Selbstverteidigung im öffentlichen Raum

  • Nudnik

    Volle Zustimmung. Genau so ist es. :thumbup:

    (Bis auf den kleinen Punkt "Vergesst 1, 2, 3-Wochenkurse. Das bringt nichts.", denn auch die bringen was.)

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    Jede Art der Vorbereitung ist besser als gar keine.

    Und wenn es nur ist zu üben laut zu sein, also wirklich laut und "nein" zu sagen und es auch wirklich so zu meinen. Man glaubt es kaum, aber das können viele einfach nicht. Es wurde ihnen schlicht immer untersagt. Die versteinern und gucken nur noch wenn es unangenehm wird.


    Ansonsten solange es geht deeskalieren, aber wenn das nichts hilft, spätestens wenn der andere körperlich aufdringlich wird, ist der Spaß für mich definitiv vorbei. Wo die eigene Grenze ist muss jedoch jeder für sich entscheiden.

    Solche Grenzen hängen dann nicht zuletzt von der eigenen mentalen wie körperlichen Fitness, sowie von einigen anderen persönlichen Merkmalen (z.B. Geschlecht, Größe, Gewicht, äußerliches Erscheinungsbild, Erfahrung, ...) ab.

    Mein Partner mit entsprechender Erscheinung kann z.B. viel länger ruhig bleiben als ich als eher zierliche Frau. Da nimmt sich mancher Typ auch mal mehr raus, einfach weil er nicht abschätzen kann was da auf ihn wartet, wenn er noch diesen einen Schritt weiter geht.


    Dazu gibt es auch noch eine kleine Anekdote:

    Wir waren auf einem Konzert, ganz vorne und mitten im Gedränge. Mein Freund ging etwas zu trinken holen, ich stand da also einige Zeit alleine und irgendein Typ hinter mir meinte plötzlich mir dauernd äußerst schmerzhaft in die Hacken treten zu müssen. Ich stellte ihn zur Rede und es kam zu einem heftigen Streit doch plötzlich wurde der Typ ganz ruhig, schaute über meine Schulter, entschuldigte sich bei jemandem hinter mir und suchte das Weite.

    Ich dreh mich um und sehe meinen Freund mit zwei vollen Bechern in den Händen leicht verwirrt aus der Wäsche schauen. Den fremden Typen haben wir den Rest des Abends nicht mehr gesehen.

    Einmal editiert, zuletzt von Lilly ()

  • Sehr gut beschrieben, auch der Rest vom Post!:thumbup::thumbup::thumbup:



    Gruß Frank

  • Bezüglich Angreifer legen sich lieber mit Opfern als mit Gegnern an eine sehr alte Geschichte, persönlich erlebt:

    Zu einer Zeit, als zumindest gefühlt der Großteil der Ausländer noch aus Türken bestand und als ich erst kurz (2-3 Jahre??) mit Judo angefangen habe, gab es neben unserer Schule einen Hof, der von Halbstarken besiedelt wurde. Da durch geht man normalerweise nur in Gruppen. Ich irgendwie ganz vergeistigt laufe mal leichtsinnigerweise alleine da durch, und werde, weil ich für mein Alter sehr sehr klein war, auch prompt angemacht. Der eine will mich schubsen, ich bleibe stabil stehen und sage sowas wie "Hey, ich will keinen Ärger". Die Haltung der beiden hat sich sehr auffällig schlagartig geändert, dass ich erst mal verblüfft war, dass sie ganz ohne weiteres abgezogen sind und mich durchgelassen haben. Es waren zwei Stück, und sie waren deutlich größer.


    Ich glaube, das muss man selber mal erlebt haben, erklären und nachfühlen kann man so eine Situation nur sehr bedingt.


    Weil Angreifer aber oft nicht die Hellsten sind, und deshalb vielleicht auch mal jemanden anmachen, der zu groß für sie ist, sollte man sich vielleicht irgendwas unter dem Level "in die Fresse geben" als Handlungsalternative auf Lager legen.

  • Da ich leider auch nicht mit einem respekteinflößenden Erscheinungsbild gesegnet bin (1,77, 65 kg, Brillenträger, trainiert aber drahtig), sehe ich solche Situationen immer als schwierig an. Ich habe in grauer Vorzeit 10 Jahre Kampfsport gemacht, aber dann eben in der Richtung gar nichts mehr. Ich hatte in meinem Leben noch nie eine ernsthafte körperliche Auseinandersetzung, auch wenn ich noch mit vielen Rauferein aufgewachsen bin - nicht wie heute in Knallfolie eingewickelt.


