Hobo / Holzvergaser im offenen Kamin betreiben

  • Hallo zusammen,


    Vor einigen Monaten habe ich mir für den Fall der Fälle zusätzlich zum Gas- und Spiritus-Kocher einen Holzvergaser

    CANWAY Camping Kocher Holzvergaser zugelegt um auch dann noch etwas kochen zu können, wenn Gas und Spiritus aufgebraucht sein sollten. Leider habe ich es bis heute noch nicht geschafft das Teil mal in Betrieb zu nehmen. Wir wohnen zur Miete im ersten Stock und auf dem Balkon ist kein offenes Feuer erlaubt. Ich habe mir immer wieder vorgenommen im Wald einen Grillplatz zu suchen und ihn dort zu testen - aber auch dies blieb bisher immer beim guten Vorsatz.

    Was wir allerdings haben ist : ein offener Kamin im Wohnzimmer. Der Kamin ist nicht so gut zum Heizen geeignet da er keine Kacheln hat die sich aufheizen können. Trotzdem macht er im Winter eine schöne Atmosphäre.


    Hat von euch schonmal jemand einen Hobo / Holzvergaser in der Wohnung in einem offenen Kamin verwendet ?


    Ich habe ein wenig Bedenken dass Anfangs nicht genügend Hitze entsteht damit der Kamin richtig zieht. Bildlich habe ich mir schon vorgestellt wie es ohne Ende qualmt und ich irgendwie versuche die halbbrennenden Hölzchen auf den Balkon zu bringen.. Dabei schlagen natürlich die Rauchmelder Alarm, Nachbarn klopfen an der Wohnungstür weil es im Hausflur nach Lagerfeuer riecht und Frau sagt "ich habs dir doch gleich gesagt..."

    Auch ein Kohlenmonoxid-Melder ist vorhanden - allerdings habe ich eher Bedenken wegen des Rauchs, nicht wegen einer möglichen unvollständigen Verbrennung.


    VG Alex

  • Ausprobieren.


    Du hast alles für den "worst case" - also perfekt für den "alles in einem Test" ;) uuund: wenns wirklich nicht klappt, kannst du immer noch ausgiebig lüften.


    Vorab würde ich natürlich den Zug des Kamins testen, zusammengerollte Zeitung anzünden und kucken, wohin der Rauch - bei geschlossenen Fenstern und Türen - zieht.


    Und nein, einen Hobo habe ich noch nie in einen meiner Öfen (Holzherd, Kachelofen und Kaminofen) getestet, wohl aber Brot Backen mit Teelichtern im Kaminofen - funzte übrigens prima :)

  • Hallo Alex,


    ich habe diesen Holzvergaser-Hobo, er ist eine kleine Diva, wenn man sein Verhalten versteht, klappt er ganz gut 😁.


    Meine Erfahrungen mit ihm:

    Anfänglich brennt und qualmt er wie jedes Feuer, nach ein paar Minuten ist er heiß genug, damit das Holzgas brennt und er raucht kaum noch.

    Dann wird's türkisch, dass Feuer darf nicht an Hitze verlieren und der Brennraum darf aber nicht zu voll werden.

    Nebenher ist man am kochen, Wasser erhitzen usw. Es kann dann halt schnell passieren, dass er soweit runterbrennt, dass nur noch Glut vorhanden ist, wenn man dann nachlegt, qualmt er wieder sehr stark.


    Wenn man weiß auf was man achten muss, ist das Teil super.

    Es gibt den Hobo auch mit so dreieckigen Topfaufsteller, der Taugt nichts.

    Für 15€ ein praktisches Teil


    Grüße

  • Ein erster Test im Leerlauf ist erfolgreich verlaufen :thumbup:

    Gebe zu, es waren schon eher Laborbedingungen.. Zum Anzünden und auch als Brennmaterial hatte ich nur so richtig trockenes Anfeuerholz da. Pfanne und Topf mussten sich auch noch gedulden weil ich erstmal den Anzündvorgang und "das Ende" beobachten wollte. Für den Notfall stand ein tiefes Backblech daneben und ein paar Ofenhandschuhe. Damit hätte ich das rauchende Monster dann auf den Balkon transportiert.

