Der Schmiedeschraubstock

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Vorwort

Der Schraubstock ist die „dritte Hand“ des Handwerkers. Eine Werkstatt ohne Schraubstock ist nur ein Schuppen mit einer Ansammlung von Werkzeugen. Leider muss ich oft sehen, dass viele „Handwerker“ ihren Schraubstock, wie auch ihr Handwerkszeug nicht pflegen. Sie schmieren und fetten sie nicht und wundern sich, warum alles „so schwer“ geht und dass das Arbeiten keinen Spaß macht. Es ist genau wie bei Messern. Ein stumpfes Messer schneidet nicht, eine stumpfe Axt hackt nur schlecht und Bohrer, die nicht scharf sind, bohren nicht. Auch wenn das Werkzeug uralt und nicht ansehnlich ist (nicht chromglänzend oder feuerwehrrot angestrichen ist) müssen Werkzeuge gepflegt werden. "Öl tut Wunder, da dreht sich mancher Plunder." Ein alter Schlosserspruch, der viel Wahrheit enthält.

Der Schraubstock

Grundsätzlich kann man 3 Schraubstockarten voneinander unterscheiden. Der Elektronikerschraubstock (ein sehr kleiner Schraubstock zum Festhalten von wirklich kleinen Sachen). Der Werkstatt- oder Schlosserschraubstock (der weit verbreiteteste in jeglicher Größe). Und der Schmiedeschraubstock, der ebenfalls in jeder erdenklichen Größe produziert wurde und noch produziert wird.

Der Schmiedeschraubstock

Ein mittlerer und kleiner Schmiedeschraubstock kann einen Schlosserschraubstock locker ersetzten. Er ist sogar etwas besser geeignet, da er sich außerhalb der Werkbank befindet und das zu bearbeitende Werkstück besser zu erreichen ist. Nachteil ist, dass er somit etwas mehr Platz benötigt, der im Hobbykeller oder im Werkstattschuppen aber oft rar ist.

Neue Schraubstöcke sind sehr teuer und zumindest für den Autor unerschwinglich. Selbst auf Auktionsplattformen kann man diese nur selten für einen vernünftigen Preis erwerben. Wenn man aber wachen Auges durchs Leben geht und nicht nur stur auf seinen Weg starrt, kann man wie ich etwas Glück haben und einen alten, verrosteten - kurz "Schrott“ für unter 10€ erwerben. Tipp: einfach anklingeln, sich vorstellen mit Vor- und Zunamen, und sagen, dass man dies oder das klasse findet und fragen, ob er oder sie es verkauft. Wenn er meint "ja, verkaufe ich dir", nennst du einen günstigen Preis und schlägst per Handschlag ein. (ich wohne in einer kleinen Stadt und der Handschlag ist zwar nicht mehr üblich, aber es besiegelt das Geschäft). Man sagt nach dem Kauf höflich Danke und verabschiedet sich.

Für viele ist so etwas nur Schrott siehe Abbildung 01. Für den geneigten Handwerker ist es Gold.

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Aufarbeiten & Gangbarmachen

Die folgenden Schritte gelten für alle Uralt-Technik, die man gemeinhin als „Schrott“ bezeichnet. Viele Dinge, die man auf diese Art erwirbt, müssen erst einmal aufgearbeitet werden. Ich habe schon sehr oft uralte Schrott-Technik aufgearbeitet, und es ist immer wieder spannend zu sehen, wie sich ein Klumpen Rost in etwas Schönes und Brauchbares verwandelt. Abbildung 02 der Schraubstock in einem erbarmungswürdigen Zustand. Hier hat der Vorbesitzer eindeutig das Ölen und Fetten vergessen. Meist ist dieser Rost nur oberflächlich, da es sich um „guten Stahl“ und Gusseisen handelt. Bei normalem Eisen frisst sich der Rost tief ins Material und sprengt ganze Rostschollen ab.

Bevor man beginnt, muss man schauen, ob das gesamte „Gerät“ trocken ist. Bei Nässe kann das Öl nichts bewirken.

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  • 1. säubert man mit einer Drahtbürste alle Schrauben und Muttern
  • 2. ölt man alle Schrauben & Muttern gut ein (optimal sind rostfressende Öle, die Rost unterkriechen können z.B. Schraubenspray)
  • 3. nachdem dies gemacht wurde, kann man einen Kaffee trinken gehen, da das Einziehen des Öls in die Ritzen der Schrauben etwas dauert.

