Keine erhöhte Gefahr von Blackouts durch die Energiewende

  • Ich bin kein Fusionsexperte. Iter, Wendelstein & Co sind alles Projekte zum testen eines Plamas, keine Kraftwerke.


    Bisher wurde meines Wissens weltweit noch kein Versuchs-Fusionskraftwerk angefangen, geschweige denn ein kommerzielles.


    Da ich ein Raumfahrtfan bin würde ich sofort 10x mehr Geld in die Fusionsforschung stecken (chemisch kommen wir mit bemannten Flügen nicht sonderlich weit), aber für die Energiewende kommt die Technologie viel zu spät.

    Auch mit AKW ist die Energiewende mittlerweile zeitlich nicht mehr zu schaffen, selbst wenn man noch heute eine 180 Grad Wende machen würde und plötzlich alle in Deutschland mit großer Begeisterung dabei wären, neue Reaktoren zu errichten.

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  • Die Primärregelleistung hat ja auch Anfang des Jahres gegriffen als in Polen große Teile eines Kraftwerkes weggefallen sind. Und in den 30 Sekunden haben dann ja auch Pumpspeicherkraftwerke und Kraftwerke im Standby übernommen. Somit konnte ja dann Schlimmeres verhindert werden. Trotzdem hat es 2 Stunden gedauert bis die Netzfrequenz wieder einigermaßen auf einem Normalwert war. Das Problem ist doch das Solar und Wind nicht planbar und nicht konstant sind. Will man mit ihnen auskommen muss man bei Verfügbarkeit deutlich über produzieren und sich was für schlechte Zeiten aufheben.


    Das Akkutechnik oder Superkondensatoren hier nur für kurzfristige Lösungen her halten können hatte ich oben erwähnt. Aber so lange Speicher nicht flächendeckend zur Verfügung steht kann man auf konventionelle Technik nicht verzichten. Wir sind nicht so weit das das funktioniert und die Frage ist doch, ob das Stromnetz mit 20 GW weniger im Februar (?) die 50 GW Wegfall in Polen auch verkraftet hätte.


    Der richtige Weg wäre es genug Solar- und Windenergie inklusive Kurz- und Langzeitspeicher für ein Kraftwerk auszubauen, damit das 24/365 (mit Reserve) nahtlos übernehmen kann und dafür dann ein altes Kraftwerk abzuschalten... ausbauen... abschalten... ausbauen... abschalten und nicht wie jetzt die Brechstange rauszuholen.


    Wenn man bis 2038 von fossilen Energieträgern weg will ist es aber nicht mit dem Strom alleine getan. Das fängt jetzt mit der steigenden Zahl von E-Autos an, die mal eben mit über 20kw an der Steckdose hängen und geht dann ja auch weiter zum Güter-, Schiffs- und Luftverkehr. Ohne mit Strom gewonnene, grüne E-Fuels ( Wasserstoff, Kohlenstoffrückgewinnung, welcher Kraftstoff auch immer dann zum Fahren genommen wird) wird das nicht machbar sein.

    Und falls LKWs irgendwann auch komplett auf Elektro umsatteln werden und dann in annehmbarer Zeit geladen werden müssen wären hier immense Ladeströme nötig, wenn wir nicht alle Autobahnen mit Stromabnehmern oder induktiver Ladetechnik ausstatten. 40 Tonnen wollen auch bewegt werden.


    Jetzt klappt das noch mit den E-Autos und wenn das ganze smarter wird und nicht alle um 18 Uhr nach Feierabend zu laden anfangen ist da bestimmt auch noch Luft nach oben. Aber ohne Erweiterung der heutigen Infrastruktur sind alleine die Energiemengen aus dem Personen- und Güterverkehr eine große Zusatzbelastung fürs Stromnetz.


    Ich bin absolut für die Energiewende... aber bitte mit Köpfchen.


    Concideratus : Angeblich haben die Chinesen da dieses Jahr große Fortschritte gemacht und ein anderer Reaktor mit neuem Design soll vielversprechend sein aber auch wenn es jetzt schneller als "in 50 Jahren" so weit sein soll wird es sicherlich noch einige Jahre dauern. 10 Sekunden Laufzeit und vielleicht gerade mal den Eigenbedarf an Energie decken ist kein funktionierendes KW. Gelesen habe ich von ca.15 bis 30 Jahren... wir werden sehen.

