Wasser abkochen: Wie viel Grad?

  • Moin Moin


    inspiriert durch einen Thread hier im Forum (Energieverbrauch beim Abkochen von Wasser) errinere ich mich an einen "Nebenbei kauf"

    Sunflair Water Pasteurization Indicator (WAPI) https://smile.amazon.de/dp/B00F7104EY?tag=httpswwwaustr-21


    Theorie ist dabei: Wasser ist bei 65Grad Pasteurisiert (https://de.wikipedia.org/wiki/Pasteurisierung) und somit muss das Wasser nicht mehr von 65 bis 100 Grad (Sprudelnd) erhitzt werden. Da diese
    letzten 35Grad für viel Heizmaterial verantwortwortlich sein müsste wäre das eine gute Idee?


    Es geht dabei darum einen Wachsblock in einer Röhre in das Wasser zu hängen und wenn das Wachs geschmolzen ist sind zehn Minuten bei >65Grad erreicht.


    Kann das was gutes sein?

    Kennt sich hier jemand mit diesem Thema richtig gut aus?

    Das Tool sollte funktionieren.. Ist ja keine Rocket Science aber ist das Resultat "sauber"?


    Danke und bleibt gesund!


    Riff

  • spontan geurteilt, Eher unpraktische Idee:

    Wenn du eine Röhre mit dem Wachs mitschleppst kannst auch gleich ein Thermometer nehmen, das ist weder grösser noch schwerer und in der elektronischen Variante mit Fühler am Kabel viel flexibler. Zudem misst das Ding auch Fieber. Die Batterien halten fast unendlich lange und die Dinger kosten fast nix und passen in eine bessere Streichholzschachtel.

    Du kannst, wenn du die Wassertemperatur schätzest, und warum auch immer nicht viel über 70 Grad heizen willst, auch eine Mischrechnung anstellen und hast dann den gleichen Zweck ohne das Wachs erreicht:

    65 Grad sind 2/3 der Temperaturerhöhung von 0 auf 100 Grad, abzukochendes Wasser ist meist etwas wärmer, man is also auf der sicheren Seite. Man nimmt geschätzte oder abgemessene 2/3 bis 3/4 der Wassermenge und kocht das auf, dann giesst man den Rest hinzu und hat seine 65 - 70 Grad ohne viel Brennstoffverschwendung.

    Bei einem Holzfeuer ist es eh egal, weil man das Heizmaterial in der Praxis nicht so genau dosieren kann und auch nicht muss. Bei Gas- oder Benzinkochern wäre das anders.

    Da Wasser weder anbrennt noch verdirbt, ist überhitzen auch kein Problem.

    Anders gesagt. Wenn das Gerät ein echtes Problem löst, hab ich keine wichtigeren Probleme und das ist dann schön.


    Ich hab das Gefühl, die wollen einen Pseudo-Survival-Markt bedienen und denken sich solche Gimmicks aus. Wenns Freude macht ...

  • Hallo,



    vorab … man kein nicht jedes Wachs nehmen.



    Das Wachs darf erst ab 65 Grad C schmelzen,


    Kerzenwachs schmilzt i.d.R. früher.




    Wir haben vor Jahren einmal solche WAPIs (für Afrika) nachgebaut.



    Benötigtes Material:


    Entsprechendes Wachs


    transparenter Plastikschlauch


    Fadel zum aufhängen


    zwei Unterlagscheiben oder Muttern als Senkblei (Gewicht)



    Werkzeug:


    Heizquelle (z.B. Feuerzeug)


    Zange


    Nadel bzw. dünner Nagel um das Loch für die Schnur zu stechen oder schmelzen


    „Zahnstocher“, um das Wachs in den Plastikschlauch zu bekommen, ohne dass man dabei das offene innere Ende des Plastikschlauchs berührt


    [sonst kann man den Schlauch nicht mehr (dicht) verschweissen.



