Erfahrungsbericht Hochwasserkatastrophe

  • Hallo Rippchen,


    wenn du selbst Hilfe brauchst oder jemanden kennst, der auf finanzielle Hilfe angewiesen ist, dann sende mir deine Bankverbindung per PN, wir werden euch nicht im Stich lassen.


    Zu Organisationen habe ich leider kein Vertrauen und werde deshalb nur direkt an Betroffene spenden.

  • JacktheRippchen

    Erstmal: Gott sei Dank, dass Du und Deine Angehörigen unversehrt seid!

    Danke für Deine Berichte; und grossen Respekt wie Du/Ihr mit der surrealen Situation umgeht.

    Ich wünsche Euch allen viel Kraft in dieser schwierigen Zeit!

    LG, WTG

    Die Party ist vorbei!

  • Hey,


    Elementarversicherung Haben meine Eltern zum glück.

    Ich werde, wenn etwas Ruhe da ist, definitiv meine Versicherung noch mal genau kontrollieren.


    Meine Eltern hatten das Wasser im Wohnzimmer, tiefste Stelle am Haus, ca. 80cm hoch stehen.

    Möbel haben halt Feuchtigkeit gezogen und sehen auch so aus.

    Waschmaschine ist defekt, Spülmaschine auch und noch vieles mehr.

    Die neue Couch haben wir eben raus gebracht, die find schon an zu schimmeln.

    Was uns bisschen Sorgen macht ist der Fußboden, dieser ist an einer Stelle hochgekommen


    Bilder bekomme ich aktuell nicht hochgeladen, sorry.


    Ansonsten ist vieles abzuwarten.

    Aber überall türmen sich die Schuttberge.



    Von den Stattlichen Hilfen, keine Ahnung wie das Abläufen soll / wird. Da kann ich selbst überhaupt nichts zu sagen, hab ich mich auch nicht mit beschäftigen müssen.


    Das ganze hier ringsum kann man nicht immer in Worte fassen.



  • Das Wasser kam von allen Seiten.


    Und es gibt ja viele Stellen, wo grundsätzlich so ein mini Gewässer ist, welche eigentlich nie existieren, wo ab und an mal 2cm hoch Wasser steht.


    Selbst diese wurden zu reißenden Strömen.


    Und alle möglichen Bäche Flüsse Gräben oder sonst was, werden ja immer mal wieder durch Rohre oder unter Brücken durchgeführt....nur, wenn man Wasser kommt, wie da durch passt, dann sucht sich das Wasser einfach seinen Weg und spült dann ggf.dort alles frei und verstört es.

    Ich hab Häuser gesehen, die am Berghang wohnen, da kam das Wasser dann durchs Haus gelaufen oder plötzlich aus der Einfahrt raus.

    Es drückt sich ÜBERALL durch.

  • Kurze Anmerkung sonst noch zum heutigem Tag.


    Die Polizei und sonstige Leute sperren aktuell Straßen ab und fragen wo man warum hin möchte, da der Katastrophen Tourismus anfängt.


    Jegliche freie Fläche, wird für Müll / Schutt benutzt oder für Anlieferung neuer Baustoffe.


    Jeder der mal nur einen Raum Freiräumen musste, weiß wieviel scheiß man eigentlich hat.

    Und nun stellt euch mal vor, eure ganze Straße muss nicht nur das,sondern den halben Hausstand ausräumen...was da für ein Müll zusammen kommt.


    So richtig begreifen und verstehen, tue ich das ganze immer noch nicht.

    Du stehst vor einem Gebäude und denkst dir, aber das sah doch so und so aus, warum und woher und überhaupt...wie kann das passieren.. einfach nur schrecklich.

  • JacktheRippchen Vielen Dank für deine Berichte und Dir und deiner Familie alles Gute. Insbesondere bei der Beseitigung der Schäden und der Bewältigung der physischen und psychischen Strapazen.

  • Hallo Leute


    Ich war jetzt 2 Tage oben.

    Ich bin noch jetzt völlig fassungslos von dem was ich angetroffen habe.

    Ich bin seit 15 Jahren bei der Polizei und habe schon ein paar Katastrophen mitgemacht aber das......

    Ich musste leider zurück in die Schweiz und werde nächstes Wochenende wieder oben sein, meine Freundin blieb bei ihren Eltern.

    Aus meinem privaten Umfeld konnte ich viele Helfer aus der Gegend organisieren so das ich nun weis das bei ihren Eltern alles gut kommt.

    Seit dem Tag als es passiert wurden keine offiziellen Helfer gesehen in dem Viertel wo ich war. Kunststück, die auswärtige Hilfe wurde abgelehnt und die Helfer vor Ort waren beim Retten gebunden.

