Telepolis: Stromversorgung massiv gefährdet

  • Unabhäniger: in der Nachrichtentechnik ist Paketvermittlung heute Standard. Da konnte man sich das auch lange Zeit nicht vorstellen, dass Datenfernübertragung oder die Anbindung an zentrale Großerechner eines Tages mal ohne Standleitungen auskommen würde. Die analoge Telefonie war das letzte Bollwerk der vom Sender zum Empfänger physikalisch durchgeschalteten Direktverbindung. Es ist nun auch Geschichte und es funktioniert.


    Zentral versorgte Netze sind meistens historisch gewachsen, werden aber irgendwann zu teuer im Unterhalt und aufgrund der drumherumgewachsenen Besiedlung und anderer Infrastrukturen kaum noch instandzuhalten, geschweige denn zu erweitern. Das heutige Internet wäre mit durchgeschalteten dauerbelegten Telefonleitungen gar nicht machbar, soviele Strippen könnte man gar nicht verlegen.


    Bei den Stromverteilnetzen werden wir eine ähnliche Entwicklung erleben. Großkraftwerke sind für mich ähnlich wie die Großrechner der IT der 1960er Jahre. Sie benötigen "Standleitungen" zu ihren Kunden, die dort lediglich 1:1 verbrauchen, was ihnen über die Leitung geliefert wird. Bei der IT war die Miete für eine Standleitung die mein Datenterminal mit dem Zentralrechner verbunden hat, irgendwann teurer als ein eigener dezentraler Computer. Als die PCs den Markt eroberten und jedermann plötzlich eigene Rechenhardware besitzen konnte, war es nur eine Frage recht kurzer Zeit, bis das Geschäftsmodell der Großrechner mit gemieteten Standleitungen kollabierte. Es folgte eine kurze Zeit der analogen Wählverbindungen (die ja auch noch eine Leitung "besetzt" hielt, so lang die Verbindung stand, auch wenn keine Daten übertragen wurden), dann kam mit DSL die virtuelle Standleitung, die nur dann Leitungskapazität belegt, wenn auch tatsächlich Daten fliessen.


    Überträgt man das auf den Stromsektor, dann werden hier immer mehr Akkus zum Einsatz kommen, die immer preiswerter und leistungsfähiger werden (vgl. Computer-Entwicklung). Welche Geräte hat man heute noch im Privathaushalt, die wirklich eine lineare Energieversorgung brauchen? Der Elektroherd, die Waschmaschine, die Spülmaschine, die Heizungsanlage und (noch) die Beleuchtung und Kühlgeräte. Alles andere kann heute schon mit Akkus betrieben werden und braucht nur sporadisch eine Verbindung zum Stromnetz: Notebook, Tablet, Handy, Saugroboter, Mähroboter, Akkuwerkzeuge.


    (LED-)Lampen könnte man mit (integrierten oder zentralen) Akkus betreiben: eine 18W-Deckenlampe leuchtet mit einem 20.000mAh-Akku (typische aktuelle USB-Powerbank) vier Stunden lang. Stelle ich mir 10 solcher Lampen in einer Wohnung vor, die jeweils im Schnitt 2h am Tag leuchten, dann ist das ein Bedarf von 360Wh - das entspricht einem schmächtigen Pedelec-Akku. Den könnte man in einen normalen Sicherungskasten nachrüsten und hätte für die "Lichtstromkreise" schon einen lokalen Energiespeicher, der nur alle Nas' lang mal geladen werden muss, aber eben keine durchgehende lineare Versorgung mit Energie benötigt.

    Gefrierschränke halten, einmal runtergekühlt, die Temperatur 24h lang, hier kann man "auf Vorrat" kühlen und dann einen langen Zeitraum ohne Stromversorgung überbrücken, würde ideal zur Verfügbarkeit von (eigenem) Solarstrom passen.


    Ich könnte mir ausserdem vorstellen, dass nach der Einführung der (unsinnigen) Smart-Meter als Stromzähler einen "Energy-Manager" in die Hausinstallation einbaut, der den Stromverbrauchsrhythmus des Haushalts erlernt und dann die Geräte so ansteuert, dass sie dann Strom beziehen, wenn welcher (günstig) verfügbar ist oder bei vorhandenen Stromspeichern auch Strom ans Netz verkaufen, wenn andere welchen benötigen. Die "Nachbarschaftsbelieferung" mit selbstgemachtem und gespeichertem Strom wird in D bei manchen Netzbetreibern ja schon ermöglicht.


    Das wird sicher alles noch eine Weile dauern - es sei denn, ein Blackout beschleunigt die Dezentralisierung der Energieversorgung und -Verteilung. Denn nach einem Blackout wird jeder versuchen, irgendwie aus der Netzabhängikeit rauszukommen.

  • tomduly


    Ja klar das ist sicher alles möglich.


    Nur wer bezahlt das? ganz einfach der Kunde.



    Bei einem Arbeitskollegen im Ort wollten sie im Zuge einer Sanierung mehrerer Wohnblöcke,

    Parkplätze mit Ladestationen für E-Autos realisieren.


    Nach Abklärungen mit dem Lokal E-Werk wäre es zwar möglich, es müssten aber die ganzen Zuleitungen und Anschlüsse erneuert werden, um ein paar Ladestationen zu realisieren.


    Die Kosten waren schlicht zu hoch.


    Dies ist nur ein Beispiel was da Kostenmässig kommen wird oder kann.


    So ein radikaler Netz-Umbau dauert Jahre und verursacht Milliardenkosten, was gewinnen wir dafür??

    Diese Milliarden könnten, so finde ich, besser investiert werden, wo auch einen echten Mehrwert bringt, ausser "anderen Strom".

