Hochwasserkatastrophe in Deutschland Juli 2021

  • Toller bzw schlimmer Bericht.

    Hat jemand eigentlich Infos zum aktuellen Stand der Zahl der Vermissten?

    Es dürften sich ja hoffentlich einige gemeldet haben, da viele ja einfach nicht erreichbar waren.

  • Ich werde voraussichtlich die kommende Woche ins Ahrtal fahren, um dort mit anzupacken. Falls Erfahrungswerte bestehen wäre es nett, wenn ihr diese hier veröffentlichen würdet (Ausrüstung, Klamotten, alles andere was Euch so einfällt). Ich hoffe privat unterzukommen und habe mich deshalb schon bei Ahrhelp angemeldet. Es fehlt noch das GO meines Bosses (weil ich ja eigentlich erst seit dieser Woche wieder aus der Schweiz zurück bin).


    Edit: Das Go vom Boss ist da. Jetzt muss es nur noch mit einer Unterkunft hinhauen! Von unserem Laden fährt schon seit einigen Wochen ein Bus im Pendelverkehr und bringt für "Flutopferhilfe aus`m Ländle!" immer wieder Hilfsgüter in die Ahrgegend.

    - Wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage -

    Bertold Brecht

    Einmal editiert, zuletzt von PapaHotel ()

  • Ich werde voraussichtlich die kommende Woche ins Ahrtal fahren, um dort mit anzupacken. [...]

    Folgender Artikel ist vorgestern auf Welt erschienen:

    Bad Neuenahr-Ahrweiler (dpa) - Ein neuer «Helfer-Stab» will den Einsatz von freiwilligen Helfern im Katastrophengebiet im Ahrtal besser koordinieren. Über den Zusammenschluss von Engagierten sollten Helfer und Bürger, die Unterstützung beim Aufräumen oder bei anderen Arbeiten bräuchten, zusammengebracht werden, teilte der Krisenstab in Bad Neuenahr-Ahrweiler am Mittwoch mit. Unter der Internetadresse helfer-stab.de könne man seine Hilfe anbieten.

    Auf der Seite Helfer-Stab.de selbst sind WhatsApp- und Telegramgruppen, die diversen Hilfsvermittlungsseiten, sowie allgemeine Infos, Karten etc. verlinkt.


    Mit Erfahrungswerten speziell im Ahrtal kann ich leider nicht dienen. Plante ich einen Einsatz dort, würde ich die "üblichen Verdächtigen" für Hochwasserschadensbeseitigung einpacken:

    Gummistiefel*, durchtrittsichere Arbeitsstiefel, Schutzbrille(n), FFP2/3-Masken, Regenkleidung, Taschenlampe + Ersatzbatterien, Kopflicht + Ersatzbatterien, Arbeitshandschuhe* (Schnittschutz, Chemikalienschutz etc.), Erste Hilfe Material inkl. Octenisept und ggf. persönlicher Medikamente.

    Falls schwereres Gerät zum Einsatz kommt, eventuell noch Gehörschutz und einen Helm (schadet sicher nicht, wenns dabei ist, jedoch dann doch nicht gebraucht wird).

    (* Die Materialien gibts laut Lohnunternehmers "Wippi-TV" wohl ggf. auch vor Ort)


    Eine recht nette Packlisten-Grafik, die zudem vervielfältigt und weiterverbreitet werden soll, findet sich unten auf der FAQ-Seite vom Helfer-Shuttle.

    ---

    Nachtrag:

    Als bei mir im Landkreis 2013 Hochwasser war, sind auch viele Heizöltanks aufgeschwommen/ausgelaufen. Samma mal so: die Klamotten kann man zwar (auch mit Hygienespüler) waschen, aber das Odeur bleibt laaange erhalten... Insofern würde ich nur "abgeranzte" Klamotten nehmen, die ggf. nachher entsorgt werden können.

