Lebenspläne junger Menschen vs. mehrjährige Pandemie

  • Üblicherweise gehen junge Menschen in Vollzeit zur Schule und später in eine Lehre oder Studium.

    Dazwischen Disco, Sport, Geselligkeit und Reisen quer durch Europa.

    Und ganz wichtig Vereine.


    Das alles geht seit einem Jahr nicht mehr.

    Vielleicht geht es auch in den kommenden Jahren so nicht mehr.


    Einige Bekannte und ich machen uns Gedanken um die zukünftigen Möglichkeiten für unseren jugendlichen Nachwuchs.

    Wie können wir die Jugendlichen auf die veränderte Zukunft vorbereiten ?

    Welche Möglichkeiten haben die Jugendlichen überhaupt noch ?

    Mit welchen Massnahmen können die jetzt unterstützt werden ?


    Als Prepper trage ich auch für meine Familie Verantwortung, daher sind mir diese Fragestellungen gerade sehr wichtig, denn nichts ist schlimmer als unglücklicher Nachwuchs.

  • Hm ....Hm sehr schweres Theama


    Ich versuche es mal an Hand meines Sohnes weiterzuführen.


    Mein Sohn ist 20 Jahre alt, Fußballer aus Leiderschaft und großer Freundeskeiß.


    Dann kam CORONA


    Mein Sohn hat von sich aus alle Aktivitäten abgebrochen nur noch Schule und Daheim.

    Trotzdem 6! mal 14 Tage in Iso wegen Verdacht in der Schule !!

    Er hat angefangen viel zu lesen, hilft mehr im Haushalt :love:

    Ich bin sehr Stolz auf ihn.

    Ich denke mal da wir meine Frau und ich ihm schon lange einen Extremfall wie Corona vorgelebt haben ( PREPPEN ) reagiert er jetzt automatisch so.

    Es ist wie mit dem Garten ...Du erntest das was Du sähst.


    Ich möchte in der jetzigen Zeit keine 20 sein ....ich hatte eine sorglose Jugend ..damals ?(


    LG


    S.

  • Unsere Drillis sind gerade im Abitur d.h. zur Zeit in Bayern Wechselunterricht.

    Der Home Unterricht ist sehr gut, obwohl er die Schule nicht ersetzten kann.

    Freizeit: Sport ist weg, kein Fussball, kein Schwimmen alle Vereine und Sportstätten sind ja dicht.

    Mit Freunden bzw. Freundinnen weggehen, rumhängen: grösstenteils Fehlanzeige.

    Berufsplanung: Tochter wollte Luftverkehrsmanagement studieren oder Fluglotse werden, jetzt eiert sie mit Plan B rum.

    Reisen: Letzte Sommerferien sind die schon gebuchten Reisen leider ausgefallen.

    Dieses Jahr sollte es eigentlich vor Ausbildungsbeginn auch noch mal weg gehen.....

    Schulische Nebenaktivitäten: keine Abschlussfahrten, kein Abistreich, kein Abifest

    Praktikum: Ein längst ein geplantes Praktikum wurde Corona bedingt abgesagt.

    Ältester Sohn: Hat Autismus und ist endlich etwas aus sich raus gegangen.

    Jetzt hat er wieder nur noch Internetkontakte.


    OK, da sind einige 'Luxusprobleme' dabei, aber in ihrer Gesamtheit stellen sie für 17 Jährige doch eine grosse Belastung da.

    Und Tochter kann ihren schon immer bestehenden Lebenstraum etwas mit Fliegen zu machen auf Eis legen.

    Und da geht es ihnen als Geschwistergruppe noch gut, Einzelkinder gehen zu Hause die Wände hoch.

  • Mein Jüngster (jetzt 20) macht seine Ausbildung zum Systemprogrammierer online (die Ausbildungsstelle hat das sehr früh realisieren können), und es gefällt ihm sehr. Aufgrund seines Asperger-Syndroms sind ihm soziale Kontakte immer schwer gefallen, und dieser Aspekt der Schule hat ihn immer belastet. Wenigstens teilweise online-Unterricht in seiner Schulzeit hätte ihm das Leben sehr erleichtert.


    Meine Große (33) unterrichtet an einer Grundschule, und sagt, es sei in diesen Altersstufen mit dem online-Unterricht nicht einfach, da das Abstraktionsvermögen noch nicht so da ist. Der Musikunterricht wurde komplett gestrichen, in der Schule ist Singverbot. Sie unterrichtet mehr Mathe, Deutsch, Sachkunde. Sie hat durch ihren Partner (IT, Home Office) Unterstützung im Aufnehmen der Unterrichtmaterialien, und an ihrem Wohnort ist vernünftiges Internet.


