Mittelweg im Schwarzwald

  • Am gestrigen 1. Mai hat es uns wieder zum Wandern rausgetrieben. Das Wetter war ja perfekt: Temperaturen von ca. 15 Grad, kaum Wind und viel Sonnenschein. Als Strecke haben wir uns den Grenzweg ausgesucht - das ist ein Teilstück des Mittelwegs im Schwarzwald. Vorteil: er verläuft auf einem Höhenkamm, sodass man nur moderate Steigungen bewältigen muss.


    Aber aus dem geplanten "Spaziergang" wurde am Ende dann doch eine recht anstrengende Tour. :) Da wir unterwegs auf dem SoloStove kochen wollten, hatten wir entsprechend Verpflegung, Wasser und Ausrüstung dabei. Insgesamt ca. 9 kg bei mir und 4 kg bei meiner Begleiterin. Der Weg war zwar traumhaft schön, aber doch eher ein Trampelpfad durch streckenweise dichten Wald.


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    Alles was uns jetzt zu unserem Glück noch fehlte, war eine passende Stelle, um kochen zu können. Aufgrund der mittlerweile schon wieder gestiegenen Waldbrandgefahr wollten wir das aber nicht mitten im Unterholz machen … und eine freie Lichtung war Fehlanzeige. Im Gegenteil - vielfach hatten wir den Eindruck, dass die Bewirtschaftung eingestellt wurde und der Wald sich selbst überlassen wurde. So dicht war das Gebüsch. Auch machten Sturmschäden den Weg teilweise unpassierbar. Wir mussten immer wieder mal über Baumstämme klettern oder sie umgehen.


    Was ich neben einer normalen Karte empfehlen kann (jedenfalls für normale Zeiten), ist die Karten-App von Hallwag / Kümmerly+Frey. Man kann dort seine Papierversion über einen Code digital übertragen. Sie hat im App-Store zwar schlechte Bewertungen bekommen, konnte uns aber gestern punktgenau durchs Unterholz führen: auf der Suche nach einer Lichtung sind wir vom Mittelweg auf einen größeren Wirtschaftsweg abgebogen. Nachdem wir dort aber auch keine schöne Stelle fanden und eine eingezeichnete Schutzhütte wohl mittlerweile einem Brand zum Opfer gefallen ist (wir fanden nur noch Bruchsteine und verkohlte Balken), wollten wir über einen kleinen Stichweg zurück zum Mittelweg. Dort ist aber wohl seit Jahren niemand mehr gegangen, denn der Pfad endete in einer Schonung mit Jungbäumen. Ohne die App hätte ich sicher gezweifelt, ob wir noch richtig wären. So konnten wir aber sehen, dass unser Ziel jenseits der Bäume lag und wir einfach 50 Meter weiter mussten. Sehr spannend. 8)


    Später habe ich dann für den Rückweg eine Markierung mit Reifenkreide angebracht. Selbst der Mittelweg (einer der "großen" Fernwanderwege im Schwarzwald) war kaum noch auszumachen. Und weiter ging's.


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    Unser Ziel war dann eine weitere Hütte mit Grillstelle. Schon aus der Ferne konnten wir viele Menschen durch den ansonsten menschenleeren Wald hören. Aus der bislang einsamen Tour wurde schließlich ein Event. Und uns hing der Magen in den Knieen. Nach 10 km durch den Busch mussten wir was essen, sonst wäre der Rückweg schwierig geworden. Als wir dann um die letzte Kurve zur Grillstelle einbogen, sahen wir Mai-Feiertags-Besuchern an fünf Bierbänken um die Hütte sitzen. Na, das konnte ja was werden …


    Und es wurde tatsächlich viel besser als gedacht! ^^ Nach einem ersten "Hallo", haben wir uns eine Bank organisiert und uns an der Feuerstelle niedergelassen. Das Kochen auf dem SoloStove geriet dann zur Live-Performance vor Publikum, denn die Aufmerksamkeit der Umsitzenden war uns sicher. So was hatten sie offensichtlich noch nie gesehen. Erst mal die Zutaten kleinschneiden (Zwiebel, Zucchini, Tomaten, Paprika etc.), dann Feuerholz im Wald besorgen, alles aufbauen und mit dem Feuerstahl anzünden. Während des Kochens wurden dann die einzelnen Schritte aus dem Publikum leise raunend kommentiert. Die Leute um uns herum waren zunehmend verwundert, was wir noch alles aus unseren kleinen Rucksäcken hervorkramten. Einschließlich Gewürze, Töpfe und Besteck. Jedenfalls hat am Ende alles geklappt und wir konnten Ratatouille mit Reis genießen und haben nebenbei nette Gespräche geführt.


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    Es war aber schon spürbar, dass unsere Aktion große Aufmerksamkeit gefunden hat - wobei: Grillen oder Picknick sind ja durchaus bekannt und akzeptiert. Nur kochen im Wald ist halt noch ungewöhnlich. Wenngleich auf den Fernwanderwegen manche Leute mit "schwerem Gepäck" unterwegs sind. Nur halt so Selbstversorger wie wir wurden erstaunt beobachtet.


    Gestärkt machten wir uns dann auf den Rückweg - mittlerweile war es schon spät geworden und der nahende Sonnenuntergang drückte uns. Zwar hatten wir Lampen dabei, aber den unwegsamen Pfad wollten wir einigermaßen bei Tageslicht passieren. Alles andere wäre zu anstrengend geworden. Also haben wir Tempo gemacht und sind bis auf eine kurze Kaffeepause durchgewandert. Ich merk's heute noch … trotzdem: schön war's! :)


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  • Da habt ihr eine schöne Tour gemacht. Wir sind jedes Jahr auf einem Teilstück des Grenzweges unterwegs und übernachten dann auch im Wald. Direkt an einem alten Grenzstein. Sozusagen spielen wir dann "Grenzwacht". Macht jedes Jahr sehr viel Spaß.

    -= NUNQUAM NON PARATUS =-