    [Thermometer zum prüfen der Wassertemperatur.]



    Hat gut funktioniert … ab mit etwas Aufwand.




    Keine Ahnung was mehr Energie verbraucht


    Wasser 10 Minuten bei 65 Grad C halten


    oder


    kurz sprudeln aufkochen lassen (mit Deckel).



    Einfacher ist auf jeden Fall das sprudelnd aufkochen lassen.




    Irgendwo liegt so ein DIY-WAPI noch bei uns herum.

    Mal sehen ob ich das Teil finde.



    Ergebnis von uns:

    Nett

    oder

    nicht nötig

  • 65 Grad sind 2/3 der Temperaturerhöhung von 0 auf 100 Grad, abzukochendes Wasser ist meist etwas wärmer, man is also auf der sicheren Seite. Man nimmt geschätzte oder abgemessene 2/3 bis 3/4 der Wassermenge und kocht das auf, dann giesst man den Rest hinzu und hat seine 65 - 70 Grad ohne viel Brennstoffverschwendung.

    Soweit ich weiß, müsste man die 70 Grad aber über rund drei Minuten einhalten. Die Zeitspanne dürfte bei der Methode aber nicht gehalten werden. Also lieber einmal kurz zum sprudeln bringen. Da war man garantiert drei Minuten lang über 70 Grad.

  • Wenn man z.B. Cryptosporidien sicher abtöten will (die Oozysten überstehen auch eine Chlorbehandlung), dann muss man entweder 30min lang auf 60°C oder 1min lang auf 100°C erhitzen. Da spart man beim Brennstoff nicht viel. Riskiert aber, nicht alle Erreger erwischt zu haben.


    Grüsse

    Tom

  • Ich kenne nur diesen Spruch und würde ihn beherzigen (kommt aus Regionen wo man das Wasser täglich abkochen muss):


    Biiiiiiiiig bubbles - no troubles



    Heißt: lass ein paar Minuten gut kochen, heize ein bisschen mehr und sei auf der sicheren Sache. Mit heftigem Dünnschiss (im besten Falle) sich zu versorgen (alleine Brennmaterial fürs nächste Mal richtig abkochen zu sammeln) ist heavy. Manches Kroppzeug hält sich ggf. über 65 Grad für ein paar Minuten....

  • Ja ich kenne mich da gut aus.

    Gut genug um zu wissen das das vielleicht zwar ein schon raffinierter "fancy" Ansatz ist, aber reinste Theorie und in der Praxis absolut nicht tauglich.

    Wenn du draußen Wasser abkochen musst dann tue es am besten mit einem Holzfeuer oder nimm einen Wasserfilter mit ist noch besser.

    Erlebnisorientierter Prepper - LH Ultras

  • Wasser filtern und abkochen ohne Elektronik und HightTech PornGear sollte einem Prepper gerade noch so gelingen...


    Für diejenigen die auch da sowas wie ein App-unterstütztes Gerät brauchen um Überlebensfähig zu sein:

    https://www.lebesmart.ch/smart…her-mit-einer-app-starten


    Und damit dann auch niemand vergisst etwas zu trinken wenn der Durst sich meldet:

    https://apps.apple.com/ch/app/…inkerinnerung/id964748094


    Wer weiss, vielleicht ist schon 'ne App auf dem Markt damit man das Atmen nicht vergisst....

    Die grösste Verwundbarkeit ist die Unwissenheit - Sun Tsu

  • Wer weiss, vielleicht ist schon 'ne App auf dem Markt damit man das Atmen nicht vergisst....

    Dafür gab es in den 1980er Jahren die Walkmans, die ein gleichmäßiges "Einatmen - Ausatmen" auf dem Tape hatten.;)


    So was "billiges" wie Legionellen killt man schon mit 60°C, insofern die Temperatur, zum Beispiel in Leitungssystemen konstant auf dieser Temperatur gehalten wird.