    Meine Mittlere (fast 25) ist im zweiten Jahr ihrer Ausbildung zur Notfallsanitäterin und daher als einzige von uns bereits geimpft. Der praktische Unterricht (Blockunterricht) ist schwieriger geworden, es wird dann halt mehr auf der Rettungsleitstelle gelernt. Aber über Infektionsschutz weiß sie jetzt sehr viel!


    Eine meiner Flötenschülerinnen (19) fand es zwar stillos, einfach ihr Abizeugnis (2020) in Gegenwart ihrer Eltern in die Hand gedrückt zu bekommen, ohne Feier, ohne alles, aber sah ein, dass andere mehr zu leiden gehabt hätten. Sie hätte wenigstens teilweise Unterricht haben können, und hätte bei online- und Selbstlernen auch in einigen Fächern ihre Eltern fragen können. Sie fängt jetzt im August 2021 ihr Studium zur Finanzwirtin an, online-Assessment, Einladung zum persönlichen Gespräch, und dann die Zusage. Das Jahr dazwischen hatte sie für Praktika nutzen wollen, von denen einige dann ausgefallen sind, aber sie hat eine Ausbildung für den Jagdschein begonnen und teilweise schon abgeschlossen. Wann immer es coronabedingt möglich war, haben wir wenigstens zu zweit musizieren und miteiander reden können.


    Meine sehr alten Funkfreunde und mein Vater (alle 80+) hatten kriegsbedingt teilweise keinen Unterricht, oder Unterricht durch fachfremde Personen. Da wurde jede Gelegenheit zum Lernen genutzt (vermutlich auch, weil es deutlich anstrengender war, in Haus und Hof mit anpacken zu müssen). Und Nachhilfeunterricht war gefragt, so hat mein Vater als Teenager zum Familieneinkommen beitragen können. Sein Vater starb in dieser Zeit an Magenkrebs, er starb zu Hause und es gab nur ein paar Schmerzmittel, weit entfernt von den Behandlungsmöglichkeiten, die man heute gehabt hätte. Diese Generation musste früh vernünftig sein und Verantwortung übernehmen. In meinem Freundeskreis treffen sich unterschiedliche Generationen, gerade beim Musizieren und zwischendurch eine Tasse Tee miteinander trinken. Solche Erzählungen relativieren dann das Leid der Jüngeren und lässt sie folgern, dass sich durch Eigeninitiative, Planung und Disziplin wohl doch noch was reißen lässt.

  • Meine große ist 11 und Inlineunterricht würde ich das nicht nennen. Eher Selbststudium mit Unterstützung der Eltern.


    Da Frage ich mich manchmal, ob wirklich schön 2020 ist oder noch 1990.


    Sie hat sich nun in das Thema Babyborn rein gesteigert und könnte bald als Fachberaterin anfangen. Sie hat für einen Puppenkinderwagen gespart, der mehr gekostet hat, als der für unseren Sohn, den wir im April erwarten.

  • Zitat

    da sind einige 'Luxusprobleme' dabei

    Das ist so eine Formulierung, die ich - bei allem Verständnis für Einzelfälle - nicht mehr hören kann...


    Was ist denn in unserer westlichen Welt kein "Luxusproblem"?


    Wollen wir mal nicht vergessen, dass wir auch Luxusgehälter, Luxusstrompreise, Luxussteuern, Luxussozialabgaben und Luxuspreise in den Läden haben. Bei einer Abgabenquote von 30-50% kann ich erwarten, dass in aller Regel niemand hungert, friert, obdachlos ist oder an einem rostigen Nagel stirbt...

    *** Das Wichtigste am 'Vorbereitet sein' kann man nicht in Taschen packen ***

  • Ich denke nach einer Impfung ist das Problem weitgehend gelöst. Die Kontaktbeschränkungen werden nicht Jahre andaueren, so oder so.

  • Ich denke nach einer Impfung ist das Problem weitgehend gelöst. Die Kontaktbeschränkungen werden nicht Jahre andaueren, so oder so.

    Das wird die zerfetzten Lebenspläne und Psycho-Folgen für die jungen Menschen nicht wieder ausgleichen.

    Die jungen Menschen verlieren mindestens 1 Jahr (!) an Normalität plus kommende "Grosse weltweite Wirtschaftskrise" .


