Veränderter Lohnwettbewerb durch Homeoffice?

  • Hab da mal nachgedacht, und auch schon von Bekannten und Arbeitskollegen das Gedankenspiel gehört:

    Da immer mehr Firmen Homeoffice anbieten kann man auch bei einem Arbeitgeber arbeiten, der sehr weit weg von der eigenen Wohnung ist.

    Bisher ist es so, dass in Großstädten auch deutlich höhere Löhne gezahlt werden, einfach weil dort die Lebenshaltungskosten auch deutlich höher sind als auf dem Land.


    Wenn nun Firmen mitten im Nirgendwo mit relativ niedrigen Lohnkosten plötzlich in den Wettbewerb mit Großstadtfirmen treten müssen, die locker mal 50% mehr zu zahlen bereit sind... das dürfte auch für mittlere und große Unternehmen in der Pampa echt happig werden.


    Meint ihr, das wird Pleiten nach sich ziehen?

    Werden traditionell auf dem Land hergestellte Produkte dadurch deutlich teurer?

    Können Großstadtbetriebe ihre Löhne drücken, weil ja "günstigere" Arbeiter über das Internet von Hinterstein aus zu arbeiten bereit sind?

    Könnte es sein, dass es auf dem Land plötzlich unangenehm voll wird, weil alle aus der Stadt raus wollen?



    Nick

    Quidquid agis prudenter agas et respice finem

  • Wenn nun Firmen mitten im Nirgendwo mit relativ niedrigen Lohnkosten plötzlich in den Wettbewerb mit Großstadtfirmen treten müssen, die locker mal 50% mehr zu zahlen bereit sind... das dürfte auch für mittlere und große Unternehmen in der Pampa echt happig werden.

    Ich glaube dem liegt ein Denkfehler zugrunde: gerade Firmen in der Provinz tun sich schon lange sehr schwer damit Spezialisten oder junge Akademiker zu finden, obwohl sie HÖHERE Gehälter bieten. Ist im Maschinenbau definitiv so.
    In Verbinung mit Homeoffice wird das schon wieder attraktiver: Arbeiten für ein, zwei Tage in der Provinz, den Rest der Woche Wohnen und Freizeit in der 100 km entfernten Großstadt.

    Der Zug aus der Stadt aufs Land ist aber definitiv da, und für die Dörfer äußerst positiv. In Ö habe ich schon mehrfach Berichte über das Waldviertel gelesen, das ist zT zwei Stunden von Wien weg. Aber mit Homeoffice ziehen wieder junge Familien in die verlassenen Dörfer.

  • Und jetzt spinn den Gedanken mal weiter. Wenn ein Mitarbeiter zu 100% HomeOffice macht ist es egal ob er 10km, 100km, 1000km oder 10.000km vom Büro entfernt wohnt. So lange es eine stabile Internetverbindung gibt ist das völlig egal.


    Zu Beginn von Corona hatte ich Kollegen die über die halbe Welt verteilt gestrandet waren und dort normal gearbeitet haben.


    Was spricht also dagegen die Arbeit an noch günstigere Arbeitnehmer in Nordafrika, Südamerika oder Asien zu vergeben?

  • Dagegen spricht nichts und wird auch bereits getan. Gerade in der IT-Branche.


    Es ist aber ein Trugschluss zu glauben, dort seien die Arbeitskräfte billiger.


    Es gibt auch eindeutige Vorteile beim Homeoffice. Jetzt können auch Arbeitnehmer abgeworben werden, die vorher niemals den Standort gewechselt hätten. Z.b. aufgrund der Familie. So könnte ein Autobauer aus dem Süden bei einem aus dem Norden wilden gehen.

  • Und jetzt spinn den Gedanken mal weiter. Wenn ein Mitarbeiter zu 100% HomeOffice macht ist es egal ob er 10km, 100km, 1000km oder 10.000km vom Büro entfernt wohnt. So lange es eine stabile Internetverbindung gibt ist das völlig egal.


    Zu Beginn von Corona hatte ich Kollegen die über die halbe Welt verteilt gestrandet waren und dort normal gearbeitet haben.


