E-KFZs vs deutsches Stromnetz

  • Zitat von Vento;310242

    Tesla hats vorgemacht. Mit Supercharger in ganz Europa (und USA) kann man quasi durch ganz Europa mit einem Tesla fahren. Du gibst ins Navi dein Ziel ein und er Navigiert dich von Ladestation zu Ladestation bis an dein Ziel. Es gibt davon mehr als man denkt. ...


    Das ist doch derzeit und in den nächsten 5 oder 10 Jahren unrealistisch.
    Ich möchte den sehen, der mit einem E-KFZ in Berlin losfährt und mit 4 Personen inkl. Gepäck in 24h in Rimini, Dubrovnik, Edinburgh, Dublin oder Barcelona ist. Geschweige mit Wohnwagen und Klimaanlage. Oder in 48h nach Gibraltar, St. Petersburg usw. Auch Murmansk, Perm (am Ural), Nordkap, der westliche Teil von Istanbul gehören zu Europa.


    Für Kurzstrecken, Stadtfahrten usw ist doch so ein E-KFZ ganz ok. Aber die Umstellung von 1/3 oder 100% des Fahrzeugbestandes ist einfach unrealistisch. Wer soll denn jeden Stellplatz der über 60Mio KFZs in D mit jeweils einer Ladestation versehen? Wer soll die bauen, gerade in Großstädten?


    Zitat von Vento;310242

    ...Wasserstoff wird aus Strom gewonnen...

    Das ist eigentlich unmöglich.
    Man kann mit Hilfe von Strom Wasserstoff z.B. aus Wasser produzieren.



    Die Fa. in der meine Frau seit 36a arbeitet, hat sich einen niegelnagelneuen E-Golf zugelegt. Der kommt gerade mal von Leipzig nach Dresden und zurück, und da darf nicht mal die Klima angemacht werden (im Winter dann wahrscheinlich nicht die Heizung...).



    Das mit dem E-KFZs ist doch alles nur politische Polemik im Wahlkampf um von anderen Dingen, wie der VW-Diesel-Problematik, Asyl usw, abzulenken.
    Unsere Obermuddi ist promovierte Physikerin und sollte eigentlich die technischen und energetischen Probleme bei der massenhaften Einführung von E-KFZs verstehen.

    An der Kennzeichenbefestigung erkennt man die Ernsthaftigkeit eines Offroaders...

  • Ich weis ja nicht was du für Hobbys hast, aber ich behaupte mal der Durchschnittliche Deutsche / Österreicher / Schweizer fährt nicht öfter als 1x im Jahr so weit ins Ausland.
    Da muss man dann natürlich einen Kompromiss eingehen und mehrere Pausen machen.
    Ich wiederhole mich nur ungern, aber Tesla hat bewiesen, dass es möglich ist.
    Natürlich kann man das Elektro Tankstellennetz nicht mit dem für Benzin/Diesel vergleichen, da muss noch kräftig ausgebaut werden.


    http://diepresse.com/home/pano…ren-taeglich-36-Kilometer


    Ich behaupte jetzt einfach mal, dass die 70 km elektrische Reichweite eines Opel Ampera für 90% der Menschen täglich reicht.
    Geladen wird zu Hause, da die kostenlosen E-Tankstellen nur solange Kostenlos sind, bis es mehrere E-Autos gibt.
    Aber auch in der Arbeit wäre laden angesagt, denn dann kann man den Akku tagsüber als 'Netz-Puffer' verwenden.


    Natürlich gibt es noch keine Lösung für Menschen, die den ganzen Tag im Auto sitzen. Vertreter, langstrecken Pendler,...


    Zitat von Rocky;310244


    Das ist eigentlich unmöglich.
    Man kann mit Hilfe von Strom Wasserstoff z.B. aus Wasser produzieren.


    Das war ein kleiner versprecher meinerseits, ändert aber nichts an der Aussage was die verluste betrifft.

    "Wir brauchen kein Telefon, wir haben genügend Boten!" Britische Post 1878

  • Zitat von Vento;310251

    Ich weis ja nicht was du für Hobbys hast...

    U.a. Offroad, Fernreisen, Camping.


    Ich war mit Geländewagen, 4x4-Womo und Wowa mehrfach in Gegenden wie Sahara, Atlas, RUS, UA, Baltikum. Das wird mir und anderen Reisenden dann wohl verboten? Zwangsweise muß jeder dann mit Dhuhi und Näggermoan nach Malle? Oder wie? Oder gleich zu Hause bleiben...


    Es reicht schon, daß das Umweltschmutzgesetz mich mit seinen Umweltzonen von meinem 4x4-Iveco-Womo zwangsenteignet hat.


    Was macht man dann mit den mehr als 0,5Mio Wohnwagen in D? Verschrotten? Oder als Dauercamper mit Geranien max. 70km von zu Hause entfernt per Dekret?