    Mich würde interessieren, ob bei euch auch andere Altersstufen (z.B. Kleinkinder) irgendwie betroffen sind.

  • Die jungen Menschen verlieren mindestens 1 Jahr (!) an Normalität

    Was ist schon Normal? Die Coronazeit ist definitiev anders als die Jahre davor, aber ich sehe nicht die wahnsinnigen Psycho-Folgen die du siehst. Es wird für einige Kinder sicher Folgen haben, das werden die sein die Gewalt in der Familie erleben mussten. Ob ihnen das ohne Corona erspart geblieben währe könnte man auch nur spekulieren da das Potenzial ja schon vorhanden war.


    Die Kinder verlieren 1 Jahr geortnete Langeweile und gewinnen ein Jahr neue Erfahrungen.

    2021 ist in Deutschland das Jahr des Fischotters - das wird mein Jahr.;)

  • Was ist schon Normal? Die Coronazeit ist definitiev anders als die Jahre davor, aber ich sehe nicht die wahnsinnigen Psycho-Folgen die du siehst. Es wird für einige Kinder sicher Folgen haben, das werden die sein die Gewalt in der Familie erleben mussten. Ob ihnen das ohne Corona erspart geblieben währe könnte man auch nur spekulieren da das Potenzial ja schon vorhanden war.


    Die Kinder verlieren 1 Jahr geortnete Langeweile und gewinnen ein Jahr neue Erfahrungen.

    Da muss ich tatsächlich widersprechen. Sicherlich ist es für Kinder, die ein behütetes Zuhause mit funktionierendem Elternhaus haben nicht so schwer. Aber was meine BEVA zuhause bei mir seelisch ablädt (Erzieherin), da friert es mich ins Gesicht! Natürlich gab es schon vor Corona (und wird es auch "danach" geben) hier und da Fälle von häuslicher Gewalt, Verwahrlosung, Missbrauch,... aber die schiere Anzahl hat im Laufe des letzten Jahres deutlich zugenommen. Sie hat Kinder in der Notbetreuung, die sich nicht mehr anfassen lassen, weil Sie von Ihren Eltern dermaßen mit Ängsten überschüttet wurden. Kinder die nicht mehr oder kaum reden, ... und wir sprechen hier von einer Gemeinde mit 6500 Einwohnern, nicht von einem sozialen Brennpunkt in einer Großstadt.


    Das Alter der Kinder spielt auch eine große Rolle. Mit >12 ist es für die Kids auch Käse, aber man behilft sich mit Skype, WhatsApp, Teams, etc. Das ist zwar kein Ersatz, aber besser als nichts. Anders sieht das in der Altersklasse 6-11 aus. Zu alt für den Kindergarten (der in vielen Gegenden weiter stattgefunden hat), zu jung für die elektronischen Helferlein. Den Kindern fehlt quasi ein ganzes Jahr in einer der prägendsten Lebensphasen. Hier ein Artikel des Ärzteblatts dazu oder einfach mal Google dazu befragen.


    Sicherlich sind das "Extremfälle", allerdings eben in einer bisher nicht gekannten Größenordnung. Ich befürchte, dass wir die psychischen Auswirkungen von Corona (nicht nur auf Kinder) erst nach und nach völlig aufdecken werden.

    - Wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage -

    Bertold Brecht

  • Sicherlich sind das "Extremfälle", allerdings eben in einer bisher nicht gekannten Größenordnung. Ich befürchte, dass wir die psychischen Auswirkungen von Corona (nicht nur auf Kinder) erst nach und nach völlig aufdecken werden.

    Die psychischen Folgen der Coronapandemie werden wir sicherlich erst in einigen Jahren manifestiert beobachten können. Und auch erst die Forscher in 30 oder 40 Jahren werden wahrscheinlich erst einen einigermaßen unverstellten Blick, wenn auch nicht frei von Verklärungen, beurteilen und erforschen können.

    Wahrscheinlich wird es in dreißig oder vierzig Jahren so Interviewreihen geben, wie nach dem Zweiten Weltkrieg, dem Fall der Mauer, den Anschlägen vom 9.11.2001 etc. geben.


    Es mag sicherlich Fälle geben, für die dieses Jahr Coronapandemie ein "verlorenes Jahr" ist. Sowohl in Hinblick auf schulische/berufliche Entwicklung wie auch mit Blick auf die psychische Entwicklung.

