Gerben

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Gerben nach Steinzeitart:

Zum Entfernen der Haare, wenn erwünscht ... Die Felle mit einem Brei aus Wasser und Asche enthaaren, in dem man die Felle in dem Brei liegen lässt, bis sich die Haare problemlos herausziehen lassen. Der Vorgang dauert etwa ein bis zwei Wochen, je nach Witterung. Nach dieser Prozedur wird die Haut gründlich gesäubert und geschabt. Beim Säubern müssen alle Haare, sämtliches Fettgewebe und sonstige Verunreinigungen entfernt werden. Durch das Schaben öffnen sich die Poren in der Haut und sie nimmt dadurch die Gerbstoffe besser auf. Das eigentliche Gerben geschieht mit einem Brei aus dem Gehirn eines Tieres, dass mit Wasser aufgekocht wurde. Dieser Brei wird gründlich von beiden Seiten in die Haut eingerieben und einmassiert. Anschließend wird die Haut auf einen Rahmen gespannt und für eine Woche im Freien aufgespannt und anschließend vorsichtig über einem schwachen Feuer geräuchert, um wasserabweisend zu werden. Am Schluss muss man die Haut nur noch walken und strecken, bis es geschmeidig ist. Das Leder ist dann fertig zur Verarbeitung, sieht gut aus, ist je nach Ursprung (Tier) sogar recht stabil und riecht angenehm. Da bei Karnickeln wohl eher die Haare dranbleiben sollen, die Haut bald nach dem Abziehen auf einen Rahmen aufspannen und schaben (nur innen). Dann wie beschrieben das Hirn aufkochen und abkühlen lassen. Ist der Brei handwarm, das Fell reinschmeißen (natürlich ohne den Rahmen) und alles gründlich durchkneten, damit die Masse sich gut in die Haut einarbeitet. Muss das Fell nicht unbedingt wasserabweisend sein, braucht man nicht räuchern.

weitere Gerbungsarten:

Man nehme: einen Fellspender, also Hase, Kaninchen, Sau, Reh, Hirsch, wenn erhältlich auch Bär, Wolf, u.ä. empfehlen. Wenn das Tier noch nicht aus der Decke geschlagen ist (weidmännischer Fachaudruck für abhäuten g), dann sollte man das vorher tun. Rundschnitt um Hals (hinter den Ohren anfangen), Vorder- und Hinterläufe und After, dann wird am Bauch vom Hals bis zum Heck ein langer Schnitt geführt und die Haut abgezogen. Kleine Tiere wie Hasen kann man dazu an den Hinterläufen aufhängen. Größere Tiere werden mit einem Haken am Kopf aufgehängt. Hat man die Beute ausgezogen, wirft man sie weg oder in den Topf. Das Fell wird - sofern es nicht innerhalb kürzester Zeit bearbeitet werden kann (± 2 Stunden) in einen Eimer kaltes Wasser gelegt und mit Steinen beschwert, hält man Fliegen und anderes Ungeziefer ab. Das Fell muß mindestens zwei Stunden bis max. 1 Tag eingeweicht werden, damit die Haare und die Hautschicht, auf der die Haare sitzen aufquillt und leichter entfernt werden kann. Jetzt braucht man einen ca. 25-30 cm durchmessenden entrindeten Stamm aus glattem Hartholz, den man mit einer Seite auf einen Bock aus Ästen oder Brettern stellt - Astgabel in der richtigen Höhe tut's auch. Sieht etwa so aus. Das obere Ende des Stammes sollte auf Nabelhöhe sein. Das bodenseitige Ende kann man mit ein paar Steinen beschweren. Als nächstes wird die Fleischseite von Fleischresten befreit. Wer beim Abhäuten unsauber gearbeitet hat, findet noch genug Fleisch für Hund, Katze oder Eintopf zum Abschaben. Abgeschabt wird mit einem Zugmesser, wenn vorhanden. Ein normales Jagdmesser oder ein Schaber, den man sich aus einem Stein zurechtgehämmert hat, tut's auch. Unerfahrene nehmen erstmal die stumpfe Seite vom Zugmesser, damit man nicht gleich von Anfang an Löcher in die Haut schneidet. Bei dieser Arbeit finden sich erfahrungsgemäß eine ganze Menge Fliegen und Wespen als Zuschauer ein. Ist das Fleisch entfernt, kann man das Fell nochmal wässern (bitte frisches, kaltes Wasser - nie warmes Wasser) oder gleich anfangen die Haare abzuschaben. Wer viel Zeit und Holzasche aus einem Lagerfeuer hat, kann einen Brei mit Wasser anrühren und das auf Fell- und Fleischseite schmieren. Das hilft ungemein beim Ablösen der Haare und bereitet die Haut vor, so daß das Gerbmittel später besser eindringen kann. Der Aschenbrei sollte 1-2 Wochen Zeit haben, um sein Werk zu tun, aber ein paar wenige Stunden reichen auch schon um die Arbeit zu erleichtern. Wer nicht so lange Zeit hat, der kann gleich anfangen, die Haare mit der stumpfen Seite seines Zugmessers rauszurupfen. Ist zwar etwas mühsam, aber in ordentlicher Zeit zu schaffen. So eine Rehhaut zu enthaaren dauert mehrere Stunden - je nach Größe des Tieres. Mein Reh war eher klein und die Haare waren nach knapp 4 Stunden runter. Tipp: Man fängt mit dem Enthaaren am Halsstück an und geht immer mit dem Strich, wenn möglich. Am Hals ist die Haut am dicksten, am Hinterteil am dünnsten. Dort macht man dann beim Enthaaren auch am ehesten Löcher rein. Also vorsichtig - man will die Haut ja nicht versauen! Sind die Haare vollständig entfernt - auch an den Rändern - dann wird die Haut mehrmals mit kaltem Wasser und Seife (Neutralreiniger geht auch) gewaschen. Die saubere Haut wird dann inspiziert, ob man vielleicht eine Stelle mit Haaren vergessen hat oder ob auf der Fleischseite evtl. noch Reste sind. Wenn alles passt, dann wird die Haut ausgewrungen, bis sie nur noch die Feuchtigkeit von einem leicht feuchten Handtuch hat. Dabei kann man ruhig grob sein - die Haut ist ungeheuer zäh und reißt nicht. Am besten nützt man die Hebelwirkung eines Stockes, wie z.B. bei einem Knebelverband. So - jetzt wird es eklig ggg. Für den nächsten Schritt braucht es nämlich Hirn. Man besorgt sich Hirnmasse von einem beliebigen toten Tier. Das Hirn wird in einem Topf schön warmgemacht. Gut handwarm reicht - nicht kochen, das schädigt die Stoffe, die man zum Gerben braucht. Hat man das Hirn schön warm und dickflüssig, dann breitet man die Haut auf einem möglichst sauberen Untergrund aus und verteilt ein paar Handvoll Hirnsuppe auf der Fläche. Das wird jetzt auf beiden Seiten der Haut gründlich und kräftig einmassiert. 10-15 Minuten pro Seite dauert das z.B. bei einer Reh-Haut. Ist der Grips einmassiert, dann füllt man einen Eimer mit 4-8 Litern gut handwarmem Wasser, kippt den Rest vom Hirn (ist doch hoffentlich noch was übrig?) da rein und verrührt das Ganze gründlich. Die gut massierte Haut landet ebenfalls in diesem Eimer. Deckel drauf, falls vorhanden, sonst muß man am nächsten Morgen eine dicke Schicht Fliegen abschöpfen. Wer sich eine Winterjacke machen will, der schmiert das Hirn nur auf die Fleischseite und lässt das Fell auf der anderen Seite dran. Die Haut in der Hirnsuppe lässt man jetzt 8-24 Stunden stehen.

