... die Knie plötzlich schlottern?

  • Das der eigene Körper einen in Notsituationen einen Strich durch die Rechnung macht, konnte ich auch im letzten November bei mir erleben.
    Es war kein Unfall, keine Person kam zu schaden.


    Von gleich auf jetzt kamen Mengen von Wasser aus unserer abgespannten Badezimmerdecke und setzten innerhalb weniger Minuten die frisch renovierte Diele und das Schlafzimmer unter Wasser.


    Ich stand nur da und schrie und schrie und rannte anschließend wie ein wild gewordenes Eichhörnchen durchs Treppenhaus.Meine Nachbarin von unten war ganz ruhig, fragte nach Tüchern, Eimer, Kehrblech und half mir mit den Wassermassen fertig zu werden. Immer wieder fing ich wie ein Schlosshund an zu heulen und am ganzen Körper zu zittern. Ich ließ mich kaum beruhigen, auch meinem Mann (der direkt nach meinem Anruf nach Hause kam) war es nicht möglich mich dauerhaft zu beruhigen. Selbst am nächsten Tag fing ich immer wieder an zu weinen.


    Als ich mich Tage später wieder unter Kontrolle hatte, war ich mega enttäuscht von mir. Wenn ich schon bei einem Wasserschaden so austicke, was ist denn dann erst wenn das Schicksal mal so richtig zu schlägt?! Bin ich überhaupt überlebensfähig in Extremsituationen? Seit dem bin ich mir da so gar nicht mehr sicher.

    - Der wichtigste Vorrat ist Wissen, den können selbst Plünderer nicht mitnehmen -

  • Zitat von nashua;317872

    ...


    Von gleich auf jetzt kamen Mengen von Wasser aus unserer abgespannten Badezimmerdecke und setzten innerhalb weniger Minuten die frisch renovierte Diele und das Schlafzimmer unter Wasser.
    ...


    Meine Rede:
    Set und Setting!
    Ein plötzliches Ereignis, daß die gerade erfolgreich abgeschlossene Arbeit zu nichte macht.


    Ich tippe jetzt mal blind drauf, daß Dich das Renovieren angestrengt hat, mit deutlichen Komforteinbußen verbunden war, jede Menge Dreck in der ganzen Wohnung verursacht hat und Du nur einfach froh warst, es geschafft und hinter dir zu haben.
    Und jetzt kommt die (jedenfalls in diesem Augenblick für dich) Sintflut und Du siehst die Früchte deiner Anstrengungen im wahrsten Sinne des Wortes davonschwimmen. Einmal abgesehen davon, daß es auch eine Urerfahrung der Menschheit ist, daß Wasser (in ausreichender Menge) bedrohlich ist.


    Das ist kein Grund von dir enttäuscht zu sein! Das ist zutiefst menschlich!


    Es bringt gar nichts, die eine Situation mit der anderen zu vergleichen oder gar auf schlimmere Szenarien zu extrapolieren...


    Was dir hilft, ist zu versuchen, Ursache und Wirkung möglichst nüchtern zu analysieren und dir daraus Strategien zu entwickeln, mit deinen Fähigkeiten und Stärken Extremsituationen zu meistern.


    Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Menschen vom Typus „Ich bin der Held und kann alles, mich haut nix um!“, die immer auf alles und jedes cool reagieren und jede Extremsituation völlig easy durchstehen, irgendwann eine eine Mission richtig vergeigen, ihr Team im Einsatz gefährden und im Zweifen einen tierischen Kolateralschaden hinterlassen.
    Dann ist es besser, um die eigenen Schwächen zu wissen, die eigenen Grenzen zu kennen und rechtzeitig den „doppelten Boden“ reinzuplanen ...


    Be prepared!


    Christian

    Hier wird das Licht von Hand gemacht ... und der Motor gehört nach hinten!

  • Danke das du dich hier mitteilst


    Wertes Forummitglied!


    Danke das du über Ben deine Erfahrung veröffentlichst.


    Zu mir: Als ich 1990 bei meiner zukünftigen Frau übernachtete, sie wohnte auch noch bei Ihren Eltern, bekam ihr Vater einen Herzinfakt. Meine zukünftigte Schwiegermutter wusst gar nicht was zu schaffen war und schrie rum. Wir wachten auf und ich erkannt die Situation.


    Tja, bei mir ging alles rasend schnell im Kopf. Keine Ahnung warum, so eine Situation hatte ich zum Glück noch nie erlebt. Aber die letzte "Erste-Hilfe-Schulung" lag duch den Bund erst kurz zurück.


    Parallel zu meiner Ersten Hilfe (Herzmassage, ...) rief ich meiner Zukünftigen zu, sie war total verstört, dass sie 112 anrufen soll und dann runter die Haustüre öffnen sollte, sich danach direkt an die Strasse stellen damit der Notarzt sofort das Haus erkennen kann. Nach einer gefühlten Ewigkeit von tatsächlich vielleicht 5 Minuten waren sie da. Leider, jetzt kommt das traurige, war jede Hilfe zu spät und mein zukünftiger Schwiegervater war verstorben.


    Danach war ich zwar wie, tja wie beschreibe ich es am besten, nicht benommen oder verstört, sondern irgendie leer und demotiviert, nicht depressiv. Aber ich musste, und das habe ich auch gemacht, mich um meine Freundin kümmern und ihre Mutter. Ca. eine Stunde später kam dann mein jetziger Schwager vorbei.