    „Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer“

  • Im Moment dürfte es wohl das Problem gebn, dass wegen der Grosswetterlage all die Luft-Luft-Wämepumpen sehr viel Leistung brauchen und bei diesen Temperaturen mit schlechtem Wirkungsgrad laufen. Dafür sind sie billig.

  • Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich!

    Im Gegensatz zu den alten Telefonleitungen war das Stromnetz ja schon immer eine m:n-Verbindung! Die "Standleitung zu den Kunden" gab es vll. in den ersten Anfängen vor gut 100 Jahren. Aber alles was seit dem 2. WK errichtet worden ist, wird nicht umsonst "Netz" genannt. De es (anders als in der IT) auch nicht darauf ankommt, welche Elektronen genau wo landen (sondern nur, dass die richtige Anzahl zur richtigen Zeit ankommt), ist der "Paket"-Ansatz sinnlos. So etwas als wünschenswerten Ist-Zustand zu proklamieren ist ein Euphemismus erster Güte.


    Wenn man sich zu Hause irgend eine Form von "Stromverbesserer" hinstellen muss, damit man Fernseher, IT und den Rest des Haushaltes sicher betreiben kann ist das nichts anderes als die Beschreibung eines Totalversagens. Und das ist auch weder kostengünstiger noch ausfallssicherer noch besser als ein Stromnetz, das von sich aus stabil ist.

    Arbeite, als wenn du ewig leben würdest. Liebe, als wenn du heute sterben müßtest.

  • Es gibt in der Energienetzforschung den Ansatz ...

    Das Problem an der Sache ist: es wird zum Thema Smart Grids, Virtuelle Schwungmasse etc. in den letzten Jahren viel geforscht und in der Theorie ist vieles denkbar. Mit der Realität in den derzeit vorhanden Stromnetzen hat das aber halt leider überhaupt nichts tun. Weder die derzeitigen Verbraucher, noch die derzeitigen Einspeiseanlagen, noch die derzeitige Netztechnik können das leisten, was du hier beschreibst.


    Wenn die Weichen richtig gestellt werden, könnten wir vielleicht in frühestens 50 Jahren ein Netz nach deinen Vorstellungen haben. Aber mal abgesehen davon, dass die theoretischen Konstrukte erst mal in der Praxis erprobt und fertig entwickelt werden müssten: derzeit fehlt da allein schon das Geschäftsmodell, um entsprechende Investitionen zu ermöglichen. Die Energievertreiber leben davon, Strom zum günstigsten Preis einzukaufen um bei Check 24 ganz oben zu stehen und anderen die Kunden abspenstig zu machen. Die Kraftwerksbetreiber leben davon, die unrentabel gewordenen Kraftwerke stilllegen zu wollen und bei Verbot die Entschädigung für den Weiterbetrieb zu kassieren. Die Verteilnetzbetreiber leben davon, die Netze bei geringstmöglichem Aufwand halbwegs am Laufen zu halten, um bei staatlich reglementierter Durchleitungsgebühr noch ein wenig Gewinn zu haben. Wer sollte denn in diesem System in zukunftssichere Netze investieren wollen, und warum? Das könnte letztlich nur durch staatliche Intervention passieren, aber staatliche Großprojekte funktionieren halt auch nicht immer so, wie man sich das vorstellt. Mag sein, dass China in 50 Jahren solche Netze haben wird, aber wir eher nicht.

    Einmal editiert, zuletzt von Thomas ()

  • Habe ich auch gelesen.
    Ich bin mir allerdings nicht so ganz schlüssig, ob die Aussagen in diesem Artikel realitätsnah oder auf möglichst viele Clicks optimiert sind :/

    Da es blackouts schon immer gab ist der Titel "es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem blackout kommt" sehr wahrscheinlich korrekt. Das wär er auch ohne Energiewende.


    Tatächlich haben wir in D durch den Wegfall der Atomkraftwerke bis 2022 mindestens 2-3 schwierige Winter vor uns, bei denen es unter bestimmten Umständen knapp werden könnte, knapper als bisher üblich.


    Das erhöht die Wahrscheinlichkeit eines blackouts, zwingend ist er aber natürlich nicht.


    dei sonstigen Wahrscheinlichkeiten für einen blackout bleiben, der Großteil der bisherigen blackouts hatte ja auch nichts mit einem Mangel an Kraftwerkskapazität zu tun sondern ganz andere Ursachen. Diese Ursachen können wieder auftreten oder auch gänzlich neue.


    Die Transformationsschmerzen der Stromwende wären in D leicht und billig zu lösen gewesen, nicht durch den Bau großer Speicher, sondern durch den Bau von Gaskraftwerken. Nicht 1:1 vergleichbar, aber ansatzweise kann man sich in UK schon anschauen wie das geht. Die sind in 6 Jahren quasi aus der Koohleverstromung ausgestiegen. Gaskraftwerke man bei uns halt nicht rechtzeitig gebaut.


    Man kann sich jetzt streiten wer schuld daran war.


    Ich hatte lange Jahre vermutet, dass Seehofer ganz gezielt eine verborgende Strategie fuhr, die das Abschalten der AKW in Bayer schlichtweg technisch unmöglich machen sollte, mittlerweile spricht da aber nichts dafür und ich glaube heute, dass es einfach generelle Blödheit bei den Entscheidern oder Unlust war, ein unbequemes Thema rechtzeitig anzugehen. und lieber sehendes Auges gegen die Wand zu fahren.


    Nun ja, warten wir eben ab, was kommt. Ein blackout oder Brwonout ist jetzt auch nicht das Ende der Welt, wir hatten schon viele.


