Die subjektive Wahrnehmung einer Krisensituation

  • Ausgelöst durch die Diskussion im Thread bezüglich des Ausfalls des Heizkraftwerkes in Nürnberg stellt sich für mich die Frage: Sind wir als Gesellschaft körperlich und mental wirklich derart schlecht für eine Krise vorbereitet?


    Mich schockieren so manche Äußerungen hier im Forum regelrecht. Da werden schon Horrorszenarien von erfrierenden Schwerbehinderten und ähnliches skizziert, weil womöglich die Temperatur in einigen Wohnungen für wenige Tage auf 10°C absinkt (wobei 15°C aktuell wahrscheinlicher sind).


    Wir erinnern uns: Es sind in einer Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohner etwa 15.000 Menschen betroffen. Sämtliche Hilfsangebote durch Caritas, RK, THW und andere Verbände sind uneingeschränkt aufrecht. Es gibt Strom, fließend Wasser und auch sämtliche andere Infrastruktur ist intakt.

    Das Ausweichen in Hotels und zu Freunden oder Verwandten ist möglich (trotz Corona).

    Schwerbehinderte und andere Pflegebedürftigen brauchten und bekamen schon vorher Unterstützung, und werden sie auch jetzt bekommen.


    Selbst wenn jetzt jeder betroffene Haushalt mit E-Radiatoren nachhilft, um die Raumtemperatur zumindest in einigen Räumen auf über 20° zu bringen, wird darunter das Stromnetz nicht kollabieren.


    Ich betrachte das als vorübergehenden Komfortverlust. Unangenehm, aber ganz weit weg von einer echten Krise.

    Arbeite, als wenn du ewig leben würdest. Liebe, als wenn du heute sterben müßtest.

  • Es überrascht dich, dass die meisten Menschen nicht auf Krisen vorbereitet sind? Wirklich?


    Nur weil die Situation für dich keine Krise ist, heißt das nicht, dass es für andere nicht so ist.


    Die Stadt Nürnberg hat den katastrophenfall ausgerufen. Ergo ist die Situation durchaus ernst zu nehmen.

    Mjch schockieren so manche Äußerungen hier im Forum regelrecht. Da werden schon Horrorszenarien von erfrierenden Schwerbehinderten und ähnliches skizziert,

    Das hat niemand behauptet und ist eine völlige Übertreibung des geschriebenenen.

  • Krise ist relativ, denn wir sind halt alle extrem verwöhnt.



    Ich kenne niemanden ..


    .. der schon jemals in seinem Leben gehungert hat.


    .. der einen Angehörigen mangels ärztlicher Versorgung verloren hat


    .. der sein Wasser aus einem Gewässer holen muss


    ..der sein Essen selber jagen oder sammeln muss




    Die Krisen und SHTF-Szenarien  für die wir preppen, wäre einem Steinzeitmenschen kein Arschrunzeln wert.


    Sollen wir es deshalb sein lassen??



    Grüße


    MvO

  • Es zeigt einmal mehr dass Preppen auch eine mentale Vorsorge ist. Tragisch ist allerdings dass der moderne Homos Digitalis App ganz selbstverständlich davon ausgeht dass nichts, aber wirklich absolut gar nichts vom geplanten und durchterminierten Alltag abweicht, das Wetter und die Natur soll sich gefälligst an den Willen des Menschen halten.

    Man könnte ja schon beinahe von einer komödischen Episode in diesem bisschen Winter sprechen: Da gehen die Kinder statt in die Schule auf die Strasse um gegen Klimaerwärmung zu demonstrieren, die Unantastbaren erlassen ein Gesetz nach dem anderen um die Temperatur zu senken und Väterchen Frost hört endlich einmal zu - er beschehrt frostige Temperaturen und etwas Schnee wie sie früher im Winter normal waren. Rummmssss - Vollkatastrophe.


    So gesehen - Ja, wir sind wirklich arm dran.

    Those who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety.

    Benjamin Franklin

  • Tatsache ist doch, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung unser Land nebst aller vorhandener Infrastruktur für (absolut) sicher hält.