    Wechsel: Vor ein paar Jahren waren wir, meine Frau unser Sohne und ich, in Wagrain - Salzburger Land - und verbrachten dort unseren sehr schönen Urlaub (leider war ich da noch kein Amateurfunkter - Mist). An einem Tag im Schwimmbad, Innenbereich kurz vor dem Durchgang Innen/Außen, hörte ich plötzlich hinter mir "blubbernde Geräusche". Ein Mädchen welches NICHT schwimmen konnte (ich sage auch immer das ich es nicht kann, wenn ich meinen Sohnemann sehe. Ich versuche nur nicht zu ertrinken - kein Angeben/nur zur Erklärung: Er hatte u.a. Traing bei Sahra Poewe und er war schneller als sie im Brust und war auch schon einmal deutscher Meister) war kurz vor dem ertrinken und niemand ausser mir bemerkte das (zumindest kam mir das vor das so vor da niemand reagierte). Ich drehte mich blitzartig rum, so als ob ich gewusst hätte was hienter meinem Rücken passierte und zog das ca. 8 Jahre alte Mädel hoch über Wasser. Sie spuckte Wasser aus und hustete stark. Mir schien, dass sie einerseits, dass sie untergegangen war, geschockt war und die "Rettung" (so denke ich zumindest) nicht voll verstanden bzw. realisiert hatte. Ich sagte nur, warum ist mir bis heute nicht klar: "Solange ich hier bin ertrinkt hier keiner".


    Ehrlich, Formumsgemeinde. Ich habe keinen Grund zum Lügen bzw. die Unwahrheit zu sagen. Dieser Satz ist mir spontan aus dem Mund gekommen. Ich habe das Mädel dann auf den Beckenrand gesetzt, sie stand hustend auf, schaute mich komisch an nach dem Motto "was war das denn jetzt?" und lief, so denke ich, zu ihrer Mutter im Außenbereich.


    Oh, da fällt mir noch etwas ein: Ich war im Zeitraum von 96 bis 99 Ersthelfer bei einem mittelständischen Unternehmen in Halver. Eines Tages wurde ich alamiert da ein Kollege auf der Treppe zum Keller (Archiv/Durchgang Produktion) gefallen sei. Tja, da lag der Dxxx auf der Treppe und zuckte, Augen offen, konnte nicht reden. Mein Kollege (auch Erstehelfer) und ich haben ihn vorsichtig festgehalten das er sich nicht weiter verletzt und natürlich geschaut ob er frei Atmen kommte. Zwischenzeitlich war der Notarzt verständigt und ein Arzt vor Ort (aus seiner Praxis) kam sofort vorbei. Der Kollege wurde ins Krankenhaus eingeliefert und nach einigen Tagen erfuhren wir, dass er ein Blutgerinnsel im Kopf hatte. Er überlebte ohne Schäden und muss seit der Zeit immer Macumar nehmen.


    Wie war es bei mir? Komisch: wie eine Maschine ohne zu denken obwohl ich ein blöder Bürohengst bin. Wie abgeschaltet nur noch versuchen richtig zu handeln.


    Nach dem Einsatz haben wir im Büro natürlich gesprochen und ich hatte diese Sache im Kopf. Jedoch war es nicht so das ich nicht mehr arbeiten konnte. Ich war zwar unterbewußt bestimmt noch am verarbeiten, aber die Arbeitsroutine hat mich damals abgelenkt.


    Das als meine Erlebnisse die ich hier teile. Aber auch nur, da das Forum "relativ" anonym ist.


    Waidmannsheil und Gesundheit (!) an euch alle!
    zero-error

    Wetten Sie niemals gegen den menschlichen Erfindungsreichtum. Der größte Feind der Propheten der Apokalypse ist ein Ingenieur (Daniel Lacalle)

  • Bin jetzt doch so beeindruckt von den mutigen Berichten hier, dass ich auch dazu noch etwas schreibe...


    ich kenne und habe natürlich auch Situationen erlebt bei den mir Angst versucht hat meine Handlungsfähigkeit zu lähmen. Werde jetzt keine so anschauliche Beschreibung ausführen, nur so viel... als Ersthelfer bei einem Verkehrsunfall bei dem ein LKW sechs stehende personenbesetzte Autos zusammen geschoben hatte und sehr, sehr persönlich betroffen als mein damals 5 jähriger Sohn eine Murmel auf der Luftröhre hatte die ich "nur" mit "Finger in den Hals" entfernen konnte und gedanklich schon einen Luftröhrenschnitt befürchtete!


    Geholfen um meine menschlich, völlig natürliche Angst nicht die Oberhand gewinnen zu lassen und auf das jetzt unbedingte sofortige Handeln zu fokussieren hatte mir ein Mantra der Bene Gesserit (Original aus "Dune - Der Wüstenplanet") ...die Litanei gegen die Angst:


    Ich darf keine Angst haben


    Die Angst tötet das Bewusstsein


    Angst ist der kleine Tod, der zu völliger Zerstörung führt


    Ich werde meiner Angst ins Gesicht sehen


    Sie soll mich völlig durchdringen


    Wenn sie von mir gegangen ist, wird nichts zurückbleiben


    Nichts außer mir


    Das (gedankliche) Aufsagen eines Passenden, bei mir dieses Mantras wird auch als Resilienz oder Selbstreferenz bezeichnet und ist nachgewiesenermaßen eine sehr wirksame Form sehr schnell ein mentales Beruhigen zu erreichen. Insbesondere in Stress/Angstsituationen hilft dies unser neuronales Netzwerk gewissermaßen wieder einzutackten und die Handlungshoheit über den Verstand zurück zu erlangen. Das funktioniert übrigens auch mit einem selbsterdachten Spruch oder einem Gebetsvers, solange dieser Ichbezogen ist... also nicht: "Gott hilf mir bitte, sondern Gott du hast mir die Stärke gegeben damit ich..." Hat man sich so ein Mantra einmal eingeübt wird es sich quasi von selbst in einer Angstsituation abrufen und entfaltet schon damit seine Wirkung!


