sind lokale und globale Lieferketten in Gefahr?

  • Weil's grad Thema ist: In Italien werden wahrscheinlich die Hafenarbeiter in Triest wg. der 3G-Regel streiken. Dadurch wird es eventuell zu Problemen in den Lieferketten nach Österreich kommen:

    Das betrifft auch die Ölversorgung +Derivate in Süddeutschland.

    Das gesamte Rohöl für Bayern kommt aus Triest (Transalpine Pipeline).


    Es gibt zwar entlang der Pipeline Speicher, aber mir ist nicht bekannt, welchen Anteil diese am Bedarf haben.

  • Das betrifft auch die Ölversorgung +Derivate in Süddeutschland.

    Das gesamte Rohöl für Bayern kommt aus Triest (Transalpine Pipeline).


    Es gibt zwar entlang der Pipeline Speicher, aber mir ist nicht bekannt, welchen Anteil diese am Bedarf haben.

    Ups, richtig. das haben wir ja schon vor Jahrzehnten in Geografie gelernt: alles Öl für das bayerische Chemiedreieck bei Burghausen sowie für die Raffinerien in Stinkölstadt, äh Ingolstadt, kommt über den Hafen von Triest.

  • Hätte ich auch gern. Heute früh lag der Preis hier bei Aral bei 1,569€. Alles super.

    Seit ca. 20 Jahren gehört ja die ARAL nicht mehr dem deutschen Steuerzahler (war mal eine bundeseigene Gesllschaft), sondern der britischen BP. Und im Preiswettbewerb liegen die oft an der Spitze.

  • Seit ca. 20 Jahren gehört ja die ARAL

    Fun Fact: damals beließ es BP in Deutschland bei der Marke ARAL, weil die in Deutschland die bekanntere Marke war und zugleich das bessere Image hatte.

    Daran hat sich bis heute nichts geändert. Aber das ist der Grund, warum zeitgleich auch die BP-Tankstellen in ARAL umgeflaggt wurden. Die Reduzierung der ARAL/BP-Tankstellen hatte im Wesentlichen kartellrechtliche Gründe.

    aus DE gesendet... 

  • Daran hat sich bis heute nichts geändert. Aber das ist der Grund, warum zeitgleich auch die BP-Tankstellen in ARAL umgeflaggt wurden.

    Das die ARAL Tankstellen stets die neuesten Zapfanlagen, Einrichtungen, usw. haben, hat noch einen ganz anderen Grund:

    Hier mal ein uralter Zeitungsartikel zum Thema: https://www.donaukurier.de/nac…apfsaeule;art1735,1290726

    Bei einer technisch auf dem allerneusten Stand stehenden Krafstoffpumpe, kann ich die Dank EU-Eichregelungen recht großzügigen Tolerenzen viel präziser einstellen, und auch einhalten, wie bei einer abgetakelten Uraltkiste, die ja die entsprechenden Eichgesetze auch mit einschließen müssen.

    Textauszug aus dem Link:

    ".....So setze sich der vzbv insbesondere dafür ein, dass es weiterhin verboten bleibt, die Toleranzmargen einseitig auszunützen – also Zapfsäulen systematisch so zu justieren, dass sie etwas weniger Sprit ausgegeben. "Im deutschen Eichgesetz ist dieses Verbot bisher noch verankert, aber nicht in der neuen EU-Richtlinie".

    Am Sprit den man nicht zu Liefern braucht, aber bezahlt kriegt, ist halt am meisten verdient. Bis etwa 1 % Fehlmenge ist zulässig. Also wer z.B. 100 Liter auf der Rechnung hat kriegt real nur 99.

  • Ich bedaure es vor einem Jahr nicht noch größere Spritvorräte angelegt zu haben. Diesel vor einem Jahr 0,962 Euro, aktuell 1,407 Euro.

    Aber wieviel willst du davon lagern und vor allem wo, damit sich das nachher rechnet.

    Machst du lediglich ein paar Kanister voll, hat man zwar ein paar Euro gespart, aber ob das irgendwie den Braten fett macht? Alleine der Aufwand - und man weiß ja nie wie sich die Preise entwickeln. Wären sie wegen Corona und brachliegender Wirtschaft noch tiefer gegangen, hättest du dich auch wieder geärgert.