    Urlaubsreisen sind sowieso ökologisch und energetisch höchst fragwürdig!


    Steuert wohl eh alles Richtung "1984" von G. Orwell... Da kann man es ja gleich wie in "Jahr 2022" mach und sich zu grünen Keksen verarbeiten lassen.



    Fakt ist doch, daß die steuerliche Begünstigung des DK zu Marktverzerrungen führt. Es wird immer mehr von Schiene und Wasserstraße auf die Autobahn verlagert. Durch "Just in time" werden Läger auf die Straße verlegt. Bahnanschlüsse werden zurückgebaut, neue Gewerbegebiete verfügen über gar keinen Gleisanschluß. Selbst die DB verlagert von der Schiene auf die Straße (Schenker).
    Es gäbe wesentlich weniger kritische Luftverschmutzung, wenn der DK nicht gegenüber VK begünstigt wäre, wenn wieder mehr Güterverkehr auf Wasser und Schiene verlagert würde und wenn z.B. Wassersprengwagen durch Großstädte in D fahren würden (wie in ausländischen Großstädten üblich).
    Dann gäbe es die leidliche Diskussion über Dieselfahrzeuge und E-KFZ gar nicht.

    An der Kennzeichenbefestigung erkennt man die Ernsthaftigkeit eines Offroaders...

  • Zitat von Rocky;310253

    U.a. Offroad, Fernreisen, Camping.


    Dann bist du eben kein Durchschnittsdeutscher, ich verstehe nur nicht, warum du das E-Auto dann schlecht redest.
    Ich habe mich auch nicht zu Verkaufsverboten von Benzin/Diesel Autos geäußert. Es ging rein um die Kombination E-Autos und Strompuffer für die Netze.


    Alle Verbrennungsmotoren verbieten wird in den nächsten Jahrzehnten sowieso nicht gehen, man beachte mal die LKWs auf den Autobahnen.
    Die Entwicklung wird uns den weg weisen.

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  • Hättest Du ihn nicht umrüsten können? Wozu musst Du in die Innenstädte mit dem WoMo? Außen abstellen und mit den Öffis rein geht doch auch.


    Das Puffern mit dem eigenen Akku im Auto sehe ich eher kritisch, da es die Lebenszeit massiv verkürzen wird. -> Ladezyklen

  • Zitat von Vento;310254

    Dann bist du eben kein Durchschnittsdeutscher...

    Wieviele fahren mit eigenem KFZ ans Mittelmeer in den Urlaub, oder nach Skandinavien? Und mit Wowa?



    Zitat von Vento;310254

    ... ich verstehe nur nicht, warum du das E-Auto dann schlecht redest. ...

    Hab ich ja nicht prinzipiell. Für den innerstädischen Bereich, tgl. Post u.a., Behörden, den Zweitwagen usw. mag so ein E-KFZ völlig ok. sein.
    Beruflich habe ich viel mit EVUs , Netzersatz- und BHKW-Technik zu tun. Da kennt man dann das Theater, was es bedeutet neue Trafostationen, Kabeltrassen usw zu installieren. Sowie die Probleme die die Netzbetreiber mit Solar, Windkraft usw haben.



    Zitat von Samui;310255

    Hättest Du ihn nicht umrüsten können? Wozu musst Du in die Innenstädte mit dem WoMo? Außen abstellen und mit den Öffis rein geht doch auch...


    Mechanische Einspritzanlagen lassen sich nicht umrüsten.
    Ich wohne in einer grünen Umweltzone. Klar, dann stell ich das Womo außerhalb der Stadt an den Straßenrand und bringe mein Gepäck, Nahrung, Urlaubsausrüstung mit dem Handwagen oder dem ÖPNV dort hin? Und nach dem Urlaub wieder zurück? Da muß ich jetzt lachen...

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  • Zitat von Rocky;310256

    Wieviele fahren mit eigenem KFZ ans Mittelmeer in den Urlaub, oder nach Skandinavien? Und mit Wowa?


    Mit dem KFZ ist es kein Problem, siehe das Modell Supercharger.
    In Deutschland kommen auf 41 Mio Haushalte 1 Millionen Wohnwagen. Wie hilft uns das jetzt?
    Ich habe ja nicht gesagt , dass man die alle verbieten soll. LKWs kann man ja auch nicht so einfach auf elektro umstellen.



    Die EVUs jammern immer wenn sie etwas erneuern müssen. Natürlich gehört das Netz erneuert, ausgebaut und modernisiert. Was juckts das EVU, zahlt ja sowieso der Endverbraucher?
    Auch ich habe einiges mit EVUs zu tun und der allgemeine Tenor lautet 'Wir haben kein Energieproblem, wir haben ein Speicherproblem.'




