Telepolis: Stromversorgung massiv gefährdet

  • Inzwischen befinden wir uns in akuter Gefahr: Die seit Jahrzehnten versprochenen Langzeitstromspeicher gibt es nicht, unter anderem wegen den großen Wirkungsgradverlusten, also aus technisch-ökonomischen Gründen. Kurzzeitspeicher wie Batterien sind unterm Strich zur Lösung des Problems nicht geeignet. Sonne und Wind benötigen daher einen absolut zuverlässigen konventionellen Backup-Kraftwerkspark. Der aber geht uns nun mit dem Atom- und Kohleausstieg in den nächsten Monaten und Jahren verloren.

    ...

    Selbst der Bundesverband der Solarwirtschaft teilte unlängst mit, dass schon in den kommenden rund zwei Jahren eine Stromlücke von bis zu 30 Gigawatt Leistung droht, was rein rechnerisch der Leistung von mehr als 20 großen Atomkraftwerken oder rund 40 Kohlekraftwerksblöcken entspricht.

    I feel a disturbance in the force...

  • Habe ich auch gelesen.
    Ich bin mir allerdings nicht so ganz schlüssig, ob die Aussagen in diesem Artikel realitätsnah oder auf möglichst viele Clicks optimiert sind :/

  • Hm, für mich liest sich der Artikel wie wild zusammengegoogelt und zwischendurch ein paar Meinungssätze als Überleitungen eingestreut. Wirklich ernsthaft scheint da niemand mit Fachleuten gesprochen zu haben.

  • Ich habe beruflich ab und an mit einem der grossen Stromversoger der Schweiz tu tun. Ich spreche dann über Umwege auch immer mal wieder "prepperrelevante" Themen an. Gemäss seiner Aussage gehen sie und Swissgrid (zuständig für Netzsicherheit etc.) davon aus, dass es bis spätestens in 10 Jahren zu gewissen Strommangellagen kommen wird. Die "Knöpfe" um ganze Gebiete etc. zeitweise vom Netz zu nehmen, um in anderen Gebieten die Versorgung sicher zu stellen existieren gemäss seiner Aussage bereits. Mit was diese Mangellagen zusammenhängen habe ich nicht gefragt. Könnte aber durchaus mit der im Artikel beschriebenen Situation zusammenhängen.

    Für mich nur ein weiterer Grund, mein zukünftiges Eigenheim als optionale Inselanlage zu realisieren.

    Improvisation ist, wenn niemand die Vorbereitung bemerkt.

  • ... Die "Knöpfe" um ganze Gebiete etc. zeitweise vom Netz zu nehmen, um in anderen Gebieten die Versorgung sicher zu stellen existieren gemäss seiner Aussage bereits....

    Moin Moin


    jup :-) ganz normale Steuerungen des Netzes. Beim Wechsel 99/00 gabs auch schöne Berichte aus den Steuerungszentralen der Netze: Wenn die Netzfrequence unter/über 49.x/50.x fällt/steigt wird notfalls ganze Bereiche einfach abgeschaltet um das Große und Ganze Netz zu schützen. Das diese Abschaltung nicht funktioniert ist der "WortCase" Fall => dann fliegt uns im dümsten Fall das Europäische Netz Weg :-) Juhuu Steinzeit


    cu Riff

  • Was kann eigentlich jeder einzelne tun um das Netz stabil zu halten???


    Preppen um selber versorgt zu sein ist ja schön und gut, wenn der Blackout ausfällt sind aber alle zufrieden.

    2021 ist in Deutschland das Jahr des Fischotters - das wird mein Jahr.;)

  • Was kann eigentlich jeder einzelne tun um das Netz stabil zu halten???

    ***persönliche Meinung***

    Gute Frage! Mir fallen dort ein paar Punkte ein: Verhalte dich (kurfristig) wie immer. Also keine chaotischen Aktionen... die Betreiber wissen wie die Last tagsüber läuft... wen sich der Verbrauch durch z.B einen digitalen Flashmob so ändert das auf einmal alle um 3:33 nachts alle Personen maximal Saft ziehen hehehe. nachts ist das Netz für die Industrie da. Da verbrauchen die Bürger wenig.