    Was spricht also dagegen die Arbeit an noch günstigere Arbeitnehmer in Nordafrika, Südamerika oder Asien zu vergeben?

    Sprich mal mit Leuten die jetzt länger Homeoffice in der Firma hatten. Solange man nicht nur Sachbearbeiter oder reiner Programmierer ist, sondern auch in einem Team an Projekten arbeitet, hat Homeoffice klare Grenzen. Kennenlernen und Einarbeiten von neuen Kollegen, informelle Gespräche in der Kaffeeküche, gemeinsam vor Ort über dieselben Unterlagen gebeugt diskutieren. Das ist eine andere Qualität als über Zoom oder Teams.

  • Also ich bin seit 1 1/2 Jahren zuhause.

    Wir haben sogar online Recruiting gemacht und neue Mitarbeiter eingearbeitet. Gerade die Zusammenarbeit hat sich deutlich gesteigert. Wir sind messbar schneller, effizienter und mit höherer Qualität unterwegs. Kaffeerunde oder nen Feierabendbier geht auch online über Kontinente hinweg. :winking_face:


    Ich würde meine Arbeit als komplexe Projektarbeit mit wechselnden Teams und technisch als anspruchsvoll einordnen.


    Wir haben aber am Anfang auch Zeit in das Thema "wie arbeiten wir jetzt online zusammen" investiert. Ich glaube das war auch der Knackpunkt. Zuvor waren wir es aber auch schon gewohnt in Projektteams über Kontinente hinweg zu Arbeiten. Eine gewisse Übung war also schon da.

  • Wenn nun Firmen mitten im Nirgendwo mit relativ niedrigen Lohnkosten plötzlich in den Wettbewerb mit Großstadtfirmen treten müssen, die locker mal 50% mehr zu zahlen bereit sind... das dürfte auch für mittlere und große Unternehmen in der Pampa echt happig werden.


    Läuft in den USA eher anders rum: Im Homeoffice auf dem Land müß ihr nicht mehr dieses Umsummen für eine WG-Zimmer bezahlen.

    Also zahle ich Euch jetzt weniger Gehalt.


    Und dann wunders dies sich, das da einige auf die Idee kommen, für 2 AG gleichzeitig zu arbeiten.

  • Homeoffice für das ganze Team klappt prima, das praktizierten wir auch vor der Pandemielage schon so. Die Kollegen sitzen in der EU verteilt, gelegentlich gibt es ein Präsenzmeeting vor Ort, letzteres seit Beginn der Pandemielage etwas weniger. Gespräche in der Kaffeeküche kann man auch via Zoom/Slack/... ersetzen. Wenn ich das Bedürfnis habe, ins das Office zu gehen, kann ich das aber jederzeit.


    Homeoffice ist zumindest meiner Meinung nach gesteigerte Lebensqualität. Jeweils 1h Weg von/zur Arbeit war immer verlorene Zeit. Auch starre Zeiten passen nicht unbedingt immer zur kreativen Phase des Einzelnen. Wenn ich Abends noch eine gute Idee habe, dann setze ich mich ran und sitze (selten) auch mal bis in die Nacht. Der Ausgleich erfolgt dann selbstverantwortlich am nächsten Tag. Das ist mit starren Bürozeiten garnicht abzubilden.


    Projektangebote von Headhuntern kommen auch fast nur noch mit "100% Remote" rein, da hat sich etwas gedreht in den letzten zwei Jahren.

    NUNQUAM NON PARATUS

  • Moin !

    Nur mal so als Zwischenruf.

    Die KVNO (Kasenärztliche Vereinigung Nordrhein) hat vor einer Woche allen Ärzten im Bereich der KVNO (NRW ist in zwei Bezirke eingeteilt, Nordrhein, Westfalen Lippe) folgendes mitgeteilt.


    Es ist weiterhin erlaubt, Therapie und Beratung online durchzuführen.


    Das haben wir genutzt, als wir selbst in Quarantäne/Selbstisolation waren, das Praxispersonal zu Hause bleiben musste oder Patienten solche Umstände hatten.