    Wenn die Kleidung hingegen "nur" schlammig wie nach z.B. nem Festival wird, hat sich bei mir bewährt, die Klamotten mitsamt Schlamm erstmal gut durchtrocknen zu lassen, dann lässt sich der getrocknete Schlamm abklopfen und ausbürsten und ein Waschgang ist in aller Regel ausreichend.

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    Nachtrag 2:

    Wird gerne vergessen - Impfungen auffrischen! Heute ist zwar schon Freitag, aber für 1, 2 Stündchen hätten sicher noch ein paar Ärzte Dienst/Sprechstunde :winking_face:

    Si vis pacem, para bellum.

    3 Mal editiert, zuletzt von Lunatiks () aus folgendem Grund: Nachtrag 2

  • Das Helfer Shuttle hat einen excellenten Ruf, ist sehr gut organisiert, all inclusive, Zelt oder Camper kannst du bei Haribo aufbauen.

    Bin selbst mit gefahren.


    Die politischen Stäbe haben - diplomatisch formuliert - einen anderen Ruf.

    Da gab es z.B. einen Versorgungsstützpunkt an der Ahr, von dem die offiziellen Helfer abgezogen wurden.

    Der Stützpunkt blieb, neue Helfer kamen aber nicht...


    Mehrere tausend Bewohner dort werden jetzt im Winter frieren, die Gasleitungen sind zerfetzt.

  • Omg, das liest sich ja als würde die Logistik dort immer noch nicht so richtig anlaufen?

    Private Helfer sind ja wirklich toll, aber wo sind wir denn dass die scheinbar unabdingbar sind?

    Selber denken macht schlau

  • Private Helfer sind ja wirklich toll, aber wo sind wir denn dass die scheinbar unabdingbar sind?


    Das soll jetzt nicht despektierlich klingen: wenn die Hausbesitzer in den betroffenen Flusstälern keine Gebäudeversicherungen bzw. nur welche ohne Abdeckung von Überschwemmungsschäden haben, dann wird denen nicht geholfen, da müssen sie sich selbst drum kümmern. Und wenn sie kein Geld dazu haben, Handwerker und Baufirmen etc. zu engagieren, dann bleibt eben nur die Hilfe von Freiwilligen. Und die Vermittlung solcher freiwilliger Hilfsangebote ist zunächst nicht Sache des Staats. Bürger können sich selber organisieren (beim Widerstand gegen Windkraftanlagen oder Straßenbauprojekte klappt das ja auch hervorragend). Warum also nicht selbst organisierte Helferbörsen? Was ist daran so verwerflich?


    Der Staat betreibt in gewissem Rahmen die grundsätzliche Daseinsvorsorge (Strom/Wasser/Abwasser, Schulen/Kindergärten, Feuerwehr/Krankenhäuser).

    In einem Katastrophenfall hat der Staat die Aufgabe die ärgste Not zu lindern und in der Akutphase für Unterkunft, Verpflegung und medizinische Versorgung von "heimatlos" gewordenen Bürgern zu sorgen, sofern diese das selbst nicht lösen können. Das sind die klassischen Notunterkünfte in Turnhallen, Schulen etc. mit Rotkreuz-Essenszelt davor.


    Aber den Dreck aus den verschlammten Häusern zu kriegen oder die Elektroinstallation in Privathäusern wieder instandzusetzen ist Sache der Hauseigentümer. Die müssen sich darum kümmern und sie müssen es auch finanzieren.


    Deswegen sollte man ja eine entsprechende Gebäudeversicherung haben. Die kostet 600-800 Euro im Jahr bei einem typischen Einfamilienhaus inkl. Hochwasser- und Überschwemmungsschäden. Es ist für mich eines der großen Rätsel, warum z.B. im Ahrtal (angeblich) die meisten Hausbesitzer keine Versicherung gegen Elementarschäden abgeschlossen haben?