    Hoffe für uns Alle auf keine solche Situationen mehr aber auch so etwas ist Vorbereitung...

    Normatilät tsi legidilch enie statsiticshe Häunufg mögilhcer Wahcsrheinlicheikten!

    Meine wichtigsten Ressourcen sind Zuversicht, mein Wissen, Ideen, handwerkliches Geschick und die verknüpfte Improvisation davon!
    Gruß derSchü

  • Das kling blöd und selbstsüchtig, aber folgender Gedankengang kann helfen:
    1. Feststellung….ICH selbst bin nicht betroffen…Aufatmen…Durchatmen…
    2. Feststellung… Es ist niemand betroffen zu dem ich ein eigenes innerliches Verhältnis hätte
    3. Es mag bessere Menschen geben, um in dieser Reaktion zu agieren..aber ICH bin nun mal da
    4. Ich bin die beste (so traurig das ist) Chance die das Opfer jetzt hat…also ran

    Erst mal Danke für diesen Thread und v.a. für die ehrlichen und offenen Antworten, die mir viele Anregungen gegeben haben.


    Die oben von witchcraft geschriebenen Punkte erinnern mich an meine TH-Ausbildung bei der Feuerwehr. Und ich möchte sie noch mal unterstreichen: unser Ausbilder hat uns zwei Dinge mit auf den Weg gegeben, die das oben Gesagte auf den Punkt bringen.


    "Denkt daran, wenn ihr zu einem Unfall gerufen werdet: Der Patient hatte heute schon einen schlechten Tag, da solltet ihr nicht auch noch einen schlechten Tag haben!"


    Aber auch: "wenn ihr je nach Tagesform auf der Anfahrt merkt, dass ihr an dem Tag nicht in der Lage seid, ganz vorne zu arbeiten, dann sagt es dem Gruppenführer rechtzeitig."

    Es hilft ja nicht, wenn man dem Rettungsdienst zusätzliche Arbeit macht und ebenfalls umkippt.


    Unser Ausbilder hat immer wieder betont: "ihr seid die beste Chance, die der Patient in dem Augenblick hat!" Das bedeutet auch: selbst wenn wir nicht perfekt handeln (können!), dann ist die geleistete Hilfe im Rahmen der eigenen Möglichkeiten sehr viel mehr, als gar nichts zu tun. Denn sie ist die einzige Hilfe, die der Patient im entscheidenden Moment bekommen wird.


    Und sowohl für Ersthelfer als auch "Berufshelfer" gilt: wenn man droht, vor Angst wie gelähmt zu sein, weil man eigentlich dem Fluchtreflex nachgeben will, aber aufgrund der Situation oder Rolle zum "Kampf" gedrängt wird, dann sollte man sich einige wenige Sekunden Zeit nehmen, kurz abwenden, tief durchatmen und sich der eigenen Stärken und Möglichkeiten bewusst werden.


    Ziel ist, das instinktive Gefühl von Angst zu durchbrechen, um wieder Handlungsfähigkeit zu gewinnen. Dabei kann einem ein anderer übrigens sehr gut helfen. Wenn er zu besonnener Handlung fähig ist, so wie im Eingangspost geschildert, dann kann er dem "gelähmten" Helfer durch klare Fragen oder Anweisungen wieder zur geplanten Handlung zurück helfen: wie z. B. das Holen des Rettungsmessers!


    Wenn das die entscheidende Hilfe in der o.g. Situation war, dann wurde bereits geholfen! Alles richtig gemacht!


    Ginge noch mehr? Geht es noch besser? Sicher, in der nüchternen Rückschau und vom Sofa aus betrachtet geht immer irgend etwas besser. Aber das sollte man nicht zum Maßstab machen: denn es geht nur, was geht, im Hier und Jetzt.


    Die zweite Aussage, die ich verinnerlicht habe: "was du nicht siehst, musst du später nicht verarbeiten." Im Sinne von "schau dir nicht alles an, wenn du es nicht musst"!


    Ja, im RD oder bei der FW hat man nicht immer die Wahl. Aber da wo du die Wahl hast, handel zu deinem eigenen Schutz so, dass du nicht unnötig Dinge aufnimmst, die du später verarbeiten musst.


    Ein Beispiel: wir wurden zu einer Türöffnung gerufen. Zwei Personen gestürzt und verletzt. Von uns waren schon ausreichend Kräfte zur Erstversorgung in der Wohnung. Wir anderen wurden vor Ort nicht benötigt. Ich habe daher gar nicht erst versucht, ein eigenes Bild des Geschehens zu bekommen. Stattdessen bin ich nach Rücksprache nach unten gegangen, um den RD einzuweisen.


