08.07.2021 2345 Ausfall Notrufnummern im Grossteil der Schweiz

  • ...ich hatte grade eine Weisheitszahn Entfernung, und die Wunde.hat sich entzündet....

    Um 4uhr morgens am Sonntag mit pulsierendem Schmerz trotz reichlich IBU aufgewacht....


    Ich dachte ruf mal 116117 an....und schau, wo ich nen Zahnarzt bekomme....

    Nach 20Min warten entnervt aufgelegt, ohne irgendeine Info zu erhalten..


    Hab dann im Internet nach Klinik mit Notaufnahme und Kieferchirurgie gesucht, und bin dann nach einem netten Telefonat da hin gefahren....


    Schönen Dank!


    Gruß EZS

  • Die Idee mit der Übersicht der Notfalltreffpunkte ist gut.

    Schaut man sich die Treffpunkte auf der Karte mal im Detail an, sind es Feuerwehrmagazine oder Mehrzweckhallen. Diese Einrichtungen sind schon jetzt in D (schätze mal auch in AT) in der KatS-Planung als Anlaufstellen für die Bevölkerung vorgesehen.

    Im etwas holprigen Katastrophenschutz-Planungs-Sprech werden z.B. Feuerwehrmagazine bei Eintreten einer "Flächenlage" mehr oder weniger automatisch zu "Abschnittsführungsstellen", von denen aus die Einsätze im jeweiligen Zuständigkeitsbereich erfasst und abgearbeitet werden, wenn das auf Kreisebene (integrierte Leitstelle, KatS-Stab) is welchem Grund auch immer nicht mehr möglich ist. Dazu zählt auch ein anhaltender Ausfall von zentralen Notrufen.


    Als es letzten November auf Helgoland zu einem Komplettausfall der Kommunikationssysteme (Telefon, Mobilfunk, Internet) kam, wusste die freiw. Insel-Feuerwehr, was zu tun ist und richtete umgehend einen rund um die Uhr besetzten Notdienst für die Bevölkerung am Feuerwehrmagazin ein und baute zudem eine provisorische Funkverbindung zum Festland auf.


    D.h. bei einem flächendeckenden Stromausfall oder einer anhaltenden Unwetterlage findet man im Feuerwehrmagazin immer jemand, dem man seinen Notfall oder Hilfebedürfnis mitteilen kann.


    Mehrzweckhallen/Turnhallen werden dann aktiviert, wenn man Leute evakuieren und vorläufig unterbringen muss. In Städten werden da oft auch spontan Linienbusse bereitgestellt (z.B. bei kurzen Anlässen wie Entschärfungen von Weltkriegsbomben). In kleinen Ortschaften liegen solche Hallen und das Feuerwehrmagazin oft sogar nah beieinander. Da ist die technische "Leitstelle" im Magazin und die soziale Notfallhilfe in der Turnhalle (Suppenküche, Ruhezonen, Feldbetten, Sitzgelegenheiten, Information, Kinderbetreuung). Das wird aber nicht alles "von oben" organisiert und angeboten, hier ist die tatkräftige Mithilfe der Bevölkerung und der lokalen Unternehmen gefragt. Meistens klappt das auch recht gut.


    Hier ein Auszug aus dem Feuerwehr-Einsatzplan Stromausfall des hessischen Innenministeriums, der zeigt, wie bei Stromausfall (= Notrufausfall) vorzugehen ist:


    Blackout-FW-Hessen-4-stufige-Gefahrenabwehr.jpg

    (Quelle: Innenministerium Hessen)

    Demzufolge müssen bei einer Ausfalldauer >60min sämtliche Feuerwehrhäuser besetzt werden und es werden Führungsstäbe gebildet. Ab 240min Ausfalldauer geht man vom Katastrophenfall aus und es werden zusätzlich die Fahrzeuge(!) besetzt. Man geht dann davon aus, dass es sehr schnell zu Einsatzanforderungen kommen wird. Wie lange eine (kleine) freiwillige Feuerwehr das personell durchsteht, ist eine andere Frage (24/7 Dreischichtbetrieb mit 22 Mann/Frau pro Löschzug, 4 M/F in der Wache als Abschnittsführungsstelle = 26 Kräfte x 3 Schichten = 78 Leute, die verfügbar sein müssen). Beruflich , krankheits- oder urlaubsbedingte Ausfälle muss man auch berücksichtigen.