    Das wars soweit von mir, sollten wir uns weiter im Kreis drehen, steig ich auch aus.


    Lg

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  • Wowa werden typischer weise nicht nur einmal im Jahr genutzt. Viele sind von Vermietungsfirmen und werden mehrfach im Jahr ans Mittelmeer verbracht, andere werden privat vermietet, was kaum erfaßt wird, auch viele Großfamilien nutzen gemeinsam einen Wowa übers Jahr.


    Hilft aber alles nicht darüber hinweg, daß die europäischen Stromnetze und Kraftwerke nicht für die Versorgung von Millionen E-KFZs ausgelegt und einsatzbereit sind.

    An der Kennzeichenbefestigung erkennt man die Ernsthaftigkeit eines Offroaders...

  • Zitat von Rocky;310244

    Das ist doch derzeit und in den nächsten 5 oder 10 Jahren unrealistisch.


    Die deutschen OEM gehen sehr wahrscheinlich in Richtung 800V / 350kW Schnellladesysteme. Das wird vermutlich keine 10 Jahre mehr brauchen.


    Für den der regelmäßig Langstrecke fährt kann man so in 15 Minuten grob 80kWh nachladen, womit man in allen Ländern dieser Welt außer Deutschland so 4 Stunden auf dem Highway fahren kann. 15 Minuten Pause alle 4 Stunden halte ich gerade bei privaten Fahrten für vollkommen okay.


    Nur in Deutschland reicht es nur für 2-3 Stunden Vollgas auf der Autobahn, aber global betrachtet ist Deutschland als Absatzmarkt für PKW nicht mehr entscheidend.


    Zitat

    Aber die Umstellung von 1/3 oder 100% des Fahrzeugbestandes ist einfach unrealistisch. Wer soll denn jeden Stellplatz der über 60Mio KFZs in D mit jeweils einer Ladestation versehen? Wer soll die bauen, gerade in Großstädten?


    Man wird sehen. Bei meiner Freundin wird das der Arbeitgeber machen, ist also derzeit eher die Frage, ab wann und zu welchen Bedingungen man dort wird laden können. Dann braucht sie zuhause in der Innenstadt keine Lademöglichkeit. Für Sonderfahrten dann eben die öffentlichen Ladestationen. Bis dahin wird die aktuelle Kiste hoffentlich noch durchhalten und gebrauchte ePKW ausreichend gut und billig sein.


    Das ist alles weitaus realistischer als eine flächendeckende Wasserstoff-Infrastruktur.


    Ich selbst besitze kein Auto, für mich ist das unnötig. Die Carsharing Anbieter können ja recht problemlos e-PKW ins Portfolio aufnehmen, also könnte ich da nach Bedarf wählen.


    Zitat


    Die Fa. in der meine Frau seit 36a arbeitet, hat sich einen niegelnagelneuen E-Golf zugelegt. Der kommt gerade mal von Leipzig nach Dresden und zurück, und da darf nicht mal die Klima angemacht werden (im Winter dann wahrscheinlich nicht die Heizung...).


    Das ist schon wesentlich besser als das was es vor 10 oder auch 5 Jahren für das Geld gab.


    Die nächste Generation wird 300km herum schaffen, gerade für viele Behörden ist das für vieles ausreichend.


    Niemand sagt, dass man die 40 Mio. PKW in Deutschland innerhalb von 5 Jahren _alle_ elektrifizieren muss.


    Zitat


    Unsere Obermuddi ist promovierte Physikerin und sollte eigentlich die technischen und energetischen Probleme bei der massenhaften Einführung von E-KFZs verstehen.


    Der e-PKW ist ein Problemlöser.


    Ein Mittelklasse e-PKW braucht 20kWh Elektrizität statt 60kWh Treibstoffe auf je 100km.


    Baust Du einen Brennstoffzellen e-PKW brauchst Du ca. 40kWh Wasserstoff und um diese zu erzeugen brauchst Du 60kWh Strom. (mit dem vergleichsweise sehr aufwändigen Transport von Wasserstoff eher noch mehr)


    Wenn Du mit 60kWh Methan (Erdgas) fährst und willst diese aus Strom, Wasser und CO2 synthetisieren brauchst Du 100kWh Elektrizität, jeweils pro 100km.


    Oder noch ein anderer Vergleich: Mit dem Ertrag aus einem Hektar Raps fährt ein Diesel-PKW ca. 30.000km pro Jahr, mit dem Jahresertrag von einem Hektar Solarkraftwerk fährt ein E-Auto hingegen ca. 5 Millionen km!


