Alternative zur Gasheizung

  • Moin,

    zum Einen frage ich aus Interesse, zum Anderen weil wir ursprünglich diesen Sommer eine neue Heizung einbauen wollten und ich nach (bezahlbaren) Alternativen suche.

    Wir haben momentan eine Gasheizung die wir diesen Sommer erneuern wollten. Der Heizungsfritze hat uns allerdings im Stich gelassen und auch Putin lässt uns nun zweifeln. Wobei den günstigen Preis einer Gasheizung (3.500€) bietet kein anderes System. Die Installations- und Anschaffungskosten anderer Systeme sind scheinbar um ein Vielfaches höher.

    Viele Grüße aus Schleswig-Holstein, Leo

  • Leo , mach dich mal dazu ein neues Thema auf. Denke, dass es viele beschäftigt nach einer Gasalternative zu suchen.


    Pellets lohnen halt nur bei hohem Verbrauch oder eindaches Modell mit entsprechend mehr Arbeit. Es ist halt ein automatisierter Holzofen mit viel Mechanik, die kaputt gehen kann oder wo sich was verklemmt.


    Ich hatte im Haus einen einfachen Kessel von Pelltech, den man gut selbst warten kann und für die übergangszeit eine eindache Luftwärmepumpe. Heizkreis ohne Puffer.


    Ich war mehrfach sehr froh, dass ich das nicht monovalent gebaut habe.


    Bei vorhandener nicht zu alter Gasheizung kann man natürlich entspannter heran gehen. Wenn man eher ländlich wohnt und den Platz hat, kann Holzvergaser eine option sein, da man da allerhand kostenloses Material verwerten kann, was aber auch Arbeit ist, auf die man Lust haben sollte.

    Aus preppersicht ist das besser, da man da lokal mit zugriff auf Wald ziemlich autark ist, wenn man die Heizungstechnik mit Akku und PV absichert.


    Bei Pelletkesseln brauch man für Fördertechnik, Zündtechnik, Gebläse etc schon eine relativ hohen Leistung stromseitig.Die Anlaufsteöme sibd erheblich höher als die aufgedruckte Leistung.

    aus DE gesendet....

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  • Das Problem eines Umstiegs auf eine andere Heizungsart ist gerade bei neueren Gebäuden/Wohnungen nicht trivial. Aufgrund ihrer kompakten Bauweise und den geringen Anforderungen an Brandschutz und Abgaskamin kann man eine Gastherme quasi an beliebiger Stelle in einem Haus unterbringen, für die Abgase reichtz ein Plastikröhrchen mit 5cm Durchmesser. D.h. immobilien mit Gastherme haben i.d.R. keinen eigenen Heizungsraum und auch keinen Schornstein für die Heizung. Bei einer Umstellung auf Öl- oder Holzheizung steht man dann vor baulichen Herausforderungen, die evtl. gar nicht oder nur durch einen Anbau lösbar sind.


    Ich würde in so einer Lage (Gastherme und kein Raum für eine Heizanlage) vermutlich - zähneknirschend - auf eine Luftwärmepumpe setzen, die gibt es auch als "Hybrid-Heizung" mit der Möglichkeit, mit Gas zuheizen zu können. Durch die bisherige Gastherme hat man den Gasanschluss ja eh schon im Haus. Dann hat man selber die Wahl der Qual: entweder mit teurem Gas oder teurem Strom über die Wärmepumpe zu heizen. Natürlich ist eine LWP in einem Haus mit einer Heizanlage mit hohen Vorlauftemperaturen nicht optimal, aber es geht. Perspektivisch sollte man dann aber eine umfassende Wärmedämmung und andere Heizkörper (mehr Fläche, niedrigere Vorlauftemperatur möglich) mit einplanen.


    Das Problem ist momentan der extreme Gleichzeitigkeitsfaktor: alle Besitzer von Gasheizungen wollen weg davon. Das überfordert den Markt und die Handwerksbetriebe.


    Eine weitere Möglichkeit wäre, sich mit weiteren Betroffenen in der Nachbarschaft zusammenzuschließen und ein Nahwärme-Netz aufzuziehen. Idealerweise gleich richtig groß als Energiegenossenschaft, es geht aber auch schon, wenn sich nur 3-4 Grundstücksnachbarn auf der selben Straßenseite zusammentun. Angenommen, einer hat etwas Platz auf dem Grundstück (etwa in Größe einer Standardgarage), dann könnte er eine Holz-Hackschnitzel-Heizung errichten, die seine Nachbarn links und rechts locker mit versorgen kann. Das kostet etwa 90.000€, geteilt durch drei sind es noch 30.000€ Anteil. Man muss sich halt einig sein und langfristige Betriebs- und Belieferungsvertäge untereinander abschließen und einen fairen Kostenausgleich festlegen. Am besten macht man dann zu dritt eine GbR.


