Beiträge von DocAlmi

    Moinsen allerseits!


    Meine 2 Cents als Arzt dazu.


    1.) Haltbarkeit von Medikamenten.


    Medikamente sind keine Reinstoffe. Sie bestehen aus dem Inhaltsstoff, der dann so verarbeitet wird, dass eine gesicherte und kontrollierte Aufnahme im Körper stattfinden kann. Dazu gehören Hilfsstoffe, aber auch die Form der Darreichung. So sind heutzutage Kapseln oder Überzüge so beschaffen, dass sie den Wirkstoff dosiert über längere Zeiträume abgeben oder sie sind microverkapselt, das heisst, der Wirkstoff ist in winzigen Kügelchen, die unterschiedlich grosse Öffnungen haben, so dass die Wirkstoffabgabe über eine gewisse Zeit verzögert wird etc.

    "Es ist kompliziert" trifft diesen Medikamentenstatus in etwa.

    so ist es zum Beispiel unsäglich, wenn solche Medikamente zermörsert werden. Jahrzehntelange Forschungsarbeit und hochtechnisierte Verfahren werden so zunichte gemacht. Unter Umständen aber auch durch die Zeit treten Veränderungen auf, die dann eine kopntrollierte Wirkstoffabgabe nicht mehr garantieren.

    Noch komplizierter und in unserer Fragestellung relevanter ist die Veränderung der Wirkstoffe über die Zeit. Es gibt Medikamente, die mit sich selber reagieren, z.B. weil sie sehr "sauer" sind und mit dem notwendigen Hilfstoffen reagieren, eine chemische Reaktion eingehen und sich im Laufe der Zeit zu etwas ganz anderem "umbauen". Generelle Aussagen a la "Das Verfalldatum kannst du um gut und gerne 10 Jahre überziehen" sind nicht unterstützbar.


    2.) Nutzen/Kosten Relation.


    Betrachtet man das Ganze aus reiner Kostensicht, sind verschiedene Denkrichtungen möglich. Sicht der Krankenkasse, Sicht der Allgemenheit oder persönliche Sicht.

    Das krasse Beispiel: "Da schreib ich keine Großpackung mehr auf, wer weiss, ob Ihr Kumpel das Ende der Packung überhaupt überlebt..." ist aus Sicht der Krankenkasse vermutlich löblich, aus menschlicher Sicht eine Katastrophe.


    Wenn ich mir überlege, dass ich mit meinen Krankenkassenbeiträgen sinnvolle, notwendige und nützliche Sachen bezahlen soll so stellt sich diese Frage in dem Moment, wo ich es mitfinanzieren soll, wenn jemand beschliesst, einen 10 Jahresvorrat an Medikamenten anzulegen.

    Das ist nur zweifelhaft nützlich, sehr eventuell sinnvoll und vermutlich in der Breite nicht notwendig.


    Finanziell gesehen allerdings eine Belastung der Krankenkasse.


    Fazit:


    Ich würde mich zuerst informieren, wie die Lagerung sich auf meine Gesundheit auswirkt.

    Ich würde dann zu einem aufgeschlossenem Arzt gehen und mir ein Rezept holen, bei dem ich die Kosten selbst übernehme.


    DocAlmi

    Hi!


    Über dreissig Grad.

    Insulin ist anfälliger gegen mechanische "Schütteleien" und Kälte, als gegen Wärme.


    Ich schreib später was, bei Bedarf, aber nu muss ich meinen Kochpflichten naqchkommen.


    Gruß in Eile

    DocA.

    Wer einen Klappspaten (Kinners, was mach ich da eigentlich, ich schreibe über Klappspaten....), also wer einen Klappspaten mit etwas Sand im Gewinde nicht mehr auf und zu kriegt, der braucht keinen Klappspaten.

    Ich benutze den seit Jahren (eigentlich Jahrzehnte), um Rheinsand in irgendwelche Goldwaschrinnen zu packen. Das Sand ins Getriebe kommt, jaja, das passiert regelmäßig. Dass das nicht mehr auf oder zu geht, ist mir noch nie passiert. Alle Jubeljahre muss ich mal nen Gürtel drumlegen, denn:

    "Unglaublich ist des Almis Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft!"


    Aber, wenn ich es recht bedenkem mein alter BW Spaten hat keinen USB Anschluss und keine blinkenden LED und die Ortungsfunktion per GPS ist sehr gewöhnungsbedürtftig.


    Klappspatengrüße

    DocAlmi

    Moin.


    Ich benutze seit 35 Jahren den gleichen Klappspaten.

    Modell BW einfach.

    Übrigens der gleiche, wenn nicht sogar der selbige, den ich zu Beginn meiner BW Zeit in die Hand gedrückt bekommen habe.

    Ich wüsste nicht, was gegen den spräche.

    Für unter 20 Euro zu haben.


    Wer mit nem Klappspaten am Gürtel rumrennt, dem ist eh nicht mehr zu helfen, insofern spielt Gewicht aus meiner Sicht keine Rolle.

    Fiskars lehne ich generell ab, da ist mir zu viel Kunstoff Gedöns dran.

    Axt, Machete etc. von Fiskars ist nicht reparierbar, wenn mal was an den Stielen dran ist. Wenn so ein Stil verrappsackt, dann kannste das Teil wegschmeissen. Ein "normaler" Axtstiel ist draussen im Einsatz in 5 min ausgetauscht.

    Guten Tag !


    Heute Morgen wollte ich an meinem freien Tag eine Runde durch die Gemeinde machen, Auto Tanken, frische Milch kaufen, etwas Bargeld holen.

    An der Tankstelle konnte ich nicht mit Karte zahlen.

    Etwas Schreck, die Kassiererin meinte, es hätten heute mehrere Kunden Schwierigkeiten gehabt, irgendwas stimme mit der Verbindung des Kartenlesegerätes nicht.

    Ich hab immer für drei Tankfüllungen Bargeld im Auto, also bar bezahlt.

    Beim Supermarkt das selbe in grün und als ich dann zum Geldautomaten gefahren bin, bekomme ich die Meldung (sinngemäss) "Eine Auszahlung ist derzeit nicht möglich.


    Als ich zu Hause war, erster Verdacht: Das Konto ist überzogen. Nachgeschaut, konnte in meine online banking app und alles gut. Alle Konten mit den gewohneten Kontoständen.


