Folien schweissen

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Folien schweissen - Allgemeines

Folienschweissen ist das Verschmelzen (Verbinden) von zwei Lagen Folie mittels einer Schweißnaht auf eine Weise, dass die beiden Folien-Lagen nicht ohne Beschädigung von einander zu trennen sind. Beim Verpacken wird von dieser Technik Gebrauch gemacht, um z.B. die Öffnung, die Seiten oder den Boden eines Beutels zu verschließen. Folienbeutel für Pulver, „Tischdecken“ im pharma. Bereich, Duschvorhang, Folie fürs Frühbeet, Folie für den Solartrockner usw. - es gibt bestimmt tausend Dinge die man aus alten Tüten und Folie herstellen kann. Bleibt nur noch die Frage, was alles zu einer guten Schweißnaht gehört.

Folienmaterial

Alle thermoplastischen Folien, insbesondere PP- (Polypropylen) und PE- (Polyethylen) Folien (meistverwandtes Material für Tragetaschen, Müllbeutel, Abdeckfolien, usw.) da diese Lösungsmittelbeständig sind kann man verschweissen. Polyethylen ist durch seine hohe Beständigkeit gegen Säuren, Laugen und Chemikalien sehr langlebig und nicht natürlich abbaubar. Durch Sonneneinstrahlung kann PE spröde werden und zerfällt dann in immer kleinere Teile, wird jedoch nicht von Bakterien, Tieren oder Pflanzen in den natürlichen Kreislauf integriert. Eine Folie aus PVC kann man (leicht) feststellen, in dem man etwas Aceton auf einen Lappen gibt und über die Folie reibt;  verschmiert die Oberfläche, dann ist es PVC. PVC-Folie wird „kalt“ verschweisst und zwar mit einem lösemittelhaltigen Kleber.

Gebrauchte Tüten:

Man schneidet die Schweißnähte z.B. von Tüten ab. So erhält man viereckige einlagige Kunststofffolien. Wenn man die Folie entsprechend groß schneidet und dann faltet, erspart man sich eine Seite zu schweißen. Nicht gleich mit einem Plastikbeutel (zum Verpacken) beginnen – zuerst Generalprobe, dann Uraufführung!. Die richtige Schmelztemperatur, -anpressdruck und -dauer ist eine „trial and error“ (Versuch und Irrtum)-Angelegenheit und „error" bedeutet in diesem Fall verschmolzene Schweißstellen mit einem Loch. Im Bereich der Schweißnaht muss die Folie sauber, trocken, öl- und fettfrei sein: Staub jeder Art und Öle verhindern einen Verbund der beiden Folienseiten! Die Schweißstellen mit einem trockenen Tuch abwischen

Draht (Fahrradspeiche)-Methode

Materialien:

  • Hygienisch, saubere „Lebensmittelechte“ Folie (PE, PP) [Malerfolie].
  • Stabiler Draht (Fahrradspeiche, Schweissdraht) gebogen zu einem „L“,

„Pizzaroller“ - Teigrad, (Kohle-)Bügeleisen.

  • Kerze und Feuerzeug als Wärmequelle.
  • Alu-Folie (z.B. Schokolade [nicht Milka]), Backpapier.
  • Stabile, glatte Unterlage.
  • Schere oder Messer mit schnittsicherer Unterlage.
  • Evtl. Lineal, Meterstab und Stift.
  • Strohhalm für die Dichtigkeitsprüfung.

Die richtige Schweißzeit: Die Schweißzeit darf nur so hoch sein, wie es zur Erzielung einer guten Schweißnaht erforderlich ist. Ausreichend Zeit zum Abkühlen des Materials: Nur so kann eine gute Schweißnaht erzielt werden. Der richtige Anpressdruck: Damit das Folienmaterial unter Druck verschmolzen wird. Den Draht immer wieder mit einem Lappen von Russ der Kerzeflamme befreien. Der Russ isoliert sonst den Draht  keine ausreichende Hitze von der Kerze auf den Draht sowie vom Draht auf die Alufolie  schlechte Schweissnähte. Den Draht immer senkrecht nach unten drücken. Vorsicht, nicht verrutschen, sonst reisst u.U. die Alufolie und der heisse Draht schmilzt ein Loch in die Kunststofffolie. Dickere Folie braucht eine etwas höhere Temperatur, einen längeren Anpressdauer und einen höheren Anpressdruck. Am Besten fängt man mit einer niedrigen Temperatur, einer kurzen Anpressdauer und einem schwachen Anpressdruck an und tastet sich an das optimale Schweissergebnis heran.