    Es gibt keinen Mangel an Lebensmitteln, Strom, Unterkunft, Arbeit, medizinischer Versorgung etc.

    Kurzum: Man lebt auf einer Insel der Glückseligkeit. Und das schon seit Jahrzehnten.


    Daher ist das Bewusstsein für die Fragilität dieser Gerüste, der kritischen Infrastrukturen bei den meisten einfach gar nicht vorhanden. Selbst wenn es mal hier und da eine Meldung diesbezüglich gibt, wird es gelesen und der deutsche Michel geht wieder zur Tagesordnung über. Frei nach dem Motto: „ Betrifft mich nicht wirklich“.


    Lediglich von Stör-/Unglücksfällen direkt Betroffene sind da dann anderer Meinung und das Bewusstsein für die eigene „Verletzlichkeit“ rückt in den Vordergrund.


    Da fällt mir noch ein:

    Erst der Verlust lehrt den Wert der Dinge


    Und ja, wir als Gesellschaft sind so arm dran. Da es nicht einfach war und ist, ein entsprechendes Umdenken in die Köpfe aller hinein zu bekommen. Und genau das wird irgendwann genau diesen um die Ohren fliegen.

  • Ich verstehe die Frage nicht ganz. Geht es darum, dass der Katastrophenfall als unangemessen angesehen wird? Würde ich per se nicht so sehen. Natürlich klingt das etwas martialisch. Ich nehme aber an, dass das Hintergründe darin hat, was die örtliche Verwaltung anordnen kann und auf welche Ressourcen sie Zugriff bekommt. Da kann vielleicht jemand was zu sagen, der sich mit Verwaltungsrecht näher auskennt.


    Oder erscheint die Bereitstellung von Hotelzimmern als übertrieben? Würde ich auch etwas anders sehen. Es ist ja nur ein Angebot. Wer ohne das klar kommt, bleibt halt zu hause. Alle anderen können das nutzen, aus welchen Gründen auch immer sie das für nötig halten.


    Oder wird das Ereignis insgesamt als kein Thema für uns hier angesehen? Sehe ich auch nicht so. Ich halte es durchaus auch legitim, sich auf Dinge vorzubereiten, die eher unter die Überschrift "kleine Unannehmlichkeiten" fallen als unter "große Katastrophen".

  • Ich denke es ist einfach ein Generationenthema.


    Vor 60 oder 70 Jahren hat niemand "vorausgesetzt" eine warme Wohnung zu haben. Man musste selbst dafür sorgen genau das Raumklima zu haben, welches man möchte.


    Heute sitzt die Mehrzahl der Menschen in Wohnungen und Häusern mit modernen Heizsystemem, welche per Knopfdruck die gewünschte Raumtemperatur herstellen. Das ist definitiv ein Luxus unserer Zeit, aber eben auch Usus geworden.


    An einen Ausfall denkt niemand, weil er auch sehr selten vorkommt.


    Auch muss man sich die Definition einer "Krise" ansehen. Hier geht es keineswegs um Leben oder Tod, sondern um eine Situation die für einen eine außergewöhnliche Belastung darstellt, ganz unabhängig davon ob das psychischer oder physischer Natur ist.

  • Ich denke, hier haben wir ein ganz klassisches "Ansichtenproblem".

    Für uns Prepper geht so ein Fernwärmeausfall sprichwörtlich "kalt am Arsch vobei".

    Für solche, die jeweils jeden Tag i den Laden rennen, weil möglichst frisch und so und somit gerade mal von Feierabend bis zum Abendessen vorbereitet sind, ist so ein Ausfall verherend.

    Die genannten Fälle, ich kenne jetzt auch niemanden, der verhungert ist oder mangels Arzt gestorben ist (selbstverschuldete Fälle ausgenommen).

    Aber ich kenne tatsächlich Leute, die nicht mal einen Heizlüfter im Haus haben. Ob diese dann jetzt so keine Ahnung haben und in der Bratpfanne ein Feuer im Wohnzimmer machen, wage ich mal zu bezweifeln. Aber je nach dem, wenn die Heizungen im Laden ausverkauft sind und diese zu stolz sind jemanden zu fraģen, ob sie deren Heizlüfter ausleihen könnten, könnte es schon sehr ungemütlich werden.

