Die Nachwirkungen & Lehren aus der Hochwasserkatastrophe

  • Die Elementarschadensversicherung ist nicht gerade billig.

    Derzeit bezahlen wir ca. 3500€ pro Jahr, mit Elementarschäden wären es knapp 4100€.

    Daher schließen wir das nicht ab.

    Für die Hausratversicherung verhält es sich dann ähnlich.

    Gibt es denn die Möglichkeit auf eine Versicherung mit einer hohen Selbstbeteiligung?


    so könnte man Existenzbedrohende Szenarien billiger versichern und den noch selbst bezahlbaren "Kleikram" zahlt man ebenn aus eigener Tasche.


    Eine Versicherung ist für den Versicherungsnehmer statistisch ein Draufzahlgeschäft, das kann garnicht anders sein. Daher ist "eigentlich" der einizge sinnnvolle Ansatz sehr seltene aber existenzbedrohende Situationen darüber abzusichern.


    Wenn das nicht mehr zu bezahlbaren Konditionen möglich ist steht das Haus am falschen Fleck und es bleibt einem nur, auf das Glück des Nichteintretens zu spekulieren (oder dass die eigee Katastrophe wieder im Wahlkampf auftritt und der Steuerzahler bezahlen muss).


    Das Problem mit der Sturmflut am Deich dürfte sein, dass das ein extrem hohes Kumulrisiko für die Versicherer ist. Sowas mögen die nicht.

    Aus gegebenem Anlass: ich distanziere mich hiermit ausdrücklich gegen jeden Form von Gewaltphantasien gegen andere, den Staat oder staatliche Organe. Ich betreibe prepping als Krisenvorsorge und als Hobby und tausche mich hier mit Gleichgesinnten aus.

  • Cephalotus

    Klar, da hast Du recht, die Versicherer mögen das nicht mit der Sturmflut :winking_face: dabei ist das hier die einzig echt relevante Größe.


    Bezüglich des "Kleinkram" ist das so eine Sache, da müsste man definieren, was gemeint ist.

    Letztlich ist es, egal, wie man es dreht, das Übliche: Bezahl für die Versicherung des Risikos, oder lass es halt, dazwischen ist ja nicht viel.

    Dazu kommt noch, daß viele Eigenheimbesitzer dann mal vor vielen Jahren eine Gebäudeversicherung abgeschlossen haben und fertig. Da man sie nicht braucht, weil ja in 95% der Fälle nichts geschieht, guckt dann auch keiner mehr drauf und zack, dann erwischt es einen doch.

    Also das übliche Leben :)



    Tid

  • Neue Spiegel Reportage.


    Bedrückende Bilder. Schlimme Schicksale.


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  • WDR-Reportage "Sie haben alles verloren". Gestern angeschaut, da hatte ich echt Pippi in den Augen...


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    - Wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage -

    Bertold Brecht

  • Wie viele andere sicher auch, habe ich mich in den vergangenen Tagen verstärkt mit Projektionen zur Hochwassergefährdung befasst. Allerdings hat sich schnell herausgestellt, dass die Karten von der Bundesanstalt für Gewässerkunde eher beschränkt nützlich sind.


    Die zeigen entlang von Gewässern einfach die Linien für einen hundertjährigen Höchststand auf. Da, wo ich es mir näher angeschaut habe, scheint mir die Linienführung sehr fraglich. Da scheint man eher grob irgendwelchen Straßen- und Grundstücksverläufen zu folgen und nicht unbedingt den eigentlich wichtigen Geländehöhen. Kleinere einmündende Bäche finden sich überhaupt nicht. Außerdem stellt sie die grundlegende Frage, ob das, was dort als H100 angenommen wird, inzwischen nicht schon H20 oder gar H10 ist. Und nicht zuletzt werden Auswirkungen von Starkregen nur in ihrem Einfluss auf die Gewässerpegel dargestellt und nicht in ihrer Auswirkung im eigentlichen Niederschlags- und Ablaufgebiet.