    (Ertrag Rapsöl ca. 1.800l/ha*a, Verbrauch ca. 6l/100km - Ertrag Photovoltaik (10% Wirkungsgrad über die Grundfläche): ca. 1 Mio. kWh/a, Verbrauch ca. 20kWh/100km)


    MfG

  • Zitat von Rocky;310260


    Hilft aber alles nicht darüber hinweg, daß die europäischen Stromnetze und Kraftwerke nicht für die Versorgung von Millionen E-KFZs ausgelegt und einsatzbereit sind.


    Sind sie auch nicht. Es werden aber nicht von heute auf morgen Millionen E-Autos auf den Straßen fahren. Daher heißt es ausbauen!
    Und wenn man mal eine Hochspannungstrasse bauen will, gibt es eine Menge Bürgerbewegungen dagegen.


    Machs den Menschen mal recht...

    "Wir brauchen kein Telefon, wir haben genügend Boten!" Britische Post 1878

  • Zitat von Rocky;310260

    Wowa werden typischer weise nicht nur einmal im Jahr genutzt. Viele sind von Vermietungsfirmen und werden mehrfach im Jahr ans Mittelmeer verbracht, andere werden privat vermietet, was kaum erfaßt wird, auch viele Großfamilien nutzen gemeinsam einen Wowa übers Jahr.


    Bei tatsächlich nur selten genutzten Fahrzeugen kann man's ja ggf. über Steuer, City Maut, o.ä. regeln oder man macht Ausnahmen wie bei Oldtimern. Wichtig ist aber, dass es tatsächlich Ausnahmen sind, die bei der Gesamtbelastung nicht ins Gewicht fallen.


    Zitat


    Hilft aber alles nicht darüber hinweg, daß die europäischen Stromnetze und Kraftwerke nicht für die Versorgung von Millionen E-KFZs ausgelegt und einsatzbereit sind.


    Das ist eigentlich kein Problem.


    MfG


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    Zitat von Samui;310255


    Das Puffern mit dem eigenen Akku im Auto sehe ich eher kritisch, da es die Lebenszeit massiv verkürzen wird. -> Ladezyklen


    Bei Traktionsakkus geht der Trend heute Richtung 5.000+ Ladezyklen. Wenn das Fahrzeug mit einem Vollzyklus 300km schafft wäre das eine Batterielebensdauer von 1.5 Mio. km.


    Die Traktionsbatterien künftiger e-PKW stehen sich also sowieso tot und altern eher durch die Zeit als durch die Zyklen.


    Das Problem ist eher ein vernünftiges Geschäftsmodell zu finden für Speicher, die nicht ständig verfügbar sind. Wahrscheinlich rechnet sich der Aufwand eher nicht.


    MfG

  • Ich find ja zentralistisch erdachte Lösungen immer ganz spannend... irgendwo versteckt sich da immer so ein Häkchen.
    Was spräche gegen die Gewinnung von Wasserstoff, wo die Bedingungen perfekt zusammenkommen?
    Ein Gedankenspiel:
    -Windpark in der Nordsee
    -Elektrolyseplattform (analog zu Bohrstationen) ebenfalls an der Küste. Fünf Kilometer Seekabel lassen sich leichter realisieren als 1000km von der Waterkant nach Südbayern.
    -Transport des erzeugten Wasserstoffs (und ggf. gasförmigen/flüssigen Sauerstoff und Meersalz als "Abfallprodukt") über Pipelines oder Tanker und Einspeisung in Pipelines an Land
    -Stromerzeugung direkt am Verbraucher durch vernünftige Brennstoffzellen. Siemens hat 1999 bereits auf einer Ausstellung in Frankfurt (Klassenausflug...) eine funktionierende Brennstoffzelle vorgeführt. Und das war ganz sicher nicht der erste Ansatz. Mittlerweile sind auch die Membranen besser geworden.
    -Abwasser direkt in die Scheibenwaschanlage leiten, wenn es nicht auf die Straße tropfen soll.


    Natürlich öffnet diese Idee dann wieder ein ganzes Fass anderer Probleme, aber ich finde sie als Lösung sehr charmant. Es gibt mittlerweile crashsichere Tanks für alle möglichen Kraftstoffe, ich glaube, dass man auch einen für Wasserstoff bauen kann.


    Abgesehen davon bin ich immer noch der Meinung, dass die Energiebilanz der ersten Elektroautos sich mit zunehmender Verbreitung und Verwendungsdauer nivellieren wird.


    Möglicherweise könnte man auch den wie oben erzeugten Wasserstoff in Pufferkraftwerke einspeisen, die dann wieder Strom daraus machen, wenn er gebraucht wird. Also durch brutal viele gestackte Brennstoffzellen beispielsweise.


    So long,
    Sam

    There is only one god and his name is Death. (Syrio Forell)

  • Zitat von Cephalotus;310264

    Hilft aber alles nicht darüber hinweg, daß die europäischen Stromnetze und Kraftwerke nicht für die Versorgung von Millionen E-KFZs ausgelegt und einsatzbereit sind.