    Es ist zwar ein tolles Zeichen von Solidarität und Zusammenhalt in der Gesellschaft, dass jetzt tausende freiwillige Helfer den betroffenen Menschen dort unentgeltlich helfen, aber ein Stück weit ist es auch unverständlicher Leichtsinn, sich als Hausbesitzer - auch noch in einem Flußtal - keine Elementarschadensversicherung zu leisten (die gerade mal 1-2 Euro pro Tag kostet).


    Eigentum verpflichtet - das gilt gerade für Immobilienbesitzer. Ich kann nicht von der Gesellschaft erwarten, dass sie mir in jeder Notlage selbstlos hilft, nur weil ich zu bequem war, selbst Vorsorge zu betreiben.


    Grüsse

    Tom

  • Deswegen sollte man ja eine entsprechende Gebäudeversicherung haben. Die kostet 600-800 Euro im Jahr bei einem typischen Einfamilienhaus inkl. Hochwasser- und Überschwemmungsschäden. Es ist für mich eines der großen Rätsel, warum z.B. im Ahrtal (angeblich) die meisten Hausbesitzer keine Versicherung gegen Elementarschäden abgeschlossen haben?

    50,00 € bis knapp 70,00 € im Monat ist halt eine Stange Geld bei einer auf Kante gebügelten Finanzierung.


    Als wir ( meine Ex und ich) noch eine Doppelhaushäfte hatten, war der einzige Schaden durch Starkregen weggeschwemmter Außenputz an der Westseite, Stunden, nachdem die dödeligen Stuckateure das Gerüst abgebaut hatten, anstatt es mit einer Bauplane verkleidet 48 Stunden stehen zu lassen. Wäre genug Zeit für den Putz gewesen, auszuhärten. Problemloser Garaintiefall! Kosten für den Telefonanruf: 0,00 € Dank Flatrate.


    Von dem Hang mit 45° Neigung mit 5 Meter Höhe an der Nordseite ist in 16 Jahren zum Glück kein einziges Gramm gerutscht, Dank Bewachsung mit Bodendeckern. Bei dem 80° mit Pflanzkübeln abgestützten ebenso hohen Hang zum Nachbarn im Westen: Dito.Wir haben in Franken allerdings das Riesenglück, daß der Boden sehr oft aus Sandstein besteht, welcher per se schon erosionsbeständig ist.


    Gruß Peter

    An sich ist nichts gut oder böse. Erst das Denken der Menschen macht es dazu.

  • Ich werde voraussichtlich die kommende Woche ins Ahrtal fahren, um dort mit anzupacken. Falls Erfahrungswerte bestehen wäre es nett, wenn ihr diese hier veröffentlichen würdet (Ausrüstung, Klamotten, alles andere was Euch so einfällt). Ich hoffe privat unterzukommen und habe mich deshalb schon bei Ahrhelp angemeldet. Es fehlt noch das GO meines Bosses (weil ich ja eigentlich erst seit dieser Woche wieder aus der Schweiz zurück bin).


    Edit: Das Go vom Boss ist da. Jetzt muss es nur noch mit einer Unterkunft hinhauen! Von unserem Laden fährt schon seit einigen Wochen ein Bus im Pendelverkehr und bringt für "Flutopferhilfe aus`m Ländle!" immer wieder Hilfsgüter in die Ahrgegend.

    Gute strapazierfähige Kleider, Gummistiefel wen du Schlammschippen gehst und einen guten Kampfstiefel oder Wanderschuh wen du in die Auen gehst zum Müll rausziehen. Kopflampe ist ultra wichtig weil die erleichtert dir das Leben extrem. Viele alte Shirts zum wechseln und ein paar gute Arbeitshandschuhe.

    War 2 Wochen dort und mehr hab ich im gross nicht gebraucht.

    Sorry sah deinen Post erst jetzt.

    Wen du in Dernau bist meld dich bei Ben vom Helfer Camp, ist ein Kumpel von mir, da kannst du sicher auch mit Zelt unterkommen.

    Am besten richtest du dich auf Campen ein und dann findest du überall einen Platz.