    Deshalb vermeide ich, sofern möglich, Konfliktsituationen. Sollte ich jedoch körperlich angegriffen werden, würde ich eine Flucht dem Kampf jederzeit vorziehen (ich kann definitiv schneller laufen als die meisten), außer es gilt nicht nur mich sondern meine Familie zu beschützen. In diesem Fall bin ich (in der grauen Theorie) bereit, ohne Hemmungen jedwedes notwendiges Register zu ziehen. Viele Bewegungsabläufe habe ich immer noch intus und die kommen tatsächlich automatisch. Ob das genügen würde... ich hoffe, ich werde es nie erfahren.

    - Wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage -

    Bertold Brecht

    Einmal editiert, zuletzt von PapaHotel ()

  • Hi Nudnik,


    gutes Statemen von Dir deshalb ein :thumbup: sehen ja auch viele Andere hier so und hier kommt jetzt mein Aber:

    Also, lernt euch zu verteidigen! Vergesst 1, 2, 3-Wochenkurse. Das bringt nichts.

    ...hier irrst du gewaltig und das sage ich mit der Erfahrung von unzähligen Verteidigungskursen damals bei uns im Dojo!


    Die hier erlernten Praktiken hatten bei uns drei primäre Ziele - zwei davon ausgelegt für eine wirkliche unabwendbare Notsituation:

    a. sich erst gar nicht Angreifen lassen bzw. keine Opferrolle einzunehmen!

    b. sich bei ausgeführtem festhalten/umklammern des Angreifers zu befreien!

    c. sich ein Zeitfenster und einen Vorteil für die immer priorisierte Flucht zu verschaffen!


    Hier nur mal drei Bespiele dazu, die keine Kampfsportausbildung benötigen und natürlich in WE-Kurse zu erlernen/trainieren möglich sind:

    a. Selbstbewusste Körperhaltung einzuüben, wirklich mal so richtig laut und bestimmt NEIN sagen/schreien zu trainieren!

    b. Ein Fersentritt wirklich hart durchgezogen auf die Fußzehen beim festhalten/umklammern von hinten mit z.B. Arme nach Unten/Seite zu reisen!

    c. Ansatzlos/unerwartet mit flachen Händen auf beide Ohren schlagen oder ein harter durchgezogener Tritt aufs Scheinbein/Kniegelenk!


    Klar ist es, wie Du ja auch gut geschrieben hast besser ne Kampfkunst zu erlernen und regelmäßig zu trainieren und ich rede hier vom "normalen" Angreifer und JA, die meisten dieser Aggressoren zu wohl 90% sind Feiglinge und wollen ein gefügiges Opfer. Nimmst du ihnen das von ihnen gedachte Machtgefühl, bist du mit hoher Wahrscheinlichkeit sowie Flucht in Sicherheit und sowas auch in einem WE-Kurs zu erlernen ist immer eine sinnvollere Möglichkeit als sich "nur" mit irgendetwas zu bewaffnen!


    Übrigens kommt der/die Eine dabei auch auf den Geschmack, verliert die zumeist bestehenden Hemmungen beim kennenlernen eines Dojo und den Leuten dort um sich dann eine neue sportliche Welt zu erschließen und "wola... wie bei uns!" ein paar Jahre später Hessenmeisterin im Taekwondo zu sein...

    Normatilät tsi legidilch enie statsiticshe Häunufg mögilhcer Wahcsrheinlicheikten!

    Meine wichtigsten Ressourcen sind Zuversicht, mein Wissen, Ideen, handwerkliches Geschick und die verknüpfte Improvisation davon!
    Gruß derSchü

    Einmal editiert, zuletzt von derSchü () aus folgendem Grund: verheerender Schreibfehler gemacht

  • Ich hatte in meinem Leben noch nie eine ernsthafte körperliche Auseinandersetzung

    Das bringt es doch auf den Punkt. Unser (Über) Leben erfordert es nicht mehr, auf physischer Ebene zu "argumentieren".


    Wir müssen uns ja nicht mal mehr um die Frauen schlagen. Die finden das mittlerweile nicht mehr total süß sondern total blöd.

    I feel a disturbance in the force...