    Es waren bei uns und den angrenzenden Vierteln in Ahrweiler hauptsächlich Bauern, Lohnunternehmer und Handwerker die halfen.

    Bauern die mit ihren Traktoren und Ladewagen den Schutt beiseite räumten, Rettungsgassen schufen usw.

    Obwohl die Regierung davor warnt runter zu gehen weil man ja im Weg sein würde, rate ich jedem der Zeit hat das er mit einer Schaufel in der Hand sich auf den Weg machen soll. Da sind noch etliche Keller wo niemand geräumt hat und sich Meterhoch der Schutt türmt.

    Ich werde nächstes Wochenende wieder mit ein paar Kumpels und Handwerkern aus dem Forum hier unten sein und bei den Eltern meiner Freundin und den Nachbarn so gut wie es geht nach dem Rechten schauen.

    Wir hatten noch Glück. Bei ihr sind nur der Keller und das Erdgeschoss betroffen weil da alles durchgerauscht ist. Andere haben alles verloren.........


    Werde die Tage noch Berichten von meinen Erlebnissen muss jetzt erst mal zum Dienst.......


    Wenn einer gute Tipps hat wegen Hochwasserschäden und auf was man im Nachgang schauen sollte, soll er es doch bitte hier reinstellen. Hilft vieleicht dem einten oder anderen.


    Grüsse Darky

  • Ich finde an dem Bericht von JacktheRippchen hervorragend das er in der jeweiligen Situation eine gute Entscheidung getroffen hat.

    * ich fahre zu den Eltern, nachschauen

    * wir lassen das Haus zurück

    * ich komme nicht weiter, also erst mal eine Mütze Schlaf im Auto

    * usw.


    Tschüss Heiko

  • Baerti du hattest nach der Schadenslage gefragt.


    Heute war, zum glück schon der Gutachter von der Versicherung da.

    Positiv, der Schaden wird übernommen.


    Aber

    - Heizung muss neu gemacht werden, inkl. Heizkörper

    - Estrich muß raus und neu ( weiss jeweils nicht ob komplette Haus oder nur Teile)

    - Wände müssen bis ca.20cm über der Wasserlinie aufgemacht werden und zwar innen und außen.


    Und das bei der Grosschadenslage ringsum wird es Schwer Handwerker zu bekommen.


    Ich hatte allein für 2 Heizungsangebote fast 3 Monate, etliche Telefonate und Nerven gebraucht.


    Eigentlich sollten am Donnerstag meine alten Öltanks entfernt werden...der neue Termin ist im Oktober. Ich hab am Telefon 2x nachgefragt.

  • Jeder der mal nur einen Raum Freiräumen musste, weiß wieviel scheiß man eigentlich hat.

    Völlig OT :


    Das kann ich so nur mehr als Bestätigen. Momentan bin ich zu Hause am aufräumen da ich die Bude verkaufen will. Man macht sich bei vielen Anschaffungen gar keine Gedanken was mal passiert wenn der ganze Krempel mal transportiert werden muss !

    ( In dem Falle des Hochwassers - entsorgt werden soll )


    Zukünftig werde ich mehr darauf achten das ich von " nice to have" bis wirklich wichtig unterscheden werde !

    Aus dem Norden von DE bzw. dem Süden von ES gesendet

  • [...]


    Heute war, zum glück schon der Gutachter von der Versicherung da.

    Positiv, der Schaden wird übernommen.

    [...]

    Das ist zumindest mal die Hauptsache! Wenn Du Unterkunftsmöglichkeiten hast, versuche doch mal im Osten Handwerker zu kontaktieren. Für so große Schäden kommen die auch rum, ggf. könnte man sich mit anderen Geschädigten zusammenschließen.

    - Wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage -

    Bertold Brecht

  • JacktheRippchen vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht! Einige Punkte darin haben mich zum Nachdenken gebracht! Gsd geht es dir und deinen Lieben soweit gut! Wahnsinn wie viel Zerstörung in kürzester Zeit angerichtet wurde!


    Was mich persönlich zum Nachdenken brachte ist u.a. wie schwierig es ist, einen Weg nach Hause zu finden, wenn Straßen nicht passierbar sind. Da ich beruflich an mehreren Standorten im Salzkammergut und auch im Außendienst tätig bin, werde ich in nächster Zeit definitiv mehr darauf achten, wie ich im Fall des Falles mit dem Auto nach Hause komme. In meinem Privat PKW bin ich so eingerichtet, dass ich auch problemlos drin schlafen kann, Wasser und Essen muss ich wieder auffüllen (war in letzter Zeit zu heiß um das Zeug drin zu lassen). Da ich aber auch mit Dienstwagen aus dem Fahrzeugpool unterwegs bin, bleibt mein Auto dann tagsüber am Firmenstandort zurück. Komme ich dort nicht mehr hin, wirds spannend!