    Und da müsste man schon wirklich große Mengen lagern, damit sich das aus meiner Sicht wirklich lohnt.

  • Und da müsste man schon wirklich große Mengen lagern, damit sich das aus meiner Sicht wirklich lohnt.

    Größere Mengen Diesel zu Lagern birgt die Gefahr der Veralgung, durch den 7%-igen Pflanzenölanteil. Auch der rein mineralische Diesel, z.B. in Tschechien erhältlich, veralgt, nur halt etwas später. Abhilfe: Premiumdiesel oder Grotamar (gibts für privat nimmer zu kaufen). Nachdem das aber hier in anderen Threads bereits ausführlich besprochen wurde, verzichte ich hier auf weitere Ausführungen zum Thema "Diesel lagern".

  • Ein weiterer Puzzlestein sind auch die Proteste gegen den Green-Pass. Gerade in Italien und auch in den USA stehen da die Zeichen auf Sturm, ein Wegbrechen der Kräfte in den Häfen kann man sich kaum leisten.


    Italien war es gerade in Triest so weit:


    https://edition.cnn.com/2021/1…-protests-intl/index.html


    In den USA haben wir auch schon Anfänge von Lieferkettenstörungen weil die Arbeiter quasi mit den Füssen abstimmen. Sollte sich das Ganze weiter hochschaukeln wird das zu einer weiteren Bremse in der Güter-Logistik-Branche die dann wiederum zu Verknappung und zu Inflation führt. Im Augenblick zum Glück noch Chicken-Game ohne klaren Ausgang aber mit dem Potential zur Bedrohung zu werden.

    Der Bote der Wahrheit braucht ein schnelles Pferd

  • Man kann die Sache auch positiv sehen: Dass die Leute, die die Arbeit tatsächlich machen, nicht bloss Produktionsfaktoren sind, die es gilt möglichst billig zu halten, sondern ... Menschen. Die ein Recht darauf haben, von ihrer Arbeit zu leben, und zwar anständig.

  • LKW fährt alleine 500 km, und wird am Ende wieder an einem Parkplatz von einem anderen Fahrer übernommen und bis zum Ziel gesteuert.

    Das gibts schon. Die Räder die dann rollen haben keine Reifen sondern Spurkränze.

  • Das gibts schon. Die Räder die dann rollen haben keine Reifen sondern Spurkränze.

    Du meinst die sogenannte rollende Landstraße? Hat halt paar schwerwiegende Nachteile: fährt nur auf wenigen Strecken und Ver- und Entladen kostet viel Zeit.

  • Ich habe den Faden jetzt sehr interessiert gelesen, aber mir fehlen ein Bisschen die Lösungsvorschläge.


    Mein Geburtsjahr war mitten in den Fetten Jahren lange nach dem Wiederaufbau... mit länger dauerndem Mangel kenne ich mich nicht aus. Aber ich glaube, der Schlüssel dazu, die vielleicht kommenden Verknappungen zu ertragen, werden Fähigkeiten sein, die mein Vater und mein Opa noch ganz natürlich hatten.


    1. Vegetarier, "Ich mag kein Spinat"? Spinner... der Mensch ist Allesfresser! Wenn Du Fett nicht magst, ich esse es gerne :-)

    2. Handwerker? Die Axt im Haus erspart den Zimmermann! Man muss halt damit umgehen lernen, und ggf. Verluste einplanen.

    3. Wegwerfen? Kann man sicher irgendwann noch brauchen!

    ....


    Die typischen Tugenden der Nachkriegsjahre. Leider gibts da niemanden mehr, der das noch erzählen kann...

    Aber vielleicht gibts hier Ex-DDR-ler? Wie war das damals, als man zur Geburt sein Auto bestellt hat, um es dann mit 25 Jahren zu bekommen?


    Was für Tugenden und Fähigkeiten haltet Ihr für wichtig?



    Nick


    P.S. das mit den Lasterfahrern kann ich unterschreiben. Mein Onkel lebt noch, ist seit einigen Jahren in Rente, und ist heilfroh, heute nicht mehr fahren zu müssen!

    Quidquid agis prudenter agas et respice finem

  • Zu LKW Fahrern Lebensmittel Versorgung vom den Zentrallagern zu den Märkten:

    Das wird noch relativ gut bezahlt da das, im Gegensatz zum Fernverkehr, nur von Leuten vor Ort erledigt werden kann.