    Am meisten Sorgen mache ich mir da um die 90er und 00er-Generation, die nicht mal ansatzweise den kalten Krieg miterlebt hat und somit Vorsorge überflüssig halten.

    Ich möchte gerne friedlich, schlafend sterben wie mein Großvater und nicht schreiend wie sein Beifahrer.:Sagenichtsmehr:

  • Kommt immer auf das Alter an und die Herkunft...


    Ich bin 38, mein Vater wurde 76 und wurde 1944 in einem Luftschutzkeller in Wischau/Mähren geboren; meine Großmutter ist von der Nähe Darmstadt dorthin geflohen.

    Nach dem Kriegsende ist sie über lange Tage hinweg von Wischau mit meinem neugeborenen Vater und meinem 3jährigen Onkel auf den Armen zurück nach Darmstadt "gereist" und wurde unterwegs auch noch Opfer von physischer und psychischer Repressalien.

    Darmstadt war übrigens kurz vorher total zerstört wurden ("Brandnacht"), sodass sie die restlichen 20km mit den zwei Kindern durch die Trümmer nach Hause gelaufen ist. Zur Brandnacht ganz interessant, Darmstadt war Versuchsfeld der Briten für eine detaillierte Massenvernichtung , recht ausgeklügelt (Quelle Wikipedia: Luftangriff auf Darmstadt – Wikipedia). Das meine ich nicht im positiven Sinne.


    Da gabs keine Diskussionen, welcher Haix der bessere ist und ob du die Kinder auf dem Rücken in einem Gestell trägst. Sie hatte Schwein, dass es Spätsommer war.

    Die Amis haben hier in Ober-Ramstadt Versorgung gestemmt, davon haben meine Vorfahren profitiert (neben der üblichen "ländlichen" Grundversorgung, die viele damals dort hatten). Vorteil war auch, dass die US Army dort einen Stützpunkt zur Panzerkettenaufbereitung aufgebaut hatte.


    Überlegt mal, ich bin Generation GameBoy, das davor ist gar nicht lange her....



    ------------------



    Aber BTT, es sind 15T Leute von einer Situation betroffen, die wahrscheinlich ein Großteil der Betroffenen nicht sauber durch getroffene Vorbereitung mitigieren kann; nur darum geht es, und darauf will Ben hinaus. Die Frage ist doch immer, was würdest DU tun?

    Einmal editiert, zuletzt von zOSh ()

  • Ich war mal auf einer Hütte mit... ich will jetzt keine Klischees aufwärmen...


    Eine Annektdote:

    Eine Frau wollte Kaffe. Es stand eine Tüte Instantkaffe rum und der Holzofen war angeheizt.

    Für die Frau war es wirklich eine Katastrophe, dass keine Kaffeemaschine da war, weil sie

    nach dem Aufstehen *lebensnotwendig* einen Kaffee braucht, und aber wohl in ihrem ganzen

    Leben noch nie Kaffee ohne Kaffeemaschine gemacht hat. Sie war mit Instantkaffee überfordert.


    Das ganze Wochenende hab ich gedacht, die haben sich abgesprochen und verarschen mich.


    Nein, wie schon anderswo geschrieben: Wir leben alle oft in sehr kleinen Filterblasen, und das war auch

    schon vor Facebook so. Man sucht sich Freunde, mit denen man sich wohl fühlt, und das sind für mich

    eben welche, die zumindest ein Feuer in Gang bringen können.


    Man sollte aber immer daran denken, dass *da draußen* ganz viele sind, die *ganz anders* sind.


    Der Mensch hat nicht umsonst eine angeborene und oft rigoros aberzogene Angst vorm Fremden.



    Nick

    Quidquid agis prudenter agas et respice finem

  • Ben

    Hat den Titel des Themas von „Sind wir wirklich so arm dran?“ zu „Die subjektive Wahrnehmung einer Krisensituation“ geändert.
  • Ausgelöst durch die Diskussion im Thread bezüglich des Ausfalls des Heizkraftwerkes in Nürnberg stellt sich für mich die Frage: Sind wir als Gesellschaft körperlich und mental wirklich derart schlecht für eine Krise vorbereitet?