    Also bei der Bank (Apo-Bank) angerufen.


    Dort elende lange besetzt, irgendwann eine Bandansage, dass es derzeit Schwierigkeiten gäbe und dass man sich für die Unannehmlichkeiten entschuldige.

    Auf der Hompage keine Erwähnung von Schwierigkeiten. Wär ja auch dem Geschäft abträglich, so denke ich mir. Stattdessen Werbung, wie toll man so ist.


    Toll.


    Vor einer Woche bin ich etwa 2000 Km quer durch Europa gegurkt, wenn ich da nicht Karten gehabt hätte, wäre Unterkunft und Sprit zum ernsten Problem geworden.


    Ich frage mich nun, ob ich der einzige bin, ob mehrere Banken betroffen sind und o b es zusammenhänge mit jüngsten Cyberangriffen gibt.


    Gruß, DocAlmi

    Guten Tag in die Runde!


    Ok, eine Halberg-R als bug out boot ist nicht wirklich realistisch umsetzbar, es sei denn man weiss überhaupt nicht mehr, wohin mit der Kohle.

    Das ganz am Anfang gezeigte Rettungsboot ist letzten Endes dazu gebaut, eine grosse Zahl von Personen auf engem Raum die Möglichkeit zu geben, bei allen denkbaren Witterungsverhältnissen kurzfristig zu überleben, bis sie halt abgeborgen werden können.

    Es ist weder dazu gemacht, lange Strecken zu navigieren noch dazu ausgelegt, über einen sehr langen Zeitraum Lebensplatz zu bieten. Es dient dem Überleben, nicht dem Leben.


    Was ich gerne in die runde werfen will, ist mein persönlicher Held und seine Geschichte:


    Aron Meder, der wahnsinnige Ungar, der mit einer kleinen Carina die Welt umsegelt hat.

    Es muss keine Hallberg sein...


    Hier ein kleiner Auschnitt seiner Geschichte.

    Es geht auch ne Nummer kleiner...


    Liebe Grüße

    DocAlmi

    Guten Tag, liebe Freunde der gepflegten Vorsorge!


    Aus gegebenem Anlass hier eine kurze Zusammenfassung meiner Erfahrungen meines Kurzurlaubs in Österreich:


    Coronageplagt, genervt, kurz vor Burnout, musste ich sehr spontan vor 2 Wochen die "Pausetaste" drücken.

    Ich wollte 10 Tage alleine sein, etwas in der Natur wandern, mir ein paar Dinge durchdenken ohne Ablenkung.


    So habe ich, geimpft, gechippt, entwurmt, beschlossen, nach Österreich zu fahren.


    Ich hatte kein Ziel, keine Buchung, keinen Plan.


    Bin die Nacht durchgefahren, war um 7 Uhr morgens (das hatte ich geplant, weil ich aus der Gegend stamme und weiss, was an einem Samstag bei gutem Wetter am Grenzübergang Kiefersfelden um 10 Uhr los ist) an der Grenze.


    Deutsche Zöllner: Fehlanzeige

    Österreichische Grenze: Jedes Auto wurde angehalten. Sehr freundlich, es wurde gefragt ob ich in Österreich bleibe oder nach Italien durchfahre. Frage mit klarem "weiss noch nicht" beantwortet, er wollte dann sehen, ob ich geimpft sei. Kurz mit dem Impfasuweis gewunken, kurz reingeschaut, schönen Urlaub gewünscht mit dem Hinweis, dass Österreich sehr schön sei und er hoffe, dass ich es schön haben werde.

    Fazit: Ausgesucht freundlicher Bursche, korrekte Behandlung, alles schick.


    Dann Weiterfahrt über Kitzbühl in das Salzach-Tal.


    Dort Unterkunft gesucht.


    Es war eigentlich überall alles frei. Kaum Touristen, viele Essensmöglichkeiten geschlossen, laut späterer Auskunft wegen mangelnden Gästen.

    Ich habe eine sehr schöne Unterkunft in einem abgelegenen Bauernhof gefunden, Hof und Haus etwa aus dem 14 Jahrhundert, es wurden Personalien aufgenommen, kurz Impfpass kontrolliert, fertig war die Laube.


    Zum Frühstück gab es Milch von der Alm, Butter selbergemacht, ebenso Käse, Wurst, Schinken roh und gekocht, Marmelade, Eier von den rumlaufenden Hühnern, Honig vom Nachbarn. Bäuerin hat sich entschuldigt, dass keine gekauften Sachen da seien. (Die Eier sind halt nur von unseren Hühnern).


    Essen gehen kein Problem, in 7 von 9 Fällen wurde ich nach dem Impfnachweis gefragt und entweder konnte man sich perQR scanner und whattsapp ein und ausbuchen oder per Zettel und Kuli, was ich bevorzugt habe. An Abstand wurde sich in der Regel gehalten, auch in Ortschaften und beim Einkaufen.


    Zusammenfassung:


    Kurzurlaub in dieser Gegend sehr zu empfehlen, Unterkunft muss kein Mensch über booking oder ähnliches buchen, auch nicht wenn man mit Familie unterwegs ist. Natur pur, habe Fischotter, Hirsche, Adler etc. gesehen. Höhenwanderungen, Klettersteige, alpines Klettern wäre auch kein Problem gewesen. Es gibt Badeseen freibadmässig häufig, man kann Fahrräder leihen und wer wie ich gern draussen ist: Badebäche und Natur gibts für ummesonst. Wer einen kleinen erholsamen Urlaub sucht, nicht allzuweit weg will, der sollte sich diese Region überlegen.


    Kleine Hardcore Survival Anmerkung:


    Grüne Grenzen sind nahezu nicht überwacht, draussen pennen geht in Mitteleuropa immer, man kann tagelang ohne Kontakt da sein und mit ner FFP2 steht einem jeder Supermarkt offen und keine Kamera kann dein Grinsen aufnehmen.


    Insgesamt also ein gelungener Urlaub!


    DocAlmi

    Ich verwende "Belgische Brocken" als Wasserschleifsteine. Sind nicht billig aber gut!

