Notfallplan für die eigene Gemeinde

  • Das, was Thomas vorschwebt, ist nicht finanzierbar. Wenn das meine Kommune versuchen würde, dann würde ich denen als Steuerzahler ordentlich den Marsch blasen. Sicher wäre das derzeitige System optimierbar und in seinem Rahmen wäre noch mehr zu tun. Aber eine Vorsorge, in der die Kommune praktisch für alle Einwohner in allen Katastrophenlagen nahezu die Lebensverhältnisse wie in Normalzeiten sicherstellt, würde einen riesigen Aufwand bedeuten, verbunden mit massiven Steuererhöhungen, und das alles für Ereignisse, deren Eintreten höchst fraglich ist.

  • Sehe ich genauso wie asdrubal. Außerdem würde von den eingelagerten Lebensmitteln auch wieder n Haufen weggeworfen werden, wenn's MHD überfällig ist.


    Soll doch jeder selbst entscheiden. Ich sehe das Preppen ähnlich wie eine Versicherung. Ich hoffe ja auch, dass mein Haus nicht abbrennt und dennoch habe ich eine Brandversicherung.

    Genauso verhält es sich mit der Dosenravioli. Mit dem kleinen Umständ, das persönliche Vorsorge IMMER funktioniert, während eine Versicherung oder staatliche Vorsorge (siehe Rente) eben greifen kann, aber nicht muss (siehe Einlagensicherung im Falle einer allgemeinen Krise der Kreditwirtschaft).


    Ich habe jetzt ziemlich Gemischtes zusammen gehauen. Ich hoffe man versteht es trotzdem.


    Btw. Ich bin auch bei der Freiwilligen Feuerwehr. Solange ich weiß, dass Zuhause alle soweit zurecht kommen, bin ich selbstverständlich für die Allgemeinheit im Einsatz. Sehr viele meiner Kameraden sehen das genauso.


    Gruß Heiko

  • Das, was Thomas vorschwebt, ist nicht finanzierbar.

    Das schwebt nicht mir vor, ich habe lediglich versucht, das ganze zu Ende zu denken. Die Vorstellung aus dem Notfallplan, nur für wenige Personen "die dennoch der Hilfe der Gemeinde bedürfen" eine Versorgung einzurichten, wird aus genannten Gründen nicht funktionieren. Es wird nahezu jeder Hilfe brauchen. Entweder muss die Versorgung für alle reichen, oder man lässt es ganz. Nachdem "alle" nicht finanzierbar ist, wird es wohl auf "man lässt es ganz" rauslaufen müssen, wenns an den Anlaufstellen nicht Mord und Totschlag geben soll.


    Genauso ist es nicht finanzierbar, sämtliche Infrastruktur von Wasser über Lebensmittel bis zu Tankstellen und Bank bei einem längeren Stromausfall am Laufen zu halten. Entweder müsste die entsprechende Vorsorge der Staat zahlen, dann rebelliert der Steuerzahler. Oder die Infrastrukturbetreiber müssen die Mittel selbst aufbringen, dann steigen halt die Preise und unrentable Filialen auf dem Land werden gleich geschlossen.


    Das große Problem dieser Notfallpläne ist, dass man ohne viel (!) Geld nicht wirklich was ausrichten kann. Da das Geld nicht zur Verfügung steht, sind diese Pläne von Anfang an als Papiertiger ausgelegt und es lohnt sich eigentlich nicht, sich groß damit zu beschäftigen.

  • Diese ganzen Notfallpläne und Krisenhandbücher hören sich ja hochwichtig an, letztlich sind sie aber wahrscheinlich wie fast jedes heutzutage produzierte Papier zum Abheften und nie mehr reinschauen gedacht. Das wissen dann auch die meisten Beteiligten und entsprechend ist es um die Qualität bestellt, wirklich konkrete und funktionierende Lösungsmöglichkeiten finden sich darin kaum.

    Das sehe ich anders. Das Beispiel Aglasterhausen zeigt doch exemplarisch, was geht und was nicht geht. Auch zeigt es, dass es eben nicht nur Papier ist, sondern dass durch den politischen Willen konkrete Projekte finanziert und umgesetzt wurden.


    Und da, wo die Möglichkeiten einer Gemeinde an ihre Grenzen stoßen, beginnt Aglasterhausen mit der Aufforderung der Bürgerinnen und Bürger, selbst Vorsorge zu treffen. Mehr ist nicht möglich.


