Kommunikation

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Vorwort

Japan hat mal wieder eines gezeigt: Die Katastrophe hat jemanden zum Beispiel am Arbeitsplatz erwischt. Er hat überlebt. Aber was ist mit seiner Frau, seinen Kindern? Mobilfunkmasten wurden vom Erdbeben gefällt oder gingen im Tsunami unter. Die verbliebenen Kapazitäten - auch in europäischen Mobilfunknetzen gibt es eine entsprechende Vorrangschaltung, werden exklusiv für Polizei und Rettungsdienste reserviert, zivile Nutzer ausgesperrt. Die Warenwirtschaft ist zusammengebrochen. Lager A sitzt vielleicht auf einem Überschuss an Erste-Hilfe-Material, könnte aber dringend Trinkwasser brauchen, einem Lager B von Versprengten 20 km weiter geht es vielleicht genau umgekehrt. Wie finden wir zueinander und können unsere Vorräte sinnvoll austauschen? Ich möchte mich über die Lage informieren, unabhängig von den "es gibt keine Katastrophe Dementis" des öffentlich-rechtlichen Regierungssenders.

Kommunikationsmittel

Welche Kommunikationsmittel sollte Mann/Frau an Bord haben?

Zunächst mal ein gutes Kurzwellenradio. Mein absoluter Favorit ist der Sony SW-7600. Durchgängiger Frequenzbereich von 150 kHz bis 108 MHz, also Langwelle bis UKW, einschließlich aller Amateurfunk-, Polizei- und Behördenfunk- und CB-Funkbänder, etwa 200€

Wichtig:

Der SW-7600 kann neben FM (Frequenzmodulation) und AM (Amplitudenmodulation) auch SSB (Single Side Band, Einseitenbandmodulation) und kann daher z.B. auch Amateurfunkstationen empfangen, die im Notfall vermutlich ein ziemlich robustes, verlässliches und von Interessen Dritter unbeeinflusstes Funknetzwerk bilden dürften.

Batterien übrigens nie im Gerät lassen - wenn sie darin auslaufen, war es das - sondern immer separat lagern. Lithiumzellen sind etwas teurer, bieten dafür aber 10 Jahre Lagerfähigkeit. Alle möglichen Arten von Netzteilen und Adaptern (12V/24V Auto- oder Bootbordnetze, USB, ein kleines Solarpaneel ..) sind auch keine schlechte Idee. Stromquellen sind im Zweifel gar nicht mal so selten, das Problem ist oft die Fähigkeit, sie anzuzapfen. Manchmal können zwei simple Strippen mit Krokodilklemmen die Lösung sein.

Wer EMP für ein relevantes Feindbild hält, der lagert den Empfänger eingewickelt in mehrere Lagen Alufolie. Metallkisten mit einem nicht leitfähigen Deckelspalt (Gummidichtung, z.B. Zarges-Boxen) sind keine gute Idee.

Im Nahbereich (etwa 20 km)

Für die aktive Kommunikation im Nahbereich (etwa 20 km) - Über Amateurfunkrelaisstatationen auch national - aber hier gilt die gleiche Warnung wie bei Handymasten, empfehle ich zwei Dual-Band-Handfunkgeräte, wie z.B. die Kenwood TH-D72A. 2m und 70 cm Amateurfunkbänder (inclusive Flug- und Seefunk), eingebautes GPS, Fähigkeit zur Datenübermittlung, 5W Sendeleistung, zu etwa 300€ das Stück. Eingebaute GPS-Tracking-Funktionalität, ich kann meinen eventuell verschütteten oder sonstwie in Not geratenen Partner orten. (Meine Frau und ich jeweils einen am Arbeitsplatz im Schreibtisch, zusätzlich noch diverses Kommunikationsgerät zu Hause in der Notfallbox Kommunikation)

"The long distance"

Wenn es "long distance" sein soll, dann geht natürlich nichts über einen Kurzwellentransceiver. Vernünftige Geräte sind gebraucht ab etwa 300€ zu haben, ich will allerdings nicht verschweigen, dass ein Flaggschiff wie der ICOM 7700 schlappe 5.000 € kostet. Aber das ist sowieso ein Bereich, in dem simples Tastendrücken nicht mehr hilft, sondern Erfahrung angesagt ist - von den dreissig Schaltern und Drehknöpfen des Einfachgeräts bis zu den zwei Signalprozessoren und geschätzten dreihundert Menüpunkten des ICOM 7700. Eine einschlägige Ausbildung - z.B. ein Amateurfunklehrgang - ist empfehlenswert, falls jemand nicht anderweitig vom Fach ist.

Auch die Stromversorgungsfrage stellt sich. Der ICOM 7700 liefert zum Beispiel 200W Sendeleistung, erwartet dafür aber mal locker 400 - 500 W Speiseleistung, bei Betriebsarten wie Morsetelegraphie mit harten Umschaltungen zwischen vielleicht 15W im Empfangsmodus und 500W im Sendemodus. Die Stromversorgung muss also robust sein. Meine Empfehlung: Das Stromaggregat lädt eine Bleibatterie, diese speist den Transceiver. Direktbetrieb aus dem meist schwachbrüstigen 1kW-Baumarktstromaggregat geht unfehlbar in die Hose.

Diodenempfänger

Wie komme ich im Notfall mit einfachsten Mitteln und ohne jede Stromversorgung zu einem Radio, das wenigstens abends und nachts (die Ionosphäre lasst grüssen) starke Mittel- und Kurzwellensender im eigenen Land und aus den Nachbarländern empfangen kann?

Der Urtyp des Radios, der Diodenempfänger, feiert sein Comeback:

Diodenempfänger

Wir brauchen

  • Einige Meter Draht
  • Eine leere Klopapierrolle
  • Einen Drehkondensator ( 10 - 500 pF, von Pollin o.ä. Internethändlern billig zu haben, 1-2€)
  • Eine Diode (der Klassiker 1N4148 für weniger als 1 ct pro Stück, fast jede andere Diode tut es ebenso, auch hier bei Pollin, *Reichelt und Co. erhältlich)
  • Ein Glättungskondensator 2,2 - 4,7 nF, (gleiche Quelle, auch Centartikel)
  • Ein Satz Ohrknöpfe, z.B. von MP3-Player oder Handy
  • Läuft ohne Batterien und Stromversorgung und ist schnell aus der Bauteilekiste improvisiert.

Ich könnte ja jetzt noch weiter in die Steinzeit zurücklangen. Wer keine Diode besitzt, aber ein Stück Zinkblende, Antimonit, Safflorit oder Arsenkies, kann sich die Diode auch mit "Materialien vom Acker" bauen.

P.S. Mit Zinkblende aus Neugier mal selber ausprobiert, sehr haklig und dürftig. Ging im Prinzip, aber nicht wirklich zuverlässig. Also vergesst diesen eher theoretischen Hinweis.

Fertig ist das Notfallradio - detailliertere Baupläne gern auf Anfrage

kommunikative Grüße

Matthias

Autor: Waldschrat