  • wie sieht es aktuell bei den Fusionskraftwerken aus an dehnen schon seit Jahrzenten geforscht wird? Gilt die Fusionskonstante noch immer ("in 50 Jahren ist es soweit", egal wann man fragt)?

    Mein letzter Stand, auch schon ein paar Tage alt, ist, dass man mit Wendelstein und Co zunächst als "Proof of Concept" um und bei 2040 soweit haben will. Erste Fusionsreaktionen hat man ja schon hinbekommen, aber noch nicht in einem Maßstab, bei dem man a) Energie gewinnt statt nur Energie reinzupumpen, um das Plasma zu erhalten. Geschweige denn, b) Energie durch Fusion im großindustriellen Maßstab zu gewinnen.


    Wenn ich mein Auto damit nicht gefährden würde, würde ich einen Aufkleber mit der Aufschrift "Fusionsenergie? Ja, bitte!" auf den Kofferraum batschen. 😁 Aber bei der Rezeptionsfähigkeit von militanten Atomkraftgegnern würde ich meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass das jemand falsch liest... 🙄

  • Das Akkutechnik oder Superkondensatoren hier nur für kurzfristige Lösungen her halten können hatte ich oben erwähnt. Aber so lange Speicher nicht flächendeckend zur Verfügung steht kann man auf konventionelle Technik nicht verzichten....


    Der richtige Weg wäre es genug Solar- und Windenergie inklusive Kurz- und Langzeitspeicher für ein Kraftwerk auszubauen, damit das 24/365 (mit Reserve) nahtlos übernehmen kann und dafür dann ein altes Kraftwerk abzuschalten... ausbauen... abschalten... ausbauen... abschalten und nicht wie jetzt die Brechstange rauszuholen.

    Die konventionelle Technik für die Dunkelflaute ist die Gasturbine (bzw GuD, Gasmotor oder BSZ). Die überimmt das auch in absehbarer Zukunft.


    Was sich später ändern wird ist die Herkunft des darin verbrannten Gases.


    Und selbstverständlich ersetzt man die Kraftwerke nicht 1:1 eins nach dem anderen, das wäre ja geradezu wahnsinnig teuer. Warum sollte man denn sowas tun?


    Das wäre wie Solaranlagen auf allen Häusern zu verbieten, außer den Gebäuden, die sich ab da komplett autark von jeder Energiezufuhr machen


    PS: Die gesicherte Leistung eines einzelnen konventionellen Kraftwerks ist im übrigen exakt Null. Erst im Verbund mehrere Kraftwerke entsteht eine sichere Leistung.

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  • Jetzt klappt das noch mit den E-Autos und wenn das ganze smarter wird und nicht alle um 18 Uhr nach Feierabend zu laden anfangen ist da bestimmt auch noch Luft nach oben. Aber ohne Erweiterung der heutigen Infrastruktur sind alleine die Energiemengen aus dem Personen- und Güterverkehr eine große Zusatzbelastung fürs Stromnetz.


    Ich bin absolut für die Energiewende... aber bitte mit Köpfchen.

    Der komplette Netzausbau für 100% e-Mobilität kostet laut Consentec/eon pro Fahrzeug 400€ ohne Laststeuerung, 200€ mit Laststeuerung. Andere Studien gehen bis 500€/Fzg.

    Unterm Strich über 15 Jahre aber kein Kostenproblem.

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  • Bei mir sind es leider auch schon ein paar Jahre her seit ich beruflich damit zu tun hatte. Aber Projekte dieser Größe und Komplexität entstehen nicht über Nacht. Wer mal vor so einem Reaktor gestanden hat lernt wieder das staunen. So ein Fusionskraftwerk währe bei der Energiewende hilfreich, weil weil auch wirklich jeder sofort versteht:" die große Maschine macht Strom, viel mehr als ich brauche, ich muss keine Angst haben " . Das befriedigt das Verlangen nach einer einfachen und übersichtlichen Lösung die jeder sofort kapiert, ohne die Mechanismen des Europäischen Stromnetze studieren zu müssen. Viele Laienerklärungen auf YouTube sind da meist sehr stark vereinfacht.

