Die Nachwirkungen & Lehren aus der Hochwasserkatastrophe

  • Vielleicht nochmal eine andere Ebene als vom Baggerfahrer: Hier hat ein BOS-Funktionär versucht, erste Erkenntnisse für die Stabsarbeit zu sammeln (leider nur auf Facebook): https://www.facebook.com/micha….3/posts/4338088276212565


    Ich kenne mich auf dem Gebiet wenig aus, aber vieles davon erscheint mir sehr nachvollziehbar.

    Habe den FB-Beitrag mal mit nem Hinweis auf den Notfunk "gewürzt". Dürfte leicht zu finden sein, denn mein FuKW ist da zu sehen...

  • Spätestens seit dem Oderhochwasser sollte jeder in Deutschland sich versicherungstechnisch der Elementarschäden bewusst sein. Und das war 2002.


    Wenn ich das größte Invest meines Lebens (Immobilie) oder den eigenen Hausstand (hohes Invest) versichere kann auch die Gemeinschaft verlangen das ich mich mal ein paar Stunden durch die Unterlagen wühle und mich nicht nur auf den verkaufsgeilen Keiler der Versicherung verlasse.

    Es gibt Gebiete da kannst du sowas wie eine, Ich nenn es mal Hochwasserversicherung, einfach vergessen. Die Hochwasser kommen zwar nicht mehr so oft, aber dafür immer heftiger. Wenn da nur nen kleiner Bach in der Nähe ist, steigt die Prämie ins unendliche oder die Versicherung bietet das gar nicht erst an.

    Das ist wie wenn du chronisch Krank bist und eine private Krankenkasse willst. Die lehnen ab oder die Prämie ist sehr hoch.


    Ich hab oft das Gefühl, dass die meisten vergessen, das eine Versicherung auch nur ein Unternehmen ist das möglichst hohe Gewinne erzielen will.

  • Dann sollte dort auch nicht gebaut werden.

    Da sind dann aber auch die Gemeinden in der Pflicht, verantwortungsbewusst neues Bauland in ihren Bebauungsplänen auszuweisen.

    Wenn das dann bedeutet, dass man in bestimmten Gebieten nicht (mehr) bauen kann, dann wird man für die wachsende Bevölkerung anderweitig Wohnraum beschaffen müssen. Oder auch mal akzeptieren müssen, dass "Wachstum, Wachstum über alles" eben nicht mehr die zeitgemäße Devise sein kann.

  • Da sind dann aber auch die Gemeinden in der Pflicht, verantwortungsbewusst neues Bauland in ihren Bebauungsplänen auszuweisen.

    Je mehr Bauland die Bodenfläche versiegelt, desto schlechter kann Wasser versickern, desto eher entstehen Überschwemmungen.

    Wegen Klimawandel sollten auch die Wohngebiete unter Staumauern und hinter Deichen neu bewertet werden.

  • Je mehr Bauland die Bodenfläche versiegelt, desto schlechter kann Wasser versickern, desto eher entstehen Überschwemmungen.

    Richtig. Deswegen finde ich es gut und richtig, wenn Hamburg zum Beispiel in Neubaugebieten Versickerungsflächen vorschreibt, damit Regenwasser nicht einfach nur oberflächlich oder über die Siele abfließt.

    Oder das Garagenzuwegungen und Parkplätze zum Beispiel mit deutlich höheren Abwassergebühren versehen werden, wenn sie versiegelt werden statt für Wasser durchlässig gestaltet werden.


    Was die Deiche angeht: da ist aber unter Umständen auch länderübergreifende Absprache über die Höhe der Deiche zum Beispiel notwendig.