    Gut finde ich im Artikel übrigens den Verweis auf das "französische Problem", gerade durch den hohen sehr unflexibleen AKW Anteil dort und die niedrigen Strompreise haben die Franzosen weitaus größere Stromversorgungsprobleme als wir sie bisher jemals hatten und das obwohl Frankreich ein großer Stromexportuer ist und auch noch relativ viele AKW (notgedrungen) im Lastfolgebetrieb nutzen kann.

    Frankreich war schon immer von Stromimporten abhängig soowhl bei starken bei Kältewellen im Winter und hatte früher auch meist große Probleme bei langen Trocken- und Hitzeperioden im Sommer, wenn die AKW nicht mehr gekühlt werden konnten/durften.


    Das französische Sommerproblem tritt seit ca. 10 Jahren nicht mehr, seit der Solarstromanteil in Deutschland/Europa recht hoch ist.


    MfG

    2 Mal editiert, zuletzt von Cephalotus ()


  • Bei den Stromverteilnetzen werden wir eine ähnliche Entwicklung erleben. Großkraftwerke sind für mich ähnlich wie die Großrechner der IT der 1960er Jahre. Sie benötigen "Standleitungen" zu ihren Kunden, die dort lediglich 1:1 verbrauchen, was ihnen über die Leitung geliefert wird.

    Das Stromnetz braucht man so oder so.


    Zentrale Energieerzeuger oder Wandler oder Speicher sind idR deutlich effizineter und billiger als deznetrale.


    Extrem sieht man das z.B. bei einer großen Windkraftanlage vs. 10.000 kleinen oder auch bei einem großen Batteriespeicher, der weitaus billiger und effizinter ist als viele kleine in den Haushalten.

    Ebenso bei der Aufbereitung von Biogas oder bei Elektrolyseuren, bei Wasserkraftwreken, usw, usf....

    In anderen Bereichen sind die Unterschiede geringenr, z.B. bei Photovoltaik oder Gasmotorischen Kraftwerken.


    Die Eergiewende hat dezentrale Aspekte, z.B. die PV Anlagen auf den Hausdächern und ggf die klügere Eibindung von Wärmepumpen und Elektro-PKW als smart demand, aber es macht schon sehr vie Sinn, die wichtigsten Dinge in großen zentralen Anlagen zu bündeln.


    Was man sich natürlich überlegen kann und soll ist die Inselfähigkeit von bestimmten Teilnetzen. Wenn das gelingt hat man nach der Energiewende für fast keinen Zusatzaufwand ein weitaus sichereres und besseres Stromnetz als vorher.

    Das muss aber icht auf Quartiers- oder kommunaler Ebene sein, sondenr da wird man besser größere Räume clustern und der Inselbeterib bzw die Schwarzstartfähigkeitist sttst die Notlösung, nie die Grundstruktur.


    MfG

  • Da würden sich ja die immer mehr werdenen Elektrofahrzeuge nahezu aufdrängen. Rechnet man mal 1-2 tgl die ein Fahrzeug effektiv fährt...

    Habe ich für die restlichen 22h des Tages einen prima Energiespeicher im Bereich 100 - 400 KW/h zur Verfügung. Über die Fläche gesehen komt da schon eine recht große Menge an Gesamtspeicherleistung zusammen.

    Es genügt die Dnger als smart demand zu betreiben, also den Ladevorgang an der heimischen Seckdose auch mal unterbinden zu können woe wie bei den Wärmepumpen.

    Aber hatten wir dazu nicht in diesem Forum schon mal eine Diskussion dazu, dass die Leute das "unerträglich" fanden.


    Zur Netzstabilisierung hilft ein Speicher nicht, dessen Verfügbarkeit man nicht garantieren kann. Wenn man das also poolt, versichert und vermarktet ist das Drumherum bereits so teuer, dass man stattdessen besser die Speicherkapazität zu diesem Zweck irgendwo hin baut und gut isses. Genau so wie man das heute ja auch macht.

  • Deshalb ist es ja auch schlau, ausreichend Gaskraftwreke zu bauen. (Ein Mix aus GuD, BSZ, Gasturbinen und Gasmotoren, Reihenfolge nach Volllaststunden)


    Die kosten nicht wirklich viel und stellen die Versorgungssicherheit her, mit mehr als 200TWh haben wir in Deine sehr große Speicherkapazität für Methan in Deutschland, das reicht locker für jede denkbare Dunkelflaute

    Diese Kraftwerke betreibt man heute überwiegend mit Erdgas, künftig dann eben mit mehr und mehr Bio-Methan und Wasserstoff. Auch in einer vollständig CO2 neutralen Stromerzeugung wird man diesen Gaskraftwerkspark weiter behalten.


    Bis auf die Elektrolyseure der 100MW Klasse haben wir schon alle Technologien dafür verfügbar und auch schon gebaut (inkl der Wasserstoffspeicher und Netze, diese halt seit Jahrzehnten in der chem. Industrie und nicht bei der Energieversorgung). Für die Elektrolyseure gibt es seit kurzem große nationale und EU weite Geldtöpfe, die genau das bringen werden und das ist auchnichts, was wir morgen schon brauchen, 2030 reicht easy.


    MfG

  • Zentrale Energieerzeuger oder Wandler oder Speicher sind idR deutlich effizineter und billiger als deznetrale.


    Extrem sieht man das z.B. bei einer großen Windkraftanlage vs. 10.000 kleinen oder auch bei einem großen Batteriespeicher, der weitaus billiger und effizinter ist als viele kleine in den Haushalten.

