Beiträge von TejuJagua

    Heute haben wir unsere Zufahrtsstraße ausgebessert.

    Das Unwetter hat doch einiges ausgeschwemmt.

    Da kam dann der restliche Bauschutt rein ( nur Ziegel- und Backsteinreste ).

    Dann mit dem kleinen Auto losgefahren und die leeren Dieselkanister wieder aufgefüllt und noch ein paar dazu.

    Der Generator hat in insgesamt 20 Stunden 30 Liter Diesel gebraucht.

    Da wir schon mal unterwegs waren, kauften wir noch 50 kg Trockenfutter für die Hunde und hatten somit wieder die 100 kg voll ( je 2 Plastikfässer á 50 kg ) und für den Welpen einen 25-kg-Sack.

    Da wir eh schon beim Grossisten waren, wanderten ein Großpack Klopapier, 12 Packungen Malzkaffee, 10 kg Nudeln und 10 Liter billiger Essig zum Putzen ins Auto.

    Damit war der Pajero Jr. bis unters Dach voll.

    Für einen "kleinen" Blackout reicht schon - zumindest hier bei uns - ein heftige Unwetter.

    Wir "durften" diese Erfahrung jetzt real machen.


    Wir hatten jetzt in zwei aufeinanderfolgenden Nächten je ein starkes Unwetter.

    In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag fiel der Strom für "nur" 5 Stunden aus.

    In unserer Gegend gab es keine nennenswerten Schäden. Woanders schon.

    Der Donnerstag war wieder sonnig und sehr schwül.

    Wir nutzten ihn, um einige Sachen zu erledigen, weil für die Nacht schon das nächste Gewitter vorausgesagt war.

    Das Unwetter in den frühen Morgenstunden des Freitags war dann sehr heftig, ein kleiner Tornado zog vorbei, beschädigte aber glücklicherweise keine Häuser, entwurzelte "nur" Bäume. Es war aber schon gespenstisch anzusehen, wie sich die Baumkronen verdrehten, Äste abrissen und davonwirbelten.

    In anderen Landesteilen sah es schon nicht mehr so gut aus.

    Masten der Überlandleitungen wurden abgeknickt wie Streichhölzer, Stromleitungen rissen ab, Transformatoren brannten durch, 220 Umspannwerke funktionierten nicht mehr. Blitze setzten Bäume und Häuser in Brand.

    Straßen verwandelten sich in reissende Flüsse und schwemmten Fahrzeuge, Verkaufsbuden, Mauern und kleinere Gebäude weg.

    Blackout fast im ganzen Land.

    Gestern regnete es noch den ganzen Tag, teils heftig, einige kleinere Gewitter gab es auch noch.

    Unter diesen Bedingungen mussten die Mitarbeiter von ANDE die Schäden beseitigen und sie schafften es, bis zum Abend zumindest die Städte und Vororte wieder mit Strom zu versorgen.

    Unser Generator lief genau 15 Stunden lang, dann hatten wir, abends um 19 Uhr, wieder Strom.

    Aber nur wir. Alle unsere Nachbarn mussten noch bis heute Nachmittag warten. Wir werden über die ( teurere ) Linea Alta versorgt, sie hängen an der ( billigeren ) Linea Baja. Da waren mehrere Leitungen von umgestürzten Bäumen abgerissen worden und einige Masten hingen schief in der Landschaft.

    Wasser hatten sie auch keins, denn der neue Trafo des neuen Tiefbrunnens des Versorgers, der erst letzten Freitag installiert worden war, hatte das Unwetter nicht überlebt und war durchgebrannt.

    Dann hatten wir gestern den ganzen Tag und heute bis 12 Uhr kein Internet. Der Sendemasten für unsere Region war beschädigt worden.

    Jetzt funktioniert alles wieder.

    Das war ein Miniprobelauf für einen flächendeckenden Blackout.

    Ach ja....

    Es gab keine Ausschreitungen, keine Plünderungen, keine Hysterie, nichts.

    Alle warteten einfach, bis der Strom wieder da war.

    Schweineschmalz aus eigener Schlachtung ( vom Nachbarn ), kalt abgefüllt in Gläser, nicht eingekocht, nur mit Gummiring und Klammer verschlossen.

    Ohne Kühlung im Regal aufbewahrt.

    Abfülldatum: Juni 2016.

    Heute geöffnet.

    Einwandfrei im Geruch und Geschmack.

    Spiegeleier in einem Löffel voll davon gebraten.

    Schmeckte sehr gut.

    Ein kleines bisschen OT:


    https://www.t-online.de/gesund…stoppt-den-durchfall.html


    Zitat

    Rezept: 500 Gramm geschälte Karotten werden in einem Liter Wasser eine Stunde lang gekocht. Dann die Möhren im Mixer pürieren, und zwar ohne Kochwasser. Der so entstandene Brei wird erneut mit Wasser auf einen Liter aufgefüllt und mit drei Gramm Salz gewürzt, was etwa einem Teelöffel entspricht. Die Suppe sollte am besten gleich zu Beginn der Beschwerden und mehrfach täglich in kleinen Mengen verzehrt werden.



    Für diejenigen, die einen eigenen Garten haben...........

    Oder für die Jetztzeit.

    Mir erschließt sich nicht, welchen Nutzen Einweggeschirr in der Krise haben soll.