    Wenn die Stadt Nürnberg deswegen den Katastrophenfall ausruft, dann hat das ganz einfach den haushaltsrechtlichen Hintergrund, dass die eingesetzten HiOrgs ihre Kosten für den Einsatz bei der Stadt geltend machen können und auch eingesetzte ehrenamtliche Helfer einfacher Verdienstausfall über die Stadt geltend machen können. Ohne diese Ansage seitens der Stadt müssten die HiOrgs auf den guten Willen der Stadt setzen, im Nachgang die Kosten für Wolldecken, Heizmaterial etc. geltend machen zu können und die ehrenamtlichen Helfer dürfen auf den guten Willen ihrer Arbeitgeber setzen, der sie gnädigerweise vielleicht dann doch mal freistellt. Und sie müssen im Katastrophenfall nicht Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen oder ähnliches.


    Also, eigentlich ein ziemlich unaufgeregter Hintergrund für die Feststellung des Katastrophenfalls (getreu dem Motto: Wer die Musik bestellt, bezahlt auch. In diesem Fall die Stadt Nürnberg).

  • Wie der neue Titel korrekt sagt: Krise ist definitiv subjektiv.


    Meine persönlich "schlimmsten" ;) Krisenszenarien und mein Lösungsansatz:


    Ich werde hungrig sehr ungnädig (um es höflich auszudrücken).

    Deshalb enthält mein EDC 3000kcal und es gibt IMMER reichlich Vorräte (selbst "auf Arbeit").


    Ich brauche meinen Espresso.

    Deshalb gab und wird es weder Urlaub noch größere Wanderung ohne Bialetti geben.

    Wenn ich "nur" noch 2kg Bohnen zuhause habe, wird zeitnah Nachschub gekauft.



    Meiner Meinung nach sollte Jeder mal darüber Nachdenken was für ihn eine Krisensituation wäre, und dann vorsorgen.

    Auch wenn man gewisse Rechte hat : Auf Staat , Versorger , Supermarkt, etc. zu schimpfen hilft in einer Krise kaum.

    Dafür ist danach genug Zeit.



    Ich denke aber auch das viele bewusst keine Vorsorge betreiben "weil nicht sein kann was nicht sein darf".





    Grüße


    MvO

  • Eine Frau wollte Kaffe. Es stand eine Tüte Instantkaffe rum und der Holzofen war angeheizt.

    Für die Frau war es wirklich eine Katastrophe, dass keine Kaffeemaschine da war, weil sie

    nach dem Aufstehen *lebensnotwendig* einen Kaffee braucht, [...]

    Ich war 8 Jahre bei der Bundeswehr.

    Der VDF (Versorgungsdienstfeldwebel) hat jeden Morgen um 6.30Uhr

    den KP-Keller aufgeschlossen, dem zugeteilten GWDL-Gefreiten Kaffee

    ausgehändigt, damit die Feldjägernachtschicht um 7 Uhr ihre Brühe bekam.

    Einmal kam der VDF zu spät zum Dienst und konnte die "physischen Reste"

    vom Gefreiten aus dem Keller holen; die Nachtschicht und die beginnende

    Tagschicht hatten den armseligen Gefreiten sowatt von ferig gemacht, nur

    wegen eines nicht vorhandenen Scheiß-Kaffees... Zum Glück war es nicht

    Crystal-Meth.


    Edit: So viel zur Wahrnehmung einer Krisensituation. ;)

  • Irgendwie befremdlich, das ausgerechnet in einem Survivalforum für so was Simples wie ein Heizungsausfall nach Hilfe vom Staat/EVU etc. geschrien wird. Wenn in einem EFH die Heizung ausfällt, und man deshalb ins Hotel mag, zahlt das auch nicht der Hersteller der Heizunganlage. Technische Systeme können nun mal ausfallen, damit muss man rechnen und leben. Es gibt ja sogar noch Strom und damit alternative Heizmöglichkeiten. Wer nicht mal mit sowas zurechtkommt, was ist dann wenn's wirklich mal 'nen Blackout gibt? Soll der Staat dann auch kostenlose notstromversorgte Hotels für alle bereithalten? Und warum sollen die Heizungsgeschädigten einen Anspruch auf kostenlose warme Hotelzimmer haben, Obdachlose aber nicht?