    Für den Ersthelfer in einer Unfallsituation gilt entsprechend: wenn bereits ausreichend (!) Helfer vor Ort sind, sucht man sich andere sinnvolle Aufgaben (Betreuung von Angehörigen/Zeugen, Absicherung der Unfallstelle, Einweisen des RD oder Ansprache von Gaffern), aber muss nicht zwingend mit ansehen, wie andere den Verletzen helfen (ohne selbst etwas beizutragen). Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.


    Was vielleicht auch (etwas) helfen kann, ist mentale Vorbereitung. So wie ein Torwart mit mentalem Training versucht, sich auf bestimmte Situationen vorzubereiten, sodass er nachher im Spiel reflexhaft reagieren kann, so können wir uns Situationen vorstellen und uns hineinversetzen, um im Ernstfall automatisch richtig zu reagieren.


    Noch ein Beispiel: ich fuhr vor einigen Wochen auf einer zweispurigen Landstraße schon eine ganze Weile hinter einem ortsfremden PKW. Vor uns ein LKW. Ich wusste, dass in einem Kilometer ein vierspuriges Stück zum Überholen kommt. Ein riskantes Überholmanöver war also unsinnig.

    Der Fahrer vor mir war vielleicht auf der Urlaubsrückreise und hatte noch eine lange Strecke vor sich. Entsprechend eilig hatte er es, auf die ferne Autobahn zu kommen. Also Blinker links und überholt.


    Aus meiner Perspektive hatte ich schon gesehen, dass es mit dem Gegenverkehr eng werden würde. Er konnte vielleicht zwei bis drei Fahrzeuglängen vor dem entgegenkommenden PKW wieder einscheren. Annäherungsgeschwindigkeit der beiden Fahrzeuge in Summe ca. 200 km/h. Das war weniger als eine Sekunde und verdammt knapp.


    Ich bin nachher noch lange im Kopf durchgegangen, wie sich der Unfall hätte entwickeln können und v.a. wie hätte ich dann reagiert?


    Wie hätte eine ideale Reaktion, eine ideale Reihenfolge von Handlungen ausgesehen? Das habe ich mir versucht vorzustellen und zu verinnerlichen. Klappt das dann auch im Ernstfall? Weiß ich nicht. Das werde ich erst erfahren, wenn es mal dazu kommen sollte.


    Aber ich hoffe (!), dass ich mir so das Überraschungsmoment und damit die lähmende Angst nehmen kann. Und Gelegenheiten zum mentalen Training gibt es ja im Alltag genug. Zum Glück überwiegen die Beinaheunfälle mit den realen. In diesem Sinne, schönen, unfallfreien Sonntag noch. :)

  • Meine persönliche Ansicht zu Angst ist, dass ich sie zu allererst mal nicht unbedingt automatisch als was negatives ansehe. Ich sehe Angst als ein Instrument, das mir hilft, in brenzligen Situationen fokussiert und konzentriert zu bleiben. Es ist allerdings nicht immer ganz einfach.


    Die Kunst ist, sich die Angst zu Nutze zu machen und sich von ihr nicht kontrollieren zu lassen.


    Klar, keine Angst zu haben, wäre fein, ist aber völlig unrealistisch. Also sehe ich mein Ziel darin, mit Angst und stressigen Situationen umgehen zu lernen.

  • Angst gehört zu unseren (teilweise degenerierten) Urinstinkten welche uns schon zu Beginn der Entwicklung des Homo Sapiens den Kopf retten sollte. Angst ist also insofern keine Schande, sondern ein natürlicher Reflex auf Gefahrensituationen.

    Damit Leben und damit umzugehen ist meiner bescheidenen Meinung nach das richtige Vorgehen.

    Die grösste Verwundbarkeit ist die Unwissenheit - Sun Tsu

  • Meine persönliche Ansicht zu Angst ist, dass ich sie zu allererst mal nicht unbedingt automatisch als was negatives ansehe. Ich sehe Angst als ein Instrument, das mir hilft, in brenzligen Situationen fokussiert und konzentriert zu bleiben. Es ist allerdings nicht immer ganz einfach.


    zu unseren (teilweise degenerierten) Urinstinkten welche uns schon zu Beginn der Entwicklung des Homo Sapiens den Kopf retten sollte.


    theBrain & Jaws - gehe hier mit Euch halt "nur" bedingt konform... Ja, Angst im Sinne von Furcht ist ein wichtiger Gefahrenindikator der uns tatsächlich auf "brenzlige Situationen" vorbereitet und uns mental mit einer geschärften Aufmerksamkeit sowie sogar hormonell z.B. Adrenalin oder gesteigertem Herzkreislauf in eine bessere Ausgangssituation versetzt/versetzen soll!


    Beherrschende Angst aber und gerade die hier thematisierte lähmende Angst ist eher ein "StillhaltenErstarrenReflex" der seinen Ursprung im Hirnstamm (Reptiliengehirn) als ältester Teil des menschlichen Gehirns hat, sich bereits vor ca. 500 Millionen Jahren im Laufe der Evolution entwickelte und solange wir als potenzielle Beute nach dem Prinzip lebten "wer sich als Erster bewegt, wird als Erster gefressen"auch seine Berechtigung hatte. Übrigens musste man dann auch nur noch schneller laufen können als der langsamste der Gruppe...


