... das Internet wochenlang weltweit kaputt geht

  • Kommunizieren eigentlich die Elektrizitätskraftwerke untereinander mittels Internet?

    Wäre blöd wenn Kraftwerke erst über die Netzfrequentfrequenz merken, dass etwas nicht stimmt.

    Kann ich mir eigentlivh irgendwie nicht vorstellen.

    Wenn z.B. die Netzfrequenz abfällt springen doch nicht unkontrolliert plötzlich alle Gasturbinen und Pumpspeicherkraftwerke an, oder?


    Wenn also da die Kommunikation ausfallen würde .... Gute Nacht.


    Lg

    Bo

  • Ich glaube, hier darf das sogenannte "Sneakernet" nicht unerwähnt bleiben.


    Angedeutet mit "Packen wir unsere Konstruktionspläne halt auf eine SSD und schicken den Kurier" wurde das ja schon.


    So wie man früher auf dem Schulhof Software getauscht hat, so könnte man über Datenträger kommunizieren.


    Heute gibt es aber viel bessere Algorithmen und Protokolle, weil es immer noch Gegenden oder Bereiche gibt, die man mit Echtzeitkommunikation nicht erreichen kann.


    Schlagworte:

    Delay/Disruption tolerant Networking (DTN), -- NASA für Interplanetare Kommunikation

    DakNet (Indien) -- Information über Informationskioske, die an Buslinien stehen.. jeder Bus hat eine W-Lan-Hardware

    MaxProp -- von der DARPA gefördertes Protokoll für Mesh-Kommunikation zwischen Fahrzeugen


    Wenn wirklich aus irgendwelchen Gründen alles mit Funk ausfallen sollte, dann wird's meiner Meinung ziemlich sicher darauf hinauslaufen, dass wieder Postkutschen fahren. Nur heute mit Festplatten statt mit Briefen und mit automatischem Routing. Vermutlich sogar mit Verteilerzentren und nicht ganz dezentral, weil zentral einfach effizienter ist.




    Nick

    Quidquid agis prudenter agas et respice finem

  • Kommunizieren eigentlich die Elektrizitätskraftwerke untereinander mittels Internet?

    Die Versorgungsnetzbetreiber und die Übertragungsnetzbetreiber kommunizieren mit den Kraftwerksbetreibern im Notfall über eigene vom öffentlichen Telefon- und Datennetz unabhängige Systeme.


    Ein Auszug aus dem "Testplan zur Umsetzung der EU-Verordnung 2017/2196 vom 24. November 2017" (Quelle: Bundesnetzagentur):


    "7.1 Sprachkommunikation

    Die ÜNB, VNB, für den Netzwiederaufbau relevante SNN und Anbieter von Systemdienstleistungen zum Netzwiederaufbau führen mindestens einmal jährlich einen Test der Sprachkommunikationssysteme durch.

    7.1.1 Betriebstelefonie

    Als Regelkommunikationsebene steht den ÜNB und ggf. auch den VNB der 1. Ebene die vom öffentlichen Telefonnetz unabhängige Betriebstelefonie zur Verfügung. Die Systeme der Betriebstelefonie sind auch im Krisenfall höchst verfügbar, da sie unabhängig vom öffentlichen Telefonnetz betrieben werden, redundant aufgebaut sowie mit USV- und NEA-Anlagen schwarzfallfest abgesichert sind. Die Betriebstelefonie dient als Notfallebene für die Kommunikation der ÜNB und VNB der 1. Ebene mit den relevanten Partnern. Die Einrichtungen der Betriebstelefonie, und somit die Durchführung der Tests, stehen dabei in der Verantwortung des jeweiligen Netzbetreibers. Die daran angeschlossenen SNN sind ausschließlich für die Überprüfung der Einrichtungen in ihrem Eigentum im Rahmen gemeinsamer Tests mit dem Netzbetreiber verantwortlich.

    Zur Überprüfung der redundanten Wegeführung und Schwarzfallfestigkeit einschließlich der Unterbrechung der öffentlichen und eigenen Kommunikationswege (Regel- und Ersatzweg), sind folgende Verbindungen zu testen: (...)

    7.1.2 Satellitentelefonie

    Bei einem Komplettausfall der öffentlichen Telefonie und der Betriebstelefonie stehen ausgewählten Partnern zusätzlich Satellitentelefone zur Verfügung. Es ist sicherzustellen, dass die Leitstellen der ÜNB und die für die Netz- und Systemführung relevanten Partner über die Satellitentelefonie desselben Anbieters verfügen und damit die Kommunikation nicht von der Verfügbarkeit von Bodenstationen abhängig und damit unabhängig von der örtlichen Energieversorgung ist. Aus diesem Grund halten die ÜNB die SAT-Telefonie-Anbieter Inmarsat und Iridium vor.

    Tests der Satellitentelefone sind durchzuführen, soweit eine Vereinbarung oder Verpflichtung zur Vorhaltung eines Satellitentelefons besteht. Mindestens einmal jährlich werden folgende Satellitentelefon-Verbindungen getestet, wobei immer beide SAT-Telefonie-Anbieter geprüft werden:

    (...)

