • Mal meinen Senf dazu in Bezugnahme der "Frankfurtkrawalle" 2015 als beteiligter Augenzeuge mittendrin:!:


    Ich denke, man muss hier vor allem die "Motivation" grundlegend trennen. Es ist halt was anderes, ob ich meine Gewalt & Plünderungsbereitschaft eine rassenidentitären Handlungslegitimation oder eine generell Staats/Gesellschaftsverachtende Haltung zugrunde lege. Zudem ist hier in beiden Fällen die Motivation mitnichten eine Überlebenswichtige um z.B. Nahrungsmittel, Wasser usw. zu beschaffen.


    Erstere ist in den USA direkt mit den leider zumeist viel schlechter gestellten Lebensumstände der eben "nicht Weißen" Gesellschaftsschichten angelegt und äußert sich dann fast zwangsläufig in eben auch Plünderungen nach dem Motto: "Jetzt nehme ich mir einfach was ich mir sonst nicht leisten kann, weil es mir ja bewusst vorenthalten wird - mir aber doch auch zusteht..."


    In der BRD "entlädt" sich dann doch zumeist die zweite Handlungslegitimation in dem Sinne: "Macht kaputt, was euch kaputt macht..."

    und wenn nicht aus reiner Lust an der Randale wird für das Plündern diese Aussage genauso als Deckmantel missbraucht, einfach um sich an Sachen zu bereichern und/oder diese zweifelhafte Party mit Alkoholika & Tabak zu versorgen.


    Aus meinen eigenen Erfahrungen bei so einigen Demobeteiligungen in Frankfurt/Berlin/Hamburg kann ich allerdings feststellen, dass es sich hier bei den Plünderungsaktionisten, im Verhältnis zu den friedlichen Demonstranten, immer um agierende Kleinstgruppen handelt welche halt die günstige Gelegenheit nutzen und das ganze dann übermäßig von vielen Medien tendenziell "aufgebauscht" als willkommene Schlagzeile vermarktet wird. Wenn ich in den Abendnachrichten damals Frankfurt 2015 Ein & denselben Brand aus verschiedenen Blickwinkeln abgefilmt als "brennende" Innenstadt serviert bekomme, erkenne ich halt nur als Ortskundiger diese manipulierte Meinungsmache.


    Hier mal ein, wie ich finde echt guter Kommentar zu:


    "Bei den Leuten, die in Frankfurt verletzt, deren Autos angezündet oder Scheiben eingeworfen wurden, ist die Wut völlig verständlich. In der öffentlichen Diskursmaschine ist sie aber bigott. Sie hat etwas vom Verhalten von Autofahrern, die anhalten, um Unfallopfer zu beglotzen.

    Große Demos ziehen Leute an, die auf Konfrontation aus sind, genauso wie Fußballspiele Hooligans und Bahnhöfe Taschendiebe. Das war schon immer so und wird auch nicht ohne Weiteres aus der Welt zu schaffen sein. Und ebenso viel oder wenig, wie die Fußballvereine etwas für ihre prügelnden Fans können, können die Abgeordneten, die Blockupy angemeldet haben, etwas für die Autoanzünder. Es gibt auch keine „neue Qualität der Gewalt“. Dass die Polizeigewerkschaft dies behauptet, ist ihr Job. Und um das zu widerlegen, muss man nicht bis zur Startbahn West zurückgehen.

    Nur der Winkel der öffentlichen Erregungskurve ist heute steiler. Und da liegt eines der Probleme. Medien stürzen sich begierig auf jede Form von Regelverletzung. Dieser Sog ist so stark, dass dann, wie am Mittwoch, schon mal öffentlich-rechtlich weiterverbreitet wird, 80 Polizisten seien durch „ätzende Säure“ verletzt worden, obwohl es wohl das eigene Pfefferspray war. Dieser überhitzte Umgang mit der Demo-Gewalt lässt sich am Ende auf eine überaus unselige Formel bringen: Wer zerstört, wird gehört.