    Ich als Psychotherapeut/Psychiater habe zum Beispiel Termine für Patienten, die das Haus nicht verlassen durften oder wollten, auf einen oder mehrere Tage gelegt. So konnte ich 2h Anfahrt sparen, konnte zwei Patienten mehr pro Tag versorgen, konnte eine Umfangreiche telefonische Sprechstunde einrichten etc.

    Natürlich von zu Hause aus, weil es dem Patienten am anderen Ende wurscht war, von wo ich das mache.


    Aber jetzt:


    Es ist aber verboten, dies von zu Hause aus zu tun, Online Angebote, Videotherapie und telefonische Beratung dürfen nur noch von der Praxis aus getätigt werden.


    Hier gibt es noch einen kleinen Kniff:


    Natürlich dürfen wir alles mögliche von zu Hause aus machen. Nur kriegen wir dann halt 0€ dafür.

    Immer die gleiche Leier. Wir sind vollkommen frei in der ärztlichen Ausübung. Kriegen halt nur nichts bezahlt. Your Chioce.


    Also muss ich um Home Office zu machen zuerst mal ins Büro fahren.

    Kannste Dir nicht ausdenken.


    Gruss zwischendurch


    DocAlmi

    Ordnung ist das halbe Leben. Ich bin eher an der anderen Hälfte interessiert.:nono:

    2 Mal editiert, zuletzt von DocAlmi ()

  • Es ist aber verboten, dies von zu Hause aus zu tun, Online Angebote, Videotherapie und telefonische Beratung dürfen nur noch von der Praxis aus getätigt werden.


    Begründung?


    Wann ist die nächste Wahl der Vertreterversammlung?

  • Können Großstadtbetriebe ihre Löhne drücken, weil ja "günstigere" Arbeiter über das Internet von Hinterstein aus zu arbeiten bereit sind?

    Ich halte das in einigen Branchen für durchaus möglich.


    Wenn man das etwas weiterd denkt stellt sich in manchen Bereichen dann auch gleich die Frage, warum es jmd mit 100% Homeoffice aus DACH sein muss, wenn man Arbeitnehmer in Polen, Rumänien oder Indien viel billiger bekommt.


    Ich bin daher eher froh (auch aus anderen Gründen), dass mein Job zwar zu 50-75%, aber nicht zu 100% im Homeoffice funktioniert


    MfG

    Aus gegebenem Anlass: ich distanziere mich hiermit ausdrücklich gegen jeden Form von Gewaltphantasien gegen andere, den Staat oder staatliche Organe. Ich betreibe prepping als Krisenvorsorge und als Hobby und tausche mich hier mit Gleichgesinnten aus.

  • Man darf nicht vergessen, dass das nur bestimmte Branchen bzw. Teile von Unternehmen betrifft, die nicht auf irgndwelche Anlagen oder größere Räumlichkeiten angewiesen sind. Gerade solche Firmen und Units sind sowieso schon in Ballungsräumen konzentriert. Da kann auf dem Land nicht mehr viel wegbrechen.


    Den Trend raus aus der Stadt gab es vor Corona schon, einfach wegen des in vielen Städten inzwischen absurden Wohnpreisniveaus. Der verstärkt sich durch Homeoffice bzw. wird der potenzielle Radius größer, weil auch weitere Pendelstrecken erträglich werden, wenn sie nur noch zwei- oder dreimal pro Woche bewältigt werden müssen. Allerdings profitieren richtig ländliche Gegenden davon nicht. Mecklenburg, Hunsrück, Eifel: Da wird man weiter Bevölkerungsverluste beobachten.


    An sinkende Nominallöhne glaube ich auch nicht. Zumindest bei höher Qualifizierten sehen wir einen demografisch verursachten Arbeitskräftemangel, der sich noch steigern wird. Da wird die etwas größere räumliche Flexibilität durch Homeoffice kein spürbarer Gegenimpuls sein. Und Geringqualifizierte haben selten Jobs, die sich remote ausführen lassen.


