100% Erneuerbare Energien - wie wird das Netz stabilisiert

  • Cephalotus ich hab das mit mit 0 Cent für Energie so gemeint, daß der Energieträger in Gestalt von und Sonnenstrahlung nix kostet, während Kohle, Erdgas, Erdöl schon mal als Engerieträger bezahlt werden muß.


    Daß die Umwandlung, bzw. die Herstellung von Strom dann was extra kostet ist schon klar.

    Wenn die Kosten höher sind als bei Neuanlagen, dann baut man die alten eben ab.


    Gerade bei Winkraft hat man ja einen sehr hohen technischen Fortschritt in den letzten 20 Jahren gehabt, eine moderen Anlage ersetzt z.B. fünf alte. Wenn das an dem Standort dann nicht mehr geht ist es halt so, dann baut man die Dinger halt ohne Ersatz zurück.


    Die 10h Regel ist der Wille der bayrrischen Politik und damit wohl auch der bayrischen Bevölkerung. Offenbar ist man dort der Ansicht, keine Energiewende zu wollen und zu brauchen. Interessanterweise hat man halt auch sonst recht wenig, woraus man dort in 2 Jahren noch Strom machen könnte.


    Ich bin sehr dafür, hier ggf entsprechende Preissignale wirken zu lassen, warum soll ganz Deutschland für die bayrischen Extrawünsche bezahlen? (das gilt analog auch für Sachsen, wo ich jetzt bin)

  • Man hat schon früher Kraftwerke NICHT in Verbrauchernähe gebaut,

    Na so richtig früher schon. Die Ursprünge des europäischen Stromnetzes lagen in den Stadtwerken. Selbst kleinste Provinzstädte hatten anfangs eigene kleine Kraftwerke, die von den Städten selbst betrieben wurden. Diese Stromnetze waren unabhängige Inselnetze. Mit der Zeit wurde dann der ländliche Raum im Umland der Städte durch Überlandleitungen angeschlossen. Erste regionale Verbundnetze gab es in D erst ab den 1920ern. Zentrale Großkraftwerke gab es dort dann ab den 1930ern. MIt dem Energiewirtschaftsgesetz von 1935 wurde dann das deutsche Verbundnetz quasi "zementiert". Das Gesetz war in D bis 1998 in Kraft. Erst seit ungefähr dieser Zeit besteht ein europaweites Verbundnetz. Nachzulesen u.a. hier.

  • Die EEG-Mengen haben das Preisniveau an den Börsen massiv gedrückt (was ja auch die logische Konsequenz ist, wenn man subventionierte Energiemengen mit Abnahmeverpflichtung in einen Markt pumpt, wo der Preis gem. Merit-Order-Logik gebildet wird.


    Dass die BNA das Abschalten von Kraftwerken genehmigen muss hat's mWn früher nicht gegeben. Das ist erst ein Thema geworden, als (ausgelöst durch obigen Mechanismus) reihenweise Kraftwerke vom Netz gingen. War so Mitte der Nullerjahre, wenn mich mein Gedächtnis nicht trübt. Allerdings war D nie mein Markt, daher kann es sein, dass ich da falsch liege...


    Dass Jahrelang keine Investitionen in Gaskraftwerke getätigt wurden (bzw. im Gegenteil mehrere GW an Gaskraftwerken eingemottet oder gar stillgelegt wurden) ist ebenfalls eine unmittelbare Auswirkung des o.a. Mechanismus. Hätten die Erzeuger eine Möglichkeit gesehen, die Gaskraftwerke kostendeckend zu betreiben, wären diese Investitionen auch geflossen.


    Ich dachte immer, die Industrienation Deutschland lebt genau davon: Anlagen zu bauen und zu verkaufen? Und plötzlich wäre es etwas Gutes, diese Produkte (die übrigens schon lange nicht mehr subventioniert werden müssen) zuzukaufen?

    Dass speziell zu Beginn da viel Geld von der chinesischen Regierung hin floss, ist korrekt. Mittlerweile ist das aber nicht mehr notwendig: Neun der zehn größten Modulhersteller sind in China beheimatet. Und Skalenfaktoren haben hier einen enormen Einfluss!


    Ob und wie toll die Abhängigkeit von China (70% aller Module weltweit kommen von dort) ist, mag jeder für sich beantworten. Vor allem, wenn man sich noch an das Kapitel Seltenen Erden erinnert.