    Aktuell kostet die Anschaffung einer Pellet-Zentralheizung mindestens 30.000€, eher >40.000€. Man braucht einen geeigneten Kamin (Edelstahlrohr wg. Kondensat, Montage nur noch außerhalb des Gebäudes zulässig, Kaminmündung muss mind. 15m von umliegenden Fenstern/Türen entfernt sein) und natürlich Heizraum und Pelletlagerraum, um mindestens 4t Pellets unterzubringen. Ist also nicht günstiger als eine gemeinsam mit Nachbarn betriebene Quartiers-Heizanlage.


    Man sollte die Änderung der Heizanlage nicht überstürzt planen. Aus Gründen der Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz bin ich ein Freund von Nahwärme-Konzepten. Bei uns in der Gemeinde gibt es eine Energiegenossenschaft, die bald 250 Abnehmer hat, die kWh Wärme frei Haus geliefert kostet die Kunden unter 8Cent und bei uns im Ort gibt es private Mini-Nahwärmenetze, zu denen sich wie oben beschrieben, 2 bzw. 3 Grundstücksanrainer zusammengetan haben und sich eine Heizanlage teilen. Das ist insofern besonders günstig, weil man die nötigen Heizleitungen mit wenig Aufwand von Garten zu Garten bzw. Haus zu Haus legen kann, ohne öffentlichen Grund zu durchqueren oder Straßen aufreißen und wieder verschließen zu müssen.


    Deshalb würde ich empfehlen, mal mit der Kommune, ggf. gibt es im Landkreis auch eine Energieberatungs-Agentur, zu reden, Nahwärmeprojekte werden auch gut gefördert. Und natürlich mit den Nachbarn links und rechts von einem, die haben ja sehr wahrscheinlich das gleiche Problem.

  • Bei den 30.000 -40.000 € für eine neue Pelletsheizung sollte man jedoch prüfen, ob des den BAFA Zuschuß von bis zu 40 % für den Umbau noch gibt wie 2021.

    Eventuell noch kombiniert mit eventueller Förderung für zumindest Solarkollektor für Warmwasserproduktion in der Sommerzeit.

  • @tomduy seit wann ist das mit den 15m abstand? Das wäre in dem Haus dakḿals überhaupt nicht möglich gewesen, da es nicht mal so breit war.


    Bei Nachrüstung kann man aktuell mit den relativ effizienzten Pansonic Luftwärmepumpen in monobloc usführung relativ kostengünstig auf bivalent umrüsten. Die ganz kalten Zeiten muss dann de Gasheizung ran, wenn die Vorlauftemperaturen wg. Konvektorheizkörpern relativ hoch sein müssen.


    Im Notbetrieb wg. festgefahrener Schnecke musste ich dann die Grenzen eine Lufwärmepumpe in Kombination mit Konvektorheizkörpern erleben. Da bringt ein Heizkörper nur noch 10-15% seiner Nominellen Wärmeleistung.

    aus DE gesendet....

  • Es gibt auch Stückholz-Heizsysteme die weitgehend automatiesiert sind. Bei Pellets hast Du die externe Rafinneriestufe dazwischen. Hersteller können dort schamlos Marge draufhauen und mittlerweile kann man glaub's auch sagen, dass die Pelletspreise an den Ölpreis gekoppelt sind.

    Die Party ist vorbei!

  • Ich bin Freund der primitiven Stückholzheizung.

    erstens findet sich immer etwas zum Verheizen. Gut, das kann sich ändern, wenn alle anderen das auch machen. Aber es sieht noch nicht danach aus.

    zweitens, man kann sich selber helfen. ich finde es extrem deprimierend, wenn man irgendwelchen Lieferanten oder Händlern schutzlos ausgeliefert ist.

    drittens, es ist sparsam: Man muss nämlich einheizen, um warm zu haben. Bei allen automatischen Heizungen stellt man den Thermostat ein und ärgert sich über die Rechnung.

    Hauptnachteil der Stückholzheizung ist der grosse Platzbedarf für Brennholz, und die Arbeit die man damit hat, wenn man es nicht gerne tut. Wenn man das Holz selber wirbt, braucht man noch Transportmöglichkeit, eine effiziente Brennholzsäge (nur Masochisten machen alles mit der Kettensäge) und einen Spalter.


    "Hersteller können dort schamlos Marge draufhauen und mittlerweile kann man glaub's auch sagen, dass die Pelletspreise an den Ölpreis gekoppelt sind."

    Das ist halt unser allen anderen überlegenes Wirtschaftssystem. Man mäht dort wo es Gras hat. Wenn die Pelletpresse nicht rentiert weil die Polen oder Russen billiger liefern interessiert es auch keinen. jetzt ist es halt mal anders rum.