    Ich sehe das Problem mit "niedertemperaturigem" Abkochen darin, dass man damit sicherlich einen großen Teil potentieller Erreger damit platt macht. Aber hier spielt zum einen der Faktor Zeit eine Rolle. Wenn das Wasser SOFORT getrunken wird, mag es ja vielleicht noch in Ordnung sein. Aber wenn das Wasser einige Zeit (Stunden oder Tage) zum Beispiel in einer Feldflasche gelagert wird, mag ich nicht ausschließen wollen, dass eine Rekontamination mit nicht abgetöteten Erregern im Wasser stattfindet. Zumal einige Erreger Sporen ausbilden können, wie Legionellen zum Beispiel, und eine Rekontamination somit erleichtert wird, wenn die Erreger durch eine zu niedrige und zu kurze Aufkochzeit nicht ausreichend abgetötet wurden.


    Pasteurisieren (also das Erhitzen auf Temperaturen um 65°C) tötet Keime ab, aber eben nicht alle, weswegen Milchprodukte dadurch zum Beispiel länger haltbar werden aber im Unterschied zu ultrahocherhitzten nach dem MHD mikrobiologisch nicht unbedingt einwandfrei sein müssen. H-Milch in ungeöffneten, unbeschädigten Verpackungen ist auch weit nach dem MHD aus mikrobologischer Sicht unbedenklich. Wo kein Keim mehr ist, der sich vermehren könnte, passiert auch nichts. Aber das schließt ja nicht aus, dass sich zum Beispiel das Fett in der H-Milch von der Wasserphase trennt...

  • Wo kein Keim mehr ist, der sich vermehren könnte, passiert auch nichts. Aber das schließt ja nicht aus, dass sich zum Beispiel das Fett in der H-Milch von der Wasserphase trennt...

    mir fehlt gerade wieder Grundwissen...... die Trennung des Fetts von der Wasserphse hat welche Auswirkung auf die Genießbarkeit?

    Gruß

    Kcco

    Gsund bleiben

    Keep clam and chive on

  • mir fehlt gerade wieder Grundwissen...... die Trennung des Fetts von der Wasserphse hat welche Auswirkung auf die Genießbarkeit?

    Gruß

    Kcco

    Im günstigsten Fall hast du einfach nur eklig schmeckende Plörre. Im schlimmeren Fall ziehst du dir etwas Magengrimmen zu, weil du Fett pur trinkst. Aber nix im Vergleich zu einer echten Verrenkung des Magens durch entsprechende Krankheitserreger.

  • Fett trinken macht aber nicht nur Magengrimmen, sondern auch Fettdurchfall und der ist wirklich schmerzhaft und sehr übelriechend.

    - Der wichtigste Vorrat ist Wissen, den können selbst Plünderer nicht mitnehmen -

  • Wie ist es denn bei zB Wasserrohrbrüchen oder dgl.?

    Hier wird von der Gemeinde in der Regel vorgegeben, das Wasser 10 Minuten lang abzukochen... Macht das überhaupt Sinn, oder einfach nur für die "Dummies" unter den Einwohnern gedacht?

    Himihergottzagramentzefixallelujamilextamarschscheissglumpfaregtz

  • Das macht in sofern Sinn weil sich zu Anfang immer noch Bakterien im Wasser enthalten können die einen sonst eventuell krank machen können.

    Beim Rohrbruch werden ja immer Teile aus der Wasserleitung herausgenommen und durch neue ersetzt, da kann es durchaus zu Verunreinigungen kommen, auch wenn man noch so sorgsam arbeitet.

  • Es geht wohl eher um die 10 Minuten.


    Bakterien und Viren bestehen ja hauptsächlich aus Protein. Und das degeneriert nun mal ab einer gewissen Temperatur. Und wenn man bedenkt, das ein Ei nach 10 Minuten Kochzeit ziemlich durch ist, wird das bei Bakterien und Viren aufgrund ihrer Größe natürlich sehr viel schneller der Fall sein.