    Mittelfristig

    -die Organisationen stärken die einen Umbau des Netzes von einer starken Sternform (ein Großkraftwerk und dort angeschlossen die großen Verbraucher) hin zu einem möglichst engen Netz wollen. (statt wenigen Einspeisepunkten nun viele Punkte) => dezentral ist cool da damit die Maschen die abgeschaltet werden müssen immer kleiner werden können im Fall einer Störung

    -keine Bürgerinitativen unterstützen die zwar Strom wollen aber keine Kabel vor der Haustür :-)

    -das E Auto/Bike nicht so laden, dass es gleich am Abend aufgeladen wird, obwohl es erst am nächsten Morgen um 0830 gebraucht wird. Die Lastspitzen dadurch würden uns im Moment erledigen

    -Eingriffe der Versorgen in die Haushalte erlauben => effektivere Steuerung


    Langfristig:

    -eine Gute/günstige Stromspeicherung erfinden

    - ein Globales Strom Netzwerk aufbauen => sowas was China jetzt schon baut

  • Die "Knöpfe" um ganze Gebiete etc. zeitweise vom Netz zu nehmen, um in anderen Gebieten die Versorgung sicher zu stellen existieren gemäss seiner Aussage bereits.

    Kann ich bestätigen, habe ich so auch gehört. Aber: Getestet sind diese nicht (logischerweise) und damit ist völlig unklar, was bei einem Abfall auf unter 49.8 oder 49.5 oder sogar unter 49.0 passiert. Man hat "Planungen" und "vermutet", dass sich das Stromnetz so verhält wie geplant, aber es ist so ein komplexes Konstrukt, dass man es letzten Endes schlichtweg nicht weiss.


    Ich beobachte manchmal (wenn mir langweilig ist) folgenden Ticker:

    aktuelle Netzfrequenz (47,5-52,5Hz) - Netzfrequenz.info


    sowie:

    Aktuelle Netzkennzahlen (swissgrid.ch)


    Es gibt (weiss leider die Adresse gerade nicht mehr) eine Webseite, auf der man sich automatisiert per Email benachrichtigen lassen kann, wenn eine gewisse Frequenz über / unterschritten wurde. Habe ich abonniert und gefällt mir sehr.

  • Habe ich auch gelesen.
    Ich bin mir allerdings nicht so ganz schlüssig, ob die Aussagen in diesem Artikel realitätsnah oder auf möglichst viele Clicks optimiert sind :/

    Hast du da begründeten Zweifel, oder ist das nur ein Gefühl.

    Falls Ersteres: Worauf begründet er sich?

    Arbeite, als wenn du ewig leben würdest. Liebe, als wenn du heute sterben müßtest.

  • Kann ich bestätigen, habe ich so auch gehört. Aber: Getestet sind diese nicht (logischerweise) und damit ist völlig unklar, was bei einem Abfall auf unter 49.8 oder 49.5 oder sogar unter 49.0 passiert. Man hat "Planungen" und "vermutet", dass sich das Stromnetz so verhält wie geplant, aber es ist so ein komplexes Konstrukt, dass man es letzten Endes schlichtweg nicht weiss.

    Naja... die Funktionen zum abschalten des Stromnetzes ist keine "Sonderfunktion" oder sowas mit einem großen Roten Knopf. Das ist einfach die Steuerungszentrale von einem der Netzbetreiber z.B. amperion. Die Namen kennt kaum einer weil die ihren Job gut machen. Dort steuern die den ganzen Tag und Nacht die Netze. Ein Stromnetz lebt den Tag und Nacht über und dort wird den ganzen Tage alles geschaltet und umgeleitet und abgeschaltet. Ich habe in einem Unternehmen der Stahlkochbranche gearbeitet :-) Geiles Gefühl wenn der Cheff den Stromversorger anruft: "wir sind mit unser OfenWartung 15 Minuten Früher fertig. .wir würden im 1045 zuschalten.. mit Voller Last.. okay".. wenn die einfach so den Startknopf gedrückt hätten hätte das wohl eine Störung gegeben :-) Darum: ein Stromnetz lebt und atmet den Tag über, die Last wechselt zwischen der Industrie und den Haushalten hin und her. Im Moment ziehen von meiner Firma 100 Laptops ihren Saft nicht mehr in der City von HH sonder in den Dörfern drum rum => Die Lastkurzen müssen jetzt auch schon anders ausehen durch die Pandemie.