    Genau hier setzt die "Litanei gegen die Angst" an, um eben diesen uralten Neuronenimpuls entgegen zu wirken und wieder den Intellekt die Gefahrensituation rationell bewerten zu lassen und damit die Hoheit über das Handlungsgeschehen wieder zu erlangen. Heißt ja nicht, das es falsch wäre dennoch zu entscheiden untätig zu bleiben, weil die Situation für das eigene Überleben dies auch nach dem Überdenken als absolut Sinnvoll erachtet. Die Abwägung z.B. in ein brennendes Haus einzutreten sollte mit kühlen Verstand getroffen werden, lernt schon mein Jüngster bei der Jugendfeuerwehr. Wichtig ist aber immer "das Überdenken" und dazu muss unser neuronales Netz welches sich beim " erstarrten Knie schlottern" in seiner evolutiongefangenen Endlosschleife befindet halt quasi erst mal rebootet werden!


    Angst darf dich also niemals beherrschen und daher beginnt die erste Zeile meines Mantras für eben solch eine Situation auch so...

    Ist vielleicht auch im englischen Original besser ersichtlich:


    I must not fear


    Fear is the mind-killer


    Fear is the little-death that brings total obliteration


    I will face my fear


    I will permit it to pass over me and through me


    When it has gone past I will turn the inner eye to see its path


    Where the fear has gone there will be nothing


    Only I will remain

    Normatilät tsi legidilch enie statsiticshe Häunufg mögilhcer Wahcsrheinlicheikten!

    Meine wichtigsten Ressourcen sind Zuversicht, mein Wissen, Ideen, handwerkliches Geschick und die verknüpfte Improvisation davon!
    Gruß derSchü

  • Wer sich überlegt, wie man sich verhält, wenn man zu einer Unfallstelle kommt und sich vorab ein paar Gedanken zurechtlegt, sollte auch daran denken, erst den Schlüssel im eigenen Auto zu ziehen und abzuschließen. Es wurde schon mehrfach von vorgetäuschten Autopannen, Unfällen und angeblichen Verletzten berichtet, die darauf aus waren, jemanden zum Anhalten zu bringen, um dann sein Auto zu stehlen oder ihn auszurauben. Es wird ausgenutzt, dass viele Menschen im Notfall etwas verwirrt reagieren und unerwartete Gefahren zu spät erkennen.

  • Wer sich überlegt, wie man sich verhält, wenn man zu einer Unfallstelle kommt und sich vorab ein paar Gedanken zurechtlegt, sollte auch daran denken, erst den Schlüssel im eigenen Auto zu ziehen und abzuschließen. ...

    Dem muß ich teilweise widersprechen. Das trifft m.M.n. nur bedingt zu, ist so wie vieles im Preparedness Bereich situationsabhängig. Bei einem Tunnelunfall oder einer Massenkarambolage auf einer eisglatten Autobahn / Windbruch ist ein verschlossenes Fahrzeug für Einsatz- / Räumkräfte eher hinderlich.


    Grüße

    CanisLupusGray

  • Hallo zusammen,


    mehr als 2 Jahre später gibt es ein Update vom Threadersteller, welches ich gerne mit euch teilen möchte:


  • Hallo,


    wie reagiere ich im Notfall.


    Zum einen ist das sicher eine Frage der Ausbildung, von einstudierten - oder besser - eingeübten Handlungsabläufen, etc.

    Ich behaupte mal, dass es selbst für den erfahrensten Profi einen Unterschied macht, in welcher Situation er mit einem Ereignis konfrontiert wird.

    Aus meiner Rettungsdienst - Erfahrung - die allerdings schon ein wenig bzw. richtigerweise, ziemlich lange zurückliegt - weiß ich, dass man ab dem Moment, ab dem man seine Dienstklamotten angezogen hatte, das Equipment gecheckt hatte, auf alles - zumindest abstrakt - vorbereitet war. Ab dem Moment konnte alles passieren, im Extremfall sogar nix ;-).

    Auf dem RTW einer Kleinstadt konnte man zudem davon ausgehen, dass man ziemlich früh, ziemlich vorn dabei war.

    Aber man hatte bereits beginnend mit der Alarmierung über die Anfahrt bis hin zum Eintreffen Zeit, sich auf den Einsatz gedanklich vorzubereiten, (der Fahrer vielleicht etwas weniger). Man war quasi „schockdisponiert“.


    Ganz anders sieht es aus, wenn derselbe „Profi“ in seiner Freizeit um die Ecke kommt und sich unvermittelt in einem entsprechenden Szenario wiederfindet, oder noch drastischer, wenn er das Geschehen z.B. den Unfall soz. live mit ansehen muss.

    Ich denke mal, er wird - je nach Ausmaß - im ersten Moment genauso geschockt oder zumindest erschrocken sein, wie jeder andere auch.

    Allerdings werden im Unterschied zum Laien die vorher erlernten, geübten Handlungsabläufe früher greifen.


    Bei mir ist es heute noch so, dass ich bei entsprechenden Situationen ein Loriot’ sches „Ahhh ja“ absondere, (zumindest gedanklich) und dann geht´s los. Dieses Ahhh ja ist so etwas wie ein Startschuss, als ob man einen Schalter umlegt, sich aus das Wesentliche konzentriert. Der Yogi würde sagen „fokussiert“.


    Damit es aber überhaupt losgehen kann, braucht es m.E. Kenntnisse, Erfahrung, Vorbereitung, etc., wäre zumindest hilfreich.