    Tatsächlich führen die Krawalle eben nicht dazu, dass nicht über „das Anliegen“ – sei es EU-Spardiktat, Castor oder Nazis – geredet wird. Es wird sehr wohl über beides gesprochen. Ob dies für die Autoanzünder eine Rolle spielt, ist fraglich. Trotzdem: Wer den Automatismus durchbrechen will, dass Krawall faktisch belohnt wird, sollte in der Demo-Berichterstattung nicht immer neue Superlative nachbeten, sondern einfach mal den Dampf rauslassen." QUELLE TAZ


    Das soll jetzt nicht heißen, dass sämtliche Berichterstattungen nur gefakt wären und gerade was momentan von den USA "rüberkommt" hat hier tatsächlich meiner Meinung nach durchaus potenzial für einen "Bürgerkrieg" falls diese Situationen weiter eskalieren und nicht auszudenken, wenn z.B. überforderte oder auch sich in die Ecke gedrängte Cops mit Todesangst in eine Menge schießen sollten. Oder lass mal den Trump die Wahl verlieren, aber das Ergebnis nicht akzeptierend und dann noch solch einen auslösenden Vorfall obendrauf mit einer zum Teil bis an die Zähne bewaffneter gespaltenen Zivilbevölkerung!

    Echt ein Pulverfass mit brennender Lunte...


    Mein Fazit aber aus meinen Demoerfahrungen für hier in Deutschland ist da eher die Grundlegende für mögliche Gefahren für meine Familie & Mich:


    Seine Umwelt aufmerksam und soweit vorausschauend beachten und mögliche Gefahrenpunkte meiden bzw. möglichst direkt umgehen!z.B.: Halt einfach auch nen kleinen Umweg machen, wenn ich auf dem Heimweg bin und höre "Gegröle, womöglich Glas splittern oder anderen Vandalismus" usw. sowie sich anzueignen, generell alternative Fluchtwege, gerade in Räumen, auch zu erkennen bzw. intuitiv zu erfassen.


    Und in einem tatsächlichen SHIFT hilft sowieso nur, sich in eine mit grundlegenden humanistischen Werten versehene aber dann eben auch wehrhafte Gemeinschaft zu integrieren, um etwas aufzubauen sowie gegebenenfalls bei einem hungrigen und plünderten Mob überhaupt eine Change zu haben...

    Normatilät tsi legidilch enie statsiticshe Häunufg mögilhcer Wahcsrheinlicheikten!

    Meine wichtigsten Ressourcen sind Zuversicht, mein Wissen, Ideen, handwerkliches Geschick und die verknüpfte Improvisation davon!
    Gruß derSchü

  • Das soll jetzt nicht heißen, dass sämtliche Berichterstattungen nur gefakt wären und gerade was momentan von den USA "rüberkommt" hat hier tatsächlich meiner Meinung nach durchaus potenzial für einen "Bürgerkrieg" falls diese Situationen weiter eskalieren und nicht auszudenken, wenn z.B. überforderte oder auch sich in die Ecke gedrängte Cops mit Todesangst in eine Menge schießen sollten. Oder lass mal den Trump die Wahl verlieren, aber das Ergebnis nicht akzeptierend und dann noch solch einen auslösenden Vorfall obendrauf mit einer zum Teil bis an die Zähne bewaffneter gespaltenen Zivilbevölkerung!

    Echt ein Pulverfass mit brennender Lunte...

    Deine Einschätzung ist leider nicht von der Hand zu weisen. Im Zuge der Corona-Pandemie geht man derzeit von mehr als 80 Millionen Arbeitslosen aus. Allenfalls 60 Millionen haben sich bislang mehr oder oder weniger registrieren können, die übrigen verzweifeln geraden an der überforderten US-amerikanischen Bürokratie. Und das sind, wenn überhaupt nur die Zahlen derer, die offiziell in den USA gemeldet sind. Das Heer derer, die illegal in den USA arbeiten und nun ohne Job und jede staatliche Unterstützung ihr Dasein fristen müssen, dürfte auch in die Millionen gehen.