    Wenn ich das Plastikzeug nach dem Benutzen eh abwischen muss, sei es, um es ein weiteres Mal zu verwenden, ober weil ich es nicht mit Essensresten verschmiert irgendwo lagern will/kann, dann kann ich doch auch mein Keramikgeschirr und das Edelstahlbesteck sauber abwischen.

    Wozu also von dünnem Plastikgeschirr mit unpraktischem, zerbrechlichen Plastikbesteck essen, wenn ich alles, was ich brauche, im Schrank stehen habe?

    Einweggeschirr könnte ich mir - zur Not - für den Bug Out vorstellen, weil das weniger Gewicht hat.

    Aber wozu daheim mit solchem Zeug rummachen?

    Heute das Schweinefleisch aus der Keule zu Geschnetzeltem in Malzbiersoße verarbeitet.

    Einmal Mittagessen davon gehabt und 5 Halblitergläser eingekocht.


    8 kg ( hoffentlich die letzten ) Maulbeeren dampfentsaftet.


    Mit den Beeren, die wir an Selbstpflücker verschenkt haben, trugen die beiden kleinen Bäume 70 kg Beeren.

    10 weiter kg dürften überreif heruntergefallen sein und vergammeln jetzt unter den Bäumen.

    Wieviel die Vögel geholt haben, können wir noch nicht einmal schätzen.

    Hoffentlich recht viele. Wir haben sie ihnen von Herzen gegönnt.

    Der Strom ist wieder da, wenn auch mit großen Stromschwankungen.

    Als allererstes rufe ich meine Schwester an, die mir berichtet, daß sie gut durch die Tage gekommen sei. Auch in ihrem Barrio hatte sich eine Kommission gebildet und alle Nachbarn hatten sich gegenseitig geholfen. Kein Wunder, denn alle im Barrio gehören zu einer Familie. Sie zwar nicht, aber da sie mittendrin sitzt, gehören sie und ihr Sohn dann doch dazu.

    Sie waren lieber dort hinter der sicheren Absperrung geblieben, als sich auf den Weg zu uns zu machen, weil sie nicht wussten, wie es außerhalb zuging.

    Außerdem wollten sie ihre Tiere nicht alleine lassen.

    Wir sind erleichtert, daß es ihnen gut geht und daß sie rational gehandelt haben.

    Wir schreiben einige Bekannte an, aber die haben wohl anderes zu tun, als gleich zu antworten. Bei einigen kommt die mensaje gar nicht an. Entweder haben sie noch keinen Strom, oder das Celular noch nicht geladen, oder.......

    Bei anderen geht sie durch, aber sie wurde noch nicht gelesen.

    Da werden wir wohl noch warten müssen, bis wir erfahren, ob und wie sie die Krise überstanden haben.

    Da wir den Generator stundenweise laufen lassen konnten, sind unsere gefrorenen Vorräte nicht abgetaut und in Ordndung.

    Als erstes werfen wir die Waschmaschine an und kurz darauf hängt der Garten voller Wäsche.

    Einkaufen fahren müssen wir glücklicherweise nicht, denn wir können uns lebhaft vorstellen, wie es in der Stadt und vor allem in den Geschäften zugeht.

    Wir sind überrascht, als uns am Nachmittag der Nachbar anruft, wir sollten schnell zur Barrikade kommen und Geld mitbringen.
    Zu unserer Freude steht dort ein kleiner LKW, beladen mit frischem Obst und Gemüse. Auch Gaseosas hat er dabei.

    Natürlich kaufen wir dem Ehepaar einiges ab, auch wenn die Preise ziemlich happig sind.

    Igual nomás! Wir freuen uns über die frische Ware und sie sind ja auch ein großes Risiko eingegangen, sich mit der Ware auf den Weg zu machen.

    Als sie das Fahrzeug wenden und wieder wegfahren, haben sie kaum noch was auf der Pritsche. Sie versprechen, in einigen Tagen wieder zu kommen und nehmen sogar Bestellungen auf.

    Wir geben ihnen die leeren Dieselkanister mit und sie wollen schauen, ob sie welchen organisieren können.

    Wir sind sicher, daß es in den Supermärkten noch einige Zeit lang keine frische Ware geben wird.

    Zum Abendessen gibt es in Butter gedünstetes Gemüse, eine Bratwurst, Salat und zum Nachtisch einen Obstsalat.

    Um 20 Uhr sind wir dann an der Sperre und halten bis Mitternacht Wache.

    Die Kommission ist sich einig, daß wir die Straßensperre noch eine ganze Weile aufrecht erhalten müssen und ist der Auffassung, daß wir jetzt, da die Tankstellen wieder funktionieren, verstärkt mit "Besuchern" rechnen müssen.

    Das Vieh wird schon seit Beginn des Blackouts nachts nahe der Häuser angebunden und tagsüber beim Weiden bewacht. Die Anzahl der Hirten wird vergrößert. Auch die Anpflanzungen werden bewacht. Noch sind die Feldfrüchte nicht reif, aber das wird Hungrige nicht abschrecken, sie schon vorher zu holen.

    Inzwischen senden wieder mehrere Radiosender und auch zwei Fernsehsender.

    Es gibt weder Soap Operas noch Kochsendungen, sondern nur Nachrichten rund um die Uhr.

    Viele Bilder, die gezeigt werden, sind nichts für schwache Nerven.

    Die Friedhöfe sind für so viele Tote auf einmal nicht gerüstet, die wenigen Krematorien arbeiten am Limit. Die meisten Gemeinden weisen Grundstücke als neue Friedhöfe aus, die Kleinbagger und Trupps mit Schaufeln sind im Dauereinsatz.

