Flucht mit dem Fahrrad

  • Paddy:

    das muss ich halt ausprobieren. Ich würde schon gerne ausschließlich nur einen Rucksack nutzen, da das Ganze ja als "Fluchtoption" dienen soll. Mit Packtasche ist die Reise dann zu Ende, wenn das Fahrrad weg oder defekt ist. Den Rucksack leer mitzunehmen finde ich auch keine gute Option.


    Gruß


    TiD

  • Wäre es für dich eine Option, in Packtaschen Dinge zu transportieren, die du für die Zeit mit dem Fahrrad brauchst, wie zum Beispiel Ersatzteile und Werkzeug für das Fahrrad oder Vorräte für einige Tage?

    Das hätte den Vorteil, dass du nach dem Ausfall des Fahrrads dich nicht mit unnötigen Ballast beschweren musst. Und solange das Fahrrad funktionsfähig ist, kannst du aus den Packtaschen leben.

  • Ich habe das Flickzeug (und auch etwas Bargeld) im Lenker des Fahrrades. Zum Zugang brauch ich nur einen passenden Schraubendreher, um die Lenkerendstopfen zu entfernen, aber es gibt auch gesteckte Endstopfen, dann ginge es ganz ohne. Und die Fahrradpumpe ist mit so einem Sicherungsband (sieht in etwa wie Schlauchsicherung aus, nur mit Schloss) am Rahmen festgeschraubt.

  • Gestern bin ich mit roten Klepper 100km in 4 Stunden gefahren.

    Die mögliche Fluchtgeschwindigkeit ist also recht hoch, allerdings muss ich die verfügbare Wassermenge und die Lebensmittel in der Menge hochsetzen.

    Mich hat auf den letzten Kilometern dann doch noch „Der Mann mit dem Hammer“ erwischt ;)


    Gruß


    out

  • Glatte Straße, recht eben, 30km mit nicht schwachen Gegenwind.

    Geht mir derzeit darum, mich an die Belastung ran zu tasten.


    Gruß


    out

  • Ich bin zwar schon dreimal bisher längere Touren abseits der Zivilisation mit dem Rucksack gegangen, habe es aber noch nie geschafft, bei einer Fahrradtour auch mal nur 1 Tag ohne Zivilisation zu sein, auch nicht in 7 Wochen Rumänien oder mal in Ostafrika.


    Daher habe ich keine „Fluchterfahrung“ mit dem Fahrrad.


    Da ich kein eigenes Auto besitze habe ich aber sehr viel Alltagserfahrung mit Fahrrädern und ich besitze auch mehrere Stück davon, die meisten heute motorisiert oder umgebaut.


    Zu einigen der hier geäußerten Ansichten habe ich eine andere Meinung:


    -          Neue Räder sind mMn langlebiger und hochwertiger als alte. Rahmen sind heute stabiler als früher, ganz besonders die modernen Lenkkopf- und Tretlager und Vorbauten sind gegenüber dem früher verbauten klar überlegen, ebenso moderne Ketten- und Ritzel Pakete. Scheibenbremsen sind bzgl. Verschleiß den Felgenbremsen überlegen (und Ersatzbremsbeläge wiegen quasi nix). Im Alltag(!) sind mir Felgenbremsen meist doch lieber. Laufräder sind ein eigenes Thema.


    Mit Federsystemen hab ich nur begrenzte Erfahrung, aus meiner Sicht sind das Verschleißteile. Meine Räder sind auch nicht vom letzten Jahr, sondern 25 Jahre bis ca. 7 Jahre alt vom Zeitpunkt der Marktverfügbarkeit, fast alle habe ich gebraucht gekauft. Ich hab z.B. überall 9fach Kettenschaltungen, nicht weil die jetzt so überlegen wären gegenüber moderneren, sondern weil die Verschleißteile billig sind, weil die meisten das eh schon hatten und weil ich das bei allen Rädern einheitlich haben will.