  • Wir müssen uns ja nicht mal mehr um die Frauen schlagen. Die finden das mittlerweile nicht mehr total süß sondern total blöd.

    Zum Thema habe ich vor einigen Jahren einen Artikel gelesen, dass im zweiten Weltkrieg nach der Eroberung von Frankreich, viele französische Frauen sich von den "Gewinnern" (also den deutschen Soldaten) des Krieges angezogen fühlten.

    Ihre männlichen Landsleute waren ja die "Verlierer" und von dem möchte man ja nicht wirklich ein Kind (tiefenpsychologisch gesehen).

    Klar, viele wurden von anderen Landsleuten erwischt und als "Kollaborateure" entweder hingerichtet, aber meist wurde ihnen der Kopf kahl rasiert, damit sie deutlich gebrandmarkt sind.


    Wenn ich den Artikel finde, verlinke ich ihn.


    Zum generellen Thema... hmm... ich habe in meinem Leben exakt 2x jemanden ins Gesicht schlagen müssen und das was beides mal in der Pubertät.

    Beide male um ein schnelles Ende der Eskalation herbei zu führen (was auch klappte).


    Des weiteren ist es halt doch so das eine gewisse Körperliche "Dominanz" nicht von Nachteil ist.

    Ich, 1,92 M an Größe mit gut 160 Kg Masse und generell breit gebaut (ja, ich bin auch fett! *seufz*).... das half bestimmt oft jede mögliche Pöbelei von vornherein im Keim zu ersticken. Auch wenn ich einige Jahre Taekwondo in der Jungend praktizierte, das bis heute immer noch einige Handgriffe ermöglicht die eine "Feindkontrolle" ermöglichen.


    In unserem Dojo wurde damals auch nicht auf Wettkämpfe trainiert, sondern wirklich dafür bei einem "realen" Kampf das Thema möglichst schnell zu beenden. Klar, erst mal Deeskalation, aber wenn der "andere" es drauf anlegt, dann EIN, maximal zwei Schläge die das Thema beenden! (Eben mit oben erwähnten Methoden, also auf die Neuralgischen Punkte des menschlichen Körpers zielen! (Das Dojo war für "Sport-Wettkämpfe" nicht mehr zugelassen, weil bei diesen die Kontrahenten ein paar mal zu viel mit dem Sanitäter weg mussten :-P)


    Das ist jetzt verdammte 30 Jahre her... der Meister hieß Fries (ich weiß seinen Vornamen nicht mehr) und er war gleichzeitig mein Mathe/Physik-Lehrer an der Realschule. Es war so toll wie man ihn vom Schulthema ablenken konnte, wenn man das Gespräch auf Taekwondo lenkte im Unterricht ;)

    Der war krass drauf!

    Der hat wirklich auf kleinen Shows verdammte Flusskieselsteine in Faustgröße mit SEINER Faust gespalten! =O (echt, kein Scheiss!)

    Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst.


    Albrecht Müller

  • Aufgrund dieses Threads habe ich mich wieder daran erinnert mich mit Bartitsu beschäftigen zu wollen. Also Nägel mit Köpfen gemacht und vorerst einmal ein Buch dazu bestellt. Mal sehen was sich aus meinem Manko ein Stöckchen beim Gehen nutzen zu müssen für Vorteile generieren lassen.

    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom..........;-)

  • Ich muss das Statement nochmal hoch holen, weil ich gerade mit meiner Frau darüber diskutiert habe.


    Aus der These ableitend müssten also die zivilisierten, emphatischen und gebildeten Menschen einen Schritt zurück in der Evolution gehen?

    Das kann es doch nicht sein?!

    Eigentlich müssten die "anderen" dazu erzogen werden auf das Niveau der ersteren zu kommen und nicht umgekehrt!

    Und wenn dies (aus welchen Gründen auch immer) nicht möglich ist, dann weg sperren (und dort Bildung vermitteln) oder weg schicken (je nach Ausgangssituation).


    Aber nein, unser "Sicherheitsapparat" ist damit beschäftigt Kleinkonsumenten von Haschisch zu verfolgen und Blitzer auf zu stellen und die Waffengesetze für "normale" Bürger zu beschneiden, statt sich um das oben stehende zu kümmern.


    Hab ich schon erwähnt, dass ich die Domain http://www.schaemen-fuer-deutschland.de erworben habe?