    Das ist eigentlich kein Problem.


    Kannst Du das kurz erklären? Wieso sollte das kein Problem sein, wenn ich mir anschaue, wie langwierig und schwierig es derzeit wohl schon ist, den Ökostrom von Norden nach Süden zu transportieren.
    Scheinbar stockt der Netzausbau nicht nur im Großen. Ein Bekannter ist in einer Firma, die hochwertige Immobilien bauen und vermarkten. Da machten die örtlichen Stadtwerke dicke Backen, als die Anfrage für zwei Tesla Schnelllade-Plätze(?) kam.
    Aussage verkürzt: Wir bekommen die Leistung da nicht hin, keine ausreichend dimensionierten Leitungen. Es musste ein Trafo gebaut werden für einen dicken 5 stelligen Betrag, um das zu realisieren. Ich hoffe, ich gebe das richtig wieder, da das fachlich nicht mein Thema ist.



    Die Bilanz der E-Autos mag auf dem Papier besser sein, aber an einen schnellen Ausbau und eine flächendeckende Nutzung habe ich auch meine Zweifel.
    Eine Begebenheit vor einigen Monaten:
    Ich parkte auf dem örtlichen Rewe Parkplatz und als ich aussteige hält neben mir ein Herr mittleren Alters mit einem kleinen E BMW. Schönes Auto, sage ich.
    Wir beide kommen ins Gespräch und er sagte mir, dass er damit die 20 km zur Arbeit fährt und sehr zufrieden sei. Naja, und für den Urlaub und weitere Strecken hätten sie ja noch den Q7. ;-)


    Das ist der Weg, den ich derzeit sehe. Die E-Autos bleiben auf absehbare Zeit Autos für kürzere Strecken für Menschen, die es sich finanziell als Zweitwagen leisten können und am besten ein Haus mit Lademöglichkeit haben.
    Aber der Malocher aus der Plattenbausiedlung im 8. Stock mit einem Stellplatz für ein Auto vor dem Haus wird eher nicht auf E-Auto umsteigen (können).


    Bin aber auch sicher, dass die Entwicklung auch der Akkus weiter gehen wird und es in Zukunft auch weiter ausgebaut wird. Dafür sehe ich allerdings einen deutlich späteren Zeitpunkt als 2050 ...


    Legend, kein Physiker ;-)


  • Bis hierhin durchaus spannend, heute fehlt noch das Geschäftsmodell (Erdgas ist leider? spottbillig) , aber da könnte die Politik ja Anreize bieten.


    Wasserstoff sehe ich dann aber als Premiumprodukt. dort wo sich Strom schwerer einsetzen lässt, z.B. bei LKW (statt O-Leitungen), um Gebäude mit geringen Verbräuchen über eine Gasheizung "klimaneutral" zu beheizen, evtl für Flugzeuge, Busse, Schiffe, für Gasturbinenkraftwreke während der "Dunkelflaute"...


    Also dort, wo man perspektivisch hohe Preise pro kWh durchsetzen könnte. Das sind dann aber eher die letzten 20% der Energiewende und nicht die ersten 20%


    Zitat


    -Stromerzeugung direkt am Verbraucher durch vernünftige Brennstoffzellen. Siemens hat 1999 bereits auf einer Ausstellung in Frankfurt (Klassenausflug...) eine funktionierende Brennstoffzelle vorgeführt. Und das war ganz sicher nicht der erste Ansatz. Mittlerweile sind auch die Membranen besser geworden.


    Ja, Gleichzeitig sinkt aber der Wärmebedarf zunehmend, so dass Kraft-Wärme-Kopplung in vielen effizienten Gebäuden einfach keinen Sinn mehr macht. Die klimaneutrale Alternative für Neubauten könnte stattdessen die geothermische Wärmepumpe sein und diese dann mit Ökostrom betrieben. Wenn es im Netz mal eng wird schaltet man die ab, wenn man Überschüsse hat füllt man zumindest den Warmwasserspeicher.


    Würde ich heute ein Haus neu bauen, würde ich es so beheizen, obwohl es gegen eine Erdgasheizung bei den aktuellen Gaspreisen keine Chance hat. (aber dagegen hat nichts eine Chance)


    Zitat


    Natürlich öffnet diese Idee dann wieder ein ganzes Fass anderer Probleme, aber ich finde sie als Lösung sehr charmant. Es gibt mittlerweile crashsichere Tanks für alle möglichen Kraftstoffe, ich glaube, dass man auch einen für Wasserstoff bauen kann.


    Klar. die chemische Industrie hat Jahrzehnte Erfahrung mit Wasserstoffinfrastruktur. Allerdings hat man auch Jahrzehnte lang nix weiter entwickelt. "Ganz neu" sind jetzt die Versuche mit Elektrolyseuren der 10MW Klasse.


