Chinas Aufstieg zur Supermacht - Und wird Europa zwischen USA und China zerrieben werden?

  • Hui. Ich wollte natürlich keinen Berufsstand beleidigen! Da entschuldige ich mich ganz öffentlich bei allen, denen ich auf den Schlips getreten bin!


    Mir ist sehr wohl bewusst, welche Anforderungen der Beruf des Schreiners mit sich bringt. Aus meinen Klassen habe ich immer wieder Schüler, die gerne diesen Beruf erlernen möchten und auch handwerklich geschickt wären. Meistens scheitert es an den mangelhaften schulischen Kenntnissen.

    Nachtrag: Dennoch habe ich in jeder Klasse sicher auch interessierte und talentierte Schüler, die solche Berufe erlernen können.

    Mit "unterstes Niveau" meinte ich einfach, dass man bei meiner Schulstufe nicht weiter nach unten fallen kann.


    Meinen Schülern sage ich immer, dass die dümmsten Leute Lehrer werden. Schliesslich ist das der einzige Job, wo man einen Ordner mit allen Lösungen erhält.

    Heute ein guter Plan ist besser als morgen ein perfekter Plan.

    -George S. Patton-

    Einmal editiert, zuletzt von Chuck Noland ()

  • ....ich glaube.....

    Inzwischen kommt so langsam die Zeit zurück, in der man selbst nach der 9. Klasse abgegangen mit einer ordentlichen Ausbildung im Handwerk wieder seine Brötchen für die Familie verdient bekommt!

    Find ich gut...

    Inzwischen meinen ja alle, das Tastenquälen wäre das Maß der Dinge...sehe ich echt völlig anders...


    Auch wenn es sicherlich hilfreich ist, wenn man weiss wie man seinen PC neu Aufsetzt.....es gibt auch noch anderes...!


    Ich bin der Meinung was anderes ist viel wichtiger:


    -Benimm

    -Teamarbeit

    -Zuverlässigkeit

    -Menschenkentniss

    -Achtung

    Und:

    - Unterricht in Geld und Finanzen!

    Insbesondere das wird meiner Meinung nach völlig und VORSÄTZLICH vernachlässigt, braucht die Industrie und das Finanzwesen doch unwissende Opfer, die leicht ausgenommen werden können... Die Wirtschaft muss ja laufen!

  • Aber für die Jungend heute wird alles schön "convinient" präsentiert.

    Gerät starten und mit großen bunten Buttons nicht viel denken müssen.


    Ja, stimmt. Und dennoch basieren die schönen Android "convinient" Klicki-Bunt Buttons auf Linux. Da müsste sich doch "irgendwie" eine Anwendung finden lassen, wie man Schülern auf spassige Weise paxisorinetierte Computertechnik am Beispiel von Linux beibringen kann. Wenn es in 5 Jahren ein Opensource-Windows gäbe, dass den gleichen Einblick in Partitionstabellen, Dateisystem, Funktionsaufrufe, Scripting, usw. bietet, wäre mir das genauso recht.


    Aber ein den tieferen Einblick vermittelndes Betriebssystem ist mit Sicherheit ein besserer Start ins Programmieren mit Algorithmen etc.. als ein aktuelles MS-Windows, dass die User absichtlich doof hält!

    It's not just the number of cannons, that decides about the outcome of a sea-battle, but - more importantly - how well you're able to operate  the ship. (Frei zitiert nach Admiral Lord Horatio Nelson, 1758–1805).

  • Ja, stimmt. Und dennoch basieren die schönen Android "convinient" Klicki-Bunt Buttons auf Linux. Da müsste sich doch "irgendwie" eine Anwendung finden lassen, wie man Schülern auf spassige Weise paxisorinetierte Computertechnik am Beispiel von Linux beibringen kann.

    Was man beim allgemeinen Wehklagen über die nur an der bequemen Technikanwendung interessierte Jugend von heute allzugerne übersieht: die Unternehmen, die diese Convenience-Technik entwickeln und anbieten, sind jung, verdammt jung. Mark Zuckerberg ist Jahrgang 1985. Google LLC ist 1998 gegründet worden, heute gehalten durch Alphabet (gegründet 2015). Der CEO von Alphabet, quasi der Kopf von Google, ist Sindar Pichai, mit Jahrgang 1972 auch noch kein Rentner.

    Eine der führenden KI-Forscherinnen ist Chelsea Finn an der Stanford University. Hat 2018 ihren Ph.D. gemacht und hat nun eine Professur inne. Sie ist mittlerweile 26. Oder Julian Schrittweiser, 25, der Programmierer, der dem Computer mittel KI-algorithmen Go beigebracht hat, was dazu geführt hat, dass der Go-Großmeister nach mehreren Niederlagen gegen AlphaGo aufgegeben hat und nicht mehr gegen Computer spielt.


