Die Nachwirkungen & Lehren aus der Hochwasserkatastrophe

  • Wenn das in München und Hamburg passiert wäre ???

    Dann sind zum Glück gleich viel mehr potenzielle freiwillige Helfer anwesend. Ist doch prima.


    • Man verzeihe mir, dass ich etwas salty bin, aber natürlich können die staatlichen Strukturen bei keiner Großschadenslage sofort alles wieder auf Normalfunktion bringen - selbst wenn alles optimal läuft, was es im aktuellen Fall sicher nicht getan hat. Das ganze System kann immer nur im Zusammenspiel mit freiwilligen Laienhelfern zusätzlich zu den Hauptamtlichen und den freiwilligen Profis (Feuerwehr, THW, etc.) funktionieren. Natürlich ist das Engagement von Landwirten, Bauunternehmen und allen anderen jedes Lob wert, nur ist das exakt das, was in Katastrophenfällen zu erwarten ist - sozusagen die Normalität im Ausnahmezustand. (Nebenher bemerkt: Die örtlichen Ordnungsbehörden könnten auch gesetzeskonform Material beschlagnahmen und Menschen dienstverpflichten, was aufgrund der vielen Helfer glücklicherweise nicht nötig ist.)


    Dass jeder sich selbst hilft und im Idealfall auch noch seinen Nachbarn, ist aus meiner Sicht ein wesentliches Kernelement der Preparedness.

    Einmal editiert, zuletzt von Asdrubal () aus folgendem Grund: Komma

  • Genau so ist es, ein Streifen von 40 km Länge, Breite 2 km.

    Keine Metropolen, nur kleinere Ortschaften.


    Wenn das in München und Hamburg passiert wäre ???


    Eben. Sowohl nach München als auch nach Hamburg kommt man von allen Seiten auf unzähligen Zufahrtswegen hin/rein. Die Dörfer im Ahrtal sind/waren aber wie die Perlen auf der Schnur an einer einzigen Straße.

    Die Schotterwege über und durch die Weinberge zähle ich nicht, die können nicht mal ansatzweise mit allem dort notwendigerweise eingesetzten schwerem Gerät befahren werden. Zudem dauert(e) der Weg durch die Weinberge teilweise 2 Stunden, wohingegen auf der (weggespülten) Bundesstraße vielleicht 20 Minuten dafür benötigt worden wären - nicht umsonst gab es Dörfer, die zunächst nur aus der Luft versorgt werden konnten bis die Straße soweit wieder behelfsmäßig gebaut wurde.


    Mann, du warst doch selber dort, was antworte ich dir da überhaupt noch drauf - wieso ist dir, wo du dir doch schließlich "selbst ein Bild Vorort" gemacht und hier noch zu weiterem Katastrophentourismus aufgerufen hast, das alles nicht klar? :person_facepalming:

    Si vis pacem, para bellum.

  • Genau so ist es, ein Streifen von 40 km Länge, Breite 2 km.

    Bei einer Metropole wie Hamburg wäre das gleichbedeutend mit einer Flut, die von Geesthacht bis Cuxhaven das komplette Urstromtal der Elbe fluten würde.


    Die die Geesthänge der Nord- und Südufer bis zu 50 Meter Höhe haben, wäre alles auf der Geest safe. Aber im Urstromtal leben heute zehntausende, wenn nicht sogar eher hunderttausende Menschen. Veddel, Wilhelmsburg, Finkenwerder, Neugraben Waltershof... Um nur einige größere Stadtteile Hamburgs zu benennen, die teils eine nicht zu verachtende Bevölkerungsdichte haben.


    Zugegeben, das Stauwehr bei Geesthacht macht es schwer, dass die Unterelbe über die Maßen geflutet würden. Und schon gar nicht so überraschend massiv wie im Ahrtal. Aber eine in den Relationen vergleichbare Flut würde ebenfalls nicht zu verachtende Schäden an der Infrastruktur hervorrufen. Nicht zu vergessen: so eine Flut hätte gute Chancen, den Elbtunnel zu fluten oder zu beschädigen. Wenn der Elbtunnel in beide Richtungen nicht passierbar ist... Hamburger und ihre Anrainer wissen, wie gut man dann von Norden nach Süden kommt oder von Süden nach Norden...

  • Was wäre ohne die privaten Helfer ?

    Und warum sind die überhaupt erforderlich ?


    weil THW und co, sich erst einmal um die Wasser- und Stromversorgung, Brücken usw, kümmern (müssen).

    Den Schlamm aus den Kellern schaufeln ist nicht deren Aufgabe.

    Und Firmen mit Baumaschienen usw., waren schon immer in den Katastrophenschutz mit eingebunden. Die können Zwangsverflichtet werden.

    Wenn es freiwillig funktioniert, um so besser.

  • Ein wirklicher Starkregen würde hier in Hamburg zwar zu überfluteten Kellern führen und so sauber wäre das Wasser auch nicht aber durch die zig Kanäle, Bäche und Straßen und fehlendes Gefälle würde es wahrscheinlich eher zu einem "großen See werden und im Vergleich zu einer Schlucht relativ langsam wieder ablaufen. Natürlich würde es auch zu Unterspülungen kommen aber auf die Fläche gesehen wäre es wohl verhältnismäßig weniger zumal viel mehr Fläche versiegelt ist. Ein Großteil der Straßen sollte aber befahrbar bleiben und Schlamm wäre wohl deutlich weniger.