    -          Der Hauptvorteil des Fahrrads gegenüber dem Rucksackträger ist neben der Geschwindigkeit vor allem der immense Vorteil, dass quasi jedermann/frau vernünftig gepackt und auf erträglichen Straßen recht problemlos 30kg statt 15kg an Gepäck mitnehmen kann. Mir erschließt sich nicht ganz, warum man diesen Kernvorteil aufgeben will


    -          Das Gepäckgewicht hat auf Touren praktisch keinen Einfluss, siehe: https://www.cyclingabout.com/h…ear-weight-slow-you-down/ (die ganze Seite ist sehr lesenswert, wenn einen Technik von Radtouren interessiert)


    -          Dünne Reifen haben einen höheren(!) Rollwiderstand als dickere, hoher Luftdruck erhöht(!) den Rollwiderstand gegenüber normalem Luftdruck, außer auf der Stahlrolle (und wer fährt auf Stahl?). Die meisten Leute glauben etwas anderes, aber es ist tatsächlich so und das lässt sich auch ermitteln. Es kommt einem auf dünnen hart aufgepumpten Reifen nur schneller vor, wenn es einem die Füllungen aus den Zähnen schüttelt.

    Siehe dazu auch:   https://www.renehersecycles.co…-tire-pressure-is-faster/ (die ganze Serie ist sehr lesenswert).


    Warum fahren dann Rennradfahrer schmale Reifen?

    1. Sie tun es nicht und fahren heute bereits für die Rahmen eher breitere Reifen, der 24-Stunden Weltrekord der Frauen im Velomobil wurde mit einem 60mm breiten Reifen hinten gefahren

    2. Beim professionellen Rennradfahrer spielt der Luftwiderstand der Reifen eine signifikante Rolle, außerdem führen leichte und schmale Reifen zu geringerer Rotationsträgheit, was im Sprint von Vorteil ist. Nichts davon ist für den Tourenradler von Relevanz.

    Pannenfreiheit, Komfort und Rollwiderstand sind hingegen von hoher Relevanz und das spricht für breitere Reifen mit moderatem Luftdruck und geeigneter Karkasse. Die Unterschiede bei Reifen im Rollwiderstand sind übrigens extrem. Ein Marathon Almotion ist erheblich schneller und komfortabler als ein Marathon Mondial. Der Marathon Mondial übersteht mit seiner harten und dicken Lauffläche halt 20.000km, dafür rutscht er bei Novembernässe- und Kälte richtig übel. Prioritäten?


    -          Komfort ist hingegen auf der Langstrecke extrem wichtig. Wenn man jeden Tag, Tag für Tag fährt. Für 90% der Leute (vielleicht auch 100%?) sollte ein leicht gewinkelter Lenker besser sein als eine cooler Besenstil Lenker für MTBler. Außerhalb von Gelände oder Eis- und Schnee braucht man keine 70cm breiten Lenker. Handgelenke sind im Idealfall gerade, Ellbogen geknickt. 80% der Leute fahren genau anders herum und wundern sich über Schmerzen.

    Ein Rucksack erhöht die Belastung auf Handgelenke und Hintern, das ist das allerletzte was man beim Komfort haben will. Dazu verspannt er noch Schulter und Nacken. Bzgl. Luftwiderstand ist er aber besser.

    Der Crux hat auf dem Rad wenigstens noch den Vorteil der schmalen und flexiblen Hüftflossen.


    -          Zum Thema weite Strecken mit dem Fahrrad fahren und was da alles wichtig wird empfehle ich die sehr gute Seite: https://ridefar.info/ Die Internetseite ist quasi ein kostenloses Buch zum Thema Langstreckenradrennen, man kann da sehr viel lernen.