    Jetzt bin ich auf eine interessante Alternative gestoßen: Die Stadt Wiesbaden hat offenbar als eine der wenigen Kommunen bundesweit sogenannte Fließpfadkarten erstellen lassen. Die zeigen, wo das Wasser bei extremem Starkregen hinfließt, welche Gebäude und Flächen besonders gefährdet sind und wo die Gefährdung geringer ist. Man kann also ablesen, welche Straßen zu Flüssen werden könnten und an welchen Stellen in den einzelnen Quartieren am wenigsten Wasser erwarten ist. Im Ernstfall könnte das entscheidende Hinweise geben, in welche Richtung man sich auch sehr kleinräumig am besten bewegt. Ich bin auf den ersten Blick ziemlich begeistert. Sowas müsste es auch für andere Kommunen geben.


    Hier ist die Webseite mit den Karten und den zugehörigen Erläuterungen: https://www.wiesbaden.de/leben…nale-fliesspfadkarten.php

  • Für Niedersachsen habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese Art Karten vielleicht hinreichend genau vorhersagen mögen, ob ich an meinem Wohnort nach einem Deichbruch absaufen würde. Aber sie vermögen nicht vorherzusagen, an welchen Ecken im Ort sich das Wasser nach einem Starkregen sammeln würde.


    Da würde es wohl nur helfen, sich eine 1:25.000-Karte zu nehmen und sich die gefährdeten Gebiete selbst anzuschauen und in die Karte einzutragen. Die Fließrichtung ergibt sich dann aus dem Relief des Geländes.

    aus DE gesendet...

  • So lange man das Glück hat, nicht von grossen Strömen und deren Zuflüssen umzingelt zu sein, sollten eine topografische Karte durchaus ausreichen für eine erste Abschätzung.

    Man kennt sein Gelände im nahen und mittleren Umkreis ja eh, deshalb sollte es schon machbar sein.

    Bei mir war es zB durch die eiszeitliche Moränenstruktur recht einfach, da geht alles Wasser in Süd-Nord Richtung. Aus dem Süden kommt der Hausbach und den kenne ich plus neues Rückhaltebecken, der nächste Fluss in östlicher Richtung kann nicht kommen da Moräne. Westlich das sind über tausend Meter Fläche und mehrere Meter Höhenunterschied. Gleiches gilt für das nächste Gewässer das im Norden aufschliesst.

    Wenn also mal von anderen Seiten das Wasser kommt... dann ist eh die Verischerungswirtschaft pleite.

  • Es gibt natürlich auch Programme, die sowas berechnen / simulieren können. Zum Beispiel Flood Area. Die waren letztens im Gespräch mit dem SWR. Die Preise sind natürlich für Otto Normalbürger absurd. Aber vielleicht hat die eine oder andere Kommune sowas gekauft?


    Die Stadt Dresden macht den Einwohnern sogar einen solchen Simulator zugänglich. Mit diesem können anhand einer 3D Karte die Überflutungen bei gewissen Pegelständen grafisch dargestellt werden: Hochwassersimulator Dresden.

    - Wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage -

    Bertold Brecht

  • Da würde es wohl nur helfen, sich eine 1:25.000-Karte zu nehmen und sich die gefährdeten Gebiete selbst anzuschauen und in die Karte einzutragen. Die Fließrichtung ergibt sich dann aus dem Relief des Geländes.


    Für Starkregen im gebauten Gebieten reicht das nicht. 1m Höhenlinie ist zu grob, Straßen wirken auf Grund der Bordsteine als Kanäle, Gebäude, Mauern, Zaunsockel usw. als Hindernisse usw.

  • Für Starkregen im gebauten Gebieten reicht das nicht. 1m Höhenlinie ist zu grob, Straßen wirken auf Grund der Bordsteine als Kanäle, Gebäude, Mauern, Zaunsockel usw. als Hindernisse usw.

    Das stimmt leider. Aber die 1:25.000er Karten sind fein genug, um auch kleinere Wege mit aufzuführen. Macht es für seinen Ort leichter und übersichtlicher, einzutragen, wo man mehr Wasser als üblich erwartet.


    Beim letzten Starkregen in unserem Ort war es zum Beispiel so, dass in einigen Kurven- und Kreuzungsbereichen sich das Wasser aus den "zuführenden (Wasser-)Straßen" sammelte.

    aus DE gesendet...