    Es kann ja nicht sein, dass die eine Seite sich bei Hochwasser entspannt zurücklehnen kann, weil das Wasser eher auf der anderen Seite rüberläuft, weil die Deiche dort 10 Zentimeter niedriger sind... Hat meine Frau beim letzten Elbehochwasser erlebt... Ihre Eltern konnten sich entspannt zurücklehnen, weil erst auf der anderen Seite das Wasser übergelaufen wäre als auf deren Seite. Und das völlig ohne Deichbruch. 🤷‍♂️

  • Die von Baerti angestossenen Diskussion bez. Des Versicherungsschutzes ist schon ziemlich relevant, wie ich finde.


    Des halb habe wir eben auch mal nachgeschaut und mit der Versicherung Rücksprache gehalten.

    Der Teufel liegt, wie so oft, im Detail.


    Lage unseres Hauses:

    400m östlich des Hauptdeiches und ca. 1000m vom Sommerdeich entfernt in der Flußniederung der Weser zwischen Bremen und Bremerhaven.

    Ca. 100m vom Haus entfernt gibt es den Fleeth, der mit eine Breite vo. Ca 8-10m bei uns in Richtung Pumpwerk die Niederungen entwässert.


    Wir haben seinerzeit alles mögliche mitversichert:


    IMG_20210722_112000.jpg

    Als viertletzes ist u. a. die Überschwemmung durch witterungsniederschläge einbezogen.

    Das hätte aber z. B. in NRW nicht gezogen da hier je nach Versicherung differenziert wird.

    In unserer Region unterscheidet man Überschwemmungen nach folgenden absteigenden Kategorien:

    - Überschwemmung durch Versagen/, Überschreitung des Deiches/Damms (Sturmflut)

    -... Durch fließende Gewässer (Flüße, Bäche etc.)

    -... durch stehende Gewässer (Abzugsgräben, Seen etc.)

    -... Überschwemmung durch Witterungsniederschläge.

    Hier hätte der Schutz dann für uns nicht gezogen, weil das primäre Schadensereignis das Übertreten des Flusses gewesen wäre. :/


    Wir lassen das jetzt mal für die obere Kategorie rechnen (jetzt erst mal nur auf das Gebäude nicht auf Hausrat, das ist extra)


    Gruß


    Tid

  • Ich habe mal alles an off topic aus Jack's Thema abgetrennt.


    Zum Thema Hochwasserereignis und die Lehren daraus

    In der kleinen Ortschaft Ahrbrück in Rheinland-Pfalz tummeln sich seit der Flutkatastrophe die Helfer, doch wo und wie sie anpacken sollen, wissen sie oft nicht

  • Ben

    Hat den Titel des Themas von „Die Lehren aus der Hochwasserkatastrophe“ zu „Die Nachwirkungen & Lehren aus der Hochwasserkatastrophe“ geändert.
  • Ist wirklich ausreichend für alle vorhanden und erreicht die Leute auch oder ist nur das Lager am Nürburgring voll?

    Sowohl In der Welt-TV- sowie der Bild-Stream-Berichterstattung wurde auch der Nürburgring behandelt. Stimmen die Aufnahmen, haben die bereits am vergangenen Donnerstag und Freitag soviele Sachspenden erhalten, dass diese mittlerweile 3 Hallen dort füllen, daher gilt aktuell (noch?) ein Annahmestopp.

    Der Betreiber sagte im Interview, dass sich mit den Spenden aber auch an die 500 freiwilligen Helfer eingefunden haben, die die Spendengüter zunächst sortiert und dann diverse Startersets "Hygiene", "Bekleidung nach Größe" etc. zusammengestellt und vorgepackt haben. Diese Hilfsgüter wurden dann in die betroffenen Gemeinden verteilt, auf dem Landweg unerreichbare Ortschaften wurden und werden via Heli von der Bundeswehr angeflogen und beliefert.


    Daneben haben sich zahlreiche private Helfergruppen über Fratzenbuch und WA organisiert, die auch rege am Spendengüter sammeln, sortieren und verteilen sind.


    Dann sollte dort auch nicht gebaut werden.

    Soweit ich das der Berichterstattung entnommen habe, waren da Dörfer/Häuser im Ahr- und Erftbereich betroffen, die 300 Jahre und älter waren, bei so altem Bestand wirds halt einfach echt schwierig.