    I feel a disturbance in the force...

  • Beim Rohrbruch kann es sicher zu Verunreinigungen kommen, diese sind aber nur in den wenigsten Fällen gefährlich. Bei uns in der Schweiz gibt es diese Weisungen (zumindest in meinem Umfeld) nicht. Es heisst lediglich, dass man das Wasser einen Moment laufen lassen soll, um den Dreck und die möglicherweise vorhandenen Schwebstoffe auszuspülen.


    Neue Wasserleitungen und Teilstücke (Schieber, Bögen etc.) sind ab Werk mit Plastikkappen verschlossen, welche erst im Graben, kurz vor dem zusammenstecken / schrauben entfernt werden. Ausserdem sind sich die Monteure in der Regel bewusst, dass sie mit einem Lebensmittel arbeiten. Schwarze Schafe gibt es natürlich immer. Mehr Sorgen würden mir da allenfalls alte Hausinstallationen oder Boiler machen. Auch nicht zu unterschätzen ist, wenn man in einem Gebiet wohnt, wo nicht mehr viel Wasser bezogen wird. Dann kann es durch den wenigen Verbrauch zu stehendem Wasser in der Leitung kommen. In der Regel beugen die Gemeinden dem aber mit regelmässigem Spülen an den Hydranten vor.

    Improvisation ist, wenn niemand die Vorbereitung bemerkt.

  • mir fehlt gerade wieder Grundwissen...... die Trennung des Fetts von der Wasserphse hat welche Auswirkung auf die Genießbarkeit?

    Gruß

    Kcco

    Grüß Gott Kcco,


    ich hatte einmal einen Lagzeitversuch mit H-Milch gemacht. Das Tetrapack stand ca. 10 Jahre über MHD in der Garage (kalt bzw. unter 0 im Winter).


    Die "Erfahrung" hatte ich hier in einem "Fred" eingestellt. Bitte einmal suchen und lesen.


    Zusammenfassung: Wasser und Milch getrennt; das Wasser war trinkbar - schmeckte nur ein wenig süß. Sah wie Molke aus. Habe es aber dann weg geschüttet. Keine Magenbeschwerden bekommen.


    Waidmannsheil

    zero

    Wetten Sie niemals gegen den menschlichen Erfindungsreichtum. Der größte Feind der Propheten der Apokalypse ist ein Ingenieur (Daniel Lacalle)

  • Temperaturen von Medien sind immer nur ein Mittelwert. Es gibt Moleküle und Atome, die darüber und darunter sind. Ansonsten gäbs auch keine Sublimation.

    Das betrifft dann natürlich auch Dinge, die in den Medien enthalten sind.

    Also lieber einige Zeit richtig "kochen".

    "Kochen" beschreibt allgemeinüblich den Übertritt bei H2O von der flüssigen in die gasförmige Phase. Auch dies ist regional sowie wetterbedingt unterschiedlich und in erster Linie vom Luftdruck abhängig. Genau kann man es im H-S-Diagramm nachlesen.

    An der Kennzeichenbefestigung erkennt man die Ernsthaftigkeit eines Offroaders...

  • Auch dies ist regional sowie wetterbedingt unterschiedlich und in erster Linie vom Luftdruck abhängig. Genau kann man es im H-S-Diagramm nachlesen.

    Das ist grundsätzlich richtig. Für die für uns wichtigen Höhenlagen nicht sonderlich relevant. Selbst auf dem Mount Everest kocht das Wasser bei 90°C statt bei 100°C.


    Da sich die meisten kaum über 1000 m Höhe bewegen werden, kann man die 100°C für kochendes Wasser als plusminus gesetzt annehmen.

  • Bei 90°C H2O kochen auf dem Mount Everest? Mit nem Schnellkochtopf wahrscheinlich...

    An der Kennzeichenbefestigung erkennt man die Ernsthaftigkeit eines Offroaders...