    Belgische Brocken in originaler gelber Qualität sind so gut wie nicht mehr aufzutreiben. Die blauen belgischen Brocken haben meines Wissens weniger Schärfanteile, liegen bei einer Körnung von 3000-5000, der alte originale Brocken hat etwa 6-8000. Für den Grundschliff ist das meines Erachtens zu hoch. Klar, geht auch, aber dann muss man halt zigtausend Mal mit dem Werkstück (Messer) drübergehen, um ein Ergebnis zu erzielen, was mit ein paar dutzend mal auf einem 400er stein zu erreichen gewesen wäre.


    Aber ja, ich habe noch ein paar rumfliegen, von meinem Urgrossvater, der auch schon mit Messer rumgespielt hat.


    Schon feine Teile.

    Moinsen !


    Ich bin ja bekanntermassen ein kleiner Messer-Fetischist. Ich sammle Messer, mache Messer (mittlerweile sowohl geschmiedet als auch sog. stock removal) und ich bin gelernter Koch. Meine Messer sind scharf genug für den jeweiligen Zweck. Ich will mit meinem Jagdmesser ein Tier nicht rasieren, sondern es küchenfertig kriegen und ich muss auch keine auf dem Küchenbrett liegende Tomate mit einer Hand horizontal in hauchdünne Scheibchen schneiden. Das sieht in Videos auf youtube witzig aus, ist aber jenseits des täglichen Einsatzzweckes.


    So, Du hast ein Morakniv.

    Gute Wahl, hab ich auch.

    Jetzt willst Du das Dingens "scharf" haben.

    Scharf heisst bei mir in einem solchen Kontext, Du willst z.B. ein Seil mit einem Schnitt durchhaben, vielleicht was schnitzen, eventuell Essen zubereiten.


    Grundsätzlich ist ein Messer immer gefangen zwischen den Eigenschaften "Schärfbar" und "Schnitthaltigkeit".

    Einen Stahl, den Du gut und schnell und einfach "scharf" kriegst, der verliert nach wenigen Schnitten auch seine Schärfe und ein Stahl, der sehr lange seine Schärfe behält, der ist schwer scharf zu kriegen.

    Mein Morakniv ist aus C100 Stahl (1.1274 Carbohnstahl). Das ist ein ziemlich günstiger und recht gelungener Kompromiss.


    Man kriegt den relativ schnell auf Gebrauchsschärfe und er verliert nicht allzuschnell den Schliff.


    Man kriegt ihn nur mit viel Aufwand "Rasiermesserscharf" und wenn man auf Knochen rumfräst oder sehr hartes Holz ausdauernd schnitzt, na ja, dann wirds halt stumpf.


    So, ich unterstelle mal Folgendes:


    Du willst mit einem recht scharfen Messer von zuhause losziehen, Dein Ding im Wald oder sonstwo machen und wenn Du merkst, hmm, das Dingensmesser könnte etwas mehr Schärfe vertragen willst Du schnell und unkompliziert vor Ort "nachschärfen.


    Dazu solltest Du Dir mal den Unterschied zwischen Grundschärfe (Messerschliff aufbauen, Grundschliff, Schliffgeometrie) und dem "Wetzen" also das Wiederaufrichten eines Messergrates nach Gebrauch ansehen.


    Jetzt ist das Morakniv ein relativ sehr günstiges Messer, in meinen Augen ein absoluter Gebrauchsgegenstand.

    Wir reden hier nicht von irgendwas kompliziertem, sagen wir mal ein einseitig geschliffenes japanisches Schwert im Wert von fünfstelligen Euro-Bereichen.


    Ein Messer für 20 Euro mit einer Batterie von Schleifsteinen im Wert von mehreren hundert Euro zu traktieren, macht keinen Sinn, zumal Du vermutlich grad erst damit anfängst, das zu lernen. Das ist keine Schande, auch Zwerge haben klein angefangen.


    Bevor Du Dir Wassersteine (Kosten der Guten so um die 150-300 Euro) kaufst, die dann mit Öl zerstörst (deswegen heissen Wassersteine ja Wassersteine) rate ich Dir für den Morakniv zu Folgendem:


    -Besorg Dir einen günstigen noname Schleifstein, am besten mit zwei Körnungen z.B. 220er auf einer Seite und 1000er auf der anderen

    zum Beispiel sowas hier

    - Kauf dir einen Wetzstein für draussen. Ich benutze den hier:

    kost kaum was, wiegt nix



    Bei höheren Körnungen (3000/6000, mein feinster hat 20.000) bist Du im Bereich des Polierens. Für Morakniv ist 1000 ziemlich ausreichend. Meine Meinung und es werden sich hunderte finden, die eine andere Meinung vertreten.


    Les Dir ein paar Anleitungen durch:

    so was in der Art

    und schau Dir ein paar gute Youtube Videos zum Thema an.


    Und dann probierst Du es aus. Und: es wird nicht sofort klappen. Ziemlich sicher sogar wirst Du am Anfang frustriert sein. Das gehört dazu. Es wird besser mit der Zeit. Aber irgendwann klappt es doch.


    Es gibt ne Menge Zubehör, ich benutze eigentlich nur eine Standhilfe für die Steine, sowas hier: Halterung , hab aber angefangen mit einer kleinen Silikonmatte für ein paar Cent, was letzten Endes auch gereicht hätte.



    Viel Spass beim Schärfen und ausprobieren.


    Und eines. auch wenn mir Miesegrau gleich ins Gesicht springt. Bitte kein Öl auf Wassersteine.

    Und die Diskussion, ob man besser mit Öl schleift oder mit reinem Wasser wird seit Jahrzehnten erbittert und ideologisch geführt. Aus meiner Sicht ist es wurscht, ich habe mich nur für reines Wasserschleifen entschieden, weil ich immer und überall Wasser habe und nicht erst das Öl suchen muss, was ehrlichgesagt auch relativ teuer ist, wenn Du ernsthaft schleifen willst.


    Aber auf die Diskussion hab ich keinen Schnüff und halte mich da raus.

    Tach Allerseits !


    Kurz zwei Gedanken von mir dazu.

    Aussen an der Fassade abseilen, eine gute Idee?

    Nehmen wir eine solche Lage:


    https://www.tz.de/bilder/2020/…rektion-muenchen-18ea.jpg


    Und angenommen, es brennt unter Dir und du möchtest dich abseilen, dann geht dein Plastik-Kletterseil an den Flammen vorbei.