    Oder sollte ich sagen: „Preparedness“ 😉


    Grüße aus dem Allgäu.

    Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum!

    2 Mal editiert, zuletzt von transalp ()

  • Ich denke mal, er wird - je nach Ausmaß - im ersten Moment genauso geschockt oder zumindest erschrocken sein, wie jeder andere auch.

    Allerdings werden im Unterschied zum Laien die vorher erlernten, geübten Handlungsabläufe früher greifen.

    Das hab ich mittlerweile schon zweimal erlebt - sozusagen Schockstarre bei einem Profi, der in seiner Freizeit mit einer verletzten Person konfrontiert wird.

    Das eine Mal war ich mit Frau und Kind auf dem Weg zum übernächsten Ort zum Einkaufen. Auf der Landstraße dorthin war auf einem gut einsehbaren geraden Abschnitt ein klassischer Linksabbieter vs. Überholer-Unfall passiert: ein Traktor wollte nach links von der Straße abfahren, ein Golf-Fahrer wollte den Traktor gerade überholen. Resultat: Traktor lag auf der Seite am rechten Straßenrand, Golf stand mit eingebeulter Front am linken Straßenrand. Traktorfahrer hatte ne Platzwunde, Golffahrer wirkte äußerlich unversehrt, er versorgte die Platzwunde des Fahrers, während ich ihn beruhigte und dafür sorgte, dass dieser nicht unkontrolliert durch die Gegend rennt (was auch gut war - denn kurze Zeit später fuhr ein PKW ungebremst mitten durch die Unfallstelle - trotz Absicherung beidseits mit Wardreiecken und Ersthelfern in Warnweste und bald 6 Autos links und rechts am Fahrbahnrand. Mittendrin in der Erstversorgung kam eine Frau, die ebenfalls angehalten hatte und sagte zu uns: "Ich bin Krankenschwester." Mehr passierte nicht. Sie war wie erstarrt und stand einfach da. Da der Rettungswagen schon auf der Anfahrt war und man die Sirene schon hörte, maß ich der Sache keine weitere Bedeutung zu. Wir Ersthelfer übergaben dann den Patienten dem RD.


    Das zweite Mal war in der S-Bahn auf der Rückfahrt von einem Konzert. Die Bahn war ziemlich voll und ich stand mit unserem Sohn im Bereich der Türen. Bei einem Halt stieg ein stark betrunkener junger Mann ein, der sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. Nach zwei Stationen nickte er im Stehen ein und bei der nächsten Weiche fiel er um wie ein gefällter Baum, direkt meinen Sohn vor die Füße, der daraufhin kreidebleich wurde. Ein anderer Passagier hatte das mitangesehen, wir waren im vordersten Wagen und der Passagier sagte sofort dem Zugführer Bescheid und kam mir zu Hilfe. Zu zweit checkten wir den bewusstlosen Betrunkenen, er hatte sich nicht mal eine Platzwunde geholt und atmete normal. Wir drehten ihn in stabile Seitenlage und er begann zu schnarchen. Am nächsten Halt blieb die S-Bahn stehen und der Zugführer machte die Ansage, dass die Fahrt unterbrochen wird, weil ein medizinischer Notfall vorliegt und man auf den Rettungswagen warte. Nach einiger Zeit kam eine Passagierin hinzu und ich hatte ein Deja vu: "Ich bin Krankenschwester." Hm ja. wir sagten: alles stabil soweit, Puls ist da, Atmung deutlich hörbar, keine äußeren Verletzungen sichtbar, wir warten auf den RD.


    Man kann es ja auch positiv sehen: in beiden Fällen wurde beim Eintreffen der Krankenschwester ja schon gehandelt bzw. war die Situation im Griff und der RD alarmiert. Insofern gab es ja aktu nichts zu tun.


    Grüsse

    Tom

  • Wenn man die Praxis mal kritisch betrachtet ist die Notfallmedizin präklinisch zu 90% Schmerzmittel und bitte schnell ins Krankenhaus. Vielleicht noch etwas Volumen geben, und ein paar erweiterte Maßnahmen. Sicher gibt es die Fälle wo vor Ort lebensrettende Maßnahmen erfolgen. Und da danke ich unserer Ausbildung allgemein und der Erfahrung von Ärzten und Sanis im täglichen Dienst. Denn die 10% kommen natürlich auch immer wieder vor.

    Ich hab glaub ich falsch angefangen, auf was ich raus will: vor Ort bei einem Unfall kann wenig falsch gemacht werden: Notruf, aus der Gefahr bringen (oder diese löschen), schnauft er nicht -> drücken, schnauft er aber tut sonst nichts -> auf die Seite legen. Läuft viel Blut raus -> Druckverband etc., ansonsten möglichst nicht bewegen. Natürlich immer kommunizieren was man macht und auch sonst Kontakt halten.

    Wenn man tatsächlich vor Ort viel bewirken kann, keine Frage, da soll es ausgespielt werden. Zumindest in meinem Bereich geht es aber von ärztlicher Seite eher zu Load and Go, also nur Basismaßnahmen und ab in die Klinik.