    Grüsse

    Tom

  • DiInsel-Feuerwehr, was zu tun ist und richtete umgehend einen rund um die Uhr besetzten Notdienst für die Bevölkerung am Feuerwehrmagazin ein und baute zudem eine provisorische Funkverbindung zum Festland auf.

    Funk ist eigentlich nur für BOS vorgesehen, ausdrücklich kein ziviler Funk, kein CB, kein Amateurfunk.

    Die Hobbyfunkvereine sind nicht dabei.

  • So etwas finde ich eher kontraproduktiv. "Zusammenrottungen" in Notsituationen führen schnell zu Panik und Verstopfung von Verkehrswegen. Dann schon eher klare und sachliche Informationen über den Rundfunk (da müssen die Jungs und Mädels noch kräftig an sich arbeiten) und Reaktivierung der Sirenenwälder.

    Die Notfalltreffpunkte dienen in erster Linie als zentrale Anlaufstelle beim Ausfall der Strom- / Kommunikationsnetze. In den Einführungs-Videos der Kantone werden insbesondere Blackouts und ein Defekt der Notrufnummern als Beispiel genommen, genau so wie es gestern Nacht eingetreten war. "Zusammenrottungen" sollte es dort nicht geben, die Notfalltreffpunkte dienen nur als zentrale Anlaufstelle für Notfälle und Informationsaustausch.

  • Vollzeitvater: die Funkverbindung Feuerwehr Helgolands war in dieser Situation die einzige offizielle Verbindung zu übergeordneten Stellen (in diesem Fall Leitstelle Elmshorn) und stand selbstverständlich für Notfälle der Bürger zur Verfügung. Das bedeutet ja nicht, dass Hinz&Kunz ans Mikro durften, um der Omma auf dem Festland Bescheid zu sagen, dass alles ok ist. Aber wenn ein Helgoländer zu seiner Feuerwache kam und sagte: bei meiner schwangere Frau haben unerwartet die Wehen eingesetzt, könnt ihr bitte mal einen Transport in die Klinik organisieren, dann wurde das gemacht. Über den BOS-Funk der Feuerwehr.

    Dass im planmäßigen Katastrophenschutz zunächst keine Hobbyfunker oder Amateurfunker vorgesehen sind, hat u.a. den Hintergrund, dass man diese Funker ja nicht fest einplanen kann, woher soll ich denn wissen, wo welcher Funker gerade ist, ob er aktuell überhaupt geeignete Funkgeräte hat (ein OM, der sich auf Erde-Mond-Erde-Verbindungen oder slow scan TV spezialisiert hat, nützt mir nichts, wenn ich eine stabile Verbindung zum nächsten Krisenstab brauche), oder welcher Funker sein Hobby wieder aufgegeben hat oder einfach nur im Urlaub ist. Bei den Feuerwehren und den anderen HiOrgs weiss ich, was vorhanden ist, und welche Standards die Funker beherrschen.

    Ausserdem kann ich von einer Hobby-Funkstelle nicht einfach so eine BOS-Funkstelle anfunken, schon rein technisch nicht (der Hobbyfunker darf die BOS-Frequenzen gar nicht nutzen, können seine Geräte i.d.R. auch nicht - und die BOS-Funkstelle hat normalerweise kein Hobby-Funkequipment griffbereit).


    Bei lang anhaltenden Lagen oder Auslandseinsätzen ist das wieder was anderes, da kann ich versuchen(!), Amateurfunker entweder zum Dienst zu verpflichten und mit deren Hilfe halbwegs planbare Funkstrecken aufzubauen, aber auch hier ist viel Glück und Zufall im Spiel, dass ich dort wo ich es brauche, Amateurfunker habe und dass die auch in der Lage sind, tage-/wochenlang Schichtdienste zu schieben. Schätze mal, da wird bei den meisten Amatuerfunkern die Luft recht schnell sehr dünn.

    Oder ich habe Ortsverbände, die unter ihren Mitgliedern Funkamateure haben und die vereinseigenes Afu-Equipment vorhalten. Aber das ist nicht die Regel.

  • Wenn Du nur die Polizei brauchst (Handtaschendiebstahl, Einbruch etc. ohne Verletzte oder Feuer), wählst Du bei uns die 110.