    2021 ist in Deutschland das Jahr des Fischotters - das wird mein Jahr.;)

  • Altmayer liegen schon Arbeitspapiere vor, die Abschaltungen bei Strommangel im Netz vorsehen. Das nennt sich dann vornehm Spitzenglättung. Kenne ich noch gut aus der DDR, nannte sich dort aber prosaisch Stromsperre. Bis Ende näxten Jahres sollen hier in Deutschland so einige konventionelle Kraftwerke abgeschaltet werden und das bei ständig steigendem Strombedarf. Da unsere lieben Nachbarn ähnliche Spielchen treiben, wenn auch nicht ganz so verbaerbockt, rechne ich mit einem Dejavue. Aber schau mer mol...

    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom..........;-)

  • die Abschaltungen bei Strommangel im Netz vorsehen

    Das hatten wir doch kürzlich erst. Lastmanagement bei Wärmepumpen und Wallboxen. Ist nichts schreckliches und greift auch nicht in Grundrechte der Bürger ein, sondern ein pragmatischer und notwendiger technischer Ansatz. Wie man das seit 50 Jahren bei Nachtspeicherheizungen auch schon macht. Die schaltet der Kunde abends auf "Ladebetrieb" und irgendwann in der Nacht gibt der Netzbetreiber den Ladestrom frei und am nächsten Tag ist die Heizung thermisch aufgeladen, alles gut.


    Wenn ich mal 100km tägliche Fahrleistung für ein Durchschnittsauto ansetze, dann sind das 15kWh Akkuladung, die ich bis zum nächsten Tag wieder aufladen muss. An der Schukosteckdose mit 2,3kW Dauerleistung braucht es dafür 6,5h, an einer einphasigen CEE-Dose mit 16A dauert es 4h und an einer Drehstromsteckdose mit 16A keine 1,5h, an einer 32A-Dose gerade mal 40 Minuten. Wenn ich mein Auto nun von 19 Uhr abends bis 6 Uhr morgens am Ladekabel hängen habe, ist es mir egal, wann die Ladung innerhalb dieses 11h Zeitfensters erfolgt, das kann gerne über ein Lastmanagement geregelt werden, denkbar ist ja auch ein "Express-Zuschlag", wenn man die Ladung "jetzt sofort" braucht bzw. ein Rabatt, wenn man "aufladen bis spätestens 6 Uhr" akzeptiert.

    Und bevor das Argument kommt, nachts scheint keine Sonne und der Wind weht auch eher an den Übergängen von Tag/Nacht und umgekehrt: das gleiche Prinzip kann man auch auf Firmenparkplätzen anwenden: da stehen die Autos der Beschäftigten zwischen 8 und 17 Uhr, also 9h lang, da kriege ich eine 40min-Ladung auch unter.


    Bei der Einspeisung von elektrischer Energie gibt es das auch schon länger, PV-Anlagen ab 30kW müssen über eine Vorrichtung verfügen, mit der die Einspeiseleistung jederzeit vom Netzbetreiber ferngesteuert runtergeregelt werden kann. Bei Windkraftanlagen wird ebenfalls Einspeisemanagement betrieben, um punktuelle Netzüberlastungen zu vermeinden. Das sind dann die berühmten stehenden bzw. aus dem Wind gedrehten Rotoren, obwohl genügend Wind weht.


    Und die zeitweise Abschaltung von Teilnetzen ist schon lange in den Ablaufplänen der Stromnetzbetreiber drin, das ist eine von mehreren Eskalationsstufen bei Strommangel bzw. zu hoher Nachfrage, auch nichts neues.

    Grüsse
    Tom

  • Machine 3

    Das liest sich als ob bei der entwicklung einer Railgun zufällig ein Fusionsprinzip entdeckt wurde das auf Implosion beruht.:/

    Der Artikel gibt nicht all zu viele Details her und der Verweis auf Implosion erinnert mich Viktor Schauberger's Repulsine.

    In drei Jahren werden wir sehen, ob das neue "in 50 Jahren" ein "in 3 Jahren" sein wird.

    Wir werden sehen...

    2021 ist in Deutschland das Jahr des Fischotters - das wird mein Jahr.;)

  • Was wir haben ist der Pfad von A nach B, da kann es schon mal hakeln.

    Mhmm. Ich sehe das ein wenig anders. Gerade in Deutschland hat man einen Ausgangszustand A, einen Zielzustand B und einen Zeitplan (aber leider keinen durchgängigen Pfad), um von A nach B zu kommen.

    Wenn ich dringend benötigte Kraftwerkskapazitäten abschalte, bevor die notwendigen Ersatzmaßnahmen (Leitungen, Speicher, ...) errichtet sind, dann ist das kein Pfad, sondern das Prinzip Hoffnung!

