Acebeam x45 v2 (XHP70.2 P2)

  • Kaum wird es Dezember, steht nicht nur Weihnachten ins Haus, sondern auch die längsten Nächte des Jahres. Und wenn es so richtig finster wird, wächst der Wunsch nach Licht. Menschlich. Aber statt einer Weihnachtsbeleuchtung ist meine Wahl in diesem Jahr auf die Acebeam X45 v2 (XHP70.2 P2) gefallen! Von der Acebeam T27 war ich schon früher begeistert. Sie ist als Thrower ("Fernlicht") konzipiert und will einen fokussierten Strahl möglichst weit werfen.


    Die X45 v2 verfolgt dagegen als Flodder ("Flutlicht") ein anderes Konzept und will möglichst viel und breit ausleuchten. Mit max. 18.000 Lumen schafft sie das auch ganz ordentlich und ergänzt die T27 ideal.


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    Es gibt noch deutlich leistungsstärkere (und teurere) Lampen dieser Art (z. B. Lumintop BLF GT70) . Aber mir waren neben der reinen Leistung auch Leuchtdauer und Nutzbarkeit im Alltag wichtig. Mit einer Leuchtdauer von 1,25 Stunden in der Stufe "High" (5.000 Lumen) und einem Gewicht von ca. 710 g (mit Akkus) ist die X45 v2 schon grenzwertig.


    Vor allem durch das Gewicht würde ich sie nicht auf längere Wanderungen mitnehmen wollen. Sie eignet sich eher für den gezielten Einsatz oder kürzere Spaziergänge.


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    Befeuert werden die vier CREE XHP70.2 P2 LEDs von vier 18650 Li-Ionen-Akkus mit jeweils 3.100 mAh. Die Lampe besteht aus drei Teilen: (1) Lampenkopf mit LEDs, Reflektor und elektronischer Steuerung; (2) Batteriehalter und (3) Griffstück. Die Verarbeitung ist sehr gut. Nichts klappert, das Gewinde ist sauber geschnitten und gefettet und der O-Ring ist relativ dick, um die Lampe nach dem IPX8-Standard bis zu einer Tiefe von 2 m wasserdicht zu machen.


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    Abmessungen

    Von den Abmessungen ist sie sehr kompakt (ca. 16 cm hoch; am Griff ca. 5,2 cm und am Lampenkopf ca. 8,8 cm dick). Damit ist sie sogar noch minimal kürzer als die schon kompakte T27. Der dickere Griff ist angenehm zu umfassen, allerdings wären eine Verdickung am Ende oder eine etwas rauere Fräsung hilfreich gewesen. Hält man die 710 g schwere Lampe senkrecht nach unten, rutscht sie bei leichtem Handgriff mit der Zeit durch. Auch fehlt mir ungefähr ein fingerbreit mehr Länge, um sie wirklich bequem halten zu können.


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    Zum Vergleich daneben auch eine Fenix LD41.


    Weitere Einschränkung bei der Ergonomie: sie kann zwar wunderbar senkrecht auf den Lampenboden gestellt werden, da sie anders als die T27 über keinen Tail Switch ("Kappen-Endschalter") verfügt, aber der seitliche Ein-/Ausschaltknopf aus Edelstahl ist im Dunkeln taktil zu unauffällig - da sucht man mit unter etwas am runden Lampenkopf, bis man ihn gefunden hat.


    Bedienung

    Die Bedienung gibt dagegen Acebeam-typisch keine Rätsel auf und ist für den Alltag sehr praktisch gelöst. Ein kurzer Druck auf den Schalter schaltet die Lampe im zuletzt gewählten Modus (außer Turbo) an oder aus. Ein langer Druck bei ausgeschalteter Lampe startet sie im Firefly-Modus (10 Lumen). Bei eingeschalteter Lampe wechselt ein langer Druck die drei Standard-Modi "Low", "Medium" und "High" durch. Ein Doppelklick bei eingeschalteter Lampe startet den Turbo-Modus 1 (9.000 Lumen); ein weiterer Doppelklick schaltet von dort in den Turbo-Modus 2 (18.000 Lumen). Stroboskop-Funktion gibt es ergänzend. Ein Lock-out-Modus sperrt die Lampe gegen versehentliches Einschalten in der Tasche oder im Rucksack.