    Das ist schon richtig, ein Linienbus mit 120 Plätzen ist auch effizienter als ein SUV mit 4 Plätzen. Und trotzdem steht vor jeder Wohnung ein PKW und nicht ein gemeinsamer Bus für 120 Bewohner pro Straße. Gerade im privaten Konsumbereich zählt Convenience/Bequemlichkeit mehr als Effizienz/Wirtschaftlichkeit. Deswegen lassen sich Hausbesitzer auch die Hofeinfahrt für 15.000 Euro vom Gartenbauer pflastern und belassen es nicht bei einer geschotterten Zufahrt, die nur 3.000 Euro kosten würde. Oder bauen sich nen Pool in den Garten (ein amerikanischer Ökonom hat mal ausgerechnet, dass jeder Sprung in den eigenen Pool ca. 20 Dollar wert ist, wenn man Anschaffung und Betriebskosten des Pools über die tatsächliche Nutzung rechnet). Oder kaufen sich privat ein Notebook für 1.600 Euro, wo es ein gebrauchtes für 300 auch täte. Dito beim Smartphone.


    Der Strompreis für Privathaushalte kennt nur eine Richtung: nach oben. Aktuell liegt er bei knapp 34 Cent/kWh in D. PV-Anlagen kosten heute (verglichen mit Hofpflaster, Wintergarten oder Pool im Garten) praktisch nichts mehr. Die Einmalinvestition ist im vierstelligen Bereich angekommen, besonders, wenn man die Anlage beim Hausbau gleich mitinstallieren lässt (spart Gerüst-/Krankosten etc.). Die reinen Baukosten für ein 200qm-Haus liegen bei ca. 260.000 Euro; mit Bauplatz plus Baunebenkosten landet man dann irgendwo zwischen 320.000 und 400.000 Euro Gesamtkosten. Schon heute macht eine PV-Anlage mit Stromspeicher mit 20.000 Euro Durchschnittspreis also gerade noch 5% der Gesamtkosten aus. Eine geplante Einbauküche kostet heute mehr.


    Die jährlichen Betriebskosten einer PV-Anlage beschränken sich auf Versicherung und Rücklagenbildung für eine Erneuerung nach 20-30 Jahren und liegen im unteren 3stelligen Bereich. Bei den Li-Akkus ist ein kWh-Preis von 100 Euro bis 2025 prognostiziert. Dann wird auch der Durchschnittspreis für einen PV-Stromspeicher von derzeit 16.000 Euro deutlich sinken und deutlich mehr Kapazität bieten. Das wird Systeme mit hoher Kapazität ermöglichen, die sich jeder Hausbesitzer leisten kann, 10KWp auf dem Dach und 50kWh im Keller kosten dann nicht mehr, als drei mal drei Wochen Familienurlaub machen, nämlich irgendwo zwischen 9.000 und 12.000 Euro. Wenn ich über die nächsten 20 Jahre mal einen Durchschnitts-Strompreis von 50 Cent/kWh ansetze und bei einem 1-Familienhaus (ohne Wärmepumpe) 3.200 kWh Jahresverbrauch annehme, dann sind das 32.000 Euro Stromkosten bei Netzbezug. Selbst wenn ich in den 20 Jahren 3x die Akkus für je 5.000 Euro erneuern müsste, käme ich mit dem dezentralen Kellerspeicher für den selbstproduzierten PV-Strom günstiger weg, als bei reinem Netzbezug.


    Man kann es volkswirtschaftlich noch so sehr bedauern und beteuern, dass zentrale Großanlagen effizienter seien, das ändert nichts an der Tatsache, dass der technische Fortschritt (Preisverfall und Leistungssprung bei PV-Modulen und Akkus) hier an den Großanlagen vorbeiziehen wird. Ein Großkraftwerk zu planen und zu bauen, dauert 20-30 Jahre. Selbst GuD-Anlagen brauchen vom ersten Planungsschritt über diverse Beteiligungsverfahren bis zur Planfeststellung, dem eigentlichen Bau bis zur Inbetriebnahme locker 5-8 Jahre. Schon die Ausweisung von Windkraftstandorten dauert bis alle Verfahrensschritte durchlaufen sind, gute 5 Jahre, bevor der erste Bagger loslegen kann. Dagegen haben sich die Komponenten für dezentrale Stromerzeugung und -speicherung innerhalb von 10 Jahren drastisch verbilligt und wir sind bei dieser Entwicklung noch lange nicht am Ende.


    Das Stromnetz ändert sich von Verbraucherseite her schneller, als es von den zentralen Großanlagen realisiert werden kann. Großkraftwerke sind die Mainframe-Computer der 70er-Jahre-IT, diese Großrechner sind heute Geschichte, heute rechnet alle Welt dezentral. Dasselbe wird auch bei Strom passieren. Dort wo lokal Strom produziert werden kann, wird das künftig auch passieren (vgl. kommende PV-Pflicht in den Landesbauordnungen div. Bundesländer). Und es macht keinen Sinn, diesen Strom anderswo, als auch vor Ort lokal zu verbrauchen bzw. zwischenzuspeichern.


    Wer sich für das zukünftige Stromnetz interessiert, dem empfehle ich, den Tagungsband der Tagung "Zukünftige Stromnetze", die am 3. und 4.2.2021 als Online-Veranstaltung stattfand, herunterzuladen. Nichtteilnehmer müssen sich kurz registrieren, um an den kostenlosen Downloadlink zu kommen.


    Zitat aus einem der Tagungsbeiträge (von Sönke Rogalla, et.al. vom

    Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg):


    "Ausgangslage: Netzbildende Wechselrichter werden notwendig

    Die fortschreitende Verdrängung konventioneller Kraftwerke durch leistungselektronisch gekoppelteEinspeiser (Wechselrichter) führt auf Grund des damit verbundenen Wegfalls rotierender

    Synchrongeratoren zu einer Reduktion der Systemträgheit (Momentanreserve). Auftretende

    Netzstörungen können so zukünftig zu schnellen, ggf. unbeherrschbaren Frequenzabweichungen

    führen, die die Netzstabilität gefährden können. Im Gegensatz zu den sog. netzfolgenden oder

    netzstützenden Wechselrichtern sind netzbildende Wechselrichter in der Lage einen stabilen

    Verbundnetzbetrieb sicherzustellen, indem sie als Spannungsquelle im Parallelbetrieb mit anderen

    Erzeugern operieren können (vgl. Tabelle 1). Bei einer geeigneten Auslegung können sie somit alle

    für die Netzregelung erforderlichen Eigenschaften der wegfallenden Synchrongeneratoren ersetzen."


