Aalreusen

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Vorwort

Die Aalreuse dient ausschließlich dem Fang von Flussaalen. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen und Formen käuflich zu erwerben, aber man kann sie mit etwas Geschick auch leicht selber herstellen. Für Bilder von käuflichen Aalreuse bitte selber die Suchmaschine bemühen und nach Aalreuse / Eel-trap suchen.

Achtung:
Der Betrieb (nicht der Besitz) einer Aalreuse bedarf in den meisten Ländern einer behördlichen Genehmigung.

Die Funktionsweise einer Aalreuse besteht in einem nach innen laufenden Trichter, durch den die Aale durch Futter angelockt hineinschwimmen und nicht mehr heraus kommen. Wie dabei die Reuse genau aussieht, ist egal. Sie kann genau so gut rund oder eckig sein, langgestreckt oder kompakt. Wichtig ist der Trichter, welche Form er hat und wo er angebracht ist. Die Form und Größe sollte so gewählt sein, das möglichst nur Aale hinein können und das möglichst einfach. Andere Fische wären kein Problem, aber Krabben (Krebse). Insbesondere Wollhandkrabben, welche üble Räuber sind. Nichts ist ärgerlicher, als eine Reuse voller gemästeter Krabben und den Resten von Aalen. Angebracht werden sollte der Trichter bei einer länglichen Reuse an einem (oder beiden) Ende(n) und bei einer kompakten Reuse mittig. Das innenliegende Ende sollte weit genug vom Boden weg sein, da Aale eher am Boden sind und einen höhergelegenen Ausgang schlechter finden. Insbesondere, wenn er klein ist. Das äußere Ende des Trichters sollte möglichst groß sein. Bei runden, langen Reusen ruhig der komplette Durchmesser der Reuse. Das innere Ende muss möglichst klein sein, irgendwo zwischen 4 und 6 cm im Durchmesser. Lässt es sich bewerkstelligen, so kann man die letzten 5 bis 10 cm vom Trichter flexibel machen. Auf diese Art kann dann das Loch nur 3 cm betragen, da es ja bei größeren Aalen nachgibt und nach dem Passieren sich wieder zusammenzieht. Von Vorteil ist auch, wenn das innere Ende vom Trichter scharfkantig ist oder spitze Enden hat. Sowas sollte aber so angeordnet sein, das ein Aal damit erst Probleme bekommt, wenn er versucht den "Rückwärtsgang" einzulegen und er dadurch gezwungen wird nach vorne zu schwimmen.

Unter Survivalbedingungen dürfte Weide das Material der Wahl für die Herstellung einer Aalreuse sein und die Form der Einfachheit halber rund-lang. Da ich vom Bau einer solchen keine Fotos habe, muss eine rein textliche Anleitung genügen. Notfalls halt selber versuchen über die Suchmaschine an Bilder zu kommen.

Zunächst sucht man sich eine gerade Anzahl (je nach geplanter Größe der Reuse 12, 14 oder mehr) von möglichst identischen Ruten von etwa 2 m Länge. Diese werden geschält und ab dort, wo sie zu dick werden, bis zum (dicken) Ende dünner geschnitzt (oder geschabt). Zu dick heißt, wenn sie mehr als 6 bis 8 mm haben. Das dünne Ende lässt man so. Für das Flechten benötigt man noch eine Menge dünnerer Ruten, die am dicken Ende nicht mehr als 5 mm haben sollten. Man könnte sie notfalls auch am dicken Ende dünner Schnitzen, wäre aber viel Mühe. Die langen und dabei sehr dünnen Ruten der Trauerweide gehen sehr gut. Die dünnen Ruten zum Flechten muss man nicht schälen, kann man aber.

Beim Flechten selber fängt man Idealerweise mit dem Trichter an. Ein Stück rundes "Irgendwas" mit dem gewünschten Innendurchmesser erleichtert die Sache ziemlich. Daran bindet man zunächst die spitzen Enden der großen Ruten (schön sauber verteilt) und beginnt mit dem Flechten des Trichters.