    Ich mag aber nicht glauben wollen, dass es sich um eine "verlorene Generation" handelt. Was waren dann unsere Großeltern, die im Alter von 6 bis 12 im Wechsel zwischen Luftschutzbunker, Lebensmittelmarken, Flakhelferzeit und ein bisschen Spielen aufwuchsen? Mit Glück vielleicht sowas ähnliches wie Schule, wenn diese noch nicht ausgebombt war?

    Natürlich hat auch diese Zeit eine Prägung auf diese jungen Menschen gehabt, die wir heute aus psychologischer Sicht kritischer beurteilen würden.


    Was meiner Meinung nach noch immer am ehesten hilft, psychisch einigermaßen "gesund" durchzukommen, ist es, zu reden. Über seine Sorgen, seine Ängste, seine Gefühle. Unsere Großeltern hatten es damals größtenteils nicht gemacht. Sie hatten es nie gelernt oder wollten ihren Mitmenschen gegenüber nicht als Schwächlinge dastehen. Oder sie konnten es, wie mein Großvater, der Stalingrad erlebte, nicht in Worte fassen. Und etwas, das man nicht in Worte fassen kann, belastet Menschen. Etwas, das man in Worte fassen kann, hat man deswegen längst noch nicht verarbeitet, hat aber schon ein gutes Stück des Weges geschafft.

  • Kommt ja immer drauf an, was man daraus macht. Meine große hatte ihr bestes Halbjahreszeugnis gehabt.

    Vermutlich auch, weil sie sehr schnell davon abgelenkt und genervt ist, wenn andere Schüler " Quatsch machen.

    Das Problem hat sie zu Hause nicht

  • Kommt ja immer drauf an, was man daraus macht. Meine große hatte ihr bestes Halbjahreszeugnis gehabt.

    Vermutlich auch, weil sie sehr schnell davon abgelenkt und genervt ist, wenn andere Schüler " Quatsch machen.

    Das Problem hat sie zu Hause nicht

    Das kann ich sehr gut nachvollziehen.

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich seinerzeit auf Home Schooling reagiert hätte, hätte es das damals in den 1980ern/Anfang 1990er bereits gegeben.

    Sicher hätte ich mir sein können, dass wir die technischen Voraussetzungen von unseren Eltern zur Verfügung gestellt bekommen hätten. Sprich: Internet, Computer, Scanner, Drucker etc. Meine Eltern selbst konnten Zeit ihres Lebens nicht wirklich viel damit anfangen, mein Vater fuxt sich jetzt als Rentner erst so langsam rein in das ganze Internetgedöns.

    Aber abgenervt war ich von den Mitschülern ebenfalls, die im Unterricht Quatsch machten. Wobei, tatsächlich hielt sich das in meiner Klasse erstaunlich gut in Grenzen. Wir wurden regelmäßig als "Musterklasse für soziales Verhalten" hingestellt.🙄 Preise haben wir dafür aber nicht bekommen. 🙄😂

  • Meine Große ist 7 Jahre alt. Sie war schon vor Corona verhaltensauffällig (Verdacht auf ADHS), leider noch ohne Diagnose. Wir haben im März endlich einen Termin beim Psychologen. Damit werden wir wahrscheinlich auch zur Corona-Statistik gezählt.

    Ihr hat das Lernen zuhause sehr gut getan. Sie konnte alles nachholen, was sie in der Schule nicht geschafft hat. In der Schule kann sie sich nicht richtig konzentrieren. Sie lässt sich einfach durch jede Kleinigkeit ablenken.

    Zuhause haben wir nur das Problem dass sie eifersüchtig auf ihre kleine Schwester ist, weil die nicht lernen muss. Aber mit Belohnungssystem klappt das auch ganz gut.

    Ich hoffe für uns persönlich, dass der Wechselunterricht jetzt etwas länger beibehalten wird. So können wir ihre Schwierigkeiten in der Schule noch etwas ausgleichen.

  • Ich persönlich bin froh das Junior (5) einen Platz in der Notbetreuung bekommen hat und wenigstens etwas auf die kommende Schule vorbereitet wird.

    Müsste meine Frau ihn noch parallel zu unserer Tochter (11) besaßen, würde das vollkommen in die Hose gehen.

    Nicht weil sie es nicht kann, sondern weil wir zu Hause zwei Extreme sitzen haben.


    Das Homeschooling für die Groß ist gelinde gesagt ein Witz und auch wenn es jetzt fies klingt: inzwischen setzt ein gewisser Grad der Verblödung ein.

