Gasmangel im kommenden Winter droht

  • Der russische Gaskonzern Gazprom, der vor einiger Zeit zwei der größten europäischen Erdgasspeicher übernommen hat, spielt ein (für Europa) gefährliches Spiel.

    Üblicherweise müssten schon seit dem Frühjahr die nach dem langen Winter ziemlich leeren Erdgasspeicher in AT und D mit Hochdruck wieder aufgefüllt werden. Das war bisher die Aufgabe der heimischen Speicherbetreiber, die dazu dann v.a. russisches Gas in entsprechender Menge einkauften.


    Momentan lässt sich Gazprom Berichten zufolge ungewöhnlich viel Zeit beim Auffüllen der beiden Gasspeicher und erfüllt im Gegenteil seine laufenden Gaslieferverpflichtungen an die hiesigen Abnehmer direkt aus den nun zum Konzern gehörenden Speichern und füllt nicht nach. Experten gehen davon aus, dass es einen Zusammenhang mit dem Bau und der Inbetriebnahme der Pipeline Nordstream 2 gibt. Denn wenn Gazprom mit dem Füllen der Speicher weiter so bummelt, muss die neue Pipeline spätestens im Herbst betriebsbereit sein und eine Betriebsgenehmigung haben, damit man dann mit ihrer Hilfe zusätzliche Kapazitäten hat, um die Gasspeicher rechtzeitig vor dem Winter vollzubekommen.


    Hintergründe liefert ein Artikel der DeutschenWelle: "Gazprom zeigt Europa seine Marktmacht"


    Wer kam auf die Idee, die beiden großen Gasspeicher an Gazprom zu verkaufen?


    Grüsse

    Tom

  • Wer kam auf die Idee, die beiden großen Gasspeicher an Gazprom zu verkaufen?

    BASF: https://www.chemietechnik.de/m…set-tausch-vollzogen.html


    Ich denke, in Moskau wird man sehr aufmerksam auf die heutigen Gespräche zwischen Frau Merkel und Herrn Biden schauen. Lustigerweise ist derzeit ein Automatismus in der US-Innenpolitik aktiv, der die USA zu Sanktionen zwingt, sobald Nord Stream 2 läuft. Biden kann den zwar aussetzen, würde sich damit aber innenpolitisch äußerst angreifbar machen. Möglicherweise würde er das sogar tun. Dann müsste Deutschland ihm aber im Gegenzug bei der Frontstellung gegen China und bei den Covid-Impfpatenten entgegenkommen. Letzteres will die Kanzlerin persönlich überhaupt nicht, ersteres wäre ein "interessanter" Zug gegenüber ihrer/m Amtsnachfolger/in so kurz vor dem Machtübergang. Die Gemengelage ist hier schön zusammengefasst: https://www.deutschlandfunk.de…ml?dram:article_id=500303

  • Ich habe keine Ahnung warum alle auf NS 2 so rumhacken, also die USA und ihre Vasallen natürlich schon , aber unsere Volksvertreter müssten doch eigentlich im Rahmen ihres Auftrages dafür sorgen dass das läuft, denn ja, NS 2 ist Teil der Versorgungssicherheit. Russland hat bis jetzt immer, ganz im Gegensatz zu USA und anderen Staaten , trotz Kaltem Krieg und anderen Krisen zuverlässig Gas und Öl geliefert.

    Wann gab es denn Probleme? Wenn mal irgend ein Transitland den Hahn zugedreht hat weil sie noch mehr Kohle und Gratisgas wollten und genau das würde NS 2 umgehen. Deutschland würde nur gewinnen aber das sehen die USA halt nicht gern. Lieber sollen wir Gas bei ihnen Kaufen, bzw bei US Firmen die es zuvor auf dem Weltmakrt einkaufen.

    Es kann also durchaus sein dass uns die US Tanker russisches Gas zu deutlich höheren Preisen bringen, aber dann ist es ja besseres Gas weil der Rubel in gen Westen rollt.:rolleyes:

  • Geopolitisch ist das für mich schon nachvollziehbar. Die Osteuropäer würden eine Einnahmequelle und ein Druckmittel sowohl auf Deutschland als auch auf Russland verlieren. Das würde es Russland einfacher machen, auf welchen Wegen auch immer, seinerseits Druck auf osteuropäische Länder aufzubauen. Die USA kann kein Interesse daran haben, dass seine Verbündeten in Osteuropa verwundbarer gegenüber Russland werden und dass die größte westeuropäische Kontinentalmacht sich in solchen Fällen zurücklehnen kann, ist auch klar. Rational ist das für mich sehr gut verständlich.