    -          Wenn man mit einen Hänger ins Gelände möchte muss man natürlich einen Hänger kaufen, der auch dafür gemacht ist. Das bedeutet meiner Meinung nach schlank, 1 Rad, Federung und –aus meiner Sicht- (hier bin ich aber in der Minderheit) Befestigung an der Sattelstütze statt am hinteren Ausfallende. Ich hab einen Tout Terrain Mule, der hat auch sein sinnvolles Limit so bei 30-35kg (Gelände 25kg), aber bis dahin spürt man den nur dort wo die Masse generell spürbar ist, fahrtechnisch ist der quasi neutral (kürzt aber wegen der Position des Drehgelenks die Kurven ab), weitaus besser als Packtaschen. Er nimmt auch Last vom Rad weg. Das Handling eines Gespanns ist natürlich immer schwieriger im abgestiegenen Fall. Ein Rad kann man sich auch mal über die Schulter heben und tragen, mit Hänger ist das nicht so einfach.


    Bei der Flucht mit dem Fahrrad sehe ich drei wesentliche Herausforderungen:


    1.       Das Wetter. Schlechtes Wetter mit dem Rad ist viel, viel, viel, viel schlimmer als zu Fuß. Wer es nicht glaubt fährt mal drei Tage am Stück an einen nasskalten Dezember mit überfrierenden Nässe. Im Grunde ist es die Hölle und auch richtig gefährlich, weil man sich Finger und Zehen in bei miesem Wetter unvermeidlich nassen Handschuhen und Füßen bei stundenlangen Fahrten auf dem Fahrrad durchaus abfrieren kann. Dazu wird es auf Dauer sehr unangenehm, wenn man sich auch die Unterhose durchnässt und dann anfängt alles mögliche aufzuscheuern.

    Sachen die zu Fuß das Leben erträglicher machen können wie Stöcke, Schirm, Poncho funktionieren auf dem Fahrrad alle nicht, dazu kommt der erhebliche Windchill.


    2.       Wie kann ich mein Gepäck so transportieren, dass ich auch ohne Fahrrad weiter kommen und wie kann ich auch mit Fahrrad schwierige Situationen meistern? (Gelände, Wald, Fluss, Transport mit Boot, Bahn, PKW, LKW…) Bikepacking halte ich nur dann für eine praktikable Lösung, wenn man den wichtigen Kram dann auch in einem Rucksack unter bekommt.


    3.       Wie kann ich schnell genug beschleunigen, um aus Gefahren zu entkommen und wie kann ich in einer Gruppe Leistungsunterscheide ausgleichen? Unterschiedliches Gepäckgewicht bringt kaum was, weil es sich im Gegensatz zum Wanderer nur gering auf die Durchschnittsgeschwindigkeit auswirkt.


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    Teil 2 wegen 10.000 Zeichen Grenze

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    Ich selbst bastle an zwei Fluchtfahrradkonzepten. Das erste basiert auf alten L1e-A Speedpedelec mit Zulassung bis 45km/h. Mit zwei solchen umgebauten Fahrzeugen bin ich mit meiner Freundin letzten Sommer durch die Schweiz und Frankreich gefahren. Selbst im Kontext eines Urlaubs mit Zwischenbesichtigungen, spätem Aufstehen und sich nicht tot machen waren da 150km am Tag möglich, wenn man es auf Strecke auslegen möchte gingen vermutlich auch 250km am Tag. Relevant ist jenseits der 25km/h vor allem der Luftwiderstand, Leistungsunterschiede spielen kaum eine Rolle, die nivelliert der Motor. Man muss aber 1-2kWh am Tag nachladen können.


    Bei einem nicht reparablen Defekt des Antriebssystems müsste man dann das hintere Laufrad tauschen und könnte als normales Rad weiter fahren, die Technik basiert auf einem damals sehr hochwertigen Fahrrad ohne nennenswerte Spezialteile. Da solche Fahrzeuge mit diesen Eigenschaften nicht mehr gebaut werden und auch in Zukunft nicht mehr gebaut werden können (die Zulassungsbedingungen haben sich in D geändert) habe ich über die Jahre gleich mehrere davon gebraucht gekauft und auch schon die Bauteile für Antriebskonzepte die deutlich einfacher unterwegs zu reparieren sind als das bisher verbaute System. Man muss aber das Stromproblem lösen.