    Auch teile ich deine Auffassung nicht, dass durch eine unterdimensionierte Notunterkunft erst Chaos ausgelöst und befördert wird. Die Notlage und der Mangel an Versorgungsgütern (Nahrung, Wasser, Heizung, Sanitär etc.) ist doch schon da. Auch ohne einen „Leuchtturm“ Notunterkunft würden sich in deinem Szenario die Leute besorgen, was sie brauchen.


    Mich interessiert aber vielmehr dein Vorschlag? Wie soll eine Gemeinde oder ein Landkreis denn besser reagieren?


    Vielleicht täusche ich mich, aber bei mir kommt dein Feedback so an, als ob du rätst, besser nichts zu unternehmen? Soll sie es den überörtlichen Organisationen überlassen? THW, Bundeswehr? Wem noch?

  • Mich interessiert aber vielmehr dein Vorschlag? Wie soll eine Gemeinde oder ein Landkreis denn besser reagieren?

    Indem sie realistisch bleibt und sich auf ihre wichtigsten Aufgaben konzentriert, dafür aber an konkreten Lösungen arbeitet und nicht nur irgendwelchen unverbindlichen Papierkram erstellt. Die ganze Welt retten zu wollen, ist sicher gut gemeint, übersteigt aber die Möglichkeiten deutlich. Was da in den Notfallplänen alles als "kritische Infrastruktur" bezeichnet wird und erhalten werden soll, kann ich als Techniker nicht wirklich ernst nehmen. Und wenn man sich in allen möglichen Dingen verzettelt, wird im Ernstfall gar nichts funktionieren.


    Wenn man es als Aufgabe sieht, die Wasserversorgung sicherzustellen, reicht es nicht aus, den Zweckverband anzuschreiben und sich mit der sinngemäßen Antwort "ja, wir überlegen uns da demnächst wahrscheinlich irgendwas" zufrieden zu geben. Wenn im Ernstfall irgendwas funktionieren soll, müsste eine enge Zusammenarbeit zwischen Zweckverband, Gemeindeverwaltung und Feuerwehr her. Da müssen alle Einzelheiten auf den Tisch: welche Stromaggregate werden benötigt, wer kann sie bedienen, wie müssen sie gewartet werden, wo gibt es Ersatz, wie viel Kraftstoff ist wo gelagert, wie kann er transportiert werden usw. Die Feuerwehr sollte im Notfall einspringen können, wenn die zuständigen Mitarbeiter des Wasserwerks in der Krise nicht greifbar sind. Wenn die Telefonleitungen erst mal tot sind, ist es zu spät, um irgendwas abzuklären. Das muss vorher alles festgelegt und auch erprobt werden. Geht aber natürlich nur, wenn das Wasserwerk mitspielt - wenn die keine Lust haben oder rechtliche Bedenken haben oder wasweißich, ist die Gemeinde letztendlich machtlos.


    Und größere Geschichten wie Lebensmittellieferungen oder Treibstofflieferungen von außen könnte tatsächlich allenfalls die Bundeswehr organisieren. Wahrscheinlich wird es bei einem flächendeckenden Stromausfall aber keine Hilfe geben. Da wird schon jeder auf sich gestellt sein bzw. Hilfe unter Nachbarn oder innerhalb der Familie wichtig sein.

  • Indem sie realistisch bleibt und sich auf ihre wichtigsten Aufgaben konzentriert, dafür aber an konkreten Lösungen arbeitet und nicht nur irgendwelchen unverbindlichen Papierkram erstellt. ...


    ... Wenn im Ernstfall irgendwas funktionieren soll, müsste eine enge Zusammenarbeit zwischen Zweckverband, Gemeindeverwaltung und Feuerwehr her. Da müssen alle Einzelheiten auf den Tisch: welche Stromaggregate werden benötigt, wer kann sie bedienen, wie müssen sie gewartet werden, wo gibt es Ersatz, wie viel Kraftstoff ist wo gelagert, wie kann er transportiert werden usw. Die Feuerwehr sollte im Notfall einspringen können, wenn die zuständigen Mitarbeiter des Wasserwerks in der Krise nicht greifbar sind. Wenn die Telefonleitungen erst mal tot sind, ist es zu spät, um irgendwas abzuklären. Das muss vorher alles festgelegt und auch erprobt werden.