    Was nicht heißen soll, dass ich gegen die Dekarbonisierung oder den Atomausstieg bin. Aber das was in D gerade versucht wird ist, ein Eingriff am offenen Herzen, der aber nicht von einem Gefäßchirurgen sondern einem Apotheker durchgeführt wird. Der Gefäßchirurg darf aus der zweiten Reihe sagen was er für richtig hält und muss hoffen, dass der Apotheker das tut was er ihm sagt...

    Dass Plan und Wirklichkeit nicht zusammenpassen hat man ja heuer im Jänner bereits gesehen. Trotzdem wird am Plan weiter festgehalten...


    Aber das echte Problem dabei ist: Bei der Stromversorgung darf es nicht "schon mal hakeln"! Welche enormen Schäden und zu erwartenden Todesopfer auch ein vergleichsweise kurzer Blackout (wenige Tage) verursachen kann, ist ja bekannt. Da zu sagen, dass es "schon mal hakeln" kann ist mMn zutiefst zynisch.

    Abwärme der thermischen Kraftwerke entfällt. primärenergetisch erstezt 1kWh Solarstrom z.B. 3kWh Atomstrom (wenn ich 20% Solarstrom im Jahresverlauf weg werfe ersetzt 0,8kWh von 1kWh Solarstrom dann eben 2,4kWh Atomstrom)

    Der e-PKW ist primärenergetisch 4x effizienter als der Verbrenner

    die Wärmepumpe ist ca. 3x effizienter als die Öl oder gastherme

    Wobei die Abwärme aus den thermischen Kraftwerken sehr oft auch als Nah- oder Fernwärme ausgekoppelt wird und daher nicht verloren ist, sondern auch noch genutzt wird. Diese Wärmeenergie muss dann ja erst recht wieder durch zusätzliche Stromerzeugung für Wärmepumpen ausgeglichen werden (weil Biomasse nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht und alle fossilen Heizungsarten ja ebenfalls verboten werden sollen).

    Hinzu kommt, dass der Wirkungsgrad (selbst ohne FW-Auskopplung) von modernen*) GuD-Anlagen bei ca. 60% liegt - die Rechnung bezüglich ersetzter Primärenergie gilt also nicht bzw. maximal sehr beschränkt auch für andere Kraftwerkstypen. Zum Vergleich: Aktuell liefern thermische Kraftwerke etwa 3x so viel Strom wie die noch am Netz verbleibenden AKWs.


    Was aber oft vergessen, verdrängt oder nicht verstanden wird (und worauf auch der "bayerische Youtuber" richtigerweise mehrfach hinweist): Es gibt derzeit keinen ausreichenden Ersatz für die Momentanreserve, welche durch die Energiewende abgebaut wird. Da hilft es auch nichts, dass man vll. irgendwann mal ausreichende Batteriekapazitäten haben wird oder die Regelungsmodule der Windräder theoretisch so umgerüstet werden könnten, dass sie Momentanreserve zur Verfügung stellen: Dem Stromnetz hilft nur das, was wirklich aktiv am Netz hängt.

    Lösungen, die irgendwann kommen, noch in Entwicklung sind oder vll. "nachgerüstet werden können" hingegen helfen sogar noch weniger als Globuli - weil da zumindest der Placeboeffekt greift.


    *) Also alles, was die letzten 30 Jahre gebaut wurde.

    Arbeite, als wenn du ewig leben würdest. Liebe, als wenn du heute sterben müßtest.

  • Ist es nur meine persönliche Wahrnehmung oder springen die Prepperkanäle bei YT seit dem Fakefuchs plötzlich arg auf den Blackoutzug mit auf?

    Am Algorithmus liegt es nicht, ich seh die Kanäle und ihre Neuerscheinungen immer im Feed, aber jetzt scheint sich ja jeder drittklassige Prepper und oder Outdoorer berufen zu fühlen das Stromnetz zu erklären. Trendet das gerade wirklich so arg?


    Einerseits ist etwas mehr öffentliches Bewusstsein dazu wirklich lobenswert, doch sollte die Person die das Video macht doch auch seriös sein , sonst nutzt das nix.