    Das ist meineserachtens extrem uncool (im wahrsten Sinne des Wortes), wenn du unten drunter hängst.

    selbst wenn Du merkst, dass das Seil unter dir abgeschmurgelt ist, ist es eine doofe Situation, wenn du dann im Seil hängst, denn in der Regel hast Du keine Möglichkeit, am hängenden Seil wieder nach oben zu kommen.

    Den will ich sehen, der in einer solchen Situation da wieder zurück "prusikt oder grigrikt)"...


    Es bliebe, bleiben wir bei dem Bild, eigentlich nur der laterale Versatz und dann das Abseilen vom Balkon der Nachbarwohnungen.


    Stellt sich die Sinnfrage.


    Wenn ich mich lateral retten kann, dann muss ich mich auch nicht abseilen. Viel bequemer ist es per Drehleiter der Profis runterzuspazieren.


    Apropos, wie hoch ist das denn in deinem speziellen Sohn- Fall? Hab ich das überlesen?

    Mir ist aufgefallen, dass die ersten Vorschläge kamen, ohne überhaupt zu wissen, von welcher Höhe wir da sprechen.


    14. Stock ist was anderes als 2. Stock...


    Aus Notarztsicht ist alles ab 3. Stock tödlich oder mit schweren Verletzungen einhergehend. 4. Stock wird in geneigten Fachkreisen gerne als Querschnittshöhe bezeichnet.


    Dass man ohne Sicherung beim Militär aus 5m zum Üben nach unten springt, muss eine andere Armee als meine gewesen sein. Gruss vom Ex-Fernspäher.


    Liebe Grüße

    DocAlmi

    Zweiten Impftermin kriegt man mit Uhrzeit in genau 12 Wochen! War übrigens sehr gut organisiert. War 10 min zu früh da, war noch vor meinem offiziellen Termin wieder draussen. also vom parken bis wieder im Auto sitzen keine 15 Minuten.

    OK, ich habe auf jegliche Aufklärung verzichtet, wurde mit meiner Frau in einer Kabine von mir bekanntem Kollegen simultan (Eine Spritze mit rechts, eine mit links, er wollte mal ausprobieren wie schnell man maximal impfen kann)

    quick und dirty geimpft.

    Dirty, weil den Hokuspokus mit dem Desinfizieren der Einstichstelle schenken wir uns mal.


    Und "jetzt gibts mal nen Pieks" hab ich noch nie gesagt.

    Eher:"Ich hab das schon tausendmal gemacht, glauben Sie mir, und irgendwann muss es ja mal klappen...."


    Verzicht auf Pflaster, Ruhezeit abgelehnt, weil ich eine rauchen wollte.


    Das würde ich jetzt so niemandem empfehlen.

    Druiden-Style halt. Ich kann auch nicht aus meiner Haut.


    Kaffee im Stehen getrunken. war übrigens das erste mal, dass ich einen Kaffee in Sichtweite mir unbekannter Personen auswärts zu mir genommen habe, seit gefühlten 365 Tagen. Sehr komisch das Alles.


    Heute Nebenwirkungen simuliert und deswegen ohne Schelte meiner Frau zu Hause bleiben gedurft.

    Sekundärer Krankheitsgewinn.


    Bissi Schädelchen, etwas Muskelkater. Nase läuft, Augen brennen etwas, kann aber auch vom Zocken bis tief in die Nacht sein, denn den Simulationsvorsatz hatte ich schon gestern VOR der Impfung.


    Also ich bin weit davon entfernt, über die Einnahme einer Ibu auch nur nachzudenken.


    Gruss

    DocAlmi

    Heute gegen 15 Uhr geimpft mit Astra Dingenskirchen. Jetzt Durst. Trinke Astra. Similia similibus curantur.

    Es geht mir gut, allerdings sagt meine Frau, ich neige zu Wiederholungen in den Sätzen. Versteh ich nicht. Es geht mir doch gut, nur meine Frau sagt, ich neige zu Wiederholungen.


    In diesem Sinne


    DocAlmi

    ... 2.) "Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind unzumutbar lange."


    Kurze Betrachtung der Lebensrealität einer psychotherapeutischen Praxis.


    Eine Woche hat 5 Arbeitstage.

    Ein Tag hat 8 Arbeitsstunden.


    Macht 40 Arbeitsstunden die Woche.


    Eine Psychotherapie erfordert in der Regel eine Sitzung pro Woche.

    Sie dauert im Schnitt etwa 60-70 Stunden an.


    Also 60-70 Wochen. Da ich mit meinen Patienten sehr ungern in Urlaub fahre, wir nicht immer gemeinsam krank werden und ich hin und wieder auch mal gerne unbegleitet zu einer Fortbildung fahre zieht sich eine Psychotherapie ungefähr 2 Jahre hin.


    Meiner Einschätzung nach ist der Beruf des Psychotherapeuten anstrengend.

    Das ist in der Wahrnehmung meines Umfelds sehr unterschiedlich. Von "sei mal ehrlich, das sind doch alles nur überspannte Lehrersgattinnen, die auch mal ein bisschen Aufmerksamkeit wollen (O-Ton aus der Familie) bis zu "das könnte ich nicht, mir jeden Tag Probleme und Sorgen anhören" und gipfelnd in "Psychiater und Psychotherapeuten haben doch selber alle einen an der Waffel" als Ausdruck einer antipsychiatrischen Grundhaltung ist mir da nix fremd.


    Ich behaupte, dass es kaum Möglich ist, mehr als etwa 30-32 "echte" Psychotherapiepatienten gleichzeitig zu behandeln. Der Rest ist minderschwer, Einsamkeitsproblematik, psychosoziale Hilfestellung und Rentenjäger.


    Demnach ist eine Praxis mit sagen wir mal 32 Patienten für den Zeitraum von zwei Jahren voll ausgelastet.



    und:

    Es gibt so "wenige" Praxen, weil die Bedarfsplanung und der Schlüssel, nachdem Praxen eröffnet werden dürfen aus 19paarundachtzig stammt.

    Es sind einfach zu wenige.

    Die Kassen, die kassenärztliche Vereinigung und der gemeinsame Bundesausschuss wollen nicht mehr, weil PT ist teuer.