    Viele Menschen bekommen ein anonymes Grab, weil ihre Identität nicht festgestellt werden kann. In den Städten gibt es sogar Massengräber.

    Es geht nicht anders, denn die Cholera ist noch nicht besiegt und alle Toten werden sofort begraben um ein Ausbreiten der Seuche zu verhindern.

    An den wenigen nicht geplünderten Lebensmittelläden und Märkten stehen die Menschen in langen Schlangen an um wenigstens eine Packung Nudeln, Reis oder Bohnen zu bekommen. Öl und andere Fette sind Mangelware.

    Auf den Ladeflächen schwer bewachter LKWs wird Fleisch geliefert und in kleinen Rationen an die Menschen verteilt. Es gibt Schlägereien um einen Platz in der Warteschlange und diejenigen, die irgendwo Lebensmittel ergattern konnten, werden nicht selten überfallen und ausgeraubt.

    Polizei und Militär sind damit beschäftigt, die Politiker und Reichen zu bewachen und sind kaum im Straßenbild präsent.

    Aufgebrachte Bürger fordern die Regierung dazu auf, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, sonst würden sie das selber in die Hand nehmen.

    Da sich von Seiten der Obrigkeit nichts tut und die Politiker sich wohlweislich nicht in der Öffentlichkeit sehen lassen, werden Bürgerwehren und Milizen gebildet, die in ihren Barrios auf Patrouille gehen und mit Plünderern und anderen Verbrechern kurzen Prozess machen.

    Der Präsident tritt im Fernsehen auf und ruft die Bevölkerung zu Ruhe und Disziplin auf. Er versichert, er würde Polizei und Militär für Ordnung sorgen lassen. Außerdem seien Hilfslieferungen mit Lebensmitteln auf dem Weg.

    Als eine Journalistin Lastwagen mit Hilfsgütern filmt, die in ein Barrio Cerrado ( abgeschirmtes und bewachtes Reichenviertel ) einfahren und das gesendet wird, brechen alle Dämme. Ein Mob aus tausenden wütenden Menschen stürmt das Barrio. Es bleibt kein Stein auf dem anderen.

    Danach tauchen plötzlich bewaffnete Ordnungskräfte auf und sorgen für Ruhe. Plötzlich ist es möglich, ein geordnetes Verteilen der knappen Ressourcen wenigstens im Ansatz zu organisieren. Suppenküchen werden installiert, Lebensmittel und Medikamente verteilt und Streifen fahren Tag und Nacht durch die Straßen.


    Es wird noch viele Monate dauern, bis sich das Leben wieder einigermaßen normalisiert.

    Hoffen wir, daß es keinen weiteren Blackout geben wird.

    Und man hat an den Beiträgen gemerkt, dass es ab Tag 4 schon sehr abstrakt wurde und viele nicht mehr ganz wussten was sie schreiben sollten bzw. ob es realistisch ist, dass sie so reagieren würden.

    Wenn ich Szenarien beschrieben hätte, die ich sie in den Krisengebieten selber erlebte, hättest du mir die Beiträge sicherlich wegzensiert.

    Die meisten von euch können sich wirklich nicht vorstellen, wie dünn die Schicht der Zivilisation bei den Menschen ist.

    Sicherlich reagieren nicht alle wie die wilden Bestien, aber es sind genug um die Welt in eine Hölle zu verwandeln.

    Diejenigen, die gut bewaffnet sind, terrorisieren diejenigen, die schwach und hilflos sind und nehmen sich, was sie wollen, weil sie es können.

    In solchen Fällen ist sich jeder selbst der Nächste und kümmert sich einen Dreck um Andere. Vor allem nicht um diejenigen, die weder mit ihm verwandt oder eng befreundet sind.

    Das ist die Realität. Und glaubt ja nicht, daß Europa zu zivilisiert für solche Szenarien ist.

    Der Starke macht was er will.

    Der Schwache erträgt was er muss.

    Auch letzte Nacht hatte es ständig geblitzt und gedonnert. Immer wieder kamen Regenschauer runter.

    Wir lagen im Bett und waren heilfroh, daß wir keinen Wachdienst schieben mussten.

    Als es hell wurde, hörte das Gewitter auf und es nieselte nur noch ab und zu.

    Nach dem Frühstück erhitzen wir Wasser und füllen alle unsere Thermos damit. Das brachten wir zur Straßensperre und alle machten sich einen Mate oder Cocido.

    Nebenher hörten wir Radio und erfuhren, daß sie in Ciudad del Este bereits wieder Strom haben. Nach und nach wollen sie ihn im ganzen Land zuschalten.

    Das heisst, überall dort, wo sie schon die durchgebrannten Transformatoren austauschen und beschädigte Leitungen und Umspannwerke reparieren konnten. Alle Anderen werden wohl noch einige Tage länger ohne Strom auskommen müssen.

    Wir freuten uns über die Nachricht und rechneten für unser Barrio mit weiteren 2 bis 3 Tagen ohne Elektrizität.

    Denn es ist immer so, daß sie zuerst die Städte, dann die Dörfer und am Schluß die Außenbezirke zuschalten. Die auf dem Campo kommen immer zuletzt dran.

    Wir machten uns gleichzeitig Sorgen darüber, daß die Plünderungen und Überfälle zunehmen würden. Denn sobald es in den Städten wieder Strom gibt und die Zapfsäulen der Tankstellen wieder funktionieren, werden die Kriminellen und die Verzweifelten ihre Fahrzeuge auftanken und aufs Land fahren. Denn dort vermuten sie Lebensmittel und wehrlose Familien.