    Im Prinzip richtig. Wobei es mir vor einigen Wochen passierte, dass ich die 110 wählte und mich von einem Leitstellenmitarbeiter anpflaumen lassen musste, warum ich die Feuer- und Rettungsdienstleitstelle anrufe, obwohl ich doch eigentlich die Polizei brauche. Warum ich ihn den mit einer polizeilichen Aufgabe "belästige"... Ich habe ihm dann in freundlichem, aber doch einigermaßen angepissten Ton klar gemacht, dass ich die 110 gewählt habe und nichts dafür kann, wenn ich bei ihm Lande und nicht in der Polizeinotrufzentrale... 🤷‍♂️ Hamburg ist da manchmal wohl etwas speziell. Ist aber nicht das erste Mal, dass ich den Eindruck hatte, dass ein Hamburger Leitstellenmitarbeiter sich in seinem was auch immer gestört und genervt fühlt... 🙄

  • Das ist ja mal eine sehr coole Idee.


    Sowas sollte man in Österreich und Deutschland auch etablieren.

    Das wurde vor der ganzen Corona-Hysterie neu gestartet, weiss nicht mehr ob es 2018 oder 2019 war. Da lag dann einfach eines Tages im Briefkasten eine "Broschüre" was im Notfall zu tun sei, inklusive Tipps zum Notvorrat. So ganz neu ist es eigentlich nicht wirklich, es handelt sich dabei um etwas was wir schon zu meiner Schulzeit hatten und eigentlich war "Kluger Rat - Notvorrat" immer ein Thema. Ist aber mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der UdSSR verschwunden.

    Die Überraschung meinerseits war jedoch gross dass sich ein paar wenige Kantone wieder dazu entschlossen haben diese Haltung wieder aufzunehmen und die Bevölkerung entsprechend zu instruieren. Leider haben sich von unseren 26 Kantonen nur 6 dazu entschlossen die nicht- wehrdienstpflichtige Bevölkerung miteinzubeziehen. Der Rest baut wohl darauf dass der Zivilschutz und die Armee das alleine händeln können.

    Die Check-Listen für den Notfallplan https://www.notfalltreffpunkt.…lertswiss-notfallplan.pdf sowie den Notvorrat https://www.notfalltreffpunkt.…_notvorrat_d_nov_2020.pdf laufen jetzt wohl unter dem BABS (Bundesamt für Bevölkerungsschutz) und nicht mehr unter der kantonalen Website.

  • Ich dachte ruf mal 116117 an....und schau, wo ich nen Zahnarzt bekomme....

    Nach 20Min warten entnervt aufgelegt, ohne irgendeine Info zu erhalten..

    Das kann ich nur bestätigen - diese ganzen " Hotlines" wo man etwas zusammengefasst hat das aus Kostengründen demontert wurde sind entweder völlig überlastet oder schlichtweg mit " billig Personal " besetzt .


    Bei meinem dringenden Bedürfnis einen Augenarzt aufzusuchen ( Ich sah aus wie "der Glöckner" - ein Splitter hatte sich entzündet.Sonntags. ) habe ich dann auch selber über Google das Passende rausgesucht und bin nach kurzer tel. Bestätigung hingefahren...

    Heute habe ich alle diese Nummern die für Notfälle in Frage kommen neben dem Telefon liegen und im Handy gespeichert.

  • Das kann ich nur bestätigen - diese ganzen " Hotlines" wo man etwas zusammengefasst hat das aus Kostengründen demontert wurde sind entweder völlig überlastet oder schlichtweg mit " billig Personal " besetzt .

    Die 116117 war bis Ende 2019 eine mehr oder weniger regional organisierte Einrichtung. Das hat funktioniert. Da kannte die Leitstelle ihre "Pappenheimer" und konnte entsprechend sachgerecht handeln und aktiv werden.


    Dann wurde, mindestens für Niedersachsen, die 116117 zentralisiert (das Callcenter sitzt im Ruhrgebiet) und damit wurde das System völlig zerlegt. Überlastetes Callcenter, lange Wartezeiten für Patienten. Teilweise werden Patientenkontakte erst nach mehreren Stunden an den zuständigen Arzt im Bereitschaftsdienst übermittelt, so dass dann schon mal 6 bis 8 Stunden bis zum Arztbesuch vergehen können...