    Interessant auch die "13 Thesen zur deutschen Energiewende" vom Fraunhofer ISE, hier zum direkten Download als Übersichtsflyer.


    Grüsse

    Tom

  • Interessantes Zitat aus dem Interview bei watson.ch:


    "Zweitens werde das schweizerische Übertragungsnetz stark belastet, insbesondere auch durch ungeplante Stromflüsse von Deutschland über die Schweiz nach Frankreich."


    Man beachte die genannte Flussrichtung des Stroms zur Zeit. Das widerspricht ein wenig der Dunkelflauten-These, wonach das dt. Stromnetz wegen der Energiewende wie eine Krake im Winter Strom von überall her benötigt. Im Gegenteil zeigen sich hier eher die Probleme, die Großkraftwerke dem europ. Stromverbund bereiten, wenn ein paar davon in der Hochbedarfs-Phase im Winter nicht verfügbar sind.

  • Hi Tom,


    bei der grundsätzlichen Betrachtung das der Strompreis nur nach Oben geht hast du recht, der wichtigste Punkt wird aber nicht erwähnt: dies geschieht durch Zwang bzw. Abgaben die den Nutzern aufgezwungen werden. Und nur ein Teil der Bevölkerung kann dem entgegenwirken (z.B. Immobesitzer die sich PV installieren lassen können und dazu das Geld haben).


    Wir haben hier einen der höchsten Strompreise in Deutschland, alles den Verbrauchern aufgezwungen um die Energiewende zu realisieren. Das Spielchen geht nur so lange gut wie die Leute nicht aufmucken. Ein Netzaufbau im Sinne von Smart Grid bis hin zu den Endgeräten beim Nutzer erlegt weitere Zwänge auf: fremdgesteuerte Verbrauchsprofile bei deinen Geräten. Dies geht auch nur so lange gut wie die Leute das mitmachen wollen. Leider sind bisher immer vom Mittelstand abwärts die Otto-Normalos diejenigen die kostenmäßig in den Arsch getreten werden. Ferner wird bei allen Smart-Grid Betrachtungen unterstellt, dass Deutschland weiterhin das Geld hat sich den Luxus dieses Ausbaus leisten zu können und das die Leute genug Geld haben auch entsprechende Endgeräte zu kaufen. Eine weitere unbekannte Komponente ob das dies auch zukünftig so bleibt. Die Kostenteilung ist heute schon (aus meiner Sicht) extrem ungerecht.

    Wohin die Reise gehen wird (und auch hier sind die Kleinen wieder die gearschten) zeigt ja das BMWi ganz offen auf:


    https://www.bmwi.de/Redaktion/…rommarkt-der-zukunft.html

    "Im sog. „Energy-only-Markt“ wird die Versorgungssicherheit hingegen kosteneffizient über den Markt sichergestellt. Dies funktioniert zum Beispiel so: Kunden können sich gegen hohe Preise in Form von Preisspitzen versichern und zahlen dafür eine Prämie. Diese Prämie nutzen Spitzenlastkraftwerke als konstanten Einkommensstrom, auch wenn sie nur auf sehr wenige Betriebsstunden pro Jahr kommen – nämlich dann, wenn der Strom wirklich knapp ist."
    Ich mag bezweifeln, dass der freie Markt (alleine) den Strom wirklich zu bezahlbaren Preisen nur auf Basis schon zuvor vom Steuerzahler gepamperter 
    grüner Energieerzeugung liefert. Hier wird wieder den Großkonzernen die Möglichkeit eröffnetet bei einem lebensnotwendigen Gut die Preise zu diktieren. Es wird schon jetzt auf noch stärker schwankende Strompreise eingestimmt ohne den Leuten zu verklickern das dies wieder Folgeinvestitionen für sie in intelligente Endgeräte zur Folge haben wird die dann auch noch mal on-top kommen.


    Das geht nur so lange gut so lange genügend Melkkühe vorhanden sind die da mitspielen. Irgendwann kommt dann aber der Bruch und die Realität holt die Wunschvorstellung ein. Moral, gutes Gewissen und klimaneutrale Stromerzeugung muss man sich leisten können. Ohne Geld bricht das ganze schöne Konstrukt zusammen. Mir ist da zu viel lineares Denken im Spiel was die Entwicklung unseres Wohlstandes anbelangt als auch keine politische Verbundenheit mehr mit denjenigen die durch immer stärker steigende Energiepreise leiden. Da ist mir zu viel "Elfenbeiturm-Planung" dabei.


    Wie siehst du eigentlich die geplante Kapazitätsreserve von der Größenordnung her?


    "Eine neu geschaffene Kapazitätsreserve, die strikt vom Strommarkt getrennt wird, wird ein Sicherheitsnetz für unvorhersehbare und außergewöhnliche Ereignisse darstellen - sie sichert den Strommarkt zusätzlich ab. Im Unterschied zum "Kapazitätsmarkt" umfasst eine solche Kapazitätsreserve nur Kraftwerke, die nicht am Strommarkt teilnehmen. Dadurch wird sichergestellt, dass der Wettbewerb und die Preisbildung am Strommarkt nicht beeinflusst werden. Die Europäische Kommission hat die Kapazitätsreserve bis zu einer Größe von 2 GW genehmigt. Sie hat am 1. Oktober 2020 ihren Einsatz mit einem Umfang von zunächst rund 1 Gigawatt (GW) begonnen."