    Viele meiner Kollegen, ich auch, führen keine Warteliste. Es ist schlicht und ergreifend Unsinn, eine Warteliste von mehr als 5 Therapiebedürftigen zu führen.

    Folgende Lösung hat sich in meiner Praxis und denen meiner Kolleginnen und Kollegen herauskristallisiert.

    Der Großteil der Patienten hat eine auf Jahre ausgelegte Psychotherapie. Ausgefallene Stunden, also Absagen von Terminen werden mit Sprechstundenterminen oder Kurzgesprächen belegt. Diese werden sehr kurzfristig (3 Tage bis max 1 Woche) belegt. In diesen Terminen wird Diagnose, Therapiebedürftigkeit, Grundzüge der Problemstellung, therapeutische Möglichkeiten etc. abgeklärt.

    Einige davon bedürfen einer Akuttherapie. Diese Patienten können nicht Monatelang auf einen Platz warten. Hier erfolgt die Entscheidung spätestens nach 2-3 Terminen in der Sprechstunde. Akuttherapien beginnen akut, also nicht länger als etwa 1-2 Wochen. Sollte kein Platz frei sein, erhält der Hilfesuchende Hilfestellung bei der Versorgung durch Weitervermittlung, Anbindung an andere Hilfsangebote oder einfach durch ein Schreiben, gerichtet an Kollegen mit dem warum und weshalb ich denke, dass eine Akuttherapie sinnvoll ist. Ausserdem hat jeder, der meine Praxis betritt, meine Handynummer. Ich habe nur eine Nummer, privat wie beruflich und wenn ein Pat. in eine Krise gerät, dann darf er mich gerne anrufen, auch mitten in der Nacht. Das klappt seit mehr als 20 Jahren, und obwohl mir Kollegen und freunde da etwas Unverständnis entgegenbringen, habe ich keine Veranlassung, da irgendetwas dran zu ändern.



    Zur eigentlichen Psychotherapie und einer Betrachtung der Wartezeit:


    Psychodynamische Prozesse, die Leid erzeugen, haben ihren Ursprung in einer Zeit, die Jahrzehnte zurückliegt.

    Die Betroffenen rennen seit Jahren und Jahrzehnten mit den Beschwerden rum.

    Bei Aufnahme einer Psychotherapie kommt ein Prozess in Gange, der sich über Jahre hinzieht und dessen Erfolge man oft erst nach Abschluss einer Therapie oder mitunter noch später bemerkt.

    Wir vollbringen keine Wunderheilungen (OK, für Privatpatienten jeden dritten Mittwoch im Monat wirke ich schon mal Wunder).

    Die Wartezeit (zum beispiel drei oder vier Monate) ist gemessen an der Krankheitsgeschichte und der zu erwartenden Therapiedauer nahezu unerheblich.


    Eine Psychotherapie ist mitunter sehr sehr belastend. Man braucht ein gehöriges Maß an Stabilität und Sicherheit, um solche Belastungen auszuhalten.

    Deswegen sind hochakute, schwere und gefährliche Zustände aus meiner Sicht nix für eine Psychotherapie.

    Mit einem Gegenüber, bei dem ich befürchten muss, dass ein Ansprechen eines belastenden Aspektes zu dem Wunsch, sich zu entleiben führt, kann ich nicht arbeiten. Entweder schraube ich dann meine Intervention auf ein Minimum zurück oder spreche es gar nicht an. Dann kann ich aber nicht helfen. Ein Dilemma.

    Deswegen ist vorher intensiv zu prüfen, inwieweit eine Psychotherapie überhaupt (zum gegenwärtigen Zeitpunkt) Sinn macht.


    Wer so krank ist, dass er eine Wartezeit nicht aushält, ist in einer Psychotherapie eh wahrscheinlich nicht richtig.

    Zumindest in einer PT, die konfliktorientiert und defizitorientiert arbeitet.

    Es mag Kolleg*innen geben, die das anders sehen, aber das ist das Schöne daran. Nicht jeder Therapeut*in eignet sich für jeden Patienten. Das muss im Gespräch gefunden werden.


    Und noch was Praktisches:


    Kommt ein Mann zum Arzt...(sie verstehen) und sagt folgendes:

    Mann: "Isch rufe für mein Frau an, die hat eine DRINGENDE Überweisung zur Pschüchieterapie. Ich will einen Termin ausmachen, damit Sie bei Ihnen mit einer Therapie anfangen tun kann."

    Ich: "Ich würde gerne mit Ihrer Frau selber re..."

    Mann:" Die kann nit, die is grad nit da."

    Ich: "Wo ist sie denn?"

    Mann: "Die tut arbeiten."

    Ich: " Dann muss sie mich nach ihrer Arbeit oder am Wochenende anrufen."

    Mann: "das geht net, die hat immer viel zu tun. (ärgerlich) deswegen rufe ich Sie ja an!"

    Ich: " Das ist sehr freundlich von Ihnen, aber ich muss schon wissen, worum es geht, und das erfahre ich am besten von...."

    Mann: "Mein Frau und ich wir haben keine Geheimnisse, isch kann ihnen alles sagen"

    Ich: "Das ist schön, dennoch möchte ich mit Ihrer werten Gattin selber gerne..."

    Mann: "Also machen sie jetzt eine Therapie mit meiner Frau oder nicht?"

    Ich: "das hängt ja von dem gespräch mit Ihrer Frau ab..."

    Mann: "Also nit?"

    Ich: (ausweichend: "wie gesagt, ich muss da vorher mit Ihrer Frau persönlich sprechen...Wann hat sie denn Zeit?"

    Mann: "Die kommt um 19 Uhr nach Hause, jeden Tag. Auch Samstag. Die geht um 6 aus dem Haus und kommt um siebene wieder nar Hus."

    Ich: (etwas Augenrollen dabei: " ja wann will sie denn dann zu den Therapiesitzungen kommen? Etwa einmal die Woche?"

    Mann: "Ja um 20 Uhr oder so"

    Ich: "Da hab ich aber schon lange Feierabend."

    Mann: "Sie ham nicht um 20 Uhr noch auf? komisch...."


    Hier schaltet mein Gehirn ab. Der Rest ist Hirnstammreflex und entbehrt sinnvollen Inhalt.