    Sehe ich genauso. Das muss vorher analysiert, miteinander besprochen, dokumentiert und vereinbart werden. Wenn die Gemeinde dann noch die ihr möglichen Schritte unternimmt, um ihre Handlungsfähigkeit in einem solchen Szenario zu sichern und die Einwohner auf die verbleibenden Lücken aufmerksam macht sowie zur Eigenvorsorge auffordert, wäre schon viel gewonnen!


    Jedenfalls ist das mein Ziel in unserem Ort. Ich hab übrigens nächste Woche das erste Sondierungsgespräch mit unserem Bürgermeister. Bin gespannt, ob wir da einen Folgetermin vereinbaren können, um über Details zu sprechen.

  • Hallo allerseits,


    ich verfolge nicht nur hier solch interessante Diskussionen. Im Grunde genommen eigentlich überall kommt es dabei zum Resüme, dass unsere Infrastruktur so hochkomplex geworden ist und auch immer weiter wird, dass der Aufwand für eine notfallfähige "Ersatz-Infrastruktur" eigentlich nicht mehr zu stemmen ist. Oder nur unter gewaltigen Investitionen mit ebenso großen Fragezeichen.


    Daher vermute ich, dass es vielleicht weitaus einfacher (?) sein könnte, viel mehr die Sicherheit unserer bestehenden Infrastruktur zu erhöhen, als zu versuchen, eine umfassende parallele Notfall-Ersatz-Infrastruktur auf die Beine zu stellen.


    Für beides sehe ich durchaus aber aktuell die tatsächliche Notwendigkeit. Ja - die bestehende Infrastruktur ist anfällig, es hapert bezüglich ihrer Sicherheit an allen Ecken und Kanten. Und die Nachbesserung an ihrer Sicherheit dauert und ist kostenintensiv und einer ständigen Erosion (Hacker, Terroristen) unterworfen. Daher sind zum jetzigen Zeitpunkt Überlegungen und Vorbereitungen in eine Ersatz-Infrastruktur ganz sicher geboten.


    Ich hoffe aber inständig, dass ein umfassendes nationales und weltweites Überlegen und Handeln in die Sicherung unserer bestehender Infrastrukturen einsetzt bzw. bereits im Gang ist. Denn das scheint mir eher erreichbar, als zu versuchen, unsere Gesellschaft durch einen Downstep auf vorindustrialisierte Lebensstandards überlebensfähig zu machen. Manchmal entdecke ich in der Tagesberichterstattung auch erste Hinweise auf ein solches Bemühen. Daher gibt es den Funken Hoffnung in mir, dass wir all unsere Prepper-Vorbereitungen nie im Ernstfall benötigten, sondern nur als schönes Hobbythema genießen können.


    Und für das Thema hier ergibt sich daher der Impuls, auf kommunaler Ebene auch Überlegungen zur Sicherung bestehender Systeme zu unterstützen. Eine Idee ist hier schon eingebracht worden, nämlich das lokale Handwerk (Elektrotechnik, Wasserwirtschaft) einzubeziehen. Da gibt es manchmal ziemlich kluge Köpfe und handlungsfähige Praktiker.


    LG Gode

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  • eigentlich überall kommt es dabei zum Resüme, dass unsere Infrastruktur so hochkomplex geworden ist und auch immer weiter wird, dass der Aufwand für eine notfallfähige "Ersatz-Infrastruktur" eigentlich nicht mehr zu stemmen ist.

    Das sehe ich auch so. Ersatz-Infrastrukturen gibt es ja (z.B. Notstrom- und Wasseraufbereitungszüge des THW, Behelfsunterkünfte, Küchen und medizinische Versorgung durch das Rote Kreuz). Die sind aber nur für regional begrenzte Notlagen gedacht. Lagen, in denen die örtliche Infrastruktur in der Regel zerstört oder sowie beschädigt ist, dass sie nicht mehr funktioniert (Erdbeben, Hochwasser, Sturmschäden, Lawine, technische Havarie etc.)