    Vielleicht auch interessant für den einen oder anderen - mein Wohnungsschlüsselbund bleibt eigentlich in der Dienstzeit im Privat PKW (um ihn nicht zu verlieren), das werde ich definitiv ändern, der kommt ab jetzt immer mit!


    Danke nochmal für deinen ehrlichen Bericht JacktheRippchen ! Ich wünsche dir und deinen Lieben viel Kraft! Es ist sicher schwierig, zerstörten Hab und Gut wegschmeißen zu müssen, aber denk immer daran, ein Sofa kann ich ersetzen, ein Menschenleben nicht...

  • Da ich beruflich an mehreren Standorten im Salzkammergut und auch im Außendienst tätig bin, werde ich in nächster Zeit definitiv mehr darauf achten, wie ich im Fall des Falles mit dem Auto nach Hause komme. In meinem Privat PKW bin ich so eingerichtet, dass ich auch problemlos drin schlafen kann, Wasser und Essen muss ich wieder auffüllen (war in letzter Zeit zu heiß um das Zeug drin zu lassen). Da ich aber auch mit Dienstwagen aus dem Fahrzeugpool unterwegs bin, bleibt mein Auto dann tagsüber am Firmenstandort zurück. Komme ich dort nicht mehr hin, wirds spannend!

    Mein erster Gedanke ist da ein "Not-Not" Rucksack mit dem aller Nötigsten, den du fix in deinem eigenen Auto hast und Tagsüber in deinen Firmenwagen packst. Ich persönlich würde das wohl so lösen um wenigsten kurz, im Firmenwagen überbücken zu können, bis du an dein Auto kommst.

    Um nicht doppelt Dinge im Auto zu haben, könntest du den Rucksack ja mit dem ausstatten was du eh in deinem eigenen Auto hast.


    Kenne das Problem mit verschiedenen Rucksäcken/Taschen/Kisten im Auto und dann, doppelt gemoppelt, Ausrüstung dabei. :rolleyes:



    Auch von mir, JacktheRippchen, vielen Dank für deine Berichte hier, trotz der riesigen Belastung und wünsche dir und deinen Angehörigen ganz viel Kraft in dieser Zeit.

  • Birgit

    Wenn ich das richtig rausgelesen habe, dann bist Du im Auto "eingerichtet", sprich Du hast vermutlich Kisten oder Wannen oder ähnliche Behälter drin stehen. Beim Wechsel in ein Dienstfahrzeug kann ich tatsächlich nur empfehlen, Dir einen GhB einzurichten - und den tatsächlich dann auch ein- und auszupacken (im Sinne von "ergänzen"). Ggf. kann dieser von Dir, wenn Deine Außendiensttermine vorher bekannt sind, morgens vor Fahrtantritt um frisches Wasser o.Ä. ergänzt werden. Vielleicht indem man schlicht das Wasser, das man ohnehin auf die Arbeit mitnimmt, in der Menge anpasst.

    Dabei geht es ja wirklich nur darum, nach Hause zu kommen oder eben "mal eine" Nacht im Auto verbringen zu können. Entsprechend würde ich die Ausstattung wählen. Für Dich zum Beispiel einen Zweitschlüssel zu Deiner Wohnung / dem Haus, evtl ein Paket selbsterwärmender Trekkingnahrung, vielleicht einen Seidenschlafsack und ein Reisekopfkissen,... das weißt Du am Besten was Du benötigst. Sei dabei nicht zu großzügig mit dem Bestücken, denn wenn das Ding zu groß/schwer wird, nimmt man es nicht mehr mit.

    - Wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage -

    Bertold Brecht

  • Das ist zumindest mal die Hauptsache! Wenn Du Unterkunftsmöglichkeiten hast, versuche doch mal im Osten Handwerker zu kontaktieren. Für so große Schäden kommen die auch rum, ggf. könnte man sich mit anderen Geschädigten zusammenschließen.


    Auch im Osten bekommst seit langen nur seit langen sehr schwer Handwerker. Die arbeiten schon lange alle in der Schweiz, im Westen oder Skandinavien.

  • [...]

    Vielleicht auch interessant für den einen oder anderen - mein Wohnungsschlüsselbund bleibt eigentlich in der Dienstzeit im Privat PKW (um ihn nicht zu verlieren), das werde ich definitiv ändern, der kommt ab jetzt immer mit!