    Was lernen wir daraus?


    1.) Selber anrufen!


    2.) Zu Telefonzeiten anrufen (steht auf der Seite der jeweiligen kassenärztlichen Vereinigung, wo man auch die Telefonnummern aller zugelassenen Therapeuten findet.


    3.) Nicht versuchen, den oder die Therapeut*in festzunageln. Ein Therapieversprechen am Telefon ist unseriös und unhaltbar.


    4.) Was willst Du? Du willst einen Termin, um den oder die Therapeut*in kennenzulernen. Nicht mehr nicht weniger. Also frag danach. Du willst ein Erstgespräch, oder eine Sprechstunde. (ja woher soll ich das denn wissen? Ich erwarte von meinen Patienten, dass sie sich informieren über Psychotherapie. Tun sie das nicht, kläre ich gerne auf, aber bitte freundlich im Ton.)


    5.) Bei ablehnender Antwort vielleicht einfach mal nach 2 oder drei Wochen nochmal anrufen.

    Ich bekomme pro Woche ungefähr 20-30 Anfragen. Wenn wer dabei ist, der zweimal anruft (und mir das auch sagt) dann weiss ich: Hoppala, da ist jemand, der sich echt bemüht. Mit solchen Leuten zu arbeiten macht mehr Freude und ist erfolgreicher, als wenn da das arme Vögelchen im Nest sitzt, den Schnabel weit aufsperrt, schreit wie am Spiess und mir vermittelt: Fütter mich, fütter mich. Ich selber tu nix. Du bist verantwortlich für mein Wohlergehen.

    Nein, bin ich nicht!


    6.) Freundlich sein. Ich möchte am Telefon nicht angekackt werden. "Ahh, sie gehen ja nie ans Telefon, wenn ich grad drangehe ist nahezu ein Therapieausschlussgrund."


    Doch, tu ich, aber ich kann nur mit einem nach dem anderen nacheinander telefonieren. Und wenn ich mit person A spreche, dann muss Person b warten. is doof, aber Therapeuten sind unteilbar und ich betreibe jetzt kein Call-Center.

    Ich bin übrigens verpflichtet, wöchentlich 200 min am telefon zu warten, ob wer anruft. Also nahezu 3,5h.

    Vergütung:

    0 €


    Mindestlohn: Freundlichkeit.

    Ich mach den Beruf nicht wegen des Geldes, aber auch ich muss meine Rechnungen zahlen.

    So eine Praxis macht Fixkosten von etwa 5-6000 € pro Monat.

    Müssen erst mal rein, sonst muss ich zumachen.



    So, wie immer zu lange.

    DocAlmi

    In den folgenden Antworten auf den Therad sind mir sehr typische Kernaussagen besonders aufgefallen:


    1.) "Tu was, was Dir gut tut."


    Zu 1.)


    Wenn es mal so einfach wäre.

    Ich erinnere mich gut, wie eine Kollegin von mir in der geschlossenen Station eine sehr betagte, schwerst depressive Patientin nach derbem Selbsttötungsversuch am Arm stütze und mit ihr im Park spazieren ging. Ich konnte einen Gesprächsfetzen mitbekommen, als sie der Patientin sagte: "Ach, machen Sie sich doch nicht immer so schwere schwarze Gedanken, denken sie doch mal an was Schönes..."

    Ich hab mir die Kollegin dann zu einem Gespräch geholt und versucht ihr zu erklären, dass sie von der Patientin etwas erwartet oder ihr etwas vorschlägt, was diese einfach nicht kann. etwa so, wie wenn ich einem Blinden sage, er solle doch mal die Augen aufmachen und einfach nur auf den Boden guggen, dann würde er auch nicht stolpern.


    Wir alle sind negativen Einflüssen unterworfen, im täglichen Leben. Kritik von Vorgesetzten, Terminstress, drängelnde Autofahrer auf der Autobahn, schleichende Halbtote, die mit haarsträubenden 23 Km/h in der angedeuteten Linkskurve dem tod direkt in´s Auge blicken etc.

    Dies alles geht uns auf...also es belastet uns.

    Ebenso belastet und positives.

    Denken wir einmal an die Kantine. Ein Objekt der Lust nimmt am Nachbartisch platz. Man empfindet sexuelle Erregung und möchte seine Wünsche ausleben. Wird aber uncool, egal wie es ausgeht.

    Denn wir können nicht direkt drauf reagieren. "Hallöchen Popöchen, wie schauts aus kleine Maus? Knick-Knack" kommt jetzt nicht so gut an, also meistens...

    Folgt also die Kontrolle der Emotionen, das heisst mein Bewusstsein muss irgendwie mit dem Unbewussten in Kontakt treten und die Energie muss irgendwo hin, möglichst ohne Schaden anzurichten. Es kommt die Abwehr in´s Spiel, ich muss meinen Wunsch den Drängler hinter mir zu erschiessen und über das Objekt der Begierde direkt in der Kantine herzufallen, irgendwie in den Griff kriegen.

    Dazu stehen mir, je nach erlerntem Verhalten, diverseste Möglichkeiten offen.

    Ich werte ab (Was interessiert mich der nichtssagende Tuppes hinter mir im Auto, soo schön ist die Kollegin doch gar nicht, die Nase is eh viel zu gross)

    Ich rationalisiere (wenn ich jetzt bremse und der knallt mir drauf, bringe ich mich nur in Gefahr oder wen ich meinem Chef jetzt an den Po fasse, dann verlier ich meine Arbeit)

    Ich ironisiere, ich verschiebe, projeziere, sublimiere, negiere etc. was das Zeug hält.


    Das mache ich jeden Tag, und jeder der das liest, und selbst wer das nicht liest, macht das jeden Tag. Wir Menschen funktionieren so. Vielleicht nicht in den Beispielen, die ich mir ausgedacht habe (memo an mich, welche Kollegin hattest du denn da vor Augen), aber wir bemühen diesen Mechanismus ständig und immer.


    Warum fällt das niemandem auf?


    Weil es praktisch immer funktioniert. Diese Mechanismen führen zu einer Kontrolle der primären Prozesse, wir bewegen uns dann im gesellschaftlich normierten und verhalten uns konform.