    Ein Blackout unterscheidet sich da in zweierlei Hinsicht: die Notlage ist flächendeckend (alle sind betroffen = Flächenlage) und die (technische) Infrastruktur ist nicht zerstört, sondern "nur" stromlos stillstehend. Sie ist aber noch da. Natürlich können mit der Fortdauer des Blackouts Schäden und Zerstörungen an technischer Infrastruktur auftreten (Brände in Chemieanlagen, Probleme in Kernkraftwerken bis hin zur Freisetzung von radioaktivem Inventar). Aber die Herausforderung liegt vor allem im Durchhaltevermögen der Bevölkerung, bis die Stromversorgung wiederhergestellt ist.


    Eine umfassende Ersatzinfrastruktur würde da nur unnötig Ressourcen fressen. Eine kommunale Blackout-Planung muss meiner Meinung nach berücksichtigen, wie die Bevölkerung im Zuständigkeitsbereich für so eine Lage aufgestellt ist.

    Das gibt mir einen Einschätzung des Ist-Zustands. Auf dem Land wie bei uns würde ich schätzen, dass 80% der "normalen" Haushalte zumindest für 1-2 Wochen grundsätzlich mit dem über die Runden kommt, was sie zuhause verfügbar haben oder sich behelfen können, in dem sie zusammenrücken und Ressourcen bündeln.

    Bleiben 20% normale Haushalte, die nach ein paar Tagen in eine kritische Lage kommen könnten, das macht bei uns in einer 4.000 Einwohner-Kommune immerhin 800 Personen aus. Die müsste man wahrscheinlich mit Essen versorgen und im Einzelfall auch die Möglichkeit zum Aufwärmen geben.


    Da man unter einem dicken Daunenbett auch bei Frost im Haus normalerweise nicht erfriert, sehe ich erstmal keine Notwendigkeit für regelrechte Not-Unterkünfte für 800 Personen. Ich würde das Angebot auf provisorisch beheizte Turnhallen o.ä. beschränken, mit einer Suppenküche davor. Da braucht auch kein Notstromaggregat 24h durchgehend rattern, es dürfte genügen, stundenweise Strom zu erzeugen, um z.B. IBCs mit gefiltertem Wasser zu befüllen oder Akkus und Handys aufladen zu können oder mal Fernsehnachrichten über SAT-TV zu schauen.


    Was die Kommune allerdings leisten muss, ist eine Notversorgung mit Trinkwasser. Wenn die Versorgung über das Leitungsnetz nicht mehr gewährleistet ist, dann muss man Wasser z.B. im Pendelverkehr von den Trinkwasserbrunnen/Wasserwerken in Fässern/Tanks holen. Im besten Fall macht man das mit IBC-Palettentanks (da die in der Wirtschaft sehr verbreitet sind, sollten die leicht zu organisieren sein), die man dann in den Ortschaften an zentraler Stelle deponiert und unter Aufsicht Wasser abgibt (z.B. 10l pro Person und Tag).

    Die öffentliche Abwasser-Infrastruktur funktioniert im Prinzip auch ohne Strom, nur dass dann das ungereinigte Abwasser über Notabläufe versickert wird (weil Pumpen und Kläranlagen nicht arbeiten). Private Hebeanlagen stehen natürlich auch still und ohne Spülwasser wird die Einleitung in die Kanalisation auch schwierig. Wenn man aber Regenwasser oder Wasser aus Seen/Bächen hat, kann man sich aber behelfen.


    Grüsse

    Tom

  • Bei uns im Ort habe ich mal beim Feuerwehrfest mit dem Zivilschutzbeauftragten geredet über die private Krisenvosorge.


    Seine Meinung: Selber vorsorgen ist nicht nötig, der Staat hat das im Griff. Wer aber unbedingt möchte, findet die Zivilschutzbroschüren am Gemeindeamt.


    Wie er Beauftragter wurde? „Zur falschen Zeit am falschen Ort“ ...

  • Ich hoffe aber inständig, dass ein umfassendes nationales und weltweites Überlegen und Handeln in die Sicherung unserer bestehender Infrastrukturen einsetzt bzw. bereits im Gang ist. Denn das scheint mir eher erreichbar, als zu versuchen, unsere Gesellschaft durch einen Downstep auf vorindustrialisierte Lebensstandards überlebensfähig zu machen.