  • Wer nicht mal mit sowas zurechtkommt, was ist dann wenn's wirklich mal 'nen Blackout gibt?

    Hier geht es nicht um gesunde, kräftige und fitte Menschen. Meine Sorge gilt den Alten, Kranken, Schwachen und den Kindern in so einer Situation. Menschen die eben nicht in der Lage sind so eine Krise schadlos zu überstehen. Und ja, auch Obdachlose gehören dazu. Hier sehe ich den Staat und die Allgemeinheit in der Pflicht die Verantwortung und die Sorge zu übernehmen.

    Dazu kommt noch das viele Menschen verlernt haben vorzusorgen. Früher war das völlig normal einen Ofen mit genügend Brennstoff und eine gefüllte Speisekammer zu haben. Wer mit Fernwärme, Vollversorgung und gut behütet groß geworden ist, wie schon seine Eltern, kommt einfach nicht auf den Gedanken das es mal anders laufen könnte. Die Heizung und das Wasser sind eben immer warm, der Strom kommt immer zuverlässig aus der Steckdose und wenn die Läden 22 Uhr schließen gibt es immer noch den Pizzadienst, Tankstellen und MC Doof. Keiner (Schule, Medien, Eltern, Verwandte usw.) hat es für nötig gehalten wenigstens etwas Wissen zu vermitteln. Sendungen die über einen kommenden Blackout informieren sind dünn gesät. Es ist gar nicht gewollt das die Menschen darüber nachdenken was passieren kann, wenn immer mehr grundlastfähige Kraftwerke abgeschaltet werden. Die Energiewende muss eben durchgesetzt werden, egal um welchen Preis. Wenn fundiert über mögliche Folgen berichtet und aufgeklärt würde wären die Menschen dagegen und würden auf die Barrikaden gehen.

    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom..........;-)

  • Meine Sorge gilt den Alten, Kranken, Schwachen und den Kindern in so einer Situation. Menschen die eben nicht in der Lage sind so eine Krise schadlos zu überstehen.

    Ich weigere mich, einen simplen Heizungsausfall bei weiter vorhandener Stromversorgung etc. als Krise zu bezeichnen. Sowas ist normal und kann jederzeit passieren. Überall auf der Welt passiert sowas regelmäßig, wir sind da sehr verwöhnt aufgrund der üblicherweise noch recht gut funktionierenden Infrastruktur.

    Auch Alte/Kranke/Schwache können sich mit Heizdecken u. ä. behelfen. Wenn sie das nicht können, kommen sie auch nicht so ohne weiteres in ein Hotel. Dann sind sie eh auf fremde Hilfe angewiesen, das ist ein komplett anderes Thema.

    Dazu kommt noch das viele Menschen verlernt haben vorzusorgen. Früher war das völlig normal einen Ofen mit genügend Brennstoff und eine gefüllte Speisekammer zu haben. Wer mit Fernwärme, Vollversorgung und gut behütet groß geworden ist, wie schon seine Eltern, kommt einfach nicht auf den Gedanken das es mal anders laufen könnte.

    Dann wird es aber höchste Zeit, das zu lernen. Wenn das der Staat jetzt alles lösen würde mit kostenlosen Hotelzimmern für jeden Betroffenen, kommt ja wieder keiner auf die Idee, sich mal selbst um was zu kümmern. Wenn dann mal 'ne echte Krise kommt, wo externe Hilfe für alle schlicht nicht mehr möglich ist, dann gute Nacht.

  • Irgendwie befremdlich, das ausgerechnet in einem Survivalforum für so was Simples wie ein Heizungsausfall nach Hilfe vom Staat/EVU etc. geschrien wird.

    Nur weil ich mir selbst helfen kann, heisst das doch nicht, dass nicht externe Hilfe - wenn die Bedingungen stimmen - zuerst in Anspruch nehme. Ich fange doch nicht direkt damit an, meine Vorräte oder Ausrüstung auszupacken, wenn das nicht die deutlich bequemere/sinnvollere Alternative ist...