    Zitat


    Möglicherweise könnte man auch den wie oben erzeugten Wasserstoff in Pufferkraftwerke einspeisen, die dann wieder Strom daraus machen, wenn er gebraucht wird. Also durch brutal viele gestackte Brennstoffzellen beispielsweise.


    Die Wertigkeit von "Energievektoren" befindet sich im Wandel.
    Bisher war 1kWh Strom am wertvollsten, dann 1kWh Wärme und dann 1kWh Treibstoff.


    In absehbarere Zukunft (sofern die Energiewende umgesetzt wird) wird 1kWh Treibstoff am wertvollsten sein, dann 1kWh Strom und dann 1kWh Wärme, wobei der Wert von Strom stark schwanken wird von praktisch Null bis kurzzeitig auch mal sehr hoch.


    In dieser Welt macht die Verstromung von Treibstoffen zu Strom nur zu absoluten Spitzenlastzeiten Sinn, das klingt eher nach einer billigen Gasturbine statt nach einer effizienten aber sauteuren Brennstoffzelle.



    Zitat von Legend;310268

    Kannst Du das kurz erklären? Wieso sollte das kein Problem sein, wenn ich mir anschaue, wie langwierig und schwierig es derzeit wohl schon ist, den Ökostrom von Norden nach Süden zu transportieren.


    Okay, ich formuliere es anders: Es ist kein technisches Problem.


    Die Akzeptanz von Infrastruktur ist in der Tat ein anderes Thema, aber das betrifft ja heute jede Art von neuer Infrastruktur, nicht nur Stromerzeugung und Verteilung. Gegen _alles_ wird protestiert.



    Zitat von Legend;310268


    Bin aber auch sicher, dass die Entwicklung auch der Akkus weiter gehen wird und es in Zukunft auch weiter ausgebaut wird. Dafür sehe ich allerdings einen deutlich späteren Zeitpunkt als 2050 ...


    Meine Prognose ist, dass neue Verbrennungs PKW in chinesischen und indischen Städten noch vor 2030 verboten sein werden und ich gehe ferner davon aus, dass das auch andere signifikante Absatzmärkte in Kalifornien, Japan und Europe betreffen wird.


    Wenn die deutsche Automobilindustrie PKW verkaufen möchte werden es überwiegend elektrische sein.


    Schau Dir einfach mal die Statements der deutschen OEM dazu an, einmal von vor 5 Jahren und heute.


    Der einzige mir bekannte relevante Automobilhersteller der keine eindeutige e-Auto Strategie präsentiert ist Toyota.


    MfG

  • E Autos werden die Zukunft sein, das ist so gewollt
    Es gibt allerdings 2 Probleme die ich darin sehe.
    1. Die Versorgung mit selten Erden. Da die bisherigen Technologien durch die Bank selten Erden benötigen, ist das nach derzeitigem Stand eine Schlüsselressource um überhaupt auf das elektrische Fahren umsteigen zu können. Allerdings kontrolliert China hier den kompletten Markt. Heißt sie können hier machen was sie wollen, solang wir hierauf angewiesen sind sitzt China am längeren Hebel. https://de.wikipedia.org/wiki/Metalle_der_Seltenen_Erden


    http://"https://de.wikipedia.org/wiki/Metalle_der_Seltenen_Erden"2. Damit das alles funktioniert müssen die EVU absolute Kontrolle über das Stromnetz besitzen. Das bedeutet das alle elektrischen Geräte über kurz oder lang durch eine "intelligente + vernetzte" Variante ausgetauscht werden muss. Die Geräte ohne diese Regelung stellen den größten Unsicherheitsfaktor dar. Denn wie will ich einem "unintelligenten" Herd denn sagen er soll seine Leistung zurücknehmen? Das Funktioniert nur sehr schlecht. Gilt ebenso für alle anderen Großverbraucher die evt in irgendwelchen Kellern usw stehen (Drehbank, Fräsen, Schweißgeräte u.ä.)
    Ich bin absolut kein Fan von solchen Dingen. Dieser ganze "intelligente" Schrott verleitet die Leute dazu noch weniger zu denken wie sie es eh schon tun. In meinem Bekanntenkreis sind schon ein paar dabei die ohne Smartphone ja gar nicht mehr von A nach B kommen, aber das is wieder was anderes :-D


    Für so einen Fall habe ich geplant im Haus ein 2tes Stromnetz aufzubauen. Eines ist öffentlich, eines das ich dann bei Stromausfall oder was auch immer verwenden kann.
    Wenn etwas eine Software besitzt kann es geknackt werden und das ist der Teil der mir auch ganz und gar nicht behagt. Ist wie bei den Verschlüsselungstrojanern.