    Nun entlässt es sich in den USA leichter und genauso schnell, wie man seinen Job verlor, hat man theoretisch auch wieder einen neuen. Grau ist alle Theorie und daher wird man die nächsten Wochen und Monaten die Lage dort beobachten müssen. Da in den USA die Krankenversicherung, so sie denn überhaupt vorhanden ist, an einen Job gekoppelt ist und ansonsten man im Wesentlichen auf seine eigenen Ressourcen angewiesen ist, wird sich in den USA in den nächsten Monaten noch eine ganz andere Situation ergeben werden, die eine gewisse Brisanz und Eigendynamik mit sich bringen wird: Dann, wenn die finanziellen Reserven der meisten aufgebraucht sind. Da viel zu viele US-Amerikaner von Paycheck zu Paycheck leben, hat das natürlich eine gewisse Aktualität, die viele sehr rasch einholen wird. Wie übrigens auch in Deutschland! Kurzarbeitergeld ist ja schön und gut. Aber wer kann realistisch betrachtet auf 40% seiner Einkünfte verzichten und so tun als wenn nichts passiert wäre? Da werden so einige Sparstrümpfe geopfert werden müssen, so sie denn vorhanden sind.


    Es wird in den USA in den nächsten Wochen etwas unruhig werden. Aber ein ausgewachsener Bürgerkrieg? Auch wenn in mindestens zehn Bundesstaaten die Nationalgarde zumindest teilweise aktiviert wurde, ist das etwas, das keinem Staat ernsthaft zu wünschen ist.

  • Es wird in den USA in den nächsten Wochen etwas unruhig werden. Aber ein ausgewachsener Bürgerkrieg? Auch wenn in mindestens zehn Bundesstaaten die Nationalgarde zumindest teilweise aktiviert wurde, ist das etwas, das keinem Staat ernsthaft zu wünschen ist.

    Ich wäre mit dem Begriff "Bürgerkrieg" ohnehin vorsichtig. Das kann nur stattfinden, wenn das staatliche Gewaltmonopol hinlänglich uneindeutig ist. In einem Staat über Entwicklungsland-Niveau ist das imho aber nur möglich, wenn Teile der staatlichen Exekutivorgane selbst gegeneinander bewaffnet vorgehen. Selbst bei den Amis mit ihren zum Teil bis ins Bekloppte hinein aufgerüsteten Privatleuten ist da der Ausrüstungs-, Zahlen- und Befähigungsvorteil von Polizei, Nationalgarde, Militär und Co. deutlich zu hoch, als dass es zu einem wirklichen Bürgerkrieg kommen könnte.


    Was nach möglichen erratischen Aktionen von Trump im Umfeld der Wahl im November und nachfolgenden bitteren Entscheidungen von Generalstäblern und Gouverneuren passieren könnte, ist nochmal eine andere Frage.

  • Meine Erkenntnis: Ein Polizist sollte einem potentiellen Verdächtigen (einer vergleichsweise geringen Straftat) nicht 9 Minuten sein Knie in den Hals drücken...

    Allgemein: Ansonsten sind öffentliche Unruhen natürlich eine große Gefahr, zu der es hier aber glaube ich schon mehrere Threads gibt.


    LG Vincent

    ™ Krisenvorsorge? Na klar, aber selbstverständlich doch... ©

  • ...als dass es zu einem wirklichen Bürgerkrieg kommen könnte.


    Was nach möglichen erratischen Aktionen von Trump im Umfeld der Wahl im November und nachfolgenden bitteren Entscheidungen von Generalstäblern und Gouverneuren passieren könnte, ist nochmal eine andere Frage.

    OK... Bürgerkrieg ist hier auch im deutschen ein unzureichender/übermäßiger Ausdruck und daher von mir auch in "Anführungszeichen" gesetzt worden. Meine amerikanischen Bekannten benutzen hier allerdings schon ganz bewusst den Ausdruck "Civil-War" sobald die Nationalgarden gegen (Rassen)Unruhen eingesetzt werden.


    Zu2: Daher auch meine Sprichwortwahl "Echt ein Pulverfass mit brennender Lunte..." ;)

    Allgemein: Ansonsten sind öffentliche Unruhen natürlich eine große Gefahr, zu der es hier aber glaube ich schon mehrere Threads gibt.

    DITO :thumbup:

    Normatilät tsi legidilch enie statsiticshe Häunufg mögilhcer Wahcsrheinlicheikten!