    Sie kriegt über IServ maximal drei Aufgaben pro Lernfeld/Thema und arbeitet die ab. Meine Frau kontrolliert dann und stellt erhebliche Mängel in Rechtschreibung, Form und Stil, etc. etc. fest. Was zur Folge hat das unsere Tochter alles nochmal machen darf. Meine Frau kriegt dann den ganzen vorpubertären Frust ab (in der Schule wird ja nie so kontrolliert) wo dann auch gerne mal zwei Stunden nur mit heulen und Wutausbrüchen verstreichen.


    Gerade an unserer Tochter merken wird, dass ihr die fehlende Schule und Sozialkontakte extrem zusetzen. Schlafstörung, Wechselbäder der Gefühle, Aggressionen und Resignation sind fast an der Tagesordnung und sie aus diesem Loch raus zu bekommen ist teilweise echt schwer.

    Ich bin echt hart gespannt, wie sie ihren Weg gehen wird. Fakt ist: er wird nicht leichter werden.


    In diesem Sinne...

    Es gibt zwei Wege etwas zu machen: richtig und nochmal.

  • Das wird die zerfetzten Lebenspläne und Psycho-Folgen für die jungen Menschen nicht wieder ausgleichen.

    Die jungen Menschen verlieren mindestens 1 Jahr (!) an Normalität plus kommende "Grosse weltweite Wirtschaftskrise" .

    Ich kann nur was in Bezug auf wirtschaftliche Aussagen sagen, nichts zu kleinen Kindern und deren Sozialkontakte.


    Zur Wirtschaft: So what?


    Ich hab 13 Monate "gedient", für mich okay, für andere war das auch ein verlorenes Jahr.


    Als ich mit dem Studium fertig war sah der Arbeitsmarkt zappenduster aus, das können sich heute Absolventen nach 10 Jahren Jobboom in meiner Branche garnicht mehr vorstellen, wenn sie sich darüber unterhalten, dass ein Einstiegsgehalt von 50k doch nur was für absolute Loser sei.


    Bis der Jobmarkt wieder so beschissen ist wie vor 15 Jahren müsste noch sehr viel passieren. (in anderen Branche wie z.B. Gaststätten oder Messebauer mag es natürlich anders aussehen, das sind aber Spezialfälle)


    Schade ist es für die Absolventen, die in 2020 eine Reise machen wollten. Müssen sie dann halt nachholen.

  • [...]

    Es mag sicherlich Fälle geben, für die dieses Jahr Coronapandemie ein "verlorenes Jahr" ist. Sowohl in Hinblick auf schulische/berufliche Entwicklung wie auch mit Blick auf die psychische Entwicklung.

    [...]

    Sicherlich gibt es auch Gegenbeispiele. Unsere Große ist erst 12 geworden und Sie genießt das Homeschooling via Microsoft Teams. Sie ist normalerweise sehr schüchtern und muß "zum Jagen getragen werden". Sie war allerdings immer eine gute Schülerin. Ihr spielt die Schule Online vollkommen in die Hände, sie ist richtig aufgeblüht und wird dafür auch viel gelobt. Es findet beinahe regulärer Unterricht statt inklusive Hausaufgeben und Tests, was auch sehr viel den wahnsinnig engagierten Lehrern und Lehrerinnen geschuldet ist. In Ihrer Klasse gibt es aber auch 2 oder 3 Schluris, die kaum online sind mit immer einer anderen Ausrede parat.


    Allerdings habe ich mit dem Schulleiter auch schon ein Gespräch geführt, weil es wohl auch andere Klassen gibt: Nur 50% Anwesenheit, Dauerstörung durch Musik und Geräusche, kaum Rückläufer bei den Hausaufgaben etc pp - das Homeschooling für die gesamte Schule stand deshalb auf der Kippe, man wäre wieder zu Aufgabenblättern zurückgekehrt.


    Der Kleine mit 9 Jahren holt Montags seine Aufgabenblätter, die er bis Freitag erledigen muss. Das ist gelinde gesagt große Scheiße, denn wie EDD ausgeführt hat, können dann die Eltern den Lehrerpart übernehmen, Korrekturen und Erklärungen liefern. Das ist für meine BEVA und mich eine enorme Mehrbelastung, da Sie Vollzeit in der Notbetreuung und ich Vollzeit im Homeoffice arbeite. Und ich behaupte, dass wir beide noch schwer dahinter her sind, dass der Lernstoff vermittelt wird und auch hängenbleibt.