    Ausnahme ist zB ein grosser Diskounter mit L , der lässt seine LKWs (hier in der Region keine Ahnung ob das Bundeweit so ist) über eine österreichische Subfirma laufen mit ganz miesen Konditionen.

  • Das produzierende Gewerbe war in den letzten Jahren sehr verwöhnt, was die schnelle Verfügbarkeit von Teilen oder Zutaten angeht. Alles war immer sofort in der gewünschten Menge verfügbar. Metallverarbeitende Betriebe haben ihre Lager weitgehend abgeschafft (Fläche ist teuer) und verließen sich auf die rechtzeitige Belieferung durch die Großhändler/Lieferanten. Der Post-/Wareneingang diente als Materiallager. Oder gleich vom Lastwagen die Palette mit den Rohlingen direkt an den Drehautomat. Aktiengesellschaften und Firmen im Mehrheitsbesitz von Finanzinvestoren saßen zudem die Eigentümer im Nacken, was jedes noch so kleine Restchen "totes Kapital" betraf. Unverkaufte Produkte oder nicht verbaute Komponenten waren ganz böse. Konsequenz: so gut wie keine Firma produziert mehr "fürs Lagerregal" sondern direkt für den Kunden. D.h. das Zeug kommt von der Produktionsanlage direkt in den Versand.

    Fällt hier nun ein Stöckchen in diesen eng verzahnten Ablauf ohne jeglichen Puffer, dann reißt die Herstell- und Lieferkette zwangsläufig.


    Es stellt sic nun die Frage, ob man zur "guten alten" Lagerhaltung und Fertigung auf Vorrat zurückkehren soll oder ob man die Produktion weiter dezentralisiert.


    Z.B. durch 3D-Druckverfahren. Obwohl es da schon erstaunliche Fortschritte gibt (Herstellung von hochbelastbaren Metallteilen aus Metallpulver) sind es überwiegend immernoch Verfahren, die einen, maximal zwei Stoffe in einem 3D-Produkt verarbeiten können. Hier dürfte die Entwicklung jetzt einen Schub bekommen, auch komplexe funktionale Teile bzw. Baugruppen "drucken" zu können. Z.B. einen Trafo für ein Schaltnetzteil, bestehend aus Isoliermaterial, Kupferwicklungen, Ferritmaterial und Befestigungsteilen. Und in einem weiteren Schritt druckt man gleich das ganze Schaltnetzteil inklusive der passiven elektronischen Bauteile. Oder man druckt einen Schuh mitsamt allen Bestandteilen: Profilsohle, Schuhkörper, Innensohle, textiler Oberschuh, Ösen usw.


    Idealerweise in einem Kreislaufprozess, d.h. man denkt sich auch Recycling-Automaten aus, die aus den komplexen 3D-Druck-Objekten wieder die Ausgangsstoffe zurückgewinnen.


    Bis es soweit ist (sofern uns vorher zivilisatorisch nicht die Lichter ausgehen), dürfte auch eine Rückkehr zur lokalen/regionalen Fertigung - wo es halt möglich ist - passieren. Champingons kann ich auch hier in anbauen, das muss ich nicht zwangsläufig in China machen lassen.


    Mal sehen - vielleicht löst sich das globale Lieferkettenproblem aber auch in den nächsten 1-2 Jahren wieder auf und dann denkt keiner mehr darüber nach, ob es sinnvoller wäre, lokal zu fertigen und Material und Waren in Lagern vorzuhalten.

    Einmal editiert, zuletzt von tomduly ()

  • Ich befürchte es auch, dass die Wirtschaft mehr Energie darauf verwenden wird, die Lieferketten abzusichern und wieder in Gang zu kriegen, als zu versuchen, ohne dieses komplexe Geflecht auszukommen...


    Nick

    Quidquid agis prudenter agas et respice finem

  • tomduly Du hast die niedrigeren Lohnkosten bei den Produktionen in Asien etc. nicht berücksichtigt. D und Ö sind Hochlohnländer, da werden die div. Konzerne sicher nicht freiwillig wieder in Europa produzieren, wenn die Herstellkosten steigen, die Produkte aber nicht viel teurer werden (können), weil die Leute die Sachen dann nicht (mehr) kaufen.

    Think positive, stay negative! :)