  • Viele Kommunen lassen ihre Straßen- und Wegenetze digital erfassen. Hauptmotivation ist die Bestandserfassung für die Bilanzierung des kommunalen Vermögens, ein weiterer Grund die Haushaltsplanung von Sanierungsausgaben. "Wir" haben das mit der Firma Eagle-Eye gemacht. Die fahren sämtliche Straßen/Wege mit Scannerfahrzeugen ab, ähnlich wie die Google Streetview Messfahrzeuge. Als Resultat bekommt man ein digitales Straßenmodell inklusive einer Zustandskartierung in Schadensklassen. Die Lagekartierung kann bis auf 1cm genau durchgeführt werden (Verknüpfung von Laserscan mit DGPS-Daten).


    Solche Datensätze dürften wesentlich genauer sein als digitale Geländemodelle, die meist auf Daten von Radarsatelliten basieren (z.B. mit TerraSAR-X/TanDEM-X erfasstes Höhenprofil der Erde) und eine Genauigkeit haben, die eher im Meterbereich liegt (auch wenn die "-X"-Satelliten mit 30cm Auflösung scannen).


    Was man auf lokaler Ebene für eine Hochwasser-Risikokartierung auch braucht, ist die Bodenbeschaffenheit z.B. von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die wird meines Wissens bislang nicht erfasst. Auch wenn die Nutzung einer Fläche sich ändert (brach liegender Acker vs. Maisfeld vs. Kartoffelacker vs. Wiese) ändert sich das Verhalten bei Neiderschlag erheblich. Eine Wiese kann meistens sehr viel mehr Niederschlag aufnehmen, als z.B. ein Maisfeld, das durch seine geordnete lineare Pflanzstruktur eher eine Rennbahn für Wasser darstellt. Im Ahrtal trugen auch die talwärts orientierten Weinberge zum Problem bei. Würde man die Weinreben quer zum Hang anbauen (dann müsste man die Hänge terrassieren), könnte ein Starkregen nicht einfach geradewegs ins Tal rauschen. Auch bei Feldern wird man sich in hochwassergefährdeten Gebieten Gedanken machen müssen, ob es einen ursächlichen Zusammenhang z.B. zwischen Anbaurichtung und Überflutungsrisiko benachbarter Siedlungsflächen gibt. Auch die Frage der Fahrlässigkeit durch den Landwirt, wenn er sein Feld so anbaut, dass das Überflutungsrisiko, das von seinem Acker ausgeht, maximiert wird, muss diskutiert werden.


    Allerdings sind Starkregenereignisse aber auch sehr dynamische Lagen, das Wasser baut die betroffene Landschaft um. Unbefestigte Wege sehen dann schnell mal so aus:


    Feldweg-als-Bachbett.jpg Verlagerung-von-Schotter-nach-Starkregen.jpg Spontaner-Parkplatz-nach-Starkregen.jpg


    Werden solche Erosionsschäden nicht kurzfristig beseitigt, nützen die besten Risikokartierungen nichts. Aber auch bei befestigten Straßen kann eine abgesenkte Bordsteinkante oder eine Grundstückszufahrt der Beginn eines Hochwasserdesasters sein, wenn die zunächst noch überschaubaren Wassermassen auf der Fahrbahn die Kurve nicht kriegen und sich dann über die abgesenkte Kante in unbefestigte Bereiche vorarbeiten.


    Grüsse

    Tom

  • Würde man die Weinreben quer zum Hang anbauen (dann müsste man die Hänge terrassieren), könnte ein Starkregen nicht einfach geradewegs ins Tal rauschen.

    Das hat afaik aber vor allem was mit der Himmelsrichtung zu tun: Die Reihen müssen in Nord-Süd-Richtung verlaufen, damit die Sonne in sie rein strahlt. In Ost-West-Richtung würde die vorderste Reihe die hintere beschatten (außer in extremen Steillagen). Die Weinberge sind in den nördlicheren Anbaugebieten meist da, wo der Fluss in Ost-West-Richtung verläuft und damit stehen die Reihen dann längs zum Hang.


    Wenn es um die Folgen für die Infrastruktur bzw. um vorbeugende Bau- und Pflanzmaßnahmen geht, ist eine Fließpfadkarte sicher nciht ausreichend. Aber als Hinweis zum konkreten Verhalten im Fall von Starkregen ist so etwas sicher hilfreich.