    Zu allem Überfluss haben die Leute im Callcenter keine Ahnung von den regionalen Besonderheiten. Sie kennen nicht die "Pappenheimer", sondern arbeiten Einsatzstichworte ab. Und dann wird zu einem "stadtbekannten" Alkoholiker zum wiederholten Male ein RTW geschickt, auch wenn es der Arzt im Bereitschaftsdienst gereicht hätte. Oder es wird ein Fall übermittelt, der für ein anderes Einzugsgebiet ist. Ist ärgerlich, wenn man es erst Stunden später feststellt, weil man die Adresse nicht im Navi findet... 🙄 Was war passiert? Die Leitstelle hat zwei ähnlich klingende Orte (einen in unserem Landkreis, einen in einem völlig anderen) durcheinander gebracht. Nur gut, dass es die Straße in unserem Ort nicht gab... Ansonsten wären wir dorthin gefahren und hätten zu nachtschlafender Zeit vor einem völlig falschen Haus gestanden und dumm aus der Wäsche geguckt...


    Die 116117 ist von der Idee her eine sehr gute Idee. Aber wer es irgendwie einrichten kann, in eine Notfallpraxis (nicht Notaufnahme!) zu kommen, ist dort sicherlich schneller bedient...

  • Zu allem Überfluss haben die Leute im Callcenter keine Ahnung von den regionalen Besonderheiten. Sie kennen nicht die "Pappenheimer", sondern arbeiten Einsatzstichworte ab.

    Das scheint bei dem erstellen von "Callcentern" bewusst in Kauf genommen zu werden, ich hänge ja beruflich auch an so etwas als Ausführender mit Rufbereitschaft dran...

    Da ich in dem schönen Ort Bergen arbeite....


    Sucht Euch mal aus wie oft ich Anrufe für

    - Bergen ( Dumme)

    - Bergen ( auf Rügen)

    - Bergen (im Chiemgau )

    - Bergen ( Kreis Birkenfeld )

    - Bergen ( Oberbayern)

    - Bergen ( Voigtland )


    bekomme.

    Mein Bergen ist in der Aufzählung übrigens nicht dabei.

    Die Fehleinsätze werden uns zwar bezahlt - aber das scheint wohl immer noch billiger zu sein wie regional Leute im Nacht / Wochenenddienst zu beschäftigen.

    ( Und unser Fehleinsatz mit schwerem Gerät geht dann gerne mal ins 4-Stellige - das wird aber wohl mit anderen Rechnungsposten verbucht , nicht unter " Lohn" . )


    Blöd nur wenn das "Callcentern" im medizinisch/sozialen Bereich zu Todesfällen führt - da könnte man sich als Betroffener zwar ärgern , aber ne Rechung schicken oder Schadenersatz wegen Blödheit einklagen iss dann schwer....

  • Blöd nur wenn das "Callcentern" im medizinisch/sozialen Bereich zu Todesfällen führt -

    Das nun nicht gerade, denn wenn ein Zustand lebensbedrohlich wird, gibt es statt der 116117, normalerweise, immer noch die 112 in Deutschland.

  • So hab ich mit der passenden Notrufnummer direkt die Organisation dort sitzen, die auch die Einsatzkräfte disponiert und deshalb Infos aus erster Hand vom Notrufteilnehmer bekommt.

    nicht zu unterschätzen ist auch die Ortskenntnis der Lokalen Bezirks Notrufstellen im Vergleich zu 112.

    Gerade außerhalb von Ortschaften ist da öftermal vom Vorteil. Nicht jeder und jede Notrufannahmestelle verwendet W3W . Koordinatensystem sind auch nicht zielführend und kosten öfter mal wertvolle Zeit hängt die Genauigkeit vom aktuellen Satelliten oder Mobilfunkempfang ab. Vorallem wenn Zufahrtswege zum Unglücksort nicht eindeutig sind kann die Ortskundigkeit der Personen am Notruf helfen die Örtlichkeit schnell durch geziehlte Fragestellungen zu bestimmen.


    gruß

    Kcco

    Gsund bleiben

    Keep clam and chive on

  • Hallo zusammen,


    ich habe gerade ein YT - Video über die schrittweise Einführung der Notfallrufnummern gesehen.

    Ich hatte vor diesem Zeitpunkt 1969 das Glück, meinen Vater als persönlichen KTW zu haben. Wäre das nicht der Fall gewesen, wäre ich vermutlich an einer Medikamentenvergiftung verstorben.


    Danke Siegfried Steiger, dass alles so ist, wie es jetzt ist.


    Gruß Peter

    An sich ist nichts gut oder böse. Erst das Denken der Menschen macht es dazu.