Die Nachwirkungen & Lehren aus der Hochwasserkatastrophe

  • Habe heute gehört, dass (in D) über eine vorübergehende Priorisierung bzw. Verpflichtung von Handwerksbetrieben im Baubereich nachgedacht wird. Das könnte bedeuten, dass der Fliesenleger in Dortmund seine Kunden vertrösten muss, weil er vorrangig die Hochwassergeschädigten bedienen muss.

  • Habe heute gehört, dass (in D) über eine vorübergehende Priorisierung bzw. Verpflichtung von Handwerksbetrieben im Baubereich nachgedacht wird. Das könnte bedeuten, dass der Fliesenleger in Dortmund seine Kunden vertrösten muss, weil er vorrangig die Hochwassergeschädigten bedienen muss.

    Das dürfte Wunschdenken aus Politikerhirnen für die Ablage rund sein zur eigenen Selbstdarstellung vor der Wahl.


    Die Versicherungen haben ihre Vertragsunternehmer, der Rest muss warten oder viel zahlen aus dem eigenen Portemonaie. Das wäre ein Eingriff in die Vertragsfreiheit und alle dahinter ablaufenden Prozesse wegen Vertragsstrafen etc. Wegen Nicht-Erfüllung da zum Sanierungsdienst ins Hochwassergebiet einberufen würde die Justiz lahmlegen.

    Allein schon eine solche Idee vorzubringen fällt bei mir unter geistigen Dünnschiss. Die dazu gültige Rechtslage müsste erst noch geschaffen werden in einem langen Prozeß. Die Handwerker werden ihre Preise dementsprechend anpassen, halt Angebot und Nachfrage.

    Der Bote der Wahrheit braucht ein schnelles Pferd

  • Das dürfte Wunschdenken aus Politikerhirnen für die Ablage rund sein

    Nö. Der Vorschlag stammt vom Zentralverband des deutschen Baugewerbes, ZDB:


    "Nach der Elbflut 2002 hat es etwa drei Jahre gedauert, bis die größten Schäden behoben waren, und fünf Jahre, bis die betroffenen Gebiete wieder ordentlich aussahen", sagte Reinhardt Quast, Präsident des Zentralverbands des Deutsches Baugewerbes (ZDB) der Deutschen Presse Agentur. Um den Wiederaufbau zerstörter Häuser, Straßen und Brücken trotz hoch ausgelasteter Bauunternehmen und Materialengpässen zu stemmen, sei ein Kraftakt von Politik und Wirtschaft notwendig."Bauunternehmen und Handwerker können ihre Kapazitäten auf 120 bis 130 Prozent hochfahren", sagte Quast. Aufträge könnten umgeschichtet und Prioritäten auf Krisenregionen gelenkt werden. Ebenso müsse die Politik öffentliche Aufträge in anderen Bereichen zurückstellen und Behörden unbürokratisch helfen, indem sie etwa Duplikate von weggeschwemmten Bauunterlagen aushändigten." (Quelle: Deutsche Handwerks Zeitung)


    Hier noch ein Artikel der Westfalenpost hinter einer Bezahlschranke: Flutopfer sollen Vorrang bei Handwerkeraufträgen bekommen


    Das hört sich eher nach einer freiwilligen "Selbstpriorisierung" an bzw. danach, dass bei Nichtbetroffenen um Verständnis geworben wird, wenn es in nächster Zeit noch schwieriger werden wird, einen Handwerker zu bekommen.


    War 2013 nach dem Hagelsturm in der Region Reutlingen/Tübingen ähnlich, da waren gefühlt so ziemlich alle Dachdeckerbetriebe aus ganz Deutschland in der Region tätig, um die ca. 63.000 Gebäude mit Hagelschäden wieder instandzusetzen. Entsprechend schwer war es, ausserhalb der Region nen Dachdecker zu bekommen. Dafür gibt es seither wieder klassische Ziegelformen, wie den Großfalzziegel, der hier bei uns der Standardziegel seit über hundert Jahren ist, der Bedarf war groß genug, dass diese Ziegel wieder ins Programm der Hersteller aufgenommen wurden.