    Ich habe nicht den Eindruck, dass wirklich jemand im größeren Umfang Letzteres plant. Natürlich verfolgt mal der eine oder andere Mitwirkende hier etwas in die Richtung und vielleicht gibt es in der Autarkie- oder Aussteigerszene auch solche Bestrebungen. Aber insgesamt scheint mir so etwas eine Übertreibung zu sein. Natürlich können Petroleumlampen, Holzofen und Co. wichtige Backups sein. Allerdings sind das eben keine flächendeckenden und vor allem keine dauerhaften Lösungen. Die Annahme, dass es - auch bei einem großen Blackout - zu einem länger dauernden technischen Rückfall kommt, erscheint mir wenig realistisch. Sicher kann sowas wochenlang anhalten, wenn es doof läuft, und sicher kann es gravierende Folgen für die Volkswirtschaft und das Wohergehen vieler Menschen haben. Aber ein dauerhafter Rückfall ins 19. Jahrhundert scheint mir eher Fiktion zu sein.


    Letztlich bestreitet auch fast keiner die Notwendigkeit, alle möglichen Systeme störungsresistent zu machen und Ersatzsysteme zu haben, die begrenzte Zeit mit begrenztem Komfort und begrenzter Leistungsfähigkeit gewisse notwendige Aufgaben übernehmen. Du wirst kaum ein Kommune finden, die ihren Katastrophenschutzzug abschafft, und kein Krankenhaus, das auf Notstrom verzichtet.


    Die Diskussion dreht sich, soweit ich das sehe, viel mehr darum, in welchem Umfang solche Vorsorge nötig ist. Und da kann die Bandbreite je nach persönlicher Einschätzung groß sein und sich noch dazu wandeln. Da kann man vielleicht verschiedene Trends ausmachen, beispielsweise so: Die Generation, die aus landwirtschaftlichem Hintergrund und Kriegserfahrung heraus Vorratshaltung betreibt, verschwindet sicher zusehends. Andererseits führt die Diskussion um erneuerbare Energiequellen und deren Zuverlässikeit dazu, dass sich Leute mit ganz anderem Hintergrund mit dem möglichen Blackout auseinandersetzen. Zudem setzen Technikaffine sich zunehmend mit solchen Themen wie Inselanlagen auseinander, auf die die "alte Vorsorgegeneration" nie gekommen wäre. Auf die Art sind verschiedene gesellschaftliche Diskurse aktiv, die das Vorsorgethema einerseits befördern und andererseits dem entgegenwirken. Wie sie letztlich in Summe wirken und ob das dann im Fall eines wirklichen Vorfalls ausreichen, wird sich wohl erst dann zeigen.

  • Es gibt Neuigkeiten - leider kann ich mein erstes Posting nicht mehr editieren, daher hier eine kurze Zusammenfassung:


    Das Landratsamt hat mir sehr offen geantwortet, dass es detaillierte Planungen für unseren Kreis derzeit nicht gäbe. Die Planungsgrundlagen und Empfehlungen des BBK und des Innenministeriums seien zwar bekannt, aber die Komplexität bei der Vielzahl der beteiligten Stellen und Unternehmen sowie die Notwendigkeit eine wirtschaftlich vertretbare Lösung zu finden, verhindern bislang konkretere Schritte.


    Für den Fall der Fälle lautet die Erkenntnis also, dass unsere Gemeinde auf sich selbst gestellt sein wird. Hilfe von außen, wie sie bei kleineren Lagen selbstverständlich eingeplant ist, wird es bei einem flächendeckenden Stromausfall nicht geben. Die NEA des THW reichen nur für einige wenige Standorte aus. Darauf würde ich mich hier nicht verlassen wollen. Ja, wären nur die umliegenden Kreise betroffen, könnte man nach einigen Tagen (!) mit Unterstützung von außen rechnen. Diese Zeit sollte aber auch überbrückt werden können. Und dabei habe ich insbesondere die Einwohner unserer Stadt im Blick, die aus alters- oder gesundheitsgründen nicht mehr so mobil sind, dass sie einfach in nicht betroffene Gebiete ausweichen können.


    Als nächsten Schritt werde ich weiter versuchen, das Thema bei uns im Rathaus zu platzieren. Wie ich inzwischen erfahren habe, gibt es für unseren Ort bislang ebenfalls noch keine Risikoanalyse. Ich erwarte hier ebenfalls nicht, dass mit großem Aufwand die unterstellte mangelnde Notfallvorsorge der privaten Haushalte ausgeglichen werden kann (= vermutlich auch zu teuer und zu komplex).