  • tomduly die Frage wer‘s verkauft hat ist zumindest für Österreich leicht zu beantworten. Die OMV und somit ihr CEO Hr. Rainer Seele. Die Fragen die dahinter stehen, also warum und wieso, oder warum wurde dies nicht verhindert sind bei ehemaligen Regierungen zu suchen. 3 unserer ehemaligen Bundeskanzler sind bei Russischen Konzern Berater.
    Das sind Fakten und keine politische Diskussion.


    anbei noch ein Dokument von e-Control Österreich das den Mangel in den Speichern belegt.
    zusätzlich aber auch zeigt das von Österreich kontrollierte Speichervolumen von 460 GWh auf 64 GWh geschrumpft ist. (Vergleich Jänner 2020 zu Jänner 2021 bei Füllstand jeweils 100%).
    mit berücksichtig muss dabei allerdings das stilllegen der Kohlekraftwerke und der Wegfall von Kohle als Speicher Ressource.


    https://www.e-control.at/docum…8e2d54839?t=1614838310514


    Gruß Kcco

    Gsund bleiben

    Keep clam and chive on

  • Asdrubal, da ist doch kein Argument dass den Osteuropäern Einnahmequellen verloren gehen.

    Da kann genauso gut Italien sich beschweren und fordern den Hamburger Hafen zu schließen damit in Zukunft alles via Genua abgewickelt wird, die wollen ja schließlich auch was am Gütetransit verdienen.

  • Asdrubal, da ist doch kein Argument dass den Osteuropäern Einnahmequellen verloren gehen.

    Da kann genauso gut Italien sich beschweren und fordern den Hamburger Hafen zu schließen damit in Zukunft alles via Genua abgewickelt wird, die wollen ja schließlich auch was am Gütetransit verdienen.

    Für die Osteuropäer ist das schon ein Argument.

  • Welches Argument nun stichhaltiger ist, möchte und kann ich nicht bewerten. Ob die Versorgungssicherheit so sehr steigt, kann man sicher auch verschieden bewerten. Die Transitländer, mit Ausnahme der Ukraine, sehe ich nicht als sehr instabil an. Und auch die Ukraine hat Deutschland ein Stück weit in der Hand, weil sie extrem auf Verbündete angewiesen ist. Wenn es Russland gelänge, durch die Pipeline andere Gasanbieter vom Markt zu verdrängen, könnte die Abhängigkeit von russischem Gas wachsen, und Russland traue ich sehr wohl zu, das als Druckmittel zu verwenden.


    Wie gesagt: Ich bin dem ganzen Komplex gegenüber eher neutral eingestellt, persönlich sowieso und auch aus "deutscher" Sicht scheint mir das Thema aufgebläht zu sein. Da stehen sich einfach politische und wirtschaftliche Interessen verschiedener Gruppen gegenüber. Ich persönlich halte Nord Stream 2 weder für eine große Errungenschaft noch für eine signifikante Bedrohung der regionalen Sicherheit, aber ich kann Argumente für beide Sichtweisen nachvollziehen.

  • Privatkunden vs. Geschäftskunden:


    Vor einigen Jahren habe ich in einer Firma gearbeitet, die ihren Schmelzofen mit Gas betrieben hat. Wenn da das Gas für ein oder zwei Tage ausfällt dann hätte das damals 10 Mio Euro Schaden angerichtet + die Zeit, die man wieder braucht, um lieferfähig zu werden.


    Wenn bei mir das Gas ausfällt (ja, Bequemlichkeit...), dann heize ich etwas mehr mit Holz.


    Ich sehe da zwei Dimensionen: Die Wirtschaft und die Privatleute. Privatkunden werde auch irgendwie anders heizen können, evtl. wirds teurer, aber man wird es überleben. Ein Betrieb mit um die 70 Mann dürfte ein Gasausfall an den Rand des Ruins bringen.


    Und dann wird das Verhalten sinnvoll: Wenn durch den Stopp der Nordstream direkt Arbeitsplätze gefährdet sind, dann kann man das innen- und außenpolitisch leicht verargumentieren. Also dürfte es vielleicht gar nicht so blöd gewesen sein, die Behälter zu verkaufen, falls der Verkäufer ein Interesse an der Nordstream hat.



    Nick

    Quidquid agis prudenter agas et respice finem

  • Vor einigen Jahren habe ich in einer Firma gearbeitet, die ihren Schmelzofen mit Gas betrieben hat. Wenn da das Gas für ein oder zwei Tage ausfällt dann hätte das damals 10 Mio Euro Schaden angerichtet + die Zeit, die man wieder braucht, um lieferfähig zu werden.