    Ich weiß noch nicht was ich damit anfange, hatte an einen Blog gedacht, aber auch hier wieder die "Befürchtung" in den Focus von oben erwähnten Staatsdiensten zu kommen. *seufz*.... der teutonische Furor in mir steigert sich gerade wieder... ARGH...

    Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst.


    Albrecht Müller

  • ...hier irrst du gewaltig und das sage ich mit der Erfahrung von unzähligen Verteidigungskursen damals bei uns im Dojo!

    Ich glaube nicht, dass ich mich gewaltig irre. Du machst einen Selbstverteidigungsschnellsiederkurs, lernst dort ein paar wenige sehr effektive Techniken, die in bestimmten Situationen funktionieren können. In vielen anderen Situation funktionieren sie wiederum nicht.

    Ein Jahr später ist von dem erlernten nichts mehr übrig. Alles vergessen und im Motorikgehirn war es sowieso nie drin, weil das bedurft hätte, nach dem Kurs selbstständig, regelmäßig diese Techniken zu trainieren. Tut halt so gut wie keiner.

  • Aus der These ableitend müssten also die zivilisierten, emphatischen und gebildeten Menschen einen Schritt zurück in der Evolution gehen?

    Das kann es doch nicht sein?!


    Kann es auch nicht und sollte es auch auf gar keinen Fall.


    Man sollte als gebildeter Mensch jedoch immer mit der Dummheit, Unfähigkeit und auch Rohheit anderer rechnen und bei Bedarf entsprechend darauf reagieren können. Auch hierzu bedarf es einer gewissen eigenen Empathie und Zivilisiertheit.

    Wie ist der Gegenüber so drauf? Wie könnte er reagieren wenn ich das und das mache? Wie weit muss ich wirklich gehen um ihn/sie von mir weg zu halten? Reicht ein ruhiges und bestimmtes Auftreten, oder muss ich sofort aufs Ganze gehen, da ich sicherlich keine zweite Chance mehr bekommen würde?


    Sich körperlich zur Wehr setzen zu können ist ja nur der letzte Schritt. Die mentale Auseinandersetzung beginnt viel früher und kann somit viele körperliche Auseinandersetzungen verhindern. Manchmal dauert sie nur den Bruchteil einer Sekunde, nicht selten jedoch länger und genau hier kann man als gebildeter, empathischer und aufmerksamer Mensch, welcher gelernt hat aufkeimende Konflikte anders als durch körperliche Gewalt zu lösen, durchaus auch frühzeitig deeskalierend einwirken.

    Es gibt jedoch leider kein Patentrezept. Nicht alles hilft bei jedem. Manchmal wähnt sich der Gegenüber einem selbst gegenüber so stark im Vorteil, dass man sehr schnell sehr deutlich werden muss, aber auch hier gibt es wieder Abstufungen und somit je nach Situation ganz unterschiedliche Ansätze. Man kann nicht sagen wenn das und das passiert muss man das und das machen und dann passiert garantiert nichts (mehr). Man muss immer genau schauen, sich oftmals aber auch sehr schnell entscheiden, womit wir wieder beim Punkt Empathie sind.



    Es ist ein schöner Gedanke das Gewalt in unserer Gesellschaft irgendwann nicht mehr vorkommt, aber in meinen Augen wird das nie passieren. Sie verschiebt sich nur.

    Es wird immer Menschen geben die sich als Verlierer der Gesellschaft sehen. Es wird immer Neid, Missgunst und Betrug geben, so ist der Mensch eben leider gestrickt. Wohl jeder kennt diese Gedanken, die Frage ist nur wie man damit umgeht.

    Nicht jeder hatte allerdings eine gute, wohlbehütete Kindheit mit liebevollen und Rücksicht nehmenden Eltern, die jedoch auch Grenzen setzten.

    Viel zu viele laufen einfach so nebenher, müssen sich ihre Grenzen selber suchen, erfahren selber Gewalt und geben diese irgendwann weiter. Manche geraten in Gruppen oder Kreise welche ihre eigene Dynamik haben und kommen da so schnell nicht wieder raus, weil von allen Seiten Druck aufgebaut wird. Nicht jeder kommt mit Druck klar.