  • Freiwillig mag sein, aber nicht verpflichtend. Und dann sind wir wieder bei Preis und Nachfrage ob der Auftrag in Düsseldorf an der Kö gemacht wird oder auf dem Lande……


    Im Augenblick zahlen die Leute Handwerksleistungen eh sehr hoch, MaTerial ist teuer wie nie. Trotzdem können sich die Baubetriebe aussuchen wo sie arbeiten und das ist bis auf wenige Ausnahmen: der beste Zahler.

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  • Was anderes zum Thema "Auto", nachdem ich in dem Bereich tätig bin. Viele Autohersteller (ich nenne jetzt mal nur Opel, weiß es aber auch von Toyota) bieten extra Aktionen und Konditionen für Flutopfer an: Mietwagen auf Herstellerkosten für bis zu drei Wochen, speziell aufgelegte Vertriebsprogramme, Abverkaufsaktionen für händlereigene Mietfahrzeuge etc. Vielleicht kennst Du JacktheRippchen jemanden, für den das relevant sein könnte.

    - Wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage -

    Bertold Brecht

  • Hier ist eine kleine Playlist zu finden, die über die Aufräumarbeiten meines Erachtens recht ehrlich und sachlich Videos veröffentlicht. Der Lohnunternehmer Wipperfürth war mir von Fratzenbuch schon ein Begriff: LINK zur Playlist YouTube

    - Wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage -

    Bertold Brecht

  • Mir drängt sich momentan die Frage auf was man unter " sofort" bei evtl Hilfszahlungen versteht ?


    Immerhin sind ja schon einige Tage vergangen seit klar ist das Handlungsbedarf besteht....


    Ich stelle mir jetzt mal vor das ich im nassen Bademantel vor den Trümmern meines Hauses hocke und nichtmal einen 100er habe um mir etwas Kleidung und Essen zu kaufen. Schon schwierig wie mich dann eine " Sofort" Zahlung erreichen soll....

  • Ich gehe mal davon aus, dass das Geld eher für den weiteren Bedarf ist, also Möbel, Hausrat, etc. Kleidung und Nahrung ist ja ausgehend von dem Lager am Nürburgring wohl reichlich vorhanden.

  • Kleidung und Nahrung ist ja ausgehend von dem Lager am Nürburgring wohl reichlich vorhanden.

    Ist wirklich ausreichend für alle vorhanden und erreicht die Leute auch oder ist nur das Lager am Nürburgring voll?

  • Ist wirklich ausreichend für alle vorhanden und erreicht die Leute auch oder ist nur das Lager am Nürburgring voll?

    Falls es nicht ausreichend sein sollte und die Leute nicht erreicht, dürfte es ebenfalls wenig helfen, wenn man denen jetzt sofort Bargeld in die Hand drücken würde. Mir ging es eher um den Sinn der finanziellen Nothilfe, und die ist meiner Meinung nach eben nicht für diese Art von Unterstützung gedacht.

  • Die Frage die sich grundsätzlich stellt ist, inwiefern der Staat Zahlungen leisten soll/muss außer für die Infrastruktur etc. (Unangenehmes Thema dem man sich aber stellen muss).


    Schön für die Betroffenen die Geld erhalten, man muss sich aber vor Augen führen das dafür Steuergelder nun erst einmal per Giesskanne an privat fließen.


    Hört sich gerade jetzt fies und emotionslos an, aber die Grundsatzfrage bleibt, warum man Steuergeld (ja, es ist Wahlkampf und bringt Stimmen) in die Hand nehmen muss um Leuten Verluste zu ersetzen die sich (nicht alle aber doch einige davon) lieber die Kosten für die Elementarschadenversicherung gespart haben obwohl sie es hätten Zahlen können. Ich wäre dafür hier für die Zukunft eine wirklich klare Grenze zu ziehen, dass der Staat nur Bedürftigen oder Leuten deren Objekte auf Grund von Lagekriterien nicht Elementarschaden-versicherbar sind (das sind die Wenigsten) Hilfe zukommen lässt. Sonst wird eben nur die öffentliche Infrastruktur wieder aufgebaut und der Rest muss in einer eigenen Due Dilligence sein Risiko erkennen und Absichern wenn das gewünscht ist.