Hat der Trichter die gewünschte Form und Größe, entfernt man den "Platzhalter" und fummelt die überstehenden Spitzen zurecht. Dann knickt (nicht bricht) man die großen Ruten über den Trichter, so das dieser dann innen liegt und flechtet den Körper der Reuse. Sowohl Trichter, als euch Körper müssen nicht (sollten nicht) so eng geflochten werden, als ob man einen Korb flechten wollte. Der Trichter sollte aber etwa enger geflochten werden als der Körper. Kommt man zu den letzten 30 bis 40 cm (je nach Durchmesser des Körpers) der großen Ruten, verringert man den Durchmesser des Körpers. Je nach Durchmesser des Körpers werden die letzten 15 bis 20 cm nicht mehr geflochten, sondern mit einer guten Schnur zugebunden. Wobei es keine Lücke geben sollte, die für einen Aal ab einer gewissen Größe groß genug zum Abhauen wäre. „Schnürsenkel“ dürfen ruhig abhauen können. Das zugebundene Ende ist zugleich jenes, durch das man den Fang herausbekommt. Nämlich, in den man es aufbindet und den Fang herausschüttet. Aufpassen, das dabei kein Aal das Weite sucht.

So, und nun gibt es auch ein paar Fotos, nämlich davon, wie ich eine Aalreuse aus Metall anfertige.

Werkzeug:

Benötigt werden nur ein Seitenschneider, eine gebogene Spitzzange und eventuell eine Kombizange

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Die Zangen

Material:

Fertiges, verzinktes Maschengitter wie man es für Kleintierkäfige verwendet. Allerdings das gute und etwas teurere, aus dickerem Material (geschweißt) mit quadratischen Maschen und nicht das dünne geflochtene "Karnickelgitter" mit den sechseckigen Maschen. Sicher, man kann auch das günstigere Zeug nehmen, ist aber nicht so einfach zu verarbeiten und es ist um einiges empfindlicher.

Das Material habe ich mal vor 20 Jahren für den Bau von einem Außenkäfig für meine Frettchen verwendet, und genau so lange steht der Käfig ununterbrochen draußen. Bisher ist an dem Drahtgitter nirgends Verschleiß oder Rost zu sehen. Eine Reuse aus dem Material braucht also nicht zwingend eine Lachschicht. Jedenfalls nicht als Rostschutz ... eher als Tarnung.

Zum Material kann man noch Schlüsselringe und wasserfeste, stabile Schnur für die Befestigung und Lackfarbe rechnen. Wird Lack verwendet, kommt zum Werkzeug noch Rolle oder Pinsel dazu.

Zuschnitt / Größe:

Die fertige Reuse hat einen Durchmesser von etwa 22 cm und eine Länge von 103 cm (also ein eher kleines Modell). Ich gebe hier absichtlich keine genaue Größe an und auch kein Schnittmuster. So kann sich jeder Interessierte die Maße selber aussuchen. Gemessen wird beim Bau auch nichts, man zählt einfach an den Maschen ab (deshalb steht beim Werkzeug auch nicht von Lineal).

Zugeschnitten wird so, das man auf der einen Seite eine (fast) glatte Drahtkante hat, und auf der anderen Seite abstehende Spitzen. Diese abstehenden Spitzen dienen dazu, die Teile der Reuse zu verbinden, in dem sie straff um das Gegenstück gewickelt werden.

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Die Spitzen

Benötigte Bauzeit:

Je nach Geschick und Geschwindigkeit zwischen 6 und 10 Stunden (ohne eine eventuelle Trockenzeit für den Lack).

Bau:

Man sollte nicht versuchen den langen Reusenkörper in einem Stück zu fertigen. Das ist zu unhandlich und zuviel Fummelei. Besser mehrere Stücke von 30 bis 40 cm Länge die man anschließend zusammenfügt, wobei man gleich eine dieser Verbindungen trennbar anlegt. Die dient dann der Bestückung mit Köder und der bequemen Entnahme der Beute. Das Stück, welches man als Ende vorsieht, sollte etwas Länger sein um den Abschluss zu bilden.