    Das ist praktisch, da der Lampenkopf in den beiden Turbo-Modi nach einigen Minuten heiß wird!


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    Bauweise und Alternativen

    Anders als vergleichbare Flooder (und die erste Version!) nutzt die X45 v2 keinen aufgerauten Reflektor (Orange peel), sondern vier individuell für jede LED eingelassene, glatte Reflektoren mit einer reflektierenden Spitze in der Mitte. Die LEDs sitzen auch nicht so tief wie bei der T27. Trotzdem deutet sich hier schon an, was mir am Strahlbild der X45 v2 so gut gefällt: sie generiert natürlich in erster Linie ein Streulicht - und zwar wirklich hell und breit. So wird auch das periphere Gesichtsfeld im Umfeld mit ausgeleuchtet. Aber sie kombiniert damit auch einen akzentuierten Mittelspot, der nie dominant ist, aber den Bereich, auf den man die Lampe ausrichtet, angenehm hell hervorhebt. Und sie vermag anders als vergleichbare Flooder sogar Licht weiter in die Ferne zu werfen. Für mich ist das Strahlbild daher perfekt.


    Ich habe lange zwischen der X45 v2 und der X80 GT von Acebeam geschwankt. Letztere hat mit max. 32.500 Lumen kurzfristig mehr Leistung und ist noch kompakter ("Dosenformat"). Aber sie wird durch die hohe Leistung und die kompakten Maße noch heißer als die X45 v2. Außerdem regelt die X80 GT nach wenigen Minuten auf 4.000 Lumen herunter. Die X45 v2 kann dagegen 5.000 Lumen dauerhaft halten (1h 15 min)!


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    Lichtfarbe und Helligkeit in der Praxis

    Die X45 v2 wird in zwei Lichtfarben angeboten: 5.000 Kelvin (neutral-weiß) und 6.500 K (kalt-weiß). Ich habe mich wie bei der T27 für die neutral-weiße Variante entschieden, da sie Farben natürlicher erscheinen lässt. Sie tendiert aber eher ins wärmere/gelblichere Weiß. Verglichen mit einem Auto-Halogenscheinwerfer ist sie weit weniger gelb und deutlich heller. Verglichen mit einem Auto-LED-Scheinwerfer ist sie dagegen deutlich gelblicher.


    Nach einigem Testen würde ich die kalt-weiße Variante gerne mal ausprobieren. Subjektiv soll sie noch heller wirken. Andererseits blendet die 5.000 K-Variante gerade in den hohen Leuchtstufen weniger.


    Zum Wandern im finsteren Wald reicht theoretisch der Firefly-Modus (10 Lumen) aus und leuchtet dann auch mehrere Nächte durch (310 Stunden). Bequemer ist aber der Low-Modus (800 Lumen / 10 Stunden). Im High-Modus (5.000 Lumen / 1,25 Stunden) wird der Weg nahezu taghell ausgeleuchtet. Die nutzbare Reichweite ist mit mehreren hundert Metern dann auch so groß, dass man sich wie am Tag orientieren kann. Sehr beeindruckend.


    Die beiden Turbo-Modi (9.000 und 18.000 Lumen) können nur für wenige Minuten eingesetzt werden, wärmen gerade im Winter angenehm die Finger, und leuchten den Wald sehr hell und weitreichend aus. Für Beam-Shots empfehle ich die unten verlinkten Videos, sie geben einen guten Eindruck.


    Im Vergleich zur T27 zeigt die Projektion auf eine Wand wenig überraschend, dass die T27 (rechts im Bild) einen stark gebündelten Strahl und die X45 v2 ein viel weicheres, diffuseres Strahlbild erzeugt. Auffällig ist der sichtbare Spot in der Mitte bei der X45, der ihr die oben beschriebene Reichweite verschafft. Die Lichtfarben sind in der Natur nicht ganz so unterschiedlich wie auf dem Foto.


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    Insgesamt ein faszinierendes Stück Technik, das man nicht wirklich braucht, aber trotzdem haben will. 8)


    Beam shots

    https://youtu.be/Q-YZOTDPKT0?t=1079

    https://youtu.be/7rj4pp0D0uc?t=450