    Die Kommission beschloss, die Straßensperren und die Wachmannschaften zu verstärken.

    Während wir darüber berieten, fuhr ein nagelneuer SUV , gefolgt von einem LKW, bis vor die Straßensperre. Vier gutgekleidete Männer stiegen aus und einer von ihnen sagte, er käme von der Stadt und sie würden jetzt den Generator mitnehmen, den die Junta leihweise erhalten hätte. Sie erwarteten, daß unsere Region noch 2 bis 3 Tage ohne Elektrizität auskommen müsse und sie bräuchten ihn und allen Diesel, den wir hätten, um die Behörden in der Stadt mit Strom zu versorgen. Herrisch bestimmte er einige von uns, ihn zu holen und aufzuladen.

    Außerdem sollten wir einige Männer und Frauen bestimmen, die mit in die Stadt fahren müssten, um dort den Müll wegzuräumen, Hilfsdienste zu leisten und den Ärzten bei der Versorgung der Kranken zur Hand zu gehen.

    Er schaute ziemlich dumm aus dem feinen Anzug, als sich keiner von uns rührte.

    Der Vorsitzende von der Kommission sagte ihm, er solle verschwinden, wir würden den Generator nicht hergeben, weil wir ihn selber bräuchten. Außerdem gehöre er dem Gouverneur und der Intendente hätte nicht darüber zu bestimmen.

    Außerdem könnten die Städter ihren Dreck selber wegschaffen und die Herrschaften dürften ihren Arsch selber bewegen und arbeiten. Wir hätten zuhauses genug zu tun und hätten von ihnen ja die ganze Zeit über auch keine Hilfe bekommen.

    Der Großkotz bekam einen hochroten Kopf und fing an, rumzubrüllen und uns zu beschimpfen. Als er plötzlich in den Doppellauf eines Meinungsverstärkes schaute, stieg er wieder in seine Karre, schüttelte die Fäuste gegen uns und schimpfte wie ein Rohrspatz.

    Der SUV hatte einen langen Radstand und der Fahrer hatte Mühe, ihn auf der schmalen Straße zu wenden. Der LKW brauchte noch länger dazu.


    Am späten Nachmittag kam der Sohn eines Nachbarn nach Hause. Seine Eltern hatten sich große Sorgen um ihn gemacht, weil er zur Zeit des Stromausfalls in der Hauptstadt war um zu arbeiten. Er hatte sich noch kurz per Celular gemeldet, daß er sich auf den Heimweg machen würde, danach hatten sie nichts mehr von ihm gehört.

    Er wollte mit dem Moto losfahren, aber das sprang nicht an. Mit einem Freund zusammen bastelte er 2 Tage lang daran herum. Als es endlich wieder lief, wurde er an der Straßensperre in Areguá aufgehalten und durfte wegen des Choleraausbruchs nicht weiterfahren. Er wurde, wir alle Anderen, die ebenfalls nicht passieren durften, zurückgeschickt.

    Er wusste Furchtbares zu berichten.

    Sobald die Notstromaggregate der Hospitäler keinen Sprit mehr hatten, begann das Sterben.

    Zuerst starben die Patienten auf den Intensivstationen, dann diejenigen, die keine lebensrettende OP mehr bekommen konnten. Als die Medikamente aufgebraucht waren, starben die chronisch Kranken und die Pflegebedürftigen.

    Er berichtete von verzweifeltem Pflegepersonal und Ärzten, die hilflos mit anschauen mussten, wie ihre Schutzbefohlenen starben, ohne ihnen helfen zu können. Einige griffen zum letzten Mittel und erlösten die vor Schmerzen schreienden Todgeweihten.

    Die Menschen legten ihre Toten einfach auf den Bürgersteigen vor den Häusern ab, viele der Cholerakranken waren einfach auf die Straße zum Sterben gebracht worden, in der Hoffnung, sie würden so den Rest der Famlie nicht anstecken.

    Er erzählte von Straßenkämpfen, Plünderungen, Vergewaltigung, Mord und Totschlag.

    "So stelle ich mir die Hölle vor." sagte er mit erstickter Stimme.

    Schließlich gelang es ihm, sich an den Straßensperren vorbeizuschleichen und sich zu Fuß nach Hause durchzuschlagen. Er war völlig erschöpft und halb verhungert, aber überglücklich, es aus dem Hexenkessel herausgeschafft zu haben.


    Uns wurde klar, wie gut wir bisher davongekommen waren. Und wir waren uns einig, daß es noch lange dauern würde, bis das Leben wenigstens wieder halbwegs normal werden würde.

    Selbst wenn wir wieder Strom haben würden, müssten wir wachsam bleiben und uns weiterhin umeinander kümmern.

    Die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln, sauberem Wasser, Medikamenten und anderen Notwendigkeiten des Lebens würde erst nach und nach wieder in Gang kommen. Die Lieferketten waren unterbrochen und auch vom Ausland würde wohl vorerst nichts kommen, denn die hatten ja die gleichen Probleme wie wir und würden erstmal die eigene Bevölkerung versorgen.

    Dazu kamen die Probleme mit den vielen Toten und den Verwüstungen und Zerstörungen.

    Und es gab einen großen Verlust des Vertrauens der Menschen untereinander.

    Diese Krise hatte ihnen gezeigt, wie dünn die Tünche der Zivilisation war, wenn es ums nackte Überleben ging.