    Wenn es nicht funktioniert, lesen wir in der Zeitung darüber, hören bei Gericht davon oder unterhalten uns mit anderen darüber. Achtet mal darauf, wie oft ihr das selber tut.


    Zurück zum Thema:


    Ich bin das, was man so psychisch gesund nennt (Die einen sagen so, die anderen ....)und das setze ich bei Euch mal voraus.

    Ihr erlebt negative dinge und diese Belasten Euch.

    Diese Belastung muss irgendeinen Ausgleich finden.

    Urlaub, Buchlesen, Bogenschiessen, Messer schleifen, Löcher in Holz bohren etc. Unendliche Möglichkeiten des Ausgleichs.

    Wir reagieren uns ab mit dem ergebnis, es geht uns besser. Ich betrachte meine schönen Löcher im Holz, suche meine Pfeile, klappe das Kapitel zu, sitze am Strand von Pelokilikymnos und betrachte die Welt durch den Boden einer Rotweinflasche. Es gibt schlimmeres.


    Das doofe ist: das funktioniert bei gesunden Menschen so.


    Es gibt Seelenzustände, da funktioniert das nicht mehr.


    Beispiel: Mein Vater ist vor ein paar Wochen plötzlich unerwartet verstorben. Ich reagierte ziemlich Lehrbuchmäßig mit Fassungslosigkeit, Entsetzen, Unglaube und tiefer Trauer.

    Wenn da jetzt einer in dem Moment gesagt hätte: "Lies doch mal n gutes Buch" oder "Wie wärs mit Erdbeereis mit Schlagsahne" hätte die Gefahr eines primärprozesshaften Impulsdurchbruchs mittels mindestens Ura mawashi geri bestanden. (Für Freunde der friedfertigen gepflegten körperlichen Auseinandersetzung: Halbkreis -Fusstritt, gerne zum Kopf).


    Es gibt Momente, da reicht bisher Erlerntes eben nicht mehr aus. Ein depressiver Patient KANN keine Freude empfinden. Deswegen nutzt es nichts, diesem zu sagen, er solle etwas freudvolles machen.

    Die Unfähigkeit zur Freude ist gerade das kennzeichen bestimmter psychischer Ausnahmesituationen.

    Wer Angst hat, der ist rationalen "Rechnungen" nicht zugänglich. Die Überschattung des Erlebens mit einem Überfluten des Gefühls der Angst ist gerade Kennzeichen der Angst.

    Wenn wer Flugangst hat, dann nutzt es nicht, diesem zu erzählen, er solle sich mal die Wahrscheinlichkeit eines Flugzeugabsturzes ausrechnen. Er hat Angst. Punkt. Das gefühl der Angst hat die Kontrolle übernommen. Apelle an die Vernunft sind sinnlos. Und er hat ja gerade Angst, weil er sich nicht Ablenken kann. Deswegen sind Ablenkungsversuche wenig hilfreich.


    Im Gegenteil: Der Betroffene erlebt sich als "aussenstehend", als "unfähig", als "defizitär" wenn ich ihm darlege, dass er sich doch einfach nur normal verhalten soll.

    Die Normalität des Betroffenen ist im Moment eine andere als "deine" Normalität. Und die Frage, wer da gerade die richtige Realität hat, mag philosophisch spannen sein, ist aber für den betroffenen nicht hilfreich.


    "Tu dir was Gutes" funktioniert im Zustand der bewussten Auseinandersetzung mit einem Problem. In Zuständen, in denen das Unbewusste die Kontrolle hat, sind solche Versuche ehrenhaft und nachvollziehbar, funktionieren aber meist nicht oder zumindest nicht nachhaltig.


    DocAlmi

    Guten Morgen!


    Ausgehend von dem Thread "Unruhe und Nervosität" hier möchte ich etwas zum Verständnis beitragen.

    Da meine Erfahrungen sich ausschliesslich auf das deutsche Gesundheitswesen beziehen und es sicherlich große Unterschiede zwischen den Ländern gibt, bitte ich beim Lesen diesen Umstand zu beachten.

    Ausgehend war eine Frage, in der ein Lebenspartner berichtet, dass seine Freundin unter Unruhe und Nervosität leidet. Er wolle wissen, was "man" da machen könne, beschreibt kurz eine schwierige Lebenssituation der Freundin mit "stressigen" Lebensbedingungen und deutet an, dass mittlerweile auch er unter der Situation leide.


    In den folgenden Antworten sind mir sehr typische Kernaussagen besonders aufgefallen:


    - "Tu was, was Dir gut tut."

    - "Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind unzumutbar lange."

    - "So schlimm, dass man eine Psychotherapie bräuchte, ist das ja noch gar nicht."

    - "Erst als Selbstmordgefahr in´s Spiel kam, da hat sich was hinsichtlich der Termine etwas verbessert, und dann hat es immernoch zu lange gedauert."

    - "Der kinderpsychiatrische Dienst..."


    Vielleicht ein guter Grund, einemal grundlegende Dinge über Psychotherapie zu betrachten:


    Psychotherapie:

    ist ein bewusster und geplanter interaktionelaler Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und Leidenszuständen, die für behandlungsbedürftig gehalten werden, in Richtung auf ein definiertes, nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitetes Ziel mittels lehrbarer Techniken auf der Basis einer Theorie des normalen und pathologischen Verhaltens. In der Regel ist dazu eine tragfähige emotionale Bindung notwendig. (Definition von Strotzka, 2011).


    Es wird stren unterschieden zwischen erwachsenen-psychotherapie und Kinder- und Jugendpsychotherapie. Die Ausbildung hierzu ist eine komplett andere.

    Ich schreibe hier nur über das, wovon ich mich auskenne, und das ist die Erwachsenen-Psychotherapie und die Psychiatrie für Erwachsene.