    "Verschlanken" ist da die Devise.


    In meiner Jugend war ich öfter als "Stagehands" im Veranstaltungsbereich unterwegs, nachdem an zwei Festivals hintereinander jeweils die Schlüssel für die Miet-LKW verbummelt wurden, bin ich dann (mit U18 :face_with_hand_over_mouth:) zum Schlüsselwart geworden.

    Also erstmal sämtliche Fähnchen und Anhänger etc. runter, dann alle Schlüssel mitsamt Ring auf einen Karabiner, diesen direkt im Gürtel eingehängt und zusätzlich mit einem an einer Gürtelschlaufe befestigten Schlüsselband gesichert. So war ich dann mit sämtlichen Schlüsseln von teilweise bis zu 8 Fahrzeugen unterwegs - hat ohne Verluste geklappt :slightly_smiling_face:

    BY/DE

    Si vis pacem, para bellum.

  • Jack, ich habe mich hauptsächlich registriert weil ich dir und deiner Familie alles Gute und viel Kraft wünschen wollte.

    Halt uns am Laufenden wenn es dir hilft, ich drücke euch die Daumen!

  • Ich war Am überlegen wo ich das jetzt am besten unterbringe aber da es ja weiter meine Erfahrungen sind, setze ich das jetzt hier in.


    Tja, womit fange ich an.


    Als erstes einmal ein Dankeschön an alle.



    So, ein aktueller Zwischenstand.

    Meine Eltern steht eine Kernsanierung bevor.

    Die Wände im Untergeschoss müssen von innen und Außen bis über die Wasserlinie geöffnet werden.

    Der Estrich im Haus muss komplett raus.

    Die Heizung muss erneuert werden.


    Meine Eltern hatten aber zum glück schon den Sachbearbeiter da, die Versicherung übernimmt den Schaden, Desweiteren war schon eine Firma da, die sich nahezu komplett um den Schaden kümmern wird.


    Ringsum sind Straßen gesperrt, werden gesperrt oder zumindest teilgesperrt.

    Das ganze ist sehr dynamisch, das heißt eine Straße wo du gestern noch gefahren bist, ist morgen vielleicht gesperrt.

    Mein Arbeitsweg ist von 20 bis 25min jetzt auf fast 60min angewachsen, zumindest je nach Schicht.

    Im Großen Umfeld ist die A1 Richtung Köln gesperrt, genauso die A61. Heute wurde hier eine Brücke für 3Std gesperrt wegen der Überprüfung, zum glück ist sie wohl wieder frei gegen worden, sonst wäre unser Ort theoretisch nicht mehr offiziell erreichbar.

    Viele Straßen sind in Navigationssystemen gesperrt, was zur Folge hat, das Lieferdienste einen gar nicht anfahren. DHL kommt Aber mittlerweile durch.

    Strom war die Tage komplett wieder da, ist seit gestern abend aber wieder auf 2 Phasen beschränkt, wodurch ich nun gen Kühlschrank wieder über eine Verlängerung betreiben darf und Kochen nachher wieder auf Gas statt findet, hatte vorgestern alles weg geräumt.


    Trinkwasser ist abzukochen. Also auch für Kaffee, Zähne putzen etc.

    Auf der Arbeit sind dadurch natürlich auch die Getränke Automaten gesperrt.


    Ein weiterer Schlag in meine Magengrube war am Mittwoch, ich bin früher von der Arbeit gekommen, da ich mit den Nebenwirkungen meiner zweiten Impfung zu kämpfen hatte und wollte mich einfach nur hinlegen.

    Zuhause angekommen musste ich dann feststellen, das bei mir eingebrochen wurde.

    Das Gitter am Fenster wurde zerstört und das Fenster aufgebrochen. Es wurde speziell nach Schmuck und Bargeld gesucht. Dafür wurde nur das Schlafzimmer, Badezimmer und Im Keller gesucht.

    Wohnzimmer war keine Schublade geöffnet etc.

    Scheinbar wurde nichts geklaut oder ich habe es noch nicht gemerkt.

    Laptop etc, alles noch da.

    Allgemein ist hier im Umland viel kriminelle Energie unterwegs.

    - Flutopfer kommen nach Hause und müssen feststellen, das ihr Haus ausgeräumt wurde.

    - Bautrockner und sonstige Sachen werden gestohlen

    - falsche Spendensammler sind unterwegs.

    - etc.


    Also die Lage ist weiterhin sehr ...dynamischen...nenne ich es mal...