Am nächsten Tag fängt die wirklich anstrengende Arbeit an. Hat man ein großes Fell, dann spannt man es in einen Rahmen. Dazu werden in die Haut, ca. 1cm vom Rand entfernt, in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen kleine Löcher gestochen und Schnüre durchgefädelt. Mit diesen Schnüren wird die Haut so regelmäßig wie möglich ins Rack gespannt. Dann nimmt man einen Baseballschläger, Besenstiel o.ä. kurz vor dem runden Ende und fängt an die Haut von oben nach unten, links nach rechts, schräg oben nach schräg unten, kräftig zu bearbeiten. Nein ... doch nicht hauen ... walken! Die Idee ist, daß die einzelnen Hautfasern gebrochen werden müssen, damit sie nicht zusammenkleben. Werkzeug also kräftig in die Haut drücken und nach unten ziehen - von allen Seiten. Wer die Haut zwischen zwei Bäume spannen kann ist fein raus und kann von beiden Seiten arbeiten. Wer nur eine kleine Haut hat - und die werden beim Bearbeiten trocken und schrumpfen auf einen Bruchteil der ursprünglichen Größe - der muß eine andere Methode bemühen. Man bindet an einen Baum eine kräftige Schnur oben über Kopfhöhe und das andere Ende etwa in Kniehöhe. Nicht straff spannen, etwa einen halben Meter Abstand von Schnur und Baum brauchen wir. An diese Schur hängen wir jetzt unsere Haut und ziehen sie kräftig von allen Seiten durch. Die Ränder trocknen als erstes und müssen hin und wieder leicht befeuchtet werden. Jeder weiß, wie sich ein Fensterleder oder ein Stück Wildleder anfühlt - etwa da müssen wir hin. Die Haut wird also ständig kräftig um die Schnur herumgezogen, immer wieder auseinandergezogen und in alle Richtungen gezerrt. Nicht zu zaghaft dabei vorgehen - die Haut ist zäh. Bei dieser Art Bearbeitung wird sie immer trockener. Wenn wir nach dieser Behandlung ein rundum geschmeidiges Leder ohne harte Stellen oder transparente Rohlederecken (oft an den Rändern - lässt sich allerdings am Anfang kaum vermeiden) haben, dann sind wir fast fertig. Zeitaufwand für diese Prozedur: Kaninchenfell ca. 4 Stunden, Rehfell 8-10 Stunden, je größer die Haut, desto länger dauert es. Zum Schluß muß das gute Stück geräuchert werden. Das hält das Ungeziefer und Bakterien fern, gibt eine schöne hellgelbe Farbe und macht das Leder in Maßen wasserabweisend. Man macht am besten ein kräftiges Feuer aus Buchenholz, bis man eine ordentliche Glutfläche hat und schmeißt da größere Mengen frisches Gras oder grünes Holz drauf. Der Rauch sollte schön dicht sein. Damit der Rauch nicht einfach vom Wind davongetragen wird und unser Leder nichts davon abbekommt, kann man das in einer Räucherkammer machen oder in einem Zelt. Aufpassen, daß das Leder weit genug von der Glut weg ist. Jetzt hält man ein Stück feinstes Wildleder in der Hand, das man so im Laden nicht kaufen kann. Völlig ohne Chemie und superweich - so fein, daß man (mit etwas Mühe) sogar durchatmen kann. Da das Leder während des Bearbeitungsprozesses stark schrumpft, braucht man für ein Lederhemd ca. 4-5 große Rehhäute. Wer sowas mal selber machen/ausprobieren will, der kann sich an diese Adresse wenden. Es gibt aber auch andere Schulen in denen man das lernen kann. >> www.wave-survival.de

Lederschnüre oder -riemen:

Aus ungegerbter Rohhaut kann man auch exzellente Lederschnüre machen. Die Haut also beidseitig abschaben, in den Rahmen spannen und trocknen lassen (vorzugsweise im Schatten und bei einem heißen Wind). Dann schneidet man von der Mitte der Haut aus eine Spirale ein, ca. 1/2 cm breit. Nass gemacht lässt sich das ungeheuer dehnen und gibt eine extrem haltbare Schnur.

Hierfür wird eine Rohlederrinderhaut, mit der Fellseite nach unten, im Schatten auf den Boden gelegt. Mit Holzpflöcken, die in die Erde geschlagen werden, spannen, bis es ganz trocken ist. Das "Schaben" übernehmen die Ameisen. Dann wird das Leder in Streifen geschnitten, je nach Verwendung 0,5 bis 1,5cm breit. Für kurze Riemen einfach längs schneiden, für Lassos (0,5 breit) werden die Riemen im KReis (von außen nach innen) an einem Pfosten festgeknotet. Mit zwei Rundhölzern (oder einer Astgabel) wird dann so lange abgezogen, bis das Leder einigermassen weich ist. Die Haare, die dann noch dran sind, werden mit einem Messer abgeschabt. Dann, leicht feucht, flechten (drei bis neun Riemen). Wenn man beim Flechten zu stark dehnt, wird die Arbeit zwar hübsch und zierlich, aber die Zugstärke des Riemens ist später schwach. Wenn man das richtige Stück Leder nimmt und auch sonst alles richtig macht, hat man Lassos oder Riemen mit bis zu 1.000kg Zugkraft. OJO! Niemals Rohleder mit Fett oder Sattelseife pflegen!! Rohleder wird mit roher Leber eingerieben, um geschmeidig und haltbar zu bleiben.

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Quelle: sirvival-wiki.de Autor:15.1.2005 20:07:52 - Autor: wizard

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