Behelfsmäßiger Schutzraum für AKW Unfall?

  • Hallo.

    Ich überlege schon länger, wie man einen Schutzraum improvisieren bzw. einen vorhandenen Kellerraum rasch umbauen könnte.

    Hauptsächlich geht es mir um Atomare gefahren, sprich AKW Unfall. In so einem Schutzraum würde ich den ersten Fallout abwarten um nicht alles abzubekommen.

    Macht sowas Sinn? Was bräuchte es dazu?


    Zum Ausgangspunkt, mein Haus hat einen mit Stahlbeton betonierten Keller mit diesen kleinen Kellerfenstern. Diese Fenster müssten Natürlich abgedichtet werden. Nahrung und Wasser befindet sich auch im Keller, Campingtoilette fehlt noch.

    Radioantenne und 2m Funk Antenne in den Keller kommen noch, da unten gibts keinen Empfang.


    Mein größtes Sorgenkind ist die Belüftung. Kann man einen Sandfilter auch selber bauen? Ich hab hier auch schon was von einem Staubsauger als Motor gelesen. Wenn ich aber an meinem Staubsauger rieche möchte ich das nicht einatmen <X


    Leider finde ich über das Thema nicht viel, gibts da ein paar Schlagworte für die Google Suche?


    Vielen Dank

    Mfg

    "Wir brauchen kein Telefon, wir haben genügend Boten!" Britische Post 1878


  • Hier findest Du eine interessante Forschungsarbeit aus Österreich von 1995 für das Bundeskanzleramt.
    "Schutzwirkung von Gebäuden gegenüber radioaktivem Fallout."
    Zumindest wirst Du dort Anregungen finden zum weitergoogeln.

  • Der Fallout eines havarierten Reaktors unterscheidet sich vom Fallout nach einer Atombombenexplosion. Während man die Auswirkungen einer Neutronenbombe z.B. tatsächlich "aussitzen" könnte, ist das beim freigesetzten radioaktiven Inventar eines Atomreaktors anders. Freigesetzte Isotope wie Cäsium-137 oder Strontium-90 sind vergleichsweise langlebig (Halbwertszeit 28 bzw. 30 Jahre). Diese Isotope können bei einem AKW-Unfall in sehr großen Mengen frei werden und verseuchen Boden, Pflanzen, Tiere und Gewässer langfristig: bei uns in Süddeutschland ist Schwarzwild immer noch von Tschernobyl - 1986 - stark mit Cs-137 belastet und darf überwiegend nicht verzehrt werden.


    Welchen Sinn sollte ein Schutzraum bei einem AKW-Unfall haben? Entweder man bekommt an seinem Wohnort Fallout ab oder nicht, das hängt von Wind und Wetter ab. Man könnte natürlich den Durchzug der Wolke(n) im Bunker abwarten, aber dazu genügt auch ein normales Gebäude. Ist danach die Umwelt verstrahlt, muss man eh weg, da die betroffene Gegend nachhaltig unbewohnbar wird (vgl. Tschernobyl). In den vom Fukushima-Unfall betroffenen Gebieten in Japan hat man großflächig verstrahltes Erdreich abgetragen, das war aber auch nur deshalb eine Option, weil der Wind das meiste der Fallout-Wolken aufs offene Meer getrieben hat und das stark betroffene Areal auf dem Festland vergleichsweise klein war.


    Bei einem AKW-Unfall hilft IMO nur, das Wetter und die Windrichtung genau zu beobachten und sich schnellstmöglich abzusetzen. Die Hauptwindrichtungen sind bei uns meist Ost-West, also wäre eine Evakuierung nach Norden oder Süden sinnvoll. Ob man hinterher wieder zurück zu seinem Wohnort kann, hängt vom Zufall ab, wo der Wind den Fallout hingetrieben hat. Ist also ein Szenario mit einer 50%igen INCH-Chance. Aber ein Bunker bringt keinen Vorteil. Lieber etwas in eine gute Wetterstation und einen Strahlungsmesser investieren, der einen frühzeitig warnt.


    Grüsse

    Tom

  • Naja....

    Sicher, daß es nicht besser ist in einem gut abgedichteten Haus, oder Keller die erste Zeit abzuwarten, als sich auf der Autobahn von der Wolke erwischen zu lassen?!

    Das Risiko nicht schnell genug Land gewinnen zu können ist glaube ich deutlich höher, als alles Zuhause auszusitzen...


    Da reicht ja schon die extra halbe Std., wo der Nachwuchs von der 10km entfernten Schule abgeholt werden muss um die Situation unkalkulierbar zu machen....


    Hat ja nicht jeder seine Vollcrosser neben der Arbeit stehen, und den INCH-Bag im Spindt.....


    Wobei...es gibt ja durchaus radioaktive Gase, da machste erstmal auch Zuhause nix ohne Filter...