    Vielleicht ist bei den Beispiel "Krankenschwester" im Hintergrund die ganze Ausbildung, die Komplikationen, die genauen Anweisungen, der eine mehr Sauerstoff, der andere stirbt wenn die Dosis nicht 100% passt usw., also ein Kopfkino das Spezialitäten der Intensivstation auf die Landstraße überträgt, wo das eigentlich nicht interessiert. Also weniger vom Unfallgeschehen an sich überfordert sondern vom Versuch im Kopf die komplizierten Vorgänge in der Klinik darauf zu projizieren. Also vom Patientenmonitor mit zig Werten zu "er schnauft normal und rinnt nicht aus -> gut" oder Pulsoxy an den Finger, "über 90% Sättigung, Puls zwischen 80 und 100 -> schaut doch ganz gut aus". Erst mal alle Spezialfälle beiseite lassen und hemdsärmlig entscheiden, nach einfachstem Schema, die Detailauswertung kann der Akademiker hinterher machen. Gleiches kann einem Notfallsanitäter passieren, wenn der in der Stadt 90% Herz/Kreislauf fährt und immer erst seine Messwerte nimmt und da einen offiziellen oder eigenen Algorithmus fährt - der steht dann in der U-Bahn ohne Werkzeug und das tägliche antrainierte Schema greift nicht mehr.

    Vielleicht sollte man auf allen Ebenen (Ehrenamtliche[meine Ebene], Rettungsdienst und Ärzte) auch mal das Szenario "du bist nackt in der Fußgängerzone und vor Dir klappt jemand zusammen" einbringen. Da reicht wahrscheinlich eine Unterrichtseinheit, aber das Thema kommt in den Kopf.

  • Vielleicht sollte man auf allen Ebenen (Ehrenamtliche[meine Ebene], Rettungsdienst und Ärzte) auch mal das Szenario "du bist nackt in der Fußgängerzone und vor Dir klappt jemand zusammen" einbringen. Da reicht wahrscheinlich eine Unterrichtseinheit, aber das Thema kommt in den Kopf.

    Das ist tatsächlich ein Thema, dass ich in meiner Bereitschaft regelmäßig einfließen lasse: ihr seid (mit dem Auto) unterwegs und habt nur einen schnöden DIN-Verbandskasten dabei.

    Dieses Szenario bringt gerade die Rettungshelden regelmäßig wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Das ganze Equipment (Pulsoxy, Blutdruckmanschette, AED, Larynxtubus etc.) ist alles nett, in 9999 von 10000 von Fällen aber nicht notwendig. Auch wenn es beruhigt, das Material dabei zu haben.

    Als "Normalsterblicher" kommt man eher nicht in die Verlegenheit, eine Reanimation durchführen zu müssen. Ich habe es jedenfalls noch nicht müssen. Und auch meine Frau hat in fast zehn Jahren als ehrenamtliche Sanitäterin keine Reanimation durchführen müssen. Erst als sie ehrenamtlich im Rettungsdienst anfing (und da hat sie mit relativ wenig Einsatztagen bereits etliche durchführen müssen).


    Worauf ich hinaus möchte, und da schlage ich wahrscheinlich in die selbe Kerbe wie huizhaecka:

    Die wenigsten Erkrankungen sind per se tödlich und in den seltensten Fällen rettet man als Ersthelfer Leben im eigentlichen Sinne.

    Die meisten Fälle sehen hochdramatisch aus, aber sind eigentlich per se "nicht schlimm". Als Betroffener sieht man das natürlich immer anders. Erst recht, wenn womöglich die eigenen Kinder betroffen sind. Dann ist jeder mit einem roten Kreuz auf der Stirn ein Arzt und wenn man nicht sofort das große Besteck ausgepackt hat, ist man ganz böse.


    Von den Fällen "keine Atmung", "bewusstlos" und "droht auszulaufen (mehr als 6 Liter Blut geht halt nicht raus aus dem Menschen)" abgesehen, wird man als Ersthelfer primär betreuen dürfen/müssen. Also: reden, reden, reden. Zeigen, dass der Patient nicht alleine ist und dass Hilfe unterwegs ist (Notruf wurde ja hoffentlich nicht vergessen) oder es wirklich nicht schlimm ist (wirklich nur "ein Fingernagel eingerissen", um es mal überspitzt zu formulieren).

  • Guten Morgen alle zusammen:)

    Das Thema ist zwar schon ein bisschen älter , der Inhalt aber immer sehr aktuell.


    Man muss verstehen das Angst nur eine weitere Eigenschaft des Menschen ist, und seines Kernes nach eine Funktion erfüllt. Wie mit allen Dingen des Lebens muss man lernen damit umzugehen.

    Ein Zitat, welches ich aus dem Englischen kenne besagt :

    Danger is real, fear is a choice


    Also Gefahr ist real, Angst aber deine Entscheidung. Und, dass ist richtig, was ist Angst ? Angst ist nur ein Gefühl was wir in gewissen Situationen unseres Lebens bekommen. Wie funktioniert Angst ? Man kann sich das Gefühl wie eine Welle im Meer vorstellen die sich mehr und mehr aufbaut, ihren Höhepunkt erreicht und dann wieder abflaut und verschwindet. Den Fehler den die meisten Menschen machen ist das sie gegen die Angst vorgehen weil sie, sie in gewissen Situationen behindert oder sogar zu falschen Handlungen oder Entscheidungen führen kann wovor sie ANGST haben. Also doppelter Effekt, zwei Varianten von Angst, die eine die uns generell durch den Tag begleitet, und die Angst die in härte Situationen auftritt. Im Gesamten gesehen ANGST vor der ANGST.