    Die Jungs und Mädels im Background sind schon gut in ihren Job :-) sonst könnte ich diese Nachricht nicht tippen

  • Die Relais zum Frequenzlastabwurf sind in jedem Umspannwerk verbaut, und zwar eins je Großtrafo. Da muss im Ernstfall niemand eingreifen, um Last bei definierten Netzfrequenzen abzuschalten.


    Übrigens wurde der Bedarf an Elektroenergie meines Freistaates am gestrigen Tag nur zu 10% aus erneuerbaren Energien gedeckt. Wenn da künftig noch mehr Großkraftwerke abgeschaltet werden und vielleicht noch mehr Staaten diesen Wahnsinn mitmachen, dann wird es bei solchen Temperaturen dunkel...

  • Ich kann Riffmint nur beipflichten: Die Abschalt-Möglichkeit hat es schon immer gegeben. Früher halt manuell (dafür mit wesentlich mehr Personal), heute halt per Fernwartung aus der Warte heraus.

    Jedes noch so kleine EVU (Elektrizitätsversorgungsunternehmen) hat so was. Abschaltungen müssen immer wieder gemacht werden und gehören zum Normalbetrieb. Im Normalfall merkt der Kunde das nicht, weil man in der Regel zweiseitig angebunden ist ("Ringleitung").


    Im Falle einer Unterfrequenz werden dann die definierten bzw. notwendigen Lasten gezielt abgeschaltet. In wie weit das automatisiert ist, hängt vermutlich auch vom jeweiligen EVU ab.

    Arbeite, als wenn du ewig leben würdest. Liebe, als wenn du heute sterben müßtest.

  • Die Belieferung von Großverbrauchern erfolgt über andere Verträge als bei Privathaushalten. Eine bei Bedarf vorübergehend "abschaltbare Belieferung" ist dann günstiger, als eine, die ohne willkürliche Abschaltung erfolgen muss. Gießereien mit Elektroöfen sind Riesenverbraucher, halten aber eine kurzzeitige Abschaltung durchaus aus, da die Schmelze viele Stunden flüssig bleibt. Ein Großklinikum kann dagegen nicht mal eben für 2h vom Netz genommen werden, um das Netz zu entlasten. Auch wenn Krankenhäuser Notstromaggregate haben - ohne öffentliche Versorgung bricht da ziemliche Hektik aus, weil die Notversorgung nur absolut kritische Bereiche wie OP und Intensivstationen puffert, nicht aber normale Betten- und Funktionsbereiche.


    Am Ende ist es aber eine Entscheidung fürs Gesamtsystem: wenn ich durch regionalen Lastabwurf das Netz insgesamt weitgehend am Laufen halten kann, dann knipst man halt ein komplettes Teilnetz aus.


    Die meisten der momentan in den Medien erscheinenden Blackout-Artikel reflektieren nur eine ökonomische bzw. betriebswirtschaftliche Betrachtung: wenn wir X Kraftwerke (Kohle, Atom) vom Netz nehmen und durch "flatterhafte" Kleinerzeuger ersetzen, dann muss es rechnerisch ja Probleme ergeben, ergo droht uns mit jedem weiteren Umbau des Energiesystems in diese Richtung eine immer größere Gefahr eines Blackouts. Hiiiilfeee!


    Da ist oft wenig Ingenieurwissen und zuviel Wirtschaftswissenschaftler-"Wissen" dabei. Manchmal steckt auch eine Lobby dahinter, die alte Pfründe verteidigt, das geht dann durchaus Richtung "information warfare".