  • Egal wie seriös ein youtuber ist, er lebt von clicks. Und wenn gerade ein Thema die Massen interessiert kann man damit Clicks erhalten. Interessanter wird die Frage wie gut oder richtig sie das erklären. Machen sie Panik, verbreiten sie Meinungen, erklären sie sachlich Fakten oder plaudern sie nur nach was sie woanders aufgeschnappt haben?

    2021 ist in Deutschland das Jahr des Fischotters - das wird mein Jahr.;)

  • Ich mag beides nicht: Schwarzmalen und unbedingtes Beschwichtigen.

    Für mich ist klar: Wenn ich eine Technologie mit einer anderen ersetzen will, wird es einen Übergang geben.


    Vereinfacht: Ich will ein neues Auto kaufen.

    Bevor mein neues Auto da ist und auch fährt wenn ich das Gaspedal drücke, kann ich mein altes Auto aber nicht Stückchenweise wegschmeissen. Das ist für mich einfache Logik.


    Genau das wird aber in den kommenden Jahren gemacht. Teilweise wird sich hier auf Technologien berufen, die noch nicht mal erfunden sind, geschweigedenn entwickelt werden. Das bereitet mir schon einiges an Kopfzerbrechen und ich möchte nur darauf hinweisen, dass es in einem derart komplexen System wie unserer Gesellschaft bei einem lang geplanten Umstieg eben nicht "mal haken" darf. "Mal haken" kann in so einem Fall das bewusste in Kauf nehmen von Toten bedeuten.

    acta, non verba - viribus unitis

  • Vereinfacht: Ich will ein neues Auto kaufen.

    Bevor mein neues Auto da ist und auch fährt wenn ich das Gaspedal drücke, kann ich mein altes Auto aber nicht Stückchenweise wegschmeissen. Das ist für mich einfache Logik.

    Nicht ganz. Das Problem ist, auf das Deutsche Stromnetz bezogen und um bei deinem Beispielzu bleiben, das du mit vielen anderen in einem Bus sitzt und nicht in deinem Auto. Und dieser Bus muss während der Fahrt von einem Verbrennungsmotor auf einen Elektromotor umgebaut werden. Dabei darf der Bus aber nicht den Betrieb einstellen, sondern muss immer weiter auf Linie die Fahrgäste transportieren. Der Umbau währe viel einfacher und schneller wenn man sagen könnte:"Wir stellen den Betrieb für die Umbauarbeiten ein halbes Jahr ein.", währe die Lösung besser?

    2021 ist in Deutschland das Jahr des Fischotters - das wird mein Jahr.;)

  • Es wäre besser, wenn man zukünftige Technologien, die derzeit noch den Status "Erstkonzeption" haben, bereits zur Verfügung hat, bevor man funktionierende Technologie abdreht. Das könnte Deutschland (und in dem Fall dadurch das restliche Europa) hart treffen. Deutschland hat hier mehr oder weniger das Glück, dass andere Länder das nicht so sehen und, im Gegenteil sogar, kalorische Kraftwerke im Hinblick auf den zukünftigen dt. Unsicherheitsfaktor, ausbauen. Diese dürften dann auch wohl den dt. Frequenzabfall in erster Linie abfedern.


    Das werden diese sich aber 1) erstklassig zahlen lassen und 2) verfälscht das halt Kontinental gesehen wieder alles: Deutschland wird zwar Klimamusterschüler sein - jedoch Strom von den ganzen "schmutzigen" Stromerzeugern rundherum benötigen, bis die Technik soweit ist.


    Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, wage ich zu bezweifeln. Vor allem im Hinblick auf die geplanten AKW und auch Kohlekraftwerke allein im Asiatischen Raum.

    acta, non verba - viribus unitis

  • Hm, oder eher ein Busnetz das auf Fahrradrikschas, (vegane)Eselskarren, Straßenbahnen, einen Transrapid, Wildwasserrutschen und eine Eislaufbahn umgebaut /erweitert wird.

    Prinzipiell ist ein Netzumbau ja ne gute Sache, aber in Deutschland wird halt allzu oft das Gegenteil von "Gut" nämlich "gut gemeint" praktiziert. Plus der Diffamierung sobald man gerechtfertigte Kritik äussert, wie es ja dem OC passiert ist.

  • ... währe die Lösung besser?...

    Nein wäre sie natürlich nicht. Trotzdem wäre es schön wenn der neue Motor und die nötigen Werkzeuge vernünftig bereit liegen würden.

    Mag ja sein das Du da tiefere Einblicke hast. Mir (und scheinbar vielen anderen) stellt es sich aber als ziemlich planlos und chaotisch da.