    7.2 Datenkommunikation

    Die Datenkommunikation zwischen den Leitstellen der Netzbetreiber und Leitstellen der SNN bzw. direkt zu den SNN über Leitstellenkopplungen und andere Datenverbindungen ist mit dem Austausch von Zustandsdaten von Netz-, Erzeugungs- und Verbrauchsanlagen, dem Austausch von Messwerten und der Vorgabe von Sollwerten eine wichtige und besonders in Krisensituationen unbedingt notwendige Funktionalität. Zu den für die Datenkommunikation notwendigen Systemen und Einrichtungen gehören auch die gesicherten Übertragungswege über die Weitverkehrs- und Prozessdatennetze der beteiligten Partner. Tests zur Schwarzfallfestigkeit dieser Datenkommunikationssysteme sind auch dann erforderlich, wenn sie im Normalbetrieb genutzt werden.

    (...)"

  • Guten Abend,


    und da gibt es noch diese „zivile Truppe“ hier ...



    Bin das erste Mal beim G20 - Gipfel in Garmisch - Partenkirchen auf das „Disaster Recovery Management“ der Telekom gestoßen. Die versorgten das Pressezentrum im Olympia - Eissportzentrum.


    Transalp

    Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum!

  • Hm, ich kenne da nur den G7 Gipfel :-) durfte das Pressezentrum dort auch von innen sehen. Technisch war da schon was geboten, auch der Aufwand für die redundante Anbindung des Schlosses selbst. Richtig schön war die Mobilfunkstation die in einen Baum gehängt wurde, Technikkasten darunter mittels Holzhaufen getarnt...

    Bis in 20km Entfernung wurde alles verplombt was greifbar war.

    Im Vorfeld gab es einen Lasttest für das TETRA BOS Netz, Konvoi mit 120 Blaulichtfahrzeugen und über 500 Funkgeräten, nur um zu schauen, wie das Netz auf Zellwechsel von vielen Einsatzkräften reagiert... war eine interessante Zeit.

  • Die Eliteteams kochen auch nur mit Wasser. Wie viele andere Techniker auch. Der Unterschied liegt hier nicht beim Personal sondern bei der Ausstattung. Wenn Ressourcen uneingeschränkt zur Verfügung stehen können viele auf verdammt hohem Niveau zaubern.

    Die Größe der Aufgabe ist das Problem. Einen lokalen Ausfall kann mit viel Aufwand abgefedert werden. Mit Ersatzmaterial, Kräfte zusammen ziehen, usw.

    Eine großflächige Störung ist nur schwer in den Griff zu bekommen.

    -= NUNQUAM NON PARATUS =-

  • Solche Lagen (G7, G20, whatever Gipfel; Großübungen wie BWTEXhaben den sehr großen Vorteil, dass man Vorlaufzeiten von mehreren Jahren (!!) hat um Technik und Personal vorzubereiten.

    Das ist alles, aber nicht realistisch für eine Lage die kurzfristig auftritt!



    Bei der Übung der Freiwilligen Feuerwehr "Hintertupfingen" am letzten Samstag im Juli - angekündigt im November des Vorjahres - sitzen die Jungs auch alle angezogen um 8 Uhr im Feuerwehrhaus und warten auf das "go!"
    Beim realen Einsatz Mittwoch morgens 10 Uhr, wenn 80% beim Bosch oder Daimler am Band stehen sieht das etwas anders aus...

  • Beim realen Einsatz Mittwoch morgens 10 Uhr, wenn 80% beim Bosch oder Daimler am Band stehen sieht das etwas anders aus...

    Das ist in vielen Bereichen des Katastrophenschutzes der Fall. Aber auch des Rettungsdienstes. Die meisten Menschen, vor allem nicht jene in den Großstädten, machen sich wirklich bewusst, wie empfindlich dieses System gestört werden kann.

    Für den alltäglichen Einsatz reichen die Kapazitäten des Regelrettungsdienstes aus. Aber bei einer größeren Schadenslage mit vielen Verletzten muss auf das Netzwerk an ehrenamtlichen Helfern zurückgegriffen werden.

    Auch bei den Feuerwehren in den Großstädten. Ja, jede größere Stadt, die etwas auf sich hält, unterhält eine Berufsfeuerwehr. Das hat aber mit den gesetzlichen Vorgaben bezüglich Hilfsfristen zu tun, die in der heutigen Zeit durch freiwillige Feuerwehren mitunter insbesondere tagsüber, unter Woche nicht oder nur bedingt eingehalten werden können.


    Auf der anderen Seite merken Großstädte wie Hamburg, dass sie ohne die ehrenamtliche Zuarbeit der Freiwilligen Feuerwehren und nur mit ihrer Berufsfeuerwehr auch nicht mehr auf einen grünen Zweig kämen. Insbesondere bei Großschadenslagen oder planbaren Großeinsätzen wie Evakuierung wegen Überschwemmungen, Bombenentschärfung oder sonst irgendwas. Deswegen hat Hamburg zum Beispiel hier eine groß angelegte Kampagne aufgelegt.


    Es ist immer das leidige Problem des "Was man will und was man kann". Will man für jede nur erdenkliche Lage optimal vorbereitet sein, würde man ziemlich viel Geld verbrennen und hätte ziemlich viele Menschen einfach nur irgendwo in irgendwelchen Wachen oder Kasernen rumsitzen. Wartend auf den Einsatz, der wahrscheinlich einmal alle Jubeljahre geschieht.


    Also beschränkt man sich naturgemäß auf häufigere, realistischere Szenarien, die abbildbar sind. Dann bleiben natürlich wirklich großflächige Schadenslagen mit "Bordmitteln" nicht beherrschbar und man ist auf internationale Hilfe und Unterstützung angewiesen. Bei einem globalen Szenario solcher Tragweite würden wir alle alt aussehen. Denn es werden keine Außerirdischen kommen, um uns zu "retten". 😉😁