    Aus technischer Sicht ist ein System mit vielen (redundanten) Einspeisern zuverlässiger, als ein System mit ganz wenigen Großversorgern. Wenn nämlich so ein Gigawatt-Großkraftwerk wegen einer Störung vom Netz geht, muss ich auf einen Schlag sehr viel Energie von woanders her beschaffen. D.h. für ein 100% zuverlässiges Netz brauche ich eigentlich für jedes Großkraftwerk ein vergleichbar großes Reservekraftwerk.


    Stelle ich mir ein landesweites Stromnetz mit 10 Großkraftwerken vor, bei dem eines wegen einer Störung vom Netz geht, dann fehlen mir auf einen Schlag 10% der Einspeiseleistung.

    Habe ich dagegen ein Stromnetz mit 100.000 Kleinkraftwerken, dann bemerke ich den Ausfall oder die Nichteinspeisung einzelner Kraftwerke gar nicht. Bis 10% der Einspeiseleistung fehlen, dürfen 10.000 der Kleinkraftwerke ausfallen. Im Großkraftwerknetz darf nur eines ausfallen.


    Natürlich fallen bei Nacht in Europa 100% aller Solarkraftwerke aus. Aber schon bei Windkraft sieht es anders aus. Dass es europaweit komplett windstill ist, kommt in der Realität nicht vor. Das Windaufkommen verteilt sich übers Jahr regional unterschiedlich, speziell im Binnenland, wo Wind das Ergebnis vom Wechsel von Hoch- und Tiefdruckgebieten ist, während es an den Küsten und auf dem offenen Meer "irgendwo" immer Wind gibt, entweder am Atlantik, dem Mittelmeer oder in Nord- und Ostsee. Die dortigen Offshore-Windparks kommen mittlerweile auf 3.000-5.000 Vollaststunden im Jahr, ein Jahr hat 8760h, das sind respektable Werte, die WKAs laufen da praktisch Tag&Nacht ganzjäjhrig durch.


    Natürlich ist ein Blackout ein Szenario wie eine Pandemie und wird eines Tages auch eintreten, aber nicht wegen des Umbaus des Energienetzes, wie uns die Lobby der klassischen Energiekonzerne glauben machen will. Da ist auch viel Angstpropaganda dabei. Denn wie gezeigt, können Großkraftwerke bei ihrem Ausfall genausogut oder sogar noch eher einen netzweiten Ausfall hervorrufen.


    Ich würde aber aus Vorsorge-Sicht eher pragmatisch "von unten" vorgehen und mich an Fachleuten wie Herbert Saurugg orientieren, die hervorragende "Graswurzel-Arbeit" leisten, Städte und Gemeinden und Privathaushalte fit machen und sich nicht in wirtschaftspolitischen Scharmützeln verlieren.


    Grüsse

    Tom

  • Dass es europaweit komplett windstill ist, kommt in der Realität nicht vor. Das Windaufkommen verteilt sich übers Jahr regional unterschiedlich, speziell im Binnenland, wo Wind das Ergebnis vom Wechsel von Hoch- und Tiefdruckgebieten ist, während es an den Küsten und auf dem offenen Meer "irgendwo" immer Wind gibt, entweder am Atlantik, dem Mittelmeer oder in Nord- und Ostsee.

    Hab leider momentan nicht viel Zeit, daher eine kurze Antwort:

    Nein, das ist falsch.


    Klarerweise ist eine europaweite Dunkelflaute nichts, was (wie in Deutschland) jedes zweite Jahr auftritt.


    Allerdings gab es zB im Jänner 2017 schon so eine Situation, und sie wird immer wieder auftreten.


    Aber selbst wenn das niemals jemals auf kontinentaler Ebene vorkommen könnte: D kann ca. 18 GW importieren, weil nämlich nicht mehr Netzkapazität zur Verfügung steht.