    Ich habe zwar nie im Hochspannungsbereich gearbeitet, bin aber selbst Elektroniker und habe auch mit 500kVA Systemen zu tun. Bin also nicht ganz fachfremd.

    Fakt ist, das unser Versorgungssystem gewachsen ist und im Verbund mit zig anderen Ländern zusammen arbeitet. Und Fakt ist auch das es schon mehrfach kritisch war. Die Logs der Frequenzen sind ja für jeden Online einsehbar.

    Es ist schön, dass die Sicherungsmaßnahmen bis heute funktionieren aber der Teufel ist ein Eichhörnchen und wenn es mal nicht mehr klappt die Frequenz zu stabilisieren haben wir ein Problem.

    Nach den Infos, die ich mir erlesen und recherchiert habe mache ich mir Sorgen das da zu blauäugig mit umgegangen wird.

    Wenn ein Stromausfall lokal mal ein paar Stunden dauert ist das zu überstehen. Aber das System ist (Beispiel s. Stromausfall in Europa im November 2006 – Wikipedia) zu komplex um es komplett zu überblicken und wenn der europäische Netzverbund doch mal wie ein Kartenhaus zusammenbrechen sollte dauert es Tage bis alles stückweise wieder stabil hochgefahren ist.


    Was das in Richtung Todesrate und Wirtschaft für Europa bedeuten würde überlasse ich eurem Vorstellungsvermögen.


    Aber alleine die persönlichen Auswirkungen sind Radikal. Kein Wasser mehr aus der Leitung, keine Kühlung, keine Zentralheizung, kein Sprit an der Tankstelle... auf dem Land mag das noch gehen aber in einer Großstadt...


    Ich für meinen Teil sehe es als eines der möglichen Szenarien. Ein wenig Licht, ein paar Werkzeuge, eine Brunnenpumpe und die Zentralheizung betreiben können ist sicherlich nicht von Nachteil. Es gab Zeiten, in denen es völlig normal war das hin und wieder kein Strom da war. Aber davon sind wir schon ein paar Jahre entfernt und es ist wohl menschlich sich darauf zu verlassen das Strom und Wasser aus der Leitung kommt... war ja immer so.

  • Allein was hier im akuten Moment passieren würde, lässt jeden Terroranschlag vor Neid erblassen.


    Hunderte Verletzte durch Verkehrsunfälle wegen ausfallender Ampeln. Damit gebundene Einsatzkräfte, die selber nur schwer durch den vor allem in Städten komplett erliegenden Verkehr kommen und ihren letzten Sprit verbrauchen - auch ein RTW oder die Feuerwehr kann noch vielleicht ein mal bei der Betriebseigenen Tankstelle tanken (sofern sie nicht, wie bei uns, schon lange weggespart wurde).


    Tausende Menschen, die in Aufzügen steckenbleiben.


    Tausende Einbruchsversuche von Menschen, die die Gunst der Stunde nutzen wollen (Anfangs sind das keine Lebensmitteldiebe sondern LED TV und Playstation 5 stehen da am Wunschzettel).


    Dass die Notstromkonzepte der Krankenhäuser zwar am Papier toll aussehen, aber in der Realität nach x-Jahren des "brauch ma eh nie" halt nicht mehr so rund laufen, erwähn ich hier gar nicht erst. Sonst haben wir auch hunderte OP´s die gerade laufen, tausende Menschen, die aktuell künstlich beatmet werden, und und und ...


    Das wird innerhalb der ersten halben Stunde Akut - da wirken die nicht mehr wegspülbaren Exkremente schon fast wie ein Luxusproblem.


    Ich hoffe, die politischen Entscheider*innen sind sich dieser Sachen genauso bewusst.

    acta, non verba - viribus unitis

  • Milty

    Ich stimme dir ja vollkommen zu, allerdings gehe ich davon aus das die Leute, die sich hauptberuflich um den netzumbau kümmern, da weit mehr Wissen und Überblick drüber haben als wir beide zusammen. Zumindest glaube ich das da einige Ingenieure dran arbeiten das Netz störungsfrei umzustellen, und die werden auch ein wenig mehr aus der Praxis wissen als der Schwarm Youtuber, der gerade das Thema ausschlachtet.

    2021 ist in Deutschland das Jahr des Fischotters - das wird mein Jahr.;)