    Das weiss und kennt jeder, der schon einmal in Krisengebieten war.


    An diesem Abend liessen wir den Generator länger laufen, schauten uns einen Film an und spielten noch eine Runde Karten.

    Ich lag noch lange wach und bekam die Bilder von den Zuständen in der Stadt nicht aus dem Kopf.

    Ich hoffte, daß wir weiterhin von solchem Grauen verschont bleiben würden.


    In der Nacht wachte ich auf und sah auf den Wecker. Halb 3 Uhr morgens. Ich lauschte, ob mich ein ungewohntes Geräusch geweckt hatte, aber außer den normalen Nachtgeräuschen hörte ich nichts. Ich schaltete die Nachttischlampe aus und drehte micht auf die Seite. Gerade als ich wieder wegdämmerte, fuhr ich hoch.

    Die Nachttischlampe brannte!

    Wir hatten wieder Strom!


    Ich weckte meine Standesamtliche Zuteilung und wir freuten uns gemeinsam darüber.

    Heute Morgen blieben wir etwas länger liegen, denn es stürmte und Blitze zuckten vom Himmel.

    Regen kam leider keiner, obwohl wir den dringend bräuchten.

    Wie abgesprochen meldeten wir uns gegen 10 Uhr bei der Straßensperre, um unseren Teil der Wache zu übernehmen.

    Einer von denen, die mit uns Wache hielten, hatte ein batteriebetriebenes Radio und wir hörten Nachrichten. Nur noch eine Emisora sendete und versorgte uns mit den neuesten Nachrichten.

    Um 11 Uhr verbreiteten sie zum ersten Mal die gute Nachricht, daß wir wohl bald wieder Strom haben würden. Sie rechneten damit, daß wir schon am Sonntag wieder welchen haben würden.

    Wir waren skeptisch und eigentlich glaubten wir nicht daran.

    Dann berichteten sie über weitere Plünderungen. Überfallen wurden jetzt die kleinen Lebensmittelläden, die sich keine Wachleute leisten konnten.

    Auch wurden Wohnungen gestürmt, in denen Vorräte vermutete wurden.

    Besondere Empörung löste ein Bericht aus, daß eine Horde Männer in ein Waisenhaus eingedrungen waren und die Lebensmittel stahlen.

    Um 12 Uhr dann wieder die Durchhalteparolen: Nur noch wenige Stunden, dann geht das Licht wieder an.

    Und die Warnung, daß es in der Hauptstadt und im Departamento Central zu Ausbrüchen von Cholera gekommen sei. Durch den Mangel an sauberem Wasser und den unhygienischen Zuständen - die Müllabfuhr arbeitete nicht, streunende Hunde rissen die Mülltüten auf und verteilten den Müll überall, Ratten liefen am hellichten Tag durch die Straßen, einige Menschen waren bereits von ihnen gebissen worden - verbreitete sich die Krankheit.

    Unser Angestellter stellte fest: Ein Glück, daß wir den Generator und frisches Wasser haben. Und daß wir unseren Müll verbrennen können. Das machten wir nämlich und es störte uns nicht, daß es verboten war.

    Ausserdem hat jeder von uns seine eigene Sickergrube, so daß keine Fäkalien offen herumlagen oder ins Trinkwasser gelangen konnten.


    Ein kleiner LKW näherte sich der Straßensperre. Der Fahrer hielt in respektvoller Entfernung an und rief uns zu, er wolle mit uns reden. Er bekam die Erlaubnis und kam näher.

    Er sagte, er hätte 50 Liter Diesel geladen und würde uns den geben, wenn wir ihm dafür die Wasserfässer für sein Barrio füllen würden.

    Die Straßensperre wurde beiseitegefahren und er durfte bis zum Wasserturm fahren. Der Generator wurde angeworfen. Als alle Fässer gefüllt waren, sagte der von der Junta, er könne auch die nächsten beiden Tage wiederkommen um mehr Wasser zu holen. Hocherfreut fuhr er wieder weg.

    Es schien sich herumzusprechen, denn im Laufe des Nachmittags kamen noch weitere Fahrzeuge, brachten Diesel mit und fuhren mit gefüllten Wasserfässern zurück.


    Wir waren unterdessen zum Mittagessen daheim gewesen, hatten den Generator laufen lassen und uns um die Hunde gekümmert.

    Obwohl wir keine Wache mehr hatten, waren wir zur Sperre zurückgekehrt, um die Neuigkeiten und Nachrichten nicht zu verpassen.

    Die hygienische Situation in den Städten wurde immer schlimmer. Obwohl die Leute aufgefordert wurden, keinen Müll mehr auf die Straße zu stellen, hielten sich viele nicht daran und es gab eine regelrechte Rattenplage.

    Der Nachrichtensprecher berichtet von 21 Choleratoten und mindestens 400 Erkrankten.

    Die umliegenden Gemeinden sperrten die Zufahrtstraßen ab und ließen niemanden mehr passieren, der aus der Hauptstadt oder Central kam.

    Bisher wurden außerhalb der betroffenen Gebiete keine Erkrankungen gemeldet.


    Abends saßen wir beim Nachbarn und grillten Schaffleisch. Das Fleisch der geschlachteten Tiere musste schnell verbraucht werden, da die Kühlgeräte von Luis nicht mehr funktionierten und wir keinen Platz in unseren hatten.