Meistens bewegt sich die „bewegliche Backe“ des Schraubstocks keinen Millimeter. Jetzt mit einem Hammer zu arbeiten ist grundsätzlich falsch! Man nimmt eine kleine Brechstange und hebelt es vorsichtig auf. Es ist kontraproduktiv bei den Schrauben und Muttern mit sinnloser Gewalt zu arbeiten. Auch dicke Schrauben können brechen oder sich abscheren!

Vorsichtig und mit dosierter Kraft (und mit dem geeigneten Werkzeug versteht sich) bekommt man jede Mutter los. Der gesamte Schraubstock wird so komplett zerlegt.

Wenn dies geschafft ist, wird jedes Teil etwas mit einer Drahtbüste gereinigt, so dass nur die oberer Schicht des Rost gelöst wird. Jedes Teil wird gut eingeölt. Teilweise zwei bis dreimal nachölen, da das Metall sehr „durstig“ ist und viel Öl aufnehmen kann.

Die Spindel wird von altem und harten Fett befreit und neu gefettet (Abbildung 07). Alte Werkstattregel: Im Zweifelsfall: FETTEN. Je mehr, umso besser.

Wenn alle Teile sauber sind und keine Schäden vorliegen, wird alles nach und nach zusammengebaut. Schrauben und Muttern werden ebenfalls gut mit Maschinenfett versehen, bevor sie zusammenschraubt werden.

Kleine, aber wichtige Begebenheit am Rande

Beim Zerlegen fand ich eine kleine Blattfeder im „Systemkasten“ (Abbildung 05 „Systemkasten“ darüber liegt die Feder). Sie war verklemmt und hatte sehr viel Schmutz gesammelt. Ich musste lange überlegen, wie sie ursprünglich befestigt wurde, um die Backen beim Öffnen auseinander zu drücken. Nach längeren Ausprobieren (zerlegen & Zusammenbau, immer wieder) hat sich herausgestellt, dass sie mit an dem Schraubstockhalter (Lochplatte) befestigt werden muss. Sie wird einfach mit eingeklemmt, wenn man den Schaubstockhalter befestigt. Einfach und einfach nur genial oder genial einfach! Ich vermute, dass der Vorbesitzer beim Umsetzen des Schraubstocks die beiden Muttern der Lochplatte gelöst hatte und dabei die Feder in den Systemkasten gefallen war.

Transportabler Schraubstock

Der fertige und funktionierende Schraubstock kann nun an der Werkbank montiert werden. Da ich einen Schraubstock benötige, der noch „transportabel“ ist, sucht man sich ein ausreichend großen Holzklotz (Abbildung 09). Dieser wird mit einem einfachen Spaten von der Rinde befreit (Abbildung 10) (sollte man immer machen auch beim „Hackeklosch“). Da der Schraubstock recht schwer ist und er den Holzklotz umzuwerfen droht, montiert man zwei stabile Bretter unter (Abbildung 11).

Ist der Holzklotz mit „zwei Füßen“ versehen, kann man den Schraubstock mit min. 8 mm langen Wienerschrauben + Unterlegscheiben befestigen. Man bohrt so klein wie möglich vor, da man in die Hirnseite von Holz nur schlecht schrauben kann. Danach biegt man sich eine große Krampe (Abbildung 13) (einen großer Nagel oder einem Stück passenden Rundeisen) und sichert den „Ausleger“ damit (Abbildung 12 unten).

Obwohl die „Fußbretter“ (Abbildung 11) von sich aus gegen Fäulnis resistent sind, werden sie trotzdem mit altem Speiseöl eingestrichen. Dies wird nach der Montage auch mit dem Holzklotz gemacht, um ihn vor Feuchtigkeit und Schimmel zu bewahren.

Öle und Fette

Noch etwas zum Thema Öle und Fette. Leider wird regelmäßig versäumt, Gerätschaften aus Holz und Stahl zu ölen. Es schützt nicht nur vor Feuchtigkeit und Oxidation. Eine gut geölte und gefettete Gerätschaft kann leichter gereinigt werden.

Speiseöl
kann zum Ölen von Holz und zum Ölen von Metalloberflächen genutzt werden. Es zieht ein und verharzt. Es bildet eine lackartige, zähe, leicht schmierige Oberfläche.

Rindertalg
ist für Metalloberflächen und sehr gut für Schraubengewinde geeignet.

Maschinenfett
für Gewinde und Spindeln

Maschinenöl
für Metalloberflächen, Gewinde & Getriebe

Beim Schmiedeschraubstock konnte man gut beobachten, wie das Öl eingezogen wurde, es bildet mit der Oxidschicht eine Art zähe Lackschicht. Es sah so aus, als ob irgendeine chemische Reaktion ablief und sich das flüssige Öl verfestigte.

Autor & Lizenz

Autor: André Pohle

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