  • hier ist ein lesenswerter Artikel der Rhein Zeitung zum Thema BOS & Flutkatastrophe 2021


    Als der Einsatzleiter Boten losschickte: In den Krisengebieten brach die Kommunikation zusammen - Rheinland-Pfalz - Rhein-Zeitung

    Zitat

    Da steht: Die Behörde ist stolz darauf, auch „Großlagen“ wie einen G7-Gipfel mit mehr als 30.000 eingeloggten Funkgeräten bewältigt zu haben.

    Wenn dazu nicht funktionierende Signalisierung (Stromausfall Mast, nicht anlaufender Generator) gehört [der Akku war dann irgendwann unerkannt zu Ende, gerade in einer Phase eines landenden POTUS soweit ich mich erinnere], eine zeitweise Verbannung der n-Pol Orgs auf 4m Funk wegen Überlastung, dann war es sicher ein voller Erfolg.

    Ich will nicht meckern, insgesamt ist der Digitalfunk "besser" als der analoge. Dazu später noch mehr.

    Erstmal als Anmerkung: für diese Großlage wurden einige mobile Masten aufgestellt, dazu alle mit Vollbestückung an parallelen Kanälen. Dies wurde nicht aufrecht erhalten, auch die Stationären Masten können nicht mehr 15 sondern jetzt nur noch 7 parallele Sprachverbindungen halten.


    In der Praxis ist bei der Digitalfunk hauptsächlich Sprechfunk klassischer Art. Natürlich, es gibt Textnachrichten, allerdings nur Top-Down, also von der Leitstelle kommend. Untereinander ist alles gesperrt. Soweit ich mich erinnere ein Designfehler von TETRA, Textnachrichten usw. werden nur über den Steuerkanal übermittelt, ähnlich GSM, und damit sehr begrenzte Ressourcen. Gut, man kann jetzt mit HFG auch Stati übermitteln - sinnhaftigkeit eher zweifelhaft. Man kann GPS Koordinaten schicken - nur an die Leitstelle.

    Technisch ist der Digitalfunk ein Gewinn - Sprachkommunikation ist deutlich besser, alle anderen versprochenen Dienste, sowas wie SMS, Bildübertragung, 1:1 Direktverbindungen, Kopplung zum Telefonnetz sind nur wenigen Führungspersonen vorbehalten oder gar nicht umgesetzt.

    Man nehme die Erstinbetriebnahme in Deutschland, ziehe 10 Jahre ab und sehe, welcher Stand da als erprobt und einsatzreif gesehen wurde.


    Was ganz anderes dazu: die Freigabe der Funkgeräte ist sehr zentral, hierzulande beim LKA, in/nahe der Landeshauptstadt. Wenn da was einschlägt, wo kommt die BSI Sicherheitskarte her und wer macht die Einbuchung ins System?

  • hier ist ein lesenswerter Artikel der Rhein Zeitung zum Thema BOS & Flutkatastrophe 2021

    In der Tat ein sehr eindrücklicher Artikel über die Schwächen des digitalen BOS-Funks. Die Stärken (Verbindung im TMO-Modus mit anderen Funkzellen) ist zugleich die Achillesferse des Systems. Dessen wird man sich sicherlich bewusst gewesen sein, aber aus Kostengründen nichts oder nur sehr wenig dagegen gemacht haben (können). Und vielleicht auch ein Stück weit gehofft haben, dass der Kelch an einem vorbeigereicht werden möge.

    Die Flutkatastrophe hat das Gegenteil bewiesen.


    Bundesweite Rückfallsysteme wird es sicherlich auch in Zukunft nicht geben. Eher kann ich mir vorstellen, dass auf Bundes- und/oder Landesebene "Mobile Schnelleingreifgruppen" gebildet werden, die innerhalb weniger Stunden in das Schadensgebiet verlegt werden können, um dort via Satellit und/oder Richtfunkstrecke eine Kommunikation rudimentär aufzubauen und zu betreiben. Und falls nicht: man wird ja wohl noch träumen dürfen... 🙄

    aus DE gesendet...

  • dafür hättet Ihr Lawinen dabei 🧐 also eine Prämie für die Versicherung mit 0% Risiko

    Gsund bleiben

    Keep clam and chive on