    Gruß EZS

  • Bei so einem Szenario tendiere ich zum sofortigen Absetzen in ein nicht betroffenes Gebiet. Ein immer einsatzbereites und vollgetanktes Auto ist da wohl mehr wert als eine Art Bunker im Keller.


    Sollte sich rausstellen das es am Wohnort langfristig und heftig verseucht ist hat man mit einem Versuch die erste Gefahr zu Hause aussitzen zu wollen wertvolle Zeit verschenkt. Und evtl. die Chance unkontaminiert den Rückzug anzutreten.

    Man muss ja immer noch aus seiner Kellergruft raus ,den Weg zum Auto machen und muss damit rechnen das man sich eine irreversible Dosis auf dem (Flucht) Weg reinholt.

    Da gebe ich tomduly vollkommen Recht,eine vernünftige Hauswetterstation kostet nicht viel,aber man hat zumindest eine Richtung die man ablesen kann !


    Für den " Kontaminationsfall" ( Ich habe hier noch eine andere Gefahr in der Nähe...) Habe ich mir schon eine Route ausgeguckt die für die meisten Wetterlagen richtig ist. Ohne Hauptstraßen und Autobahnen natürlich.

    Ganz entscheidend ist auch noch eine rechtzeitige Kenntnis der Situation, da kann man nur auf eine rechtzeitige Warnung und gute Information hoffen !

  • Ein immer einsatzbereites und vollgetanktes Auto

    und noch ein paar zusätzliche Kanister mit Treibstoff, wenn ich mir die Karte anschaue dann muss man schon recht weit fahren, hängt aber auch von der Wetterlage/Windrichtung ab.

    die interaktive Karte ist etwas weiter unten auf der Seite, nach ein paarmal "weiter" klicken kann man seine plz eingeben und das AKW auswählen. Man kann auch zwischen unbewohnbar/Ernte vernichten auswählen - also auch genug zum futtern/trinken mitnehmen

    Du kannst die Zukunft verändern mit dem was du heute tust. :huh:

  • tomduly wo im Süden meinst du denn genau? Ich wohne so weit im Norden wie es in der Schweiz fast nur geht und bei uns müssen die Wildschweine lediglich getestet werden. Wenn dabei nichts rauskommg, dürfen die durchaus gegessen werden. Von all meinen Kumpels die Jagen hatte in den letzten 10 Jahren noch nie einer den Fall, dass er das Wildschwein nicht verwerten durfte.

    Auch ein Studienkolege der im Raum Lörrach (Süddeutschland) jagd, hat, so weit ich weiss, keine Probleme. Werde aber bei Gelegenheit nochmals nachfragen.

    Versteh mich bitte nichg falsch, die von dir angesprochene Problemstik bestand / besteht sicherlich, ist aber heute m. E. nicht mehr so prekär, wie von die angesprochen.


    LG Bull

    Improvisation ist, wenn niemand die Vorbereitung bemerkt.

  • Im mittleren Schwarzwald werden durchaus noch Schweine wegen Strahlung verworfen, sagt zumindest ein jagender Kollege von da. Kommt nicht oft vor, aber auch nicht sehr selten.

  • Hier ein Link zu einer Karte von BW mit den Belastungswerten bei Wildschweinen in 2019


    Baden-Württemberg überwacht die Belastung von Lebens- und Futtermitteln recht engmaschig.


    Demnach ist das Zeugs von Tschernobyl immer noch bei uns präsent. Laut diesem Beitrag im Deutschlandfunk vom April 2019 steigt die Cs-137-Belastung speziell in Wildschweinen sogar an: 33 Jahre nach Tschernobyl Strahlende Wildschweine im deutschen Wald


    Hier eine Karte, die die Cs-137-Verteilung in Mitteleuropa zeigt.


    Grüsse

    Tom

  • Gegen die Strahlung selber kann man kaum was machen, aber gegen radioaktive Partikel in der Luft schon. Alles was außerhalb des Körpers ist kann man abwaschen, was einmal eingeatmet wurde nicht mehr.

    Absetzen ist sicher eine Option, aber wenn es alle gleichzeitig machen steht man dann im Stau. Daher ist kurzfristiges Aussitzen durchaus eine denkbare Alternative.

    Wichtig wäre den Raum möglichst Gasdicht zu bekommen, dann kann man mit einer Filteranlage einen Überdruck erzeugen um allfällige Undichtheiten auszugleichen. Ich weiß das es in der Schweiz eine große Firma gibt die solche Filteranlagen herstellen (Youtube Videos von Atlas Survival Shelter) aber leider habe ich keinen Namen.

  • Welches AKW ist denn in deiner Nähe ?

    Und wie kommst du bei einem Fallout da wieder aus dem Schutzraum raus ?


    Wäre es nicht besser, mit dem Fahrrad zu flüchten ?

    Mit einem Zielort abhängig von der Windrichtung ?