Das "schlimmste" Teil beim Bau ist der Trichter und den sollte man gleich zuerst machen. Da das Material quadratischen Maschen hat, ist es einfacher, den Trichter auch etwas "eckig", oder genauer, stufenförmig zu machen. Mein Trichter hat den genannten Durchmesser von etwa 22 cm und ist 25 cm hoch. Die letzten 9 cm sind nicht miteinander verbundene Stege, damit der Durchlass flexibel ist. Die an den Schweißpunkten überstehenden, kurzen "Spitzen" sind dabei ausreichend, um einen Aal weitgehend von Rückzieher abzuhalten.

Wer beabsichtigt seine Reuse zu lackieren, sollte den Trichter vor dem Biegen der flexiblen Spitze lackieren und die Spitze nach dem Trocknen zurechtbiegen. Das verhindert, das der Lack eventuell die Steg verklebt. Wegen der einfacheren Handhabbarkeit habe ich den Trichter aus zwei Streifen gefertigt (spart auch Material, weil nicht so viel Verschnitt anfällt). Der längere Streifen bildet die beiden ersten Stufen und der kürzere Streifen die Spitze. Zum Abschluss das Gebilde vorsichtig so hindrücken, das es möglichst rund ist.

Das Herstellen der Teile für den Körper ist geradezu ein Kinderspiel. Man muss ja nur jeweils eine "Naht" herstellen und die Teile so hindrücken, das sie möglichst rund sind.

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Ein fertiges Stück | Der eingebaute Trichter

Aus der längsten "Röhre" macht man das Ende der Reuse, in dem man ähnlich wie beim Trichter die Maschen zurechtschneidet, biegt und verbindet. Nur eben mit dem Unterschied, das es dicht ist. Man kann das Ende flach machen, oder mehr oder weniger stark nach außen gewölbt. Wie auf dem Bild zusehen ist, ist mein Ende etwas nach außen gewölbt.

010 Ende.jpg

Das Ende der Reuse

Nun muss man die Einzelteile nur noch untereinander verbinden. Idealerweise ein Stück Röhre mit dem Trichter (da kommt man besser an den Trichter heran, falls man mal an den flexiblen Enden heran muss) und die Restlichen mit dem Ende. Das Trichterstück und den Rest verbindet man dann mit Schnur oder Kabelbinder, so das man dort die Reuse auseinander nehmen / öffnen kann.

Nun noch an drei Punkten Schlüsselringe einhängen, einen am Ende und zwei in der Mitte. Die in der Mitte mit etwas Schnur verbinden und an diese wiederum eine längere Schnur anbringen. Der am Ende ist um sie bei Nichtgebrauch sicher aufzuhängen.

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Die fertige Reuse, (noch) ohne Schnur und Köderbox

Ach ja, da die Reuse aus Metall ist, braucht sie in stehendem oder nur schwach strömenden Gewässer kein Gewicht. Ist die Strömung stärker, befestigt man einfach ein paar Angelbleie oder ähnliches. Geht am Einfachsten, in dem man jeweils ein Blei mit etwas Angelschnur an einem Wirbel befestigt und diese dann bei Bedarf innen in der Reuse einhängt.

Köder:

Natürlich gehen die Aale nicht aus Spaß in die Reuse, dazu brauchen sie einen besseren Grund. Das Zauberwort heißt Köder und zwar einer den man in der Reuse befestigt und vorzugsweise so, das er keine Außenwand berührt. Das erreicht man dadurch, das man den Köder an (mindestens) zwei gegenüberliegenden Punkten in der Reuse befestigt. Und zwar nicht zu dicht am Eingang. Als Köder bietet sich alles an, was Aale mögen (z.B. Würmer, Schnecken, Fisch ...) und es muss auch nicht viel sein. Man muss es halt nur in der Reuse befestigen können und am Abhauen hindern (und möglichst so, das nicht gleich der erste Aal in der Reuse alles frist bevor sich andere einfinden). Würmer und Schnecken kann man dazu z.B. auf eine Schnur oder Drahtring fädeln (siehe auch Pöddern). Nützlich, insbesondere bei strömendem Gewässer, kann auch eine Duftspur sein. So eine Duftspur bekommt man, in dem man z.B. mit Wasser oder Milch zu einem festen Klumpen verknetetes Paniermehl mit einem kleinen Drahtkorb in die Reuse hängt (zusätzlich zum Köder). Der Klumpen löst sich langsam auf und verteilt sich als Lockstoff. Auch wenn Paniermehl nicht gerade der Renner für Aale ist, so lockt es doch eine Menge anderer Fische an, auch kleinere. Viele Fische auf einem Haufen könnte Futter bedeuten, also kommen auch Aale vorbei.