    Was bei Kindern passiert, bei denen die Eltern gar nichts machen, kann man sich ausmalen. Und dann "wird aber keiner sitzenbleiben". WHAT? Wir ziehen also die Lücken der Kinder über Jahre durch die Schule mit, was je nach Klassenstufe und Fach einer Katastrophe gleichkommt, nicht nur für die direkt betroffenen Schüler sonder für die ganze Klasse.

    - Wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage -

    Bertold Brecht

  • Die ganze Situation ist für alle nicht einfach. Egal ob jung oder Alt.

    Papa Hotel hat einen guten Hinweis gegeben: "Sie hat Kinder in der Notbetreuung, die sich nicht mehr anfassen lassen, weil Sie von Ihren Eltern dermaßen mit Ängsten überschüttet wurden."

    Und hier beginnt das Problem. Es sind nicht die Kinder die Probleme mit der Situation haben sondern ihr Alten die ihnen das einreden!

    Keine vernünftige Artikel in den Medien, die sich vor lauter Sensationssucht mit Horrormeldungen überschlagen. Das macht ihnen Angst!

    Erzählt doch euren Kindern noch mehr dass es keine Morgen gibt und die Welt untergeht. Bei den einten wegen dem Klimawandel, bei den anderen wegen Corona und bei jenen wegen dem abfallen vom Glauben (egal welcher Richtung) und dass jetzt die Hölle kommt.

    Wenn man Kindern immer und immer wieder sagt wie arm sie doch sind muss man sich über das Resultat nicht wundern.


    Seid doch als Eltern so ehrlich und steht dazu dass EURE LEBENSANGST euch die Seele raubt! Ihr seid das Problem und nicht Corona, reduzierte Kontakte oder sonst was. Wir Erwachsene sagen den Kindern in welcher grauenvollen Welt sie leben.


    Zeigt euren Kindern dass Einschränkungen nicht nur schlecht sein müssen. Dass es auch Chancen enthalten können.

    Aber hier sind wir bei der Sicht, ist da Glas halb voll oder ist es halb leer. Und bei vielen ist auch ein dreiviertel volles Glas leer.

    Haarus!

  • Und dann "wird aber keiner sitzenbleiben". WHAT? Wir ziehen also die Lücken der Kinder über Jahre durch die Schule mit, was je nach Klassenstufe und Fach einer Katastrophe gleichkommt, nicht nur für die direkt betroffenen Schüler sonder für die ganze Klasse.

    Jahrgangsstufen wiederholen war in meiner Schulzeit bereits nicht von jedem gerne wahrgenommen. Die Kiddies in meiner Klasse, die einen Jahrgang wiederholen mussten, hatten auch erst einige Jahre gebraucht, ehe sie die Wiederholung der Klasse nicht als Strafe, sondern als Chance sahen. Aus der einen wurde schließlich Pilotin und aus der anderen eine Anwältin... Manche brauchen etwas länger...

  • Hallo zusammen,


    mein ältester ist 12 und in der 7. Klasse Gymnasium - ihm fehtl v.a. der Fußball aber auch die Gruppendynamik der Schule, obwohl er kein guter Schüler und eigentlich "rotzefaul" ist wünscht er wieder in die Schule gehen zu können, da zeichnet sich bis auf weiteres aber noch nichts ab. Der Onlineunterricht ist nur ein sehr schwacher Ersatz und nimmt etwa die Hälfte der normalen Schulzeit ein.

    Der Mittlere ist 8 und in der 3. Klasse, er hatte sich sehr gefreut wenigstens wieder in den Wechselunterricht gehen zu können - der ist bei uns aber nach 1 Tag schon wieder vorbei, ich werde nacher sehen ob/wie es meine Frau ihm beibringen konnte, dass er Morgen nicht in die Schule darf. Er leidet von den Jungs am meisten, kaum mehr Freunde treffen, keine Schule, kein Sport, er ist deutlich aggressiver geworden.

    Der kleine (fast 5) war heute 1 Tag wieder im Kindergarten, auch das ist jetzt bis auf weiteres schon wieder vorbei.
    Da ich kein Homeoffice machen kann, ist meine Frau den ganzen Tag mit den Kindern zu Hause, das ist auch für sie alles andere als leicht. Ihrer eigentlichen Arbeit (Musiklehrerin Geige und Flöte) kann sie auch nur sehr eingeschränkt online nachgehen
    Der Haussegen hängt durch Corona sicher nicht gerader als vorher - alle sind ziemlch angespannt und genervt von der Situation.