    Interviewte Bewohner schilderten zudem, dass es zwar schon immer wieder mal Hochwasser gegeben hätte, aber mit viel geringerem Ausmaß. Die Ahr hatte einen Wasserstandsmesser, der bei überschreiten von 6 m Pegelstand dann seinen Dienst eingestellt hat - normal hats da 0,5 m Wasserstand, und beim letzten Hochwasser warens 3 Meter...

    Si vis pacem, para bellum.

    2 Mal editiert, zuletzt von Lunatiks () aus folgendem Grund: Weiteres Zitat eingefügt

  • @TID:


    frag bei deinem Keiler mal nach folgenden Punkten:


    1. Dekontamination nur nach Feuer laut Text. Hast du eine Ölheizung oder lagert ihr Chemikalien (im weitesten Sinne), was ist dann mit Kontamination nach Überschwemmung?


    2. Was wird als Nebengebäude definiert? Scheunenanteil? 10K können wenig sein je nachdem was ihr an Nebengelassen habt z.B. Pferdestall etc.


    3. Transport- und Lagerkosten sind inkludiert, was ist mit Unterbringung bei Nicht-Nutzbarkeit der Immo (Fewo oder Hotel) für euch


    4. Abgrenzung Sengschäden klären (geringer Betrag) wenn diese ursächlich für Grossschaden sind


    5. Wenn Bruchschaden Armatur Folgeschäden beinhaltet abklären das die über die allg. Regelung Wasseraustritt inkludiert sind, nicht das zwar die gebrochene Armatur ersetzt wird aber die beim Folgeschaden zicken

    Der Bote der Wahrheit braucht ein schnelles Pferd

  • ….und noch eine Sache. Du kannst versicherungstechnisch den Spieß umdrehen wenn du eine Allgefahr3n-Police hast (All Risk).


    Wird die versicherte Sache beschädigt, zerstört oder kommt sie abhanden fällt das unter den Versicherungsschutz einer Allgefahrenversicherung. Im Einzelnen gehören neben den üblichen Risiken wie Feuer, Leitungswasser, Sturm, Blitz und Diebstahl unter anderem auch Bedienungsfehler, Fahrlässigkeit, Böswilligkeit, Hochwasser und Erdbeben zu den versicherten Gefahren. 


    Die Aufzählungen in den Versicherungsbedingungen sind oft nicht abschließend. 


    Wichtig ist immer, was dort ausgeschlossen wird. Der Rest ist versichert.


    Damit hat man einen klareren Überblick was NICHT versichert ist, der Rest ist halt automatisch inkludiert. Und auch der Rest lässt sich gegen Prämie wegverhandeln wenn du eine wirkliche All-In-Lösung haben willst.

    Der Bote der Wahrheit braucht ein schnelles Pferd

  • Es gibt Gebiete da kannst du sowas wie eine, Ich nenn es mal Hochwasserversicherung, einfach vergessen. Die Hochwasser kommen zwar nicht mehr so oft, aber dafür immer heftiger. Wenn da nur nen kleiner Bach in der Nähe ist, steigt die Prämie ins unendliche oder die Versicherung bietet das gar nicht erst an.

    Es gibt so gut wie keine Gebiete die "nicht versicherbar" sind. Ja mit dem Risiko steigt die Prämie. Aber warum soll die "Solidargemeinschaft" hier das Prämiensparen des Einzelnen tragen? Entweder man kann sich die Prämie leisten oder man muss


    a) mit dem Risiko leben und dann den Schaden selber zahlen wenn es einen erwischt oder


    b) verkaufen an jemanden der die Prämie zahlen kann und will und sich eine Immo mit geringerem Risiko suchen


    Es ist nicht Aufgabe des Steuerzahlers den Leuten in Risikogebieten die Versicherungsprämien niedrig zu halten. Das ist normales Lebens- und Finanzrisiko was jeder selber zu Beurteilen hat und entsprechende reagieren muss.