  • Zitat von Alpenrenner;310271


    1. Die Versorgung mit selten Erden. Da die bisherigen Technologien durch die Bank selten Erden benötigen, ist das nach derzeitigem Stand eine Schlüsselressource um überhaupt auf das elektrische Fahren umsteigen zu können. Allerdings kontrolliert China hier den kompletten Markt. Heißt sie können hier machen was sie wollen, solang wir hierauf angewiesen sind sitzt China am längeren Hebel. [URL="https://de.wikipedia.org/wiki/Metalle_der_Seltenen_Erden"]https://de.wikipedia.org/wiki/Metalle_der_Seltenen_Erden


    In Beitrag #19 habe ich einen link gepostet, da ist das sehr detailliert aufbereitet, falls Dich das Thema interessiert.
    Kurz gesagt, ein grundsätzliches Problem besteht nicht, idR gibt es Ausweichtechnologien.


    Zitat

    2. Damit das alles funktioniert müssen die EVU absolute Kontrolle über das Stromnetz besitzen.


    Nö, wieso brauchen die die absolute Kontrolle? Die komplette(!) Elektrifizierung aller Straßenfagrzeuge würde ca. 200TWh/a verrauchen, das ist grob 1/3 des heutigen gesamten Stromverbrauchs. Auch bei einer vollständigen elektrifizierung wird die Industrie der größte Stromverbraucher bleiben.
    Man kann sich sehr viele Steuerungen auch ohne Vernetzung vorstellen, ein super simples System wäre, eine Steuerung über die Netzfrequenz.


    Zitat

    Denn wie will ich einem "unintelligenten" Herd denn sagen er soll seine Leistung zurücknehmen? Das Funktioniert nur sehr schlecht. Gilt ebenso für alle anderen Großverbraucher die evt in irgendwelchen Kellern usw stehen (Drehbank, Fräsen, Schweißgeräte u.ä.)


    Nichts davon bietet sich für ein "smart demand" System an. Das macht nur dort Sinn wo es keine Beeinträchtigung gibt, wenn mal zeitweise der Strom weg ist bzw die Leistung reduziert wird, also z.B. große Kühlräume, Warmwasserbereitung (mit Speicher), Gebäudeheizung bei ausreichender thermischer Masse oder eben e-autos, die man abends um 18:00 Uhr anstopselt und erst am nächsten tag um meinetwegen 8:00 Uhr wieder braucht.


    Zitat


    Für so einen Fall habe ich geplant im Haus ein 2tes Stromnetz aufzubauen. Eines ist öffentlich, eines das ich dann bei Stromausfall oder was auch immer verwenden kann.
    Wenn etwas eine Software besitzt kann es geknackt werden und das ist der Teil der mir auch ganz und gar nicht behagt. Ist wie bei den Verschlüsselungstrojanern.


    Mir wäre neu, dass sich e-PKW nicht auch dumm laden lassen. Smart demand wird kommen, wenn an damit finanzielle Vorteile hat, also z.B. die kWh für 2ct billiger bekommt. Seine Haushaltsgeräte wird man nicht vernetzen müssen, ich habe nicht vor, das jemals zu tun.


    MfG

  • Was die E-Mobiltät angeht , kann ich die mir aus Prepper/Selbstversorger/Ökologen -Sicht für den Landbewohner durchaus sinnvoll vorstellen : eigenes Dach mit eigener PV-Anlage und drunter Steckdose am
    Stellplatz oder in der Garage. Klappt am besten bei Selbständigen oder Rentnern, die nicht jeden Tag aus dem Haus müssen.


    Brauche ich hingegen bei dieser Konstellation täglich das Auto, und habe keinen Firmenparkplatz mit PV-Ladesteckdose, brauche ich zu Hause einen Akku, der den PV-Strom vom Tag speichert und nachts dann
    den Auto-Akku lädt . Mit einem gewissen finanziellen Aafwand sicher zu leisten . Frage nur, ob es dann auch entsprechende Ladesysteme Akku zu Akku gibt.


    Bei der klassischen E-Mobil-Vorstellung , man fährt mit dem Auto zur Arbeit und lädt es dann an der häuslichen Steckdose auf , taucht die Frage auf, wo dann nachts der Ladestrom herkommt..


    Nach dem gegenwärtigen Stand geht auch das nur problemlos bei Eigenheimbewohnern mit Steckdose in der Garage oder auf dem Stellplatz..


    Was macht der E-Auto-Besitzer mit Eigentumswohnungsgarage oder Eigentumsstellplatz ? Was macht der Mieter von Garage und Stellplatz ? Was macht der der Laternenparker und der Firmenparkplatzparker ???