    Bei Brennholz kann man ohne grosse Klimmzüge in der Nachbarschaft viel Geld und Platz sparen, etwa indem man zu mehreren eine gescheite Maschine anschafft statt dass jeder sein Spielzeug vom Baumarkt hat. Auch brauchen sieben Haushalte nicht sieben Transportanhänger.

  • @tomduy seit wann ist das mit den 15m abstand? Das wäre in dem Haus dakḿals überhaupt nicht möglich gewesen, da es nicht mal so breit war.

    Das ist hier (ofenseite.de) ganz gut erläutert (Zitat):

    "Beträgt der Abstand von Schornsteinmündung bis zum Fenster beim Nachbar weniger als 15 Meter, sind die Schornstein-Maße über dem Dach sehr genau geregelt. Der Schornstein muss dann so hoch installiert sein, dass er alle Fenster und Lüftungsöffnungen der Nachbarn im Umkreis von 15 m um mindestens 1 Meter überragt."


    Es gibt auch Stückholz-Heizsysteme die weitgehend automatiesiert sind.

    Bis auf die Beladung. Und das war für uns seinerzeit das K.o.-Kriterium. Ist man mal ein paar Tage nicht da, kühlt die Bude aus, die Pufferspeicher kühlen runter und man braucht dann ein paar Tage um Puffer und Haus wieder hochzuheizen. War uns zu unkomfortabel. Gasanschluss gab und gibt es bei uns keinen (sonst hätten wir vermutlich jetzt auch eine Gasheizung), Flüssiggas war uns von den Betriebskosten zu teuer und Heizöl wollten wir nicht. Aber eine vollautomatische Heizung mit lokal vorgehaltenem Brennstoff und da bleibt dann nur die Pelletheizung übrig.

  • Bei größerem Heizbedarf , so ab 250 m² und viel Platz für Lagerung wäre eventuell noch an eine Hackschnitzelheizung zu denken, wenn man eigenes Holz, oder Hackschnitzel lieferanten in der Gegend hat.

  • Stückgut hat einige Vorteile - der große Nachteil ist jedoch der Platzbedarf für das Brennmaterial und die Heizungsanlage.


    In meiner Verwandschaft haben wir vor Jahren einen solchen Kessel installiert und mit einigen Pufferspeichern ergänzt. Leere Kübel, so groß wie möglich und gut isoliert.

    An dieser Anlage hängen nun 2 Häuser / 3 Familien mit Kindern (sprich hoher Heizbedarf). Bei absoluten Tiefsttemperaturen (kam diesen Winter gar nicht vor) muss einmal am Tag geheizt werden, ansonsten alle 2-3 Tage.


    Im Sommer speist die Thermische Solaranlage direkt in die Puffer und somit ist für das Warmwasser mehr als gesorgt.


    Notfallmäßig habe ich auf E-Heizelemente bestanden, die sind aber noch keine Minute gelaufen...

  • Bei Holz sollte man bedenken, dass man sich damit auch nicht vom Markt abkoppelt:


    Pellets: Neben der schon erwähnten Abhängigkeit von Herstellern und Großhandel sei ergänzt, dass Polen das wichtigste Importland ist. Wenn die selbst ohne Gas da sitzen, werden die verstärkt mit Holz heizen und möglicherweise weniger exportieren. Deutschland versorgt sich mit Pellets zwar vollständig selbst, aber ob das bei einem sprunghaften Anstieg des Verbrauchs oder auch nur bei einer verstärkten Lagerhaltung noch reicht? Derzeit hat sich der Preis wohl im Vergleich zum Vorjahr in etwa verdoppelt. Da muss man zwar die weitere Entwicklung abwarten, aber folgender Google-Trend des Suchwort "Holzpellets" scheint mir recht interessant: https://trends.google.de/trend…05-y&geo=DE&q=holzpellets


    Stückholz: Das ist zwar auch mein persönlicher Favorit, wenn auch nur als Kaminofen-Notheizung und nicht für die Zentralheizung, aber auch da sollte man auch nicht allzu sicher sein, insbesondere, wenn man nicht auf dem Land wohnt oder eigene Flächen zur Holzgewinnung hat. Da gab es gestern im FAZ-Lokalteil einen ganz interessanten Artikel. Hier nur anzulesen, aber in dem Stil geht es insgesamt weiter: https://www.faz.net/aktuell/rh…erden-knapp-18121222.html Auch da ist die Nachfrage inzwischen so groß, dass die Lieferanten nicht mehr nachkommen. In anderen Ballungsräumen dürfte es ähnlich aussehen. Wenn dann noch Polen und Rumänien wegen Eigenbedarfs deutlich weniger liefern, wird es äußerst knapp. (Ukraine und Russland spielen für die Brennholzimport eine eher kleinere Rolle.)