    Das ist für das Unternehmen eine rein betriebswirtschaftliche Abwägung. Man könnte ja einen lokalen Gasspeicher vorhalten, für den Fall der Fälle. Aber das kostet viel Geld. Wenn über die Jahrer gerechnet, die Versicherung für den Ausfall des Ofens günstiger ist, als die Kosten für einen Gas-Zwischenspeicher auf dem Hof, dann rentiert sich das Gas-Backup einfach nicht. Da bisher mehrtägige Gas-Ausfälle eher unwahrscheinlich waren, dürfte so ein Risiko nicht allzuteuer versicherbar sein. Vorteil der Versicherung: man bekommt einen neuen Schmelzofen, wenn der Versicherungsfall eintritt.

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  • Privatkunden werde auch irgendwie anders heizen können, evtl. wirds teurer, aber man wird es überleben.

    Denke das mal weiter.


    Eine Privatperson, die im Winter nicht frieren will und der Prepperspielchen wie Schlafsack im Bett nicht in denn kommen, will 2 Kinderzimmern, ein Elternschlafzimmer und ein Wohnzimmer heizen. Es werden dazu 4 elektrische Heizlüfter je 2kW Anschlusswert in Betrieb genommen. Das sind 8 kW zusätzliche Elektrische Leistung pro Wohneinheit.


    In dem Wohnhochhaus befinden sich 30 Wohneinheiten: +240kW.

    Die Wohnanlage besteht aus 3 gleichartigen Wohnhochhaus: +720kW.



    Das Problem bzw. die zu berücksichtigen Grundlage ist übrigens die gleiche wie bei der Annahme, dass jeder Mieter künftig ein E-Auto fährt und es an einer 8kW Wallbox lädt. Auch wenn der Gleichzeitigkeitsfaktor nicht 1 ist (also nicht alle zeitgleich laden oder heizen) kann die jetzige Dimensionierung von Leitungen, Trafostationen und Kraftwerken zu einem relevanten Aspekt werden.


    Und neben Gas ist Strom der verbreiteste Heizenergieträger. Besonders im Mietwohnbereich.

    Da fallen mit holz heizende Prepper nicht ins Gewicht.

  • ...die investigativen Journalisten lesen hier halt auch mit. Ist mir schon bei ein paar Themen aufgefallen, die wir hier frisch am diskutieren waren und am nächsten Tag stehts in Spiegel Online...

  • In Österreich werden offenbar die hohen Gaspreise genutzt, um unsere Vorräte zu verkaufen. Eigentlich unfassbar

    Der Gasspeicher-Inhalt in Österreich stieg im Juni erstmals seit Oktober an. Der Füllungsgrad von 29,8 Prozent (bzw. 28,5 TWh) lag um 8,4 Prozent höher als im Vormonat Mai, lag aber dennoch um 59,9 Prozentpunkte unter dem gleichen Vorjahresmonat. Durch die hohen Gaspreise gab es wenig Anreiz, Erdgas einzuspeichern, es wurde lieber zu einem guten Preis verkauft. Gestiegene Einspeicherungen und geringere Entnahmen führten zu 3,1 TWh weniger verfügbaren Gas; dies wurde durch höhere Nettoimporte (plus 3,1 TWh) kompensiert.

  • Aus Sicht von Gazprom ist eine direkte Importabhängigkeit vermutlich vorteilhafter, als das Beliefern aus gefüllten Speichern vor Ort. Wir werden uns da noch die Augen reiben.

  • Noch ein Artikel dazu von vor einigen Tagen

    Die Gastanks in Europa leeren sich spürbar. Österreichs Erdgasspeicher sind so leer wie noch nie. "Derzeit sind sie gerade noch zu etwas mehr als 30 Prozent gefüllt, das ist ein historischer Tiefpunkt", sagte Lukas Zwieb, Energieexperte der Österreichischen Energieagentur, dem STANDARD. Seinen Angaben nach waren die Speicher im Durchschnitt der letzten zehn Jahre zu zwei Dritteln voll.

    Als jemand der hauptsächlich per Gas heizt, ist das für mich sehr ärgerlich. Werde jetzt schon entsprechend Briketts und Holz aufstocken.

  • Grüß Gott zusammen,


    ja, ich werde kurzfristig auch noch vier bis fünf Zentner Briketts einlagern. Haben ist besser als brauchen.


    Waidmannsheil

    zero

    Wetten Sie niemals gegen den menschlichen Erfindungsreichtum. Der größte Feind der Propheten der Apokalypse ist ein Ingenieur (Daniel Lacalle)