    Effekte sehe ich eher im Büroimmobilienmarkt der Großstädte, wobei die veränderten Arbeitsweisen auch wieder etwas mehr Platzbedarf verursachen: Wenn die Teams sich seltener treffen, brauchen sie in diesen Zeitfenstern mehr Besprechungsräume. Ganz wird das aber den gesunkenen Bedarf an eigentlichen Büros nicht kompensieren. Bei den Wohnimmobilien dürfte sich der Preisanstieeg in den Großstädten verringern, insbesondere für hochwertige Wohnungen. Im auch erweiterten Umland sind die Preise bereits seit einigen Jahren im Steigen begriffen. Das wird sich verstärken.

  • Wenn man das etwas weiterd denkt stellt sich in manchen Bereichen dann auch gleich die Frage, warum es jmd mit 100% Homeoffice aus DACH sein muss, wenn man Arbeitnehmer in Polen, Rumänien oder Indien viel billiger bekommt.

    Das sehe ich eher entspannt. Ein hohes Tier in meiner Firma hat vor langer Zeit mal sinngemäß gesagt: "Ein tschechischer Konstrukteur kostet mich zwar nur ein drittel vom deutschen Konstrukteur. Aber ich brauche vier stück davon für die gleiche Arbeit."


    Nick

    Quidquid agis prudenter agas et respice finem


  • Der Zug aus der Stadt aufs Land ist aber definitiv da, und für die Dörfer äußerst positiv.

    Ich vermute, das liegt ganz wesentlich daran, dass eine Immobilie mit eigenen Garten in signifikanter Größe oder viel Wohnfläche in vielen Städten für über 90% der Leute mittlerweile schlichtweg nicht mehr bezahlbar ist.

    Unter einer halben Million gibt es bei mir hier von der Art meines Wissens schlichtweg garnix und selbt für eine Million tut man sich schwer. Wohlgemerkt im tiefsten Osten.

    20km weiter draußen sieht das dann anders aus. Nach 100km weiter draußen will immer noch keiner hin. Das ist vieleicht auch gut so, aus meiner Sicht muss nicht das ganze Land zubetoniert werden.

    Aus gegebenem Anlass: ich distanziere mich hiermit ausdrücklich gegen jeden Form von Gewaltphantasien gegen andere, den Staat oder staatliche Organe. Ich betreibe prepping als Krisenvorsorge und als Hobby und tausche mich hier mit Gleichgesinnten aus.

  • Das sehe ich eher entspannt. Ein hohes Tier in meiner Firma hat vor langer Zeit mal sinngemäß gesagt: "Ein tschechischer Konstrukteur kostet mich zwar nur ein drittel vom deutschen Konstrukteur. Aber ich brauche vier stück davon für die gleiche Arbeit."

    Wie alt bist Du?


    Ein Produktivitätsgefälle mag es in manchen, ganz wneigen Bereichen, noch geben (was weniger mit den Leuten oder der Ausbildung zusammen hängt, sondern eher mit den Möglichkeiten und Synergien vor Ort), aber in vielen Bereich wie z.B. in der IT dürfte es unmöglich sein, also Deutscher 3x so produktiv zu sein wie ein Inder. Viele müssen vermutlich eher drauf hoffen, überhaupt mithalten zu können, denn 35h Woche, davon 5h im Rauchereck und der Gemeinschaftsküche und 30 Tage Urlaub ist nicht überall üblich.

    Aus gegebenem Anlass: ich distanziere mich hiermit ausdrücklich gegen jeden Form von Gewaltphantasien gegen andere, den Staat oder staatliche Organe. Ich betreibe prepping als Krisenvorsorge und als Hobby und tausche mich hier mit Gleichgesinnten aus.

  • Ich vermute, das liegt ganz wesentlich daran, dass eine Immobilie mit eigenen Garten in signifikanter Größe oder viel Wohnfläche in vielen Städten für über 90% der Leute mittlerweile schlichtweg nicht mehr bezahlbar ist.

    Unter einer halben Million gibt es bei mir hier von der Art meines Wissens schlichtweg garnix und selbt für eine Million tut man sich schwer. Wohlgemerkt im tiefsten Osten.

    20km weiter draußen sieht das dann anders aus. Nach 100km weiter draußen will immer noch keiner hin. Das ist vieleicht auch gut so, aus meiner Sicht muss nicht das ganze Land zubetoniert werden.