    Gruss Darky

    a moment of darkness is the opportunity for light....

  • Staubschutzmasken für die Innenräume, ffp3 oder bessere

    War am WE in Dernau. Handwerker - auch Laien - sind willkommen.

    Die Polizei hat zwei riesige Wasserwerfer dort stehen.


    Falls du lieber in Ruhiglage abseits vom Chaos campen möchtest, dann bietet sich diese Position an: 50.5478224730426, 7.047857270017874

    Von hier geht feste Strasse bis zur Kirche in Dernau.

    Dort stehen auch drei Dixie WC, Platz für mehrere Camper/Wohnmobile ist vorhanden.


    Im Ort Kalenborn gibt es für Helfer auch feste Unterkünfte, könnte aber belegt sein.


    Ein sicherer Parkplatz befindet sich hier: 50°32'12.3"N 7°02'27.0"E, Anfahrt von oben. Die Anfahrt ist frei von Trümmern und ähnlichem. Der Parkplatz ist gegenüber vom Hintereingang des Atomschutzbunkers.

  • So eine Helferfahrt würde ich schon aus ganz egoistischen Gründen empfehlen.


    War jetzt vor ein paar Wochen bei einer Aufräumarbeit von sagen wir mal "freiwilligen Jedermannhelfern" dabei. War eine stark bewaldete Gegend, und es mussten unter anderem kleine Äste und Überreste von Schwachholz entfernt werden. Hab mich dann darüber geärgert, dass vom Organisator gesagt wurde: Kein Werkzeug selber mitbringen! Wir haben genug! Und dann gab es keine einzige Axt, von Motorsägen ganz zu schweigen.


    Als ich den anderen Helfern dann zugeschaut habe, habe ich verstanden, warum der Organisator keine gefährlichen Werkzeuge verteilt :-)


    Will damit sagen: Wenn ein Städter, der Schlechtwetterschuhe mit Halbschuhen gleichsetzt, mal ein Bisschen Erfahrung im Gelände sammeln will, ist so eine Aufräumaktion sicher sehr sehr sehr lehrreich und relativ ungefährlich. Da würde ich die gewonnene Erfahrung mindestens genau so hoch bewerten wie die geleistete Hilfe.



    Nick

    Quidquid agis prudenter agas et respice finem

  • Will damit sagen: Wenn ein Städter, der Schlechtwetterschuhe mit Halbschuhen gleichsetzt, mal ein Bisschen Erfahrung im Gelände sammeln will, ist so eine Aufräumaktion sicher sehr sehr sehr lehrreich und relativ ungefährlich. Da würde ich die gewonnene Erfahrung mindestens genau so hoch bewerten wie die geleistete Hilfe.

    Kann ich voll bestätigen !

    Freiwillige Helfer werden noch immer gesucht.


  • Ein sicherer Parkplatz befindet sich hier: 50°32'12.3"N 7°02'27.0"E, Anfahrt von oben. Die Anfahrt ist frei von Trümmern und ähnlichem. Der Parkplatz ist gegenüber vom Hintereingang des Atomschutzbunkers.

    … oder in what3words (da könntest Du sogar ein Zelt lokalisieren - 3 x 3m) - what3words.com


    ///schwarzes.schied.fehler


    What3words


    Transalp

    Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum!

  • Hab heute mit meinem Kollege gesprochen, der hier bei der Stützpunktwehr Kommandant ist. Vor einigen Tagen war große Sitzung mit der Stadt und den Hilfsorganisationen, in der die Ergebnisse einer in Auftrag gegebenen Niederschlags- und Überflutungs-Auswertung diskutiert und ein Maßnahmenkatalog erstellt wurde ... oder besser erstellt werden sollte. Bei der Sichtung der gefährdeten Gebiete war die erste und finale Reaktion seitens der Stadtverwaltung: "Oh, das sind ja gar keine öffentlichen Gebäude. Dann ist das nicht unser Problem".


