Afrikanische Schweinepest (ASP)

  • ... nun scheint es das uns die Afrikanische Schweinepest erreicht hat.

    Für Menschen scheint das Virus ungefährlich zu sein, aber was für Auswirkungen wird es auf die Lebensmittelversorgung mit Schweinefleisch haben wenn es sich ausbreitet?


    hier was zum nachlesen:


    https://www.agrarheute.com/tie…st-asp-deutschland-572771

    https://www.jagderleben.de/new…hland-ausgebrochen-711488

    https://www.zdf.de/nachrichten…fall-brandenburg-100.html

    https://www.br.de/nachrichten/…dachtsfall-in-brandenburg

    https://www.tagesschau.de/inla…che-schweinepest-101.html

    Du kannst die Zukunft verändern mit dem was du heute tust. :huh:

  • Die Auswirkungen auf die konventionelle Schweinefleischproduktion werden wohl eher gering sein. Die Ställe sind ja ohnehin hermetisch abgeschlossen. Das wird man noch etwas verstärken und die Überwachung bzw. Aufbereitung des Futters ausbauen. Wenn die Krankheit wirklich in einem Bestand rein kommt, dann werden halt ein paar tausend Schweine vernichtet. Vermutlich wird das alles die Preise ein wenig erhöhen und die Entwicklung zu wenigen Großbetrieben verstärken. Versorgungsprobleme sehe ich da erst mal nicht, außer dass die Wurst halt ein bisschen teuer werden könnte. Schließlich gibt es die ASP auch in anderen Ländern, und die Schweineproduktion ist dort nicht komplett eingestellt worden.


    Freilandhaltung und Bioproduktion mit Frischfutter von draußen wird auf lange Sicht wohl kaum noch möglich sein. Der Wildschweinbestand wird wohl erst mal zusammenbrechen. Ich gehe aber davon aus, dass er sich auf geringerem Bestand als heute wieder stabilisiert. Anderswo sind die Wildschweine ja auch nicht ausgestorben. Sie werden wohl nur seltener werden.


    Vielleicht wird ja auch ein Impfstoff entwickelt, was das Problem dann begrenzen dürfte.

  • Ein Impfstoff ist derzeit nicht in Sicht und ist auch nicht praktikabel und effizient umsetzbar.

    Eines der vorrangigsten Probleme ist die Verbreitung durch den Menschen (Schmutz an Schuhen, landwirtschaftlichen Gerätschaften, Fahrzeugen etc.)


    Ebenfalls ein großes Problem sind Essenreste, hier halt insb. Wurst-/Fleischreste, die auf Rastplätzen weggeworfen werden bzw. vom Schwarzwild dort aufgenommen werden können.


    Wenn ich sehe, dass Personen an polnischen Raststätten Schwarzwild mit Wurstbroten füttern (das ist ja soooo niedlich...), dann dreht sich mir als Jäger der Magen um.


    Auswirkungen hat dieser Fund eines infizierten Stückes Schwarzwild jetzt regional mit all den Beschränkungen wie z.B. Betretungs-, Transport- und auch Ernteverboten, Einrichtung von Schutzzonen etc.etc.


    Mit dem ersten nun aufgetretenen ASP-Fall in Deutschland (dabei ist es leider egal ob Hausschwein oder Schwarzwild) werden viele der Drittländer und darunter besonders die wichtigsten Abnehmer China und Südkorea, in die Deutschland Schweinefleisch exportiert, ihre Märkte komplett für deutsches Schweinefleisch sperren. Das hat wohl katastrophale Folgen für den deutschen Schweinemarkt und es ist zu befürchten, dass viele Betriebe eine solche wirtschaftliche Krise nicht überstehen würden. Leider machen die bilateralen Veterinärabkommen hier momentan keinen Unterschied zwischen ASP bei Hausschwein und Wildschwein. Auch ein regionalisiertes Vorgehen (soll heißen z.B. dass "nur" ein betroffenes Bundesland gesperrt würde) ist derzeit nicht vereinbart.

    Ein ASP-Fall bei Schwarzwild bedeutet des Weiteren wegen der dann zwingend notwendigen Bekämpfungsmaßnahmen einen massiven und großflächigen Einschnitt in die Jagd.


    Es war leider nur eine Frage der Zeit, bis genau das passiert. Nun haben wir den Salat.