    Mein Ziel wäre es, mögliche Handlungsoptionen und Grenzen zu analysieren und festzuschreiben. Und wenn dabei am Ende nur die Erkenntnis der Gemeinde herauskommt, dass die privaten Haushalte auf die Möglichkeiten und Notwendigkeit einer eigenen Vorsorge auf Basis der Empfehlungen des BBK hingewiesen werden sollten, dann wäre aus meiner Sicht schon viel gewonnen. Das ließe sich auch recht kostengünstig umsetzen.

  • Muss ich halt wieder den Spielverderber spielen:

    Mein Ziel wäre es, mögliche Handlungsoptionen und Grenzen zu analysieren und festzuschreiben. Und wenn dabei am Ende nur die Erkenntnis der Gemeinde herauskommt, dass die privaten Haushalte auf die Möglichkeiten und Notwendigkeit einer eigenen Vorsorge auf Basis der Empfehlungen des BBK hingewiesen werden sollten, dann wäre aus meiner Sicht schon viel gewonnen.

    Was ist da gewonnen?


    Die Empfehlungen zur privaten Vorsorge liegen heute schon auf der Gemeinde aus und sind über die Medien bekannt. Wer dafür in irgendeiner Form empfänglich ist, kennt diese Empfehlungen.


    Die Vorsorge ist aber nun mal das "Hobby" von wenigen. 95% der Bevölkerung wollen davon nichts hören und werden die Empfehlungen niemals umsetzen, egal wer da wie oft darauf hinweist. Die Bereitschaft dazu nimmt sogar eher ab, weil niemand zu diesen ominösen "Preppern" gehören will.

  • Also in meinem erweiterten Bekanntenkreis wächst erfreulicherweise der Fokus auf Themen wie möglicher Strom- und Wasserengpass in den letzten Monaten. Ich würde die Wirkung einer unangekündigten Hauswurfsendung wie die Broschüre nicht unterschätzen. Wenn nur jeder dritte zwei Kisten Wasser mitnimmt und sich das dauerhaft angewöhnt, ist das doch ein Mehrwert für alle.

  • Die Vorsorge ist aber nun mal das "Hobby" von wenigen. 95% der Bevölkerung wollen davon nichts hören und werden die Empfehlungen niemals umsetzen, egal wer da wie oft darauf hinweist

    Wobei das im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass diese 95% "null Vorsorge" haben. Eine Taschenlampe, Kerzen, ein Radio und eine Dose Ravioli o.ä. dürfte sich in 90% aller Haushalte finden. Auch wenn manche erst danach suchen müssen. Ich kenne praktisch niemanden, der "gar nichts" zuhause im Schrank hat. Mangelnde Vorsorge wird ja gerne auf die Bequemlichkeit der Menschen geschoben. Aber genau diese Bequemlichkeit führt auch dazu, dass die Leute nicht täglich einen Apfel, zwei Brötchen und drei Scheiben Wurst kaufen, sondern wöchentlich oder monatlich einkaufen gehen. Was automatisch dazu führt, dass die meisten Menschen einen mehr oder weniger angebrauchten Wochen- oder Monatsvorrat zuhause haben. Je nachdem, wann z.B. ein Blackout zuschlägt (Monatsende oder kurz vor dem Wochenende vs. unmittelbar nach dem Wochen-/Monatseinkauf) dürften die Vorräte mal nur ein paar Tage weit reichen oder aber ne Woche oder sogar einen Monat.


    Wenn ich mich richtig erinnere, dann lauten z.B. die BBK-Empfehlungen, jeder Haushalt soll "Vorräte für 14 Tage" zuhause haben und nicht "soll zusätzlich zum ohnehin vorhandenen Bestand weitere Vorräte für 14 Tage extra vorhalten". Letzteres dürfte eher die "Prepper"-Auslegung der staatlichen Empfehlungen sein.