    Dass ein Teil der Wertschöpfung (Montage) im Land bleibt, stimmt zwar. Der größte Kostenfaktor (~ 45% der Gesamtkosten) durch die Solarzellen geht aber quasi zu 100% ins Ausland (überwiegend China, s.o.), und auch beim zweitgrößten Brocken, den Wechselrichtern (ca. 15% der Gesamtkosten), ist Huawei auch schon ziemlich gut im Rennen.

    Klar gibt es hier noch SMA bzw. Fronius. Wie lange die aber da noch mithalten können, ist vermutlich eine Frage der Zeit. SMA ist (zumindest in Österreich) sowieso eine Servicewüste. Huawei hat hier vom Anteil her mittlerweile schon überholt, und bei den Wechselrichtern sind sie sowohl technisch als auch qualitativ zumindest gleichgezogen, wenn nicht tlw. sogar schon weiter also die obigen beiden.


    Auch bei der Unterkonstruktion (hier gibt es zugegebenermaßen aber wesentlich mehr Hersteller) kommen bei uns fast nur nichteuropäische Systeme (v.a. Aerocompact) zum Einsatz.

    Arbeite, als wenn du ewig leben würdest. Liebe, als wenn du heute sterben müßtest.

  • Ich dachte immer, die Industrienation Deutschland lebt genau davon: Anlagen zu bauen und zu verkaufen? Und plötzlich wäre es etwas Gutes, diese Produkte (die übrigens schon lange nicht mehr subventioniert werden müssen) zuzukaufen?

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    Ob und wie toll die Abhängigkeit von China (70% aller Module weltweit kommen von dort) ist, mag jeder für sich beantworten. Vor allem, wenn man sich noch an das Kapitel Seltenen Erden erinnert.

    Ein Solarmodul ist kein Anlagenbau. Eine Anlage ist z.B. eine Maschine, die Solarmodule baut.


    Wir produzieren in Deutschland auch keine Flachbildschirme und auch (so gut wie) keine Socken und haben damit bisher gut überlebt. Es ist nicht so, dass wir zu wenig exportieren würden. Solarmodule sind ein Massenprodukt, das x-tausendfach von den Fließbändenr runter fällt. Das ist gut so, weil nur so wurden die so billig wie sie nun sind und bei Massenproduktion ist China nun mal besonders gut.

    Ein paar Solarmodule bauen wir übrigens in D schon noch. In Dresden z.B. die Solarwatt AG (mit zugekauften Zellen). Das wird dort zu einem großen Teil von Robotern gemacht. (ich war schon 2x in der Fabrik). Aber die sind halt etwas teurer, müssen also einen Mehrwert bieten. Als Kunde hat man aslo durchaus die Wahl. Ich würde z.B. die Solarwatt Module kaufen.


    Den Zusammenhang zwischen Solarmodulen und seltenen Erdene verstehe ich nicht. typische Solarodulle auf c-Si Technik enthalten keine nennenswerten Mengen an seltenen Erden. Indium für CIGS Module ist ein potentieller Engpass, aber die haben keine Marktbedeutung. (Indium ist aber keine "seltene Erde", sondern im Gegensatz zu diesen tatsächlich selten)

  • Das mit den Seltenen Erden war darauf bezogen, dass diese (gar nicht so seltenen Rohstoffe) aus Kostengründen zu über 90% nur mehr in China produziert wurden, weil alles andere nicht mehr konkurrenzfähig war (weil man dort u.a. Umwelt- und Sozialstandards einhalten muss, was in China ja niemanden juckt). Und China hat dann 2019 plötzlich den Export stark eingeschränkt, um im Handelsstreit mit den USA ein Druckmittel zu haben. Weil ja die ganze Welt an deren Tropf gehangen ist.


    So etwas ist auch prinzipiell bei PV-Modulen vorstellbar: Liefert China weder Wafer noch Module, ist ein Jahr später die gesamte Branche (vom Solateur über WR-Produzenten bis zum UK-Bauer) die ganze Branche in argen Nöten. Denn so schnell lassen sich die Produktionen nicht hochskalieren. Noch dazu, wenn plötzlich die Chinesen wieder liefern, und die hastig errichteten Fabriken dann wieder nicht konkurrenzfähig sind und wieder pleite gehen.

    Arbeite, als wenn du ewig leben würdest. Liebe, als wenn du heute sterben müßtest.