Tipps:

Mit Feuchtigkeit und Hitze kann man Holz leichter in ein Form biegen. Es erleichtert z.B. das recht starke Abknicken vom Trichter zum Körper.

Holz hat die Eigenschaft gut zu schwimmen, was bei einer Reuse wenig Sinn macht. Lose hineingeworfene Steine beheben zwar das Problem an sich, verteilen sich aber gerne an einem Ende. Abhilfe schafft man dadurch, das man Steine (oder anders Gewicht) beim Flechten innen gut verteilt befestigt, oder an der fertigen Reuse außen.

Eine Reuse möglichst nie einfach so irgendwo ins Wasser werfen. Schließlich soll sie da ja mehrere Stunden oder gar Tag bleiben. Also festbinden oder durch in den Boden gerammte Stäbe sichern.

Selbstgefertigte Reusen machen Mühe bei der Herstellung und sie sind höchst selten aus dauerhaftem Plastik. Man sollte man ihnen (besonders wenn sie aus Naturmaterial sind) regelmäßig Pausen gönnen, in denen sie gewartet werden und trocknen können. Das verlängert die Lebensdauer erheblich. Sollen sie nicht nur ab und zu benutzt werden, sondern dauerhaft für Futter sorgen, sollte man mehrer anfertigen. Je nach Bedarf 1 bis 3 (oder mehr) im Wasser und mindestens die gleiche Anzahl in Reserve / Ruhepause.

Reusen für andere Wasserbewohner funktionieren nach dem gleichen Prinzip, nur die Form ist eine Andere (der gewünschten Beute angepasst).

Reusen jedweder Art lohnen im Survivalfall aber nur, wenn man für länger Zeit am gleichen Ort verbleibt. Oder die Möglichkeit hat, sie beim Ortswechsel mitzuschleppen. Sie bieten sich bei mobilen Leute besonders an, wenn sie per Boot oder Floß unterwegs sind. Leichter Transport und wenn man "vor Anker" geht, legt man sie aus.

Und:

Für Reusen gilt (sollte gelten) das Gleiche wie für alle Arten von Fallen, nämlich (möglichst) täglich kontrollieren.

Eine Alternative zur Aalreuse ist das Pöddern, besonders wenn das Material zur Reuse fehlt, man es nur ab und zu macht und es schnell gehen muss (z.B. unter Umständen ein schneller Ortswechsel nötig sein könnte).

Aale sind übrigens Räuber (nicht Aasfresser wie oft fälschlich behauptet) und sie jagen überwiegend in der Dämmerung / nachts und das meist in Ufernähe. Außerdem ist ihre Nase besser als ihre Augen.

Pöddern

Pöddern ist ziemlich einfach. Einfach 20 bis 40 große Tauwürmer der Länge nach auf einen Wollfaden fädeln, um die Hand wickeln und das Knäuel an eine stabile, nicht zu dicke Schnur knoten. Wenn vorhanden, das ganze an einen etwa 2 m langen Stock binden. Das Knäuel ins Wasser werfen und darauf achten, das man immer Fühlung zum Knäuel hat. Die Fühlung ist wichtig, damit man das Beißen sofort merkt. Die Aale bleiben mit ihren feinen Zähnen an der Wolle hängen (allerdings nicht sehr lange) und werden mit einer zügigen (nicht ruckartigen) Bewegung aus dem Wasser befördert. Idealerweise sollte man dafür sorgen, das die Aale über einer Stelle abfallen, wo man sie sicher hat. Also Eimer, Decke, Sandfläche, Boot ...

Alternativ kann man zum Wollfaden einen Damenstrumpf (Nylons) nehmen. Hier genügt es, die Würmer (20 bis 30 genügen) in den Strumpf zu stopfen und das Ganze wie gehabt an Schnur und Stock zu binden.

Wizard

Autor: Wizard

Quelle: http://www.yggdrasil-forum.at/wiki/index.php/Aalreusen