    Und das Delta kann/wird bei Abschalten der Kohlekraftwerke bis zum doppelten betragen.


    Und selbst diese 18 GW sind ja nur eine technische Möglichkeit, keine gesicherte Leistungsreserve.

    Aktuell kann weder Schweden noch Frankreich noch Belgien noch Italien noch Österreich da wirklich aushelfen. Polen kann ich zu wenig einschätzen.

    Arbeite, als wenn du ewig leben würdest. Liebe, als wenn du heute sterben müßtest.

  • So, jetzt hab' ich Zeit für einen etwas ausführlicheren Post. Wenn ich von spezifischen Details (z.B. Netztarife) schreibe, dann üblicherweise für den österreichischen Markt. Weil ich da ca. 20 Jahre im Bereich der Stromversorgung von Industrie- und Bündel/Kettenkunden gearbeitet habe und mich da dementsprechend besser auskenne. Deutschland ist aber nicht unähnlich, aber eben wie gesagt nicht meine (ehemalige) Kernkompetenz.


    Was die Belieferung der Industrie mit Strom betrifft, so ist diese unterbrechbare Lieferung (neudeutsch: Demand Response bzw. negative Tertiärregelung) eher die Ausnahme als die Regel. Bei uns in OÖ sind das mWn weniger als ein Dutzend Industriebetriebe, und da auch nur für Teile der Anlagen. Aauch das Tarifschema ist anders als beim Haushaltskunden (NE 7): Während es dort beim Netztarif den entsprechenden Tarif gib, findet sich das bei den Industriekunden nicht. Ginge auch nicht: Die Zementmühle, der Schmelzofen oder sonstige abschaltbare Last hat ja keinen eigenen Zähler (im Gegensatz zur Nachtspeicherheizung udgl), sondern hängt irgendwo mitten im Werksnetz.

    Die Vergütung findet daher rein Energieseitig statt: Hier wird einerseits die zur Verfügung gestellte Leistung (Kapazitätsmarkt), andererseits die abgerufene Energie (Regelenergie) vergütet.


    Jein. Aber eher Nein als Ja.

    Das mit den vielen redundanten Einspeisern würde dann stimmen, wenn es keine überregionale "Synchronisation" der Anlagen gäbe. Bei Wind und PV gibt es die aber, bzw. kann es sie geben. PV wird - no na - durch den Sonnenzyklus synchronisiert. Nachts gibt's gar keinen Strom, tagsüber mal mehr, mal weniger. Wenn Schnee liegt, gibt's ebenfalls weniger bis keinen Strom (v.a. wenn Module falsch herum montiert werden - liegend statt stehend - was manchmal aus Platzgründen gemacht wird. Denn dann reicht eine minimale Verdeckung von weinigen % des Moduls, und das ganze Modul bzw. der ganze Strang fällt aus.).

    Windkraftanlage werden über Großwetterlagen synchronisiert. Zwar ist es korrekt, dass man am Meer mehr und konstanteren Wind hat. Eine gesamteuropäische Flaute kann (und hat auch schon ) jedoch auch hier die Stromproduktion komplett einbrechen lassen.


    Auch ist ein Netz mit weniger Akteuren auch weniger komplex. Und die Großanlagen stehen ja zumeist unter direkter Kontrolle eben jener, die das Netz stabilisieren müssen: Der EVUs.

    Für alle Großanlagen gibt es geplante Nichtverfügbarkeiten (Revisionen, ...), die bereits Monate im Vorhinein gemeldet werden und akkordiert sind. Der Ausfall einer Großanlage liegt im Worst Case-Fall im niedrigen einstelligen GW-Bereich. Wenn jedoch die Windkraft spontan ausfällt (es gibt - selten aber doch - schwer prognostizierbare Wetterlagen, auch und gerade vor der Küste), dann fehlen plötzlich 30, 40 GW an Leistung! Noch schlimmer ist es, wenn die Leistung ständig pendelt, weil der Wind unkonstant weht. Und je mehr Windkraft ausgebaut wird, desto schwieriger wird es, das überhaupt noch kompensieren zu können.