    Meine wichtigsten Ressourcen sind Zuversicht, mein Wissen, Ideen, handwerkliches Geschick und die verknüpfte Improvisation davon!
    Gruß derSchü

  • Weils passt meine Erlebnisse G20 Hamburg. Kurz zuvor, wir waren journalistisch unterwegs, auf eigene Rechnung, hatten zuvor einen großen Gipfel auf dem Land dokumentiert - da musste das Folgeprojekt in einer Großstadt auch sein.

    Roßmarkt: angekündigtes "chillen" auf den Straßen, hatte auch erst was von einem Straßenfest. Als sich das Ganze auf einen größere Kreuzung verlagerte wurde sehr schnell eingegriffen, also einige Wasserwerfer etc. Hab mich immer etwas seitlich bewegt und bin dann ganz gut aus dem Getümmel gekommen - Taktik war alles ins Schanzenviertel zu drängen. Erster Kontakt mit einem "Kollegen", gut der hat für eine sehr alternative Seite gearbeitet, aber hilfreich demoerfahrene Personen im Umfeld zu wissen (die einem nichts schlechtes wollen...)
    - damit und mit der Räumung des Camps Entenwerder (bei der Räumung war ich nicht dabei, aber beim Aufbau) zeigte sich auch folgendes: Deeskalation ist in vielen Bereichen, vor allem rund um Demos etc., nicht der Versuch das Ganze ruhig ablaufen zu lassen, sondern nur der Versuch eventuell unentschlossene zuhause zu halten. Dass es eskaliert steht da teilweise schon fest.

    Damit geht es schon in die heiße Phase:

    IKEA: also da wo die Filia demoliert wurde. Da will man eigentlich ganz woanders hin, kommt einem in einer Seitenstraße ein Mob vorbeigezogen. OK, was los, also Kamera raus und auch mal in die Richtung mitbewegt. Irgendwann fällt einem auf, außer einem Reporterteam am Anfang ist da sonst niemand, nur 200 Demonstranten und ich... Blöd gelaufen, also insgesamt eher defensiv agiert, gab ein paar Aggressionen, hat man aber gut meistern können. Das was passiert ist entsprechend dokumentiert, versucht viele Erkenntnisse zu gewinnen, also was läuft da wie ab, und auch noch ein bisschen den Anwohnern geholfen bei einer brennenden Barrikade (gut, ein paar Mülltonnen, aber mal bei den Autos schauen ob da nichts glimmt). Ich glaub da hab ich auch das erste mal auf die Knitterfreie Kopfbedeckung gewechselt.

    Welcome to Hell: Diese große Demo die von Anfang an auf Streit ausgerichtet war, muss man mal gesehen haben. Zu Beginn lief das erstmal halbwegs unterhaltsam, ein Demoboot liefert sich im Hafen eine Verfolgungsjagd mit Polizeibooten, derweilen füllt sich der Fischmarkt immer mehr. Vereinzelt Trupps der Polizei, insgesamt noch low level, vereinzelt Attacken gegen die Polizei (mit Mehl bewerfen usw.), erstaunlicher weise kaum Gegenreaktion.

    Dann stellt sich der Demozug auf, hab dann die Nähe der anderen Reporter gesucht, für Bilder ein guter Platz, fürs eigene Wohlbefinden eher nicht - direkt zwischen Polizei und schwarzem Block. Das Ganze ist dann wie erwartet eskaliert, hab mich da eher seitlich positioniert, da war dann der Helm wieder gefragt und ich war über das Klappbare Visier sehr froh - neben Flaschen Polenböller in die Menge und so Scherze. Einfaches Verlassen war auch für Reporter da nicht mehr möglich, man wurde mit den Demoteilnehmern getrieben. Auch Verletzte wurden zwischen den Wasserwerfern zurückgetrieben.


    Die Eskalation im Schanzenviertel haben wir nur am Rande beobachtet, aber das hat auch gereicht.