    Usw. Es ist bei weitem nicht die Generation 50+, die unsere Technologien vorantreibt. Das Problem ist eher, dass die Macht- und Geldelite "alt" ist.

    Mich stört es nicht, wenn von 10.000 Kids nur 100 zu Technologie-Ingenieuren oder Naturwissenschaftlern werden und der Rest mit der modernen Technik "nur" umgehen kann. Mich stört es aber um so mehr, wenn die Alten den Jungen Zugang zu zeitgemäßer Bildung schlichtweg verweigern.


    Nur ein Beispiel: in Baden-Württemberg ("dem Land der Tüftler") wurde der Pflicht-Informatikunterricht an den Schulen vor einigen Jahren abgeschafft. Das muss man sich mal klar machen. Stattdessen schob man dann irgendwann Nebenfächer mit den schönen Bezeichnungen "Medienkunde" oder "Tastaturtraining" (kein Witz, hat unser Junior am Gymnasium beides als Fach).


    Ich erwarte auch nicht, dass man an allgemeinbildenden Schulen Programmieren in C oder C++ als Pflichtfach einführt. Aber eine Python-Umgebung einrichten und in Google Colab mal ein paar neuronale Netze trainieren (meinetwegen auf Katzenbilder im Web), sollte man in Klasse 12 an einem Gymnasium mal gemacht haben. Tut nicht weh, kostet kein Geld - geht alles komplett online und ist in 10 Unterrichtseinheiten mit Erfolgserlebnis vermittelbar. Meine Bachelor-Studenten aus Indien kommen mit diesem Handwerkszeug schon nach Deutschland.


    Die Lehrkräfte an unseren Schulen ticken aber noch so: "Ich hab das und das im Studium vor 5 oder 10 oder 20 Jahren gelernt und das vermittle ich jetzt, nicht mehr und nicht weniger. Für neue Sachverhalte müsste ich Fortbildungen belegen, dafür fehle ich dann aber im Unterricht, weil in der Freizeit mache ich das nicht."

    Und weil Lehrermangel herrscht, herrscht auch Fortbildungsmangel, ganz einfach. Und selbst wenn Lehrer zu Fortbildungen gehen, dann sind die dort vermittelten Inhalte auch schon mindestens 5 Jahre alt. Das ist beim aktuellen Innovationstempo leider viel zu langsam.


    Bestes Beispiel KI: vor 5 Jahren brauchte man noch einen vollwertigen leistungsstarken Rechner, um z.B. Videodaten in Echtzeit auf Muster (Gesichter, Autokennzeichen) oder Audio-Streams auf Muster (Spracherkennung, Identifizierung) zu untersuchen - Investition 500 Euro oder mehr für die Hardware, dazu die Software und eine Kamera. Heute, Ende 2019, bekomme ich ein System, das genau das leistet, im Taschenformat und für 25 Euro - aus China, sogar der KI-Chip wurde dort entwickelt.


    China hat im Moment den Vorteil, dass es einfach mehr junge Menschen hat, als wir im alten Europa. Und diese Jungen (bei uns und in China) wachsen mit den aktuellen Technologien auf. Und wenn nur 1% jedes Geburtsjahrgangs sind, die technikaffin sind und einen Ingenieur- oder Naturwissenschaftler-Beruf ergreifen, dann sind das halt bei 5 Mio. Geburten in EU und 15 Mio. Geburten in China pro Jahr 50.000 gegen 150.000 Nachwuchs-Techniker. Und wenn man es auf D alleine runterbricht, mit 700.000 Geburten/Jahr entsprechend 7.000 gegenüber 150.000 oder 21x mehr chinesische Tech-Kids pro Jahr.


    Europa muss Tempo in seine Bildungssysteme reinbringen.


    Grüsse

    Tom

  • Wenn Du mit einem Mann ein Schiff bauen willst, dann gib ihm nicht Hammer und Bretter, sondern erwecke in ihm die Sehnsucht nach den Weiten des Meeres. (Autor unbekannt).


    Unser Bildungssystem nimmt sogar noch Hammer und Bretter weg ...


    Zum Inhalt: Du kannst nicht zehn Jahre vorm Abi den Kindern das vermitteln, was sie dann zum Abi brauchen. Weil das noch nicht bekannt ist. Aber man kann versuchen nicht jede Neugier im Keim zu ersticken.



    Nick

  • Ob man jetzt Schüler, die mit Informatik im Allgemeinen und "KI" im Speziellen nichts anfangen können, direkt damit quälen muss... Schule muss nicht jedem Hype hinterher rennen. Die sogenannte Künstliche Intelligenz wird, wenn sie den Hype überstanden hat, als standardisiertes Tool zur Lösung von Problemen im Werkzugkasten der Informatik landen und nur dann rausgekramt wenn sie benötigt wird. Na ja. Ist sie ja eigentlich schon, siehe auch AWS und Azure. Wie viele andere Bereiche für die Forschung mit Sicherheit sehr interessant. Fortschritte in dem Bereich werden aber wohl kaum zu bahnbrechenden Neuerungen führen. Von Cyperdyne Systems sind wir da noch ganz ganz weit entfernt.