    Der Bote der Wahrheit braucht ein schnelles Pferd

  • Was ich auch so bezeichnend finde ist z.B. bei der BNetzA:


    https://www.bundesnetzagentur.…8F7B09976E7498111EBB3C9AE

    • Redispatch: Drosselung und Erhöhung der Stromeinspeisung von Kraftwerken nach vertraglicher Vereinbarung oder einem gesetzlichen Schuldverhältnis mit dem Netzbetreiber unter Ersatz der Kosten
    • Reservekraftwerke: Einsatz von Kraftwerken zur Beschaffung noch fehlender Redispatchleistung aus der Netzreserve nach vertraglicher Vereinbarung unter Ersatz der Kosten
    • Einspeisemanagement: Abregelung von Stromeinspeisung aus Erneuerbaren Energien- und KWK-Anlagen auf Verlangen des Netzbetreibers mit Entschädigung
    • Anpassungsmaßnahmen: Anpassungen von Stromeinspeisungen und/oder Stromabnahmen auf Verlangen des Netzbetreibers, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen, ohne Entschädigung

    Ich lese da bei den meisten Maßnahmen (man schaue sich die Grafiken im Link auch mal an) immer was von Entschädigungen und Kostenerstattung. Das zahlt in erster Linie der Verbraucher über den Strompreis bzw. der Steuerzahler über Entschädigungszahlungen. Und merkwürdiger Weise werden hier hauptsächlich konventionelle Kraftwerke zur Regelung eingesetzt.


    Und hat man gerade mal nen ordentlichen Orkan oder die Sonne scheint wie blöd kann ich auch noch für den zu viel produzierten grünen Strom zahlen (indirekt über meine Stromkostenabrechnung).


    https://www.focus.de/immobilie…rbraucher_id_8309486.html

    Für mich ist die Energiewende zwar schön gedacht aber nicht in der gewünschten Größenordnung realisierbar ohne ein Speichermedium. Was hilft es uns wenn wir hier die in Deutschland tausende von Windrädern mit Steuergeldern hochziehen, den Strom über den Eigenverbrauch hinaus aber noch verschenken müssen bzw. auch noch für die Abnahme zahlen und das Ganze nur stabil bleibt weil quasi das europäische Ausland für uns bei Schwankungen die Kraftwerksreserve mit konventionellen Energieren bzw. Kraftwerken bereit stellt. Nach Außen steht man super da als innovativer grüner Energieproduzent aber die Hausaufgaben zur Grundlast hat man nicht gemacht.


    Und zum Abschalten von Windkraftanlagen weil dann plötzlich zu viel Strom da ist, man aber eine gewisse Grundlast durch die Kraftwerke erhalten muss.


    https://web.de/magazine/panora…-fuers-nichtstun-34067732

    Hier werden durch Subvention bei der Errichtung und dem Pampern der Errichter bei Überschußproduktion Beträge zum Fenster rausgehauen durch die Regierung das einem nur schlecht werden kann.

    Der Bote der Wahrheit braucht ein schnelles Pferd

  • Für mich ist die Energiewende zwar schön gedacht aber nicht in der gewünschten Größenordnung realisierbar ohne ein Speichermedium.

    Speicher sind für diesen Zwecke heute viel zu teuer, weitaus billiger ist den Überschuss wegzuwerfen und für den Rest flexible Residuallast einzusetzen.


    10% vom erzeugten Winstrom wegzuwerfen (heute sind es grob 1%) erhöht die Kosten von Winstrom von 4,0ct/kWh auf 4,5ct/kWh.


    Flexible Residuallast kostet vielleicht 1ct/kWh mehr, wenn überhaupt.


    Speicher kosten für diese Zwecke um die 10ct/kWh. (nicht bezogen auf die gespeicherte kWh, da ist es noch viel teurer, sondern bezogen auf die Gesamtkosten)


    Speicher sind an anderer Stelle weitaus nützlicher als dazu, irgendwlehc Überschüsse "retten" zu wollen.


    Wenn wir mal 80% Solar- und Windstrom haben kann man ja neu rechnen.


    Die Stromkosten für Private lassen sich in D schnell deutlich reduzieren, wenn man die Stromsteuer einstellt (das Geld geht vereinfacht gesgat in den Rentenzuschuss), wenn man die Netzentgelte auf die Grundgebühr oder einen leistungspreis umlegt statt auf den Arbeitspreis und wenn man die EEG Umlage aus anderen Töpfen speist, was gerade begonnen wird.


    Abgesehen von Wärmepumpen und e-PKW stellt sich halt die Frage, ob ein Strompreis von 30ct/kwh denn tatsächlich ein Problem ist.


    MfG

  • Wie siehst du eigentlich die geplante Kapazitätsreserve von der Größenordnung her?

    Aus den "13 Thesen zur Energiewende" vom Fraunhofer ISE:


    "Eine Kapazität an regelbarer Stromerzeugung (KWK, Gasturbinen, Brennstoffzellen) von 50–70 GW wird benötigt."


    Da muss also noch einiges aufgebaut werden. Das Problem dabei ist, dass Standby-Kraftwerke nicht rentabel sind und daher von Unternehmen, die Geld verdienen müssen, nicht freiwillig aufgebaut werden. Es wird also letzten Endes wieder über eine Umlage auf den Stromkunden abgewälzt, der das über einen Zuschlag auf den kWh-Preis tragen darf. Vergleiche "Kohlepfennig". Künftig werden wir sehr wahrscheinlich einen "Gasturbinenpfennig" berechnet bekommen.


    Abgesehen von Wärmepumpen und e-PKW stellt sich halt die Frage, ob ein Strompreis von 30ct/kwh denn tatsächlich ein Problem ist.