    Aber jetzt zur wichtigsten Frage, was habe ich daraus gelernt im Umgang mit Demos bei denen Gewalt droht:


    1. Nicht da sein

    2. Schnell genug abhauen

    3. Erkennbar sein (hier Weste mit "Presse" Aufdruck), kommt aber auf das Szenario an

    4. Rundumsicht einschalten, heiße Zonen meiden

    5. Verbündete suchen (hier an ein anderes Kamerateam hängen, sonst andere Flüchtende)

    6. ein Externer muss wissen wo man ist, Notfallrufnummer usw.


    weiter ist mir aufgefallen: Plünderungen und Sachbeschädigungen sind nicht ungeplant abgelaufen, zumindest dort wo ich es beobachten konnte waren die Fluchtrouten etc. sehr genau geplant.

  • Die aktuelle Entwicklung in den USA ist einerseits schlimm, andererseits faszinierend: inzwischen scheint ein Putsch meiner Meinung nach nicht mehr völlig undenkbar.

    Es gibt zwei Varianten:


    Trump erleidet im Herbst eine Wahlniederlage und akzeptiert diese nicht, bleibt also in klassischer Despotenmanier einfach weiter an der Macht. Diese Möglichkeit wird in einem Beitrag von Sascha Lobo im Spiegel gerade eruiert: Donald Trumps Strategien für den Staatsstreich


    Die andere Variante ist, dass das Militär Trumps Vorgehensweise nicht mehr mitträgt und ihm den Gehorsam verweigert und ihn absetzt. Bemerkenswert sind hier Äußerungen hochrangiger (Ex-)Militärs und des Ex-Verteidigungsministers sowie des amtierenden Verteidigungsministers in den letzten Stunden:


    James Mattis (Ex Verteidigungsminister):

    "Donald Trump is the first president in my lifetime who does not try to unite the American people—does not even pretend to try. Instead he tries to divide us," Mattis said in a statement obtained by CNN.

    "We are witnessing the consequences of three years of this deliberate effort. We are witnessing the consequences of three years without mature leadership. We can unite without him, drawing on the strengths inherent in our civil society. This will not be easy, as the past few days have shown, but we owe it to our fellow citizens; to past generations that bled to defend our promise; and to our children." (Quelle)


    Mattis (war immerhin mal unter Trump Verteidigungsminister!) beschwört die Stärken der amerikanischen Zivilgesellschaft, sich zu vereinigen "without him" (könnte man auch deuten als "gegen Trump") und erklärt, "es wird nicht einfach sein, aber wir sind es unseren Bürgern schuldig, den früheren Generationen, die Blut vergossen haben, um unsere Versprechen zu verteidigen, und unseren Kindern."


    Mark Esper (noch Verteidigungsminister):

    "The option to use active duty forces in a law enforcement role should only be used as a matter of last resort, and only in the most urgent and dire of situations. We are not in one of those situations now. I do not support invoking the Insurrection Act,"

    (Quelle)


    Esper sagt es geradeheraus, dass er den gegenwärtigen Truppeneinsatz durch Trump nicht mitträgt.


    Extrem spannend und vor Wochen (Tagen) noch vollkommen undenkbar. Bis zum blutigen Bürgerkrieg wäre es dann nicht mehr sehr weit. Wie würde sich die NATO verhalten, wie Russland und China?

    Ein dann "führungsloser" Westen würde sich auf die Situation in Europa dann durchaus auswirken.


    Grüsse
    Tom

  • Sascha Lobo hat vielleicht (!!) Ahnung von der "digitalen Gesellschaft". Aber der verlinkte Artikel ist nicht sehr fundiert. Um es sehr, sehr freundlich auszudrücken.

  • Dass es in den USA nicht gerade zum Besten steht, wenn man Teil des Präkariates, der Black Community oder des White Trash ist, ist bekannt. Neuerdings haben diese Schichten enorm Zustrom -> explodierende Arbeitslosigkeit. Ich würde sagen, die regulären Amis können froh sein, wenn sie durch den 2. Zusatzartikel wenigstens die Möglichkeit haben, sich selbst zu schützen.


    Allerdings hab ich da dann auch das Video vom "Umbrella-Man" gesehen. Und damit bin ich Meilen von der Tatsachenfindung entfernt. Geschweige denn, irgend eine saubre Lageabschätzung geben zu können. Da spielen zu viele Spieler ihr Spiel.

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