    Ich preppe ja wirklich gerne, aber wenn ich die Wahl zwischen meiner Notausrüstung oder einem (bezahlten) Hotelzimmer mit z.B. Frühstücksservice habe, muss ich nicht wirklich lange überlegen...

    *** Das Wichtigste am 'Vorbereitet sein' kann man nicht in Taschen packen ***

  • Ich weigere mich, einen simplen Heizungsausfall bei weiter vorhandener Stromversorgung etc. als Krise zu bezeichnen.

    Wenn das deine Definition von Krise ist, ist das in Ordnung. Du musst anderen Menschen aber auch zugestehen, dass sie das anders sehen, weil:


    Sowas ist normal und kann jederzeit passieren.

    Das ist eben nicht normal in Deutschland oder Westeuropa generell. Ein Heizungsausfall ist sehr selten. Besonders einer, der nicht rasch behoben werden kann.

    Wenn das der Staat jetzt alles lösen würde mit kostenlosen Hotelzimmern für jeden Betroffenen, kommt ja wieder keiner auf die Idee, sich mal selbst um was zu kümmern.

    Du wirst auch im besten Fall* niemals mehr als 40 bis 50% der Bevölkerung haben, die gut auf Krisen vorbereitet sind. Das heißt mit Notvorrat und alternativen Heiz- und Kochmöglichkeiten.


    Die restlichen 50 bis 60% werden auf so eine Krise unvorbereitet sein. Solche Menschen lassen wir als Gesellschaft dennoch nicht frieren.


    *nach einer mehrjährigen intensiven Werbekampagne des BBK im Bezug auf Notvorrat

  • Wenn das der Staat jetzt alles lösen würde mit kostenlosen Hotelzimmern für jeden Betroffenen, kommt ja wieder keiner auf die Idee, sich mal selbst um was zu kümmern. Wenn dann mal 'ne echte Krise kommt, wo externe Hilfe für alle schlicht nicht mehr möglich ist, dann gute Nacht.

    In dem Fall hat die Kommune halt diese Möglichkeit geschaffen, weil es sich offenbar in Zusammenarbeit mit den Hotels umsetzen ließ. Da kann ich nichts Verwerfliches dran erkennen. Unter anderen Bedingungen wäre das vielleicht nciht möglich gewesen. Also gut, dass das hier geklappt hat.


    In dem Fall sehe ich da außerdem eine gewisse Verpflichtung, weil Fernwärme häufig entweder von kommunalen Unternehmen bereitgestellt wird oder sie zumindest im kommunalen Bebauungsplan für ein Gebiet vorgeschrieben ist. Insofern kann man da mit Recht erwarten, dass die öffentliche Hand sich kümmert.


    Und andernfalls halte dürfte der Lerneffekt überschaubar bleiben. Vielleicht legt der eine oder die andere sich einen Heizlüfter zu, wenn die Baumärkte wieder offen sind, aber ich vermute, dass das nur die wenigsten wirklich tun werden.

  • Ob der Ausfall des Heizkraftwerks für Obdachlose wirklich einen Unterschied macht, wage ich zu bezweifeln. Das bedeutet natürlich nicht, dass man ihnen nicht helfen soll (ganz im Gegenteil, gerade bei Nächten mit so starkem Frost ist hier Hilfe dringend notwendig). Allerdings ist das ein Thema, das unabhängig von einer Krisensituation ist.


    Was ich generell sehr schade finde ist die passive, ja kontraproduktive Haltung, die der Staat in dieser Hinsicht einnimmt. Klar gibt es BBK oder Zivilschutzverbände. Aber das sind einsame Rufer in der Wildnis.

    In Japan zB. werden regelmäßig Erdbebenübungen durchgeführt, und zwar bereits im Kindergartenalter.

    Bei uns hingegen wird alles was die Bevölkerung auch nur ansatzweise beunruhigen könnte totgeschwiegen oder sogar dementiert!

    Arbeite, als wenn du ewig leben würdest. Liebe, als wenn du heute sterben müßtest.