    Ein Ansatz im Sommerhalbjahr ist dies mittels Solarenergie zu tun, die Module dazu würde ich auf meinen Hänger packen. Denkbar wäre prinzipiell auch nachts zu fahren und tagsüber zu laden, dann könnte man auch Faltmodule nehmen. Wenn man halbwegs schnell fahren will braucht man –optimiert- so 5-10Wh/km, langsam tun es ggf. auch 3Wh/km. Im Sommer kann man mit 4Wh pro 1Wp rechnen mit mitgeführten Modulen.


    Für mich das technisch coolste Konzept im ganzen Internet ist das hier: https://endless-sphere.com/forums/viewtopic.php?f=6&t=94721


    So wie ich die meisten Forenteilnehmer kenne findet ihr das hier aber spannender und passender als Fluchtfahrzeug: https://www.pedelecforum.de/fo…k-mamba-solarmobil.77903/


    Dass das so in der Praxis auch klappt zeigen z.B. die Solarfahrrad-Wettrennen von Frankreich nach Ostchina: https://www.thesuntrip.com/ (nach unten scrollen, da sind die Berichten von den alten Rennen)


    Mein eigener Solaranhänger soll auf dem o.g. TT Mule basieren, ich habe 6 Stück schwarze nicht reflektierende 50W Solarmodule mit je ca. 60cm x 56cm und das Gepäck im Hänger möchte ich eigentlich so transportieren, dass es auf dem Rücken tragbar ist und zwar als Rucksack alleine, aber für kurze Strecken quasi der Anhänger mit dem Rucksack mitgetragen wird. Die Module kann ich dann „zusammen legen“ und in der einen Hand tragen. In der anderen bzw. über der Schulter dann das Fahrrad selbst. So müsste das ganze Gefährt zumindest über kurze Strecken am Stück tragbar bleiben. Wenn man mit 20kg für das Zugfahrzeug rechnet, 7-10kg für die Solarmodule, 9kg für den Hänger + Rucksack, dann landet man bei 20kg Tourengepäck bei 56kg Ausrüstung, bei 30kg Fluchtgepäck bei 66kg Ausrüstung. Ggf. noch 5kg für das Pack Raft dazu. Dass man das nicht über weite Strecken tragen kann dürfte klar sein.


    Eine Alternative wäre noch ein kleiner Motor mit Rekuperation und kleinem Akku und vielelicht kleinem Faltsolarpanel. Hier würde man den Motor im Antrieb nur dann nutzen, wenn man ihn unbedingt braucht und um mal schnell aus einer brenzligen Situation zu flüchten. Der Strom dafür käme dann weitgehend aus der Bremsenergie, meiner bisherigen Erfahrung nach kann man im hügeligen Gelände mit 1Wh/km rechnen.

    Der Strom stünde dann natürlich auch für alle anderen Verbraucher zur Verfügung.

    Man erhöht aber weder seine Reichweite noch die Durchschnittsgeschwindigkeit damit.



    Mein zweites Konzept für ein Fluchtfahrrad besteht aus einem zerlegbaren MTB, meinem Packraft und einem (wasserdichten Fluchtrucksack mit noch nicht ganz gelöster Methode den am Rad zu transportieren. Ich hoffe ab 2021 die Zeit zu finden, die Projekte mal zu vollenden und auch mal so zu testen.



    Das sind alles teure und technisch komplexe Konzepte, natürlich kann man sich auch auf einen 100€ Drahtesel schwingen und etwas Werkzeug mitnehmen und wird sehr wahrscheinlich damit auch 1000km weit kommen, wenn man so will. Aber man kann ja auch eine Aldi-Tüte als Fluchtgepäck benutzen und wird damit wahrscheinlich auch ankommen.


    Wie beim Fluchtrucksack macht mir das Spaß, das ) technisch zu optimieren. Für eine Flucht brauchen werde ich es vermutlich nie.