    Rauchentwicklung konnte ich zu meiner Erleichterung wirklich keine feststellen, was vermutlich mit dem gut gelagerten trockenem Holz zusammenhängt. Der Kamin hat von Anfang an gut gezogen. Meine Befürchtungen haben sich diesbezüglich also nicht bestätigt.

    Auch beim Ausgehen wenn die Hitze ja nicht mehr so groß ist, war der Abzug noch gut und kein Rauch sichtbar. Beim nächsten Waldspaziergang werde ich also mal ein Ästchen mitnehen das nicht ganz so trocken gelagert wurde und dann kommt vielleicht auch mal etwas Essbares zum Aufwärmen drauf.


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  • [...] Der Kamin ist nicht so gut zum Heizen geeignet da er keine Kacheln hat die sich aufheizen können. Trotzdem macht er im Winter eine schöne Atmosphäre.


    Du könntest an den Seiten und hinten als Wärmespeicher noch Schamott-Steine aufstapeln. Allerdings verringert sich dadurch natürlich die Größe des Brennraumes.

  • - keiner von euch hat geschrieben : Wie kann man denn auf so eine verrückte Idee kommen ;)

    Hier sind ja auch keine Chicky-Mickys unterwegs die am Latte-Macciato nippen und Schokoladentupfer auf der Kokusmacrone als überlebenswichtig ansehen.

  • Du könntest an den Seiten und hinten als Wärmespeicher noch Schamott-Steine aufstapeln. Allerdings verringert sich dadurch natürlich die Größe des Brennraumes.

    Schamott speichert keine Wärme, da sind Ziegel oder Feldsteine besser geegnet. Schmott ist nur Feuerfest. Die Wärme in einem Kachelofen wird über die Abgas-Züge an die Kacheln abgegeben nicht über die Brennkammer.

  • Schamott speichert keine Wärme, [...]

    Sicher?

    Zitat

    Die spezifische Wärmekapazität (Fähigkeit zur Speicherung von Wärme) von Schamotte liegt mit 1,00 kJ/(kg·K) für Mauerwerk recht hoch, ungefähr gleichauf mit Beton oder Gips, während die Wärmeleitfähigkeit mit 0,8 W/(m·K) bei 100 °C und 1 W/(m·K) bei 1000 °C eher niedrig ist.

    Schamott wird, neben der Feuerbeständigkeit, meines Wissens nach sowohl bei gemauerten Grundkachelöfen, aber auch bei Kaminöfen und Herden als Wärmespeicher eingesetzt.


    Die Wärme in einem Kachelofen wird über die Abgas-Züge an die Kacheln abgegeben nicht über die Brennkammer.

    Bei einem gemauerten Grundofen, Holzherd und Kaminofen ist das so, beim offenen Kamin - wie beim TE verbaut - weiß ich es nicht.

  • Ja da bin ich sicher. Schamott in Öfen wird als Hitzeschild verwendet, damit die Kacheln nicht reissen. Die speichern aber so gut wie nichts,, da sie durch die poröse Strucktur nur eine geringe Wärmeleitfähigkeit haben.

  • Adventurebiker


    Das hast du wohl überlesen :D


    Zitat

    Die spezifische Wärmekapazität (Fähigkeit zur Speicherung von Wärme) von Schamotte liegt mit 1,00 kJ/(kg·K) für Mauerwerk recht hoch, ungefähr gleichauf mit Beton oder Gips, während die Wärmeleitfähigkeit mit 0,8 W/(m·K) bei 100 °C und 1 W/(m·K) bei 1000 °C eher niedrig ist.