    Der Bote der Wahrheit braucht ein schnelles Pferd

  • Es gibt ein sehr interessantes Interview vom 19.7.2021 mit dem Biologen Wolfgang Büchs über die Ursachen der Überschwemmungen im Ahrtal - er sagt, dass es bereits drei ähnliche Überschwemmungen gab: am 30. Mai 1601, am 21. Juli 1804 und am 12./13. Juni 1910. Nach dem Hochwasser von 1910 wurden im Ahrtal und in den zufließenden Seitentälern gewaltige Regenrückhaltebecken mit insgesamt 11,5 Mio. Kubikmetern geplant. Es blieb allerdings bei der Planung, weil wohl nach dem 1927 fertiggestellten Bau des Nürburgrings kein Geld mehr für Hochwasserschutz da war.


    Dazu kamen die Änderungen in der Land- und Forstwirtschaft (Buchen-Eichenwälder durch Fichtenwälder ersetzt, Maisanbau für Stallfütterung statt Grünlandwirtschaft mit Weidehaltung, Weinberge, die in Hanglinie bewirtschaftet werden und mit quasi senkrechten Entwässerungsrinnen direkt ins Tal entwässern, Flurbereinigung zur Schaffung großer einheitlicher Ackerflächen usw.), die das Rückhaltevermögen des Bodens insgesamtn negativ beeinflusst haben.


    Dazu noch ein Interview im ZDF vom 21.7.2021 mit Lothar Schott vom Geographischen Institut der Universität Bonn, wo er als Professor für Physische Geographie mit einem Schwerpunkt auf Naturgefahren tätig ist. Er stellt den Wiederaufbau an einigen Stellen im Ahrtal in Frage. Das sei nicht zu verantworten.


    Das sehe ich auch so, siehe meine Musterrechnung für eine Umsiedelung des Ortes Altenburg.


    Grüsse

    Tom

  • Da trägt Deutschland selbst ja einen großen Anteil selbst.


    Das fängt bei unnötige Flugreisen an und hört beim Suv noch lange nicht auf.


    Wie handhaben die Gebäudeversicherungen es mit dem wiederaufbau an anderer stelle?

    Kann mich da an Formulierungen in der Gebäudeversicherung erinnern, wo es daa Gekd nur für Wiederaufbau an der selben Stelle gibt

  • Kann mich da an Formulierungen in der Gebäudeversicherung erinnern, wo es daa Gekd nur für Wiederaufbau an der selben Stelle gibt

    Würde ich den Versicherungen zutrauen, dass sie solche Klauseln inkludieren, wäre aber total irrwitzig.

  • Würde ich den Versicherungen zutrauen, dass sie solche Klauseln inkludieren, wäre aber total irrwitzig.

    Naja, ist schon irgendwo nachvollziehbar. Wenn ich jetzt 500k Versicherung ausbezahlt bekomme für den Wiederaufbau für mein kleines 80m² Häuschen in bester Lage, stell ich mir anderswo ne 300m² Villa hin, um den Betrag.

  • Wir haben heute das Angebot zur Erweiterung unserer Wohngebäudeversicherung erhalten. Bisher hatten wir das "Spezial" - Paket.


    IMG_20210724_123240.jpg


    Nun habe wir zwar Elementarschäden durch ausufernde Binnengewässer drin, Sturmflut ist allerdings ausgeschlossen :(

    Da wir 400m hinterm Deich wohnen wäre das eigentlich die relevante Gefahr.

    Deswegen haben wir das damals auch nicht abgeschlossen.

    Die Elementarschadensversicherung ist nicht gerade billig.

    Derzeit bezahlen wir ca. 3500€ pro Jahr, mit Elementarschäden wären es knapp 4100€.

    Daher schließen wir das nicht ab.

    Für die Hausratversicherung verhält es sich dann ähnlich.


    Tid