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  • Die Frage die sich grundsätzlich stellt ist, inwiefern der Staat Zahlungen leisten soll/muss außer für die Infrastruktur etc. (Unangenehmes Thema dem man sich aber stellen muss).


    Schön für die Betroffenen die Geld erhalten, man muss sich aber vor Augen führen das dafür Steuergelder nun erst einmal per Giesskanne an privat fließen.


    Hört sich gerade jetzt fies und emotionslos an, aber die Grundsatzfrage bleibt, warum man Steuergeld (ja, es ist Wahlkampf und bringt Stimmen) in die Hand nehmen muss um Leuten Verluste zu ersetzen die sich (nicht alle aber doch einige davon) lieber die Kosten für die Elementarschadenversicherung gespart haben obwohl sie es hätten Zahlen können. Ich wäre dafür hier für die Zukunft eine wirklich klare Grenze zu ziehen, dass der Staat nur Bedürftigen oder Leuten deren Objekte auf Grund von Lagekriterien nicht Elementarschaden-versicherbar sind (das sind die Wenigsten) Hilfe zukommen lässt. Sonst wird eben nur die öffentliche Infrastruktur wieder aufgebaut und der Rest muss in einer eigenen Due Dilligence sein Risiko erkennen und Absichern wenn das gewünscht ist.

    Ich bin mir sicher, dass viele gar nicht gewusst haben, dass Schäden, die durch eindringendes Wasser verursacht werden, in dem Eigenheimversicherungen nicht gedeckt sind.

    Ich bin auch davon ausgegangen, dass bei uns alles versichert ist, weil unser Versicherungsfuzzi beim Einzug ins Haus den Auftrag hatte, mit den ganzen Versicherungen ALLES abzudecken. Ich habe mir am Wochenende das Kleingedruckte dann noch einmal angeschaut. Dort steht, dass Wasser- bzw. Hochwasserschäden, die durch Eindringen von außen (!) verursacht werden, nicht gedeckt sind.

    Somit sind wir auch nicht gegen solche Schäden versichert, obwohl der ursprüngliche Ansatz/Auftrag "Komplettschutz" war.



    Unsere staatliche Solidargemeinschaft (in D und Ö) basiert auf gegenseitiger Solidarität.


    Sonst bräuchte es z. B. keine Krankenkassen mit Pflichtbeiträgen, sondern man müsste dann - wie oft in den USA - zuerst die Kreditkarte zücken, bevor man im KH überhaupt behandelt wird. (Das weiß ich aus eigener Erfahrung.) Wenn man dementsprechend wenig Geld hat, überlegt man sich zweimal, ob man lieber etwas (für sich oder die Kinder) zu essen hat oder ins KH geht.


    Wenn die Leute alles verloren haben, können sie nicht einmal mehr ihre Identität nachweisen, geschweige denn Geld von den eigenen Konten abheben oder die notwendigen Unterlagen für den deutschen Amtsformularismus nachweisen.

    Wie stellst du dir das vor, dass die Leute dann zu Geld für Lebensmittel oder Möbel etc. kommen, wenn sie für den Staat quasi nicht mehr existieren?

    Think positive, stay negative! :)

  • Ich finde das Argument des sparsamen Umgangs mit Steuergeld schon berechtigt. Insofern sollte das wirklich nur an Bedürftige ausgezahlt werden und nicht an diejenigen, denen es vielleicht den Hausgarten einmal auf links gedreht hat. Auf der anderen Seite bringt es natürlich auch wieder nichts, dass man eine wochenlange Bedürftigkeitsprüfung vorschaltet, wenn die Leute sich dringend wenigstens Betten und eine funktionsfähige Küche zulegen müssen. Keine Ahnung, wie das in der Praxis entschieden und verteilt wird, allerdings ist es auch etwas müßig, wenn wir hier darüber diskutieren.