    Mit dem aktuellen Durchschnittspreis von 33,9 Cent/kWh kostet das den 4-Personen-Haushalt mit durchschnittlich 3.000kWh/a rund 1.000 Euro/Jahr. Bei Neubauten werden fast nur noch E-Heizungen realisiert (in Form von Luft-Wärmepumpen für Heizung und Warmwasser). Je 100qm Wohnfläche rechnet man mit 6.000kWh/a Stromverbrauch durch die WP. Das macht dann 3.000 Euro Stromkosten für eine 100qm-Behausung. Zum Vergleich kosten mich die ca. 4-5t Holzpellets, die ich für unser Haus benötige, etwa 1.000 Euro/a. D.h. Strom+Pellets = 2.000 Euro oder Strom+Strom = 3.000 Euro jährliche Energiekosten.


    Der Strompreis in D ist allein von 2000 bis 2018 um 111% gestiegen, nämlich von knapp 14 auf knapp 30 Cent. Jetzt, 2021, liegen wir schon über 33 Cent. Und es sieht derzeit nicht danach aus, dass die Strompreise in absehbarer Zeit stagnieren werden, im Gegenteil. Die Politik wird uns jede weitere "Anpassung" als Erfolg verkaufen, da der Strompreis ohne diese und jene Maßnahme "noch drastischer" ansteigen würde. Denn durch den (klimatechnisch durchaus sinnvollen) Ersatz fossiler Energieträger durch elektrische Energie auch für den Verkehrssektor und für die Gebäudeklimatisierung/Heizung wird der Bedarf an Strom immer stärker ansteigen. Von daher sollte es gerade im Immobiliensektor oberstes Ziel sein, soviel wie nur möglich, der nötigen Energie vor Ort zu produzieren.

  • Bei Neubauten werden fast nur noch E-Heizungen realisiert (in Form von Luft-Wärmepumpen für Heizung und Warmwasser). Je 100qm Wohnfläche rechnet man mit 6.000kWh/a Stromverbrauch durch die WP

    Es mag ja sein, das diese Wärmepumpen irgendwie gut fürs grüne Gewissen sind? Aber für den Geldbeutel sind sie gar nicht gut. Bei der vorsichtigen Rechnung im Vorpost, zu heutigen Preisen, kostet die Saison mal eben schlappe 1.000 Euro mehr, gegenüber einer Pelletheizung. Mit einer Öl- oder Gasheizung dürfte die Kalkulation nochmals günstiger aussehen?

    Darüber hinaus laufen doch die bei uns am weitesten verbreiteten Luft-Luft-Wärmepumpen derzeit nur als elektrischer Widerstand, der per Kurzschluß Wärme erzeugt? Die Wärme der Umgebung zu entziehen funktioniert doch bei strengen Minusgraden nicht mehr? Das heißt die eh angespannte Lage in den Stromnetzen verschlimmert sich durch die Wärmepumpen. Und da sind die E-Autos noch gar nicht mit bedacht? Einer meiner Nachbarn hat einen Tesla. Bei der momentanen Lage schaltet er ca. 1 Stunde vor Abfahrt, per App, aus der Wohnung, die Innenraum-Heizung ein. Das Auto bleibt solange noch am Stecker, und der Schnee schmilzt ab und die Scheiben werden frei.

    Hier z.B steht, das ich im Normalbetrieb bei der Wärmepumpe 25 % Stromanteil brauche, um 100 % Wärme zu erzielen: https://www.wegatech.de/ratgeb…tlichkeit/stromverbrauch/ Das heißt bei 34 Ct/kWh aktuellem Strompreis kostet die kWh Wärme 8,5 Cent?

    Heizöl kostet aktuell 60 Cent/l und hat 10 kWh. Kost also der kW aus Öl 6 Cent. Erdgas ist etwa gleich auf.


    Noch was zu den Strompreisen. Allein die sog. Übertragungsnetzbetreiber, a la Aprion oder Tennet, usw., unterliegen ja keinerlei kaufmännischem Wettbewerb.

    Die Gebiete sind genau aufgeteilt: https://de.wikipedia.org/wiki/…reiber_in_Deutschland.png Ein Anlaß zum sparsamen Wirtschaften besteht nicht. Die Preise sind bei allen gleich und werden willkürlich festgelegt. Das Ergebnis wird von einer Behörde abgenickt. Der Verbraucher schweigt und zahlt.

  • Seltsam: Ich heize mein Einfamilienhaus (150m²) mit einer Wärmepumpe und habe eine Jahresstromrechnung von ca. 1.400 Euro. Tutti Completi! Dazu kommt, dass ich in 20 Jahren gerade mal zwei Wartungen á la ca. EUR 200 machen habe lassen (wohlgemerkt: habe machen lassen, nicht nicht musste machen lassen!).


    Demnach müsste mir jemand jährlich 100e Euro bezahlen, wenn ich mir eine Öl- oder Gasheizung einbauen lasse. Und den Brennstoff dazu schenken!


    Zu den Übertragungs- und - wie man der Vollständigkeit halber hinzufügen müsste - Verteilnetzbetreibern: Stimmt. Sie unterliegen keinem kaufmännischem Wettbewerb. Deshalb unterliegen sie auch einer Regulierungsbehörde, welche gemäß Best-Practice-Ansätzen die Kosten für den Netzbetrieb bzw. Ausbau zuerkennt. Oder eben nicht (bzw. nicht vollständig). Die Aussage, dass daher kein Anlass zum sparsamen Wirtschaften besteht, ist schlichtweg falsch.

    Alles was in obigem Post nach dieser Feststellung kommt, ist komplett neben der Spur!

    Arbeite, als wenn du ewig leben würdest. Liebe, als wenn du heute sterben müßtest.