    Dass unser Bildungssystem am Boden liegt sehe ich allerdings ganz genau so. Unsere beiden Jungs, mittlerweile in der Oberstufe, empfinden Schule nur noch als sinnlose Quälerei. Sie sind keine Überflieger, aber auch keine schlechten Schüler. Der Jüngere der beiden wird jetzt 4 Monate vor seinem Abitur die Segel streichen und im Sommer eine handwerkliche Ausbildung anfangen.


    Was ich hier sehe ist, dass hier die Bildungseliten immer stärker gefördert werden und alles was ansonsten an Potential vorhanden ist links liegen gelassen wird. Ob wir uns das auf Dauer leisten können? Auf der anderen Seite scheint es aktuell wohl vollkommen auszureichen, wenn von 10.000 Schülern nur 100 den Beruf des Ingenieurs ergreifen. Wenn dort ein echter Mangel herrschen würde, müssten die Vergütungen eigentlich massiv steigen. Was sie aber nicht tun. Die Wirtschaft will also wohl doch was ganz anderes als den gut ausgebildeten Ingenieur, der 16 Jahre (mindestens) die Schulbank gedrückt hat. Möglicherweise wird Wissen dann, wie alles andere auch, günstig aus China importiert? Schwer zu sagen, ob das funktionieren wird. Die Inder haben es vor 20 Jahren mal in der IT versucht und waren am Anfang auch wohl recht erfolgreich. Mittlerweile aber ist Outsourcing nach Fernost nur noch selten anzutreffen.


    Und was chinesische Bildungssystem angeht: man will halt die wirtschaftliche Macht auf diesem Planeten werden. Auch das Schulsystem ist darauf ausgerichtet. Extrem ideologisiert und hochgradig kompetitiv. Das ist mit halbwegs freiheitlich denkenden Menschen wie hier in Europa schlichtweg nicht machbar.

    I feel a disturbance in the force...

  • Und was chinesische Bildungssystem angeht: man will halt die wirtschaftliche Macht auf diesem Planeten werden. Auch das Schulsystem ist darauf ausgerichtet. Extrem ideologisiert und hochgradig kompetitiv. Das ist mit halbwegs freiheitlich denkenden Menschen wie hier in Europa schlichtweg nicht machbar.


    Heute kam die Nachricht übern Ticker, dass ein chinesisches Gericht entschieden hat, dass der chinesische Forscher He Jiankui 3 Jahre ins Gefängnis muss, weil er das Erbgut von Embryonen durch Genmanipulation gegen Aids resistent gemacht hat. Der Vater hatte AIDS und der Forscher wollte verhindern, dass die Kinder mit AIDS infiziert geboren werden.


    Und ich habe mich spontan gefragt, ob das chinesische "Gericht" genauso entschieden hätte, wenn es sich um eine Genmanipulation zur Verbesserung der intellektuellen Lernfähigkeiten gehandelt hätte?


    Man muss dazu wissen, dass China und ganz Südostasien aus europäischer Sicht absolut bildungs- und leistungsverrückt sind. Lernen und Bildung sind dort Staatsräson. Wenn die Schüler in Südkorea Zentralabiturtag haben, werden die Hauptverkehrsstraßen für Autos gesperrt, damit die Schulbusse ja nicht zu spät zur Abiklausur kommen. Die Südkoreanischen Schüler lernen vor den Abiklausuren bis spät in Nacht und schlafen dann oft in der Schulunterricht ein. Das ist dort ganz normal. Der Lehrer macht einfach weiter, weil er weiß, dass die Schüler zu Hause "kurz bis vorm Umfallen Lernen". Lernen und Leistung sind dort eine ganz andere Welt als bei uns.

    It's not just the number of cannons, that decides about the outcome of a sea-battle, but - more importantly - how well you're able to operate  the ship. (Frei zitiert nach Admiral Lord Horatio Nelson, 1758–1805).

    Einmal editiert, zuletzt von consuli ()

  • It's not just the number of cannons, that decides about the outcome of a sea-battle, but - more importantly - how well you're able to operate  the ship. (Frei zitiert nach Admiral Lord Horatio Nelson, 1758–1805).

  • Auf Netflix gibt es eine Doku die einen Einblick in die globalisierte (chinesische) Welt liefert:


    https://www.netflix.com/de/title/81090071


    Schon erschreckend anzusehen, dass jeder chinesische Arbeiter einer massiven ökonomischen Effizienz unterworfen ist die kaum noch Raum für Persönliches lässt. Und wenn dann ein chinesischer Unternehmer im Westen (hier in den USA) investiert und feststellen muss, dass Menschen im Westen sich als Individuum sehen und entsprechend behandelt werden wollen.

    I feel a disturbance in the force...