    Zum Vergleich der Wärmespeicherfähigkeit:

    Schamotte: 1,00 kJ/(kg·K)
    Speckstein: 0,98 kJ/(kg·K)


    Ich glaube, du verwechselst Wärmeleitfähigkeit mit Wärmespeicherfähigkeit, nix für ungut ;)

  • Nö verwechsele ich nicht. Ähm... ich hab nix "überlesen", da ich mir nicht erst was google wenns jemand wissen will und dann im Dunke tappe, das überlasse ich dann weiterhin dir. ;) Nix für Ungut.


    Die Werte da oben stimmen nicht bei gleicher Zeit der Energiezufur. Der Zeitfaktor ist entscheidend, da wie du richtig gegoogelt hast, die Wärmeleitfähigkeit von Schamott geringer ist. Geh mal tiefer in das Thema Physik und du wirst es erkennen.

  • Soso, gegoogelt habe ich die Werte tatsächlich - die habe ich nicht im Kopf. Aber das, was mir der hiesige Ofenbauer erzählt hat. Und das wird von den Werten auch wiedergespiegelt.


    Schon witzig, in meiner Goldschmiedelehre vor knapp 30 Jahren haben wir noch selbst eine Schmelzesse für die Gold- und Silberschmelze gebaut - aus Schamottsteinen. Begründung vom Meister: Wärmespeicher.

  • Hinweis für Neumitglieder: Wir schätzen hier einen freundlichen, respektvollen Umgang miteinander! Bleibt bitte sachlich. Das Thema finde ich sehr interessant.



    Danke

    Nudnik

  • Um noch mehr Verwirrung in die ganze Diskussion zu bringen:

    Die Dichte von Schamotte ist deutlich geringer als die von Beton oder gar Speckstein. :D


    Mein Stand ist (ohne zu googeln)

    Schamotte kann Wärme relativ gut ab und ist gleichzeitig billig in der Herstellung und Bearbeitung.

    Daher ist Schamotte die Auskleidung des Feuerraums.

    Wärmespeicher UND Optik ist klassischer Stein oder Speckstein überlegen.

    Teilweise wird sogar ein Vermiculit-"Stein" verwendet um den Feuerraum auszukleiden. Dieser "isoliert".

    Soll zwei Dinge unterstützen. A wird der Ofen außen nicht so extrem warm (Unfallgefahr, Lebensdauer des Ofens), B soll das Feuer selbst heißer brennen, was für den Abbrand/Schadstoffe besser sein soll.


    Zur Ausgangsfrage:

    Irgendwie musst du zuerst versuchen, den Kamin "zum ziehen" zu bringen, also indem du genügend Wärme produzierst, dass der Kamineffekt einsetzt.

    Wenn dieser dann läuft, solltest du keine Probleme mehr haben mit Rauch oder ähnlichem.

  • Es geht mir bei dem Versuch nicht ums heizen sondern nur ums kochen für den Fall dass längere Zeit kein Strom vorhanden ist. Wie Asdrubal schon richtig vermutet hat, ist es weniger auffällig und auch komfortabler.

    Wenn es auf dem Balkon wie Hechtsuppe zieht, wird es im offenen Kamin im Wohnzimmer schon angenehmer sein. Auch der Topf wird vom Wind nicht so stark abgekühlt, von daher vermutlich noch effizienter als draußen.

    Für jemanden mit eigenem Haus wird das sicher kein Thema sein weil man sich dann einen Ofen in die Garage stellen kann, aber wir möchten das Beste aus dem machen, was wir eh da haben.

    Zugegeben - etwas Spielerei ist natürlich auch dabei ;-)

  • Das hört sich doch schonmal ermutigend an - keiner von euch hat geschrieben : Wie kann man denn auf so eine verrückte Idee kommen ;)

    Wir sind hier doch alle ein wenig „verrückt“! 😁

    Aber schön, dass du es getestet hast. Wieder was gelernt. Ich hätte nämlich mangels Feuerstelle auch nicht sagen können, was in einer Wohnung passiert. Inhaltlich würde ich es im Notfall genauso machen: spart Feuerholz und ist wesentlich unauffälliger. Letzteres ist wahrscheinlich erst nach 1-2 Tagen relevant.