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Folienschweissen - 2 Brett-Methode

Materialien:

  • Hygienisch, saubere „Lebensmittelechte“ Folie (PE, PP) [Malerfolie].
  • 2 stabile Holzbrettchen (möglichst Hartholz).
  • Kerze und Feuerzeug als Wärmequelle.
  • Stabile, glatte Unterlage.
  • Schere oder Messer mit schnittsicherer Unterlage.
  • Evtl. Lineal, Meterstab und Stift.
  • Strohhalm für die Dichtigkeitsprüfung.

Die saubere Folie entsprechend schneiden und falten. Eine Unterlage (z.B. Blatt Papier) auf die Arbeitsfläche legen, manchmal tropft etwas Folienschmelze herunter. Die beiden Holzleisten müssen Plan aufeinander liegen. Wenn nicht, rumdrehen. Lieber hat das Holz an den Leistenenden etwas Spiel. An diesen Leistenenden werden die Hölzer sowieso von Hand zusammengepresst. Zwischen die beiden Hölzer die Folie spannen. Die Folie sollte an der Schweisstelle 0,5 - 1,0 cm über die Hölzer stehen. Je kleiner der Überstand ist desto schwächer wird die Schweissnaht. Je grösser der Überstand ist desto grösser ist die Gefahr das die Folie (unkontrolliert) anfängt zu brennen. Links und rechts je mit Daumen und Zeigefinger die Holzenden zusammenpressen. Von hinten an die Kerze hergehen. Somit sieht man besser das Schweissergebnis. Langsam mit gleichmässiger Geschwindigkeit und Abstand an der Kerzenflamme die Folie vorbeifahren. Die Folie schmilzt nur bis zum den Holzleisten. Direkt nach dem Schweissvorgang die Holzleisten auf die gesamte Länge zusammendrücken. Nach dem Schweissvorgang die beiden Hölzer nicht sofort trennen, sonst reisst man u.U. die noch warme / weiche Schweissnaht wieder auseinander. Immer wieder die Schmelzreste vom Holzbrett abkratzen. Sonst gibt es an dieser Stelle keine gute Schweissnaht. Anschliessend Dichtigkeitsprüfung mit Strohhalm durchführen.

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Luxusausführung:

Im oberen, linken Bild (Material überprüfen..) sieht man auf der linken Seite 2 Leisten die mit Schrauben und Flügelmuttern an den Leistenenden zusammengehalten werden. Somit kann man mit einer Hand die Holzbrettchen mit der dazwischen geklemmten Folie halten und mit der anderen Hand die Kerze oder das Feuerzeug.

Folienschweissen - Weitere Möglichkeiten

Alternativ kann man auch einen Pizzaroller, schmalen Messerrücken u.ä. nehmen: einfach erhitzen und auch mit Hilfe von über Alufolie den Kunststoff verschweissen. Bügeleisen: Rand/Kante - Alufolie Stilecht natürlich ein Holz-/Kohlebügeleisen bzw. Plätteisen. Kerzen-Methode

Wenn man gar nichts hat an Hilfsmitteln tut es auch ein Feuerzeug oder eine Kerze.

Da gibt es dann zwei Möglichkeiten:

1. Die Kunststofffolie so aufeinander legen, dass die Folie genau übereinander liegt. Links und rechts je mit Daumen und Zeigefinger greifen und auf Spannung halten damit die Folie aufeinander liegt. Dann mit der Folienkante langsam an der Flamme „vorbei fahren", nicht direkt in die Flamme halten, nur so nah das der Kunststoff schmilzt. Wenn die beiden Kunststofflagen auseinander gehen, beim Schmelzen kurz mit Daumen und Zeigefinger zusammen drücken.

2. Wie bei (1.) die Folien übereinander legen, aber nun einmal nach oben umfalzen. Dann diesen Falz an der Flamme entlang führen. Man benötigt für diese Methode aber zwei sehr ruhige Hände! Die Draht-Methode eignet sich für Beutel, Flächenverschweissungen [Folie für Frühbeet, Solartrockner] und Folienverschweissungen (siehe unten rechts) am Stück. Alle anderen Methoden eignen sich nur für die Beutelherstellung. Für Solartrockner kann man transparente Beutel und Säcke aufschneiden und auf Fläche verschweissen.

Autor: epwin