    Das ist eben der Unterschied zum klassischen Raus aus der Stadt in den Speckgürtel. EFH für 400.000 gibt es auch im Bereich von 30 bis 45 MInuten mit der SBahn. Im Waldviertel, und hier reden wir wirklich von 100 bis 150 km Entfernung von Wien, bekommst du für weniger Geld ein größeres Haus und einen wesentlichen größeren Grund dazu. Da sowieso eine ganze Menge Wiener Verwandte im Waldviertel haben, ist das für die natürlich doppelt interessant.
    Ein deutscher Gastarbeiter, die sind in Ö übrigens die stärkste Ausländergruppe, wird das Waldviertel eher nicht interessant finden.

  • Cephalotus:

    Die Aussage muss so zwischen 2000 und 2005 gefallen sein.

    Über mein Alter möchte ich nicht sprechen :)


    In der Konstruktion war die wichtigste Arbeit das Nachdenken. "Kompliziert konstruieren kann jeder!" ist auch so ein Spruch.

    Ich kenn mich in der Industrieprogrammierung nicht so sehr aus, aber da kann man sicher auch mit viele Programmzeilen oder mit wenigen Programmzeilen das gleiche Problem lösen. Wobei die vielen Programmzeilen (=mehr Arbeit???) eher die schlechtere Lösung sein dürfte, oder?


    Was ich damit sagen will: Gute Arbeit zu messen ist schwierig. Meiner Meinung kann man sie nur an der Kundenbindung festmachen. Anzahl der Programmzeilen, Kilogramm verbrauchtes Papier, Arbeitsstunden... das sind alles nur Krücken.



    Nick

    Quidquid agis prudenter agas et respice finem

  • Es ist aber verboten, dies von zu Hause aus zu tun, Online Angebote, Videotherapie und telefonische Beratung dürfen nur noch von der Praxis aus getätigt werden.

    *seufz* Das sind wahrscheinlich dieselben Leute, die denken, wenn sie Google von ihrem Rechner löschen, dass sie dann das Internet gesprengt haben...


    Als Idee für einen Workaround: Rechner in der Praxis anschmeißen, via VPN von zu Hause auf diesem einloggen und das Patientengespräch dann Remote-remote durchführen?

    aus DE gesendet...

  • Da immer mehr Firmen Homeoffice anbieten kann man auch bei einem Arbeitgeber arbeiten, der sehr weit weg von der eigenen Wohnung ist.

    Wir reden hier, um ehrlich zu sein, über eine einigermaßen privilegierte Gruppe von Arbeitnehmern.


    Erzähle mal einem LKW-Fahrer, Gärtner, Straßenreiniger, Kindergärtner, etc...., er könne im Home Office arbeiten. Das funktioniert ja gar nicht. Schon rein technisch-inhaltlich nicht.

    Diejenigen, die vom Home Office profitieren, haben bereits vor der Pandemie überwiegend am Computer gearbeitet: Journalisten, Entwicklungsingenieure, Scientific Writer, Verwaltungsangestellte etc., um mal ein paar Beispiele rauszugreifen.

    Und es gibt die große Gruppe der Lehrer und Dozenten, die vorher in Präsenz unterrichteten und sich nun mehr oder weniger gut mit Fernunterricht arrangierten.


    Eigentlich alles Personengruppen, die schon von ihrer Ausbildung her privilegiert sind. Und durch ihre zumeist recht brauchbare finanzielle Ausstattung zudem. Die meisten Arbeitnehmer aus den zuerst genannten Bereichen verdienen nun teilweise nicht schlecht, aber nicht gerade ein Vermögen. In manchen Branchen ist schon "froh" für knochenharte Arbeit wenigstens Mindestlohn zu bekommen. Und die Leute können dann eben nicht ins Home Office. Läuft einfach nicht. Wenig Geld UND knochenharte Arbeit UND auch noch nicht im Home Office arbeiten zu können? Da werden sich die jeweiligen Branchen/Betriebe noch in den nächsten Jahren überlegen müssen, wie sie überhaupt noch qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte finden und vor allem auch halten könnten.