    Es soll nicht das Ziel sein Angst zu terminieren, vielmehr sie nutzbar zu machen, da sie jede menge Überlebens notwendige Funktionen enthält denn überleben ist ja schließlich das Hauptziel warum wir alle uns hier auf dieser Plattform treffen und diskutieren.

    Also, wie lernen oder trainieren wir unser Werkzeug Angst sinnvoll zu nutzen ? Als erstes indem wir lernen es als solches zu sehen, ein Werkzeug, etwas das uns nützt und nicht schadet. Dass ist die Basis von allem.


    Setze dich mal ein paar Minuten hin und denke darüber nach was dir im Moment so alles Angst macht. Dann bringe dich in diese Situation. wir reden jetzt natürlich von zivilen Situationen die im mittel europäischen Alltag auftreten können. Z.b. die Enge eines Liftes, oder alleine im Wald bei Dunkelheit usw. was eben jedem individuell Angst macht.

    Nur im Gegensatz zu vorher, wo du mit dem Empfinden der Angst auf die kommende Situation zu oder weggegangen bist ist dein Gedanke jetzt :


     ICH BEOBACHTE DIE ANGST. ICH LERNE DIE ANGST. ICH WILL SIE NUTZEN.


    Nur diese drei kleinen Sätze willst du im Kopf haben, nichts anderes.

    Das ist natürlich leichter gesagt als getan und die ersten 1-3 x werden übel, aber nach dem 3x garantiere ich dir, dein Empfinden wird sich ändern und es wird beginnen sich von einem ohnmächtigen blockierenden Gefühl zu einem Gefühl der leicht angespannten Konzentration zu wandeln. Du wirst merken wie deine Instinkte und Auffassungsgabe sich massiv verstärken, wie du ruhiger und ruhiger wirst, trotz Angst,

    Wenn du das fühlst und verstehst hast du aus deiner Angst ein nützliches Werkzeug gemacht, dass dir in den Situationen dann zunutze kommt auf die wir uns hier alle vorbereiten, in der Hoffnung all das Equipment und Kenntnis die wir haben nie nutzen zu müssen.

    Das geht natürlich nicht in 4 Tagen aber 2-3 Wochen Training werden dich auf den Weg bringen. Merken was du gelernt hast wirst du dann wenn du dich unverhofft in einer härte Situation nochmals wiederfinden solltest.

    Dann wirst du die Situation kontrollieren, nicht wie zuvor die Situation dich :!::!::!:

    .

    Damit schliesse ich und wünsche allen noch einen schönen Tag:)

    Lets rock the fear^^^^^^
    Northern Survivor

  • Angst hat auch eine körperliche Komponente. Insbesondere bei Stresshormonen und Neurotransmittern. Die mentalen und körperlichen Komponenten bedingen und beeinflussen sich gegenseitig, daher funktionieren ja auch Medikamente wie Antidepressiva, Drogen oder Alkohol usw.

    Die Stimmung wird durch diese Substanzen angehoben, weil der Körper durch sie gezwungen wird mehr Neurotransmitter auszuschütten, als er es eigentlich tun würde.

    Mehr Neurotransmitter im synaptischen Spalt = mehr Happiness beim Betroffenen. So läuft das nunmal.


    Man kann an jedenfalls an beiden Fronten arbeiten aber bitte ohne Drogen.<X

    Z.B. könnte man dem Körper alles zur Verfügung stellen, was er für die Synthese von Neurotransmittern benötigt. Google nach Biosynthese Tryptophan (Serotonin) oder Tyrosin (Dopamin) macht schlauer und schafft Aha-Effekte. In den allermeisten Fällen ist von irgendetwas zu wenig da und der Körper muss haushalten. Gespart wird dann an eher unwichtigen Dingen, wie. z.B. die Laune. Überleben geht auch mit schlechter Stimmung. :-D


    Für die mentalen Aspekte finde ich dieses Forum super geeignet, da man sich hier gut austauschen und fundiert informieren kann und man durch saubere Vorbereitung subjektive und objektive Sicherheiten herstellen kann.:thumbup:


    LG

    Bo

  • Angst ist das Ergebnis mangelnder geistiger, sprachlicher und ggf. körperlicher Vorbereitung.

    Einspruch!

    Angst ist evolutionär bedingt.

    Wäre sie nicht (über)lebensnotwendig, hätte die Natur sie nicht genetisch in JEDEM Lebewesen verankert.

    Angst kann uns lähmen.

    Dadurch verhalten wir uns still und werden dadurch - nicht immer - aber oft nicht entdeckt.

    Angst kann uns zum Angriff treiben - wie die sprichwörtlich in die Enge getriebene Ratte.

    Dadurch überraschen wir eventuell den Feind und können ihn ausschalten.

    Angst kann uns zu unglaublichen Höchstleistungen befähigen.

    Wir können z.B. Gegenstände anheben, die normalerweise viel zu schwer sind.

    Wir können schneller rennen, weiter springen. Nicht umsonst heißt es, Angst verleiht Flügel.

    Angst befähigt uns oft, trotz großer Schmerzen noch so weit zu kommen, bis wir Hilfe erhalten oder ein sicheres Versteck finden.

    Einer meiner Ausbilder sagte einmal:

    Wer keine Angst hat, ist kein Held, sondern ein Dummkopf.

    Lache das Leben an, und es knurrt zurück. ( Jean Paul )