    Das Bewusstsein, dass die Gemeinde bei einer Flächenlage auf sich allein gestellt ist, ist (bei uns) bei den Hilfsorganisationen (freiw. FW, DRK) vorhanden und wird von der FW auch regelmäßig geübt, nicht nur trocken, sondern auch bei echten Einsätzen, so richtet unsere FW schon bei mehreren vollgelaufenen Kellern nach einem Unwetter von sich aus einen eigenen ständig besetzten Krisenstab ein, der dann für die Einsatzstellen in der Gemeinde als Koordinierungs- und Leitstelle fungiert. Da gibt's dann Zuständige, die für die Kommunikation (Funk, Melder mit PKW) mit den Kräften an den Einsatzstellen verantwortlich sind, einen Protokollierer am Flipchart, der die aktuelle Lage im Blick hat, einen "Pressesprecher" und einen, der die Reserven plant und nachalarmiert, wenn die Einsätze länger dauern. Dazu welche, die die Verpflegung der Beteiligten organisieren. Das funktioniert von mal zu mal besser und entlastet die Einsatzleitung spürbar, die dann den Kopf frei hat für einsatztaktische Entscheidungen und strategische Überlegungen. Die integrierte Leitstelle des Landkreises ist da nur am Rande eingebunden, damit sie Bescheid weiß, dass die und die Abteilungen gerade im Einsatz sind und nicht z.B. für Überlandhilfe bereitstehen.


    Die Krisenfähigkeit unserer Rathausspitze steht dagegen auf einem ganz anderen Blatt. In der Praxis entscheidet der Bürgermeister (im Katastrophenfall "Oberbefehlshaber" auf kommunaler Ebene) auf Grundlage der Empfehlungen seiner FW-Führung.


    Die oft diskutierte Handlungsfähigkeit der einzelnen Verwaltungsämter oder des Gemeinderats in einer Flächenlage wie einem Blackout ist meiner Meinung nach eher zweitrangig. Der Gemeinderat als das "gesetzgebende Organ" kann bei Tageslicht mit Stift und Papier gültige Beschlüsse fassen, solange man genügend Räte an den Tisch bringt, um beschlussfähig zu sein. Evtl. benötigt man in einer Blackout-Krise das Standesamt für (Not-)trauungen oder -taufen und zur Erfassung von Geburten und Todesfällen. Dann noch das Ordnungsamt für ortspolizeiliche Anordnungen z.B. von Straßensperrungen, Versammlungsverboten oder zeitweiligen Nutzungsänderungen (Turnhalle als Notunterkunft). Das bekommt man - zumindest vorläufig - auch ohne EDV, notfalls handschriftlich auf Papier mit Stempel und Unterschrift geregelt.

    Dann war es das aber auch schon, was man von einer Rathausverwaltung in einer Flächenlage lebensnotwendiges braucht. Bauanträge und Grundstücksverkäufe oder Ausgabe von Hundesteuermarken können auch mal ein paar Wochen warten.


    In der Regel direkt beim Einsatzstab der FW eingebunden ist der kommunale Bauhof, sowie die Wasser- und Abwassermeister und bei Bedarf das örtliche (Bau-)Handwerk. Der Bauhof hat ja eine im Prinzip ähnliche Ausstattung wie die Fachgruppen "Räumen" beim THW: LKWs, Schneeräumfahrzeuge, Radlader, Bagger, Hebetechnik etc.



    Grüsse

    Tom

  • Kurzes Update zum Stand des „Projekts“: unsere Gemeinde hat nun beim BBK die Infobroschüren zur Notfallvorsorge angefordert und im Eingangsbereich des Rathauses ausgelegt! 👍🏼


    Jetzt hoffe ich natürlich, dass es den ein oder anderen Mitbürger gibt, der sie mitnimmt und liest!


    Die weiteren Gespräche mit der Stadt sind für nach der Urlaubszeit verabredet. Was ich auch schon gelernt habe: es braucht seine Zeit ...

  • Neues Update: heute fand das ausführliche Gespräch mit dem Bürgermeister statt und ich kann nur jedem Mut machen, es selbst zu versuchen! Wir haben fast eine Stunde gesprochen und am Ende hatte ich den Eindruck, ein ehrliches Interesse an dem Thema geweckt zu haben. Da das Gespräch nicht öffentlich war, möchte ich nicht weiter ins Detail gehen. Aber mein Fazit war, dass sich die Vorbereitungen darauf und auch der Entschluss aktiv zu werden, gelohnt haben. Konkrete nächste Schritte werden sich mittelfristig hoffentlich anschließen, mal sehen.


    Die BBK-Broschüren im Eingangsbereich sind übrigens gut angekommen: schon nach zwei Wochen waren sie vergriffen. :)