    Wir brachten Brot mit, der Onkel Bier. Das war zwar lauwarm, aber anscheinend schmeckte es doch. Mich schüttelte es beim Gedanken an lauwarmes Bier. Ich trinke ja noch nicht mal kaltes.

    Es gesellten sich noch andere Nachbarn zu uns und am Ende war das Fleisch verspeist.


    Als wir später im Bett lagen, sagte meine Standesamtliche Zuteilung: Es wäre echt schön, wenn wir Sonntag wieder Strom hätten. Bisher kommen wir ja gut zurecht, aber es ist einfach besser, wenn man welchen hat.

    Ich stimmte zu und hoffte, daß es stimmte und nicht nur Beschwichtigungsgedöns der Regierung.

    Mit diesem Gedanken schlief ich ein.

    Was für eine Nacht!

    Gegen halb 5 Uhr weckte uns das Geräusch von Schüssen.

    Automatisch zählte ich mit. 2 Schuss, kurze Pause, ein weiterer Schuss.

    Das vereinbarte Signal. Der Nachbar brauchte Hilfe. Also packten wir mal wieder das Material Bélico ein und zusätzliche Knallerbsen und machten uns auf den Weg zu ihm.

    Obwohl der Mond nur noch eine ganz schmale Sichel am Himmel war konnten wir genug sehen. Die Taschenlampen schalteten wir natürlich nicht ein, wir wollten ja nicht schon von Weitem gesehen werden.

    Wir konnten allerdings sehen, was vor seinem Haus vor sich ging, denn er hatte eine starke Lampe auf zwei Männer gerichtet, die geblendet ins Licht blinzelten.

    Wir nutzten das aus und näherten uns ihnen von hinten. Schusswaffen hatten sie keine, aber einer hielt eine Machete in der Hand, der andere ein langes Schlachtermesser.

    Der Nachbar forderte sie auf, die Messer fallen zu lassen, oder er würde schießen, aber die beiden Kerle dachten nicht daran.

    Meine standesamtliche Zuteilung und ich traten ihnen von hinten in die Kniekehlen und als sie am Boden lagen, entwaffneten wir sie.

    Inzwischen waren auch der Onkel von Luis und seine beiden Söhne eingetroffen. Die Jungs holten Stricke und fesselten die Beiden.

    Inzwischen war es langsam hell geworden und wir waren neugierig, was die Männer hier gewollt hatten.

    Sagen wollten sie es nicht. Der Ältere verlangte, daß wir sie freilassen sollten. Sie hätten nichts getan und wären nur zufällig vorbeigekommen.

    Einer von Luis` Hunden sprang über den Straßengraben und näherte sich mit gesträubtem Nackenfell dem Schafstall.

    Als wir ihm nachgingen fanden wir die abgezogenen und ausgenommenen Körper zweier Schafe. Die hatten sie an Ort und Stelle geschlachtet. Das Fleisch hatten sie in Plastiksäcken zum Abtransport bereitgelegt.

    Köpfe, Hufe, Eingeweide und Fell hätten sie liegenlassen. Der elfjährige Sohn des Nachbarn kam dazu und fing an zu schreien, als er die Köpfe sah. Nicht weil es sowas noch nie gesehen hatte, sondern weil einer davon der von seinem Schaf Gordita war. Das hatte er mit der Flasche großgezogen und sein Vater hatte ihm versprochen, es nicht zu schlachten.

    Der Junge war kaum zu beruhigen, aber plötzlich wurde er ganz still und ging weg. Bevor wir reagieren konnten, hatte er eine herumliegende Zaunlatte aufgehoben und angefangen, auf die gefesselten Männer einzuschlagen. Sein Vater griff erst ein, als sie eine gehörige Tracht Prügel bekommen hatten.

    Hinter der nächsten Kurve entdeckten wir ihr Motocarga. Auf der Ladefläche lagen noch mehr Säcke und der Kadaver einer kleinen Kuh.

    Wie sich später herausstellte, gehörte die einer entfernteren Nachbarin.

    Wir überliessen die Übeltäter den Nachbarn und gingen nach Hause. Jetzt konnten wir eine Tasse Kaffee und ein Frühstück vertragen.

    Ich ließ den Generator laufen und wir gossen die Pflanzen. Noch war es angenehm kühl.

    Um 11 Uhr holte uns Luis´ Neffe zu einer Nachbarschaftsversammlung.

    Inzwischen hatte sich der nächtliche Vorfall herumgesprochen und bei einigen Leuten lagen die Nerven blank. Sie hatten Angst um ihre Tiere und auch vor Überfällen.

    Was, wenn als nächstes bewaffnete Banden aufs Land kämen?

    Wie hier üblich wurde eine Kommission gebildet und die kam dann recht schnell zu Resultaten.

    Es wurde beschlossen Wachen aufzustellen und Barrikaden aufzubauen. Da nur eine Straße durch unser Barrio führt, kann sie einfach abgesperrt werden.

    Er wurden Autos quergestellt, so daß keiner mehr durchfahren konnte.

    Dann teilten sie Wachen ein und wir waren doch erstaunt, wieviel Material Bélico in den Häusern vorhanden war.

    Durch die Aktivitäten beruhigten sich die Leute auch wieder, als sie feststellten, daß wir nicht ganz so hilflos waren wie gedacht.


    Gegen Abend liessen wir nochmal den Generator laufen und schauten uns zur Abwechslung einen Film an.

    Um 22 Uhr waren wir im Bett und hofften, daß alle ruhig bleiben würde.