    Bei der ganzen regierungsamtlichen Diskussion um die Elektromobilität fällt mir das " Wir schaffen das" und das allgemeine Trump-bashing zur Klimapolitikein


    Bisher gibt es noch keine öffentliche Diskussion über neue gesetzliche Regelungen zB im Wohungseigentumsgesetz oder Mietrecht, wonach ein Rechtsanspruch darauf besteht, eine Stromleitung
    zum, Stellplatz auf eigene Kosten verlegen zu dürfen . Oder die Umlagemöglichkeit der Kosten für Stromanschlüsse bei vermieteten Stellplätzen auf die Mieter.
    Nachdem in den Bauordnungen der Länder oft die Zahl der Stellplätze vorgeschrieben ist, könnte für Neubauten, incl. Firmenparkplätze der obligatorische Stromanschluß vorgeschrieben werden .


    Als nächstes wäre gesetzgeberisch zu klären , wer für die Ausstattung und den Betrieb von Stromanschlüssen auf öffentlichen Parkflächen zuständig ist. ( zB Quotenpflicht: Gemeinden sind bis
    2025 verpflichet, 30 % aller Straßenparkplätze mit Stromanschluß zu versehen) ; in Verbindung mit StVO Änderung: Abschleppen von Nicht E-Autos von "Ladeparkplätzen", Vermietung von Ladeparkplätzen an Private ( also Einschänkung des Gemeingebrauchs).


    Festzulegen wären dann bundesweite technische Vorgaben für Anschlüsse und Abrechungsmodalitäten für öffentliche E-Parkplätze.


    Zu Überlegen wären steuerrechtliche Förderung von Überlassung von Ladestrom von Firmen an Arbeinehmer während der Arbeitszeit auf Firmenparkplätzen .


    Gäbe also einiges zu tun , um die Voraussetzungen für die Verbreitung von E-Mobiltät zu forcieren, wenn sie mit Massenwirkung überhaupt gewollt wäre.


    Die andere Baustelle wäre dann der Klimaschutz. Welche Überlegungen gibt es , um sicherzustellen , daß wenigstens der Mehrverbrauch an elektrischer Energie aus
    regenerative Quellen sichergestellt wird .. Kann dies bezüglich leider nix am Horizont erkennen.


    Wahrscheinlich läufts auf die weitgehende Abschaffung des Individualverkehrs in den Städten raus, wo einige wohlbegüterte mit ihren E-Autos rum fahren werden .



    frieder

  • Zitat von Alpenrenner;310271

    ...Denn wie will ich einem "unintelligenten" Herd denn sagen er soll seine Leistung zurücknehmen? ...

    :yahoo::Rol::Gut:
    Genau!


    Man stelle sich das dann an Feiertagen vor. Vor dem Festessen werden alle Herde auf halbe Leistung runter gefahren und die bucklige Verwandschaft hockt in der Stube und wartet auf den Braten!




    Zitat von Legend;310268

    ... Da machten die örtlichen Stadtwerke dicke Backen, als die Anfrage für zwei Tesla Schnelllade-Plätze(?) kam.
    Aussage verkürzt: Wir bekommen die Leistung da nicht hin, keine ausreichend dimensionierten Leitungen. Es musste ein Trafo gebaut werden für einen dicken 5 stelligen Betrag, um das zu realisieren...

    So ist die Realität.




    Es kann und muß (!) sich jeder der von E-Autos überzeugt ist, so ein Ding zulegen. Das ist gut und richtig. Aber irgendwelche Zwänge aufzubauen macht keinen Sinn und wir sind ja nicht (oder noch nicht) in einer Diktatur.


    Wie will man das Freizeit- und Urlaubsverhalten in der EU bzgl. der Nutzung von KFZs steuern ohne diktatorischen Maßnahmen?


    Die öffentlich Hand ist ja noch nicht mal in der Lage den ÖPNV zu verbessern. Da wird seit Jahrzehnten rückgebaut. Man muß sich nur die verwaisten Bahnstrecken und Bahnhöfe ansehen.

    An der Kennzeichenbefestigung erkennt man die Ernsthaftigkeit eines Offroaders...

  • Was das Freizeit- und Urlaubsverhalten betrifft , gibt es ja mittlerweile auch andere Aspekte, bestimmte Regionen oder Metropolen zu meiden.


    Ich meine jetzt nicht, daß es wegen diverser restriktiver Parkverbotsreglementierungen in Großstädten eh bloß noch möglich ist, Ferienwohnungen mit Stellplatz/Garage zu mieten , wenn man mit dem
    eigenen Vehikel anreist..


    Im übrigen wird Reisen wahrscheinlich wieder teurer, wenn man ergänzend zur Bahn-/Flugreise Taxi und Mietautos nimmt oder unbequemer., wenn man auf Busse, U-bahnen etc angewiesen is.



    Friedert.