    Ich hoffe, dass zumindest die Ergebnisse veröffentlicht werden, so dass die "Betroffenen" sich selbst damit auseinandersetzen können, sofern Sie dazu willens und in der Lage sind.


    Am Wochenende werde ich dafür wieder die Schmuddelklamotten anziehen und an anderer Stelle in Deutschland die Versäumnisse beim Hochwasserschutz beseitigen.

    - Wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage -

    Bertold Brecht

  • Ich hoffe, dass zumindest die Ergebnisse veröffentlicht werden, so dass die "Betroffenen" sich selbst damit auseinandersetzen können, sofern Sie dazu willens und in der Lage sind.

    Oder mal proaktiv die Eigner anschreiben, so nach dem Motto "Wir haben kürzlich Ihre Liegenschaft als potentiell in einem durch Hochwasser gefährdeten Bereich liegend identifiziert. Wir empfehlen geeignete Maßnahmen der Gefahrenabwehr zu ergreifen..."

    Das wäre schwammig genug, um nichts vorzuschreiben, aber deutlich genug um im Schadensfall sagen zu können, man hätte ja gewarnt... Eine reine Veröffentlichung im Anzeiger (mittlerweile teilweise nur noch online) oder per Aushang wird von den meisten eher nicht gelesen. Wobei... Ich bin kein Hausbesitzer, sondern nur Mieter. 🤷‍♂️

  • "Oh, das sind ja gar keine öffentlichen Gebäude. Dann ist das nicht unser Problem"

    Es gilt ja immer noch der Grundsatz "Eigentum verpflichtet" - der gilt auch für private Grund- und Immobilieneigentümer. Die Kommunen haben in der Regel keine üppigen Finanzen und leben häufig von der Hand in den Mund. Haupteinnahmequellen sind Gewerbe- und anteilig Einkommenssteuer der ansässigen Betriebe bzw. Bürger. Und der Verkauf von Grundstücken (was bei einer endlich großen Gemarkungsfläche eine sehr begrenzte Ressource ist). Wie und weshalb sollen Kommunen nun private Eigentümer von Grund und Boden vor Naturgefahren schützen?


    Da ist durchaus Eigenverantwortung gefragt.


    Die Kommunen werden Schutzmaßnahmen sicherlich planerisch unterstützen, aber wenn z.B. ein Land- oder Forstwirt Flächen oberhalb einer Wohnsiedlung besitzt, dann ist er der primär Verantwortliche, dafür zu sorgen, dass z.B. durch von seinem Grund abfließendes Regenwasser keine Schäden anderswo entstehen. Da wird es mit jedem weiteren Starkregen-Ereignis künftig sicherlich Diskussionsbedarf geben, aber es ist formal gesehen nicht automatisch ein Problem der Kommune (sofern ihr die Flächen nicht gehören, von denen eine Überflutungsgefahr ausgeht), sondern des jeweiligen Eigentümers.


    Auch im Ahrtal und den Nebentälern hat man in den vergangenen zwei Jahrhunderten Fließgewässer begradigt in den Ortschaften in Kanaäle gezwängt und Entwässerungsgräben/-kanäle z.B. in den Weinbergen auf dem kürzesten Weg von den Berghängen in Falllinie ins Tal gezogen. St. Florians-Prinzip. Die Weinbauern wollten das überschüssige Wasser möglichst elegant loswerden, ab ins Tal damit. Ging ja auch viele Jahrzehnte gut. Die letzte verheerende Flutwelle rauschte 1910 durch das Tal, bis 2021 hatte das kollektive Gedächtnis diese Gefahr längst wieder vergessen. Baulandgewinnung und ufernahe Bebauung waren wichtiger. Für große Regenrückhaltebereiche und Staustufen in den Zuflüssen der Ahr (die man unmittelbar nach 1910 geplant hatte!) war kein Geld mehr übrig, der Bau des Nürburgrings war prestigeträchtiger. Ging ja auch hundert Jahre gut.