    Heute Morgen streikte der Gasherd.

    Eine Überprüfung ergab, daß der Druckminderer den Geist aufgegeben hat.

    Ein Griff in die Ersatzteilkiste reicht und einige Minuten später ist der neue montiert. In der Kiste liegen übrigens nochmal 4 Stück davon, ebenso eine Rolle mit 10 m Schlauch und die dazugehörigen Schlauchschellen.

    Ansonsten hätten wir halt den Brasero aufgestellt und mit Holz oder Holzkohle gearbeitet.


    Der Nachbar kommt wieder vorbei und erzählt uns, daß sie im Radio brachten, daß der Präsident den Notstand ausgerufen und eine strikte Ausgangssperre angeordnet hat. Keiner darf seinen Terreno verlassen. Zuerst hatte es geheissen, die Leute müssten in den Häusern bleiben, aber danach wurde es auf das Verlassen des Grundstücks abgemildert.

    Polizei und Militär würden die Ausgangssperre kontrollieren und durchsetzen.

    Darüber haben wir dann laut und herzlich gelacht.

    Da sollen ca. 14 000 Soldaten und 20 000 Polizisten 7 Millionen Einwohner überwachen und eine Ausgangssperre erzwingen?

    Im Ernst?

    Daß sich niemand an die Ausgangssperre hält sehen wir überall.

    Die Kühe werden wie gewohnt auf die Weide getrieben oder am Straßenrand angebunden, auf den Feldern und in den Gärten wird gearbeitet. Die Leute suchen Brennholz zusammen und einige Nachbarn kommen schon wieder mit ihren Wasserbehältern an.

    Unter ihnen ist einer der beiden Polizisten von unserem kleinen Posten.

    Als ich ihn auf die Ausgangssperre anspreche, grinst er nur.


    Der Neffe des Nachbarn ist mit dem Moto zu ANDE gefahren, um Neuigkeiten wegen des Stromausfalls zu erfahren.

    Sie arbeiten daran, alle Ingenieure und Techniker seien im Einsatz, alle seien zuversichtlich, daß es bald wieder Strom gäbe, blablablabla............


    Am Nachmittag hörten wir das Geräusch eines großen Motors in unserer Nähe. Wir steckten das Material Bélico in die Taschen und gingen nach dem Grund des Lärms schauen.

    Neben dem Turm des Wasserbehälters der Junta stand ein großes Dieselaggregat und versorgte deren Tiefbrunnenpumpe mit Strom.

    Sobald der Behälter gefüllt war, wurden die Anwohner aufgefordert ihre Kanister, Tonnen und Eimer zu füllen. Danach füllten sie den Tank noch einmal und sagten den Leuten, sie sollten sparsam mit dem Wasser umgehen. Außerdem forderten sie sie auf, Diesel zu spenden, sonst gäbe es bald kein Wassesr mehr.

    Die von der Komission teilten Wachen ein, um den Generator zu bewachen. Sie haben ihn als Leihgabe bekommen. Einer von der Junta hat einen Cousin, der für den Gouverneur arbeitet................Vitamin B.


    Wir haben den Generator heute wieder 2 Mal für ca. eine Stunde angeworfen. Die Aires brauchten wir glücklicherweise nicht mehr, denn in der Nacht hat es stark abgekühlt und man kann es auch ohne aushalten.

    Solange er lief, haben wir Brot gebacken und die Pflanzen gegossen.


    In den Städten haben die Plünderungen begonnen.

    Seltsamerweise wurden zuerst die Elektrogeschäfte gestürmt. Die Leute schleppten alles weg, was sie tragen oder anderweitig transportieren konnten.

    Vom Celular bis zum Gefrierschrank war alles dabei.

    Die Supermärkte und Markthallen werden jetzt nicht nur von den privaten Securitys sondern auch von Polizisten und Militärs geschützt. Es gab schon Verletzte und Tote unter den Plünderern.


    Die Armee hat, wie schon während der Hochzeit von Corona, Feldküchen aufgestellt und versorgt so viele Menschen wie möglich mit einfachen Gerichten, gekocht aus den Spenden der Supermärkte und Händler, die alle verderblichen Waren anliefern, solange sie noch genießbar sind.

    Auch diese Lokalitäten werden von Bewaffneten geschützt.

    Zuerst bekommen Kinder, Schwangere und Gebrechliche ihre Ration, dann die Anderen. Tumulte von Unzufriedenen werden mit "schlagenden Argumenten" beendet.


    Was sind wir froh, daß wir auf dem Land leben!

    Vor dem Dunkelwerden spielen wir noch einige Runden Karten, sitzen danach noch eine Weile beim Licht einer Kerze auf dem Balkon, reden und schauen uns den Sternenhimmel an.

    Im Tal unten, wo sonst unzählige Lichter zu sehen sind, ist es stockdunkel.

    Und es ist so still, daß wir das Gefühl haben, wir wären die einzigen Menschen auf der Welt.

    Gegen 22 Uhr gehen wir schlafen.

    Und hoffen, daß morgen der Strom wieder da ist.

    Gestern nochmal 16 kg Maulbeeren dampfentsaftet. 15 Liter Saft davon bekommen.


    Heute den monatlichen Großeinkauf erledigt.

    Kakao, Milchpulver, Zucker, Salz, Tee und Kaffee wieder aufgefüllt.

    2 kg Schweinelendchen und 4 kg Schweinefleisch vom Hinterbein gekauft.

    Mal schauen, was ich damit einkoche.