  • Nun, ob der Staat handlungsunfähig ist, weiß ich nicht zu beurteilen.

    Aber unser THW Ortsverband ist ständig mit 2 Fachgruppen (FGr. Räumen, FGr. Infrastruktur und Zugtrupp) dort vor Ort (Ahrweiler).


    Wir wechseln die Teams im 4-Tages-Rhythmus aus (das macht es für die Helfer leichter sich von Familie/Arbeit loszueisen).


    Da das THW nunmal eine Bundesanstalt ist, denke ich mal, dass auf staatlicher Seite noch Funktion vorhanden ist.

    Himihergottzagramentzefixallelujamilextamarschscheissglumpfaregtz

    Einmal editiert, zuletzt von Ben () aus folgendem Grund: Verstoß gegen die Forenregeln entfernt

  • .

    Wie stellst du dir das vor, dass die Leute dann zu Geld für Lebensmittel oder Möbel etc. kommen, wenn sie für den Staat quasi nicht mehr existieren?

    Wir sind kein 3te-Welt-Land und eine Identitätsfeststellung sollte binnen 2 Tagen problemlos möglich sein.


    Eine Solidargemeinschaft bedeutet auch nicht das Pampern von Leuten die entweder Geld sparen wollten (Prämie) oder sich nicht mit dem tatsächlichen Versicherungsschutz (gerade Kleingedrucktes) beschäftigt haben. Je mehr man den Leuten unter "Solidarität" gibt so mehr entmündigt man sie auch zum Teil das eigene Leben in die Hand zu nehmen und sich Gefahren bewusst zu sein - Papa Staat kümmert sich ja.


    Meinetwegen sollen die Leute auch ad hoc Geld bekommen, aber dann bitte als rückzahlbarer Kredit. Werden dann die Belege für Bedürftigkeit oder nicht möglicher Versicherung nachgewiesen wird der Kredit gelöscht und es bleiben keine Kreditschulden. Hat man aber eine Mittelstandsperson die lieber das größere Auto geleast hat oder die teurere Urlaubsreise gebucht hat und sich die Prämien für Elementarschäden gespart hat, derjenige soll bitte den Kredit vom Staat tilgen.


    Spätestens seit dem Oderhochwasser sollte jeder in Deutschland sich versicherungstechnisch der Elementarschäden bewusst sein. Und das war 2002.


    Wenn ich das größte Invest meines Lebens (Immobilie) oder den eigenen Hausstand (hohes Invest) versichere kann auch die Gemeinschaft verlangen das ich mich mal ein paar Stunden durch die Unterlagen wühle und mich nicht nur auf den verkaufsgeilen Keiler der Versicherung verlasse.

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  • PS: frag bezüglich deiner Versicherung deinen Keiler mal nach einer VIP-Police, die sind nicht im offiziellen Portfolio und es bieten diese auch nur einige Unternehmen an.


    Das ist dann wirklich All-Risk vom Anprall unbekannter Flugobjekte über Elementarschäden, Blitzschlag, Tornato etc. ist da wirklich Alles dabei.


    Du kannst mit der Police auch andere bestehende Verträge vom Höchstwert her ent-deckeln. Ich hab z.B. Hausrat "normal" und VIP bis zum tatsächlichen Neuwert bzw. Schätzwert bei Antiquitäten. Heist 700€ pro qm über die Allerweltspolice, VIP bohrt das sollte der Schaden höher liegen auf 3.000€ pro qm auf.


    Genauso bei der Feuerversicherung, hier greift VIP ab erstem Euro bei nicht versicherten Gefahren über die Feuerkasse aber auch bei Schäden die den Zahlbetrag der Feuerkasse bei Wiederherstellung übersteigen würden springt sie dann ein und öffnet den Deckel damit der alte Zustand im Neuwert wieder hergestellt wird (z.B. Spachteltechnik an den Wänden wo dir die Feuerkasse was husten würde etc.).

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