    Flucht mit Auto dürfte im Stau stecken bleiben ...


    Ab welchem Zeitpunkt genau würdest du deinen Notfallplan aktivieren ?

    Auf welche Nachrichtenquelle kannst du dich absolut verlassen ?

  • Ich glaube nicht, dass eine zügige Flucht im Stau enden wird. Die Masse der Bürger

    wird Haus und Hof, also ihren Besitz, aus Verlustängsten nicht verlassen.

  • Wer hier im Forum aktiv ist und im näheren Umkreis eines aktiven AKW lebt, der sollte es eigentlich schaffen, sich vor dem großen Stau abzusetzen, in dem er seinen Informationsvorsprung durch täglich aufmerksame Beobachtung der Nachrichtenlage, ein gewartetes und mindestens halbvoll getanktes Fahrzeug und griffbereite gepackte Notfall-Rucksäcke/-Taschen ausnutzt und sich absetzt. Vor allem, weil sich der vorsorgende AKW-Anrainer zuvor auch mal Gedanken gemacht hat, wohin er sich im Zweifelsfall absetzen kann. Je nach Windrichtung sollte das in jeder Himmelsrichtung ein Ziel sein. Das kann ein Campingplatz sein oder im Idealfall die Adresse von Verwandten oder Freunden, die einen notfalls auch bis auf Weiteres aufnehmen würden.


    Eine AKW-Havarie ist ein ziemlich unschönes Szenario, da es tatsächlich dazu führen kann, innerhalb von Stunden seinen bisherigen Lebensmittelpunkt mit so ziemlich allem (Grundstück/Wohnung/Hausrat/soziale Kontakte/Haustiere etc.) möglicherweise für immer aufgeben zu müssen. Und gegenüber Naturkatastrophen, nach denen man einen zerstörten Ort wieder aufbauen kann, gibt es das in stark radioaktiv kontaminierten Regionen nicht - sie müssen von jetzt auf nachher aufgegeben werden. In Fukushima sieht das dann so aus.


    Natürlich kann ich auch den Durchzug einer Falloutwolke zuhause abwarten, dazu brauchts aber definitiv keinen Bunker/Schutzraum. Fenster zu genügt da. Der Fallout kommt mit dem Regen runter bzw. als Staub/Aschepartikel. Wenn ich die Fenster zu lasse, bin ich davor geschützt. Wohnt man in einem Neubau mit "kontrollierter Wohnraumlüftung/Wärmerückgewinnungsanlage", dann sollte man zumindest diese Frischluft-Ansaugung so lange stilllegen.


    Beim späteren Verlassen der kontaminierten Zone würde ich ein Auto einem Fahrrad eindeutig vorziehen. Idealerweise steht das Auto in einer Garage, die ich von der Wohnung aus erreichen kann, ohne ins Freie zu müssen. Beim Fahren mit dem Auto kann ich die Lüftung auf "Umluft" schalten und bin vor der Aussenluft weitgehend sicher. Man wird nicht das einzige Fahrzeug sein und es dürfte jede Menge aufgewirbelter belasteter Staub in der Luft sein.

    Mit dem Fahrrad bin ich der belasteten Luft in Bodennähe völlig ausgesetzt und atme wegen der körperlichen Anstrengung auch wesentlich intensiver, als im Auto sitzend. Und mit Vollschutzanzug & -Maske mit ABEK-Filter wollte ich nicht 50-100km strampeln müssen...


    Grüsse

    Tom

  • Ich glaube nicht, dass eine zügige Flucht im Stau enden wird. Die Masse der Bürger

    wird Haus und Hof, also ihren Besitz, aus Verlustängsten nicht verlassen.


    10% reichen für einen Mega-Stau. Dazu kommen dann noch mehr Unfälle als sonst (Panik) und liegengeblieben Fahrzeuge (einige fahren immer bis Reserve)


    Und das man dann auf Nebenstraßen besser vorwärts kommt, bezweifel ich auch.

    Live mehrmals erlebt, als mich Googel-Maps versuchte, um die Stau herum zu lotsen.

    Alle paar Minute einen neue Route, die dann auch nach ein paar km auch dicht war.

  • 10% reichen für einen Mega-Stau. Dazu kommen dann noch mehr Unfälle als sonst (Panik) und liegengeblieben Fahrzeuge (einige fahren immer bis Reserve)


    Und das man dann auf Nebenstraßen besser vorwärts kommt, bezweifel ich auch.

    Live mehrmals erlebt, als mich Googel-Maps versuchte, um die Stau herum zu lotsen.

    Alle paar Minute einen neue Route, die dann auch nach ein paar km auch dicht war.

    Wenn sich 10% auf den Weg machen... Der Mensch handelt nicht sofort rational

    und schon gar nicht, wenn seine Weltanschauung und Lebenswelt betroffen sind.