    Hinzu kommt: Menschen sind sehr soziale Wesen. Alleine sein ist für viele tödlich, wird aber zumindest, wenn es lange der Fall ist, von jedem als äußerst unangenehm empfunden. So mancher geht da dann lieber den vermeintlich einfacheren Weg. Gerade unter Jugendlichen ist dies weit verbreitet. Der Ausstiegsversuch erfolgt meist erst viel später und oft nach Taten welche später nicht selten stark bereut werden, jedoch zum damaligen Zeitpunkt noch vollkommen OK erschienen. Es ist daher gar nicht so einfach zu sagen "Ach man müsste ja nur ... und ... und es gibt ja ... oder ... .".


    Fakt ist jedoch auch, das Soziale Netz in Deutschland ist quasi nicht mehr vorhanden und kaum noch zu retten. An manchen Ecken wird ein wenig getan damit es hübsch aussieht, aber da das System Familie schon an der Basis kaputt ist kommt auch der Staat da nicht mehr viel weiter ohne alles komplett umzuschmeißen. Kaum einer kennt seine Nachbarn, pflegt die eigenen kranken bzw. alten Familienmitglieder selbst, oder kümmert sich den ganzen Tag um sein Kleinkind. Heutzutage wird alles ausgelagert und Familie ist zu einem Konstrukt verkommen welches irgendwo zwischen die Speichen des Hamsterrades gequetscht werden muss. Traurig aber wahr und mit allen daraus resultierenden Konsequenzen.


    Nun wird es jedoch bald politisch, denn sicherlich gäbe es Möglichkeiten, sowohl im Kleinen als auch im Großen, hier sprengen wir jedoch nun auch langsam den Umfang dieses Threads und galoppieren am eigentlichen Thema vorbei.



    Nicht zuletzt bleibt allerdings noch der Punkt:

    Wenn ein Mensch wirklich Hunger oder Durst hat, friert oder Freunde/Familie/... versorgen muss bzw. möchte und dann sieht das jemand da ist der helfen könnte es aber nicht tut ... aus welchen Gründen auch immer... das entwickelt schnell seine eigene Dynamik und dann kommen noch die Menschen dazu die es zwar eigentlich nicht zum Überleben für sich oder andere brauchen, die aber der Meinung sind, dass es dem anderen auch nicht zusteht und sie damit viel mehr anfangen könnten ...


    Sicherlich sind wir von diesem Szenario im privaten und im großen Maßstab noch etwas entfernt, aber wenn wir in diesem Forum häufig auch von großen künftigen Krisen reden auf die wir uns ja vorbereiten, dann ist es plötzlich doch wieder sehr nah.

    Im Kleinen passiert es zudem ohnehin schon überall auf der Welt und das jeden Tag. Das geht mit geklauten Turnbeuteln im Kindergarten los und endet in sehr viel größeren Dingen. :|

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    Fakt ist jedoch auch, das Soziale Netz in Deutschland ist quasi nicht mehr vorhanden und kaum noch zu retten. An manchen Ecken wird ein wenig getan damit es hübsch aussieht, aber da das System Familie schon an der Basis kaputt ist kommt auch der Staat da nicht mehr viel weiter ohne alles komplett umzuschmeißen. Kaum einer kennt seine Nachbarn, pflegt die eigenen kranken bzw. alten Familienmitglieder selbst, oder kümmert sich den ganzen Tag um sein Kleinkind. Heutzutage wird alles ausgelagert und Familie ist zu einem Konstrukt verkommen welches irgendwo zwischen die Speichen des Hamsterrades gequetscht werden muss. Traurig aber wahr und mit allen daraus resultierenden Konsequenzen.

    ...

    Das hast du sehr schön, oder besser gesagt sehr traurig beschrieben.


    Für mich, der in einer wohlbehüteten Familie und einem gesunden sozialen Umfeld aufwachsen durfte, ist es absolut unverständlich, dass dies sogar noch vom Staat aktiv gefördert wird.

    Kinderkrippen werden staatlich gefördert, dass beide Elternteile arbeiten können. Und ich spreche nicht von den Familien, wo beide Elternteile aus finanziellen Gründen arbeiten müssen.


    Wie oft wurde mir und meiner Frau gesagt, dass wir altmodische Wertvorstellungen hätten, nur weil ich der Alleinverdiener bin und meine Frau zuhause ist, wenn die Kinder von der Schule kommen.