    Weiters fehlen beim Abschalten von Kohle und Atomkraft auch die rotierenden Massen, welche an sich schon eine stabilisierende Wirkung auf das Netz haben. Deren Generatoren sind nämlich über ein starres Verhältnis mit der Netzfrequenz gekoppelt (Synchrongenerator): Sinkt die Netzfrequenz ab, wird automatisch mehr Energie abgegeben. Steigt die Frequenz, sinkt die Energieabgabe (bzw. könnte sich ggf. sogar den Generator zum Motor machen, was aber durch Abschaltvorrichtungen verhindert wird).

    Windkraft und PV-Anlagen sind hingegen über eine Elektronik (Wechselrichter) mit dem Netz verbunden. Zwar kann man diverse Mechanismen zur Frequenzstabilisierung auch in Software implementieren, allerdings wird das mWn noch viel zu selten verbindlich vorgeschrieben. Zumindest PV-seitig ist das bei uns in Ö derzeit ein untergeordnetes Thema. So gibt es gerade mal einen einzigen Netzbetreiber, der bei größeren Anlagen (> 100 kWp) eine Antiparallelschaltung vorschreibt...


    Gerade beim Thema Stromversorgung hilft ein Blick auf die Statistik nur sehr bedingt weiter: Die Erzeugung muss in jeder Sekunde dem Verbrauch entsprechen. Anders als z.B. im Gasnetz und anders als auch manche Grünen-Politikerin behauptet, kann das Stromnetz keine Energie speichern. Nicht mal für eine Sekunde, geschweige denn für Stunden. Und ob jetzt ein nur bedingt (maximal nach unten) regelbares Windkraftwerk mit 5.000 JBS (Jahresbenutzungsstunden) besser ist als ein voll regelbares Gaskraftwerk (welches bei Bedarf sowohl herunter als auch hoch gefahren werden kann) mit bis zu 6.500 JBS mag jeder für sich entscheiden.


    Mich persönlich nervt auch diese Naivität, mit der viele Politiker immer auf den europäischen Stromverbund verweisen: Wer bitte soll denn bei einer europaweiten kalten Dunkelflaute Deutschland mit Strom beliefern? Höchstens noch Osteuropa, wo man halt die alten Stinker weiterlaufen lässt. Ob deren Kapazitäten (und die vom Leitungsnetz dazwischen) dann ausreichen?!? Will Deutschland sich darauf verlassen?


    Was, wenn auch Italien und Frankreich zeitgleich frieren und die Lokalbevölkerung die E-Heizung einschaltet?

    Dann sind wir mitten in einer europaweiten Strom-Mangelwirtschaft. Und in dieser Situation will Deutschland (das - daran werden sich noch viele sehr lange erinnern - vor knapp einem Jahr gleich mal wochenlang den Export von medizinischer Schutzausrüstung blockiert hat) auf internationale Solidarität hoffen? Ist das der Plan?

    Arbeite, als wenn du ewig leben würdest. Liebe, als wenn du heute sterben müßtest.

  • Weiters fehlen beim Abschalten von Kohle und Atomkraft auch die rotierenden Massen, welche an sich schon eine stabilisierende Wirkung auf das Netz haben.

    Das ist richtig, diese tonnenschweren Rotoren wirken auch als Energiespeicher, die stabilisierende Wirkung durch ihre Massenträgheit hält bei einem Lastanstieg die Drehzahl und damit die abgegebene Leistung vorübergehend konstant, würden die Rotoren "nichts" wiegen, würde sich jede Laständerung direkt auf die Drehzahl auswirken und damit die Leistungsabgabe stark schwanken lassen, weil die Regelung für z.B.mehr oder weniger Dampf durch die Turbine um Größenordnungen langsamer ist. Leichtgewichtige Rotoren kennt jeder, der ein Stromaggregat ohne Inverter-Regelung hat: jede Laständerung sorgt zunächst für starke Schwankungen der Spannung und Frequenz.