    Einmal editiert, zuletzt von Michamehl ()

  • Das hat wohl katastrophale Folgen für den deutschen Schweinemarkt und es ist zu befürchten, dass viele Betriebe eine solche wirtschaftliche Krise nicht überstehen würden.

    Was wiederum für den Verbraucher positiv sein könnte, weil es dann zumindest zeitweise ein Überangebot mit stark sinkenden Preisen geben dürfte.


    Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Ausfall des Exports allzu sehr durchschlägt. Bei einem Exportüberschuss von gut 200.000 Tonnen und einer Gesamtproduktion von gut 5 Mio. Tonnen dürfte der Effekt beherrschbar bleiben. Dazu kommt noch, dass ein gewisser Teil des Exports inländisch nicht vermarktbare Fleischteile betrifft. Dadurch sinkt zwar der Kostendeckungsbeitrag, aber grundsätzlich müsste sich das durch die inländische Nachfrage nach den wertvolleren Stücken abfangen lassen.


    Natürlich werden einige Betriebe aufgeben müssen, aber die Branche insgesamt dürfte das nicht bedrohen.

  • Vielleicht wird dann einigen mal klar das nicht der Export alles ist, und man sich nach anderen Altanativen umschauen sollte.

    Ich fürchte aber das es nur die Kleinen trifft, die so wie so schon an der Schmerzgenze produzieren, und die Industriebetriebe weiter ihren Reibach machen.

    Es darf einfach nicht sein das wir auf deutsch gesagt die Scheiße und den Dreck hierbehalten und das Fleisch exportiert wird.

    Und was viel wichtiger ist die Scheiße hier unsere Böden belasten. Zumal immer weniger Fleisch gegessen wird.

    Vielleicht brauchen wir wieder mal einen Dämpfer, der zeigt das es so nicht weitergehen kann. Die Schweinepest werden sie aber nicht aufhalten können.

  • Wenn ich sehe, dass Personen an polnischen Raststätten Schwarzwild mit Wurstbroten füttern (das ist ja soooo niedlich...), dann dreht sich mir als Jäger der Magen um.

    So ähnlich äußerten sich die Jagdpächter in meinem Bekanntenkreis in den letzten Monaten auch.

    Was ich fachlich nicht ganz verstehe: Warum ist das Verfüttern von (angeblich hygienisch einwandfreiem) Fleisch- oder Wurstprodukten aus Stalltierhaltung an Wildtiere ein Infektionsproblem?

    Die Angst,die umgeht ist doch, dass die ASP vom Wildtier auf das Stalltier übergehen könnte und so in der Schweinemast für Probleme sorgen kann.

    Wenn das Wurstbrot (mit Stalltier-Wurst) für das Wildschwein gefährlich wäre, dann müsste der ASP-Erreger doch schon in der Wurst auf dem Brot gewesen sein.

    Oder geht man davon aus, dass die besagten Personen an polnischen Raststätten infizierte Wildschweinwurst auf ihren Broten haben und selbige wiederum an Wildschweine verfüttern und diese dann erkrankt über die Grenze kommen (vgl. Schweinzaun an der deutsch-dänischen Grenze) und dann irgendwie Stalltiere infizieren? Z.B. über kontaminiertes Weidefutter?

    Was ich mir bei (Mast-)Schweinen schwer vorstellen kann, wo die Fütterung doch überwiegend aus Getreideschrot oder Soja besteht. Da müsste schon frisches infiziertes Wildschweinmaterial ins Futter geraten und dann auch noch virulent genug sein.


    Da man defacto die Wildschweinpopulation bei uns nicht auch nur annähernd vollständig bejagen kann, muss man davon ausgehen, dass die ASP auf jagdlichem Weg nicht bekämpft werden kann. D.h. es sind die Futtermittelproduzenten und Schweinemäster gefragt, mögliche Infektionsketten zu unterbrechen, bzw. gar nicht erst aufkommen zu lassen.

  • Was ich fachlich nicht ganz verstehe: Warum ist das Verfüttern von (angeblich hygienisch einwandfreiem) Fleisch- oder Wurstprodukten aus Stalltierhaltung an Wildtiere ein Infektionsproblem?

    In befallenen Gebieten, insbesondere in solchen mit suboptimaler Veterinär- und Lebensmittelübermachung, sind die Fleischprodukte nicht zwangsweise einwandfrei. Möglicherweise war der Erreger im Bestand und es wurden Tiere schon vor dem sichtbaren Ausbruch verwurstet. Möglicherweise sind die an der Schweinepest verendet, aber wurden noch verarbeitet, um die finanziellen Verluste zu minimieren. Möglicherweise stammt die Wurst aus Haus- oder Kleinproduktion, wo sich keiner um die Schweinepest geschert hat.