    Einen Einkaufswagen voll Gemüse an die Kasse geschoben.

    Und auch nicht die "Seelennahrung" vergessen.

    In einem der Super verkaufen sie selbst hergestellte Pralinen und sehr gute süße Stückle.

    Natürlich auch die vierbeinigen Alarmanlagen nicht vergessen.

    Für die kaufte ich eine Großpackung Leckerli. ( ich weiss nicht, wie die auf Deutsch heissen, es sind Knabberstangen aus Haut )

    Machen wir uns nichts vor.

    Wenn der Blackout länger dauert, werden alle Patienten, die auf elektrische Geräte zur Lebenserhaltung angewiesen sind, sterben, sobald auch den Hospitälern der Strom ausgeht.

    Ebenso diejenigen, die eine lebenserhaltende OP brauchen.

    Und sobald die Vorräte an Medikamenten für chronisch Kranke zu Ende gehen, werden auch diese sterben.

    So geschieht es in allen Krisen- und Kriegsgebieten der Erde.

    Und so wird es auch oder gerade bei einem länger andauernden, flächendeckenden Blackout passieren.

    Denn in diesem Szenario ist auch keine Hilfe von außen zu erwarten.

    Heute Morgen weckte uns der Nachbar. Er stand mit seinem Pickup vor unserem Tor und fragte, ob er die Tonnen darauf mit Wasser füllen dürfe. Er überreichte uns einen 5-Liter-Kanister Diesel für den Generator.

    Wir waren noch am Füllen der Fässer, als weitere Nachbarn eintrudeln. Jeder mit größeren oder kleineren Behältern.

    Einige brachten Flaschen mit Diesel mit, andere nicht.

    Alle bekamen ihre Behälter gefüllt.

    Der 20 000-Liter-Tank der örtlichen Wasserversorgung ist schon seit gestern Mittag leer. Ohne Strom läuft die Tiefbrunnenpumpe nicht, einen Generator besitzen sie nicht.

    Solange der Generator für die Wasserpumpe lief, liess ich die Waschmaschine und die Aires laufen. Die Motoren der Kühlgeräte arbeiteten auch.

    Nachmittags half uns der Nachbar dabei, die Maschinen und Werkzeuge von der Werkstatt zum Haus zu schaffen. Wir stellten sie unter den Carport und deckten sie mit Planen ab.

    Die Tochter der Nachbarin, die in einem der Supermärkte in der Stadt arbeitet, erzählte uns, daß die Security-Leute mit knapper Not eine Gruppe Leute am Plündern des Marktes hindern konnten.

    Der Chef liess daraufhin die Türen schließen und als der letzte Kunde draußen war, wurden die Gittertüren geschlossen.

    Der Laden wird geschlossen bleiben, bis es wieder Strom gibt.

    Den Inhalt der Kühltheken und die leicht verderblichen Lebensmittel verschenkte er an die Angestellten.

    Inzwischen machen Gerüchte die Runde, daß der Stromausfall ganz America Latina betreffe. Und dass er wohl noch länger andauern werde.

    Einige behaupten, Hacker hätten die Wasserkraftwerke angegriffen und würden Lösegeld verlangen, damit sie sie wieder freigeben.

    Auch das Gerücht einer oder mehrerer Bomben in den Schaltzentralen der Kraftwerke macht die Runde.

    Manche glauben, daß die Argentinier und die Brasilianer die Kraftwerke besetzt hätten um den Strom nur für ihre Länder zu bekommen.

    Die Mehrheit der Menschen ist aber der Überzeugung, daß wir alle bald wieder Strom haben werden.

    Es ist schließlich nicht das erste Mal, daß Teile des Landes tagelang ohne Elektrizität sind.

    "Tranquilo" ist das Motto.

    Unser Angestellter kommt vorbei und fragt, ob wir ihm den Schubkarren ausleihen können. Er hat Brennholz gemacht und will das heimbringen.

    Er bekommt den Auftrag, vorher die Kühe in den hinteren Teil des Terrenos zu treiben.

    Der Nachbar, der vorne an der Straße wohnt, erzählt uns am Abend, daß Mitarbeiter der ANDE den durchgebrannten Transformator vor dem Oratorio ausgewechselt hätten.

    Das lässt uns hoffen.

    Transformatoren hat der Stromversorger nicht in rauen Mengen auf Lager.

    Wenn die also bei uns auf dem Campo schon einen auswechseln, können nicht allzuviele kaputtgegangen sein.

    Der Nachbar war mit Sohn und Frau zu uns zum Duschen gekommen.

    Wir trinken gemeinsam ein kaltes Bier, bzw. einen Fruchtsaft, unterhalten uns und spekulieren über die Ursachen des Stromausfalls.

    Nachdem sie fort sind, verschliessen wir die Gartentore mit Ketten und Vorhängeschlössern und legen das Material Bélico griffbereit heraus.

    Die Hunde nehmen wir alle mit ins Haus.

    Allerdings erwarten wir keine Probleme, denn unser Haus liegt 500 m von der Straße entfernt, zugänglich nur über einen schmalen Zufahrtsweg, der auf beiden Seiten von Zäunen begrenzt wird und nach 250 m an einem Metalltor endet. Von diesem Tor sind es noch einmal 250 m bis zum Haus.

    Die Meisten denken, das Tor gehört zum Terreno des Nachbarn und versperrt nur den Weg zu seinen Weiden.

    Vor den Nachbarn fürchten wir uns - noch - nicht.