  • Hi Maresi,


    natürlich wird jedes privatwirtschaftliche Unternehmen sparsam wirtschaften, jedoch in erster Linie um die Gewinnmarge für sich selber zu erhöhen. Je größer die Einsparungen im Betrieb, je größer der Gewinn, leider auch häufig zu Lasten des Netzes. Ohne entsprechende Gewinnmarge würde ein Betreiber den Laden dicht machen. Das die Regulierungsbehörde hierbei immer den Bürger bzw. den Endverbraucher im Blick hat aus Kostensicht (bei gleichzeitigem Erhalt des Netzes) sehe ich persönlich nicht immer gegeben. Sind die Nutzer gezwungen die Gebühren zu tragen wird auch gerne zugelangt und "Verteilungskämpfe" mit den Netzbetreibern eher gescheut.


    Das mit der Wärmepumpe kann ich bestätigen, ein Kumpel heizt damit sein Haus (200m²) und zwar mit einer Luft-Luft-Wärmepumpe. Kosten p.a. ca. 2,5k€ aber auch nur so hoch weil er im Sommer damit auch kühlt. Die Gefahr besteht immer, dass zumindest der "Zugewinn" an Kühlungsmöglichkeit im Sommer der dann von den Leuten gerne genutzt wird die Energieeinsparungen konterkarieren. Das wird zukünftig millionenfach der Fall sein.


    Was mich am meisten stört (oder wo ich das meiste Unwissen habe und es deshalb falsch beurteile was auch sein kann):


    Wie will man ohne Speichermedium (was zweifelsohne wirtschaftlich noch untragbar ist) die Energiewende zu Preisen schaffen die für die Leute noch tragbar sind und gleichzeitig bei einer reduzierten Anzahl konventioneller Kraftwerken eine Blackout-Gefahr vermeiden?


    Solar fällt sofern man Europa betrachtet nachts weg, ohne Speichermöglichkeit schon mal ein ziemlicher Einbruch. Windräder kann ich noch und nöcher hinstellen, in der Flaute muss selbst in einem Verbundnetz immer genügend Energie vorhanden sein und zwar für alle Netzteilnehmer. Fällt z.B. im Norden der Wind wegen Flaute aus wird wohl kaum die europäische Südschine die gesamte Energie liefern können Europa zu versorgen (unterstellt das da auch zahlreiche Windräder stehen würden). Man kann es ferner in den nächsten Jahrzehnten vergessen, dass alle Leute es sich leisten können intelligente Endgeräte zu kaufen die dann nach Gerätetyp ansteuerbar wären, dazu ist schlicht das Geld nicht vorhanden.


    Für mich ist das schlicht nicht realisierbar oder wenn dann nur zu Kosten die ab dem gesamten Mittelstand abwärts die Leute auf die Barrikaden bringen werden weil es schlicht zu kostenintensiv ist. Dazu noch, dass dies europaweit erfolgen müsste, wir kennen aber die "Finanzstärke" der Südländer.


    Bis dahin ist nach meiner Ansicht die Energiewende nur so lange realisierbar, so lange es im Verbundnetz genügend konventionelle Kraftwerke und Leitungskapazitäten gibt. Schön für Deutschland sich damit einen grünen Anstrich zu geben aber das Problem wird nur in die europäische Peripherie verlagert und dann entstehen die Abgase aus konventionellen Kraftwerken halt da oder es wird wie im Beispiel von Frankreich massenweise atomarer Abfall erzeugt. Ohne Speichermedium sehe ich keine dauerhafte Lösung ohne einen Blackout zu riskieren. Und das Ziel der CO2-Einsparungen halte ich im augenblicklich geplanten Zeitrahmen für unrealistisch eben auf Grund der Korrelation zwischen Kaufkraft der Nutzer und voraussichtlichen Kosten.


    Schaut man sich dann noch an wie schnell unsere Einsparungen beim CO2 durch andere aufstrebende Länder "aufgefressen" werden durch den Ausbau konventioneller Energienetze stellt sich die Frage ob das sinnvoll ist ob der Einschränkungen welche die Leute hier dann zu ertragen haben. Aber das wäre eine politische Diskussion die ich hier nicht eröffnen will.


    Meiner Meinung nach ist die Blackout-Gefahr steigend, gerade ob der Green-Energie. Das Gesamtkonzept der Versorgungssicherheit sehe ich nicht, jedenfalls nicht für den Zeitpunkt ab dem eine signifikante Anzahl von klassischen Kraftwerken und AKW`s in den Ruhestand geschickt wird.

    Der Bote der Wahrheit braucht ein schnelles Pferd

  • Noch mal eine Frage in die Runde bezüglich der Großtransformatoren in Umspannwerken etc.


    Es ist bekannt, dass die Produktion der Teile teilweise Monate dauert und bei einem Ausfall in nennenswerter Anzahl wir ein Problem hätten, was die Netzversorgung betrifft.


    Ich hatte früher mal irgendwo gelesen, dass im Falle eines Netzausfalls die Kühlung der Teil mittels Öl ein Problem ist. Ich habe im Hinterkopf das bei einem Abfall der Öltemperatur unter einen bestimmten Wert (was bei einem mehrtägigen Blackout gegeben wäre) diese Transformatoren Schaden nehmen würden. Ich finde dazu aber die alte Quelle im Netz nicht wieder.


    Hat jemand von euch diesbezüglich eine Übersicht? Wie die Teile gekühlt werden ist mir klar, mir geht es nur um Konsequenzen bei einem lang anhaltenden Stromausfall. Sind die Dinger dann Schrott oder können die bei einer Wiederversorgung (sagen wir mal nach 3 Wochen) einfach so wieder ihren Betrieb aufnehmen?

    Der Bote der Wahrheit braucht ein schnelles Pferd