  • Vor zwei Jahren habe ich mal ne Führung beim Tierseuchenlogistikzentrum meines Landkreises mitgemacht. Da wurde auch eine von mehreren mobilen Desinfektionsschleusen für Fahrzeuge Test-Aufgebaut. In Niedersachsen, eines der Länder mit den meisten Schweinehaltungsbetrieben. Die Experten hatten einen Vortrag gehalten wie sowas abläuft, was es alles für "Seuchen" gibt, was dann verwaltungsmässig und praktisch gemacht wird. Die Pläne hörten sich alle schlüssig an. Nicht wie sonst das man das toll plant, aber nicht umsetzen kann. Damals hatten die auch von dieser Schweinepest gesprochen, würde in Polen und Tschechien schon sich gut ausbreiten.

    Es gab ja damals auch schon Verhaltenshinweise an Raststätten für Reisende und LKW Fahrer, die mit Überträger sein können. Auch hatten die uns erzählt, das dort viele Waldstücke schnell eingezäunt wurden (Wildschweine)...

    Also eher ungefährlich für Menschen, aber einem landwirt kann innerhalb kürzester Zeit seine Existenz wegbrechen, und nicht nur bei ihm, auch bei den kollegen. Das hat dann Folgen...

  • Das Problem sind letztendlich nicht nur die Abfälle/Wurstbrote an z.B. polnischen Raststätten.

    Wieviele LKW Fahrer aus Russland, Polen, Rumänien etc. bringen ihre Verpflegung mit über die Grenzen?

    Wieviele Erntehelfer bringen etwas mit oder lassen sich etwas aus der Heimat im Paket zusenden?


    Die Art und Weise, wie infizierte Rohwurst, Schinken oder andere Fleischprodukte ins Land kommen sind vielfältig.

  • Ich weiß, OT aber kann mir mal bitte jemand erklären, warum Mais an der Börse gehandelt wird?


    "

    Am europäischen Markt werden die Maispreise allerdings durch witterungsbedingt sehr kleine Maisernten bei den beiden TOP-Exporteuren Rumänien und Frankreich gestützt. Auch beim wichtigsten Drittlandslieferanten, der Ukraine, drückt eine Dürre die Maisernte weit nach unten und damit auch das Angebot für die Europäer.

    Am Terminmarkt in Paris wird der Kontrakt für die neue Ernte derzeit mit rund 168 Euro je Tonne gehandelt – und damit knapp 6 Euro teurer als vor vier Wochen. Am Hamburger Importhafen Brake wird der dort angelieferte ukrainische Mais der alten Ernte sogar noch für 210 Euro je Tonne verladen. Die neue Ernte kostet am gleichen Platz nur noch 178 Euro je Tonne.

    Am deutschen Kassamarkt werden in Südoldenburg für Körnermais derzeit 195 Euro je Tonne geboten. Am südwestdeutschen Großmarkt in Mannheim kostet der Mais diese Woche ab Station 175 bis 178 Euro – für die neue Ernte (Oktober) werden noch 169 Euro bis 170 Euro notiert.

    Am Großmarkt in München liegen die Preisangebote für die neue Maisernte ab Station am heutigen Mittwoch bei 156 Euo je Tonne - der alterntige Mais wird immerhin noch mit 181 Euro je Tonne notiert."

    1984 is not an instruction manual!

  • Erwartungsgemäß ist Niedersachsen von der ASP relativ stark betroffen. Die Schweinemast hat hier eine lange Tradition. Da trifft es die entsprechenden Betriebe natürlich besonders hart. Nicht nur die reduzierten Kapazitäten, wegen Corona-Hotspots, sondern eben auch die ASP und entsprechende Ausfuhrverbote.


    Und wenn dann, wie bei meiner Frau und mir, noch eine Ernährungsumstellung hin zu praktisch konsequentem Verzicht auf Schweinefleisch aus gesundheitlichen Gründen kommt oder wenigstens eine Hinwendung zu bewussterem Fleischkonsum auch bei anderen Konsumenten, dann kommen da viele Aspekte auf einen Schlag zusammen, die die Landwirte in existenzielle Schwierigkeiten bringen. Dabei ist Schweinefleisch seit einigen Jahren so billig wie lange nicht mehr.