    Vermutlich wird man künftig die Aufgabe der Stabilisierung vom Erzeuger zu den Verbrauchern verlagern müssen und die Heilige Kuh "Frequenz- und Spannungsstabilität . Zu DDR-Zeiten war der Betrieb eines (Farb-)Fernsehers vielerorts nur mit einem zwischen TV-Gerät und Steckdose geschalteten magnetischen Spannungskonstanter oder einem manuell verstellbaren Regeltrafo möglich.


    Das Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS) hat als USV einen Schwungradspeicher mit einem mehrere Tonnen schweren Rotor, der permanent von einem Elektromotor, der am HLRS-Netz hängt, auf Drehzahl gehalten wird. Bei einem Stromausfall fällt das Hausnetz in den Inselbetrieb und der E-Motor des Schwungrads wird nun durch dessen Bewegungsenergie angetrieben und erzeugt bis zu 4MW Leistung für ca. 10 Minuten. Damit können die Rechnercluster kontrolliert heruntergefahren werden.


    Es gibt in der Energienetzforschung den Ansatz, die Verteilnetze quasi auf "paketorientierte" Strombelieferung umzustellen und von der bisherigen linearen zentral gesteuerten Dauerversorgung wegzukommen. Strom kommt dann "schubweise" und in "Rohqualität" zu den Verbrauchern, wird dort zwischengespeichert und auch erst dort "veredelt".

  • Es gibt in der Energienetzforschung den Ansatz, die Verteilnetze quasi auf "paketorientierte" Strombelieferung umzustellen und von der bisherigen linearen zentral gesteuerten Dauerversorgung wegzukommen. Strom kommt dann "schubweise" und in "Rohqualität" zu den Verbrauchern, wird dort zwischengespeichert und auch erst dort "veredelt".

    Wen ich das richtig verstehe bedeutet dies folgendes:


    Der Strom kommt wie er ist und wird Frequenz unabhängig ins Netz gespiessen.


    Jeder Strombezüger ist demzufolge selber verantwortlich, das er genügend Strom, in ausreichender Menge und der richtigen Frequenz hat.

    Die richtige Technik natürlich vorausgesetzt, ohne dies ja nicht geht.

    Ob das funktioniert weiss ich nicht, was ich aber weiss, das der Strom so sicher nicht Billiger wird.



    Bis jetzt kommt der Strom im Normalfall:


    Jederzeit

    Dauerhaft

    ausreichender Menge

    Qualität



    Stellt euch mal euren Wasserversorger vor, wenn er dasselbe macht.


    Er liefert Wasser wenn er will , der Druck ist mal hoch oder tief, die Menge reicht zum eine Badewanne zu füllen oder auch nicht, mal ist es Trinkbar oder halt in schlechter Qualität.


    Jeder Wasserbezüger muss die Technik selber stellen um:


    Trinkwasser dauerhaft, in ausreichender Menge und einwandfreier Qualität sowie mit genügend Druck zur Verfügung zu stellen.



    Von diesem Luxus will man weg :/


    kann ich nicht verstehen, aber sind auch nur meine Gedanken.

    „Im Krieg ist die Wahrheit das erste Opfer“

  • Strom kommt dann "schubweise" und in "Rohqualität" zu den Verbrauchern, wird dort zwischengespeichert und auch erst dort "veredelt".

    Da würden sich ja die immer mehr werdenen Elektrofahrzeuge nahezu aufdrängen. Rechnet man mal 1-2 tgl die ein Fahrzeug effektiv fährt...

    Habe ich für die restlichen 22h des Tages einen prima Energiespeicher im Bereich 100 - 400 KW/h zur Verfügung. Über die Fläche gesehen komt da schon eine recht große Menge an Gesamtspeicherleistung zusammen.

  • Bitte um Präzisierung: Was ist mit "100 - 400 kW/h" gemeint?

    Leistung (kW), oder Arbeit (kWh)?

    Arbeite, als wenn du ewig leben würdest. Liebe, als wenn du heute sterben müßtest.