    Psychotherapie gibt es ambulant (Praxen), teilstationär (z.B. Tagesklinik) und stationär (z.B. im Krankenhaus)


    Psychotherapie aus Sicht der Krankenkassen:


    Es gibt bis Herbst 2020 drei Wege, eine Psychotherapie, die durch die gesetzlichen Krankenkassen bezahlt wird, anbieten zu dürfen:


    - psychologische Psychotherapie (Das heisst ein Psychologie-Studium (Bachelor und Master und dann eine Zusatzausbildung

    - Medizinstudium und anschliessende Facharztausbildung

    - Therapeut mit Psychotherapieerlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz


    Seit Herbst 2020 gibt es die Möglichkeit, direkt ein Psychotherapiestudium aufzunehmen. Diese hat derzeit noch keine gültige gesetzliche Grundlage und ich weiss nicht viel darüber, da solche Betrachtungen sehr weit hinter mir liegen...(manchmal fühle ich mich so alt)


    Es gibt eine Vielzahl von psychotherapeutischen Verfahren, die Krankenkassen erkennen derzeit (d.h. sie zahlen für) 4 Verfahren:

    - Verhaltenstherapie

    - tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

    - Analytische Therapie

    - systemische (Familien-) Therapie


    Eine Psychotherapie ist eine durch die Krankenversicherung bezahlbare Leistung. Hier unterscheidet die gesetzliche Krankenkasse folgende Therapieformen:

    - Akuttherapie (12h a 50 min) zur Stabilisierung

    - Kurzzeittherapie (max. 2x12h a 50 min)

    - Langzeittherapie (i.d.R. max 80-100h) je nach Verfahren, 48 h bei der systemischen Therapie


    Hinzukommen als abrechenbare Leistung die psychotherapeutische Sprechstunde (auch Vorraussetzung für eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankankassen), diese ist

    3 mal 50min lang.

    Hinzukommen sogenannte psychotherapeutische Gespräche, hier können bis zu 15x 10 min pro Quartal (drei Monate) abgerechnet werden.


    Zum Genehmigungsverfahren:


    Nicht genehmigungspflichtig sind:

    - Gespräch, Sprechstunde


    Anzeigepflichtig (das heisst, man muss die Krankenkasse darüber informieren, dass es stattfindet sind:

    - Akuttherapie


    Genehmigungspflichtig sind:

    -Kurzeittherapie (erfahrene Therapeuten beantragen die Feststellung der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenkassen und bekommen diese dann nach etwa 3 Wochen)

    - und Langzeittherapie (Hier und auch bei Kurzzeittherapien durch weniger erfahrene Kollegen muss ein Bericht an einen Gutachter geschrieben werden, etw 3 DinA4 Seiten mit Angabe von Krankheitsbild, Psychodynamik (Wie ist das Bild zu erklären) Behandlungsansätze und Prognose). Der Gutachter entscheidet, ob es sinnvoll ist, die Krankenkasse übernimmt dann die Kosten oder lehnt den Antrag ab. (Einschub: Nach etwa 25 jahren der Kassentätigkeit habe ich noch nie einen Antrag abgelehnt bekommen.) Sollte der Antrag abgelehnt werden, gibt es die Möglichkeit, einen Widerspruch einzulegen, dann geht der begründete Widerspruch an einen sogenannten Obergutachter, der dann über den Antrag entscheidet.)



    In Abgrenzung dazu gibt es


    - Die "Psychiatrie"


    (kleiner Tipp: alles was mit -iatrie endet kommt von griechisch ἰατρός (iatrós), deutsch ‚Arzt‘. Also Geriater, Pädiater und Psychiater sind immer Ärzte.


    Diese lustigen Gesellen kommen in stationärer (Krankenhaus), teilstationärer (Tagesklinik u.ä.) und ambulanter Form (Praxis) daher.


    - Der "psychiatrische Dienst"


    Meist offizielle Stellen beim Kreis, mehrere Berufsgruppen arbeiten zusammen (Psychiater, Psychotherapeuten, Sozialpädagogen, gesundheitswissenschaftler, Verwaltungsangestellte etc.) Hier wird Beratung und die verpflichtende Dienstleistung nach den einzelnen Gesetzen und Vorschriften sichergestellt. Aber i.d.R. keine Psychotherapie im eigentlichen Sinn sondern nur die Begelitung auf dem Weg dahin.


    - "Beratungsangebote"


    Viele Träger (Caritas, Diakonie, AWO, Kirchen, Vereine) bieten Hilfe und Beratung an. Meist oder so gut wie nie jedoch Psychotherapie.



    So, reicht erstmal.

    Wenn es Fragen gibt: dazu ist das Forum ja da.


    Im nächsten Abschnitt gehe ich mal auf die im erwähnten Thread gemachten Äusserungen ein.


    Bis dann

    DocAlmi

    Hallo alle zusammen:


    Ich find das schon spannend, was hier zur Psychotherapie geschrieben wird.

    Und wenn ich jetzt nicht seit 30 Jahren Psychotherapeut wär, würd ich das fast stehenlassen können.

    Das Forum hier besticht ja häufig durch die Qualität der Beiträge.

    Aber, wenn ich das so lese, geht da ganz viel Durcheinander.

    Allerdings ist dieser Diskussionsfaden auch nicht die geeignete Stelle, dies zu diskutieren.

    Ich überlege mir gerade, einen eigenen Thread aufzumachen, damit der Hauptfaden nicht noch mehr verwurschtelt wird.


    DocAlmi

    @Mork v. Ork


    An die Wartzeiten hab ich natürlich nicht gedacht. Wie sind die denn so, ich frage für nen Freund :-) .

    Und wie drmatisch muss es denn sein, damit eine Psychotherapie Sinn macht?

    Ich mein, Verlust von Freude, mangelnde Regeneration, Stress und Ausweitung auf Lebenspartner.

    Aber ich versteh ja von der Sache nicht viel.

    Aber das mit den Wartezeiten würde mich schon brennend interessieren.


    Gruss

    DocAlmi

    Was hält Deine Freundin von einer Psychotherapie? Die Vorschläge bisher sind sicherlich lieb gemeint. Oft helfen Betroffenen solche Massnahmen zur Abwehr von negativen Gedanken nicht. Wenn Kompensationsmechanismen nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, oder einfach nicht gelernt wurde, solche für sich zu nutzen kann das Erlernen dieser Fähigkeit durch die Hilfe vollkommen unabhängiger Dritter oft sehr hilfreich sein. Muss ja nicht eine Langzeittherapie von 100h über Jahre sein, aber so ein paar Stunden zur Stabilisierung sind da durchaus hilfreich.


    Alle Gute übrigens und schöne Grüße unbekannterweise,


    Sie ist da sicherlich nicht alleine mit den Schwierigkeiten


    DocAlmi