    Aber in dem Punkt lasse ich mich gerne als altmodisch betiteln, wenn ich so sehe, wie sich die Kinder der bei-uns-arbeiten-beide-Eltern-damit-sich-die-Frau-selbst-verwirklichen-kann-und-wir-jedes-Jahr-zweimal-mit-dem-Flieger-in-den- Urlaub-fliegen-können-Familien in der Öffentlichkeit benehmen.

    Heute ein guter Plan ist besser als morgen ein perfekter Plan.

    -George S. Patton-

  • Empathie

    Muss man sich leisten können. Funzt bei mir bei Familie und höchstens noch für eine handvoll Personen. Für den Rest der Menschheit habe ich genau so wenig davon übrig wie mein Avatar links. War früher einmal anders, gewisse Umstände in meinem Leben haben allerdings nur noch einen Bruchteil davon übrig gelassen. Man hat dafür gesorgt das ich den Weg, psychologisch gesehen, zu den Anfängen unserer Zivilisation nicht mehr beschreiten muss, ich bin dort vor ca. 30 Jahren angelangt.

    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom..........;-)

  • Du verwechselst wohl Empathie mit Sympathie.


    Empathie ist die Fähigkeit, die Gefühle, Gedanken und Motive anderer Personen zu erkennen und zu verstehen.

    Das bedeutet noch nicht, dass du für diese Menschen auch Zuneigung empfinden musst.


    In unserem Beispiel würde das bedeuten, dass du abschätzen kannst, wie ernst die Drohgebärden deines Gegenübers sind oder ob er nur blufft und selber die Hosen voll hat.


    Von daher wäre es sicherlich nicht verkehrt, wenn du deine Empathie nicht nur auf die Familie beschränken würdest. ;)

    Heute ein guter Plan ist besser als morgen ein perfekter Plan.

    -George S. Patton-

  • wie ernst die Drohgebärden deines Gegenübers sind oder ob er nur blufft und selber die Hosen voll hat.

    Ich spiele nicht. Es ist mir schlechtweg egal ob mein Gegenüber blufft oder nicht, solche Feinheiten zu analysieren fehlt mir schlechtweg die Zeit und die Lust. Ich wäre jetzt nicht mehr am Leben oder bestenfalls ein Krüppel, wenn ich erst sondiert hätte ob mein Gegenüber beliebt zu spaßen oder es vielleicht ernst meint.

    Empathie ist die Fähigkeit, die Gefühle, Gedanken und Motive anderer Personen zu erkennen und zu verstehen.

    Genau da liegt mein Problem.

    Sympathie

    Ist ebenfalls nur auf Familie und besagte handvoll Menschen beschränkt. Mir liegt das Wohlergehen der Holzwürmer im Gebälk meiner Kate näher am Herzen als das vom Rest der menschlichen Spezies.

    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom..........;-)

  • Da ich deine Wunden nicht noch mehr aufreissen möchte, als sie schon aufgerissen wurden, schlage ich vor, den Punkt mit der Empathie sein zu lassen.

    Heute ein guter Plan ist besser als morgen ein perfekter Plan.

    -George S. Patton-

  • Hei,


    ich hab kürzlich mal dieses Bild gefunden und finde es sehr treffend.


    1514597154612.jpg


    Ich denke, wir befinden uns grad im Übergang zum vierten Teil. Aber keine Ahnung, welche Zeitspanne das ausmacht.

    Allerdings würde das bedeuten, dass es immer wieder "Hard Times" geben muss...


    Ich möchte damit eigentlich nur alle bestätigen, die behaupten, dass wir zu Kuscheltieren geworden sind.



    Grüße


    Tom

  • Das ist auch eine der Grundideen in Platons "Politeia". Im Wesentlichen ist jede Staatsform aus diesem und ähnlichen Gründen instabil, und

    es wechselt immer die "gute" z.B. Monarchie in die "schlechte" Diktatur, und danach kommt was neues.

    Bei der Demokartie "gut" und der Pöbelherrschaft "böse" ist es besonders schlimm, weil da alles viel länger dauert.


    Beim Diktator: Kopf ab und gut ist.

    Bei der Pöbelherrschaft: ganz viele Köpfe ab...


    Von der Staatenlehre her befinden wir uns zumindest theoretisch am schlimmsten denkbaren Zeitpunkt der Geschichte.

    Mal schaun, ob es wirklich so schlimm kommt... Moderne Techniken könnten da vielleicht einiges beschleunigen und abkürzen.