    Vatertag 2018 gab es hier 2 Gewitterzellen. Eine westlich von HH und eine östlich. Über Oststeinbek gingen 134 Liter in einer Stunde runter (bis 184 Liter im Ahrtal) Gewitter und Starkregen : Unwetter fegen über SH: Zahlreiche Feuerwehreinsätze | shz.de. Aber das war nur sehr kurz in den Medien und von ein paar kaputten Häusern und vollgelaufenen Kellern mal abgesehen war 2 Tage später wieder alles fast normal.

    In einem Tal wirken die Hänge wie ein großer Trichter und von allen Seiten sammelt sich das Wasser am tiefsten Punkt... dem Bach. Da kommt dann viel mehr konzentriert zusammen und das Wasser nimmt sich den Platz den es braucht.

    Für Hamburg ist wohl eine neue Jahrhundert Sturmflut wesentlich gefährlicher. Die Deiche wurden nach dem Hochwasser Sturmflut 1962: Hamburg versinkt im Wasser | NDR.de - Geschichte - Chronologie zwar um über 2 Meter angehoben aber wir erleben ja immer wieder neue Superlativen und das z.B. der Fischmarkt wegen Sturmflut gesperrt und auch mal überflutet wird ist fast normal.

    2013 war an der Elbe das größte Hochwasser und das sorgte von Dresden bis Geesthacht für die höchsten Stände aller Zeiten Alles zum Jahrhundert-Hochwasser 2013 in Lauenburg (lauenburg-erleben.de). Ab Geesthacht in Richtung Nordsee war aber davon dann wegen der Staustufe nichts mehr zu merken. Erstens hat die Elbe bei Hamburg viel mehr Fläche und 2. hat Hamburg durch die Gezeiten immer eine hohe Wechselströmung.

    Interessanter wird es wenn Sturmflut und Elbhochwasser mal zusammen kommen :face_screaming_in_fear:

  • Erstens hat die Elbe bei Hamburg viel mehr Fläche und 2. hat Hamburg durch die Gezeiten immer eine hohe Wechselströmung.

    Interessanter wird es wenn Sturmflut und Elbhochwasser mal zusammen kommen :face_screaming_in_fear:

    Die Ebbe "zieht" das Hochwasser aus Hamburg regelrecht raus...


    Die größte Gefahr für Hamburg wäre eine Sturmflut in Verbindung mit Springtide, Hochwasser durch Regen und Schneeschmelze bei gleichzeitigem beständigen Sturm/Orkan aus Nordwest, der auch das eigentlich abfließende Wasser während der Ebbe beständig die Elbe hochdrückt.....


    Niedersachsen hat aus dem Grund der höheren Sturmflutgefahr die Seedeiche unlängst erst erhöht. Gab vor einiger Zeit in Wilhelmshaven deswegen Trouble, weil die niedersächsischen Anteile erhöht wurden, die Anteile auf Bundesliegenschaften aber noch nicht einmal angefangen waren...


    Küstenschutz vor Sturmfluten, sowie Hochwasserschutz an Flüssen und deren Einzugsgebieten wird ein Thema sein, das uns immer mehr und intensiver befassen wird.

    Das ist sowohl ein gesamtgesellschaftliches Thema (Deichbau an den Nordseeküsten, Fluttore und - mauern wie z. B. in Grimma, Renaturierung von Flussauen) wie auch ein Thema, bei dem jeder seinen eigenen Anteil leisten kann (nach Möglichkeit Auswahl einer nicht hochwassergefährdeten Immobilie, "Härtung" der Immobilie gegen Hochwasser durch Flusshochwasser, Überschwemmungen nach Starkregen von Wasser außerhalb von Flussläufen). Es zählt aber auch sowas scheinbar banales dazu wie Schwimmenlernen, Verhalten im unbekannten Gewässern, Durchwaten von unbekannten Gewässern (ist für die meisten Autos nämlich eine dumme Idee und selbst auf "normalen" Straßen durch Unterspülungen oder fortgespülten Gullideckeln gefährlich) und so weiter. Die Liste ließe sich bestimmt beliebig erweitern und jeder Komplex wäre wahrscheinlich ein eigener "Verhalten als... bei Hochwasser/Überschwemmung"-Thread wert...

  • By the way, wo Milty die Hamburger Sturmflut 1962 ins Feld geworfen hat: meine Schwiegermutter hat diese als kleines Mädchen erlebt (auf ihrem Bett in den Fluten schwimmend). Meine Frau vermutet, dass aus diesem traumatischen Erlebnis heraus die panische Angst ihrer Mutter vor Gewitter, Sturm und starkem Regen herrührt. 🤷‍♂️


    So ähnlich wird es wahrscheinlich auch etlichen Menschen ergehen, die die Ahrtal-Flut erlebten und überlebten. Wobei heute die Sensibilisierung der meisten Hausärzte gegenüber post-traumatischen Belastungsstörungen besser ist als noch vor 50 oder 60 Jahren. Da war ja allgemein noch die Einstellung "Stell dich nicht so an!" sehr verbreitet. Solche Aussagen sind der Resilienz nicht gerade förderlich.