    Jetzt renoviert, putzt und baut man die kaputten Häuser wieder 1:1 an Ort und Stelle neu auf, als wäre die Flut vor ein paar Wochen schon als einmaliges Ereignis abgehakt - passiert nie wieder. Was tun die Leute dort, wenn es nächstes Jahr wieder passiert?


    Grüsse

    Tom

  • Wie und weshalb sollen Kommunen nun private Eigentümer von Grund und Boden vor Naturgefahren schützen?

    Stimmt grundsätzlich schon. Allerdings glaube ich nicht, dass man da verwaltungsjuristisch so ganz raus kommt. Die Kommunen haben, wie der Staat insgesamt aber nochmal im besonderen Maß, auch Daseinsfürsorge und Gefahrenabwehr zu betreiben.


    Dass natürlich auch Eigeninitiative gefragt ist und das Wünschenswerte immer in Einklang mit dem Finanzierbaren gebracht werden muss, stimmt natürlich. Aber so ganz kann die Kommune meiner Meinung nach die Verantzwortung nicht von sich weisen.


    Es muss ja auch nicht immer direkt öffentliches Geld kosten. Als Kommune kann ich über das Bauplanungsrecht zumindest die weitere Bebauung in gefährdeten Bereichen verhindern oder auch Keller verbieten, versickerung vorschreiben oder andere Maßnahmen zur Schadensminimierung durchsetzen.

  • Als Kommune kann ich über das Bauplanungsrecht zumindest die weitere Bebauung in gefährdeten Bereichen verhindern oder auch Keller verbieten, versickerung vorschreiben oder andere Maßnahmen zur Schadensminimierung durchsetzen.

    In Hamburg gibt es gut ein Dutzend Neubaugebiete, die im Rahmen der Internationalen Bauaustellung Hamburg 2006 bis 2013 entwickelt wurden, die Projekte sich aber teilweise jetzt noch in der Umsetzung befinden. Ein Teil dieser Projekte ist ökologische Nachhaltigkeit.


    Diese wurde, mindestens in einem Projektgebiet, in der Form umgesetzt, dass alle Dachflächen in Versickerungsgruben, -gräben und -flächen entwässern MÜSSEN. Dachrinnen gibt es nicht, weil alles als begrünte Flachdächer konzipiert ist. Und soweit mir bekannt, sind die Einzel- und Reihenhäuser in diesen Neubaugebieten auch grundsätzlich nicht unterkellert. Unterkellerungen gibt es nur in begrenztem Maße dort, wo man dann doch in Mehrfamilienhäusern Tiefgaragen installiert hat.

    Das Verkehrsnetz in diesem Neubaugebiet in dem ein Arbeitskollege mit seiner Frau vor kurzem erst sein Häuschen gekauft hat, ist so aufgebaut, dass es kein Regenwasserkanalnetz im eigentlichen Sinne gibt, sondern das Regenwasser in Versickerungsgräben mündet, die ihrerseits zu Versickerungsflächen führen. In der Hauptprojektbeschreibung zu diesem Punkt steht, dass in diesen Siedlungsgebieten eine Flächenversiegelung vermieden werden soll und Maßnahmen zum Schutz vor und zum Umgang mit Starkregenereignissen getroffen werden.


    Also, bauplanungsrechtlich gibt es da durchaus Konzepte und Ideen, die umgesetzt werden und möglich sind. Manche Regularien muten mir allerdings schlimmer an als die von Kleingartenvereinen. Aber das ist eine andere Sache, die zumindest bei den Mülltonnen nur rein kosmetischer Natur sind.

    Das Problem mit solchen Konzeptsiedlungen ist, dass sie in der Regel nicht auf bestehende Siedlungen übertragen werden können. Es sei denn, man würde sie platt machen und von Grund auf neu hochziehen. Im Ahrtal hätte man wahrscheinlich jetzt hier und dort die Möglichkeit, aber man wird sie wahrscheinlich ungenutzt verstreichen lassen.