    Mit meinen Job als Scientific Writer ist es für mich egal, ob ich im Büro der Firma sitze oder zu Hause im Home Office. Wie sagte es ein CEO? Egal, wie der Bericht erstellt wird. Hauptsache, er wird erstellt... Und auch meinen Kindern würde ich auch immer wieder die Empfehlung geben, sich zu überlegen, was sie interessiert, womit sie die Fragen, die sie bewegen, glauben, am ehesten lösen zu können. Bei mir war es das Studium der Biologie und ein konkretes Jobprofil hatte ich noch nicht zu Beginn des Studiums. Brauchte ich damals vielleicht auch nicht.

    Heute wäre mein zweiter Tipp: Überlegt euch, ob der Job, den ihr machen/anstreben wollt, für Telearbeit geeignet ist. Wenn nicht: Warum nicht? Kann man die Möglichkeiten dafür schaffen oder zumindest Möglichkeiten, auch in einer Pandemie wie jetzt sicher zu arbeiten? Nein? Ist es trotzdem der Job den die Kinder machen wollen?

    aus DE gesendet...

  • Moin Moin


    mal ein wenig die Sicht eines ITlers auf die Pandemie :)

    seit fast 2 Jahren im Homeoffice, in der Firma war ich seit Mitte/Ende Februar 2020 an 0 Tagen.

    Jeden Tag 2 Stunden weniger (Arbeitsweg) => somit statt 40 Stunden/Woche plus 10 Stunden Arbeitsweg nur noch 40 h/Woche arbeiten


    Zum Glück habe ich unsere Vermietering besabbelt das wir unbedingt Glasfaser brauche und somit habe ich seit Dezember 2020 500MBit Downstream und 250MbUpstream :)


    Informelle Gespräche sind soo wichtig:

    Ich wechsele öfters den Job und kenne so viele Firmen und habe auch in Firmengearbeitet die grade große Umbauten hatten oder grade am Scheideweg waren. Diese Fixierung auf "Treffen in der Kaffeeküche" ist schrecklich. Eine Firma von mir war mal zu groß für ein Gebäude, so das 2 Abteilungen in ein anderes Gebäude (500m entfernt) verlegt worden sind. Das Geschrei war groß (Wir werden keine Projekte mehr fertig bekommen usw..) => Kommunikation muss in Prozesse gegossen werden und somit von den Personen und den "Zufällen" losgelöst sein. Oder wollt ihr wirklich in einer Firma arbeiten die nur deswegen überlebt weil Person X raucht (und beim rauchen Person Y aus Abteilung 2 trifft und die wichtigen Projektdetails austauscht?) Da muss man sich Gedanken machen über Regelkommunikation usw. ich weiß klingt alles nach Prozessen und ist nervig aber sorgt dafür das eine Firma auch ohne mich/eine bestimmte Person weiterlebt. Bei einer ITIL Einführung war es mal toll zu sehen wie Anforderungen innerhalb einer Woche durch alle wichtigen Meetings gezogen worden sind und alle für die es wichtig waren informiert wurden.

    Ich habe es mal gewagt bei einem Meeting in dem die Meinung vertreten wurde das "Kaffeküchen Meetings ja soooo wichtig sind" zu fragen wie es MS und SAP schaffen zu leben bei denen trifft sich ja nicht alle paar Stunden die ganze Firma in der Küche.. Versteht mich nicht falsch.. "Flurfunk ist wichtig"!!! auch um Fehler abzufangen die durch die Regelkommuinikation nicht gefangen worden sind."


    Wir haben jetzt in coroan >40 MA eingestellt und es läuft :) die Chefs müssen aber mehr auf Kommunikation innerhalb des Teams achten (das alle mitgenommen werden und es keine "Geheimnisunterhaltungen" gibt weil einfach vergessen wird das manche KollegenInnen 600km weg sind :)



    Ich persönlich bin jetzt kurz davor Nägel mit Köpfen zu machen:


    https://www.faz.net/aktuell/wi…ehen-sollte-17538072.html


    Karte: € /QM und MBit Anschlüsse :)


    Mein nächster Wechsel wird im Vertrag "100% Remote" enthalten und dann werde ich irgendwo hinziehen mit Fiber :)


    cu Riff

    /Milchstraße/Erde/D/Hamburg